Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
Part 9
Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene +Klapper-+ und +Tellerdeckchen+ aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell gedeckt werden soll.
Da die Herstellung der ausgeschnittenen +Klapperdeckchen+ (Abb. 98 und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden.
Man faltet das in der gewünschten Größe quadratisch zugeschnittene Papier -- Butterbrotpapier ist dafür sehr brauchbar, auch Pergament- und Kaffeefiltrierpapiere kommen in Betracht -- in entsprechender Weise dreimal in der Diagonale und schneidet dann mit einer scharfen Schere die beliebigen Muster: Dreiecke, Kreise, Streifen und so weiter hinein. Beim Auseinanderfalten ist das ganze Papier symmetrisch mit Mustern bedeckt. Will man nur den Rand verzieren, dann darf man nur den Rand des zusammengefalteten Papiers ausschneiden. Man kann auch mit dem Zirkel Muster aufzeichnen und danach die Formen schneiden. Nach Belieben wird man die ausgeschnittenen Muster farbig unterlegen; man klebt gelbes, orangefarbenes, grünes oder tütenblaues Glanzpapier dahinter; wo es angebracht ist, kann man die +Klapperdeckchen+ auch aus farbigem Glanzpapier herstellen. Das gilt für lustige Gesellschaften, wenn die gesamte Tischdekoration auf Farbe eingestellt ist, wenn unter anderem Papierketten, Konfetti und Lampions dabei eine Rolle spielen.
In derselben Weise wird man selber +Tortenpapier+ herstellen; gekaufte gute Tortenpapiere sind nicht billig, und zum selbstgebackenen Kuchen paßt eine selbsthergestellte Unterlage recht gut. Sie eignet sich für Obst und Konfekt, auch für selbstgebackenes Marzipan; es sieht sehr hübsch aus, wenn ein Körbchen, eine Platte in dieser anspruchslosen Weise verziert ist. Für solches +Tortenpapier+ eignet sich dünnes, weißes Zeichen- oder auch Pergamentpapier am besten, wenn es nicht vorrätig ist, genügt schließlich Butterbrotpapier.
Mit Hilfe solcher mehr oder weniger einfachen Ausschnittmuster kann man sich sehr praktische +Untersetzer+ herstellen. Man klebt die ausgeschnittenen Papiere auf Pappe, legt eine passend zugeschnittene Glasscheibe darauf und rahmt den Untersetzer, der beliebig rund oder eckig gehalten werden kann, mit Kaliko ein. Beim Photographen bekommt man ausgesonderte Glasplatten, sie eignen sich sehr gut dafür. Sehr hübsch sehen sechs- und achteckige Untersetzer aus, in jeder Glaserei wird diese Form beliebig zugeschnitten. Die Wirkung ist am besten, wenn runde Ausschnittflächen eckig und eckige Muster rund eingerahmt werden.
In der Ausschnitt-Technik stellt man auch hübsche +Schrankpapiere+ her. Wenn sie recht sorgfältig ausgeführt werden, dürften sie bestimmt viel origineller und geschmackvoller als die üblichen gekauften „Papierspitzen“ wirken; man verwendet sie am liebsten für Schränke im Kinderzimmer und in der Küche.
