Gordon, der Held von Khartum

Part 20

Chapter 203,823 wordsPublic domain

Wir ersehen hieraus, daß die Taufe eine wichtige Sache ist. Denn die wahre Taufe, sei es bei unmündigen Kindern durch ihre Stellvertreter, die Paten, so diese gläubig sind, sei es bei Erwachsenen, ist der Bedeutung nach ~nichts anderes als ein Bekenntnis, daß das Fleisch nichts Gutes zu vollbringen vermag~. Und mir scheint, daß diese Ansicht eine Stütze für die Kindertaufe ist, denn es handelt sich darum, etwas das tot ist und das sich nicht selbst helfen kann zu begraben. Ein kleines Kind ist tot hinsichtlich des eigenen Willens u. s. w.; indem es nun bildlich durch seine gläubigen Stellvertreter in der Taufe begraben wird, ergiebt sich hieraus die Hoffnung, daß es in Christo auferstehen wird -- ja unser Glaube an Gott kann nicht anders als dies glauben.

Wenn es sich um einen Erwachsenen handelt, der von seiner fleischlichen Natur frei werden möchte, an Christus glaubt und getauft wird, so glaube ich, daß ein solcher den heiligen Geist in seinem ~Leibe~ empfängt. Die Elemente des Segens, dessen er in seinem ~Leibe~ teilhaftig wird, sind in dem einen Falle Brot und Wein, in dem andern ist es Wasser, in welchem er den fleischlichen ~Leib~ ablegt. In beiden Sakramenten sind die Elemente stofflich, und beide sind geheiligt für den Leib durch den heiligen Geist: das eine zur Erhaltung des neuen Lebens in Christo, das andere zur Auferstehung von den Toten in Christo, welcher ist der neue Adam.

War nicht das Essen der verbotenen Frucht ein Zerreißen der Einheit mit Gott und, infolge davon, die Bildung einer Einheit mit dem Satan? Und was ist der Glaube anderes als eine Fähigkeit, die unmittelbar aus der Gegenwart des heiligen Geistes kommt? »Niemand kann Christus einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist,« auch andere Stellen beweisen dies. Der Glaube ist eine unmittelbare Wirkung der Einwohnung des heiligen Geistes. Da kann kein Glaube sein, wo der heilige Geist nicht seine Wohnung hat. Einer der sagt, er glaube an Christus, aber nicht an die Gegenwart des heiligen Geistes in ihm selber, ist entweder ein Lügner und Ungläubiger, oder er macht Gott zum Lügner.

Daraus folgere ich, daß jedes Wort, jede That, jeder Gedanke, der nicht aus der Gemeinschaft mit Christus durch den heiligen Geist entspringt, genau dasselbe ist, was das Essen der verbotenen Frucht war. Andererseits ist jedes Wort, jede That, jeder Gedanke, der durch den heiligen Geist in der Gemeinschaft mit Christus wurzelt, ein Essen vom Baum des Lebens.

Ferner, gleichwie das Essen der verbotenen Frucht sowohl durch Wort oder Gedanken, als durch die That geschehen kann (im verbotenen Essen im Paradies gipfelten Gedanke und Wort in der That), so kann das Essen von dem Baum des Lebens, Christus, auch durch Wort und Gedanke geschehen, ist aber wesentlich eine That. Das Einssein mit Christus durch die Einwohnung des heiligen Geistes ist das A und O alles Lebens, und diese Anschauung empfiehlt sich selbst unserer Vernunft. Das Ergebnis dieses Einsseins ist ein Fruchtbringen. Es bedarf keiner Anstrengung; wenn wir das Einssein suchen und pflegen, so müssen die Früchte des heiligen Geistes die natürliche Folge sein.

Nur durch den heiligen Geist ist Leben oder Gemeinschaft mit Christo möglich. Die Erlösung oder die Wohlthat des Sühnopfers unseres Herrn kann nur dann von uns erfaßt werden oder uns zu gute kommen, wenn der heilige Geist in uns wohnt. »Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« Röm. 8, 9. Wer das nicht hat, was die Gemeinschaft ausmacht, kann nicht mit Christo vereinigt sein. Und es ist klar, daß die Ausgießung des heiligen Geistes erst die Folge von Christi Leiden war; er konnte nicht eher herkommen, als bis Christus aufgefahren war. Nach Christi Himmelfahrt kam der heilige Geist hernieder, nicht vorher.

Wie mancher bekümmerten Seele wäre es ein unaussprechlicher Segen zu wissen, daß der einzige Weg, um heilig oder Christus ähnlich zu werden, der ist, die Gegenwart des heiligen Geistes in uns zu suchen und zu pflegen. Die Früchte leugnen, welche der heilige Geist bringt, hieße die Gottheit des heiligen Geistes leugnen. Wenn ich daran denke, wie lange ich in der Irre ging und wie nutzlos ich mich abmühte am alten Menschen zu flicken, so kann ich nicht genug Nachdruck hierauf legen. Menschlich geredet, was für ein Segen wäre es für mich gewesen, wenn einer mir mit dem Wort zu Hilfe gekommen wäre (es steht übrigens deutlich genug in der Bibel): ›~Suche du des heiligen Geistes in dir selbst gewiß zu werden und kümmere dich sonst um nichts!~‹ Wer an Christum glaubt, der hat Gott den heiligen Geist lebendig in sich. Diese Wahrheit im täglichen Leben zu pflegen ist alles was wir nötig haben, und Er nährt uns durch die Schrift. Alles übrige kommt dann von selbst.

Über die Verbindung zwischen dem Sündenfall und dem heiligen Abendmahl.

In einem jüdischen Schulbuch fand ich die Geschichte des sog. Sündenfalles ausgelassen, und als ich einen Rabbiner darüber fragte, sagte er mir, daß die Juden dieselbe nicht als etwas Wirkliches anerkennen, sondern alle ihre Gebrechen aufs goldene Kalb zurückführen. Das ist begreiflich, denn sie meinen, sie können durchs Gesetz gerecht werden, indem sie aber das goldene Kalb als den Grund ihres Sündenfalles ansehen, ist ihnen der Sündenfall ein jüdisch-nationales Ereignis.

Betrachten wir den Sündenfall.

Der Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen war ein Baum, an dem man lernen konnte, was gut und was böse ist. Indem der Mensch von diesem Baum aß, wurde er wie Gott, denn Gott der Herr sprach: Siehe Adam ist geworden wie unser einer und weiß, was gut und böse ist.

Auch ist zu bemerken, daß das Verbot, von dem Baum zu essen, gegeben wurde, ~ehe~ das Weib aus Adams Rippe gebaut war; so daß Eva ~im~ Garten erschaffen wurde und Adam ~außerhalb~ desselben. Und ~Adam~ wurde aus dem Garten getrieben; der Eva geschieht dabei keine besondere Erwähnung. Dem Weib wurde kein Grund angegeben. Zu Adam sprach Gott: »dieweil du gegessen hast.« Die Strafe des Essens, der Tod, »du mußt sterben,« muß in Beziehung gebracht werden zu dem Worte »weil du gegessen hast, verflucht ist der Acker, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.«

Eph. 2, 2. »In welchen (Sünden) ihr weiland gehandelt habt, nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrschet, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens.« Der Fürst, der in der Luft herrschet, der Satan, hat also sein Werk in den Kindern des Unglaubens (Ungehorsams), und er begann dieses Werk im Menschen, als der Mensch im Ungehorsam gegen Gott von der verbotenen Frucht aß.

Wir dürfen annehmen, daß wenn Gott dem Menschen mit einer einzigen Ausnahme alles gewährte, eben diese Ausnahme ihren Grund in dem dem Menschen drohenden Schaden hatte. Hätte Eva nicht von dem, was verboten war, gegessen, dann hätte der Geist des Ungehorsams, Satan, sein Werk in ihr nicht beginnen können. Und wir mögen es betrachten wie wir wollen, so viel ist klar, daß sie durch die Thatsache ihres Essens dem Satan die Thür öffnete und er in ihrem Herzen Eingang fand.

1 Kor. 10, 20 zeigt, daß den Götzen opfern einer Gemeinschaft mit den Teufeln gleichkommt: »was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt«.

Der gesegnete Kelch aber ist die Gemeinschaft oder das Teilhaftigwerden des Blutes Christi. Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft oder das Teilhaftigwerden des Leibes Christi, 1 Kor. 10, 16.

Das Trinken vom Kelch des Herrn ist die Anteilnahme an des Herrn Tisch; und das Trinken von der Teufel Kelch ist die Anteilnahme an der Teufel Tisch. Durch dieses ganze Kapitel zieht sich die Gegenüberstellung von zweierlei Essen, von zweierlei Opfern, und von zweierlei Folgen solchen Essens (d. i. solcher Anteilnahme), von zwei Genossenschaften, zwei Gemeinschaften, welche in der Thatsache von zweierlei Essen und den Folgen solchen Essens gipfeln, nämlich die Gemeinschaft mit dem Wesen, an dessen Tisch der Mensch sozusagen sich setzt, welche Gemeinschaft ein Teilhaftigwerden der Eigenschaften dieses Wesens bedeutet.

Mögen wir nun über die Bedeutung der Worte streiten wie wir wollen, so läßt sich's nicht hinwegerklären, daß nach Joh. 6, 56 Christus in ~dem~ Menschen wohnet, der sein Fleisch ißt und sein Blut trinkt; und nach dem 53. Vers dieses Kapitels haben wir kein Leben in uns, so wir das nicht thun. Darnach ist es klar, daß dieses Essen sein Wohnungmachen in uns bedeutet; während nach 1 Kor. 10 ebenfalls klar ist, daß solche, die den Teufeln opfern (oder mit ihnen Gemeinschaft haben, was nach V. 20 dasselbe ist), auch den Teufeln in sich Wohnung verstatten. Nun kann darüber kein Zweifel sein, daß Evas Essen vom verbotenen Baum eine Gemeinschaft mit dem Teufel war, erstens darum, weil der Satan wirklich mit ihr verkehrte, zweitens weil es nicht eine Gemeinschaft mit Gott war, und drittens weil es im Geist des Ungehorsams geschah. Dabei lasse ich alle Opfer des mosaischen Ceremonialgesetzes außer Frage und beschäftige mich nur mit dem Sündenfall und der Wiederherstellung des Zustandes vor dem Fall, in welcher der Hauptpunkt das Sakrament ist, durch welches wir des Herrn Tod verkünden, bis daß Er kommt.

Wir glauben, daß Brot und Wein kraft göttlicher Einsetzung die werkzeugliche Ursache des geheimnisvollen Teilhaftigwerdens Christi ist, wodurch Er ganz unser wird und wir so eng mit ihm verbunden werden, als sein Fleisch ~sein~ Fleisch und sein Blut ~sein~ Blut ist. Durch Brot und Wein, durch das Essen und Trinken seines Leibes und Blutes, d. h. durch die thatsächliche Handlung solcher Nießung wird das feste Band geknüpft. Dabei glauben wir nicht, daß das Brot Fleisch wird und der Wein Blut, so wenig als die verbotene Frucht verwandelt worden ist.

Ich denke, es steht fest, daß der Fürst, der in der Luft herrschet, darum Eingang in uns fand und in den Kindern des Unglaubens sein Werk hat, weil Eva und Adam von der verbotenen Frucht aßen. Sie traten aus der Gemeinschaft mit Gott und wurden der Gegenwart des heiligen Geistes verlustig, durch den wir Gemeinschaft mit Gott haben. Dies führt zur Wiederherstellung in Christo, wenn er uns die Gemeinschaft mit dem heiligen Geist wiederherstellt, »die Verheißung des Vaters« und ein Unterpfand des Erbes. Nach Rom. 8, 11 wird der Geist des, der Jesum von den Toten auferwecket hat, unsere sterblichen Leiber lebendig machen durch den Geist, der in uns wohnet. Ich denke mir, daß der heilige Geist zuerst mit der Seele in Gemeinschaft ist, und daß Er dann durch die erweckte Seele den sterblichen Leib auferweckt. Da der heilige Geist nur in geistiger Weise an der Seele arbeiten kann, die geistiger Natur ist, so fragen wir, auf welche Weise kann der Leib erfaßt werden, der durch eine thatsächliche Handlung (durch Essen) der Gewalt des Bösen anheimfiel? Ich beantworte diese Frage mit aller Vorsicht, aber es erscheint mir sowohl vernunft- als schriftgemäß, daß er durch dasselbe Mittel auch wieder geheilt wird, das den Fall bewirkte und dem Teufel den Zugang verstattete, nämlich ~durch Essen~.

Das Sakrament von des Herrn Nachtmahl steht in enger Verbindung mit der Auferstehung des Leibes. »Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken.« Und wir wissen, daß, so wir würdig zu seinem Sakrament kommen, wir seinen Leib in unsern Leib und sein Blut in unser Blut empfangen zur Reinigung von aller Sünde. Wäre es denkbar, daß unsere Leiber je umkommen könnten, nachdem sie einer so engen Gemeinschaft mit der Gottheit teilhaftig geworden sind, als das Essen seines Leibes und das Trinken seines Blutes in sich schließt?

Wir müssen annehmen, daß der Leib beim Sündenfall in vorzüglichem Maße thätig war, denn er genoß thatsächlich, was verboten war, und hier bei diesem zweiten Essen ist ebenfalls der Leib in demselben Maße thätig. Beim ersten Essen brachte der Leib die Seele zum Opfer (denn der Seele konnte es an sich nichts verschlagen, ob gegessen wurde oder nicht); beim zweiten Essen bringt die Seele den Leib zum Opfer. Beim ersten Essen trug der Leib den Sieg davon; beim zweiten Essen bleibt der Seele der Sieg.

Warum sind wir alle so tot? Warum wird unser Fleisch nicht belebt? Viele unter uns sind wahre, ernste Christen. Warum sind sie so trübselig? Sie haben die Barmherzigkeit Gottes in Christo erfahren, aber es ist, als ob die Seele bei ihnen an einen Leichnam gefesselt wäre -- an ihren Leib. Sie glauben oder hoffen, daß sie ihrer Seligkeit gewiß sind, aber sie werden dieser Gewißheit nicht froh. Warum schleppen sie den toten Leib mit sich herum? Er atmet den Geruch des Verderbens aus, er ist träge und beschwerlich. Kann er nicht zum Leben gebracht werden? Wahrlich ich glaube, ~der Grund des Übels liegt in der Mißachtung des heiligen Abendmahls~. Wenn er auch ein toter Leib ist, so kann er doch essen; und wenn die Seele durch den heiligen Geist zum Leben erweckt ist, warum sollte sie den toten Leichnam nicht zu bewegen suchen, den Leib und das Blut Christi in sich aufzunehmen, woraus ihm Leben zu teil werden wird. Es mag zuerst nur ein schwaches Fünklein sein, ja es mag scheinen, als ob er nur um so mehr Verwesung von sich ausscheide, aber er wird bald voll Leben sein und dieses Leben wird das ewige Leben sein. Er wird den Tod nicht schauen, sondern die Auferstehung des Lebens.

