Part 18
Leutnant Frank kam und machte seinen Besuch, um sich bei Roderich nochmals für die rasche Erledigung der Angelegenheit zu bedanken, eigentlich aber war es ihm darum zu tun, sich der Dame seines Herzens mit einem gewaltigen Schritt zu nähern. Er merkte bald, daß ihm von Seiten ihres Vaters nichts im Wege stand, und so schied er mit der Zuversicht, noch vor der Sommerreise der Familie die erste offene Einladung zu erhalten.
Seitdem Agathe das Wort »Sanatorium« hatte fallen hören, war sie auffallend liebenswürdig zu ihrem Manne und steckte sich hinter den Hausarzt, der Roderich plötzlich Vorwürfe machte, wie er ihm zutrauen könne, jemals einen derartigen Gedanken geäußert zu haben. Er habe das nur bildlich gemeint und finde die Frau Bankdirektor überhaupt seit einiger Zeit sehr ruhig. Vier Wochen Schwarzwald oder Tirol würden gute Dienste tun.
»Ich werde meine Frau nächstens selbst behandeln,« sagte Roderich grimmig.
»Das sollten Sie nur tun,« warf der Sanitätsrat höflich ein und bürstete wie gewöhnlich seinen Zylinderhut mit dem Aermel ab. »Aber liebevoller, wie es sich für Nervöse gehört. Essen Sie wieder zusammen an einem Tische!«
Roderich lachte, sagte aber nichts. Schließlich versteckte sich auch so ein alter Junggeselle hinter dem Unterrock seiner Patientin.
Es war am Tage vor der Abreise, als der Bankdirektor noch einmal den Kandidaten sprach, der nun Ferien bekam und sich verabschieden wollte. Er hatte sich inzwischen öffentlich verlobt und schwamm in den Wonnen der Bräutigamszeit, die höher gingen bei dem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft.
»Sie haben sich mal beleidigt gefühlt über das Wort ›Familiensklave‹,« sagte Roderich. »Das war nicht schön von meinem Sohn, aber eine kleine Genugtuung möchte ich Ihnen doch noch geben. Sehen Sie mich an, ich bin der größte Sklave meiner Familie, den Sie sich denken können. Sozusagen einer von sechs Köpfen. Ich bin Direktor einer großen Bank, habe zwei Häuser und eine Villa und bin das, was man einen reichen Mann nennt. Aber glauben Sie, daß ich wahrhaft glücklich bin? Ihnen kann ich's ja sagen, Sie wissen ja, wie's im Hause steht. Etwas Sklaventum steckt in uns allen, und wenn wir auch noch so stolz den Kopf erheben, heimlich beugen wir doch den Nacken um des lieben Friedens willen, der uns das Salz des Lebens ist ... Auf Wiedersehen!«
Der Kandidat nickte aus Höflichkeit. Als er aber dann hinaus war, dachte er: »Der kann klug reden bei seinen sechs Gängen.« Und seine Gedanken gingen zurück in all die trübe Zeit, die er durchlebt hatte in der Demütigung eines gebildeten Mannes. Freiwilliges Sklaventum war eben ein anderes, als das »der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe«.
+Verlag Continent+, Theo Gutmann
Berlin W. 50.
Marie Madeleine:
+Aus faulem Holze+ Novellen
broschiert Mk. 2,50 elegant gebunden Mk. 3,50
Man kann die Verfasserin nicht einen weiblichen Tovote nennen, denn neben ihr erscheint Tovote grob, in Deutschland bilden diese Skizzen eine Gattung für sich. In die Hände jugendlicher Personen gehören sie nicht ...
+Hamburger Fremdenblatt.+
Marie Madeleine, eine ohne Frage sehr impulsive Individualität, ist ein Vulkan, der glühende Lava und heiße Steine auswirft.
+Königsberger Hartung'sche Zeitung.+
Die Verfasserin vereinigt in diesen Novellen die Grazie eines Boccacio, die künstlerisch-freie, virtuose Darstellung eines Maupassant mit der bewußten und absichtlichen Schlüpfrigkeit eines Paul de Kock ...
+Frankfurter Oder-Zeitung.+
Dreizehn leichtfüßige Geschichtchen, die so graziös erzählt werden, daß man die Verfasserin für eine Französin halten könnte. Man liest das geschmackvoll modern ausgestattete Büchlein in einem Zug bis zu Ende, um es dann -- noch einmal zu lesen. Der poetische Reiz, der den Geschichtchen eigen ist, erhebt sie turmhoch über die bekannte »Lektüre für die Lebewelt«, obwohl sie ausnahmslos sehr freie Stoffe in einer noch freieren Weise behandeln. Die Grazie der Wiedergabe läßt aber nicht das leiseste Unbehagen aufkommen. Wahre Kabinettstücke sind die Novellen »Aus faulem Holze«, »Einsam«, »Gentleman«, »Prinzessinnen« und »Das Renommee«. Daß diese amüsante Novellensammlung fleißig gekauft werden wird, ist sicher.
+Das litt. Deutsch-Oesterreich, Wien.+
Eine gewisse prickelnde Grazie, die mit zierlicher Eleganz über trübe Lachen hinwegzutänzeln weiß, wird man diesen Novellen nicht absprechen können, und zuweilen erfreut man sich an einem fein und duftig gemalten Pastellbildchen.
+Schlesische Zeitung, Breslau.+
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Marie Madeleine:
+Arme Ritter+, Roman
broschiert Mk. 3,50 elegant gebunden Mk. 5,--
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Marie Madeleine:
+Frivol+, Roman
broschiert Mk. 3,-- gebunden Mk. 4,--
Max Kretzer:
+Treibende Kräfte+, Roman
broschiert Mk. 4,-- gebunden Mk. 5,--
....... Von einzelnen Zügen muß gerühmt werden, daß sie ~nur ein Meister~ wiedergeben kann: Das lukullische Mahl in der Wannsee-Villa des Kommerzienrates, die Abrechnung Leos mit Vater und Brüdern. Das Düstere, das über dem Ganzen schwebt, durchbricht der ewig heitere Humor des Münchener Dichters Pauli. Obgleich nur Nebenfigur, gehört dieser Heitere mit zu den Besten von Kretzers »Treibenden Kräften.«
+Dr. S. B. Vossische Zeitung.+
Der Mitschöpfer des Berliner Romans bleibt auch diesmal seinem immer meisterlich behandelten Milieu, dem der grandiosen Maschinenarbeit, treu und baut auf diesem Plan ein Bild treibenden Schaffens auf von ~packender~ und manchmal ~dramatischer Wucht~, ohne dabei der intimen Detailzeichnung, die die einzelnen Figuren zu geradezu plastischer Gestaltung bringt, Abbruch zu tun. ~Zweifelsohne eines der bedeutendsten Werke der letzten Zeit.~
+Neueste Nachrichten, Chemnitz.+
...... Berlin, das brodelnde, das unternehmungslustige, schaut uns entgegen, Berlin, wie es lacht und weint, arbeitet, faulenzt, spekuliert. Berlin mit seinen Lastern und Lüsten, seiner Ueppigkeit und seinem Elend, seiner bestrickenden und erstickenden, weltstädtischen und doch wieder lokalen Eigenart. Es gehört schon ein Meister dazu, um aus diesem Milieu eine klassische Großstadtpoesie zu gestalten, und ~solch ein Meister ist Max Kretzer~.
+D. A. S. Leipziger Neueste Nachrichten.+
Fred Schirokauer:
+Ilse Isensee+, Roman
broschiert Mk. 3,-- elegant gebunden Mk. 4,--
von der Kritik als hervorragendes Werk bezeichnet.
Es ist eine farbenprächtige, doch von jeder Ueberschwenglichkeit freie Schilderung, die er in Ilse von Isensee gibt, einem Vollweib an Körper und Geist, das in edlem Streben und im Kampfe mit den konventionellen Lügen der Gesellschaft aus ihrem Leben »etwas Lichtes, so eine Art Kunstwerk« machen will, um dessenwillen es sich lohne, all das Häßliche zu tragen, welches das Menschendasein mit sich bringt. Die Sehnsuchtsgedanken der Heißblütigen nehmen etwas eigentümlich Renaissancehaftes an und streifen manchmal scharf an der Grenze der Sinnlichkeit entlang. Für sie ist das große Rätsel des Lebens gelöst, wenn sie ergründen und finden kann, was die Welt zusammenhält, die Liebe. Im ganzen betrachtet aber, ist Schirokauers »Ilse Isensee« ein Werk, ~das verdient, aus der Romanflut unserer Tage gerettet zu werden~.
+Vossische Zeitung, Berlin.+
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~Soeben erschienen~:
Fred Schirokauer:
+Satan+, Roman
broschiert Mk. 3,50 gebunden Mk. 5,--
Stefan von Kotze:
Australische Skizzen
broschiert Mk. 3,-- gebunden Mk. 4,--
..... das Lesen dieser »Skizzen«, wie Kotze sein Buch zu bescheiden nennt, ist ein ~voller Genuß~, wie kaum die Schriften Bret Hartes ... Kotze hat gekämpft und gesiegt, ~ein Siegeszeichen ist sein vorzügliches Buch~.
+Leipziger Neueste Nachrichten.+
.... Stefan von Kotze weicht sicherlich keinem von beiden (Kipling und Mark Twain), und ich muß gestehen, so außerordentlich hoch ich Twain schätze, ~auf seinem Gebiet ziehe ich Kotze ihm und Kipling vor~ ..... Es ist sicherlich ein Buch ~ersten Ranges~!
+Tägliche Rundschau.+
.... ~ein nie versiegender Humor~, der selbst auf die dunkelsten Kapitel der Menschheit einen Strahl versöhnenden Lächelns wirft, stehen dem Autor zu Diensten, und er gebraucht seine Kräfte so verständig, daß jede Schilderung zur ~spannenden Erzählung~, zur fesselnden, gedankenreichen und ~interessanten Lektüre~ wird.
+Hamburger Nachrichten.+
Ein ~brillantes Erzählertalent~ weiß hier aus Steinen Saft zu drücken, das sterile Australien mit ~humorvollen~ Skizzen zu befruchten.....
+Kreuz-Zeitung.+
Stefan von Kotze:
+Der letzte Mensch+, Epos
gebunden Mk. 3,--
Stefan von Kotze:
+Ruth+, ein afrikanischer Roman
broschiert Mk. 2,-- gebunden Mk. 3,--
Hermann Jaques:
+Das süße Gift+, Novellen
Mit Titelzeichnung von +Wilhelm Jordan+
broschiert Mk. 2,-- elegant gebunden Mk. 3,--
Diese flotten, mit sarkastischem Humor gewürzten Erzählungen sind richtige »Bummelgeschichten« innerhalb des demimondainen Milieus von Berlin. Eine Lektüre für Lebemänner und Lebedamen, und nicht für junge und alte Kinder! Der Verfasser hat eine rege Phantasie und gebietet über viele lustige Einfälle, die allerdings mit spanischem Pfeffer versetzt sind. Man kann aber der Frivolität des Autors auf die Länge nicht zürnen, da er die Leser unwiderstehlich in den Bannkreis seiner ironisch-satirischen Kreise hineinzieht.
+Hamburger Fremdenblatt.+
Ernest Daudet:
+Postlagernd+, Roman
Uebersetzt von +Ludwig Wechsler+
broschiert Mk. 3,-- elegant gebunden Mk. 4,--
Hochinteressanter, spannend geschriebener Roman des beliebten Autors.
~Neue hervorragende Bücher~:
Georges Ohnet:
+Der Gifthändler+, Roman broschiert Mk. 4,-- gebunden Mk. 5,--
Ernst Georgy:
+Anonyme Briefe+, Roman broschiert Mk. 2,-- gebunden Mk. 3,--
Fritz Friedmann:
+Eine Gefallene+, Roman broschiert Mk. 2,-- gebunden Mk. 3,--
Julius Erich:
+Seine Freundin vom Brettl+ ein Berliner Bohême-Roman broschiert Mk. 2,-- gebunden Mk. 3,--
Hermann Pfaender:
+Leute vom Turf+, Sport-Roman broschiert Mk. 2,-- gebunden Mk. 3,--
Leopold Katscher:
+Japan+ Interessantes aus dem Mikadoreich eleganter Halbband Mk. 1,50
H. A. Revel:
+Die Viper+ Kriminal-Roman. Nr. 1 Mk. 2,--
H. A. Revel:
+Witwe Dalila+ Kriminal-Roman. Nr. 2 Mk. 2,--
H. A. Revel:
+1. Dirnen+ +2. Die rote Laterne+ sozial-psychologische Skizzen jeder Band Mk. 2,--
In Kürze erscheinen folgende beachtenswerte Novitäten:
Paul Bourget:
+Stille Wasser+, Roman broschiert Mk. 3,-- gebd. Mk. 4,50
Marie Madeleine:
+Arme Ritter+, Roman brosch. Mk. 3,50 gebd. Mk. 5,--
Max Kretzer:
+Familiensklaven+, Roman brosch. Mk. 4,-- gebd. Mk. 5,50
Arthur Zapp:
+Eine Künstlerehe+, Roman brosch. Mk. 2,-- gebd. Mk. 3,--
Stefan von Kotze:
+Ruth+, Roman brosch. Mk. 2,-- gebd. Mk. 3,--
Marie Stahl:
+Sommernachtsdunkel+, Roman brosch. Mk. 4,-- gebd. Mk. 5,50
G. A. Müller:
+Pater Fulgentius+ Roman eines Leutnants brosch. Mk. 3,-- gebd. Mk. 4,50
Heinrich von Poschinger:
+Aus allen Welten+ brosch. Mk. 3,-- gebd. Mk. 4,--
Druck von Paß & Garleb, Berlin W.