30. Perlarbeiten
Die +Perlarbeit+ wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. In früheren Jahren ist das glitzernde, blitzend bunte Material nur als Kinderspielzeug gewertet worden. Damit soll indessen nicht gesagt werden, daß unsere Zeit die Perle entdeckt hat, im Gegenteil, vor hundert Jahren machten die Frauen so reizende +Perlarbeiten+, daß wir Modernen diese Art nie erreichen werden, schon darum nicht, weil man im Jahrhundert des Autos, des Luftschiffes, im Zeichen der Eile und der damit verbundenen Rekorde gar nicht die Ruhe hat, solche zeitraubende Augenpulver zu fabrizieren. Auch in die kleinsten Dörfer kommt die moderne Technik und nimmt den stillen Menschen die Gemächlichkeit, die unbedingt erforderlich ist, wenn man langwierige, kniffliche Arbeiten ausführen will. Diese Ruhe hatte man vor hundert Jahren, und darum sehen wir in alten Vitrinen noch heute wunderfeine +Perlarbeiten+, die unter einigermaßen ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen entstanden sind. Wer von euch hat nicht schon einmal Urgroßmutters +Klingelzug+ bewundert, der im Glasschrank neben Urgroßvaters +Perlenbörse+ zur Erinnerung aufbewahrt ist. Da sind +Schreibmappen+ und feine +Geldtäschchen+, +Brotkörbchen+ mit perlgesticktem Boden, +Nähtischeinlagen+, auf denen Schäferinnen mit Schafen und Hunden aus ganz kleinen, bunten Perlen spazieren gehen. +Lichtmanschetten+, die das Tropfen der Kerzen auf den Fußboden und auf den Tisch verhindern sollten, arbeitete man aus großen, langen, goldenen und silbernen Perlen; +Tabletteinlagen+ aus winzigen, farbigen Glasperlen waren keine Seltenheit, selbst +Huthalter+ und +Handtuchständer+ wurden mit Perlen gestickt, meist in Verbindung von Gobelinstickerei, schwimmende Schwäne, in einem Kranz von Efeu- und Weinblättern und vollen Trauben -- aber das war schon in der Verfallzeit, in den siebziger Jahren. Vor hundert Jahren arbeitete man viel geschmackvoller; reizende +Bilder+ wurden aus Perlen hergestellt, kleine, feine Landschaften und Stilleben, die häufig mit bunten Papieren in Klebetechnik gerahmt wurden. Die großen +Reisetaschen+ mit der Inschrift „Bon voyage“, denen wir in den alten Lustspielen begegnen, wurden vielfach mit Perlen bestickt, man bestickte unter anderem +Kassetten+ und +Zeitungshalter+, +Sofakissen+, +Fußbänke+, +Nähkissen+, +Brieftaschen+, +Serviettenringe+ und +Taschentuchbehälter+ mit Perlen; natürlich wurde die +Perlarbeit+ in ihren verschiedenen Techniken auch für die Mode -- besonders die Damenmode -- herangezogen. Noch heute bewundern wir die feine Arbeit, Blumen und Früchte, Stilleben, Landschaften, Hunde und Katzen, Vögel und Lämmchen, Liebespaare, Amoretten und sentimentale Ornamentik, zum Beispiel rankenumsponnene Säulen, Köcher und Pfeile mit Herzen auf den alten +Pompadours+ und +Ridiküls+, die von unseren Urgroßmüttern sehr gern getragen wurden. Gleichzeitig waren auch +Perlarmbänder+ modern, breite oder schmale, meist schwarze Samtbänder, die mit Silberperlen benäht wurden; auch +Hut-+ und +Halsbänder+ in dieser Art kamen auf und waren -- den überlieferten Bildern nach zu schließen -- außerordentlich kleidsam. Später wurde diese Mode sehr vergröbert, aus den zierlichen „Amibändchen“ wurden geschmacklose, perlenstrotzende Samt- und Seidenbänder, die mit schlechten Mustern „geschmückt“ waren. Schließlich, als mit dieser Mode wirklich kein Staat mehr zu machen war, geriet sie -- mit Recht -- in Vergessenheit, und ebenso wie diesem Modebeiwerk erging es den anderen Perlarbeiten, die ebenfalls sehr zurückgegangen waren. -- Sie hatten das Schicksal aller Modesachen: solange sie in der Minderheit auftreten, teuer und gut ausgeführt sind, gefallen sie sehr; dann dringen sie in die breite Masse, indem sie billiger hergestellt und demnach zur Imitation werden, und diese Wandlung führt zu ihrem mehr oder weniger schnellen Ende.
