Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
Part 3
Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes +Flächenmuster+, das in +Streifen+ zerlegt werden kann; auf diese Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für +Kindersachen+ ganz besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden: die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe: der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen, schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu +Garten-+ und +Balkonkissen+, auch für +Kinderzimmer-+ und +Dielenkissen+ verwendet, und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet.
Abb. 14 zeigt ein einfaches +Flächenmuster+ in zwei Farben für +Garten-+ und +Dielentischdecken+, +Kissen+, +Vorleger+, +Schreib-+ und +Sammelmappen+, +Kassetten+. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle oder -- waschecht -- in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz, weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau, schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für +Knöpfe+ verwendet werden.
Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein +Flächenmuster+ dar, aus dem man eine +Borte+ machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als auch eine sich nach rechts und links fortsetzende +Borte+, die sich für +Taschen+, +Kindersachen+ und +Deckchen+ recht gut eignet. Als Flächenmuster paßt sie für +Kissen+, +Mappen+, +Taschen+ und, wie die meisten dieser Entwürfe, auch für +Bucheinbände+. Man stickt das Muster am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien. Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen nehmen!
6. Monogramme und Buchstaben
Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte eine wichtige Rolle im Leben der Braut.
Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren, so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht, die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen, die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“. -- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis 20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren Wirkung wegen verdrängt wurde.
Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.
Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen, persönlichen Geschmack.
Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und Monogramme.
Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend verkleinert, tragen.
Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen, erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+, +Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+ und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch +Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter.
Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände, die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden, dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch, Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.
Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.
7. Häkeleien verschiedener Art
Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden; man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten +Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe, dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+, +Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.
+Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein +Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam -- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+, +Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+ und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+ für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.
Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen, die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.
Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+ verwenden kann.
Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für +Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für +Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.
Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen, von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung aufbewahrt wird.
Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster, die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle ein brauchbarer Gegenstand.
Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch; es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.
In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material. Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt. Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit weißen Pikots umrandet.
Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis 30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“ und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+ und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+ eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem ersten Bilde.
8. Künstlerische Blumen
In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt. Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch -- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen. Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen, am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts- und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+ und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für +Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines +Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte „+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für +Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+, +Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten „Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für +Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie „Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke +Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist, kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich, ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder +Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr leicht geschehen kann.
Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle, die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden, doch sollen sie nicht bäurisch wirken.
Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die, langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter, oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.
Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig größer.
Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb. 33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe. Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.
Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32) herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht, angebracht.
Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.
9. Teepuppen