Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange

Part 33

Chapter 333,089 wordsPublic domain

Von ~Hermes~ heißt es, daß er gleichzeitig Prophet, Philosoph (oder Astronom) und König war[2823], und zwar nach den einen König von Persien[2824], nach den anderen aber von Oberägypten, wo er als ~Hermes~ I. alle überhaupt bekannten Werke verfaßte, die von Magie, Astronomie, Astrologie, Medizin, Zauberei u. dgl. handeln[2825]; auch seine Sprößlinge, die ebenfalls ~Hermes~ hießen, waren Könige, und zu ihnen zählt u. a. ~Alexander der Grosse~, dessen rechter Name „~Hermes~, Sohn des ~Philippos~“ lautete[2826]. ~Hermes~ wurde gleichgesetzt mit ~ʿUtarid~ (babylon. = ~Merkur~), mit dem hochberühmten arabischen Propheten ~Idris~, d. i. ursprünglich dem Apostel ~Andreas~[2827], und samt diesem dem Urpatriarchen ~Henoch~[2828]. Vermöge seiner geheimen Kräfte, -- denn er war „dreifach an Weisheit“ --, stieg er empor bis zur Sphäre des ~Saturn~ (= zur äußersten), verweilte in ihr 30 Jahre (= Umlaufszeit des ~Saturn~), nahm von da aus Einblick in alle Zustände des Weltalls und kehrte dann zur Erde zurück, wohlbewandert in der Kenntnis des Planeten-Umlaufes und aller Himmels-Erscheinungen[2829]. Auf solches Wissen gestützt erschloß er aus der Stellung der Gestirne das Nahen der Sündflut und errichtete deshalb zur Sicherung seiner Schätze und Manuskripte die Pyramiden, deren jede, „wie alle ägyptischen Tempel“, 7 den 7 Planeten geweihte Kammern enthält, auf deren Wänden magische, astronomische, astrologische, medizinische, chemische und andere Inschriften stehen[2830]; der Khalif ~Harun Alraschid~ ließ, als er nach Ägypten kam, eine von ihnen „mit Feuer und Essig“ öffnen, aber ohne Ergebnis und vor allem ohne die Schätze zu finden[2831].

Der „ägyptische“ ~Agathodaimon~, der kein anderer ist als ~Seth~, der Sohn ~Adams~[2832], soll nach einigen ein „griechisch-ägyptischer Prophet“, tausend Jahre älter als ~Hermes~ und dessen Lehrer gewesen sein[2833], nach anderen aber sein Jünger und Schüler[2834]; um diese Widersprüche zu vereinigen, nahm man auch an, daß es +mehrere+ ~Hermes~ gegeben habe[2835], u. a. einen ägyptischen, „der die ägyptische Religion begründete“[2836], und einen babylonischen, „einen der 7 Diener des Tempels, nämlich jenes des ~ʿUtarid~“ (= ~Merkur~)[2837]. Dieser letztere ging aber nach manchen ebenfalls nach Ägypten, lehrte die Priester zu Memphis die Astrologie und Geheimwissenschaft, über die er zahllose religiöse, philosophische und alchemistische Werke verfaßt hatte, und zeichnete gemeinsam mit ~Agathodaimon~ seine Lehren auch auf den Tempel-Stelen auf, aus deren Inschriften später (was schon ~Iamblichos~ als wohlbekannt berichtet) ~Pythagoras~ und ~Platon~ ihre Weisheit schöpften[2838]. Nicht sicher ist, welcher der verschiedenen ~Hermes~ der Lehrer des ~Agathodaimon~ war; viele nehmen an, es sei ~Hermes Trismegistos~ gewesen[2839], der sein ganzes Leben philosophischem Nachdenken und wissenschaftlichen Versuchen widmete, -- u. a. erfand er dabei die Glasur der Tongefäße mittels Salmiak[2840] --, und nach seinem Tode als Lichtsäule gen Himmel fuhr[2841]. Nach allgemeiner Annahme sind er und ~Agathodaimon~ in den beiden großen Pyramiden begraben[2842], während die drittgrößte den ~Ssabi Ben Hermes~ bergen soll, -- eine offenbar erst nachträglich als „Heros epónymos“ (Namengeber) der Ssâbier erdachte Persönlichkeit[2843].

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Nur ganz kurz sei an dieser Stelle der oben erwähnten +Mandäer+ gedacht, aramäischer Stämme, die im mesopotamischen Delta (im Irak) wohnten[2844] und anscheinend mancherlei Gemeinsames mit den Manichäern besaßen, über die erst in neuester Zeit die Funde zu Turfan im chinesischen Turkestan helleres, doch bei weitem noch nicht ausreichendes Licht verbreiteten.

Die Religion der Mandäer ist eine Mischbildung, die, soweit ihre erst im 3. bis 6. Jahrhundert abgefaßten „heiligen Schriften“ ein Urteil gestatten, aus ursprünglich rein heidnischen und verhältnismäßig einfachen Grundlagen unter dem Einflusse babylonischer, chaldäischer, persischer und gnostischer Anschauungen entstand[2845]. Die Welt ist ihr eine Mischung von Gutem und Bösem, Licht und Finsternis, hervorgebracht durch eine androgyne Urgottheit, und zwar nicht miterzeugt, aber mitbeherrscht von den halbbösen und bösen 7 Planeten-Dämonen[2846]. Bei der Weltschöpfung entstand ein Festland mit 7 Ringmauern, durch die das feindselige böse Wesen Ur von der Oberwelt so abgeschlossen ist, daß auf seinem Leibe die Erde ruht, in Gestalt 7 flacher Schichten aus (7) Metallen, „Ambosse“ genannt[2847]. Ferner bildeten sich aus der Urmasse, der „Mutter der Welt“[2848], unter Einwirkung des „Wassers des Lebens“[2849] die 7 Planeten, die als „7 Leuchten der Welt“ auf Wagen fahren und ~Samos~ (Sonne), ~Libat~ (~Dilbat~, ~Venus~), ~Sin~ (Mond), ~Kiwan~ (~Saturn~), ~Bel~ (~Jupiter~), ~Niragh~ (~Mars~) und ~Enbu~ (~Nebu~, ~Merkur~) heißen, aber auch vielerlei andere, zum Teil babylonische Namen führen[2850]. Die 7 Planeten regieren die 7 Weltperioden oder Weltreiche[2851], sie lenken durch ihre Bewegungen alle Vorgänge auf Erden[2852] und bestimmen namentlich, getreu den Aufzeichnungen des „weisen Schreibers ~Nebu~ im Buche der Schicksale“, die Erlebnisse der Menschen[2853]. Den zur Erde hinabsteigenden Seelen erteilen sie ihre Laster und stürzen sie dadurch in endloses Unglück; aus diesem befreit die Würdigen (= Gläubigen) die gute erlösende Gottheit und führt sie nach dem Ende des Lebens zu ihrem Sitze in den obersten Himmel zurück[2854].

Nach ~Reitzenstein~ ist es bemerkenswert, daß, wie manche mandäische Namen (z. B. ~Abatur~ für ~Hermes~)[2855], so auch vielerlei Lehren und Anschauungen der Mandäer sichtlich iranischen Ursprung oder doch iranische Gestaltung aufweisen[2856]; zu diesen zählen die vom Aufstieg der Seele[2857], vom großen Drachen (der babylonischen Tiamat)[2858], sowie vom Feuer und Wasser, den beiden enge mit der dualistischen Theorie zusammenhängenden Grundstoffen[2859]. Ursprünglich ist das Feuer der gute und männliche, das Wasser der schlechte und weibliche; bei den Mandäern wird diese Einteilung aber in ihr Gegenteil verkehrt und bleibt so auch bei einigen christlich-gnostischen Sekten bis in das 2. Jahrhundert hinein bestehen[2860], während andere, unter Einmischung der griechischen Lehre von den vier Elementen, Feuer und Luft als ψυχικὰ στοιχεῖα (seelische Elemente) ansehen, Wasser und Erde aber als σοματικὰ στοιχεῖα (körperliche Elemente)[2861]. Die nämlichen iranischen Einflüsse machen sich zugleich mit jenen der griechischen Philosophie[2862] auch schon frühzeitig in der hermetischen Litteratur bemerkbar[2863], und ebenso zusammen mit jenen der phrygischen Götterlehre in den gnostischen Offenbarungs-Schriften[2864]: es entstammen ihnen u. a. der zweigeschlechtliche Urmensch, die Göttin ~Psyche~, die in die Materie herabsinkt und wieder in den Himmel heimkehrt[2865], sowie verschiedene kosmogonische Züge, die vermutlich auf dem Wege über die in großem Ansehen stehende Tradition, insbesondere die volkstümlich-hellenistische, Eingang fanden[2866]. Den iranischen Mythen, deren religiöse Nachwirkung überhaupt außerordentlich hoch einzuschätzen ist[2867], entnahm vieles höchst Bedeutsame auch ~Mani~ (216-276), der Begründer des Manichäismus, der die christliche und die persische Religion miteinander zu verschmelzen suchte[2868]; auch er schöpfte indessen nicht unmittelbar aus orientalischen Quellen, sondern aus älteren griechischen, in frühhellenistischer Zeit entstandenen Vorlagen, von denen sich Überreste in den Zauberpapyri erhalten haben[2869]. Aus allen den genannten Litteraturkreisen hinwiederum gingen iranische Lehren zu den Ssâbiern über[2870], ferner zu den früharabischen „Treuen Brüdern“ (s. unten)[2871], sowie auch zu den eigentlichen arabischen Hermetikern, die indes bisher nur sehr unzureichend erforscht sind[2872].

Dritter Abschnitt.

Chemie und Alchemie.

1. Die Technik in Ägypten.

Schon die ersten neuzeitlichen Autoren, die sich nach Wiederauffindung der alchemistischen Schriften näher mit deren Inhalte beschäftigten, erkannten in zutreffender Weise als Grund der Erscheinung, daß gerade Ägypten zur Stätte alchemistischer Entwicklung geworden sei, die Tatsache, daß sich in diesem Lande seit altersher die Gewinnung und Verarbeitung der Edelmetalle, sowie die Herstellung von Glasflüssen, gefärbten Stoffen, Heilmitteln, Räucherwerken usf. eifriger und erfolgreicher Pflege erfreuten.

Betreff der letztgenannten Gegenstände reichen begreiflicherweise weder Funde noch schriftliche oder bildliche Überlieferungen bis in die früheste Epoche zurück. Was hingegen +Glas+ anbelangt, so wissen wir, daß schon zur Zeit der ~Horus~-Verehrer (um 3500 v. Chr.) Perlen aus Kalk-Natron-Glas, und zu jener der Thiniten-Dynastie (3315-2895) hellblaue Glasstücke als Schmuck dienten[2873], daß man um Beginn des 3. Jahrtausends allerlei farbige Glasflüsse, bunt glasierte Ziegel und polychrome Kacheln anfertigte[2874], und daß schon vor 2000 jene prächtige blaue Glasur der Tonwaren bekannt war[2875], deren Bereitung nach Ansicht einiger Forscher zur Erzeugung der eigentlichen Glasgeräte führte, die man ursprünglich nur dunkel (meist grün) und undurchsichtig, im 15. Jahrhundert aber auch schon weiß und durchsichtig herzustellen verstand[2876]. Eine Vase aus der Zeit der 4. Dynastie (etwa um 2800) fand ~Berthelot~ noch aus einer bloßen Fritte von Quarzsand, Kochsalz und Bleiglätte bestehend[2877]; um 2000 war aber bereits richtiges Glas vorhanden. Einen unter der Regierung ~Amenemhets~ (um 1830) angefertigten und seinen Namen zeigenden Glaswürfel, aus einem Bündel verschiedenfarbiger Glasstäbe bestehend, bewahrt das Berliner ägyptologische Museum, und ebenda sind auch schöne und große Glasperlen zu sehen, die die Gemahlin ~Thutmosis~ III. (um 1475) schmückten. Dem nämlichen Herrscher sandte auch der König von Assur „echten“ Blaustein oder Chesbet (Lasurstein)[2878], der neben Grünstein oder Mafek (Malachit), -- die diesen hervorbringende Sinaihalbinsel heißt ebenfalls Mafek[2879], -- der älteste in Ägypten übliche Schmuckstein war[2880]. Aber schon um 2500 ist in einer Inschrift[2881], um 2000 im Papyrus ~Westcar~[2882], und in derselben Zeit und um 1700 in ägyptischen Märchen[2883] von solchem „echten“ Blaustein die Rede, offenbar im Gegensatze zum „unechten“: dieser ist, neben dem aus ägyptischem und cyprischem Bergblau oder Kupferlasur bestehenden[2884], der „in Ziegel gegossene“, κύανος χυτός (gegossener Blaustein), von dem noch ~Theophrast~ berichtet, „die Kunst seiner Herstellung sei zur Zeit gewisser ägyptischer Könige erfunden worden“[2885]. Teile solchen blauen Glasflusses sind neben anderen farbigen Glasstücken aus Gräbern der mykenischen Periode und ferner als Einlagen eines Alabasterfrieses aus den Trümmern von Tiryns (um oder vor 1500) zutage gekommen[2886]; auch der blaue Wandschmuck (κύανος), mit dem ~Homer~ den Palast des ~Alkinoos~ ausstattet[2887], war sicherlich nichts anderes als derartiger „unechter“ Blaustein.

Die Kunst, eigentliche Glaswaren zu gießen, sowie die, Glas zu blasen, die man bis vor kurzem, infolge unrichtiger Deutung einiger Wandzeichnungen, bis in das zweite Jahrtausend zurückverlegte, haben jedoch keinen Anspruch auf ein so hohes Alter; sie stammen zwar ebenfalls aus Ägypten, kamen jedoch erst gegen Beginn unserer Zeitrechnung in Gebrauch[2888]. Auch buntes durchscheinendes Glas herzustellen, verstand man wohl kaum vor dem 7. Jahrhundert[2889].

Hinsichtlich der +Edelmetalle+ ist zu erwähnen, daß das älteste Ägypten und auch seine unmittelbaren Nachbarstriche arm an reinem Silber waren, das daher bis gegen Beginn des neuen Reiches (um 1500) äußerst kostbar und meist höher geschätzt als Gold blieb[2890], während dieses, und zwar sowohl durch bergmännische, wie durch Wascharbeit gewonnenes „Berggold“ und „Wassergold“, schon sehr frühzeitig in verhältnismäßig großer Menge zur Verfügung stand und den Gegenstand eines ausschließlich königlichen Monopoles bildete. Muttergestein des nordostafrikanischen Goldes sind die Quarzgänge der krystallinischen Schiefer, die im eigentlichen (oberen) Ägypten, etwa von Koptos (Kuft) bis Assuan, zwischen Nil und Rotem Meer auftreten, in weit umfangreicherem Maße aber etwas südlicher, in der schon zum Goldlande Nubien (nub = Gold) gehörigen Landschaft Kusch, und zwar hauptsächlich im Wadi ʿOllâki, einem Tale, das sich gegen das Rote Meer zu erstreckt, außerdem aber auch in anderen Gegenden der äthiopischen (= nubischen und abessinischen) Ländereien[2891]. Das Gold dieser Lagerstätten, die zum Teil vor kurzem wieder aufgedeckt wurden[2892], findet sich unter dem Namen Wasser- oder Flußgold, Berggold, Gold von Kusch, Gold von Edfu, Ombo, Kuft (d. s. Orte, an denen die Wüstenstraßen den Nil erreichen), nubisches Gold usf., schon in Inschriften des 3. Jahrtausends als etwas längst Wohlbekanntes erwähnt[2893]. Das „Flußgold“, dessen glänzende schwere Flitter und Körner wie in den verschiedensten Ländern der Erde so auch in Ägypten naturgemäß die Aufmerksamkeit der Bewohner zuerst auf sich zogen, gewann man aus dem Sande (ἄμμος: ψάμμος χρυσίτης = goldführender Sand) durch Waschen, Schlämmen und Auffangen der feinsten Teilchen in Fellen oder Tüchern[2894], und das älteste hieroglyphische Zeichen für Gold stellt ein derartiges, zwecks Abpressen des Wassers zusammengewundenes Seihetuch dar. Über die bergmännischen Verfahren besitzen wir erst aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. einen Bericht des ~Agatharchides~, und auch diesen nur in den bei ~Diodor~ (um 40 v. Chr.)[2895] und bei ~Photios~ (10. Jahrhundert n. Chr.) erhaltenen Auszügen mit ihren in lebhaften Farben gehaltenen Schilderungen der entsetzlichen Leiden und Qualen der (meist auf Lebenszeit) zur Bergwerksarbeit Befohlenen und Verurteilten. Schon in der ältesten Zeit, zu der man sich, den gemachten Funden nach, noch allein steinerner oder kupferner Werkzeuge bediente, ließen indessen die „königlichen Beamten und Fronvögte der Goldbergwerke in der Wüste“, von denen die Inschriften sprechen[2896], die Arbeiten in wesentlich derselben Weise betreiben wie ihre späten, im Dienste der Ptolemäer stehenden Nachfolger[2897]: man legte Stollen in der Richtung der Quarzgänge an, machte das Gestein durch Feuer mürbe, brachte die groben Stücke heraus ans Tageslicht und zerstampfte sie in steinernen, dem Felsmassiv abgewonnenen Gruben („Mörsern“) mit steinernen oder metallenen Stößeln bis zur Erbsengröße; diese kleineren Brocken zerrieb man in Handmühlen, rührte das feine Mehl mit Wasser an und sonderte aus dem so gewonnenen Schlick das Gold durch sorgfältiges Schlämmen ab. Schließlich schmolz man es zusammen, -- wozu man die Öfen schon zur Zeit des alten Reiches (2895-2540) mit Rohren anblies, zu der des neuen (1580-1100) aber mit Blasbälgen, auch mit doppeltwirkenden[2898] --, goß es in Ziegel, Platten, Stangen oder Ringe und wog es in dieser Form (während für Waschgold das Füllen in Beutel von gewissem Inhalte gebräuchlich blieb)[2899]. Das auf solchem Wege hergestellte Metall erreichte selten einen Gehalt von mehr als etwa 92% Gold[2900], war zuweilen von etwas Platin begleitet[2901] und enthielt stets erhebliche Mengen Silber, von dem schon einige Prozente genügen, um jenen weißlichen Schimmer des „Elektrons“ hervorzubringen, der so zahlreichen Funden aus älterer Zeit eigen ist[2902]. Die Inschriften erwähnen vom 3. bis in das 1. Jahrtausend herab gewöhnliches, feines und gutes Gold, Gold „von zweimal“ und „von dreimal“ (wiederholt umgearbeitetes?), Gold von der Wage, Silber-Gold, Weißgold, sowie Ismu oder Asemu (= Elektron)[2903]. Die seitens mancher Forscher angenommene Identität von Weißgold und Elektron bleibt fraglich, da manche Inschriften beide nebeneinander nennen[2904], so wie auch der „Papyrus ~Harris~“ (13. Jahrhundert) von „⅔-Gold, feinem Gold und Weißgold“ spricht[2905], und ein Brief aus dem Ende des 12. Jahrhunderts von „Gold, feinem Gold und Silbergold“[2906]. Endlich ist, außer von „⅔-Gold“, auch von „Kupfer mit der Farbe von ⅓-Gold“ die Rede[2907]. Die erwähnte wiederholte Umarbeitung geschah vermutlich durch Umschmelzen des Goldes, für sich oder mit irgendwelchen Zusätzen; eine durchgreifende Reinigung durch eine Art Kuppelation, die Gold von 99,7-99,8% lieferte, wird aber erst nach Beginn der persischen Eroberung (6. Jahrhundert) nachweisbar und dürfte aus Lydien stammen, wo sie zur Zeit der in diesem Lande zuerst ausgeübten Münzprägung, im 7. Jahrhundert, erfunden worden zu sein scheint[2908]. Nach ~Agatharchides~ brachten die Schmelzer (ἑψηταί) zu diesem Zwecke gewisse abgewogene Mengen Gold, Kochsalz, Blei, Zinn (κασσίτερος, Kassíteros) und Gersten-Kleie oder -Spreu in Tontiegel, legten die Deckel auf, verstrichen sie sorgfältig mit Lehm und setzten die Gefäße hierauf fünf Tage lang dem Feuer der (nicht näher beschriebenen) Schmelzöfen aus, worauf dann das Gold fast mit seinem ursprünglichen Gewichte, aber nun völlig rein, zurückblieb [offenbar indem das Silber in Chlorsilber übergeführt und samt der Schlacke von den porösen Tiegelwänden aufgesaugt wurde][2909].

Diese Gewinnung des Goldes in den Wäschen und Bergwerken, die in wechselnder Ausdehnung und mit wechselndem Erfolge die ptolemäische, römische, byzantinische und arabische Herrschaft überdauerte[2910] und angeblich erst nach der türkischen Eroberung Ägyptens völlig zum Stillstande kam, verschaffte dem Lande den Ruf außerordentlichen und im Laufe der Zeiten durch das Gerücht immer übertriebener geschilderten Reichtums. Die Ufer des Nils sollten bedeckt sein vom ψάμμος χρυσίτης, dem goldführenden Sande, dessen edles Erz man nur vom gemeinen Sande der unedlen, bei ~Olympiodoros~ (6. Jahrhundert) selbst ψάμμοι geheißenen Metalle zu trennen brauchte, und noch der byzantinische Gelehrte und Schriftsteller ~Psellos~ (1018-1078) kündet das Lob dieses hochberühmten „Chrysites der Ufer“, der „arena litoralis“ (des Ufersandes)[2911]. Nach dem Araber ~Alhabib~ (8. Jahrhundert?) gewannen die alten Ägypter unendliche Schätze aus „Sand“[2912], ~Jaʿqubi~ (9. Jahrhundert) preist den unermeßlichen Goldertrag Oberägyptens[2913], und ein Brief des 9. Jahrhunderts aus dem „Papyrus ~Rainer~“ meldet den Abgang einer Goldsendung aus Nubien, „wo das Gold im Sande wächst wie in Arabien die gelben Rüben“[2914]. Bei ~Qalqaschandi~ (gest. 1418), der eine „Geschichte der Geographie und Verwaltung von Ägypten“ seit dem 10. Jahrhundert schrieb, heißt es auf Grund älterer Quellen[2915]: „Ein Berg bei Fustât (= Kairo) führt den Namen Al-Muqattam, nach einigen deshalb, weil auf ihm ein Priester ~Muqattam~ wohnte, der sich mit Alchemie beschäftigte, ... aber der Autor der „Duftenden Gärten“ sagt: wenn man seine Erde sorgfältig behandelt, so wird reines Gold aus ihr gewonnen.“

~Heliodoros~ erwähnt in seinen um 250 n. Chr. verfaßten romanhaften „Äthiopischen Geschichten“, daß in Abessynien die Ameisen Gold graben und zutage bringen[2916]; sein Zeitgenosse ~Aelian~[2917] sowie ~Olympiodoros~ stimmt ihm hierin bei, und auch gewisse der vielleicht gleich alten Quellen des apokryphen „Steinbuches des ~Aristoteles~“ gedenken der goldfördernden Ameisen und bezeichnen den weisen König ~Salomon~ als ihren Herrn[2918]. Vorstellungen dieser Art entstammen Sagenkreisen, die sich schon im alten Griechenland weiter Verbreitung erfreuten. Bereits um 550 v. Chr. vollendete ~Aristeas~ sein von orphischen Vorstellungen beeinflußtes Gedicht „Arimaspeia“[2919], dem zufolge die Völkerschaften der einäugigen Arimaspen das Gold unter schrecklichen Gefahren den es behütenden wilden Greifen rauben[2920], die er in den äußersten Norden, ~Aischylos~ aber in den äußersten Osten versetzt; neben diesen Greifen kennt „goldgrabende Ameisen Indiens, ... kleiner als Hunde, aber größer als Füchse“ schon ~Herodot~[2921]. ~Ktesias~ scheint dann die eingeschnürten, sehnig-mageren Leiber der geflügelten Greifen mit denen der Ameisen zusammengeworfen zu haben[2922], und schließlich gestalteten jüngere Berichte diese Überlieferungen noch weiter aus[2923]. Was ihren tatsächlichen Untergrund betrifft, so hält ~Humboldt~ die Arimaspen für Bewohner der Abhänge des goldreichen Altai, die „Ameisen“ erklärt er aber, auf Beobachtungen des Reisenden ~Vigne~ hin, für die Murmeltiere Tibets, die dort auch heute noch den goldhaltigen Sand der Gebirge aufzuwühlen pflegen[2924]; dieser Deutung der Herkunft des Ameisengoldes aus Tibet, -- dessen Landschaft Dardistan schon zur Zeit des Königs ~Darius~ jenes Gold lieferte, das (laut ~Herodots~ Erwähnung) die nordwestlichen Inder dem Herrscher als Tribut darbrachten --, stimmten auch viele andere Gelehrte zu[2925], doch ist zu erwähnen, daß einheimische indische Quellen die Sage ebenfalls anführen und hierbei wirklich von Ameisen (pripîlika) sprechen[2926]. Da solche aber bei den Indern häufig als Dämonen angesehen und verehrt wurden[2927], während man wieder im mittleren und nördlichen Asien den das Gold (und andere Metalle) Fördernden und Bearbeitenden nicht selten dämonische Eigenschaften zuschrieb, so ist die eigentümliche Vorstellung vielleicht durch Verbindung dieser beiden Anschauungen zustande gekommen[2928].

Die Verarbeitung der Edelmetalle zu Kunstgegenständen und Schmuck, das Abwägen, das Schmelzen in Tiegeln, die Herstellung von Hals- und Armbändern usf. waren in Ägypten schon im 4. Jahrtausend wohlbekannt und hatten, wie Abbildungen und einzelne Funde zeigen, bereits damals eine erstaunliche Stufe technischer und künstlerischer Vollkommenheit erreicht[2929]. In Vollguß verfertigte man jedoch in dieser und auch noch in der nächstfolgenden Zeit nur kleinere Gegenstände, -- so z. B. sind noch an der berühmten Statue des Königs ~Pepi~ I. (um 2500) Brust, Arme, Beine usf. aus einzelnen Platten hergestellt, die man nachträglich durch Nieten verband[2930] --, und erst gegen 2000 begann man ihn auch auf größere Stücke auszudehnen[2931]. Getriebene, gepreßte und eingelegte Arbeiten waren noch selten, während man sich auf Hohlguß und auf Vergoldung mit Platten und Plättchen um 2000 schon gut, auf Goldschlägerei und Vergoldung mit feinstem Blattgolde aber bereits um 2500 vortrefflich verstand[2932].