Wenn die +Perlarbeiten+ in den letzten Jahren wieder aufgekommen sind, so bedeutet dies durchaus nicht, daß die alten Muster und Techniken wieder hervorgeholt wurden; man knüpfte zwar an die erprobte Tradition an, ging und geht heute indessen sichtlich andere Wege. Handgestrickte und handgehäkelte +Perlbeutel+ für Theater und Besuchszwecke werden zwar wieder gearbeitet, bewegen sich aber, wenn sie geschmackvoll und vornehm sind, in so hohen Preislagen, daß sie nicht einmal für die gute bürgerliche Gesellschaft in Betracht kommen, die Herstellung ist zu teuer. Als Handarbeit -- wie irgend eine andere -- kommen sie auch nicht in Frage, weil die Technik zu anstrengend und zu zeitraubend für heutige Verhältnisse ist. Nur wenn die Perlen sehr klein sind, und das Muster ganz besonders fein ist, sieht solch Beutel gut aus, und wer hat schließlich ein Interesse daran, solch mühseliges Stück zu arbeiten, umso weniger, als das Material sehr kostspielig ist, wenn andere Techniken zeitgemäßer, angenehmer und billiger sind. Man braucht heutzutage auch keine +Klingelzüge+ mit und ohne Perlen mehr, die +Brot-+ und +Kuchenkörbchen+ mit Perlenboden empfinden wir Modernen als unhygienisch, +Taschenbücher+ und +Schreibmappen+, +Brieftaschen+ und Geldbeutel können unserer Auffassung nach gar nicht fest und handlich genug sein. Perlenverzierungen bedeuten Rücksicht nehmen, Zeit verlieren; da muß man andere Gegenstände wählen, um die Perlen anzubringen.
Für die +Halsbänder+ hat die Mode einen guten Ersatz gefunden, die langen farbigen +Perlketten+, die so hübsch schlank machen, und die zu den einfachen Kleidern sehr gut passen. Man hat auch +Holzperlketten+ in den Handel gebracht, aber sie sind lange nicht so reizvoll wie die Ketten aus bunten Glasperlen, die es mit Korallen- und Bernsteinketten aufnehmen können. Wer geschickt ist und Farbensinn besitzt, kann solch feine +Perlenketten+ selber ohne viel Mühe und Kosten auffädeln, wir bringen auf unseren Bildern entsprechende Muster, die leicht nachzuarbeiten sind.
Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 100 bis 105) zunächst einige handgezeichnete Proben für die verschiedenen Arten, große und kleine Perlen aufzufädeln. Auf dem ersten Muster, das sich sowohl für +Hutbänder+ als auch für +Gürtel+ eignet, zieht man zwei längliche und eine runde Perle in der Länge des zu arbeitenden Gegenstandes auf, fädelt wieder zurück, nimmt nun zwei längliche Perlen auf und sticht durch die runde, schon aufgezogene Perle zurück. Statt der zwei langen Perlen kann man auch vier runde Perlen in abstechender Farbe nehmen (siehe Abb. 100 b). Dieses Muster eignet sich für farbige +Glas-+ und +Holzperlen+, man verwendet es nicht nur für +Gürtel+ und +Hutbänder+ usw., sondern auch zum Schmuck von +Lampenschirmen+, +Näh-+ und +Papierkörben+, man kann daraus +Serviettenringe+ und ähnliche Perlarbeiten herstellen. Handelt es sich um Modesachen, so beachte man die Farbenzusammenstellung; allzu grelle Farben kommen dafür überhaupt nicht in Frage. Für Wandervogelkleider sind solche Ketten ein sehr hübscher Schmuck, für die Stadtkleidung werden Holzperlenketten weniger getragen. Die beschriebene Technik kommt aber auch für Glas- und Bernsteinperlen in Betracht; schließlich gibt es nicht nur die kleinen runden, bunten +Glasperlen+, für die Modeindustrie hat man +große+ und +kleine+, +längliche+, +runde+, +eckige+, +einfarbige+ und +bemalte+ oder +irisierende Perlen+ in den Handel gebracht. All diese Perlen lassen sich für +Ketten+ und +Gürtel+ und für kettenartige Verzierungen in der Art verwerten, wie wir sie auf unseren fünf Zeichnungen so anschaulich zeigen, daß eine allzulange Erklärung sich erübrigt, denn die Technik ist immer dieselbe, es wechseln nur Formen und Farben, und schließlich ergeben sich bei einiger Übung und Geschicklichkeit vielerlei Möglichkeiten.
Die Herstellung der +Serviettenringe+ (Abb. 101) geschieht in folgender Weise:
1. Zwei runde, eine lange, eine runde Holzperle werden aufgereiht, dann fährt man mit der Nadel wieder durch die beiden zuerst aufgezogenen runden Perlen zurück, reiht weitere drei runde Perlen auf, sticht durch die lange Perle zurück, fährt durch die obere der drei runden Perlen und beginnt wieder von vorn, bis der Serviettenring die richtige Größe hat.
2. Man reiht eine lange, drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange Perle, reiht drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange Perle, reiht wieder eine runde Perle auf und so weiter (Abb. 100 ~d~). Man kann statt der langen Perle auch eine runde Perle in abstechender Farbe nehmen und die einzelne, zuletzt aufgezogene, runde Perle fortlassen (Abb. 100 ~e~).
Eine einfarbige lila +Kette+, die auch als +Hutgarnitur+ gedacht ist, bringen wir auf unserer Abb. 102, um einen fertigen Gegenstand dieser Art vorzuführen; man ersieht daraus, daß die Technik sehr einfach ist.
In derselben Art sind die +Serviettenringe+ aus Holzperlen ausgeführt (Abb. 101); auf der Abbildung sehen wir ein Modell als Einzelaufnahme und daneben ein anderes Modell „im Betrieb“. Es liegt wie ein Armband um die Serviette; beide Muster sind voneinander verschieden und können auch als +Kinderarmbänder+ verwendet werden; hier sind Holzperlen sehr angebracht, wenn man keine schwarzen Holzperlen verwendet, die immer sehr stark an Trauerschmuck erinnern.
Auf dem dritten Bilde (Abb. 103) sehen wir eine geschmackvolle, etwas komplizierte +Kette+ aus bunten Glasperlen und eine einfache +Kette+ aus farbigen Holz- oder Glasperlen. Die erste +Kette+ besteht aus einfarbigen kleinen Glasperlen, die auf eine lange Schnur aufgereiht sind; sie ist leicht verschlungen und hat als Abschluß größere bemalte venezianische Perlen; aus der größten Abschlußperle hängt eine volle, lange +Troddel+ herab, die aus denselben Perlen besteht, die für die verschlungene +Kette+ verwendet worden ist. Die Abbildung ist so deutlich, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Nur über die Farbe der Kette soll gesprochen werden. Ein tiefes Porzellanblau, nicht etwa Marineblau, ist immer kleidsam, Hellblau wäre sehr geschmacklos, dagegen ist Pfauenblau, Violett, Gelb, besonders Dunkelgelb sehr originell, und Grün, ganz gleich ob Türkisgrün oder Giftgrün, Blattgrün oder Jadegrün, wird immer hübsch und vornehm wirken. Lapislazuli ist sehr begehrt, das ist ein weiches, warmes Blau, ebenso Bronzebraun hell. Nur keine Gold- oder Silberperlen! Das würde nach Zirkus aussehen. Zwischen die großen venezianischen Perlen können ein paar kleine, runde Perlen gesetzt werden, wie wir es auf der Photographie sehen. Wenn die +Kette+ blau ist, wählt man für die runden Perlen Grün oder Bronzebraun, ist sie grün, so wäre Blau oder Weiß angebracht, ist sie gelb oder bronzebraun, so wähle man Grün oder Schwarz. Die venezianischen Perlen sind buntfarbig, irisierend, man kann ebensogut längliche wie kugelige oder auch eckige, große Abschlußperlen verwenden, dunkle wirken feiner als helle, große Perlen. Die daneben abgebildete +Kette+ soll eine Anregung geben, wie man Perlen richtig aufzieht. Man sieht hier Perlen in verschiedenen Größen, Formen und Farben. Die drei größten Perlen werden als Mittelstück verwendet, von kleineren, länglichen Perlen unterbrochen, dann folgt je eine ganz kleine, runde Perle. Und nun wird genau abgezählt, daß die Perlen bis zum Schluß in richtiger Reihenfolge nebeneinander stehen, sonst sieht die ganze +Kette+ nach nichts aus und hängt immer schief. Den Abschluß bilden die kleinsten Perlen, die der Farbe nach richtig abgestimmt werden müssen. Solche +Kette+ kann man sowohl aus Holz-, als auch aus Glasperlen herstellen, es gibt sehr schöne böhmische Glasperlen in feinen Farben, Grün, Bernsteingelb, Granatrot, meist durchsichtig, aber auch perlmutterartig. Besonders für Kostümfeste eignen sich solche +Ketten+ sehr gut. Wer Zeit und Geschmack hat, kann seine +Kette+ selber aufziehen und wird viel Geld sparen, denn die fertigen, sogenannten böhmischen +Bauernketten+ sind ziemlich teuer. Sie eignen sich auch als Schmuck für Wandervogelkleider, denn zum Wandern wird man am besten nur Schmucksachen tragen, die nicht kostspielig sind und keine wertvollen Erinnerungsstücke darstellen.
In der Art, wie die +einfache Kette+ auf dem Bilde dargestellt ist, kann man auch Bernstein-, Korallen- und Perlmutterketten aufziehen. Es gibt dafür in den einschlägigen Geschäften gewachste und gedrahtete Aufziehschnur in Weiß, Gelb und Rot, sowohl für Korallen, Granaten, als auch für Bernstein und Perlmutter geeignet. Blaue und grüne Perlen zieht man am besten auf weiße Schnur; an den käuflichen Fäden, die meterweise aufgewickelt sind, ist ein Draht zum Aufreihen angebracht, andernfalls muß man eine +Aufziehnadel+ verwenden. Es ist immer notwendig, gute, feste Schnur zu verarbeiten; eine +Kette+ wird beim Tragen mehr strapaziert, als man annehmen sollte; wenn sie reißt, ist es fast niemals möglich, alle Perlen zu retten.
Das nächste Bild (Abb. 104) veranschaulicht uns drei hübsche +Ketten+ aus farbigen Glasperlen, die sowohl für Erwachsene als auch für Backfische und Kinder gedacht sind. Die erste +Kette+ besteht aus weißen, undurchsichtigen Glasperlen; es werden je siebzehn dieser Perlen aufgezogen, dann folgen je drei größere, runde, grüne Glasperlen, und nun folgt ein Muster aus denselben Perlen, je zwei davon, in der Mitte eine große, längliche, dunkelblaue Perle. Diese Farbenzusammenstellung wirkt immer jugendlich und kleidsam. Die zweite +Kette+ ist sehr ähnlich; der Unterschied besteht darin, daß die weißen Perlen auf einer dreifachen Schnur stehen und diese drei Ketten zusammengedreht sind. Auch die dritte +Kette+ ist nach diesem Rezept angefertigt, nur ist die Anordnung der verschiedenen Perlen in verschiedenen Größen ein wenig anders. Man ersieht dies aus dem Bilde sehr deutlich; was die Farben anbelangt, so sind dafür die zuerst angegebenen Töne, Lapislazuli, Türkis, Porzellanblau, Grün in den verschiedenen Schattierungen, Bronze, Gelb, auch Altgold sehr zu empfehlen, vielleicht wird ein helles Rot ebenfalls gern gewählt werden, doch sind andere Farben praktischer, weil man sich Rot sehr leicht über sieht, außerdem ist es sehr auffallend und kann nicht zu jedem Kleid, zu jeder Bluse getragen werden.
Auf dem letzten Bild (Abb. 105) sehen wir +Proben+ zu +Perlarbeiten+, sowohl für +Ketten+ als auch für +Armbänder+ und anderen Schmuck. Man hat in den letzten Jahren verschiedene +Untersetzer+ aus Perlen eingeführt, die sich auf der gedeckten Tafel sehr bewähren; man verwendet sie zum Abstellen heißer Schüsseln und benutzt sie auch gern zum Schutz der Tischplatte, damit Vasen und Blumentöpfe, Teller und so weiter nicht die Politur verderben. Für solche Zwecke eignet sich der +Stern+ in zwei Farben sehr gut; man kann ihn aus Glasoder Holzperlen ausführen und auch verschieden geformte Perlen dazu verwerten. Die beiden anderen Muster zeigen eine praktische Art, mehrfarbige Glas- oder Holzperlen aufzureihen; das erste Muster kann ebenfalls als +Untersetzer+ verwendet werden, wenn man größere Glas- oder Holzperlen dafür benutzt. Je mehr wir uns mit dieser Technik beschäftigen, desto mehr Muster fallen uns ein. Eigentlich kommt es doch nur darauf an, verschiedenfarbige Perlen in verschiedenen Größen geschickt miteinander zu verbinden; es wäre indessen geschmacklos, Holz- und Glasperlen gemeinsam zu verwenden.
IV. Kapitel
Laubsägearbeiten
31. Puppenstube
Gut eingerichtete +Puppenstuben+ sind teuer und meist nach einem bestimmten Geschmack hergestellt. Wer etwas Besonderes haben möchte, muß sich selber an die Arbeit machen, sie ist unterhaltend und lohnend; sie macht den Schaffenden eine doppelte Freude, denn einmal ist es doch sehr reizvoll, einen Gegenstand von Anfang bis zu Ende selber zu arbeiten, und außerdem wird das Vergnügen der kleinen Wohnungsbesitzer umso größer sein, je persönlicher die +Puppenstube+ wirkt, je mehr ihre eigenen Wünsche berücksichtigt werden, und dies läßt sich schließlich nur dann erreichen, wenn man die Arbeit selber ausführt.
Die +Puppenstube+ ist nicht nur irgend ein Spielzeug, sie ist viel mehr. Die kleinen Mädchen lieben ihre Puppenstube so sehr, weil sie hier ihre eigenen Interessen vertreten können; nach ihrem Willen können sie die Möbel umstellen, „umziehen“, wann es ihnen notwendig erscheint; sie können ungestört ein „großes Aufräumen“ vornehmen und all das ausführen, was sie bei den Großen sehen. Beim Spiel mit der Puppenstube lassen sich frühzeitig die hauswirtschaftlichen Begabungen der Kleinen feststellen, und manche Eigenschaft, wie Ordnungsliebe, Sauberkeit, praktischer Sinn, wird beim Spiel mit der Puppenstube gestärkt, durch Lob oder Tadel anerzogen.
Darum wird die ältere Schwester, die junge Verwandte oder Freundin sich gewiß gern ans Werk machen, wenn es gilt, solch eine Puppenwohnung herzustellen. Es gibt häufig genug Gelegenheit dazu. Junge Mädchen, die ihre Ferien bei Freunden oder Verwandten angenehm verlebt haben, wollen sich erkenntlich zeigen. Es sind Kinder, kleine Mädchen im Hause; was gibt es da Hübscheres als eine selbst hergestellte Puppenwohnung als Danksagung. Keine gehäkelte Decke, kein gesticktes Kissen wird so viel Freude bei den Gastgebern hervorrufen, denn Handarbeiten können schließlich auch andre schenken. Eine gut eingerichtete, selbst hergestellte Puppenstube aber ist etwas ganz Besonderes, das kann nicht jeder.
Als Grundmaterial dient eine feste +Kiste+, deren Vorderwand losgelöst wird. In eine Wand sägt man Fenster, am besten in die breiteste Wand, eins oder zwei, je nach Belieben. Nun gilt es, die Zimmerwände zu tapezieren oder anzustreichen. Als Tapete kann man kleinmusterige +Tapetenreste+ verwenden, die mit Kleister befestigt werden; auch +Vorsatzpapiere+ kann man dazu verwerten. Wer gute +Holzbeize+ besitzt, beize die drei Wände in Hell- oder Dunkelbraun, in Dunkelgrün oder Dunkelblau. Auch +Ölfarbe+ eignet sich zum Wandanstrich. Man macht sich eine hübsche Farbe zurecht, Ockergelb, Bronze, pompejanisch Rot, Briefkastenblau, Tütenblau oder Türkis. Dann streicht man mit einer dieser Farben die Wände und läßt sie einige Tage ruhig trocknen. Sehr gut ist die Wirkung, wenn man am oberen Rande der Wände eine zweite hellere Farbe aufstreicht und beide Töne mit einem schmalen Streifen verbindet. Am besten sehen folgende Farbenzusammenstellungen aus: Oben Hellcreme, unten Blaugrün oder pompejanisch Rot mit sepiabraunem Streifen, oder: oben Türkis, unten Pfauenblau mit schwarzem Streifen, oder oben Weiß, unten Kobalt- oder Briefkastenblau mit grasgrünem Streifen, oder oben Weiß, unten Ockergelb mit pompejanischrotem Streifen. Der Streifen wird auch um die Fenster gelegt, damit sie mehr betont werden.
Wir raten, den Fußboden der Puppenstube, nachdem die Wände gestrichen oder tapeziert sind, oder auch vorher, zu streichen. Am besten eignet sich hell- oder dunkelbraune Ölfarbe dazu, auch dunkelgraue Töne dürften Anklang finden.
Die Möbel stellt man mit der Laubsäge her, die Holzstärke beträgt am besten 5 Millimeter.
In eine praktisch eingerichtete Puppenstube, wie sie z. B. in unserer Abb. 106 zu sehen ist, gehören folgende Möbel: ein +Bett+, ein +Schrank+, ein +Waschtisch+, ein paar +Stühle+, eine +Eckbank+ statt des Sofas, dessen Herstellung zu schwierig sein dürfte -- eine Bank erfüllt, mit Kissen belegt, denselben Zweck --, ein +Wandbrett+, ein +Tisch+, ein oder zwei +Sessel+ -- je nach Größe der Puppenstube -- ein +Nachttisch+, eine +Fußbank+. Die Größenverhältnisse sind in folgender Weise festgelegt:
+Bett+: Kopf- und Fußwand 9 mal 11 Zentimeter Höhe. Daraus werden die Füße, 2 Zentimeter hoch, gleich mit ausgesägt. Der Boden des Bettes beträgt 17 mal 8 Zentimeter, die Seitenwände sind 17 mal 2 Zentimeter groß.
Der +Schrank+ (Abb. 107) hat eine Rückwand von 10 mal 16 Zentimeter, die Seitenwände sind 5 mal 16 Zentimeter groß, der Boden beträgt 11 mal 5½ Zentimeter, der Schrankaufsatz 6 mal 11 Zentimeter, die Tür 11 mal 16 Zentimeter.
Der +Waschtisch+ hat eine Platte von 10 mal 7 Zentimeter, die Seitenwände betragen je 6 mal 8 Zentimeter, die Rückwand ist 8 mal 8 Zentimeter groß, das innere Brett 5½ mal 8 Zentimeter.