Was für Vorbereitung ist nötig um zu essen? Ich meine, wenn ~ein~ Baum mit einem Zaun zu umgeben ist, so ist es der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, denn dieser Baum existiert noch immer. Aber hüten wir uns, den Baum des Lebens einhegen zu wollen! Gott selbst hat uns den Weg dazu in Christo bereitet. Es ist gar nichts nötig als das eine: »Ich bin krank; ich möchte gesund werden; ich hasse und verabscheue mich selbst; ich habe nur schwache Hoffnung, daß es mir Segen bringen wird, aber ich will Ihm vertrauen, und zu seinem Gedächtnis will ich thun, was Er mich thun heißt.« Kann jemand am Erfolg zweifeln? In Summa -- nichts ist nötig als erstens Kranksein, zweitens Verlangen nach Gesundheit und drittens Gehorsam gegen des Herrn Gebot.

Ich glaube, die meisten geben das erste und das zweite zu. Warum nicht auch das dritte? Es ist so gar wenig, und wie unendlich ist der Segen. Zweifelst du, so laß mich dich an die verbotene Frucht erinnern; wie gering schien die Übertretung, und die Folgen waren derartige, daß der allmächtige Gott selbst ins Fleisch kommen und den Tod leiden mußte, um den Schaden zu heilen.

Du solltst nicht davon essen. -- Nehmet, esset.

Was für Anstrengungen machen die Menschen, um körperliche Leiden zu heilen, was für Summen läßt man es sich kosten. Welche Krankheitsdiagnosen werden gemacht und doch -- selbst die wirksamsten Arzneien können das sichere unausbleibliche Ende nur um ein kurzes hinausschieben. Wahrlich, wenn man es sich so angelegen sein läßt, körperliche Leiden zu untersuchen, wie viel mehr sollte man die Ursache und das Heilmittel der geistlichen Krankheit erforschen. Denn daß wir geistlich krank und nicht so sind, wie wir sein sollten, daran zweifelt wohl keiner.

Wenn im natürlichen Leben ein Gift in den menschlichen Körper geraten ist und ihn mit seiner schädlichen Wirkung durchdringt, so muß in denselben Körper ein Gegengift aufgenommen werden, um mit seinen heilenden Kräften jene bösen Folgen zu vernichten.

Einer, der vergiftet ist, fragt nicht lange, auf welche Weise das Gegengift wirkt; er versteht die gute Wirkung des Gegengiftes vielleicht so wenig, als er die schädliche Wirkung des Giftes zu erklären weiß; er weiß nur, daß er leidet und geheilt werden möchte. Er nimmt das Gegengift in gutem Glauben; vielleicht hat er auch das Gift sozusagen in gutem Glauben genommen, denn im allgemeinen sucht der Mensch sich nicht selbst zu vergiften. Der Mensch sucht auch nie das Böse, weil es böse ist; er sucht vielmehr etwas (vermeintlich) Gutes im Bösen. Es genügt dem Menschen also zu wissen, daß er geistlich vergiftet ist, um Heilung zu begehren.

Ist es ein Zufall, daß das erste Gebot Gottes, das Er dem Menschen gab, und eines der letzten Gebote Christi an seine Jünger, und durch sie an die ganze Welt, beides von einem Essen handelt? Gott sprach: »~Du sollst nicht davon essen~« -- Jesus spricht: »~Nehmet, esset, das ist mein Leib!~«

Eine wirkliche Substanz (Brot) soll in den vergifteten Körper aufgenommen werden, und zwar nach dem ~Gebot~ des Herrn, und sie ist der Träger, durch welchen Christus dem vergifteten Körper seine göttlichen Eigenschaften mitteilt; gerade so, wie die ~verbotene~ Frucht der Träger war, durch welchen der Teufel dem Körper seine bösen Eigenschaften mitteilte und ihn vergiftete.

Der Mensch aß in völliger Unwissenheit hinsichtlich der Folgen des Essens von der verbotenen Frucht, denn er konnte nicht wissen, ~was~ der Tod sei; ebenso kann der Mensch in völliger Unwissenheit hinsichtlich der Folgen vom Brot des Sakraments essen.

In jenem Fall aß er im Vertrauen auf sich selbst und im Mißtrauen gegen Gott und in Gemeinschaft mit dem Teufel.

In diesem Fall soll er im Vertrauen auf Gott und im Mißtrauen gegen sich selbst essen und in Gemeinschaft mit Gott.

Der Welt ist dieses wie jenes eine Thorheit, aber es ist Weisheit bei Gott.

Wir sagten vorhin, der Mensch sucht nie Böses, weil er böse ist, sondern er sucht (vermeintlich) Gutes im Bösen. Eva suchte Gutes in der verbotenen Frucht, aber sie suchte es im Vertrauen auf sich selbst und im Mißtrauen gegen Gott.

Ein kleines Kind kann verstehen, daß es ein Heilmittel braucht, wenn es krank ist, und nimmt selbst eine widrige Arznei von seiner Mutter, weil es ihr vertraut. Der Mensch kann deshalb das sakramentale Gegengift verstehen, wenn er weiß, daß er geistlich vergiftet ist; aber der höchste Verstand kann weder ergründen die Tiefe des ersten Bundes mit Satan, noch die des zweiten Bundes mit Christus.

Ich frage nun, ~was ist nötig, damit der Mensch esse von diesem Sakrament~? Nichts, als daß er seine geistliche Krankheit erkenne und geheilt werden möchte. Die meisten Menschen wissen es auch wohl, daß sie krank sind, und wären auch gern gesund.

Warum wird das Gegengift im Sakrament so vernachlässigt? weil es so einfach ist, darum hält es die Welt für Thorheit und des Herrn Tisch ist verachtet. (Mal. 1, 7.)

Zum Schluß noch die Frage: ist nicht das Abendmahl des Herrn das einzige aus der sichtbaren Kirche, was auch im Himmel bleiben wird? (Luk. 22, 18.) Es ist wesentlich das Hochzeitsmahl der Kirche; es ist das äußerliche Pfand des gegenseitigen Einwohnens des Menschen in Gott und Gottes im Menschen. (Offenb. 3, 20.)

* * * * *

Mit solchen Gedanken beschäftigte sich Gordon während jenes Ruhejahres im heiligen Land. Im Juli schrieb er seinem Freund: »Es ist ein Gefühl der Ermattung über mich gekommen, ~nicht der Unzufriedenheit~, aber ein Verlangen, die Bürde abzuwerfen. Ich glaube, daß es gut für mich ist, hier zu sein, sonst wäre ich ja nicht hier, und Gott schenkt mir tröstliche Gedanken, aber der Körper ermattet, und es scheint mir ein selbstsüchtiges Leben. Doch sind alle Forschungen, die ich hier mache, interessant, und mein gottgeschenkter Glaube verhindert mich, es für ein nutzloses Leben zu halten.« Es ist die Energie des Mannes, die hier zum Vorschein kommt; er will nicht nur glauben, er will seinen Glauben auch bethätigen. Bei den Londoner Maiversammlungen 1885 hat Missionar Hall aus Jaffa einer großen Versammlung unter atemloser Stille von seinem acht Monate langen Umgang mit Gordon erzählt. In den ersten Tagen ihrer Bekanntschaft sagte Gordon zu ihm: »Ich habe keine rechte Ruhe, ich bin in dieses Land gekommen, um eine Zeit lang in der Stille zu sein, mich mehr mit dem Wort Gottes zu beschädigen und nebenher die heiligen Stätten zu untersuchen. Aber es befriedigt mich nicht; ich bin unruhig, ich muß etwas für Gott thun. Glauben Sie, wenn ich nach Jaffa käme, daß ich dort Arbeit finden könnte?« Die Folge der bejahenden Antwort des Missionars war, daß Gordon sich in Jaffa einmietete. »Eines Tages,« erzählte Hall, »erhielt ich ein Schreiben von dem Komitee des Inhalts, daß ein Missionshaus in Nablus (Sichem) errichtet werden sollte und daß Baupläne einzusenden seien. Ich schrieb an den Missionar Fallscheer in Nablus, worauf dieser mich in Jaffa besuchte und es beklagte, daß er nichts vom Baufach verstehe. In Jaffa gebe es keinen Baumeister, und sich bei einem Baumeister in Jerusalem Rats zu holen, sei eine kostspielige Sache. Ich gab das zu und entgegnete: »Es ist eben ein Mann hier, der sich aufs Planzeichnen versteht; ich weiß zwar nicht, ob man ihn damit belästigen darf -- wir wollen es aber versuchen.« Und so begaben wir uns in Gordons Wohnung. Wir hatten uns nicht den günstigsten Augenblick gewählt, denn es war vormittags, welche Zeit Gordon der Betrachtung des Wortes Gottes widmete. Wir fanden ihn in Hemdärmeln an seinem Tisch sitzen. Er erkundigte sich nach unserm Begehren. »Wir möchten Ihren Rat holen wegen eines Missionshauses, das in Nablus gebaut werden soll,« sagte ich, und um unserm Bedürfnis nach Bauplänen näher zu kommen, fügte ich dies und jenes hinzu. Da unterbrach er mich: ›Ich weiß, was Sie wollen -- Sie brauchen nicht so vorsichtig mit mir zu reden; Sie möchten einen Beitrag haben.‹ Darauf erwiderte ich, daß wir keinen Beitrag von ihm wollten, wohl aber etwas Besseres als Geld, nämlich die Baupläne, wenn er sie uns entwerfen wolle. ›Baupläne,‹ rief er, ›ei gern!‹ und nahm sofort Papier und Bleistift zur Hand, notierte sich wie viel Zimmer nötig seien, was für Fenster und Thüren, was die Lage des Bauplatzes sei u. s. w. Noch am Abend desselben Tages brachte er uns die schönsten Pläne, die man sich denken konnte. Am andern Tage bestellten wir Handwerksleute, und Gordon machte einen Kostenüberschlag für jeden. Das Missionshaus steht jetzt in Nablus. Einige Zeit später sagte ich ihm, daß ich mich fast gefürchtet hätte, ihn um die Baupläne zu bitten. ›Meinen Sie, ich hätte Ihre Bitte übel genommen,‹ sagte er. ›Wozu bin ich denn nach Jaffa gekommen, habe ich Ihnen nicht gesagt, daß, wenn Sie mir etwas für das Reich Gottes zu thun geben könnten, Sie mir einen Dienst erweisen würden? Ich war nicht recht mit mir zufrieden, weil ich mich ins heilige Land zurückgezogen hatte, anstatt mit meinen Kräften mich in Gottes Arbeit zu stellen.‹ In diesem Sinn hatte er die Pläne entworfen.« Missionar Hall fügte dem bei, daß er von Gordon mehr Aufschluß über geistliche Dinge erhalten habe, als sonst von irgend einem Menschen, mit dem er je in seinem Leben zu thun gehabt. Gordon fand auch sonst in Jaffa Arbeit von der Art, wie er sie in Gravesend gefunden hatte. Ein bekannter schottischer Geistlicher, der kürzlich in Palästina reiste, kam mit einem armen Dragoman zusammen, der ihm nicht genug davon sagen konnte, wie Gordon ihn und seine Frau in Krankheit besucht und in Ermangelung eines Stuhles sich mit seinem neuen Testament auf den Boden gesetzt habe, um ihnen von Christus zu erzählen. Dabei hatte er ausfindig gemacht, daß sie eine große Doktorrechnung hätten, und diese in aller Stille bezahlt. In Jerusalem und den Dörfern umher habe er den Armen viel Gutes gethan, und diese trauerten um ihn, wie um ihren Vater.