Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen

Part 11

Chapter 113,315 wordsPublic domain

Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen, aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln. Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+ besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+ bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht, daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+ bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben. Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund, mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt.

Besonders malerisch wirken die +Bäume+. Der Baumstamm besteht aus Holzstöckchen in entsprechender Höhe, die auf Holzknöpfe geleimt werden, damit sie feststehen. Man kann auch viereckige Holzstückchen dafür verwenden. Das +Laub+ besteht aus grünem Seidenpapier; ein langer Streifen Seidenpapier wird an einer Längsseite in Abständen von ½ Zentimeter eingeschnitten. Der Baumstamm wird mit Kleister oder Leim bestrichen, soweit das „Laub“ reicht, und nun wird der Seidenpapierstreifen, von oben anfangend, nach unten darüber gewickelt, bis ein voller Wipfel entsteht. Der Stamm wird braun angestrichen, ebenso der Knopf oder das Standbrettchen. Noch einfacher ist die Herstellung der Bäume, wenn man Luffaschwamm in grüner Beize färbt und an den Baumstämmchen befestigt.

Die +Eisenbahn+ (Abb. 113) ist ein Spielzeug, das in jedem Kinderzimmer helle Begeisterung auslösen dürfte; besonders Jungen sind immer für Eisenbahnen zu haben, die ihre Phantasie anregen und die man nach Belieben bewegen kann. Die +Wagen+ bestehen aus Streichholzschachteln, die mit braunem oder dunkelgrünem Papier, mit Hilfe von Kleister, Dextrin oder irgend einem anderen Klebestoff, verkleidet werden. +Fenster+ und +Türen+ werden aus schwarzem oder braunem abstechenden Papier sorgfältig ausgeschnitten und aufgeklebt. Um gerade Linien zu erzielen, nimmt man das Lineal zu Hilfe, die Linien werden mit einer Stricknadel längs des Lineals eingeritzt oder mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift vorgezogen. Die +Räder+ bestehen aus Pappe; zum Aufzeichnen verwendet man runde Schachteln (Pillenschachteln), legt sie unter die Pappe und zieht mit Bleistift den Kreis. Die Zündholzschachteln werden zum Anbringen der Räder an geeigneter Stelle durchlocht, die Räder durchlocht man genau in der Mitte und befestigt sie mit Streichhölzern oder Zahnstochern an den Wagenwänden, am einfachsten ist es, wenn man die Räder mit Reißnägeln anbringt. Die +Lokomotive+ erhält einen +Schornstein+ aus einer Garnrolle, die einzelnen Wagen werden mit Bindfaden miteinander verbunden, man durchlocht die Schachteln und zieht den dünnen Bindfaden durch. Die Wagenreihe kann beliebig verlängert werden, man kann auch Nummern auf die einzelnen Abteile pinseln, um sie nach Klassen einzuteilen.

35. Knebelpuppen

Die niedlichen +Knebelpuppen+, die wir auf Abb. 114 zeigen, eignen sich sehr gut als +Tafelschmuck+, besonders als +Tischkartenhalter+. Man kann damit eine sehr lustige „bunte Reihe“ erzielen. Die Herstellung ist sehr einfach und kostenlos; im letzten Augenblick gelingt es geschickten Händen noch, solche farbige Figürchen anzufertigen. Bei einiger Übung kann man sie dutzendweise nacharbeiten. Man nagelt die bekannten +Paketholzknebel+ auf +Holzknöpfe+ auf; es genügt auch, sie mit Tischlerleim aufzukleben. Die Arme bestehen aus abgebrannten +Streichhölzern+, die ebenfalls an beiden Seiten des Knebelrumpfes angeleimt werden. Sollen sie beweglich sein, so befestigt man sie mit Draht. Die +Paketknebel+ werden durchbohrt, der Draht wird durchgezogen, und die Streichhölzer werden am oberen Teil fest umwickelt; es muß aber so viel Raum bleiben, daß die Arme bewegt werden können. Die „Dame“ auf unserer Photographie hat solche beweglichen Arme, während die Arme ihrer beiden Kavaliere fest angeleimt sind. Man malt die Knebelpuppen mit Guasch-, Leim- oder Temperafarben recht bunt an und lackiert sie mit +Spirituslack+, möglichst mehrmals, damit ein harter Hochglanz entsteht. Nach jedem Lackieren muß der Anstrich auftrocknen, ehe man mit dem nächsten beginnt. Die +Gesichter+ werden rosa angepinselt, mit roten Backen und rotem Mund, die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, die Haare sind braun oder ockergelb. Die +Jacken+ hält man tütenblau oder feuerrot, auch Kirschrot und Orangegelb sind passende Töne. Sollen sie grün bemalt werden, so verwendet man am besten einen giftigen Ton, auch Grasgrün kommt in Frage. Die +Hosen+ werden in einer abstechenden Farbe angepinselt und mit einem braunen oder schwarzen Strich getrennt. Hübsche Farbenzusammenstellungen sind Kirschrot und Tütenblau, Giftgrün und Orangegelb, Zitronengelb und Feuerrot.

Die „+Dame+“ bekommt ein angekraustes weites +Röckchen+ aus Seidenpapier, das mit bunten Tupfen bepinselt wird. Irgend ein Seidenstoffrestchen kann ebenfalls verwendet werden. Die +Holzknöpfe+, die als Standbrett dienen, werden in einer der genannten Farben angestrichen, möglichst abstechend, da der Hauptreiz der Knebelpuppen in ihrer Buntheit besteht. Will man sie als +Lotteriegewinne+ paarweise verwenden, so schlinge man farbige Woll- oder Perlgarnfäden um ihre eingekerbten Taillen und verbinde je ein Pärchen durch diese zu Schleifen verschlungenen, entsprechend langen Fäden. Man kann auch schmale, bunte Seidenbandreste dazu verwenden, indessen soll man dabei beachten, daß es sich um eine scherzhafte Spielerei handelt und kein wertvolles Material dafür benutzen. Will man die Figürchen als +Tischkartenhalter+ verwerten, so stecke man die Karte mit einer Stecknadel an dem Holzknopf fest, damit sie nicht herunterfällt. Als +Kinderspielzeug+ werden die +Knebelpuppen+ von den Kleinen sehr geschätzt, man kann mit ihnen die Puppenstuben beleben; auch in ein selbstgebasteltes Dorf, in einen Geflügelhof, möglichst „von eigener Hand“, passen sie recht gut. Will man sie in sehr kleinem Format herstellen, so halbiert man die Paketknebel und die Streichhölzer, benutzt kleine Holzknöpfe als Ständer und verfährt im übrigen genau wie bei den andern Figürchen. Die kleinen Leute sind besonders für +Silvesterscherze+ zu empfehlen; man kann Namen auf die Knöpfe pinseln und mancherlei Ulk damit treiben; bei Tanzstundenbällen und ähnlichen Festen wird man sehr viel Fröhlichkeit damit hervorrufen.

36. Kreisel

+Kreisel+ sind ein altes Spiel, das sowohl von Knaben, als auch von Mädchen sehr geliebt wird. Wer solches Spielzeug selber herstellen kann, wird viel Freude haben und sich sehr beliebt machen. Junge Mädchen, die in Familien mit Kindern verkehren, werden ihnen sicherlich gern etwas „mitbringen“ ein selbstgemachter Kreisel macht keine Kosten und wird gern angenommen, oftmals lieber als Süßigkeiten, mit denen man sich im allgemeinen behilft.

Der eine +Kreisel+, den wir im Bilde (Abb. 115 rechts) zeigen, besteht aus einem +Paketknebel+ und einer +Garnrolle+, die mit kräftigen Farben angemalt ist, das andere Modell ist aus einem +Paketknebel+ und einem +Pappstern+, der zum Zwirnwickeln gedient hat, hergestellt; auch dieses Modell ist bunt angepinselt. Haltbarer ist der erste Kreisel. Die breiten Teile einer Garnrolle werden mit der Laubsäge abgesägt, die Flächen reibt man mit Sandpapier glatt, man kann sie auch abfeilen.

