Handbuch der Pharmakognosie

Part 18

Chapter 182,751 wordsPublic domain

Andere Drogen, wie die fetten Öle und Fette, werden durch +Auspressen+, noch andere, wie die ätherischen Öle, durch +Destillieren mit Wasserdampf+ aus den Pflanzenteilen oder Harzbalsamen herausgezogen. Das Auspressen, selbst warmes, dürfte die Fette kaum stark verändern. Etwas anderes ist es mit den +ätherischen Ölen+. Es darf als sicher angenommen werden, daß die ätherischen Öle in der Form, wie wir sie im Handel kennen, nicht in der Pflanze vorhanden sind. Ich habe schon 1890 darauf aufmerksam gemacht, daß der Wasserdampf seine verseifende Wirkung zweifellos auch hier geltend machen wird und daß die Alkohole, die wir in den ätherischen Ölen des Handels finden, in der Pflanze offenbar mit jenen flüchtigen Fettsäuren, die wir im unter den Ölen stehenden Destillationswasser finden, verestert sind, diese Ester, die zum Teil wohl «gemischte» sein dürften, aber durch die verseifende Wirkung des Wasserdampfes gespalten werden. Eine solche Spaltung dürfte übrigens bisweilen auch schon beim Trocknen eintreten.

Sehr eigenartig sind die =Methoden der Gewinnung der ätherischen Öle= ausgebildet worden. Die alte Methode der Destillation mit Wasserdampf (Fig. 159 bis 164), deren bis ins Unendliche modifizierte Apparatur wir schon bei ~Brunschwijk~ bewundern (vgl. auch Fig. 9) und die jedem alten chemischen Laboratorium einen so eigenen malerischen Reiz verleiht, ist zwar auch heute noch die wichtigste Darstellungsmethode geblieben (vgl. das Kap. Pharmakochemie), wie außerordentlich aber die Apparate vervollkommnet wurden, zeigt ein Blick in die Destillierräume einer modernen Fabrik ätherischer Öle. Daneben sind jedoch für die Öle, die die doch ziemlich rohe Methode der Dampfdestillation nicht vertragen, die ja nur Öle mit kräftiger Konstitution aushalten und die uns so gut wie niemals das Öl in der Form liefert, wie es in der Pflanze vorhanden ist, andere Methoden eingeführt worden: die in Grasse geübte +Enfleurage+ (Fig. 169), bei der Fette in der Kälte das ätherische Öl aufnehmen und der +procédé pneumatique+, bei dem die Blüten nur ihren Duft an kaltes Fett abgeben. Die ältesten wohlriechenden Öle waren (wohl warm bereitete) Auszüge von Pflanzen mittelst fetten Ölen. Das Verfahren wird noch jetzt geübt und «+Macération+» genannt (Fig. 170). Das Anstechen der Früchte mit der +Ecuelle à piquer+ (Fig. 172) oder das Andrücken der Fruchtschalen an einen Schwamm (+Spugna+, +Scorzetta-Prozeß+, Fig. 165 u. 166), wie es in Italien bei einigen _Aurantieen_früchten geübt wird oder die höchst eigenartige, wenn auch primitive +Macchina+ (Fig. 167 u. 168), mit der das _Bergamottöl_ kalt herausgequetscht wird, sind solche sich der Eigenart gewisser Öle anpassende Methoden.

Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des _Rosenöls_ in Bulgarien, wo über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der _Rosen_blüte in Tätigkeit gesetzt werden (Fig. 163 u. 164). Dann auch die Fabrikation von _Oleum pini pumilionis_ in der Schweiz (z. B. im Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants (Fig. 161) finden wir bei den wandernden Destillateuren von _Lavendelöl_, die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation der ätherischen Öle bei Miltitz (~Schimmel~ & Co., Taf. III), Pirna (~Hänsel~), Grasse (~Roure Bertrand Fils~ u. and.).

In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel Pharmakochemie) gehört auch die _Kampfer_destillation in Japan und China, der dann eine Sublimation des Produktes und -- häufig auch -- eine Komprimierung folgt, die _Colophonium_gewinnung durch Destillation der _Terpentine_ (Fig. 159 u. 160) -- aber nicht die Darstellung des «_Harzöles_», das vielmehr durch trockene Destillation des _Colophoniums_ gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: +Harze und Harzbehälter+, 1906).

Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der _Olive_ (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der _Mandel_ geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die _Cocosöl_pressereien von Ceylon gefunden hatten -- ich sah in den Mills in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen -- auch in außereuropäischen Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen Inseln, findet man noch die alte _Cocosöl_presse (Taf. XVI u. XVII), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive _Olivenöl_presse (Fig. 174) mit dem Fiscolo (Fig. 173), auf den Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für _Muskatbutter_, wie sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.

Die _Oliven_ kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, Fig. 174 links). Dort werden sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. +Fiscoli+ (Fig. 173) geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung), die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl (_Sulfuröl_), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen. Man rechnet 30% des Gewichts der _Oliven_ Öl, 20% Feuchtigkeit. Das Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit Erfolg das Pressen der _Olive_ durch Zentrifugieren der erwärmten geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte _Oliven_, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

Daß die Gewinnung des _Olivenöls_ in Italien -- unter Benutzung von Strohkörben -- sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich geändert hat, zeigt die Abbildung 175.

Die _Olivenöl_pressung ist in Italien und der Provence ganz dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von _Oliven_bäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).

Neuerdings wird als Ersatz des _Oliven_öls viel _Arachisöl_ und _Baumwollsamenöl_ gepreßt.

Eigenartig ist die Gewinnung des _Ricinusöls_ in Indien. Die Samen werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30° gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß»abgeschieden ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (~Schulte am Hofe~).

Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der _Citrone_ wird übrigens auch der _Citronen_saft gewonnen (Fig. 176).

Einige Drogen werden durch =Auskochen= der betreffenden Pflanzenteile (_Catechu_, _Agar-Agar_) oder durch Anschneiden und =Eindicken= des ausgeflossenen Saftes (_Capaloë_) dargestellt. Dabei geht man dann in der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es in Würfel (_Gambier_, Fig. 177), sei es in schmale oder prismatische Stücke (_Agar-Agar_) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (_Aloë_).

Die Gewinnung der _Aloë_ aus den Blättern der _Aloë ferox_ habe ich (1907) nach Berichten von ~Dr. Marloth~ in Kapstadt, wie folgt, geschildert.

«Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen Blätter (Fig. 178) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau von 1 m Höhe aufgepackt (Fig. 179). Nach einigen Stunden werden die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist (Fig. 180). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht (Fig. 181). Diesem Umstande verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.

Das Eintrocknen über freiem Feuer ist eine sehr beschwerliche Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise an. Aus diesem Grunde scheinen viele der _Aloë_-Sammler es jetzt vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst einzukochen.

Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert, als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke «_Crown-Aloë_» in den Handel.

Leider war der erste größere Posten dieser neuen Marke in London mit dem Namen _Uganda Aloë_ belegt worden, doch ist dies, wie ich schon neulich mitteilte, ein willkürlich erfundener Name. Diese neue und durchaus rationelle Darstellungsweise hat eine Zukunft. Die _Crown-Aloë_ erzielt in London sehr gute Preise. Sie sieht freilich ganz anders wie _Cap-Aloë_ aus, ist aber entschieden viel besser.»(~Tschirch~, Schweiz. Wochenschr. 1902, Nr. 23.)

Ein Auskochen findet auch bei der _Perubalsam_- und _Styrax_-Darstellung statt. Hier werden nach erfolgter Verwundung des Baumes und Bildung von Balsam im Neuholz aus der Wundnähe stammende Holz- und Rindenteile abgeschabt und dann mit Wasser ausgekocht. Bei der _Perubalsam_gewinnung werden auch die aufgelegten Lappen dieser Prozedur unterworfen. Nach dem Auskochen wird dann abgepreßt (Fig. 182).

Ein natürliches =Bleichen= am Licht findet bei der _Macis_, die frisch karminrot, am Licht getrocknet rötlichgelb, und beim _Carrageen_, das frisch kirschrot, gebleicht gelblich ist, statt.

Das Bleichen des _Carrageen_ an der Sonne erfolgt erst, nachdem man den größten Teil des roten Farbstoffes durch Einlegen und Rollen der Algen in mit Süßwasser gefüllten Fässern entfernt hat.

Um die _Ingwer_rhizome der geschälten Sorten schön weiß zu erhalten, werden die gewaschenen und vorsichtig geschälten Rhizome eine Nacht in Wasser liegen gelassen, dem man oft noch Kalkmilch, Zitronensäure oder Essig zusetzt.

=Künstliches Bleichen= durch chemische Hilfsmittel gilt bei Drogen als unzulässig. So dürfen z. B. _Ingwer_, _Cardamomen_ und _Carrageen_ nicht mit Chlor oder schwefliger Säure gebleicht werden. Nur Sonnenbleiche ist zulässig. Auch das Bestreuen oder Bestreichen geschälter weißer Drogen mit Kreide oder Gips, das hie und da bei _Iris_ und _Ingwer_ beobachtet wurde, ist unzulässig.

Das =Kalken= der _Muskatnüsse_ dagegen ist durchaus zulässig. Es hat nicht den Zweck, die Keimkraft zu vernichten, die bei den Samen, besonders den geschälten, rasch erlischt, sondern dient als wirksamer Schutz gegen Insektenfraß, wie besonders auf diesen Punkt gerichtete Versuche, die ich vor einigen Jahren angestellt habe, bewiesen haben.

Die =Gewinnung der Gespinstfasern= gehört schon in das Gebiet der technischen Rohstoffe. Sie beruht, soweit es sich um Bastfasern handelt, auf der möglichst vollständigen Isolierung derselben und Beseitigung der begleitenden Gewebe, bisweilen (_Lein_) unter Zuhilfenahme eines eigenartigen «Fermentierungsprozesses» (Flachsröste), der wohl darauf beruht, daß durch den Einfluß von Bakterien die Interzellularsubstanz pektinisiert und dadurch die Zellen leichter isoliert werden.

Die Entfernung der Samen aus der Baumwolle (das Egrainieren) bedarf besonderer Vorrichtungen.

=Bisweilen werden die erzielten Drogenprodukte noch geformt.= Aus dem _Kautschuk_ und der _Guarana_-Pasta formte man ehedem alle möglichen Figuren (Fig. 183–185), jetzt werden aus ersterem meist nur Kuchen, aus letzterem, ebenso wie aus dem erweichten _Drachenblut_ Stengel gebildet. Das _indische Opium_ wird, wie schon oben beschrieben, entweder zu großen Kugeln (balls Fig. 128) oder zu rechteckigen Stücken (Fig. 132) geformt. Der _Gambier_würfel wurde schon oben gedacht (S. 135). Aus _Nelken_ werden in Amboina die zierlichsten und kunstvollsten Gebilde hergestellt: Büchsen, Teller, Kassetten, Schiffe (Fig. 186 bis 188). Doch ist dies eigentlich mehr eine Kuriosität und Spielerei.

Auch die früher vielfach übliche kunstvolle Verschlingung von Wurzeln ist nur noch bei der _Angelica_«in Zöpfen»in Gebrauch geblieben und von den zahlreichen eigenartigen Packungsarten der _Sarsaparille_ sind fast nur noch die «Puppen» der Honduras jetzt im Handel.

Auch von den vielen oft +kunstvollen+ =Gefäßen=, in denen früher besonders weiche Drogen in den Handel gebracht wurden, haben sich nur wenige erhalten: die kleinen Kalebassen des _Tolubalsams_ (jetzt selten) und einer _Curare_art, die grossen der _Curaçao-Aloë_, die Töpfe des _Tubocurare_ und die Bamburöhren des _Röhrencurare_, die wir aber eigentlich schon zu den Packungen (s. Pharmakodiakosmie) rechnen müssen.

Eine ganz besondere und eigenartige Gruppe bilden _Indigo_ und _Lackmus_, die als solche in den Stammpflanzen nicht vorhanden sind, sondern erst bei einem eigenartigen Behandlungsprozesse aus den in den Pflanzen enthaltenen Chromogenen entstehen. (Vgl. das Kapitel Pharmakochemie.)

Ein =Nachfärben= (mit Berlinerblau oder Indigo, dem Gips oder Talkum zugesetzt wurde) findet bisweilen beim _grünen_ Tee statt.

Ein «=Beduften=» (Scenting) scheint beim _schwarzen Tee_ hie und da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt: _Aurantieen_, _Aglaia odorata_, _Chloranthus inconspicuus_, _Gardenia florida_, _Jasminum paniculatum_ und _Sambac_, _Osmanthus fragrans_. Wie ~Tischomiroff~ durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das «Beduften» des _schwarzen Tees_ nicht oder doch (1893) nicht mehr geübt. Nur in die Kisten, die «_Tee_ zu Geschenken»enthalten, wird auf den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht _Aglaia_blüten geschüttet. In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die +süßen+ Zweigspitzen von _Viburnum phlebotrichum_ dem _Tee_ beigemischt.

In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in Gebrauch.

Einige Drogen, wie das _Curare_ und der _Haschisch_ gehören schon zu den =Präparaten=, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.

Die Herstellung von =gegorenen Getränken= aus Pflanzensäften fällt schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den _Palmenwein_ (Fig. 189), den _Cognac_, den _Arac_ und die _Pulque_ (Fig. 190) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.

Bei der +Pulquebereitung+ schneidet der Arbeiter die Knospe des Blütenstandes der _Agave americana_, bevor sich derselbe entwickelt, ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument (Fig. 190) den zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.

Bei der +Palmweingewinnung+ schneidet man ebenfalls die Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des Stammes (Fig. 189), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und läßt ihn vergären.

Daß man Drogen auch =durch eine rationellere Erntebereitung verbessern= kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der _Hevea_-(Para-)_Kautschuk_, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca kultivierten _Hevea_arten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.

Die +Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte+ (Fig. 191 u. 192) ist jetzt schon eingehend studiert.

Man unterscheidet hier folgende Koaleszenzmittel:

I. Natürliche Methoden:

1. Einfaches Verdunstenlassen an warmer Luft;

2. Verdunstenlassen am menschlichen Körper.

II. Mechanische Methoden:

1. Durch Schlagen, Buttern bei 50°;

2. Durch Zentrifugieren nach ~Biffen~.

III. Chemische Methoden:

1. Räucherung, z. B. mit der Räucherungsmaschine von ~Cardoco Danin~;

2. Einfache Kochmethode;

3. Zusatz eines großen Quantums Wasser;

4. Durch Salzwasser;

5. Durch Vegetabilien, wie die Samen von _Aurantiaceen_, der Saft von _Sachacamote_, _Bossasangasaft_, die Wurzelknollen von _Ipomoea bona nox_;

6. Durch Chemikalien, wie Alaun, Schwefelsäure, Seesalz, Seifenwasser, Alkohol, Sublimat, Calciumchlorid, Salzsäure, Phönicinschwefelsäure, Aceton, Eisessig, Ameisensäure, mit H₂SO₄ versetzte 4% Phenollösung;

7. Durch Urin;

8. Durch Sterilisieren mit Formaldehyd, Guajacol- oder Thymollösung, dann Verdünnen mit Wasser und Versetzen mit Oxalsäure, Ameisensäure, Zitronensäure oder mit wässerigen Extrakten der Termiten und Ameisen. (Vgl. ~Tschirch~, Harze und Harzbehälter 1906.)

Die Sitte, =frische Pflanzenteile mit Zucker einzukochen= -- sog. +Condita+ darzustellen, -- die früher bei zahlreichen Heilpflanzen üblich war, z. B. auch bei _Rhiz. Enulae_, ist jetzt nur noch beim _Ingwer_, den dickschaligen _Citrus_arten (z. B. _C. medica_) -- _Citronat_, _Cedrat_ -- und bei _Angelica_ (in Clermont Ferrand) erhalten geblieben.

Auch die arabische Sitte, =eingedickte Pflanzensäfte= -- +Roob+, +Rob+, +Rubb+ -- darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten (_Sambucus_, _Juniperus_) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis (Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg _Succus Sambuci_.

Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung ziemlich konservativ. Das _Umbaopopanax_ scheint auch heute noch auf die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche gilt wohl von der _Aloë_.

Wie konservativ man bei der _Indigo_fabrikation geblieben ist, lehrt der Vergleich zwischen der Abbildung der _Indigo_bereitung, die ich aus ~Pomet~, +Hist. gener. des drogues+ 1694 wiedergebe (Fig. 193) und einer modernen Anlage (Fig. 194), die ich dieser gegenüberstelle.

Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein =Auslesen oder Sortieren= erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen schon beim Produzenten. Die _Tee_blätter (Fig. 197), die _Muskatnüsse_ (Fig. 198) und die _Chinarinde_ (Fig. 199) werden «verlesen», bevor man sie verpackt, _Rosen_blätter (Fig. 200), bevor man sie destilliert. Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim _Deckblattabak_ in Sumatra (Fig. 195). Bei der _Cubebe_, den _Umbelliferen_früchten u. a. werden die Stiele entfernt. Die _Gummis_ und _Harze_ werden sortiert. Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» (s. d.).

Eine besondere Form des Auslesens ist das «=Reppeln=», das darauf beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die _Kusso_ gereppelt, d. h. die zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die die _Kamala_ bilden, von den Früchten des _Mallotus philippensis_ und jene, die das _Lupulin_ bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen Infloreszenz der _Hopfen_pflanze abgelöst.

Bei der _Baumwolle_ werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden die _Baumwolle_, der Samen liefert das _Baumwollsamenöl_.