Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange

Part 64

Chapter 643,286 wordsPublic domain

Aber auch für den Osten wurden jene „hellenistischen Typen“ maßgebend, allerdings in „orientalisierter Gestalt“; verraten doch die islamischen Darstellungen der Planeten[5416], deren älteste auf einer Messingkanne des 12. Jahrhunderts und in der Damascener ~Qazwini~-Handschrift von 1366 vorliegen, ein sichtlich schon längst[5417] feststehendes Gepräge deutlich synkretistischer Art, dessen orientalischer Bestandteil in letzter Linie auf die chaldäischen Planetengötter zurückgeht[5418] und hauptsächlich wohl durch die Ssabier übermittelt wurde, mit deren Angaben über die Gestalten der Planeten-Idole und über die zugehörigen Symbole, Farben, Kleidungen usf. die islamischen Nachbildungen durchaus übereinstimmen[5419]. Erst seit dem 12. Jahrhundert sollen diese aber weitere Verbreitung in den muslimischen Kreisen und durch sie auch in jenen der westlichen Mittelmeer-Völker gewonnen haben, und zwar kamen den letzteren nicht nur, wie man früher annahm, bloße Beschreibungen (aus litterarischen Quellen) zu, sondern auch die charakteristischen Abbildungen, die sich u. a. noch in den farbigen Miniaturen alchemistischer Handschriften (z. B. des ~Geber~, gegen 1300) unverkennbar erhalten haben[5420]. Die Frage, durch wen und wo diese Weitergaben im einzelnen erfolgten, läßt sich vorerst nicht ausreichend beantworten; +eine+ der Stellen, denen hierbei eine wichtige Rolle zufiel, war aber zweifellos der am Hofe des kastilischen Königs ~Alfons~ X. tätige Gelehrtenkreis, dem um 1240 die sog. „Picatrix“ entsprang, ein Buch, das u. a. (natürlich nur indirekt) aus ssabischen Quellen, z. B. aus dem „Ghâjat“ schöpfte und in seinen Planeten-Beschreibungen bei ~Jupiter~, dem „großen Glücke“[5421], sowie bei ~Mars~ ausdrücklich auch deren Metalle erwähnt, bei ~Mars~ den Ring aus Kupfer und die Räucherpfanne aus Eisen[5422]. Die „Picatrix“ gehört anscheinend mit zu den Vorlagen des von ~Michael Scotus~, dem Hofastrologen Kaiser ~Friedrichs~ II., gegen 1250 vollendeten großen astrologischen Traktates, in dem die alten chaldäischen Astralgötter, wenn auch nicht nochmals neu- so doch umgebildet, nunmehr auch in mittelalterlichem Gewande und Äußeren erscheinen[5423]. Den ~Scotus~ versetzt ~Dante~ (um 1300) in die Bolge der falschen Wahrsager und Zauberer[5424], da er selbst, ganz so wie ~Albertus Magnus~ (gest. 1280), der ausschließlich griechische, jüdische oder arabische Autoren astrologischer Schriften nennt, vom christlichen Standpunkte aus die gesamte Sterndeuterei völlig verwirft[5425]. Im übrigen schließt er sich, gleich ~Thomas~ von ~Aquino~, der schon von ~Origenes~ gebilligten Lehre an, daß die Planeten von Schutzengeln geistigen Wesens (substantiae spirituales) gelenkt und geleitet werden und spricht diese daher im „Paradies“, sowie in der zweiten Canzone des „Gastmahles“ (Convito) mit den Worten an: „Voi, che intendendo il terzo cielo movete“. ~Gildemeister~ übersetzt sie[5426]: „O Ihr, Die Ihr den dritten Himmel lenkt, erkennend,“ ~Kannegiesser~[5427]: „Die denkend Ihr bewegt der Himmel Dritten“. Indem ~Dante~ den 7 Planeten die 7 Sphären sowie die 7 Reihen der Seligen, im „Gastmahl“[5428] aber auch die 7 Wissenschaften des Tri- und Quadriviums zuordnet, bahnt er einen ersten Schritt in der Richtung der künstlerischen Darstellungen enzyklopädischer Art an, die allmählich, und besonders seit der Zeit der Renaissance, das Übergewicht über die älteren, wesentlich vom mittelalterlich-scholastischen, kirchengemäßen Geiste getragenen erlangten[5429].

Betreffs einer der frühesten Wiedergaben der 7 Planeten (anscheinend auf Wandteppichen), von der gegen 1107 das sehr merkwürdige Gedicht des Abtes ~Baudri~ über „Das Schlafgemach der Gräfin ~Adele~ von ~Blois~“ berichtet, läßt sich leider Näheres nicht angeben, da der von ~Schlosser~ veröffentlichte Auszug gerade an dieser Stelle große Lücken aufweist[5430]; auch über die Miniaturen der im Britischen Museum befindlichen, gegen 1320 vollendeten lateinischen Übersetzung der „Astronomie“ des ~Albumasar~ (= ~Abu Maschʿar~, gest. 886) ist Genaueres nicht bekannt[5431], was desto bedauerlicher erscheint, als dieser Autor wieder Vieles aus der „Sphaera“ des ~Teukros~ von ~Babylon~ schöpfte, die ihm allerdings nur in persischer Übersetzung zugänglich war[5432].

Von Werken der italienischen Frühkunst kommen in Betracht: die Planeten-Fresken des ~Lorenzetti~ im Rathause zu Siena, 1338-1341[5433]; die dem ~Talenti~, einem Schüler ~Pisanos~, zugeschriebenen Reliefs am Campanile zu Florenz, um 1350[5434]; der Cyclus des ~Bonajuti~ in der spanischen Kapelle zu Florenz, gegen 1370[5435]; die Gruppe an einer Säule des Dogenpalastes zu Venedig, um 1350 oder 1400[5436]; die Fresken des ~Guariento~ (?) in der Kirche der Eremitani zu Padua, um 1365 oder 1400[5437]; die Fresken des ~Miretto~ (aus der Schule ~Giottos~) im Justizpalast zu Padua, um 1420[5438]; die Gemälde des ~Duccio~ in der Malatesta-Kapelle zu Rimini, um 1455[5439]; die des ~Cossa~ im Schlosse Schifanoja bei Ferrara, gegen 1470[5440]; die des ~Perugino~ an der Decke des Audienzsaales im Gebäude der Wechslerzunft (Cambio) zu Perugia, um 1499[5441]; die des ~Raffael~ in der Kirche Sta. Maria del popolo zu Rom, um 1516[5442]. Bei den älteren unter ihnen fehlen ins einzelne gehende Einflüsse der bekannten Übermittlungen ganz, es sei denn, daß (wie schon bei ~Lorenzetti~) die Sonne, statt ihrer aber oft auch der ~Jupiter~, in Gestalt eines Königs mit der Krone erscheint, wie einstens ~Mithras~[5443]. Erst in der Gruppe des Dogenpalastes (1350, 1400) führt ~Merkur~ die Bezeichnung „Stilbons“ (= στίλβων, Stilbon, der Glänzende) und hält ~Mars~ ein Banner mit der Inschrift „De ferro sum“ (Ich bin aus Eisen)[5444], und bei ~Miretto~ (1420) trägt letzterer Gott einen roten Mantel[5445]; dieser Künstler bildet auch zum ersten Male ~Merkur~ als Astrologen ab[5446], während ihn ~Duccio~ (1455) als ~Hermes Psychopompos~ auffaßt und mit Schlangenstab und Mandoline ausstattet, an deren Stelle bei ~Cossa~ (1470) eine Geige tritt, beide als Ersatz der antiken Leyer[5447]. ~Perugino~ greift schon ganz offenbar auf die antiken Typen zurück, nach Art der in den gleichzeitigen Holzschnitten zum „Astrolabium“ des ~Joh. Angelus~ (Venedig 1494) und in den Stichen des ~Baldini~ zutage tretenden[5448], und bei ~Raffael~ vollends tragen die Planeten die ausgesprochene Gestalt der alten Götter, werden aber zugleich von Engeln geleitet[5449]. Nur sehr langsam, dem allmählichen Fortschritte entsprechend, der zur Entfaltung der Renaissance führt, ändert sich also auch die Auffassung und Nachbildung der Planeten; erst das volle, für die Höhezeit der Renaissance so bezeichnende Wiederhervortreten der mystischen, abergläubischen und astrologischen Elemente[5450] bringt sie auch als Tagesgötter und Vertreter der Siebenzahl-Theorie abermals zu Ehren[5451], lehrt aufs neue ihren Zusammenhang mit Metallen, Steinen, Pflanzen, körperlichen Teilen und geistigen Eigenschaften, Lebensaltern, Farben, Gerüchen, Tönen, Buchstaben usf.[5452] und veranlaßt ihre schon oben erwähnten enzyklopädischen Darstellungen in Verbindung mit den 7 Tugenden und Lastern, Sakramenten und Todsünden, Wissenschaften und Künsten, mit den Musen als Vorsteherinnen der Sphärenharmonie und Leiterinnen der Himmel und Himmelskörper[5453], mit den Propheten und Heiligen, oder mit den Jahreszeiten und Tierkreisbildern. Ein Versuch, die fernere künstlerische Entwicklung der einschlägigen Gestalten, der Symbole und Attribute, der für die Planeten genau zu berücksichtigenden Farbengebung usf., im einzelnen zu erörtern, ist aber an dieser Stelle ausgeschlossen.

Die ziemlich zahlreichen alchemistischen Gemälde und Stiche aus späteren Zeiten stellen teils die von auffälligen Apparaten und seltsamem Urväter-Hausrat erfüllten Laboratorien dar, teils tragen sie, gleich den bekannten ~Teniers~schen, den Charakter von satirischen oder Genre-Bildern; Belehrung über die Geschichte der alten Alchemie bieten sie daher nicht mehr.

Sechster Abschnitt.

(Anhang.)

Zur älteren Geschichte der Metalle.

Einleitung.

Die +vorausgehenden+ Abschnitte boten bereits vielfachen Anlaß zur Erörterung einzelner wichtiger Punkte aus der älteren Geschichte der Metalle; angesichts des innigen Verbandes, in dem diese mit der Entwicklung der Alchemie steht, soll sie aber der +vorliegende+ nunmehr noch in zusammenhängendem Umrisse und in etwas erweiterter Form darstellen. Das Hauptgewicht ist jedoch hierbei auf die kulturgeschichtlichen und etymologischen Beziehungen gelegt, während nicht etwa beabsichtigt wurde, aus der Geschichte wohlbekannte Tatsachen zu wiederholen, oder nach berg- und hüttenmännischer, chemischer und technologischer Seite hin auf den ungeheuren Wissensschatz einzugehen, der sich in zahlreichen, ebenso ausführlichen wie gründlichen Werken hervorragender Sonderforscher niedergelegt findet.

Was den Ausdruck „Metall“ anbelangt, so sei bemerkt, daß die sämtlichen älteren Etymologien dieses Wortes jeglichen Wertes entbehren, die neueren aber ebenfalls noch nicht feststehen oder allgemein anerkannt sind[5454]. Schon vor fast anderthalb Jahrhunderten brachte ~Gehler~, jedenfalls auf +noch+ ältere Quellen hin, „Metall“ in Verbindung mit dem homerischen Zeitworte μεταλλᾶν (metallán) = aufsuchen, nachforschen[5455]; tatsächlich entsprechen diesem auch im Griechischen nach ~Schrader~ die Hauptworte μεταλλή (metallé) = Nachforschung und μέταλλον (métallon) = „Ort der Nachforschung“ in ganz gleicher Weise wie es innerhalb der lebenden Sprachen z. B. im Russischen der Fall ist[5456]. In erster Linie bedeutete also Métallon nichts weiter als eine beliebige Grube, in zweiter dann ein Bergwerk (im Armenischen noch jetzt Métalk), in dritter ging der Name von dem +Orte+ auf den +Gegenstand+ der Nachsuchung über, und erst in vierter und spätester auf jene bestimmte +Art+ des Gegenstandes, die man unter Metall im heutigen Sinne zu verstehen pflegt[5457]. Wie die Bezeichnungen vieler edler Metalle und Steine, denen man seit jeher zauberisch schützende, abwehrende, oder heilende Eigenschaften beilegte, z. B. χρυσός (Gold), χαλκός (Kupfer), ferner vielleicht σάπφειρος (Sapphir), ἀμέθυστος (Amethyst) und andere, so entstammte vermutlich auch μέταλλον einer orientalischen Sprache[5458], anscheinend der eines kleineren, keiner der führenden Hauptfamilien zugehörigen Volkes. Im Sinne von Bergwerk begegnen wir μέταλλον erst bei ~Herodot~ (489-425)[5459]; bei ~Aristophanes~ (geb. 444) sind μέταλλα auch schon die Pachtgelder für Bergwerke[5460]; metallum im Sinne von Metall scheint, wohl zufälligerweise, erst bei ~Lucretius~ (98-55) bezeugt zu sein[5461]. ~Strabon~ (66 v. bis 24 n. Chr.)[5462] und auch ~Diodor~ (zur Zeit ~Caesars~)[5463] sprechen von Alaun und Alaungruben als „Metalla“, und diese Bezeichnung der Grube oder des Gegrabenen wendet ~Vitruv~ (zur Zeit des ~Augustus~) auch auf Melinum an (eine weiße oder gelbliche Erdart)[5464], ~Plinius~ (um 75 n. Chr.) u. a. auf Kreide und Diamant[5465], ~Solinus~ (um 250) in seinen dürftigen Auszügen aus ~Plinius~ auf Salz (salinarum metalla)[5466], sein Zeitgenosse ~Heliodor~ auf Smaragden[5467], usf. In späterer Zeit heißen Metallarii, μεταλλεῖς, erst die mit dem Graben von Gängen und Stollen beim Bergbau und auch bei Belagerungen Beschäftigten[5468], und im 4. Jahrhundert sind „Metallarii“ die den Zünften der Bergwerks- und Steinbruch-Arbeiter Angehörenden. Das Anlegen der Gruben und die Verarbeitung der Metalle bildete damals, gleich dem Sammeln und Verwerten des Purpurs, der Herstellung feiner Gewebe (besonders des Leinens) und dem Betriebe vieler anderer Gewerbe, ein kaiserliches Vorrecht oder Monopol[5469]; um dessen Ertrag zu sichern, war der Stand der Metallarii ein zwangsweise erblicher[5470], unterlag der Aufsicht besonderer Oberbeamten, -- ein „Comes metallorum per Illyricum“, „Berghauptmann oder Berggraf für Illyrien“, ist für 366 nachgewiesen[5471] --, und hatte eine feste Abgabe, „Canon metallicus“, zu leisten, die derart eingetrieben wurde, daß der Kaiser z. B. den privilegierten Goldsuchern oder Goldwäschern (aurileguli) eine bestimmte Menge ihres Goldes in natura abforderte, während ihm für den Rest das Vorkaufsrecht zu einem Vorzugspreise zustand[5472].

1. Gold.

Sowohl in der alten wie in der neuen Welt tritt das Gold in vielen Fällen als zuerst bekanntes Metall auf[5473], wozu nicht minder sein Vorkommen wie seine Eigenschaften Anlaß bieten[5474], denn auf primärer und sekundärer Lagerstätte sowie als Flußgold findet es sich gediegen und völlig oder annähernd rein, mußte also durch Schwere und Glanz, Unzerstörbarkeit und Festigkeit, Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich lenken. Seine leuchtende Farbe erklärt die sehr allgemeine Beziehung zur Sonne, und diese wieder den weitverbreiteten Glauben an seine höheren, himmlischen, zauberhaften Kräfte. So behaupten z. B. einige malayische Stämme noch heutzutage, Gold, aber auch Silber und Zinn, bildeten die Wohnstätten göttlicher Geister (die sie auch wachsen und nachwachsen machen), dürften daher nur unter gewissen heiligen Zeremonien und namentlich unter sorgfältiger Vermeidung aller diesen Geistern unangenehmen Geräusche aufgesucht und ausgegraben werden, seien aber selbst wieder besonders geeignet zur Unterstützung der religiösen und Kult-Handlungen[5475]. Die verhältnismäßige Weichheit des reinen Goldes, die Leichtigkeit, mit der es sich bereits in der Kälte hämmern, auch zu Blechen, ja selbst Drähten gestalten läßt, sowie die Schwierigkeit, die unter gleichen Umständen das Zusammenfügen kleiner Einzelstücke bietet, erschließt ohne weiteres das Verständnis für die Formen der ältesten Fundstücke[5476]: Schmuck aus mit dem Steinhammer bearbeiteten Goldplättchen weisen schon die Gräber der neolithischen (jüngeren steinzeitlichen) Periode auf[5477], später folgen mit Goldblech belegte oder beschlagene Holz-Geräte und -Waffen, sodann durch „kaltes Hämmern“ gestaltete Platten, Ringe, Treib- oder Hohl-Arbeiten, während geschmiedete, geschweißte und gelötete Gegenstände erst Erzeugnisse weitaus späterer Zeitalter darstellen[5478]. Daß sich aber während solcher die älteren Verfahren noch lange weiter erhalten können, und zwar auch in benachbarten Gegenden, dafür bietet die neue Welt ein lehrreiches und zur Vorsicht bei allen ins einzelne gehenden Schlüssen mahnendes Beispiel: denn während die Einwohner der Antillen und der nördlichen Teile Südamerikas nur mit dem kalten Hämmern und Treiben des Goldes vertraut waren[5479], hatten jene Mexikos und Perus die Bearbeitung von Gold und anderen Metallen bereits zur höchsten technischen und künstlerischen Vollendung entwickelt. Auf dem Markte der Stadt Mexiko sah schon ~Cortez~ nicht nur Silber, Kupfer, Blei und Zinn, sondern auch Gold in Säckchen und Körbchen, sowie in Gestalt von Barren verkaufen[5480]; Gold und Silber standen dort in naher Beziehung zu Sonne und Mond, die man neben der Venus göttlich verehrte, wie denn astrologische Ideen weitverbreitet waren[5481] und auch der Glaube an vier Elemente und an die Möglichkeit eines Unsterblichkeits-Trankes waltete[5482]. In Peru war man ebenfalls durchaus vertraut mit dem Schmelzen, Gießen, Löten, Treiben und Plattieren des Goldes, mit der Herstellung äußerst dünner Vergoldungen, mit der Gewinnung feinster Drähte und Bleche, -- die herrlichen großen Gold-Schmetterlinge sind nur 0,1 mm dick --, und mit der Bereitung verschiedenfarbiger Goldlegierungen, u. a. solcher mit Silber, Kupfer, Zinn, Antimon, oder mehrerer von diesen zusammen[5483]; bekannt sind die Schilderungen des ~Garcilasso de la Vega~, nach denen der große Sonnentempel der Inkas mit goldenen Platten ausgelegt und eingedeckt war, ein goldenes Standbild des Sonnengottes und unzählige goldene Schmucksachen, Gefäße und Weihgeschenke enthielt, während sich das Gelaß seiner Gemahlin, des Mondes, nach gleicher Weise in Silber ausgestattet fand[5484].

Über die Geschichte des Goldes in +Ägypten+ ist schon in den vorausgehenden Abschnitten, an Hand der frühesten Aufzeichnungen bis zu den Erzählungen des ~Agatharchides~ herab, Näheres berichtet worden, so daß nur an weniges zu erinnern bleibt. Bereits in den Gräbern der älteren Steinzeit finden sich vereinzelte goldene Schmucksachen[5485]. Im 4. Jahrtausend stand die Verarbeitung des Goldes schon in hoher Blüte[5486], und zur Zeit der Thiniten, um 3300, wurde eine „Steuer vom Gold“ = „Steuer vom Vermögen“ erhoben und das Gold hauptsächlich aus Nubien bezogen[5487]; sein ältester Name lautet daher Nub[5488], und sein ältestes hieroglyphisches Zeichen ist der Sack zum Auswaschen, nach dem es als „Nub en nun“ (Gold des Wassers, des Flusses) vom „Nub en set“ (Gold des Felsens, des Gebirges) unterschieden wird[5489]. Gegen 2000 erfolgte die Eroberung der Goldgruben Nubiens und des Wüstenplateaus Wadi Allaki, mit der zugleich der Frondienst der Negerstämme einsetzt[5490], und nicht viel später begann das Heranholen des Goldes zur See aus den Punt-Ländern, als die man vermutlich die Küsten des südlichen Arabiens und östlichen Afrikas anzusehen hat[5491]; unter König ~Thutmosis~ III. (1501-1447) kam bereits vieles Punt-Gold nach Ägypten[5492], und die Berichte aus seiner und aus der Folgezeit (z. B. die im Papyrus ~Harris~ aus dem 13. Jahrhundert) schildern eingehend die besonderen Eigenschaften und Farben der verschiedenen Goldarten[5493]. Für das Wägen und Messen des Goldes bestanden seit altersher bestimmte Vorschriften, wie man denn überhaupt festen Gewichtsnormen in Ägypten schon um 2800 begegnet[5494]. In jüngerer Zeit ist ein Hauptmaß das in 10 Kite geteilte Deben (etwa 130 g); eines der im Papyrus ~Ebers~ (um 1500) gebräuchlichen Medizinal-Gewichte, das ⅔ Kite beträgt, ging später als Drachme von Aegina in den griechischen Kulturkreis über[5495], während wiederum 36 Kite das römische Pfund bildeten[5496]. Das Abmessen feinen Goldstaubes erfolgte in kleinen, mit einem passenden Handgriffe versehenen Bronzezylindern und war, wie einige Fundstücke ersehen lassen, um 1500 ebenfalls schon längst üblich[5497].

Die +Sumerer+, die nichtsemitischen Ur-(?)Einwohner Sinears, des südlichen Zweistromlandes, deren von ~Lenormant~[5498] behauptete Verwandtschaft mit den turanischen Völkern, den Ugro-Finnen und den Tschuden des nördlichen Asiens, durchaus fragwürdig ist[5499], kannten zweifellos schon in ältester Zeit das Gold, das Silber, das Kupfer und die Edelsteine, sowie deren Verwertung[5500]; sie besaßen Schriftzeichen für die genannten Metalle, hielten deren Glanz für etwas Heilbringendes und Überirdisches, verehrten metall-hütende und -verarbeitende Götter, sahen in der die untere Hemisphäre durchwandernden Sonne eine Gottheit der verborgenen metallischen Schätze, die „aufzusteigen begehren“[5501] und sollen den ersten Anlaß zu jenen Lehren des nachfolgenden babylonischen Zeitalters gegeben haben, denen gemäß den Göttern die verschiedenen Metalle als Attribute zugewiesen wurden[5502]. ~Inlil~, der Gott der ersten sumerischen Hauptstadt Nippur, galt für den „Herrn des Goldes“, eine Würde, die nachher auf ~Marduk~, den Stadtgott von Babel, überging[5503]; der alte Gott ~Ea~ von Eridu, später zum Herrscher der Tiefe geworden und als Bringer erhabenster Weisheit aus ihrer Urflut auftauchend, wird (auch unter dem Namen ~Oannes~) ebenfalls als Gott des Goldes bezeichnet, als Schutzherr der Goldschmiede, sowie der Schmiede und Metallarbeiter überhaupt[5504]. Noch später versah dieses Amt der Feuergott ~Gibil~, Meister der „heiligen oder himmlischen Schmiede“, die aber, entgegen ehemaligen Meinungen, im Sinne von Fegefeuer für Altbabylon nirgendwo bezeugt ist[5505]. Nach babylonischem Glauben entstammt das Gold dem „finsteren Norden“[5506], -- woraus also das Unzutreffende der Ansicht erhellt, es finde sich überall und allerorten mit den Lichtgottheiten verbunden[5507] --, und zwar dem Lande Aralli, dem goldreichen, unter einem silbernen Himmel liegenden Wohnsitze gewisser Götter und Geister[5508]. -- Um 2500, unter dem Könige ~Sargon~ I., soll u. a. der Landstrich von Melucha in Arabien viel Goldstaub nach Sinear geliefert haben[5509]; gegen 2000, zur Zeit ~Hammurabis~, wird Gold, z. B. in Barren und „Zungen“, zwar öfters erwähnt[5510] und man kannte anscheinend schon den Voll- und Hohlguß, sowie die Herstellung gehämmerter Platten[5511], doch war es immerhin noch ziemlich selten, und wenn der König ~Sumulailu~ den Thron des ~Marduk~ mit Silber und Gold ausschmückte, so wird dies ausdrücklich hervorgehoben[5512]. Gegen 1600 muß indessen die Verbreitung schon eine recht erhebliche gewesen sein, und ägyptische Inschriften erwähnen goldene babylonische Gefäße, Kunstwerke und Statuen als Siegesbeute[5513]. Das um diese Zeit seitens der Ägypter übernommene, babylonische sexagesimale Maß- und Gewichts-System[5514], dem auch das „Mine“ genannte Gold-Gewicht (die μνᾶ der Griechen) angehörte[5515], läßt sich bis auf etwa 2500 zurückverfolgen, und zwar bestanden die Gewichte anfangs aus Steinen, z. B. Hämatit, später aus Blei und noch später auch aus Bronze[5516]; schon gegen 2300 bestimmte man ein festes Wertverhältnis der Gewichtseinheiten Gold und Silber (später auch Silber und Kupfer), dessen wiederholt abgeänderter Betrag schließlich bei 11: 1 verblieb und als solcher in jüngeren Zeiten zur Norm der lydischen, persischen, phönizischen und karthagischen Münzprägung wurde[5517]. -- Der babylonische Name des Goldes, der vermutlich kein einheimischer war, lautete „hurasu“, und sein ältestes, den Ost- und West-Semiten gemeinsames Wortzeichen bedeutete „das Glänzende“[5518].

Im Bereiche der +ägäischen+ Kultur beginnt an einer der ältesten und wichtigsten Fundstätten, dem Palaste zu Knossos auf Kreta, Metall erst gegen 3000 aufzutauchen, Gold zunächst in Gestalt verhältnismäßig spärlicher Schmucksachen aus Golddraht, die u. a. das Spiralmotiv zeigen[5519]; auf den Cycladen ist Gold um 2500 noch recht selten[5520], ebenso in Cypern, wo zunächst φθοΐδες, d. s. Klümpchen und flache Kuchen, und erst weiterhin dünne Stangen und Barren zutage treten[5521]. -- In +Troja+, richtiger in dem mächtigen Schutthügel von Hissarlik, dessen tiefstliegende Ansiedlung bis gegen 3000 oder 3300 zurückreichen dürfte, weisen die Schichten um 2600 neben φθοΐδες, kleinen Stangen und Barren, bereits Schmuck aus Golddraht und Goldperlen, sowie goldene Bleche und aus solchen getriebene oder gepreßte Geräte auf[5522]; die der Zeit zwischen 2500 und 2000 angehörigen, in denen ~Schliemann~ den sog. „Schatz des ~Priamos~“ fand, zeigen außerdem auch reich gegliederten, zum Teil auch schon gelöteten Goldschmuck, allerlei getriebene Gefäße aus Gold, Silber und Kupfer, sowie größere Zungen und Barren[5523], letztere nach ägyptischem Gewichte ausgewogen[5524]. -- Die gegen 2000 entstehende +mykenische+ Kultur[5525] entwickelte sich durch Berührung der vorgenannten Mittelmeer-Kulturen mit denen Ägyptens und des Orients, wobei Hauptvermittler die Phönizier zur See waren, und die Chetiter (über Kleinasien und Syrien) zu Lande[5526]; wie die Funde zu Mykene und an vielen anderen Stätten beweisen, war dieses Zeitalter reich an Gold[5527], besaß eine ausgebreitete Goldindustrie[5528] und wußte aus Gold verschiedener Färbung, in Verbindung mit Alabaster, Elfenbein, Malachit, Lasurstein, bunten Glasflüssen (namentlich künstlichem Blaustein) u. dgl. mehr, eine Fülle schöner, reich ornamentierter Schmucksachen und Gebrauchsgegenstände herzustellen, u. a. auch aus getriebenen oder gepreßten Blechen geformter und gelöteter[5529].