Ein +Paketknebel+ wird durchgeschlagen, damit er fest sitzt. Dann streicht man den fertigen Knebel mit einer haltbaren Farbe an, am besten mit +Emailfarbe+, die nicht lackiert wird. Es genügt indessen auch +Ölfarbe+, die mit Terpentinöl verdünnt und aufgetragen wird; das Holz darf nicht durchscheinen. Ist die Ölfarbe aufgetrocknet, so lackiert man den Kreisel mit +Ölfarbenfirnis+, der sehr langsam auftrocknet. Man darf den Kreisel nicht eher anfassen, als bis der Lack vollständig aufgetrocknet ist.

Auch der andere +Kreisel+ (Abb. 115 links) wird in dieser Weise angepinselt; man kann die Kreisel mit bunten Tupfen verzieren. Den Holzkreisel schmückt man am besten, wenn man den Garnrollenteil in mehrere Felder aufteilt und jedes Feld in einer anderen Farbe anstreicht; doch genügen auch Strich- und Punktornamente.

Am hübschesten sehen die +Kreisel+ aus, wenn sie recht grell bemalt sind; als Grundton verwendet man Feuerrot, Kirschrot, Tütenblau, Briefkastenblau oder Grasgrün. Die Tupfen hält man in Gelb und Blau, wenn der Grund rot ist, in Rot und Grün, wenn er blau ist, in Weiß und Gelb, wenn er grün ist. Teilt man den +Kreisel+ in Felder auf, so streiche man sie rot, blau, grün, gelb, weiß an und trenne sie mit schwarzen Strichen. Man kann auch zwei der genannten Farben zum Grundieren verwenden, wenn man den +Paketknebel+ und die +Garnrolle+ oder den +Zwirnhalter+ in zwei voneinander abstechenden Tönen bemalt.

37. Holztiere

Es ist eine alte Erfahrung, daß man, wenn es sich um Spielzeug handelt, für Mädchen viel eher etwas Passendes findet als für Knaben. Wenn man die Spielsachen nun gar noch selber herstellen möchte, wird die Auswahl immer geringer, und wenn man außerdem Zeit und Kosten beschränken will, bleibt bestimmt sehr wenig übrig.

Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 116 und 117) zwei Holztiere, die als Spielzeug für Knaben großen Beifall finden dürften, umso eher, als auch das Schwesterchen und alle Freunde und Freundinnen damit spielen können. Es ist ein Spielzeug, das weder auf das Haus, noch auf den Spielplatz im Freien beschränkt ist; ihre vielseitige Verwendung in Kinderhänden ist es, die solche Tierfiguren so sehr beliebt macht, abgesehen davon, daß das Tier in der Kinderstube überhaupt eine große Rolle spielt. Unsere Modelle sind aus +Holz ausgesägt+; da die Laubsägearbeit in letzter Zeit in Jungmädchenkreisen vielfach ausgeführt wird, dürften solche Anregungen sicherlich gern aufgenommen werden, umso eher als auch Anfänger damit Versuche machen können.

Bei der Anfertigung der Holztiere achte man zunächst auf geeignetes Material. Die Holzfaser ist entscheidend; paßt man bei der Auswahl des Holzes nicht genau darauf auf, daß die Richtung der Holzfaser mit der Form des Modells übereinstimmt, so kann es geschehen, daß das Stück schon während der Arbeit zerbricht, jedenfalls wird es, wenn es die Herstellung übersteht, keine lange Lebensdauer haben; Spielzeug muß manchen Fall, manchen harten Griff vertragen können. Wenn ein Anfänger mit diesen Begriffen noch nicht recht vertraut ist, ist es ratsam, einen Fachmann darüber zu befragen, jeder Tischler weiß damit Bescheid.

