Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
Part 12
Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt. Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+ an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest. Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird, eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt, die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün. Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem Bohrer erweitert werden.
~b~) Sparbüchse
Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb. 122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für +Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+, auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung finden.
Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5 Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen 8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen, die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9 mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar. Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+, die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt +Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben, die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden. Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen, mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden. Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau, Zitronengelb und Zinnoberrot.
Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein gelber Grund mit schwarzem Ornament.
Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die +Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten.
Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist, wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben, danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht, so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller Hochglanz erreicht ist.
~c~) Brieföffner
Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123), der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als „ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht, zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien, Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten.
Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+ aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung.
Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden, überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind. Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau.
Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird, am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde.
39. Hampelmann
Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden. Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und +Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und +Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden, wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein +Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen- und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen, indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen. Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung, ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist.
40. Flaschenkork
Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen +Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann. Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-, Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot, die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen.
Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt.
VI. Kapitel
Papp- und Papierarbeiten
41. Allerlei Spiele
Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren. Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“ als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele, die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben.
Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben.
Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen. Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6 Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal 6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt. Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung, die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder gezeichnet werden.
Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden. Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+.
Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+, bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch +Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen. Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt, damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut- oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen, andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln.
Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“ (Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben. Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht, mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger. Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten, sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man, damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben; verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite, so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will, zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst Ecken und Kanten stehen bleiben würden.
42. Geduldspiele
Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+ in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+ und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell anfertigen läßt.
43. Feine Buntpapierarbeiten