Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange
Part 81
Zu Seite 64:
+Gleich- und Einswerdung.+ Formeln wie die zwischen ~Horos~ und dem durch ~Amnael~ vorgestellten ~Chnum~ gebrauchte sind in der Mystik des Zeitalters weitverbreitet (~Reitzenstein~, „Poimandres“ 142; ~Weinreich~, A. Rel. 19, 166).
Zu Seite 68:
+Moses (Pseudo-Moses).+ In der mystischen Litteratur werden ihm zahlreiche Werke zugeschrieben, u. a. ein Schlüssel-, Mond-, Erzengel-Buch u. dgl. (~Wessely~, „Ephesia Grammata“, Wien 1886, 6).
Zu Seite 68, 195:
+~Jamnes~ und ~Mambres~+ gelten in der mystischen Überlieferung als die beiden Zauberer, die dem ~Moses~ am Hofe des Pharao entgegentreten (~Reitzenstein~).
Zu Seite 71:
+Euagia.+ Einen angeblichen Ort dieses Namens gibt es in Wirklichkeit nicht, ~Johannes~ wird vielmehr bezeichnet als Oberpriester τῆς ἐν εὐαγἰᾳ θυσίας, bei dem in frommem Sinne [dargebrachten] Opferfeste (~Reitzenstein~). -- Möglicherweise war aber die ganze Abhandlung auch betitelt als die des Oberpriesters ~Johannes~ „τοῦ τῆς εὐαγίας [μνήμης]“ = „seligen Angedenkens“; derartige Beinamen sind nämlich in der frühchristlichen Zeit außerordentlich häufig, und wir besitzen auch ausreichende Belege dafür, daß das Weglassen des Wortes μνήμης in dieser Verbindung zum Sprachgebrauche geworden war (~Wessely~; s. „Neue philologische Rundschau“ 1889, Nr. 11, S. 174).
Zu Seite 71, 384, 415, 436:
+Tutia.+ „Al Tûtijâ ist ein Rauch“ (arab. duchân, auch dukhân) sagt ~Alqazwini~ im „Steinbuch“ („Das Steinbuch aus der Kosmographie des ~Alqazwini~“, üb. ~Ruska~, Heidelberg 1896, 11). -- Nach ~Vullers~ bezeichnet im Sanskrit Tuthia ursprünglich ein Collyrium aus der Pflanze Amomum xanthorhiza, später aber auch Präparate, die anscheinend aus Vitriolen gewonnen wurden; der Zusammenhang von Tutia mit dem persischen Dûd = Rauch, Ruß (Lampenruß) muß daher für mindestens fragwürdig gelten (~Jacob~). -- Nach vor Jahren erteilter Auskunft des verstorbenen Prof. Dr. ~R. Pischel~ ist Tuthia im Sanskrit selbst ein Fremdwort.
Zu Seite 73:
+Zu ~Saʿdi~.+ Das angeführte Gedicht fährt fort:
„Kein Märlein ist’s, daß Ihr es wißt: Genügsam seid, und Silber ist Mit Stein von gleichem Werte“,
und zeigt jedenfalls keine Beziehung zu einer bestimmten Persönlichkeit (~Jacob~). -- [Bei ~Schlechta~, a. a. O., lautet die Überschrift: „Alchemie“.]
Zu Seite 74:
+~Afrikanos~+ schöpfte vielfach aus den Schriften des (Pseudo-) ~Demokritos~, namentlich auch aus dem Buche über „Sympathien und Antipathien“ (~W. Kroll~, PW. 10, 116).
Zu Seite 78:
+Amalgam+ = μῖγμα, Magma, arab. „Almagma“? -- In der arabischen Arithmetik wird als Magmuʿ, Almagmuʿ, das Vereinigte, die Summe, die Summation bezeichnet (~Ruska~, „Zur älteren arabischen Algebra und Rechenkunst“, Heidelberg 1917, 17).
Zu Seite 81:
+Hen to pan (ἕν τὸ πᾶν)+ ist eine ursprünglich religiöse Formel = „Eines und Alles“, „Eins ist das All“, und wird oft mit den Worten fortgesetzt καῖ πᾶν ὁ θεός = „und Alles die Gottheit“; für dieses mysteriöse All dient die Schlange Uroboros als Symbol (~Reitzenstein~).
Zu Seite 86:
+Kerátion.+ Seitdem Kaiser ~Konstantin~ die reine Goldwährung festgestellt hatte, ist Keration (κεράτιον) eine der allergewöhnlichsten byzantinischen Münzen: ¹⁄₇₂ des Goldpfundes war das νομισμάτιον (Nomismátion; Solidus), und dieses zerfiel in 24 aus Silber gemünzte Teile namens κεράτιον (Kerátion). Goldwechsler und Agioteure erklärten dann einzelne goldene Solidi für minderwertig und nahmen sie nur mit einem Aufgelde von 1, 2, 3, ... Karaten an; hieraus erklärt sich die Entstehung der Ausdrücke 18- oder 14karätiges Gold, die also Gold bedeuten, das statt 24 Karate nur 18 oder 14 Karate Wert besitzt (~Wessely~).
Zu Seite 88:
+Milch der schwarzen Kuh+: sie ist im Zauberwesen ein häufig angewandtes Mittel zur Vergottung und war ursprünglich wohl die „Milch der Göttin“, die den Genießenden, also auch den Mysten, unsterblich machen soll (~Reitzenstein~).
Zu Seite 101:
+Artabe.+ Der Name dieses Maßes, „Artab“, ist nach ~Sethe~ ursprünglich ein persischer, gewann aber allmählich weite Verbreitung und findet sich im Assyrischen, Armenischen, Aramäischen, Griechischen und Spätägyptischen. (Zitat in Verlust geraten.)
Zu Seite 109:
+~Salmanas.~+ ~Selman~ ist ein gut arabischer Name, und ~Selman al-Farisi~ (= ~Selman~ der Perser) ein wohlbekannter Genosse des Propheten, der bei verschiedenen Sekten der Derwische eine sehr wichtige Rolle spielt, und über den eine umfangreiche Litteratur vorhanden ist; vgl. ~Müller~, „Der Islam im Morgen- und Abendlande“ (Berlin 1885; 1, 135); ~Jacob~, „Türkische Bibliothek“ 9, 26 und 16, 26, 32 und oft; ~Huart~, „~Selman du Fars~“ (in „Mélanges ~Derenbourg~“, Paris 1909, 297 und „École pratique des hautes études“, Paris 1913). -- Der griechische Name ~Salmoneus~ ist als lautlich abweichend anzusehen (~Jacob~).
Zu Seite 112:
+Tartarum.+ Durdijj ist im Persischen ein Bodensatz, z. B. in Milch, Öl oder Wein (~Wessely~). -- Durd bezeichnet im Persischen die Hefe; eine Form Durdijjun erscheint sprachlich fehlerhaft, und die Gleichsetzung mit Tartarum trägt willkürliches, ja gewaltsames Gepräge, kann aber immerhin vorgekommen sein (~Jacob~). -- Durdî = Hefe findet sich erwähnt bei ~Hirschberg-Lippert~, „Die arabischen Augenärzte“ (Leipzig 1906) 2, 245.
Zu Seite 116:
+Kurkuma.+ Bei den Arabern ist dies die Gelbwurzel (Curcuma longa) und ihr gelber Farbstoff, bei den Syrern aber häufig der Safran (~Meyerhof~, nach ~Löw~, „Der Islam“ 6, 263).
Zu Seite 123:
+Logos+: vgl. ~Schmidt~, „Realistische Stoffe im humanistischen Unterricht“ (Leipzig 1913, 58).
Zu Seite 125, 127, 186:
+Orphiker und Pythagoräer.+ Die mystischen Lehren der Orphiker, wie die Theorie vom Kreislauf, von der Parallelität des Mikro- und Makrokosmos usf., weisen entschieden auf den Orient zurück, desgleichen lassen verschiedene Züge bei den Pythagoräern erkennen, daß sie auf die babylonische Astrologie aufmerksam geworden waren; hieraus wieder erklären sich die entsprechenden Anspielungen in den Werken ~Platons~, bei dem z. B. am Schlusse des „Staates“ als Träger der Offenbarungs-Bilder auch geradezu der Pamphylier ~Er~, Sohn des ~Armenios~, genannt wird (~Boll~, „Aus der Offenbarung Johannis“, Leipzig 1914, 2; ~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglaube und Sterndeutung“, Leipzig 1918, 23 ff., 97). -- Betreff der Vermutung, daß gewisse Überlieferungen der Pythagoräer und Hippokratiker (etwa seit der Mitte des 5. Jahrhunderts) auf die 7 Planeten und auf die Stellung der Sonne unter ihnen anspielen, s. ~Pfeiffer~, „Sternglauben“ (35, 38, 110, 128).
Zu Seite 126:
+Äther+ ist bei ~Porphyrios~ der Name des Feuers (~Thomas von Aquino~, üb. ~Schneider~ 3, 229).
Bei ~Homer~ bedeutet αἴθων (aíthon) als „der Feuergelbe“ den Löwen; doch heißt so auch eines der vier Sonnenrosse des ~Helios~ (~Keller~, „Die antike Tierwelt“, Leipzig 1909 ff.; 1, 25, 247).
Zu Seite 129:
+~Parmenides.~+ Verschiedene wichtige Anschauungen dieses Philosophen sind durch Vermittlung der Orphiker und der Mysterienkulte dem Orient entlehnt, u. a. die von der Herabkunft der Seele aus dem Himmel, von ihrem Wiederaufstiege nach dem Tode, von der Umwandlung der Seelen in Sterne, vom Zusammenwirken des Männlichen und Weiblichen, usf.; wie weit sie babylonischen oder iranischen Ursprunges sind, bleibt noch zu untersuchen (~Pfeiffer~, „Sternglauben“ Leipzig 1916, 128 ff., 124 ff.; ~Boll~, „Offenb.“ 32).
Zu Seite 136:
+ἄνω und κάτω.+ Diesen Gegensatz kennt auch bereits ~Hippokrates~ (5. Jahrhundert v. Chr.) und spricht von ἄνω und κάτω als von „+einem+ Wege, ... der in stetem Wechsel eingeschlagen wird“ (üb. ~Fuchs~ 1, 284, 291 und oft).
Zu Seite 156:
+Askese.+ Über Wichtigkeit und Macht der Askese, namentlich der kultischen Keuschheit, vgl. ~Boll~, „Offenb.“ 32.
Zu Seite 163:
+Babylonische Astronomie.+ Nach ~Boll~ waren die Babylonier zwar gute Beobachter und Rechner, aber keine Systematiker (M. G. M. 16, 173), und dies ist betreff der Entwicklung einer wissenschaftlichen Astronomie sehr beachtenswert. -- Während z. B. die Erkenntnis der Identität von Morgen- und Abendstern bei beobachtenden Astronomen bis gegen 2000 v. Chr. zurückzureichen scheint, galt trotzdessen ~Venus~ allgemein als Morgenstern für männlich und als Abendstern für weiblich, demnach als zweigeschlechtlich. Ihre Bezeichnung als „einen Bart tragend“ (Venus barbata) ist aber auch den Beziehungen zu sonstigen, in ihre Nachbarschaft tretenden Gestirnen zuzuschreiben; in ähnlicher Weise nimmt sie bei Annäherung der anderen Planeten, z. B. des Mars, Merkur, Jupiter, eine gelbe, rote, weiße (?) „Krone“ an, ganz so wie in gleichem Falle der Mond eine goldene, silberne, bronzene, kupferne, eiserne, glänzende, weiße, rote, usf. (~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglauben“ 7, 10 ff.; ~Boll~, „Offenb.“ 48).
Zu Seite 166:
+Stellvertretung der Gestirne+, u. a. zwischen Sonne und Saturn, aber auch zwischen Planeten und Fixsternen, erfolgte bei den Babyloniern gemäß der Ähnlichkeit der +Farben+, für die hier Abstufungen vom Roten zum Weißen festgelegt waren; die der nämlichen Farbenklasse zugehörigen Gestirne wurden gleichgesetzt und konnten sich vertreten (~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglauben“ 7, 17, 103).
Zu Seite 167:
+Planetenzahl.+ Die Zahl der Planeten betrug bei den Babyloniern ursprünglich 5 und erst später, von einem vorerst nicht genau bestimmbaren Zeitpunkte an, 7; ~Petosiris~ redet noch bald von 5, bald von 7, ~Vettius Valens~ (im 2. Jahrhundert n. Chr.) dagegen nur von 7 (~Boll~, „M. G. M.“ 16, 54). Nach ~Josephus~ (1. Jahrhundert n. Chr.) entsprach der siebenarmige Leuchter im Tempel zu Jerusalem den sieben Planeten (~Thomas von Aquino~, üb. ~Schneider~, 6, 426).
Neun Planeten, durch Mitzählung von Kopf und Schwanz des „Drachens“ nach indischer Art kennt bei den Arabern schon im 10. Jahrhundert ~Alkhwarizmi~ (~E. Wiedemann~, „Beitr.“ 47, 229).
Zu Seite 169:
+Zikurrat.+ Nach ~Koldewey~ ist an den bisher allein genau geprüften Unterteilen der Zikurrat, u. a. derer von Assur, Borsippa („welche Stadt zu Babylon etwa im Nachbarverhältnis von Charlottenburg zu Berlin steht“) und Khorsabad, weder eine Spur von stufenförmigem Aufbau nachweisbar, noch gar eine solche von Etagen in verschiedenen Farben, noch endlich die angenommene Art des Zuganges. Insbesondere betreff Borsippas „ist alles Einbildung und die Ruine zeigt heutigen Tages nichts davon“. Was ~Place~ hinsichtlich Khorsabads von „Verbrämung mit emaillierten Ziegeln“ sowie von „äußerem, schneckenförmig herumführendem Rampenaufgang“ angibt, stimmt entweder mit der Wirklichkeit gar nicht überein, oder ist doch durchaus unsicher. Beim Zikurrat in Assur ist ein Teil des Belages noch gut erhalten, aber auch er besitzt weder Aufgänge, noch Etagen, noch Verbrämungen von gebrannten Steinen („Die Tempel von Babylon und Borsippa“, Leipzig 1911; 58, 66; 65, 66; 63). -- Auf dieses wichtige Werk machte mich Herr Prof. Dr. ~Prinz~ aufmerksam; wie es sich hiernach mir den sehr bestimmten antiken Berichten (besonders bei ~Herodot~) und mit den mittelalterlichen (bei den arabischen Autoren) verhält, bleibt vorerst dahingestellt, und ebenso muß erst neu ermittelt werden, was die im Laufe des 19. Jahrhunderts tätigen Reisenden eigentlich ausgegraben und untersucht haben.
Vgl. noch ~Koldeweys~ neuesten Aufsatz, der sich u. a. auf eine von ~Scheil~ herausgegebene babylonische Tontafel von 229 v. Chr. stützt („Mitteilungen der Deutschen Orientalischen Gesellschaft“, Maiheft 1918; Auszug mit Abbildung: „Leipz. Illustr. Zeitung“ 1918, 166).
Zu Seite 175:
+Carmen+ = Beschwörung kommt schon bei ~Tibull~ sowie bei ~Juvenal~ vor (ed. ~Friedlaender~, Leipzig 1895, 298).
Zu Seite 176, 200:
+Elemente.+ Ein Rest der Elementen-Verehrung hat sich in den österreichischen Alpenländern erhalten, z. B. in Tirol und Salzburg: am Christabend findet das „Füttern der Elemente“ statt, indem man Mehl und allerlei Speisen in Luft, Wasser und Feuer wirft sowie in die Erde vergräbt (~Andree~, „Votive und Weihgaben ...“, 21).
Zu Seite 180:
+Athanasia.+ Als ἀθανασίας φάρμακον, ἀντίδοτον τοῦ μὴ ἀποθανεῖν = „Mittel der Unsterblichkeit, schützend vor dem Tode“ bezeichnet noch der hl. ~Ignatius~ (um 100) das „Genießen des Fleisches Christi“ bei der Eucharistie (~Goguel~, A. Rel. 15, 280). -- ~Galenos~ erwähnt ἀθανασία als eine Arznei der alexandrinischen Ärzte (~Berendes~, „Das Apothekenwesen“, Stuttgart 1907; 34).
Zu Seite 183:
+Astrologúmena.+ Das Buch, in dem die Anrede mit τέκνον (Kind) der üblichen Weitergabe des Geheimnisses vom Vater an den Sohn entspricht, ist vor 150 v. Chr. geschrieben, und „nur +ein+ Autor spielt hinter den +beiden+ Masken des Oberpriesters ~Nechepso~ und des Königs ~Petosiris~“, der vielleicht mit einem Herrscher aus dem 7. Jahrhundert zu identifizieren ist. Einem hellenistischen Zuge gemäß gelten Könige, oft zusammen mit Priestern, als bevorzugte Empfänger göttlicher Offenbarungen (~Boll~, „Offenb.“ 6, 138 ff.; ~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglaube“ 29). Könige werden „als von höherem und stärkerem Wesen“ angesehen, und haben daher auch das Geisterreich und das Naturleben in ihrer Gewalt; hiermit wieder hängt es zusammen, daß die Metallgötter (s. oben S. 81) und die Planetengötter als „Könige“ erscheinen, so die Planetengötter als „Scepterträger“ schon auf dem Zodiakus (Tierkreis) von Denderah (~Pfeiffer~, „Sternglauben“ 100; ~Boll~, „Sphaera“, Tafel 2-5).
Zu Seite 184:
+Wochentage+ (die 7) waren in Rom zu Beginn der Kaiserzeit bereits wohlbekannt; ~Tibull~ will am Sabbat, der wegen seines Zusammenhanges mit ~Saturn~ für verdächtig und verrufen galt, nicht verreisen („Elegien“ lib. 1, Nr. 3, Vers 18), ~Horaz~ am Sabbat nichts Geschäftliches unternehmen („Satiren“ lib. 1, Nr. 9, Vers 69). Aber auch im ~Evangel. Matthaei~ (cap. 20) soll die Flucht nicht am Sabbat stattfinden (~Boll~, „Offenb.“ 134). Durch römische Soldaten wurde der Gebrauch der Wochentage auch schon frühzeitig nach Gallien und dem Rheinlande gebracht (~Nilsson~, A. Rel. 19, 68, 118; ~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglauben“ 84).
Zu Seite 186:
+Orientalische Einflüsse.+ Die sog. hippokratische Schrift über die „Siebenzahl“, die bald nach 450 v. Chr. verfaßt sein dürfte, zählt die 4 Elemente in der Reihenfolge Erde, Feuer, Wasser, Luft, oder Feuer, Wasser, Luft, Erde auf. Als bedeutsame, wenngleich nicht genau entsprechende Parallele ist anzuführen, daß nach der iranischen Eschatologie die auferstehende Seele zurückfordert: von der Erde das Gehirn, vom Wasser das Blut, vom Feuer die Lebenskraft (das Leben), dagegen die Haare von der Pflanze (~Boll~, „Offenb.“ 61).
Zu Seite 193:
+Sophist+, σοφιστής, bedeutet in den Zauberpapyri nicht selten soviel wie Zauberer (~Reitzenstein~, „Myst.-Rel.“, Leipzig 1910, 68, 90).
Zu Seite 200:
+~Muhammeds~ Himmelfahrt+; s. über diese die eingehende Abhandlung von ~Schricke~ („Der Islam“ 6, 1).
Zu Seite 202:
+Astrologie.+ Vom höheren geschichtlichen Standpunkte aus bezeichnet sie ~Günther~ als eine Durchgangsepoche menschlichen Wissens und Denkens, die überwunden werden muß, wenn Fortschritte erzielt werden sollen (M. G. M. 16, 175). -- Dem Umstande, daß die Astrologie (was als höchst wichtiger Vorzug erschien!) zugleich als Wissenschaft und als Religion, oder, wie ~Cumont~ sagt, als „wissenschaftliche Theologie“ galt, ist der ungeheure und andauernde Einfluß zuzuschreiben, den sie auf Naturwissenschaft und Medizin ausübte; ihre Geschichte läßt die der Völkerverbindungen mit einzig dastehender Klarheit und Sicherheit hervortreten, und ihre Litteratur ist in wahrhaftem Sinne Weltlitteratur (~Boll~, „Offenb.“ 114; ~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglauben“ 65, 71 ff., 91).
Zu Seite 204:
+Bewirken oder Anzeigen?+ Zu ~Pfeiffers~ „Sternglauben“ zu ergänzen sind die Seitenzahlen 2 ff., 47 ff., 61, 63, 65, 68 ff., 78 ff.
Zu Seite 210:
+Planeten-Konstellationen.+ Diesen entsprechend ließen nach einer Überlieferung bei ~Thomas von Aquino~ die „Ägypter“ verschiedene Pflanzensamen vermengen und geschlechtliche Vereinigungen verschiedener Tierarten stattfinden (üb. ~Schneider~ 6, 447).
Zu Seite 212:
+Farben der Sterne.+ Angaben über diese für sehr wichtig angesehenen Farben finden sich schon im „Tetrabiblos“ des ~Ptolemaios~, woselbst sie sichtlich babylonischen Ursprungs sind, sowie bei seinen späteren Nachfolgern, z. B. bei ~Hephaistion~ im 4. Jahrhundert (~Boll~, M. G. M. 16, 173).
Zu Seite 226:
+~Hermes Trismegistos~+ als angeblicher Geograph wird erwähnt in dem um 1490 verfaßten „Deutschen Ptolemäus“ (Neudruck ed. ~Fischer~, Straßburg 1910; Vorr., S. 31).
Zu Seite 231:
+~Hermes Trismegistus~+ oder +~Mercurius~+ führt gegen Ende des 12. Jahrhunderts ~Daniel~ von ~Morley~ an (~Sudhoff~, A. Nat. 8, 8, 14, 16); im 13. erwähnt ~Thomas~ von ~Aquino~ den „Poimandres“ des ~Trismegistus~ sowie den ~Hermes Trismegistus~ selbst (üb. ~Schneider~ 2, 75, 77; 7, 584). Sein Andenken geriet also auch hiernach sicherlich niemals völlig in Vergessenheit; vgl. auch die öfteren Berufungen auf ~Hermes~ in des ~Albertus Magnus~ (echter) Schrift „De mineralibus“ (Cöln 1569), die selbst wieder ausschließlich aus den Werken älterer Vorgänger schöpft.
Nach einer Bemerkung in der „Κόρη κόσμου“ verfaßte ~Hermes Trismegistos~ seine Schriften schon +vor+ Erschaffung der Welt! (~Boll~, „Offenb.“ 8).
Zu seinen technischen Erfindungen (vgl. S. 258 dieses Werkes) gehört nach arabischen Autoren auch die der Seife, und zwar machte er sie kraft einer besonderen Offenbarung (~E. Wiedemann~, „Beiträge“ 54, 317).
Zu Seite 232:
+Kore, Κόρη κόσμου.+ In frühptolemäischer Zeit erfolgte eine Verschmelzung des ~Isis~-Dienstes mit den ~Demeter~-Mysterien zu Eleusis, bei denen ~Kores~ Wege hinab in die Unterwelt und wieder herauf zur Oberwelt (ἄνω καὶ κάτω, áno kai káto) eine bedeutsame Rolle spielten (~Roeder~, PW. 9, 2128; ~Hiller~, PW. 1, 2322).
Nach ~Reitzenstein~ sind die Ansichten ~Krolls~ und ~Zielinskis~ wie betreff der Herleitung einer „höheren Hermetik“ aus Arkadien so auch bezüglich der in entscheidenden Punkten irrig und unannehmbar[7227]. Die Κόρη κόσμου die jedenfalls erst dem 3. Jahrhundert n. Chr. und der Zeit +nach+ dem Auftreten ~Manis~ (des Begründers des Manichäismus) angehört[7228], rührt von einem Verfasser her, der ein umfangreiches Material nach vielen Richtungen hin trefflich beherrscht, es aber rein synkretistisch und völlig kritiklos verarbeitet, um ein religiöses Buch für Gebildete zu schreiben, aber nicht der +religiösen+, sondern der +litterarischen+ Wirkung halber, -- was schon an sich als ein für die ganze Epoche höchst charakteristisches Zeichen anzusehen ist[7229]. Dem Werke liegen, abgesehen von der vielfachen Benützung des platonischen „Timaios“ (besonders in stilistischer Hinsicht)[7230], drei Hauptquellen zugrunde[7231]: 1. eine ursprünglich iranische Kosmogonie, 2. eine griechische philosophische Schrift, deren Begriffsbildungen mit den religiösen Überlieferungen der ersteren verschmolzen werden[7232], 3. die hellenistisch-ägyptische ~Osiris~-Tradition, der die entscheidenden Erlösungslehren entnommen sind.
Dem iranischen Schöpfungsmythus, der sich allmählich durch ganz Vorderasien verbreitet zu haben scheint, jedoch unter Verdunkelung oder völliger Abstreifung seines dualistischen Grundgedankens[7233], entstammen verschiedene wichtige Züge. Die geordnete Welt wird in mehreren Stufen erschaffen, und zwar durch Auflösung des Chaos, der „schwarzen Einheit der Materie“, wobei der Himmel mit seinen Sternen, die trockene Erde, sowie die Wasserfläche zum Vorschein kommen[7234]. Ein Urgott, eine Urgöttin, oder eine Urseele (~Psyche~), aus der alle Einzelseelen entspringen, irrt vom Schöpfer ab, sinkt herab in die Materie, wird aber am Ende der Dinge aufs neue mit dem höchsten Gotte vereint und steigt wieder empor zum Himmel[7235]. Die lebendigen Menschen sind eine innige Verbindung von Hyle und Psyche[7236]; aus Feuer und Luft, den beiden Elementen des Lichtreiches, bestehen die Seelen, die nach dem Sündenfalle, d. h. nach dem Abirren vom Schöpfer, bestraft werden, nämlich durch Bindung an die aus Wasser und Erde gebildete Hyle der Leiber, die gemeine Materie[7237]. Über die Schicksale der Menschen berät der höchste Gott mit ~Hermes~, der als sein νοῦς (Nûs) und seine ψυχή (Psyche) erscheint, sowie mit den übrigen Göttern, besonders mit jenen der Planeten, die überlegen, was jeder von ihnen für die Menschen tun könnte; schließlich wird jenen, die einen reinen und gerechten Lebenswandel führen, Erlösung und Rückkehr in den Himmel versprochen[7238]. Schon nach dem ersten Erscheinen der Urseele (Psyche) tritt aber auch der „Herrscher der Finsternis“ in Gestalt eines furchtbaren Drachen hervor[7239]; „Herrscher der Finsternis“ hießen jedoch auch die „Archonten“, d. s. die Planetengeister, die „mit Sünde (= Materie) verbunden“ am Himmel umherirren und die Schöpfung bedrohen[7240]. Anscheinend unter dem Einflusse dieser bösen Geister sündigen die Menschen und häufen Frevel auf Frevel, bis sich die Elemente klagend vor dem höchsten Gott einfinden und von ihm eine neue Emanation (ἀπόρροια) erflehen; er sendet ~Osiris~ und ~Isis~, die abermals Recht, Ordnung und Frömmigkeit auf Erden verbreiten, dann aber kraft eines Zauberhymnus wieder gen Himmel auffahren. Nach anderen Quellen vertreten jedoch ihre Stelle ~Dionysos~, „der Sohn des Gottes“ (nämlich des ~Zeus~), oder ~Mithras~, der „Mittler“ zwischen höchstem Gott und Menschheit[7241].
Zu Seite 233:
+~Agathodaimon.~+ Nach ~Lanes~ „Manners and customs of the modern Egyptians“ (London 1860) besaß noch um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts jedes Quartier der Stadt Kairo seinen Schutzgeist oder ~Agathodaimon~, der in Schlangengestalt verehrt wurde (~Rescher~, „Der Islam“ 9, 27).
Zu Seite 236:
+Gnostik.+ Schon ~Herder~ („Werke“ ed. ~Suphan~, Berlin 1893; 9, 276) spricht sich sehr bestimmt dahin aus, daß die Gnostik in die vorchristliche Zeit zurückreicht, also in jene des Hellenismus. Dieses meist für sehr jung gehaltenen Ausdruckes bedient er sich öfters (vgl. 10, 184) und entlehnte ihn vermutlich seinen Quellen; schrieb doch z. B. bereits ~Heinsius~ ein Werk „De lingua hellenistica“ (Leiden 1643).
Zu Seite 240, 244 (s. auch Seite 203):
+Buchstabenmystik+, Anrufung der 7 Vokale α, ε, η, ι, υ, ο, ω, u. dgl., hängen enge mit der Anschauung zusammen, daß der Name der Götter ein Teil ihres Wesens sei; aus ihr erklärt sich die Macht, die der Kenntnis des „wahren Namens“ zugeschrieben wird, aber auch die Scheu, diesen auszusprechen, wie sie z. B. bei den Juden zutage tritt (~Boll~, „Offenb.“ 32). -- Vgl. die „hundert schönen Namen“ Allahs.
Zu Seite 240, 255:
+Kraft der Worte.+ Daß bestimmte Worte eine ganz besondere Kraft ausüben und daher bei allerlei kirchlichen Zerimonien hauptsächlich oder ausschließlich in der vorgeschriebenen bestimmten Sprache zu gebrauchen sind, deutet noch ~Thomas von Aquino~ unverkennbar an (üb. ~Schneider~ 11, 12).
Zu Seite 245:
+Zahlzeichen, griechische.+ Die Benützung der Buchstaben als Zahlzeichen ist nach ~Larfeld~ im 8. Jahrhundert v. Chr. aufgekommen, und zwar zu Milet (~Ruska~, „Zur ältesten arabischen Algebra ...“, 41).
Zu Seite 245:
+Zahlenwerte von Namen.+ Daß es nach spätgriechischen und „syrisch-chaldäischen“ Überlieferungen von großer Wichtigkeit ist, den Zahlenwert zu erkennen, der den Namen Erkrankter entspricht, meldet u. a. der „Codex Hertensis“ des 9. bis 12. Jahrhunderts (~Sudhoff~, A. Med. 10, 310).
Zu Seite 248:
+~Mithras.~+ Die älteste litterarische Erwähnung des ~Mithras~ findet sich in der „Thebaïs“ (Ges. 1, Vers 717), die ~Statius~ zwischen 81 und 92 n. Chr. verfaßte (~Poppelreuter~, „Der Islam“ 8, 295).
Zu Seite 265:
+~Salomon.~+ Über die ungeheure Zaubermacht, die der Orient dem König ~Salomon~ zuschrieb, vgl. ~Rescher~, „Der Islam“ 9, 5 u. 49.
Zu Seite 298: