Handbuch der Pharmakognosie

Part 34

Chapter 342,367 wordsPublic domain

Der theoretische Teil besteht in der +Vorlesung über Pharmakognosie+. Diese Vorlesung soll das Gesamtgebiet der Pharmakognosie in einem Semester behandeln, muß daher mindestens 4–6stündig sein. Aber auch dann wird man den umfangreichen Stoff nicht bewältigen. Es empfiehlt sich daher, in den alternierenden Semestern Ergänzungsvorlesungen zu halten, die ausgewählte größere Kapitel, wie die Harze, die Purindrogen, die Anthrachinondrogen, _Chinarinde_ u. and., behandeln und besondere Vorlesungen über Pharmakochemie und pharmazeutische Botanik einzuschieben oder von Hilfskräften halten zu lassen. In der Vorlesung über Pharmakognosie muß die Droge nach +allen+ Richtungen behandelt werden, nicht nur in botanischer. Man wird gut tun, um den Unterricht anregender zu gestalten und Gelegenheit zu zusammenfassenden Auseinandersetzungen zu finden, die Drogen nach dem natürlichen Pflanzensystem geordnet vorzutragen. Das chemisch zusammengehörige läßt sich bei Wahl dieses Systems oft gut miteinander verbinden (s. S. 220) und jeder wichtigen Familie kann eine allgemeine Übersicht über die anatomischen und chemischen Besonderheiten vorausgeschickt werden. Ich ziehe dies System für die Vorlesung vor und erörtere lieber die morphologisch-anatomischen Eigentümlichkeiten der morphologischen Gruppen im Praktikum (S. 270) und der Vorlesung über angewandte Anatomie. Erst derartige zusammenfassende Übersichten mit vergleichenden Ausblicken auf benachbarte Gebiete machen die Vorlesung interessant und wertvoll, ja rechtfertigen sie eigentlich erst. Denn eine Aufzählung der Merkmale findet man in jedem einschlägigen Werke und man kann sie sich selbst an der Droge aufsuchen -- dazu braucht man keinen Lehrer. Zudem: gibt es etwas Geisttödenderes als das Hersagen von Merkmalen?: «Die Wurzel ist braun und runzlig, und hat einen dunklen Cambiumring». Ich kenne solche Vorlesungen über Pharmakognosie, aber ich schätze sie nicht. Sie sind es, die die Pharmakognosie in Mißkredit gebracht haben. Das «Enzyklopädische» soll in der Vorlesung zurücktreten gegenüber der Erörterung des Verbindenden, des Allgemeinen, des Charakteristischen. Die Vorlesung soll das allgemeine Verständnis wecken. Sie muß durch ein möglichst umfassendes, dem +Drogenmuseum+ (siehe das Kapitel Pharmakomorphologie) entnommenes Demonstrationsmaterial illustriert werden. Die in der Vorlesung behandelte Droge in ihren Handelssorten, die Verfälschungen, die Bestandteile, die Packungen, in Rahmen aufgestellte oder als Wandtafeln aufgehängte Abbildungen und Karten, sowie historisch wichtige Publikationen müssen im Hörsaal zu einer Ausstellung vereinigt werden, zu deren eingehender Betrachtung vor und nach der Vorlesung die Studierenden einzuladen sind. Einiges davon kann nach der Vorlesung noch besonders demonstriert werden. Bei der Beschreibung der Droge muß jeder der Studierenden das Objekt in Händen haben. Die Beschreibung wird durch möglichst zahlreiche Skizzen mit bunter Kreide an der Wandtafel erläutert, die die Studierenden mit Buntstiften an den Rand ihres Heftes abzeichnen müssen. Eine solche, mit wenigen Strichen das allerwesentlichste herausarbeitende Wandtafelskizze ist wichtiger als eine lange Beschreibung und auch als die aufgehängten (und zu näherer Betrachtung acht Tage hängen bleibenden) Wandtafeln, oder gar die zu schnell wieder verschwindenden, mittelst des Skioptikons projizierten, meist sehr detailreichen Abbildungen, die man erst «lesen» lernen muß, um sie ganz zu verstehen. Dagegen kann die Demonstration mikroskopischer Präparate und die Anstellung von Experimenten unterbleiben, da der Studierende diesen Teil im Praktikum selbst zu übernehmen hat.

Denn die Vorlesung muß durch +Übungen+ ergänzt werden und zwar sowohl morphologisch-anatomischen wie pharmakochemischen. Um diese erfolgreich abhalten zu können ist es nötig, daß der Dozent ein Institut zur Verfügung hat, also entweder selbst der Leiter des pharmazeutischen Universitätsinstitutes ist oder einer selbständigen, der chemischen koordinierten Abteilung desselben vorsteht. Die morphologisch-anatomischen Übungen in Pharmakognosie werden am besten über drei Semester verteilt und vierstündig abgehalten mit zwei zusammenhängenden Stunden, so daß das Praktikum zwölfstündig ist. Im ersten oder den ersten zwei Semestern soll der Studierende das botanische Praktikum besuchen, um botanisch vorgebildet zu werden.

Das pharmakognostische Praktikum soll nicht ein rein anatomisches sein, sondern muß mit einer Besprechung der +Morphologie der Droge+ beginnen, die der Studierende in der Hand hält (vgl. auch Pharmakomorphologie). Dann wird zunächst (mit Hilfe der Lupe oder des zerlegten Okulars des Mikroskopes) das +Lupenbild+ studiert und dann erst zum Rasiermesser gegriffen, um Schnitte für das +Mikroskop+ zu machen. Es ist unbedingt erforderlich, daß der Studierende vom ersten Tage an die Schnitte, die er beobachten soll, +selbst+ herstellt. Er lernt es schnell. Wenn man in den ersten Stunden Geduld hat und dem Anfänger öfter die Führung des Messers zeigt, merkt man bald Fortschritte und sieht nach kurzer Zeit brauchbare Schnitte aus den Händen der Praktizierenden hervorgehen. Das +Mikrotom+ ist für das Praktikum überflüssig, die Verteilung von mit ihm vor dem Praktikum durch den Assistenten hergestellten Schnitten unter die Studierenden schädlich. Der Studierende soll +selbst präparieren+. Die Präparate gelangen nun zur Beobachtung, Skizzen an der Wandtafel erläutern den Schnitt, auch können anatomische Abbildungen der Atlanten (s. Pharmakoanatomie), die jeder neben sein Mikroskop legt, oder Wandtafeln, die aufgehängt werden und die möglichst lange hängen bleiben müssen, zur weiteren Orientierung herangezogen werden. Die Hauptsache bleibt aber, daß der Beobachter das Beobachtete selbst und zwar freihändig ohne Zeichenapparat -- aber mit Benutzung der Buntstifte -- zeichnet. +Zeichnen heißt beobachten.+ Zeichnen können heißt also beobachten können. Nur wenn man etwas zeichnen kann, hat man es recht beobachtet. Für gewöhnlich erklären sämtliche Praktikanten nicht zeichnen zu können. Sie lernen es aber mit ganz verschwindenden Ausnahmen rasch. Oft werden dabei wahre Zeichentalente entdeckt, die gar nicht wissen, daß sie es sind.

In drei Semestern läßt sich die Materie bewältigen. Im ersten gibt man einen kurzen Überblick über die gesamte Angewandte Anatomie, d. h. man hält ein anatomisches Praktikum ab, bei dem +nur+ Drogen als Objekte benutzt werden (S. 266). Man legt also wie in der Vorlesung die natürlichen Pflanzenfamilien hier das System der Pflanzenanatomie zugrunde, beginnt mit den Zellinhaltsbestandteilen, behandelt dann die Membran und endlich die Gewebe und Gewebesysteme. Zu diesem ersten Praktikum gehört ein halbstündiges Theoretikum, in dem ein ganz kurzer Grundriß der +Angewandten Pflanzenanatomie+ vorgetragen wird, der sich eng an das im Praktikum gesehene anschließt -- gewissermaßen das Skelett, zu dem das Praktikum Fleisch und Blut liefert. Im zweiten Semester werden dann die noch nicht behandelten Drogen nach morphologischen Gruppen durchgenommen (S. 270), im dritten folgen die Nahrungs- und Genußmittel und einige technischen Drogen, wie z. B. die Gespinstfasern (S. 272).

Die +gepulverte Droge+ kann man im Praktikum an die Droge selbst anschließen. Besser jedoch werden die Drogenpulver, Mehle und gemahlenen Genußmittel in einem besonderen einstündigen Praktikum am Schlusse der Studienzeit durchgenommen (S. 272). Die Untersuchung der Drogenpulver ist bereits angewandte Pharmakognosie. Für den, der die Droge, das Nahrungs- oder Genußmittel selbst anatomisch gut kennt, bietet die Pulveranalyse keine besonderen Schwierigkeiten mehr. Nach kurzer Übung kann der Praktikant nicht nur einfache Drogenpulver erkennen, sondern auch Beimischungen diagnostizieren. Ich gebe als Aufgaben in der Staatsprüfung Mischungen von 3–4 feingepulverten Drogen. In 3–4 Stunden sind die Analysen gemacht.

Das morphologisch-anatomische Praktikum (s. hinten) ist ein vorzügliches Mittel, um beobachten und die naturwissenschaftliche Methode kennen zu lernen und sich im naturwissenschaftlichen Denken zu üben.

Weniger ist dies bei dem parallel mit dem mikroskopischen einhergehenden +pharmakochemischen Praktikum+ (s. hinten S. 273) der Fall, in dem unter anderem die +chemischen Wertbestimmungen der Drogen+ geübt werden. Da diese Wertbestimmungen nach bestimmten Rezepten, die auf Vereinbarungen beruhen und die nicht zu absoluten Zahlen führen, ausgeführt werden müssen, muß sich der Praktikant streng, ja sklavisch an diese Vorschriften halten. Er gewöhnt sich bei diesen Untersuchungen zwar an peinliche Genauigkeit, findet aber wenig Spielraum für eigenes Denken und Kombinieren, wie z. B. im toxikologischen Praktikum, das nach meinen Erfahrungen eine ganz ausgezeichnete Schule naturwissenschaftlich denken und beobachten zu lernen ist. Immerhin muß sich der Praktikant auch in den Wertbestimmungen die nötige Übung und Fertigkeit erwerben.

Schließlich muß jeder Praktikant mindestens +einen Pflanzenstoff isolieren+. Das kann sehr gut in dem Semester geschehen, in dem die präparativen, organisch-chemischen Arbeiten im Institut vorgenommen werden. Man wählt natürlich nur einfachere Aufgaben, wie Amygdalin, Aloïn, Chrysophansäure, Kaffein, Morphin, Pimarsäure, Ölsäure, Amyrin oder dergl. (s. S. 273).

So ausgebildet tritt der Pharmakognost dann in die Praxis. Er ist durch diesen Gang der Ausbildung befähigt, die unzerkleinerten Drogen sicher zu erkennen und eventuelle Verfälschungen leicht aufzufinden und zu diagnostizieren, die Drogenpulver, die er aus der Fabrik kauft, auf Identität und Reinheit zu prüfen und die Wertbestimmungen der Drogen in exakter Weise durchzuführen, d. h. +angewandte Pharmakognosie+ kunstgerecht auszuüben. Er ist befähigt, sich vor Betrug zu schützen und in die Lage versetzt, nur tadellose Drogen dem Arzte und dem Publikum zur Verfügung zu stellen. +Ein wissenschaftlich gut geschulter Apotheker ist also auch wirtschaftlich besser ausgerüstet, als ein schlecht geschulter.+

Der oben geschilderte Ausbildungsgang ist nun keineswegs etwa eine Utopie. Er ist von mir 1890 in Bern organisiert worden und eine achtzehnjährige Erfahrung hat seine Durchführbarkeit und Brauchbarkeit erwiesen, auch wenn das akademische Studium nur vier Semester dauert. Ich will aber natürlich nicht behaupten, daß man die Sache nicht auch anders organisieren kann.

Jedenfalls geht aber daraus hervor, daß die Pharmakognosie kein Fach ist, das man als Lehrer «im Nebenamt» betreiben kann. Es erfordert einen ganzen Mann in unabhängiger Stellung, der eine gute Vorbildung in Chemie +und+ Botanik besitzt und aus der Pharmazie hervorgegangen ist. Es erfordert aber auch die nötigen chemischen und mikroskopischen Laboratorien sowie Sammlungsräume, d. h. ein pharmazeutisches Institut oder eine selbständige Abteilung desselben.

* * * * *

Für Belohnung wissenschaftlicher Arbeit vorwiegend auf dem Gebiete der Pharmakognosie bestehen +zwei Medaillen+, die 1881 gestiftete ~Hanbury~-+Medaille+, die die Inschrift trägt: «Awarded for original research in the natural history and chemistry of drugs», und die 1892 (auf meine Anregung hin) gestiftete ~Flückiger~-+Medaille+, die die Inschrift trägt: «Scientia non unius populi sed orbis terrarum».

Die goldene ~Hanbury~-+Medaille+ wird alle zwei Jahre verliehen (zum ersten Male 1881). Es haben sie erhalten: ~Flückiger~, ~J. E. Howard~, ~G. Dragendorff~, ~W. Dymock~, ~G. Planchon~, ~J. O. Hesse~, ~J. M. Maisch~, ~A. Vogl~, ~J. E. de Vrij~, ~A. Ladenburg~, ~G. Watt~, ~E. Collin~, ~Ernst Schmidt~, ~Hooper~.

Die ~Flückiger~-+Medaille+ erhielten: ~Attfield~, ~Beckurts~, ~Dragendorff~, ~Fritzsche~, ~Giacosa~, ~Hanbury-La Mortola~, ~Heckel~, ~Hilger~, ~Hoffmann~, ~Holmes~, ~Husemann~, ~Nagelvoort~, ~Nyegaard~, ~Peckolt~, ~G. Planchon~, ~Schär~, ~E. Schmidt~, ~Tschirch~. Sie wird seit 1897 nur in Gold und nur alle fünf Jahre verliehen.

Anhang.

=Schema für ein mikroskopisch-pharmakognostisches Praktikum.=

(Unter Zugrundelegung des Anatomischen Atlas von ~Tschirch~ und ~Oesterle~ und der Angewandten Anatomie von A. ~Tschirch~.)

=I. Kurs in der allgemeinen angewandten Anatomie= (Anfängerkurs).

Die Zelle: Grundgewebe des _Mais_stengels.

1. +Zellinhaltsbestandteile.+

a) Eiweißartige.

Zellkern und Protoplasma: Epidermis der inneren Zwiebelschalen.

Aleuron: _Sem. lini_, _Sem. amygdalae_, _Sem. sinapis_.

Diagnostische Bedeutung des Aleurons: Unterscheidung der Futtermittel (s. d.) nach den Aleuronkörnern.

Chlorophyllkörner: _Belladonnablatt_.

Chromatophoren: _Fruct. capsici_.

Leukoplasten: _Rhiz. iridis_.

b) Stärke.

α) Intakte: _Kartoffel_, _Cerealien_, _Leguminosensamen_, _Arrowroot_, _Sago_.

Diagnostische Bedeutung der Stärke: Unterscheidung der Mehle nach den Stärkekörnern.

β) Verkleisterte: _Curcuma_, _Salep_, _Jalape_.

γ) Dektrinierte: _Dextrin_.

δ) Amylodextrinstärke: _Macis_.

c) Inulin: _Rad. taraxaci_, _Rhiz. enulae_.

d) Öl und Ölplasma: _Sem. lini_, _Secale cornutum_.

e) Gerbstoff: Cort. _quercus_, _Fruct. ceratoniae_, _Rhiz. tormentillae_.

f) Calciumoxalat.

α) Raphiden: _Bulb. scillae_, _Vanille_.

β) Prismen: _Rhiz. iridis_, _Vanille_.

γ) Zwillinge: _Fol. hyoscyami_.

δ) Drusen: _Rhiz. rhei_, _Cort. granati_, _Fol. stramonii_.

ε) Kristallsand: _Fol. belladonnae_.

ζ) Kristalle in Taschen: _Fol. aurantii_.

η) Kristalle in Sclereïden: _Bacc. juniperi_, _Rad. colombo_.

Diagnostische Bedeutung der Calciumoxalatkristalle: Differentialdiagnose zwischen _Belladonna_, _Datura_, _Hyoscyamus_ und _Digitalis_.

θ) Andere Kristalle: _Pulpa Tamarindi_.

Anhang. Sekrete: _Barbadosaloë_, _Styrax liquid._, _französ. Terpentin_, _Euphorbium_, _Manilaelemi_, _Indigo_.

2. +Zellmembran.+

a) Morphologie der Zellwand.

α) Dünnwandige Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Mark von _Rad. sarsaparillae_.

β) Stärker verdickte Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Endodermis von _Rad. sarsaparillae_.

γ) Stark verdickte Zellwände mit Spaltentüpfeln: Libriform von _Rad. sarsaparillae_.

δ) Wände mit behöften Tüpfeln: Holz von _Pinus_.

ε) Gefäße mit Ring-, Spiral-, Leisten- und Netzleistenverdickungen: Stengel von _Conium_. Getüpfelte Gefäße: _Rad. sarsaparillae_.

Diagnostische Bedeutung der Gefäßwandskulptur: Differentialdiagnose zwischen _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.

b) +Chemismus+ der Zellwand (Reaktionen!).

α) Cellulose: _Baumwolle_, Collenchym des _Mentha_stengels.

β) Lichenin: _Lichen islandic_.

γ) Amyloid: Pergamentpapier.

δ) Schleimmembran: _Rad. althaeae_, _Sem. lini_, _Sem. foenugraeci_, _Flos tiliae_, _Traganth_.

ε) Verholzte Membran: Holz von _Pinus_.

ζ) Korkmembran: _Kartoffel_, _Cort. condurango_.

η) Cuticula: _Fol. digitalis_, _Fol. sennae_, Stengel von _Conium_.

Diagnostische Bedeutung der Faltung, Streifung und Warzenbildung auf der Cuticula: _Mate_, _Coca_.

θ) Interzellularsubstanz: Holz von _Pinus_. Pectin: _Fruct. sambuci_, _Fruct. cydoniae_. Schleim: _Carrageen_.

3. +Gewebe.+

a) Bildungsgewebe.

α) Cambium: _Rad. angelicae_.

β) Meristem: Plumula und Radicula des _Mandel_samens.

γ) Procambiumstränge: Cotyledonen des _Strychnos_- und _Coffea_samens.

δ) Phellogen: _Cort. quercus_.

b) Epidermalgewebe.

α) Epidermis: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.

Diagnostische Bedeutung der Epidermis in der Flächenansicht: _Senna_ und _Belladonna_ -- Malabar- und Ceylon-_Cardamomen_.

β) Kork: _Rad. colombo_, _Rhiz. zingiberis_. Phelloderm: _Cort. canellae._

γ) Haare: _Fol. digitalis_, _Fol. althaeae_, _Fol. absinth._, _Flos verbasci_, _Flos lavendulae_, _Baumwolle_, Paleae von _Rhiz filicis_. Haare mit Cystolithen: _Herb. cannabis_.

Diagnostische Bedeutung der Haarorgane: _Malva_- und _Verbascum_blätter in _Digitalis_. -- _Senna_- und _Arghel_blätter. -- Paleae der _Filiceen_rhizome.

c) Assimilationsgewebe.

α) Bifaciales Blatt: _Fol. menthae_.

β) Zentrisches Blatt: _Fol. sennae_.

γ) Blattnerven: _Fol. nicotianae_.

δ) Blattzähne: _Tee_ (ganz junges und älteres Blatt), _Fol. digitalis_.

Diagnostische Bedeutung der Blattzähne: _Fol. digitalis_ und Verfälschungen.

d) Leitungsgewebe.

α) Bestandteile des Gefäßbündels (Gefäße, Siebröhren): Stengel von _Zea Mais_ und _Conium maculatum_.

β) Obliteration der Siebröhren: _Rad. liquiritiae_. Verstopfung der Gefäße, Kernholz: _Lign. guajaci_.

γ) Arten der Gefäßbündel:

1. monokotylische: _Zea Mais_;

dikotylische: _Rhiz. podophylli_, _Rhiz. hydrastidis_;

2. kollaterale: _Zea Mais_;

bikollaterale: Stengel von _Hyoscyamus_;

radiale: _Rad. sarsaparillae_;

konzentrische: _Rhiz. calami_, _Rhiz. filicis_.

δ) Holzkörper und Rinde: _Lignum quassiae_, _Cort. frangulae_.

Jahresringe und Markstrahlen: _Pinusholz_, _Stipit. dulcamarae_, _Lign. quassiae_.

Diagnostische Bedeutung der Markstrahlen: _Lign. quassiae jamaicens._ und _surinamiens_.

e) Durchlüftungssystem.

α) Spaltöffnungen und Nebenzellen: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.

Diagnostische Bedeutung der Spaltöffnungen und der Zahl der Nebenzellen: _Mate_, _Coca_, _Belladonna_, _Mentha_, _Citrus_.

β) Lentizellen: _Cort. frangulae_.

γ) Luftführende Interzellularen: _Rhiz. calami_.

f) Mechanisches Gewebe.

α) Collenchym: Stengel von _Mentha piperita_.

β) Bastzellen: _Rad. liquiritiae_, _Rad. althaeae_, _Cort. chinae_, _Cort. cinnamom_, _Linumstengel_.

Diagnostische Bedeutung der Bastzellen: _Chinarinde_, _Zimt_, _Nelke_.

γ) Libriform: _Lign. guajaci_.

δ) Sklereïden: _Fruct. amomi_, _Sem. phaseoli_, _Cascara Sagrada_. Astrosklereïden: Fruchtstiel von _Illicium anisatum_, Blatt von _Thea_.

Diagnostische Bedeutung der Sklereïden: Echter und giftiger _Sternanis_.

ε) Endodermis: _Rad. sarsaparillae_, _Rhiz. calami_.

g) Sekretbehälter.

α) Ölzellen: _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. calami_, _Fol. lauri_, _Cubebe_.

β) Schizogene Sekretbehälter: _Rad. angelicae_, _Fruct. foeniculi_, Blatt von _Pinus_.

Diagnostische Bedeutung der schizogenen Sekretbehälter: _Angelica_, _Levisticum_, _Pimpinella_.

γ) Oblitoschizogene Sekretbehälter: _Caryophylli_.

δ) Schizolysigene Sekretbehälter: _Fruct. aurantii_.

ε) Drüsenhaare: _Flos chamomillae_, _Fol. menthae_, _Herb. cannabis_, _Rhiz. filicis_, _Kamala_, _Lupulin_.

Diagnostische Bedeutung der Drüsenhaare: Kompositen- und Labiaten-Drüsen.

ζ) Milchröhren: _Cort. condurango_, _Feige_, _Rad. taraxaci_.

Diagnostische Bedeutung der Milchröhren: _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.

h) Fortpflanzungssystem.

1. +Blüte.+

α) Ganz junge Entwicklungsstadien der Blüte: _Flos. cinae_.

β) Kelch, Corolle, Stamina, Griffel: _Flos chamomillae_, _Flos lavandulae_, _Flos malvae_, _Flos verbasci_, _Flos koso_, _Caryophylli_.

Diagnostische Bedeutung der Pollenkörner: _Crocus_, _Calendula_, _Carthamus_ -- _Honig_.

2. +Frucht+: _Fruct. aurantii immatur._, _Fruct. papaveris_, _Fruct. foeniculi_.

3. +Samen.+

α) Samenschale: _Faenum graecum_, _Mandel_ (Nährschicht).

β) Samen ohne Endosperm: _Kola_, _Sem. quercus_, _Sinapis_.

Samen mit Endosperm: _Ricinus_, _Triticum_.

Samen mit Perisperm: _Piper_, _Cardamomen_.

γ) Der Keimling: _Sem. strychni_, _Coffea_, _Amygdalus_.

δ) Arillus und Caruncula: _Myristica_, _Cardamomum_, _Ricinus_, _Colchicum_.

Die öfter gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.

II. =Morphologisch-anatomischer Kurs der speziellen Pharmakognosie= (für Vorgerücktere). Ergänzt, erweitert und vertieft den ersten Kurs. Bei jeder Droge wird zunächst die Morphologie, dann die Anatomie durchgenommen.

1. +Wurzeldrogen.+

a) Primärer Bau bei Monokotylen: junge Wurzel von _Iris_.

Sekundärer Bau bei Monokotylen: _Rad. sarsaparillae_.

b) Primärer Bau bei Dikotylen: zarte Wurzeln von _Valeriana_.

Übergang des primären in den sekundären Bau: etwas ältere Wurzeln von _Valeriana_.

Sekundärer Bau bei Dikotylen: _Rad. levistici_, _Rad. colombo_, _Rad. ipecacuanhae_, _Rad. althaeae_, _Rad. belladonnae_.

c) Ernährungswurzeln und Befestigungswurzeln: _Valeriana_.

d) Speicherwurzeln: _Tub. aconiti_, _Tub. salep_, _Rad. belladonnae_.

e) Besonderheiten im Bau: _Rad. senegae_, _Rad. ononidis_, _Tub. jalapae_, _Rad. gentianae_, _Rad. scammoniae_.

2. +Achsendrogen.+

A. Unterirdische Achsen.

a) Rhizome (auch mit Rücksicht auf die Verzweigungsarten): _Rhiz. galangae_, _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. curcumae_, _Rhiz. veratri_, _Rhiz. hydrastidis_.

b) Zwiebeln: _Scilla_, _Allium_, _Cepa_.

c) Knollen: _Colchicum_.

d) Wandersproß: _Rhiz. graminis_; Wandersproß und Speichersproß: _Rhiz. imperatoriae_, _Rhiz. valerianae_.

e) Besonderheiten im Bau: _Rhiz. rhei_.

B. Oberirdische Achsen.

a) Krautige Stengel: _Mentha_, _Conium_.

b) Hölzer: _Lign. fernambuci_, _Lign. campechian._, _Lign. quassiae_, _Lign. guajaci_.

c) Rinden: _Cort. frangulae_, _Cort. mezerei_, _Cort. cinnamomi zeylanici_, _Cort. quercus_, _Cort. chinae_, _Cort. cascarillae_.

3. +Blattdrogen.+

Unbehaarte: _Fol. cocae_, _Fol. menyanthidis_, _Fol. uvae ursi_.

Behaarte: _Fol. althaeae_, _Fol. hamamelidis_, _Fol. hyoscyami_.

Mit Drüsenhaaren: _Fol. menthae_, _Fol. melissae_, _Fol. rosmarin_, _Fol. salviae_.

Mit Sekretbehältern: _Fol. aurantii_, _Fol. rutae_, _Fol. eucalypti_, _Fol. jaborandi_.

4. +Blütendrogen.+

Knospen: _Caryophylli_, _Flos aurantii_.

Einzelblüten: _Flos sambuci_, _Flos verbasci_, _Flos tiliae_.

Blütenkörbe (Pappus): _Flos arnicae_, _Flos chamomillae_.

5. +Fruchtdrogen.+

Umbelliferenfrüchte: _Foeniculum_, _Carum Carvi_, _Anis_, _Conium_, _Coriander_.

Aurantieenfrüchte: _Citrus_ (in allen Entwicklungsstadien).

Piperaceenfrüchte: _Piper_, _Cubeba_.

Papaveraceenfrüchte: _Papaver_ (und _Opium_).

Magnoliaceenfrüchte: _Illicium anisatum_.

Orchideenfrüchte: _Vanille_.

Koniferenfrüchte: _Baccae juniperi_.

6. +Samendrogen.+

Samen, bei denen die Cotyledonen Speicherorgan:

mit Aleuron: _Amygdalus_,

mit Stärke: _Bohne_.

Samen, bei denen das Endosperm Speicherorgan:

mit Stärke: _Triticum_, _Mais_,

mit Aleuron: _Ricinus_, _Sabadilla_,

mit Schleim: _Faenum graec._, _Fruct. sennae_,

mit Reservezellulose: _Strychnos_, _Areca_.

Samen, bei denen das Perisperm Speicherorgan: _Piper_.

Samen, bei denen der Keimling blattartige zarte Cotyledonen hat: _Strychnos_.

Samen mit gekrümmtem Keimling: _Papaver_, _Cannabis_.

Samen mit nicht differenziertem Keimling: _Colchicum_, _Sabadilla_.

Samen mit Saugorganen: _Cardamomen_, _Zea Mais_.

Samen mit Flugorgan: _Strophantus_.

Samen mit gefalteten Cotyledonen: _Cacao_, _Caryophyllus_.

Samen mit ruminiertem Endosperm: _Sem. arecae_, _Sem. myristicae_.

Samen mit Schleimepidermis: _Sinapis_, _Cydonia_, _Linum_.

Samen mit hartem Endosperm und zarter Samenschale: _Colchicum_.

Samen mit zartem Endosperm und harter Samenschale: _Cardamomum_, _Linum_.

Samen mit obliterierter Samenschale, die in harter Fruchtschale eingeschlossen bleiben: _Piper_.

7. +Kryptogamen-Drogen.+

_Rhiz. filicis._

_Lycopodium_ und Fälschungen (_Pinus_-, _Corylus_-Pollen, Schwefel, Talcum, Stärke).

_Lichen Islandicus_.

_Kieselguhr_, _Agar-Agar_-Diatomeen.

_Carrageen_, _Laminaria_.

_Saccharomyces_ (_Faex compressa_).

_Secale cornutum_, _Fungus igniarius_, _Fungus laricis_.

_Ustilago Maidis_.

8. +Gallen.+

Kleinasiatische und chinesische Gallen.

Die mehrmals gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.

III. Kurs der angewandten Pharmakoanatomie.

Analyse gemischter _Tees_.

Analyse einfacher und zusammengemischter Drogenpulver, Diagnose von Verfälschungen in Drogenpulvern, Abschätzung der Menge der fremden Beimischungen.

IV. Spezialkurs für Nahrungs- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände.

A. +Nahrungsmittel+ (ganz und gemahlen).

1. Die Cerealienfrüchte und ihre Mehle: _Triticum_, _Secale_, _Hordeum_, _Avena_, _Mais_, _Oryza_.

+Verfälschungen+: _Mutterkorn_, Brandpilzsporen, _Rade_, _Taumellolch_, ausgewachsenes Getreide, verdorbenes Mehl.

2. Die _Leguminosensamen_ und ihre Mehle: _Phaseolus_, _Pisum_.

B. +Genußmittel+ (ganz und gemahlen).

1. Die +Purindrogen+.