Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen

Part 10

Chapter 103,203 wordsPublic domain

Der +Nachttisch+ hat eine Platte von 5 mal 5 Zentimeter, zwei Seitenwände zu je 3 mal 8 Zentimeter, eine Rückwand von 4 mal 8 Zentimeter, ein inneres Brett 3 mal 3 Zentimeter.

Der +Sessel+ hat eine Rückwand von 6 mal 12 Zentimeter, zwei Seitenwände zu 6 mal 8 Zentimeter, einen Sitz 5½ mal 6 Zentimeter, die Höhe der ausgesägten Stuhlbeine beträgt 3½ Zentimeter.

Der +Stuhl+ hat eine Rückwand 5 mal 11 Zentimeter, einen Sitz 5 mal 5 Zentimeter, die Beine werden in 1 Zentimeter Stärke und 4 Zentimeter Höhe aus der Rückwand und aus dem Vorderbrett ausgesägt. Die Vorderbeine sind 5 mal 5 Zentimeter, die Seitenteile 1½ mal 4½ Zentimeter.

Die +Fußbank+ ist 18 mal 18 Zentimeter groß, die Mittelbeine werden über Eck 6 mal 5 Zentimeter angenagelt, die andern Beine sind 4½ mal 5 Zentimeter groß. Der Durchmesser des Holzes beträgt 5½ Zentimeter.

Zeichnung zur Fußbank.

Das +Wandbrett+ hat ein Brett 3 mal 15 Zentimeter, Stütze: 4 mal 3½ Zentimeter.

Der +Tisch+ hat eine runde Tischplatte von 12 Zentimeter Durchmesser, der Fuß besteht aus einer entsprechend großen Garnrolle.

Die +Möbel+ werden mit Messingnägeln zusammengenagelt, man achte darauf, daß die Nägel runde Köpfe haben.

Die fertigen Stücke wird man am besten mit +Holzbeize+ färben. Am feinsten wirkt Eiche, Palisander, hell- oder dunkelbraun, die Ränder streicht man mit schwarzer Ölfarbe an. Die Beize wird mehrmals aufgetragen, nachdem der erste Anstrich eingezogen ist; der Anstrich darf nicht streifig wirken. Erst wenn die Beize völlig eingezogen ist und bestimmt nicht nochmals aufgetragen zu werden braucht, werden die Streifen mit Ölfarbe gestrichen. Der Ölanstrich muß einige Tage auftrocknen. Wir zeigen auf unserer Abb. 106 die vollständig eingerichtete +Puppenstube+ und bringen den +Schrank+ in einer Einzelansicht (Abb. 107), weil er aus technischen Gründen bei der Aufnahme aus der Puppenstube entfernt werden mußte. In dieser hübschen Originalpuppenstube steht der Schrank an Stelle des Waschtisches, und der Waschtisch an Stelle des Sessels, der neben dem Tisch stehen müßte. Der Schrank hätte die Aussicht verdeckt, man kann ihn beliebig in der Puppenstube aufstellen. Auf unserm Bilde sieht man das große +Einzelfenster+. Man kann eine vom Glaser entsprechend groß geschnittene Glasscheibe mit Glaserkitt vorkleben, man kann auch, wenn die Puppenstube sehr groß ist, zwei Fenster anbringen. Aus buntem +Waschstoff+, am besten +Druckstoff+, +Kretonne+ -- ein Restchen genügt -- wird der gekrauste kurze +Vorhang+ hergestellt, und an kleinen +Ringen+ über eine +Stange+ gezogen. Wer Lust hat, kann aus +Gardinenstoff+, aus +Tüll+ oder +Schleierstoff+ Gardinen nähen, das ist Geschmacksache; geraffte Gardinen, Vorhänge, mehr oder weniger lang, passen ebenfalls in dies Zimmer. Der +Teppich+ unter dem Tisch ist handgestickt. Er zeigt ein geometrisches Muster, über Kanevas in Kreuzstich gearbeitet, mit einer schwarzen Schnur am Rande abgepaßt. Wer Zeit sparen will, verwendet am besten ein Stückchen +Möbelstoff+ als Teppich, auch handgewebte streifige oder gekästelte, kleinmusterige Stoffe passen dafür. Wie man +Betten+ herstellt, weiß jedes größere Mädchen; statt der Federn verwendet man Kissenfüllung, die in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, am besten eignen sich +Pflanzendaunen+ dafür. Man näht rote oder blaue +Inletts+ und weiße +Bezüge+ und +Bettlaken+; je ähnlicher sie den „richtigen“ Betten der Großen sind, desto mehr Anklang werden sie finden.

Auf den +Waschtisch+ stellt man ein Puppenwaschservice, vielleicht treibt man für den Nachttisch einen +Leuchter+ auf.

Es gibt in Spielwarenhandlungen kleine +Schalen+, die, auf den Tisch gestellt, den Raum sehr hübsch beleben, dort findet man auch +Kännchen+ für das Wandbrett.

Zum Schmuck der Wände stellt man +Bilder+ her, indem man passende Bildchen auf Pappe klebt, mit Kaliko rahmt und an schwarzen Schnüren oder Perlgarn aufhängt.

Über dem Waschtisch hängt ein +Spiegel+, es ist ein Taschenspiegelchen, das für diesen Zweck sehr geeignet ist. Man kann indessen selber solch Wandspiegel aus einem Spiegelrest herstellen; der Glaser schneidet die Form, dann rahmt man den Spiegel mit Kaliko, wie die Bilder, ein.

Was wir auf unsern Abbildungen zeigen und hier beschreiben, sind Möbel, die sich durch einfache Linien und praktische Formen auszeichnen. Da sind keine gedrehten Füße, keine überflüssigen Schnörkel, jedes Stück ist auf Brauchbarkeit eingestellt und im besten Sinne „modern“. Solche Puppenmöbel kann man kaum kaufen; was man im Laden erhält, ist mehr oder weniger teure Dutzendware, was wir als Muster geben, ist vorbildliche Handarbeit.

Der geöffnete +Schrank+ zeigt die kleinen Messingscharniere, an denen die Tür befestigt ist, wir sehen das +Brett+ für die Hüte, sehr praktisch ausgedacht; ein Draht ist in die Wände gezogen als Stange für die Kleider; so sehen die Kleinen es bei den Erwachsenen, so wünschen sie es sich für ihre Puppenkinder.

Auf der Eckbank liegt ein +Kissen+ mit einem farbigen Stoffrestchen bezogen; wer Zeit und Lust hat, kann mehrere solcher Kissen anfertigen und auf die Bank legen.

Die fertigen Möbel werden am besten gewachst, um die Haltbarkeit der Beize zu erhöhen und sie vor Unsauberkeit zu schützen. Es wird sich nicht vermeiden lassen, daß sie sehr häufig und nicht immer mit tadellos sauberen Händen angefaßt werden, es werden wohl auch fremde Kinder, kleine Gäste damit spielen, wenn auch die jungen Besitzer solcher Puppenstube selber ihr Spielzeug in acht nehmen werden.

Als besondere +Handwerksregel+ wollen wir noch betonen, daß man für die Möbel +Pappel-+, +Birnen-+, +Linden-+ oder +Ahornholz+ verwenden soll, es ist weich und fest und läßt sich mit der Laubsäge gut behandeln. Die Maserung des Holzes soll stets in der Längsrichtung liegen, das Sägeblatt soll beim Sägen straff eingespannt werden. Man achte stets darauf, daß die Zacken nach unten zeigen. Die fertig ausgesägten Stücke werden sauber ausgefeilt, man reibt sie zum Schluß mit Sandpapier nach, um alle Rauheiten zu ebnen. Je glatter die Flächen, desto handlicher und ansehnlicher die Arbeit.

Da alle Möbelstücke aus festem Holz gut gearbeitet sind, kann man wirklich nach Belieben damit spielen ohne befürchten zu müssen, daß sie nach längerem Gebrauch „aus dem Leim gehen“. Das können sie nicht, denn sie sind genagelt und nicht geleimt und, wenn es darauf ankommt, schon einen Puff vertragen. Sie werden auch nicht so leicht unsauber, denn die gewachsten Flächen wirken immer sauber. Indessen besteht wenig Gefahr für diese reizende Puppenstube und ihre hübschen Möbel, denn die Kinder, die solch gute Sachen zum Spiel erhalten, werden aus eigenem Antrieb darauf bedacht sein, sie nicht unnötig zu strapazieren, und wahrscheinlich sehr stolz auf ihre eigenartige Puppenstube sein.

32. Fensterbild

+Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger, sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln.

Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-, Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt.

Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen „+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind, sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie +gewachst+ werden kann.

Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt; man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren. Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde.

Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig. Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er mißlungen ist.

Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken.

Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild verwendet werden.

33. Handgearbeiteter Lampenschirm

Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide, andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß gefüttert.

Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt.

Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird. Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-, Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes Holz sich ziehen würde.

Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert, gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen.

+Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun, Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten. Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür verwendbar.

Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften.

Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht man jedes Stäubchen auf der Arbeit.

Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren.

Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet, eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des Stoffes.

Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und „durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen.

Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin. Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal aufzukräuseln.

Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben, damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen, damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen, um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum, zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff, zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede Herstellungsart.

V. Kapitel

Bastelarbeiten

34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn)

An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen; da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu sein.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame +kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen Gegenstände herzustellen.

Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus +Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches, großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden.