Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange
Part 49
Von den Metallen findet sich, neben Alchemistischem in üblicher Darstellung, auch allerlei Technologisches berichtet. Gold prüft man auf Feinheit und Gehalt durch eine Art Zementation mit Alaun, Vitriol und Kochsalz[4080], und lötet es mittels „Tanger“ (Tinkâr = Lot, Lötmittel), d. i. Tinkal oder Borax[4081]. Silber oder Asem, das man u. a. aus Kupfer durch Einwirkung von Arsen gewinnt, am besten unter Zusatz etwas schon fertigen Silbers, legiert sich mit Gold zu Silbergold oder Elektron, das [irrtümlicherweise] auch dem „Kahrubâ“ gleichgesetzt wird [persisch = Strohräuber, d. i. Bernstein, griech. Elektron][4082]. Eisen erleidet durch Glühen und Abkühlen große Veränderungen und liefert durch Ablöschen dünner Blättchen in Weißwein ein medizinisch sehr wirksames Elixir[4083]. Kupfer, andauernd mit Essig oder saurem Traubensaft behandelt[4084], geht in Grünspan oder Irin über (d. i. das Jarim oder Jarin der mittelalterlichen Alchemisten)[4085]. Aus Blei entsteht beim Erhitzen mit Schwefel das schwarze Schwefelblei, dessen sich die Augenärzte bedienen, beim „Verbrennen“ die gelbe Bleiglätte, und bei längerem Liegen „auf Ruten, über sehr scharfem und nicht gefälschtem Essig, in der Wärme des Düngers“ das leuchtende Bleiweiß[4086]; beim „Rösten“ gibt letzteres Mennige oder Minium, auch Sandarach geheißen[4087], weil es die rote Farbe des Harzes Sandarach besitzt [arab. sandarus d. i. Harz oder Gummi][4088]. Dieser Name bezeichnet aber auch das rote Schwefelarsen, aus dem sich, ebenso wie aus dem gelben „Safran“ (= Auripigment), beim Erhitzen ein „Alaun“ verflüchtigt [d. i. Arsenigsäure]; nach wiederholter Sublimation ist dieser, „die Blume des Arsens“, eine feste und glänzend weiße Masse, im Gegensatze zum gemeinen „männlichen“ Arsen, das rot oder gelb erscheint[4089]. Durch Verreiben von Quecksilber mit Schwefel und Sublimieren des Gemisches bildet sich der Zinnober[4090]; der als Rötel oder Sîrîkôn bezeichnete Farbstoff ist +kein+ Zinnober, vielmehr bereiten ihn einige durch Rösten von Chalkitis [wobei, je nach dem Vorwalten des Kupfers oder Eisens im Vitriol, unter Umständen ein rotes Kupfer- oder Eisen-Oxyd hinterbleiben kann], andere durch Rösten von Chalkitis nebst Bleiweiß [letzteres hinterläßt Mennige], und noch andere durch Vermischen von Mennige mit Eisenrot [Eisenoxyden][4091]. Zu vielerlei Zwecken gebraucht man die Kadmia, die auch Kalimía (καλιμία) heißt [welches Wort wohl zur Bezeichnung zinkhaltiger Mineralien als „Calamine“ Anlaß gab][4092]; aus dem Rauche der Öfen, in denen man sie verarbeitet, schlägt sich Tutia oder Pompholyx nieder[4093] [d. i. das weiße, an den Ofengewölben haftende Zinkoxyd]. Der glänzende Pyrit oder Markasit [d. i. Schwefelkies] liefert [beim Rösten] Schwefel, dessen reinste Form die „Schwefel-Blumen“ sind[4094], ferner [beim Verwittern] Chalkitis oder Vitriol, dessen syrische Benennung „Glas“ bedeutet[4095] [vgl. die wohl wörtliche Übersetzung „vitriolum“]; diesem ähnlich ist der Alaun, von dem es viele Sorten gibt, u. a. den vortrefflichen „römischen“, und als dessen Bezeichnung ✶ üblich ist, d. i. ein Stern[4096]. „Stern der Erde“, γῆς ἀστήρ, ist aber auch bald der Selenit [= krystallisierter Gips] bald der Talk, dem noch unzählige andere Namen zukommen[4097].
Eichen, Pappeln, Feigenbäume und zahlreiche sonstige Pflanzen hinterlassen beim Verbrennen eine scharfe, salzige Asche; behandelt man ihre wässerige Lösung mit Ätzkalk, so erhält man die noch schärfere „Lauge“[4098], die sehr dienlich zur Gewinnung von Seife ist[4099]. Unentbehrlich erweist sich jene Asche aber auch zur Darstellung des Glases; diese erfolgt, indem man 1 Teil feinstes, durch ein Haarsieb gesichtetes Pulver von Kieselsteinen mit 3 Teilen Asche gründlich vermischt, das Gemenge in einem Tiegel auf starkem Feuer schmilzt und mit einer zweizackigen Eisengabel so lange verrührt, bis es die richtige Dicke „zum Herausziehen“ erlangt hat. Durch Zusätze kann man ihm jede gewünschte Farbe erteilen, z. B. die weiße durch Bleiweiß, die grüne durch „gebranntes Kupfer“, die blaue (?) durch spanisches Antimon [Schwefelantimon], die schwarze durch eine goldglänzende Kadmia [hier wohl das Sulfid eines Schwermetalles] usf.[4100]. Ein Gemenge aus feinstem Glaspulver und Nitron ist das vortreffliche, ἱερόκολλα (Hierókolla) genannte Lötmittel[4101]; die Gewinnung eines anderen Bindemittels [wohl einer Art Leim oder Gelatine] erfolgt durch Auflösen der Knochen junger Kälber oder Kamele in Essig, dem man noch Kampher zuzusetzen pflegt[4102].
Die zur Herstellung der Präparate empfohlenen Vorschriften werden als „Schlüssel“ (κλεῖσις = Verschließung) oder als „Macht“ (κράτος) bezeichnet[4103]. Die Apparate, die zum Teil durch [sehr unzulängliche] Abbildungen veranschaulicht sind[4104], gleichen zumeist genau den von den griechischen Alchemisten, z. B. von ~Synesios~, benützten, so u. a. der als ὄργανον (Organon) angeführte Sublimations-Ofen[4105] und die beiden auf einander gestellten „Töpfe“ zum Sublimieren der Arsenigsäure „aus dem unteren in den oberen“[4106]; auch die Gleichsetzung der „Erde der Philosophen“ mit der Tiegelerde aus Assuan am oberen Nil[4107] bezeugt die ägyptische Herkunft der beschriebenen Vorrichtungen.
b) Jüngere Schriften.
Die mit syrischen Buchstaben geschriebene, aber in +arabischer+ Fassung oder Übersetzung eingeschobene, +jüngere+ Abteilung der Manuskripte[4108] bespricht ebenfalls die sieben Metalle und ihre unzähligen Benennungen, deren sie für Gold 23 anführt, für Silber 17, für Kupfer 15, für Blei 20 (darunter mehrere auch für Schwefel gültige), für Eisen 18, für Zinn 17, für Quecksilber 51[4109]. Die unedlen Metalle in edle zu verwandeln vermag die Kunst des großen Werkes, das zugleich auch die Darstellung der Edelsteine und Perlen lehrt, sowie deren Verschönerung durch besondere Verfahren, z. B. die der Perlen, indem man sie an Tauben verfüttert und durch deren Verdauungskanal gehen läßt[4110]. Materialien, die den Zwecken des großen Werkes dienen, sind Kadmia, Bleiglätte, Mennige, Bleiweiß, Alkali, Glas[4111], orientalisches und okzidentalisches Quecksilber (oft zu gleichen Teilen gemischt)[4112], zuweilen auch Grünspan von Emesa, ägyptischer und persischer Vitriol, Malachit und Lasurstein[4113], sowie noch andere zum gründlichen Färben oder oberflächlichen Firnissen geeignete Stoffe[4114]. Die Umwandlung dauert 42 Tage[4115], und ihr Endprodukt, eine goldrote Masse, vermag die Kranken zu heilen[4116] und wirkt auf die Rohmetalle als Elixir; zur Gewinnung des Elixirs sind aber auch viele pflanzliche und tierische Stoffe tauglich[4117], deren Veränderungen oft gar wunderbare Wirkungen entfalten, wie denn durch die Fäulnis von Haaren Schlangen, von Rindern Bienen, von Eiern Drachen entstehen[4118].
Alle Metalle schmelzen bei genügender Hitze und gehen dabei in den Zustand des Quecksilbers über, das als ihr eigentliches Prinzip anzusehen ist[4119]. Als erster und wesentlicher Bestandteil der Metalle, sowie als Grundstoff auch aller übrigen Substanzen, ist das Quecksilber ein „Körper“ von fester und beständiger Natur; da es jedoch dem Feuer nicht widersteht und sich in der Wärme verflüchtigt, ist es aber auch ein „Geist“; demnach kommt ihm das Wesen eines, diesen +beiden+ Reichen angehörigen Zwitters zu, und demgemäß erklären sich viele seiner zahllosen Namen, wie „das Kalte“, „die Wolke“, „der flüssige Geist“, „der Schweiß der Körper“, „der flüchtige Diener“ [„servus fugitivus“ der mittelalterlichen Alchemisten], „der Erwecker der Toten“, „das Wasser des ~Kiwan~“ (aramäisch = ~Saturn~, auf dessen Metall, das Blei, hinweisend) usf.[4120].
Der flüchtigen Geister zählt man sieben, neben dem Quecksilber nämlich noch den gelben und roten Schwefel, den weißen Schwefel, das gelbe und rote Arsen, sowie den Salmiak[4121]. -- Der gelbe Schwefel, arabisch Kibrit[4122], ist der gewöhnliche, der die Kraft hat alles zu färben, alles in Umwandlung zu versetzen und sich mit allem zu verbinden, weshalb einige seiner 26 Namen lauten: „der göttliche Stein“ (vgl. θεῖον), „der Färber“, „das Wachs“ [das alle Farben annimmt], „die Hefe“, „der Bräutigam“ usf.[4123]; der rote Schwefel ist auch identisch mit Sandarach [rotem Schwefelarsen], der weiße mit Arsenigsäure; das gelbe und rote Arsen [dies sind Auripigment und Realgar] heißen u. a., -- im ganzen werden 21 Namen aufgeführt --, „die beiden Vögel“, „die beiden Brüder“, „die beiden Khalifen“, „das Gelbe und Rote der Philosophen“[4124]. Den Salmiak, -- dessen Kenntnis die Araber schon von den spätalexandrinischen Chemikern übernahmen, von dessen Vorkommen in den vulkanischen Gegenden Vorderasiens und Chinas aber auch die alten arabischen Geographen, sowie die von ~Carra de Vaux~[4125] herausgegebenen arabischen „Wundergeschichten“ berichten --, zeichnet seine große Flüchtigkeit aus, die eine völlige Reinigung durch wiederholte Sublimation ermöglicht[4126]; auf diese deuten auch viele seiner 13 Namen, z. B. „Vogel von Chorasan“, „Oberster oder Khalif von Armenien“, „Kampher“, „Adler“[4127], sowie [offenbar bei Färbung durch Eisenoxyd] „roter Adler“[4128]. Was als „Fixation“ des Salmiaks durch Ätzkalk beschrieben wird[4129], entspricht sichtlich der Darstellung von Chlorcalcium.
Die sieben Geister sind hauptsächlich in sieben Steinen enthalten, nämlich im Markasit, Antimon [Schwefelantimon], Magnesia [oft = Pyrit], Hämatit [hier = Zinnober], Magnetstein [ein Metallsulfid?], Vitriol (arab. Zâdsch)[4130] und „Salz“; von jedem dieser Steine kennt man sieben Arten in sieben Farben, so daß es z. B. auch sieben Magnete gibt, deren jeder ein anderes der sieben Metalle anzieht, ferner sieben Vitriole, sieben Alaune, sieben Boraxe [arab. Tinkar, meist = Alkalien] und sieben Salze, deren Gewinnung und Reinigung, oft bis zur Weiße und Härte des persischen Tabarzad-Zuckers[4131], die „Philosophen“ entdeckten und lehrten[4132]. Steine, die +keine+ Geister in sich führen, gibt es ebenfalls sieben, nämlich Talk, Kohol (Blei- oder Antimon-Glanz), Perlmutter, Krystall, Malachit, Lasurstein und Achat. [Alle diese Angaben gehen in letzter Linie auf die weiter oben unter dem Namen „Steinbuch des ~Aristoteles~“ angeführte pseudepigraphische Schrift oder auf deren Quellen zurück, strotzen aber von Irrtümern und Verwechslungen.]
Aus dem weißen Schwefel [= Arsenigsäure], dem Sandarach [= Realgar] und dem italischen Kohol [= Antimonsulfid] läßt sich ebenfalls ein „Quecksilber“ erhalten[4133], unter dem offenbar metallisches Arsen und Antimon zu verstehen ist, welches letztere auch als „Antimon“ aus Stibi oder Stimmi (= Kohol) erwähnt zu werden scheint[4134], sowie in einer Vorschrift, die (in der Übersetzung) lautet: „nimm gleiche Teile Kohol und Antimon“[4135]. Aus Kupfer und „gebranntem Antimon“ [= metallischem Antimon oder Antimon-Oyxden?] wird u. a. die goldfarbige Legierung Schabh dargestellt, vermutlich eine Antimon-Bronze[4136]; ähnlich wie die mit einer dicken Lösung arabischen Gummis angeriebenen Goldflitter[4137] fand wohl auch sie Verwendung zur Herstellung von „Goldschrift“.
Behandelt man das eigentliche Quecksilber mit Kochsalz und Vitriol, so erhält man zwei verschiedene Substanzen[4138] [die gegenwärtig als Quecksilber-Chlorür und -Chlorid, Calomel und Sublimat, bezeichnet werden]; die eine, die sich leicht verflüchtigt, kann man in schönen weißen Krystallen gewinnen, indem man sie wiederholt sublimiert[4139], doch muß man hierbei, weil Dampf und Sublimat furchtbar giftig sind, Mund, Nasenlöcher und Augen durch Beschmieren mit Honig schützen[4140]; ihre Lösung in Wasser gleicht der Milch und ist von solcher Kraft, daß sie viele Metalle und Erze auflöst, weshalb sie auch „scharfes Wasser“ oder „dreifach-scharfes Wasser“ heißt[4141]. -- Wie auch diese Stelle bezeugt, braucht das „scharfe Wasser“ (aqua acuta, aqua fortis der mittelalterlichen Alchemisten) keineswegs, wie man früher irrtümlicherweise oft annahm, eine mineralische Säure zu sein, und tatsächlich kennen auch die syrischen Manuskripte als Säuren nur Essig[4142], Citronensaft[4143] u. dgl.
Aus einer Mischung von feingepulverten Kieselsteinen (13 Teilen) und Aschen-Alkali (10 Teilen) bereitet man das Glas; die „Philosophen“ haben Glasöfen von wunderbarer Einrichtung ausgedacht, kleine, große, mehrstöckige, mit besonderen Kammern zum Einsetzen, Erhitzen und Abkühlen versehene, mit Zirkulation des Feuers eingerichtete, usf. Aus der in den Tiegeln zu einem „Gummi“ geschmolzenen Masse formt man Gefäße, Becher, Phiolen und noch vieles andere; was während der Arbeit zerspringt, wird mit einem heißen Glasfaden vereinigt und dann nochmals erhitzt. Man versteht auch alle nur denkbaren Färbungen hervorzubringen, z. B. weiße durch weibliche Magnesia [d. i. Braunstein, der entfärbend wirkt], schwarze durch Eisenschlacke, blaue (?) durch gebranntes Antimon, rote durch dieses nebst Eisenschlacke, gelbe durch Bleiglätte, sapphirblaue durch gebranntes Blei und Zinn, -- wobei nur die reinsten Metalle von völlig „schönem Blick“ [s. „Silberblick“] zu verwenden sind --, ferner auch citronengelbe, grüne und pistazienartige[4144]. Auch ein schönes Email bereitet man unter Benützung bleihaltiger Materialien[4145] [dies ist eine der frühesten ausdrücklichen Erwähnungen von Bleiglasuren].
Zu den Einfügungen aus sehr später Zeit gehört die Erwähnung des „Barud“ im Sinne von Salpeter[4146]; dieses „Salz von China“, das in Syrien noch wenig bekannt ist[4147], wird als weiß, hart und nach gekochten Eiern [also wohl nach Schwefelwasserstoff] riechend bezeichnet, was insoferne zutreffen kann, als es mit dem [an Kellerwänden, Düngestätten usf. auswitternden] „Salz der Mauern“ identifiziert zu werden scheint[4148]. Aus Mischungen von Barud, Schwefel und Kohle in verschiedenen Verhältnissen verfertigt man Brandsätze für Feuerpfeile, Petarden und Feuerwerkskörper, wobei man zuweilen auch noch Kampher hinzufügt[4149]. -- Es ist sehr bemerkenswert, daß der Gebrauch dieses „Pulvers“ zum +Schießen+, sowie die Verwendung von +Schießwaffen+, +nicht+ erwähnt wird, und daß eine der angeführten Mischungen [die ganz an jene in dem angeblich um 1275-1295 niedergeschriebenen sog. „Feuerwerksbuche“ des ~Hassan Alrammah~ erinnern] den Namen „Fränkische Körner“, „Körner der Franken“ führt[4150], was auf Herkunft aus dem Okzident hinweist. Ebendahin deuten auch die alchemistischen „Verfahren der Franken“, bei denen Quecksilber, Zinn, sowie europäisches und römisches „Harz“ benützt werden[4151], ferner eine Stelle, die vielleicht einige Kenntnis der Mineralsäuren verrät (?)[4152] und in diesem Falle erst um oder nach 1300 niedergeschrieben sein könnte.
Von Apparaten finden sich genannt: Rohre, Aludeln (Athal, Udal, Udel)[4153] und Schalen, u. a. solche aus Porzellan[4154] [was wohl ein Übersetzungsfehler ist und schwerlich das im Oriente zwar schon seit etwa dem 9. Jahrhundert bekannte, aber unerschwinglich teure chinesische Porzellan bedeuten dürfte]; Tiegel aus Erde von Assuan[4155]; zwei aufeinander gesetzte Tiegel, deren einer einen durchlöcherten Boden hat (z. B. zum Sublimieren von Arsenigsäure, Salmiak u. dgl.), „But ber But“ genannt [persisch = „Tiegel auf Tiegel“, d. i. der „Botus barbatus“ der mittelalterlichen Alchemisten][4156]; Gefäße zur Destillation von Wässern und wohlriechenden Essenzen[4157]; Wasserbäder[4158], in der Übersetzung einige Male mit „bain-Marie“ wiedergegeben[4159]; Haar- und Seiden-Siebe[4160].
c) Buch der Erkenntnis der Wahrheit.
Nach diesem, auch als „Causa causarum“ (Ursache der Ursachen) bekannten, in syrischer Sprache im 11. oder 12. Jahrhundert abgefaßten, aber auf weit ältere Quellen zurückgehenden Buche bestand die Welt ursprünglich aus einer form- und gestaltlosen Urmaterie „Hýle“[4161], aus der nach Gottes Willen zunächst vermöge der vier Qualitäten die vier Elemente hervorgingen, die ganz bestimmte Eigenschaften besitzen und unveränderlich an Menge und Gewicht sind[4162], weiterhin aber alle übrigen Dinge[4163], auch die Gestirne, die kein besonderes fünftes Element enthalten[4164].
Die ersten, allerorten gegenwärtigen Substanzen, die sich aus den Elementen bilden, sind Schwefel und Quecksilber[4165]. Aus dem Innern der Erde steigen nämlich Dünste und Dämpfe gegen ihre Oberfläche empor, auf der die Berge nicht anders sitzen wie die Schädel auf den Rümpfen oder die Deckel auf den Töpfen, und in ihnen schlagen sich die Dünste nieder und tropfen ab[4166], wobei sich Erde und Feuer zu weiblichem Schwefel vereinigen, Wasser und Luft aber zum [männlichen] Quecksilber[4167]; der Schwefel wird fest, das Quecksilber (Ziwag) ist und bleibt jedoch ein Wasser, eine Art Tau, der zuweilen auch als solcher aus den wässerigen Dünsten des Himmels herabfällt[4168]. Unter den Einflüssen der planetarischen Strahlungen[4169] und der „auskochenden“ Kraft der Sonne verbinden sich Schwefel und Quecksilber[4170] und ergeben, je nach ihrer Reinheit und den Mengenverhältnissen, je nach Ort, Klima, Luftmischung, Wärme, Zeitdauer und je nach Gottes Zulassung +alle+ übrigen Substanzen, nämlich Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Eisen und Blei, ferner Edelsteine, Perlen, Purpur und andere Farbstoffe[4171], sodann die verschiedenen Arten Schwefel, Arsen, Markasit, Magnesia, Lasur, Mennige, Tutia, Salz, Nitron, Alaun, Vitriol und endlich sämtliche übrigen Gesteine und Erden[4172].
Die Erze finden sich hauptsächlich in den Bergwerken[4173], und aus ihnen gewinnt man die Metalle durch kunstvolle Trennungen, denn Gold z. B. läßt sich von Kupfer ebenso scheiden wie süßes Wasser vom Salze des Meeres[4174]; ihre Eigenschaften sind oft sehr merkwürdige, u. a. erhält das Eisen erst durch Blitzschlag seine beste Beschaffenheit[4175], auch wird es vom Magneten angezogen, soferne nicht die Gegenwart übelriechender Stoffe, wie Zwiebel oder Knoblauch, dessen Kraft behindert[4176].
Außer den Metallen bearbeitet man mittels Feuers auch das Glas, und die Glasmacher vollbringen mit Hilfe ihrer sinnreich gebauten Öfen, die in mehreren Abteilungen ein rasches Erhitzen und ein langsames, stufenweises Abkühlen gestatten, die erstaunlichsten Künste[4177].
Im Feuer, das sonst alles tötet, lebt der Vogel Amianton, dessen Gefieder den Asbest liefert[4178]; die das Leben erhaltende Luft hinwiederum ist an manchen Orten tödlich, z. B. in tiefen Schachten und in Zisternen[4179].
5. Spätere Araber.
Verzeichnis einiger wichtiger arabischer oder arabisch schreibender Schriftsteller (meist in nachstehendem Abschnitt angeführt).
~Abu Jusuf~ gest. 795 ~Abu Maʿschar~ 805-885 ~Thabit Ibn Qurra~ 826-901 ~Banu Musa~ 826-901 ~Ibn Khordadhbeh~ 836-850 ~Alrazi~ (= ~Razi~) 850-923? ~Aldschahiz~ gest. 869 ~Alkindi~ gest. nach 870 ~Hunain Ibn Ishaq~ gest. 873 ~Aljaʿqubi~ um 891 ~Aldschauhari~ gest. 899 ~Ibn Wahschijah~ um 900 ~Ibn Alfaqih~ gest. 902 ~Ibn Hauqal~ 902-968 ~Alhamadani~ gest. 945 ~Alfarabi~ gest. 950 ~Alistakhri~ um 950 ~Almasʿudi~ gest. 956 ~Hamza~ um 961 ~Ibn Alhaitham~ 965-1019 ~Alkindi Altudschibi~ um 970 ~Albiruni~ 973-1048 ~Ibn Sina~ (= ~Avicenna~) 980-1037 ~Alkhwarizmi~[4180] um 980 ~Almuqaddasi~ um 985 ~Alnadim~[4181] gest. 995? ~Alghazzali~ 1059-1111 ~Albaihaqi~ 1105-1169 ~ʿOmar Alkhajjam~ gest. 1121 ~Altughrai~ (= ~Artefius~?) gest. 1128 ~Alkhazini~ um 1130 ~Ibn Badscha~ (= ~Avempace~) gest. 1138 ~Alidrisi~ um 1150 ~Ibn Alʿauwam~ um 1150 ~Schahrastani~ gest. 1153 ~ʿAbd Allatif~ 1160-1231 ~Ibn Alqifti~[4182] 1172-1227 ~Abuʾlfadl~ um 1175 ~Jaqut~ 1178-1229 ~Ibn Tufail~ gest. 1185 ~Ibn Dschubair~ um 1185 ~Ibn Ruschd~ (= ~Averroes~) gest. 1192 ~Ibn Albaitar~ 1197-1248 ~Ibn Abi Usaibiʿa~ 1203-1270 ~Ibn Khallikan~ 1211-1282 ~Ibn Saʿid~ 1212-1274 ~Aldschaubari~ um 1220 ~Ibn Alathir~ gest. 1233 ~Alqifti~ gest. 1248 ~Alnabarawi~ um 1250 ~Altifaschi~ gest. 1253 ~Aldimeschqi~ 1256-1327? ~Abulfeda~ oder: ~Abuʾlfida~ 1273-1331 ~Alqazwini~ gest. 1283 ~Alnuwairi~ 1288-1335? ~Ibn Bassam~ um 1300? ~Raschid Eddin~ gest. 1318 ~Ibn Khaldun~ 1322-1406 ~Ibn Batuta~ 1325-1377 ~Ibn Fadl~ gest. 1348 ~Alakfani~[4183] gest. 1348 ~Ibn Alwardi~ gest. 1349 ~Alibschihi~ gest. 1446 ~Abuʾlfadil~? um 1575 ~Daʾud Alantaqi~ gest. 1596 ~Almaqqari~ gest. 1646 ~Haddschi Khalifa~ gest. 1658.
Wie aus den vorangehenden Abschnitten ersichtlich ist, erlangte die arabische Litteratur über Alchemie bereits im Verlaufe des 8. und 9. Jahrhunderts einen überraschend großen Umfang. Der nähere Einblick in ihren Werdegang bleibt freilich derzeit noch verschlossen: „zu einer wirklichen Geschichte der Naturwissenschaft und der Medizin im islamischen Kulturkreise fehlt uns noch fast alles“, ist ein leider durchaus zutreffender Ausspruch ~Ruskas~ in seiner ausgezeichneten Ausgabe und Übersetzung des sog. „Steinbuches des ~Aristoteles~“[4184].
Unter diesen Umständen ist es von hoher Bedeutung, daß wir wenigstens ein Verzeichnis jener Autoren und ihrer Schriften besitzen, die man im 9. und 10. Jahrhundert als die maßgebenden ansah. Erhalten ist es uns in dem schon wiederholt erwähnten, hervorragend wichtigen Sammelwerke „Fihrist“, d. i. „Kitâb al Fihrist“ (= Buch des Verzeichnisses), dessen Verfasser der gelehrte ~Ibn Abi Jaʿqub Alnadim~ war. Älteren Autoren nach starb er 850 oder um 850, sein Werk erfuhr aber nachträglich Ergänzungen und Einschübe (wie schon aus der Tatsache hervorgeht, daß es noch den als Arzt weltberühmten ~Alrazi~ anführt, als dessen Lebenszeit bald 850-923 oder 932, bald 860-940 angegeben wird) und gelangte, nach einer ihm selbst zu entnehmenden Bemerkung, erst im Jahre 987 zum endgültigen Abschlusse[4185]; neuerdings gibt aber ~Brockelmann~, der die Schreibung ~Mohammed ibn Ishaq an Nadim~ vorzieht, als Todesjahr erst 996 an, d. i. acht Jahre nach der 988 erfolgten Vollendung des „Fihrist“[4186].