Part 24
Um eine Vorstellung von der Ausfuhr großer überseeischer Handelsplätze zu geben, teile ich im folgenden als Beispiele die Exportlisten zweier für uns besonders wichtiger, von mir besuchter Inseln -- Ceylon und Java -- mit.
+Export von+ =Ceylon= +im Jahre 1906+ (nach Ceylon Customs returns, Colombo 1907):
+Quantity+ +Value+ (in Ruppies)
Cacao 55621 cwt 2.052414 Rs Coconut trocken 181807 „ 3.404000 „ „ frisch 16.224973 „ 929680 „ Coffee plantation 4484 „ 257830 „ „ liberian 50 „ 1050 „ Cardamoms 6505 „ 585755 „ Cinnamom 52422 „ 2.642068 „ „ wild 18 „ 60 „ Cinchona bark 296820 lb 11872 „ Cloves and Mace 118 cwt 6006 „ Ginger 40 „ 772 „ Nutmegs 155 „ 6675 „ Pepper 1983 „ 71960 „ Vanilla 50 „ 23821 „ Tea 170.527146 lb 61.389772 „ Sapan wood 10137 cwt 27713 „ Rubber 2333 „ 96843 „ Copra 448700 „ 5.661337 „ Castor oil 7 „ 240 „ Cinnamom oil 103487 oz 18846 „ Cinnamom leaf oil 51224 „ 5856 „ Citronella oil 1.213748 lb 1.204764 „ Coconut oil 539002 cwt 9.545725 „ Croton seed 273 „ 8461 „
+Ausfuhr aus+ =Java= (nach Javasche Courant No. 20 van 12 Maart 1907):
1904 1905 1906
Cacao 976721 1.047466 1.815812 kg Copra 22.904240 108.360755 54.337508 „ Foelie 36286 57176 47012 „ Getah Pertja 3782 2046 2746 „ Gomdammar 1.585163 1.743594 2.024655 „ Gomelastiek 44510 96362 174892 „ Indigo, n. ber. v. d. Inlandsche markt 808739 440766 200760 „ Indigo, andere 324940 69080 182761 „ Kaneel, eigenlijke 52696 41510 15517 kg Kapok 4.615155 6.309969 5.787803 „ Kassiavruchten 378338 216924 77766 „ Katjangolie 2.393029 2.106883 1.447311 Lit. Kinabast 7.119284 8.021869 6.500059 kg Kinine 44789 15515 39720 „ Klapperolie 33666 63600 5864 Lit. Koffie, andere 15.869912 15.301235 19.054858 kg Koffie, in hoornschil. 3.252807 9.069232 5.944613 „ Koffie, in gedr. kers. 5682 19103 403067 „ Nagelen -- 924 2423 „ Notenmuskaat 177439 243731 277112 „ Noten-, pinan- 2.393880 2.672693 3.851635 „ Peper, staart- 167283 154911 146680 „ Peper, witte 412173 622882 1.519361 „ Peper, zwarte 3.642591 4.530135 6.792734 „ Rijst, ongepelde -- 246194 9420 „ Rijst, gepelde 45.838401 42.705724 44.269343 „ Suiker 41.959707 1.050.397131 1.021.055203 „ Tabak, niet bereid voor de Inlandsche markt 33.806340 27.863640 51.527875 „ Tabak, bereid voor de Inlandsche markt 693031 498450 707717 „ Tapiocameel 27.711408 23.104152 21.354794 „ Thee 11.798403 11.846889 11.967803 „
=Brasilien= exportiert im Jahr für 700–800 Mill. Mark. Davon entfallen auf Kaffee etwa 450 Mill., auf Kautschuk 135 Mill. Mark.
Hieran mag der Export des =Kongostaates= angeschlossen werden, dessen Ausfuhr sehr eigenartig und für Afrika charakteristisch ist. Er exportierte 1906:
Kautschuk 6.309687 kg Palmkerne 5.917559 „ Palmöl 2.301473 „ Weißen Copal 868928 „ Cacao 402429 „ Kaffee 74916 „ Erdnüsse 43152 „
Nur wenige Drogen im engeren Sinne zeigen =Riesenexportziffern=; von reinen +Arznei+drogen eigentlich nur die _Chinarinde_, von der 1906 allein nach Amsterdam 8.794480 kg gelangten (vgl. S. 175), trotzdem die Bandongsche Chininfabrik 1906 schon 55000 kg _Chinin_ fabrizierte. Der +Naval stores+ ist schon oben (S. 173) gedacht worden. Sie sind aber vorwiegend technische Drogen. Ihre Exportziffern sind beträchtlich.
+Frankreich+ exportierte:
1904 1905 1906 _Terpentin_ 5596 12214 12922 tons (t = 1000 kg) _Rosin_ (_Colophon._) 30897 59382 37888 „
+Amerika+ exportierte:
1904/05 1905/06 1906/07 _Terpentin_ 51288 49482 47181 tons engl. (t = 1016 kg) _Rosin_ 242789 241243 270990 „ „
Sehr beträchtlich sind auch die Exportziffern für _Kautschuk_, _Copal_, _Dammar_, aber von diesen Produkten findet nur ein sehr kleiner Prozentsatz seinen Weg in die Apotheke.
Die jährliche Gesamtproduktion von _Opium_ mag etwa 20 Mill. kg betragen; davon produziert China 14 Mill. kg, Brit. Ostindien 5.5 Mill. kg.
Die Gesamtausfuhr von _Pfeffer_ aus Niederländ. Indien und Malakka beträgt c. 25 Mill. kg. Wichtigster _Pfeffer_markt der Erde ist Singapore.
Die Gesamtproduktion von _Rohrzucker_ beträgt mehr als 3050 Mill. kg. Davon entfällt auf Amerika der Hauptanteil (1700 Mill. kg). Die Gesamtproduktion von _Rübenzucker_ wird auf 3600 Mill. kg geschätzt. Hauptproduktionsland ist Deutschland (1320 Mill. kg), wo über 400 Zuckerfabriken bestehen. Dann Frankreich mit 370 Fabriken, Österreich-Ungarn, Rußland, Belgien.
Von _Cacao_ kommen jährlich c. 32 Mill. kg in den Welthandel (die Gesamt+produktion+ ist viel höher, läßt sich aber nicht schätzen). Haupt-_Cacao_märkte sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg, Bordeaux.
Die Gesamtproduktion von _Tee_ läßt sich ebenfalls nicht schätzen, da China und Japan enorme Mengen selbst verbrauchen. In den Welthandel gelangen jährlich c. 220 Mill. kg. Haupt-_Tee_markt Europas ist London, dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille, Odessa.
Von _Mate_ konsumiert allein Argentinien jährlich 37 Mill. kg.
Die _Kaffee_produktion der Erde betrug in Ballen à 60 kg (nach ~Lacerta~):
Zentralamerika Gesamt- Brasilien und Antillen Asien Afrika produktion 1895/96 5.969000 3.050000 1.017000 240000 10.454000 1896/97 8.500000 3.150000 858000 249000 12.102000 1897/98 7.250000 3.100000 1.171000 275000 11.210000
Den meisten _Kaffee_ produziert Brasilien, den besten Java.
Alle anderen Produkte läßt aber die _Baumwolle_ hinter sich. Die Welternte betrug 1903: 14.1 Mill., 1904: 17.9 Mill., 1905: 15.7 Mill., 1906: 18.6 Mill. Ballen. Der _Baumwoll_verbrauch betrug 1906/07 pro Woche 327000 Ballen! Die Vereinigten Staaten allein produzierten 1906: 13.305265 Ballen _Baumwolle_.
Die _Vanille_produktion der Erde beträgt fast 330000 kg. Sie verteilte sich 1906/07 folgendermaßen auf die Länder:
Mexico 120000 kg Comoren, Mayotte 105000 „ Madagascar, Nossi Bé 40000 „ Bourbon 30000 „ Seychellen 20000 „ Antillen 5000 „ Mauritius 3000 „ Ceylon, Java 3000 „ Fidschi-Inseln, Congo 1000 „ Sansibar, Deutsch-Ostafrika, Neu-Hebriden geringere Mengen.
4. Masse und Gewichte.
Die im Großhandel üblichen =Maße und Gewichte= sind jetzt meist die des metrischen Systems, doch begegnet man noch vielfach in den Ausfuhr- und Einfuhrlisten (s. oben) und Handelsberichten den +englischen Gewichten+: der +Unze+ (onz) = 28.439 g, dem +englischen Pfund+ (lb, lbs) = 453.6 g, dem +Zentner+ (cwt, d. h. hundred-weight) = 112 engl. Pfund = 101.5 deutsche Pfund = 50.8 kg, der engl. +Tonne+ (tons. = t.) = 907.18 (oder 1016) kg, dem +Barrel+ = 159 (oder 163) Liter, dem +Gallon+ = 4.54 l (= 4 Quarts à 2 Pints à 4 Gills) = 10 engl. Pfund, dem +Hogshead+ = 63 Gallons und in +Indien+ den dort üblichen z. B. dem +Picul+ (sprich Pickel) = 100 Kattis = 133 engl. Pfund = 61.76 kg (der japanische Pikul = 60.47 kg, der siamesische = 60.5 kg), dem +Imperial-Bushel+ = 36.5 Liter (= 8 Gallons à 4.54 Liter).
+Barrel+ ist zwar meist eine Tonne von 2 Kilderkins zu 2 Firkins und hält 36 Imperial-Gallons = 163.56 Liter, ist aber auch ein sehr ungleich benutztes Gewichtsmaß z. B. für westind. _Rohrzucker_ = 224–308 engl. Pfund, für amerikan. _Pech_ = 35 Gallons zu 9 Pfund; in Amerika für _Petroleum_ = 40 (resp. 42), für _Cider_ und andere Flüssigkeiten = 30 Gallons.
In +Rußland+ wird oft nach +Pud+ = 16.38 kg gerechnet, in +Persien+ nach +Man-i-Schah+ = 5.87 kg. Der +marokkanische Kintar+ ist = 50.8 kg, der kleinasiatische +Bahar+ = 83.5 kg.
+Kin+ oder King (chines.) ist = 16 Liang oder = 601.28 g (japan.) amtlich = 10 Rió = ¹⁄₁₀₀ Picul = 601.04 g, aber im Binnenverkehr vielfach bis 592.59 g herab. Auf den Philippinen ist +Cate+ = 632.685 g, in Niederländ. Indien = 615.21 g. In Singapur, Penang und Malakka verhält sich das malaiische +Kin+ zum chinesischen wie 15 : 16. Die englische Bezeichnung für Kin lautet +Catty+.
Der chinesische +sching+ ist = 10.31 Liter, der japanische +schingsho+ = 1.81 Liter.
Die +persischen Gewichte+ sind sehr eigenartig. 1 +Miskâl+ = 4.6 g = 24 Nukhûd (= Kichererbse) = 0.192 g, 1 Nukhûd = 4 Gändum (= Weizenkorn) = 0.048 g. +Batmän+ oder +Män+ ist sehr verschieden. Es gibt 18 verschiedene von 2.9 bis 52.9 kg. Das kleine Män = 2.944 kg = Män i Täbrîz = 8 Abbâsî = 640 Miskâl. Män i Noh Abbâsî = 9 Abbâsî = 720 Miskâl = 3.312 kg. Das große Män = 13.8 kg. Das eigentliche +Män i Täbrîz+ = 1000 Miskâl = 5.750 kg. 1 Klein Batmän = 4 Tshehârjāk, 1 Tshehârjāk = 10 Sîr, 1 Sîr = 16 Miskâl. In Fârs ist eine +Kiste+ (z. B. beim _Indigo_) = 20 Män i Noh Abbâsî. _Rosenwasser_ wird in großen Flaschen +Kärrâbäh+ (= 13.6 Liter) gehandelt.
In Afghanistan rechnet man nach +Mahn+ = 4.18 kg und +Arschin+ = 1.12 m.
Von +Längenmaßen+ wird noch am häufigsten die +englische Meile+ = 1760 Yards = 1609.3 m erwähnt, dann die russische +Werst+ = 1066.8 m, der chinesische +Yina Tschin+ = 3.58 m. Die +Seemeile+ ist = 1.86 km = 1.15 engl. Meile = 1.74 Werst, die +geographische Meile+ ist = 7.419 km = 4 Seemeilen.
Bei +Flächenmaßen+ begegnet man in Indien oft dem +Acre+ (= 4840 ☐ Yard = 40.47 Ar = 4047 ☐ m) und in Java dem +Bau+ oder Bouw (= 500 Tumbac, 1 Tumbac = 12 ☐ Fuß).
Die lateinische Bezeichnung für +Geld+, pecunia, ist von pecus abgeleitet, da in Medien und Persien, wie auch bei den älteren Römern (und Germanen) Vieh als Geld benutzt wurde. Bei den Osseten im Kaukasus ist noch heute die Kuh die Normaleinheit des Preises für jeden Wert. Als Geld wurden und werden benutzt: _Cacaobohnen_, _Kolanüsse_, _Datteln_, _Tee_ziegel. Dann auch Salzbarren (Abessinien), Getreide, Mais und verschiedene Muscheln, besonders die Kaurischnecke (_Cypraea moneta_). Die Kaurischnecken (malaiisch beja = Zoll, Steuer), die besonders von den Malediven exportiert wird, sind seit alter Zeit als Münze benutzt worden. Im IV. Jahrh. schon waren sie in Indien in Umlauf, im XV. in Westafrika, im XVII. bildeten sie in Indien, den Philippinen und Siam das einzige Kleingeld -- in Siam und im Innern von Afrika (Sudan, Westafrika, Ostafrika) noch jetzt. In Timbuktu gilt eine _Kolanuß_ 10–100 Kauris, ein Sklave 20000 und mehr. In Nordamerika dienten andere Muscheln (_Mercenaria violacea_, _Lucapina_ und _Olivella_arten) als Geld. Endlich werden ungemünzte und gemünzte Metalle, besonders Edelmetalle, als Geld benutzt.
«Es war eine geniale, im griechischen Osten wohl um die Wende des VIII. und VII. Jahrh. v. Chr. entstandene Idee, das gewogene Stück Edelmetall, das längst dem Handelsverkehr diente, durch einen Stempel des Staates, der die Garantie des Gewichtes übernahm, zur Münze zu machen»(~Furtwängler~).
5. Handelssprache.
Eine +Welthandelssprache+ gibt es nicht. Doch ist das Englische unter allen Handel treibenden Nationen so verbreitet, daß man auch im Großdrogenhandel nicht ohne diese Sprache auskommt, die sehr dem, was man eine Welthandelssprache nennt, nahe kommt. Denn während der Holländer die Sprachen der von ihm unterworfenen Völker erlernt -- auf Java ist z. B. das Malaiische für den Verkehr nötiger als das Holländische -- verlangt der Engländer, daß die Vasallenvölker Englisch lernen. Auf Ceylon und in Indien ist daher Englisch Handelssprache. Als Elisabeth den Thron bestieg, sprachen weniger Menschen englisch, als jetzt in London wohnen, jetzt umspannt das Englische den ganzen Erdball. «Es durchbrach die Schranken der Kontinentalität und nahm die Größe des Ozeans zum Vorbilde.»
In Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens ist das +Arabische+ im Handelsverkehr weit verbreitet, da die Zwischenhändler oft Araber sind. «Allah iberack l’ak» (Möge Gott es Euch gedeihen lassen) ist eine arabische Formel, deren Aussprache den Kauf abschließt.
In Ostasien und in vielen Hafenplätzen, wo Chinesen Handel treiben, ist das +Chinesische+ Handelssprache, wie auf den südasiatischen Inseln das +Malaiische+. Besondere Handelssprachen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und die ein für praktische Zwecke zurechtgemachtes Mischmasch verschiedener Sprachen darstellen, sind z. B. die +Lingua franca+, die aus dem Italienischen entstanden und mit Brocken aus allen möglichen Sprachen des Mittelmeerbeckens gemischt ist. Sie wird besonders in Smyrna gesprochen, wo so viele Sprachen durcheinander schwirren, wie einst im Altertum in Dioskurias am Pontus Euxinus. Dann das in den europäischen Häfen von China und weiter südlich verbreitete +Pitchén-English+ (von pi tschen, so spricht der Chinese business aus), ein Gemisch von Englisch und Chinesisch -- das ich ziemlich rasch verstehen lernte -- das +Neger+-Englisch an der Kongoküste, das Kisuaheli, der Nigre tongo, Dschue tongo (in Surinam), die Lengua geral (in Brasilien) u. a. m.
Der Warenballen ist in weit höherem Grade ein Verbreiter der Gesittung als die Person des Kaufmanns. Den Haupthebel für die Tätigkeit des letzteren bildet zunächst allemal der Gewinn; er will handeln und erwerben, nicht zivilisieren. ~Andree.~
V. Pharmakodiakosmie.
Die Pharmakodiakosmie (von διακοσμεῖν = sortieren) beschäftigt sich mit den Handelssorten und den Verpackungen der Drogen.
1. Handelssorten.
Schon das Altertum kannte Handelssorten. Beim _Anis_ z. B. führt ~Dioscurides~ an, daß der kretische besser sei als der ägyptische. Ja schon zur Zeit der Pharaonen unterschied man schwarzes, weißes und rotes _Fatti_ (d. h. _Mastix_).
Wir wissen (~Hüllmann~, +Handelsgeschichte der Griechen+, 1839), daß die Griechen, die einen lebhaften Handel mit dem Orient trieben, _Majoran_ aus Tenedos, Creta, Chios und Heraclea, _Senf_ aus Cypern, _Thymian_ vom attischen Hymettos, _Safran_ von Rhodos und Kyrene, _Helleborus_ von Thessalien und Böotien, _Silphium_ von Kyrene als Handelssorten unterschieden.
Handelssorten erwähnt auch ~Plinius~ besonders bei den Harzen, beim _Bdellium_ beschreibt er die Unterschiede zwischen der peratischen und der indischen Sorte, beim _Olibanum_ erwähnt er drei Sorten, beim _Mastix_ zwei, bei der _Myrrha_ gar sechs (resp. acht): die troglodytische, die minäische (die atramitische, ansaritische), die dianitische, die «collatitia», die sambracenische und die dusaritische.
~Oribasius~ (geb. c. 350) unterschied μαστίχη χία und μαστίχη αἰγυπτία. Auch ~Ibn Baitar~ führt da und dort Handelssorten an.
Die Krämerordnung der Stadt Straßburg 1470 schätzt am höchsten den _Safran_ von Ort, dann den von Toscana und bezeichnet als schlechtesten den Belgir. Im +Mittelalter+ unterschied man überhaupt vom _Safran_ zahlreiche Sorten: _Safran_ aus den Abruzzen, aus Acquila, aus Aragonien, aus der Auvergne, aus Calabrien, Castelnaudary, Catalonien, Cima, England, San Gemignano (bei Florenz), Mallorca (Majolica), aus den Marken an der Adria, Marokko, Mirabel (Dep. des basses Alpes), Montferrat (zwischen Turin und Genua), Noort, Orta, Österreich, Tortosa, Puglia, Ruscia, Toscana, Valenza u. a. m. (~Flückiger~).
Die gegen Ende des Mittelalters und im XVI. Jahrh. vielfach übliche Pflanzen- und Handelssortenbezeichnung «romani» bedeutet nur soviel, daß die Sorte aus dem Süden stammt. Ähnlich verhält es sich mit den unbestimmten Bezeichnungen «troglodyticus», «aethiopicus», «indicus», «ponticus», «arabicus», die man in alter Zeit oft als «nähere» Bezeichnung fand und von denen «arabicus» noch im _Gummi arabicum_ erhalten ist, das aber nicht aus Arabien zu uns kommt und wahrscheinlich auch niemals aus der Arabia felix kam.
Besser stimmen die noch heute üblichen, allerdings ganz allgemeinen Bezeichnungen «orientalis», für asiatische, speziell indische Drogen, und «occidentalis», für amerikanische, die wohl namentlich mit Rücksicht auf die Bezeichnungen Ostindien und Westindien gewählt wurden.
Neben den nach Ländern benannten Handelssorten finden wir auch frühzeitig nach der Gewinnungsweise unterschiedene. Die amtliche Apothekertaxe Roms vom Jahre 1558 führt z. B. unter anderem zwei Handelssorten von _Manna_ auf: di fronda (auf den Blättern) und di corpo (von den Stämmen).
Die äußere Form hat auch bisweilen zur Handelssortenbezeichnung gedient, so z. B. wurde früher -- jetzt nicht mehr -- _Curcuma rotunda_ und _Curcuma longa_, d. h. Zentral- und Nebenwurzelstärke unterschieden.
* * * * *
Die Handelssorten der Drogen im modernen Handel sind dem Wechsel unterworfen. Alte Sorten verschwinden, neue tauchen auf, um nach kürzerer oder längerer Zeit wieder anderen Platz zu machen. Die _China Cuprea_ z. B. ist aufgetaucht und wieder verschwunden und auch von der _Crown Aloë_ hört man wenig mehr. Es ist ein fortdauerndes Hin- und Herfluten, ein auf und ab, das sich durch Angebot und Nachfrage regelt. Dem Importeur liegt nur daran, Käufer für seine Ware zu finden. Da erscheinen dann plötzlich große Mengen einer Droge am Markt, die bisher unbekannt war. Alles kommt darauf an für die neue Droge zunächst +empfehlende Gutachten+ zu erhalten und dann, damit nicht zu große Lagerspesen entstehen, so rasch wie möglich Käufer zu finden. Manchmal hält sich eine Droge, wie z. B. die Carthagena-_Ipecacuanha_, trotzdem die Arzneibücher in der Mehrzahl sie ablehnen, dadurch, daß Spezialitätenfabrikanten sie in großer Menge brauchen, manchmal findet die Sendung auch keine Abnehmer. So fand ich in den Londoner Docks 1903 _Cuprea_, die seit 1881 dort unverkauft lag. Aufgabe der Zwischenhändler (Agenten, Makler) ist es, Liebhaber zu finden und eventuell Bedürfnisse zu schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind.
Wenn man ältere (oder auch neuere!) Lehr- und Handbücher der Drogenkunde zur Hand nimmt, so findet man eine große Menge von Handelssorten aufgeführt, die heute kein Mensch mehr kennt und die nur in den Drogenmuseen noch zu sehen sind. Sie haben nur noch historisches Interesse. Von den vielen Handelssorten der _Sarsaparille_, die ~Schleiden~ und ~Berg~ erwähnen, ist nur +Honduras+ und +Veracruz+ übrig geblieben, zu der dann noch die rote +Jamaica+ und die +Lima+ hinzutraten. Es ist Sache des Lehrers der Pharmakognosie die Studierenden darüber zu belehren, was jetzt im Handel +ist+, nicht darüber, was einst im Handel +war+. +Er muß also Fühlung mit dem Großhandel suchen.+ Die im folgenden aufgeführten Handelssorten sind solche, die sich 1907 im Drogen-Großhandel fanden. Auf andere komme ich im speziellen Teile bei den betreffenden Drogen zu sprechen.
So fanden sich 1907 im =Großhandel= (ich folge besonders der Liste von ~Julius Grossmann~, Hamburg):
_Agar-Agar_, Fäden -- Schnitzel -- Linealform.
_Aloës_, Barbados in Kürbissen -- Capensis in Kisten -- Curaçao, capartig -- Curaçao, leberfarbig.
_Canthariden_, chinesische -- russische.
_Colocynthides_, Palästina -- türkisch -- spanisch («pulp» und «apples»).
_Cort. chinae flavae_, Carthagena -- Maracaibo -- Porto Cabello.
_Cort. chinae Loxa._
_Cort. chinae regiae Calisaya_, echt (Monopolrinde).
_Cort. chinae rubrae._
_Cort. chinae Culturrinde_, Droggistquills, pijpen oder Pharmaceut. Basten -- Fabrikrinde oder Fabrieksbasten.
Der englische Großhandel nennt _Chinarinde_ einfach «Bark», wie _Perubalsam_ kurz «Balsam».
_Cort. aurantiorum_, Malaga -- Curaçao.
_Sem. tonco_, Angostura -- Para -- Surinam.
_Ichthyocolla_, brasilianische Zungen (Tongues) -- Maracaibo Herzform -- Venezuela Zungen und Taschen.
_Fol. cocae_, Cuzco -- Trujillo.
_Fol. jaborandi_, Ceara -- Paraguay.
_Fol. sennae_, Alexandrinae -- Tinnevelly.
_Benzoë_, Palembang -- Siam -- Sumatra.
_Lignum quassiae_, Jamaica -- Surinam.
_Moschus_, Assam -- Cabardinic. -- Tonquin.
_Gallen_, Bassorah -- Smyrna (und zwar «blues», «greens», «whites»).
_Sem. colae_, ½ Nüsse -- ¼ Nüsse.
_Nuces vomicae_, Cochin -- Bombay -- Calcutta -- Madras.
_Ol. geranii_, Bourbon Couteau St. Andrée -- ostindisch. Palmarosa prima -- ostindisch. Gingergrass.
Schilfsack mit _Lycopodium_.
Kiste mit Bourbon-_Vanille_.
_Ichthyocolla_-Bündel.
Tonkin-_Moschus_-Kästchen.
Mit Blech ausgeschlagene Kiste mit Smyrna-_Opium_.
_Perubalsam_-Kanister.
Kiste mit _Succus liquiritiae_.]
_Ol. lavandulae_, französisch -- spanisch.
_Ol. menthae_, americ. -- japan. -- japan. crist.
_Rad. ipecacuanhae_, Carthagena -- Mattogrosso -- Minas.
_Rad. liquiritiae_, griech. -- spanisch Alicante -- Tortosa -- Russisch Ural.
_Rhiz. rhei_, Canton -- Shanghai -- Shansi -- englisch -- französ. -- österreich.
_Rad. sarsaparillae_, Honduras -- J. G. Krone -- F. & S. Krone -- [Illustration: GB] Seronen -- Stern Seronen (Fig. 276).
_Rad. senegae_, südlich -- westlich.
_Secale cornut._, russisch -- spanisch.
_Succus liquirit._, Baracco -- Duca di Atri.
_Catechu_ (_Cutch_), Baran B. S. -- Mangrove M -- Pegu Stern B -- Pegu Stern J. G. -- Pegu D. C. -- Pegu B. T. -- Ostind.
_Curcuma_, Bengal. -- Cochin -- Madras.
_Gummi arabicum_, Cordofan -- Ghezirah -- Mekka -- Senegal.
_Dammar_, Batavia -- Padang.
_Traganth_, syrisch -- persisch -- türkisch -- Traganthon.
_Opium_, Geiwa -- Salonici -- Smyrna -- Alexandretta -- persisch.
_Orlean_, Bisdary -- Clayssen -- Latapie.
_Indigo_, Bengal und Behar -- Oude und Benares -- Bimlipatam -- Madras -- Kurpah -- Manila -- Bombay -- Java -- Westindisch.
Nachfolgende, aus anderen Quellen (~Gehe~, ~Weigel~) stammende Übersicht gibt einen guten Überblick über die 1907 beobachteten Handelssorten der wichtigsten Drogen, die Hauptsorten sind gesperrt gedruckt. Die meisten Namen finden sich auf der Karte: «Handelsstraßen im XX. Jahrh.» (Beilage).
_Aloë._ +Kap+-, +Barbados+-, +Curaçao+-, Socotra-, Natal-, Bombay-, Sansibar-, +Uganda+-, Mocha-, Madagaskar-, Jafferabad-, Bonaire-, Aruba-, Indische _Aloë_.
_Amygdalae._ Malaga- oder Jordanmandeln, +spanische+ (Valencer- und Alicante M.), +italienische+ (Florentiner-, Puglieser-, Bari-, Avola-, Sizilianer M.), +südfranzösische+ (Provençer M.), +nordafrikanische+ (Marocco-, Mogador- oder berberische), kleinasiatische, griechische, canarische _Mandeln_.