Wenn man Zeit und Geld sparen will, versuche man die +einfache+ Ausführung der Holztiere, das heißt, man schneide die Silhouette des Tieres aus einem Brett, dessen Stärke sich nach der Größe des Modells richten muß. Wir zeigen auf unseren Abbildungen einen +Elefanten+ (Abb. 116) und einen +Pfau+ (Abb. 117). Für den Elefanten geben wir auf der Zeichnung (Abb. 119) ein gebrauchsfertiges Schnittmuster und eine Einzelzeichnung (Abb. 120), aus denen man die Größenverhältnisse und alles Notwendige ersehen kann. Außerdem bringen wir das Muster von einem +Kaninchen+ in natürlicher Größe (Abb. 118). Die Zeichnung wird auf das Holz übertragen; man macht zunächst eine Pause auf Pauspapier und überträgt das Muster mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift über Graphit-, Blaupaus- oder rotem Ölpauspapier auf das Holz, dann werden die Umrißlinien ausgesägt. Will man ein ganz besonders widerstandsfähiges Spielzeug herstellen, so verwende man nicht nur +ein+ Brett, sondern +drei+ Bretter von derselben Art. Alle drei Bretter werden einzeln ausgeschnitten, man braucht aber nicht dreimal dieselbe Silhouette auszuführen. Es genügt meist, nur den Rumpf mit den Beinen beiderseits auf das Mittelstück zu leimen, das Rumpf, Hals, Kopf und Schwanz darstellen soll. Das Mittelstück soll stärker als die Seitenteile sein, die Seitenbretter hält man etwa halb so stark wie das Rumpfbrett, man kann auch 1 bis 2 Millimeter zugeben; das Rumpfbrett wird am besten 10 bis 12 Millimeter dick gehalten.

Wenn man die Tiere einfach aus +einem+ Holzbrett aussägt, müssen sie auf einem Standbrett angebracht werden, ein Zapfen verbindet Standbrett und Holztier. Notwendig ist es, den Zapfen mit der Silhouette gleichzeitig auszusägen, zum Anleimen wird Tischlerleim verwendet. Wenn die Tiere aus mehreren Holzbrettern angefertigt sind, braucht man +keine+ Standbretter, sie sind breit genug, um das Gleichgewicht zu halten.

Die Kinder freuen sich am meisten mit den Spielsachen, die möglichst beweglich sind, darum lieben sie besonders die Tiere, die sie auf Rädern herumfahren können. Die Mühe ist so gering, daß man die notwendigen vier Räder gern anbringen wird. Man sägt sie aus einem Brett, durchbohrt ihren Mittelpunkt mit einem Bohrer, befestigt in dem so entstandenen Loch eine passende Schraube, die in das vorgebohrte Standbrett hineingeschraubt wird. Am Standbrett wird außerdem in der Mitte der Vorderseite eine Metallöse eingeschraubt, damit das Holztier an einer darin befestigten Schnur gezogen werden kann. Man kann die Räder auch beim Drechsler herstellen lassen, am einfachsten ist es, wenn man aus großen oder kleinen Garnrollen Räder macht, indem man die beiden radähnlichen Teile absägt und mit einer Schraube am Standbrett anbringt. Für größere Tiere verwendet man die großen Schneidergarnrollen, für kleine Tiere genügen die Garnrollen, die im Haushalt gebraucht werden. Um die Reibung der Räder zu vermindern, legt man auf jede Seite des Rades ein Metallplättchen.

Tiere, die aus dreifachem Holz hergestellt werden, können zwar auch ohne Standbrett „von selber“ stehen, wenn sie aber Räder erhalten sollen, ist ein Standbrett notwendig.

Die Holzflächen sollen glatt sein; gerade da es sich um Spielzeug handelt, das sehr häufig angefaßt werden soll, muß die Glätte besonders betont werden, damit die Holztiere auch nicht die geringsten Verletzungen hervorrufen, nur ausgesprochen glatte Gegenstände sind wirklich handlich. Darum empfiehlt es sich, die rohen Bretter mit der Ziehklinge abzuziehen oder sie vom Tischler abhobeln zu lassen. Die einzelnen Umrißlinien werden am besten mit Sandpapier nachgeschliffen, wobei alle Feinheiten berücksichtigt werden müssen, damit die Konturen unter dem Nachschleifen nicht leiden.

Zum Schluß werden die Holztiere bemalt, am besten „nach der Natur“. Wer nicht ganz sicher ist, nehme Naturgeschichtsbücher zu Hilfe, in denen die einzelnen Tiere, die hergestellt werden sollen, genau beschrieben sind. Wer nach unseren Angaben einige Übungen gut bestanden hat, kann die verschiedensten Tiere mit der Laubsäge herstellen; wer Freude daran findet, wird sich spezialisieren, das heißt man kann einen Geflügelhof, eine Schafherde, einen zoologischen Garten, eine Serie Teichvögel, eine Viehherde anfertigen. Solche Arbeit macht nicht nur den Kleinen, sondern auch den Großen selber Vergnügen.

Das +Bemalen+ der einzelnen Stücke ist sehr einfach. Man benutzt dazu die +billigen Leimfarben+, einfache Wasserfarben würden nicht decken, Guasch- und Temperafarben stellen sich dafür zu teuer. Wenn man die höheren Kosten nicht scheut, sind Email+lackfarben+ zu empfehlen, sie haben eine starke Leuchtkraft und eignen sich besonders gut für Spielsachen, weil sie immer wieder abgewaschen werden können, was gerade bei dieser Art Spielzeug sehr angebracht ist. Auch +Ölfarben+ verwendet man vielfach zum Bemalen der Holztiere, sie müssen aber längere Zeit trocknen, ehe die Spielsachen in Gebrauch genommen werden können.

+Leimfarben+ werden in den einschlägigen Geschäften oder in Drogerien in Pulverform gekauft. Man macht zunächst eine Lösung aus dünnflüssigem Leim, das heißt, man kocht +Tischlerleim+, den man mit Wasser stark verdünnt, und vermischt damit die Farbpulver, am besten in einer alten Tasse oder einem ausrangierten Töpfchen. Ist die Farbmischung gut verrührt, so streicht man die Holztiere mit einem +Borstenpinsel+ an; zuerst kommt die Grundfarbe an die Reihe, zum Schluß die kleinsten Farbflecke. Kleine Holztiere taucht man vorsichtig in die Farblösung ein, um das Grundieren zu vereinfachen.

Der +Elefant+ ist grau, das Auge ist schwarz auf weißem Grund, der Stoßzahn ist weiß, einige Konturen werden, wie die Photographie zeigt, mit Hellgrau eingezeichnet, man benutzt dazu einen spitzen Borstenpinsel und zeichnet die Linien beiderseits recht flott. Das Standbrett und die Räder streicht man feuerrot oder briefkastenblau an, auch Schwefelgelb eignet sich recht gut dafür.

Der +Pfau+ (Abb. 117) kann etwas phantastischer bemalt werden. Man hält den Rumpf pfauenblau, die eingezeichneten eckigen Schmucklinien werden abwechselnd giftgrün und briefkastenblau gehalten. Die „Pfauenaugen“ im Schweif und in der Krone haben weiße Halbkreise, die sich scharf vom Hintergrund abheben. Die Augen sind weiß mit schwarzem Mittelpunkt, den Schnabel malt man gelb oder feuerrot, die Füße dunkelgrau.

Das +Kaninchen+ (Abb. 118) wird weiß angestrichen, die Konturen hält man schwarz oder dunkelgrau, nach Belieben kann man es auch grau grundieren oder tiefschwarz mit weißen Konturen.

Die fertig gemalten Holztiere werden lackiert, um die Farben zu schonen; lackierte Gegenstände färben nicht, wenn sie gelegentlich feucht werden; die Farben behalten durch das Lackieren nicht nur ihre Leuchtkraft, die sonst leicht verloren geht, sie treten auch unter dem Lack noch ganz besonders hervor.

Für die Leimfarben verwendet man Spirituslack, er trocknet schnell und genügt meist, besonders wenn nach jedesmaligem Auftrocknen der Anstrich zwei- bis dreimal wiederholt wird. Der Lack muß aber vollständig aufgetrocknet sein, ehe man den nächsten Aufstrich beginnen darf, sonst wird er streifig und unansehnlich. Spirituslack ist fertig käuflich, im Haushalt kennt man ihn, weil man damit Strohhüte auffrischt. Man kann Spirituslack selber herstellen: In einer Medizinflasche mischt man ein Viertel Schellack mit drei Viertel Brennspiritus. Für größere Gegenstände dürfte diese Menge indessen nicht ausreichen, es empfiehlt sich, in den Geschäften, in denen man den Schellack kauft, die Größe des Gegenstandes anzugeben, um die genügende Quantität zu erhalten und die Mischung dementsprechend vorzunehmen. Bei einiger Übung wird man sehr bald die richtige Mischung selbst zusammenstellen können, sie hängt von der Stärke des Brennspiritus ab.

Auch +Ölfarben+ werden +lackiert+, aber nicht mit Spirituslack; für Ölfarben erhält man in Farbenhandlungen den geeigneten Lack, der aus Leinöl und Kopal oder Bernstein besteht. Gegenstände, die mit Ölfarben bemalt sind, kann man, wenn man +Hochglanz+ erreichen will, mehrmals lackieren. Die Ölfarben werden zum Bemalen mit Terpentinöl verdünnt; je mehr Terpentinöl verwendet wird, desto dünner wird der Anstrich, man achte daher darauf, daß sie nicht allzu flüssig werden, damit das Holz nicht durchscheine.

Auch +Emaillackfarben+ werden mit Terpentinöl verdünnt und wie diese behandelt, aber nicht lackiert.

Eine andere Art, Holztiere herzustellen, ist folgende: Man zeichnet die Konturen des Modells auf Sperrholz auf, für die Übertragung benutzt man Graphit-, Öl-, Paus- oder Schreibmaschinenpapier. Ein Laufbrettchen gehört zu den Tieren; man verlängert die Füße der Holztiere nach unten in der Stärke des Laufbrettchens und sägt aus diesem Laufbrettchen genau in der Mitte die entsprechenden Teile aus, damit die verlängerten Füße hineinpassen. Hat man das Modell ausgesägt, so steckt man die verlängerten Teile in die ausgesägten Schlitze, die vorher mit heißem Tischlerleim bestrichen wurden. Die oberen Kanten des Laufbrettchens werden vor dem Einsetzen der Holzteile schräg abgefeilt. Die Räder werden in der bereits beschriebenen Weise angefertigt, auch die Bemalung wird in denselben Techniken ausgeführt. Dasselbe gilt vom Lackieren.

Nach dem Bemalen und Lackieren müssen alle Gefäße gereinigt und alle Pinsel sorgfältig ausgewaschen werden. Ölfarbenpinsel und Öllackpinsel werden mit Terpentinöl gesäubert, Spirituslackpinsel behandelt man mit Brennspiritus. Bleiben die Pinsel ungereinigt, so werden sie steif, und die Borsten brechen ab, ein Verlust, der sich bei sorgfältiger Behandlung des Arbeitsmaterials sehr lange hinausschieben läßt.

38. Holzbasteleien

~a~) Geburtstagsleuchter

Holz ist ein außerordentlich dankbares Material; man kann mit einiger Übung allerlei nützliche und hübsche Gegenstände aus Holz herstellen; wenn man Holzarbeiten ausführen will, hat man eine große Auswahl, sowohl was die Gegenstände als auch was die Techniken anbetrifft.

Besonders gut eignet sich das Holz für +Basteleien+, für kleine, amüsante Stücke, die ihrer Nützlichkeit wegen kein Krimskrams genannt werden dürfen, die aber nicht unbedingt notwendig sind und schließlich eine niedliche Spielerei darstellen. Einige solcher Modelle zeigen wir im Bilde (Abb. 121 bis 123); sie lassen sich leicht nacharbeiten und eignen sich für +Vielliebchengeschenke+, für „+Überraschungen+“ und +Lotteriegewinne+ bei festlichen Anlässen im Freundeskreise. Einiges davon dürfte man auch als +Tafelschmuck+ verwenden.