Durch Massailand zur Nilquelle

Part 32

Chapter 323,028 wordsPublic domain

Das Gestein von Ormuti ist häufig von Quarzadern durchtrümmert, die makroskopisch ein faserquarzähnliches Aussehen besitzen, da zahlreiche, schwach grünliche Hornblendenädelchen senkrecht zu den Salbandflächen in der stengeligen Quarzmasse eingewachsen sind. Dagegen sind in dem Diabas vom Grumeti-Bach häufig stecknadelkopfgrosse, rundliche Anhäufungen von Chlorit zu beobachten, die, von der Gesteinsmasse meist durch eine schmale Zone von körnigem Epidot getrennt, gleichfalls secretionäre Hohlraumausfüllungen darstellen.

Durch deutlichen krystallinischen Habitus und die etwas andere Art der Zersetzung unterscheidet sich von den beiden eben geschilderten Gesteinen der =Uralitdiabas= vom

»=Msayubach=, 28. Juni 1892, Str. NW.-SO., F. NO. 30 undeutlich.«

Im Dünnschliff erweist er sich als ein entschieden grobkörnigeres Gemenge von Plagioklas und Augit, in dem der reichliche Gehalt an grossen Apatitnadeln auffällt. Die Plagioklase sind fast vollständig in schuppige Aggregate von glimmer- und kaolinartigen Substanzen, sowie Calcit verwandelt, aus dem augitischen Gemengtheil ist hier vorzugsweise eine feinfaserige bläulich-grüne Hornblende -- Uralit -- hervorgegangen, die unter Verwischung der ursprünglichen Augitumrisse sich vielfach auch in die kaolinisirten Feldspathe eingedrängt hat. Wie sonst erscheinen auch hier Chlorit und Epidot, letzterer namentlich auf kleinen Adern als Neubildungen; auch der nicht seltene Quarz macht entschieden den Eindruck eines secundären Productes. Accessorisch ist neben den erwähnten Apatiten noch Titaneisen in ziemlich grossen Täfelchen vorhanden, von denen, in Folge der, den Blätterdurchgängen folgenden allmählichen Umwandlung in weisse körnige Titanitsubstanz, mehrfach nur skelettartige Reste übrig geblieben sind.

Die Familie der =Diabasmandelsteine= ist durch zwei Vorkommen aus Uha vertreten, nämlich von

1. »=Uschingo=, =Uha=, 13. Okt. 1892, 10^h 31 a. m.«,

und

2. »=Uha=, 14. Okt. 1892, 8^h 31 a. m.«

Es sind das äusserlich einander sehr ähnliche, feinkörnige, grünlich-braune Gesteine, von denen das zweite laut einer Notiz auf der Etikette »schalige Struktur« besitzt, die sich allerdings an dem sehr kleinen, zur Untersuchung vorliegenden Splitter nicht erkennen lässt. Im mikroskopischen Bilde macht sich die Neigung zu porphyrartiger Struktur durch grössere Ausbildung einzelner Feldspathe bemerkbar; die Umwandlung des Augits hat in dem letzteren Gestein vornehmlich Chlorit, der sich pigmentartig in der ganzen Gesteinsmasse vertheilt hat, und erdige Eisenoxydhydrate geliefert, während in dem Uschingo-Gestein andererseits wieder Epidot vorherrscht. Wo sich hier Reste von Augit erkennen lassen, zeigt dieses Mineral die lichtgrüne Farbe des Salits, und es scheint daher, mit Rücksicht auf die analogen Verhältnisse in den oben geschilderten leukophyrähnlichen Diabasen, als ob die eisenarmen bezw. eisenfreien, kalkhaltigen Diabasaugite mehr zur Umwandlung in Epidot neigten, während die eisenreicheren -- wie es sich eigentlich auch erwarten lässt -- sich lieber in Chlorit und Hornblende umbilden. Der Verwitterungsgrad ist bei beiden Gesteinen ein sehr hoher, denn auch die Feldspathe sind fast gänzlich kaolinisirt; die Hohlraumausfüllungen bestehen aus Quarz, Epidot und Chlorit, wobei der erstere in der Regel unmittelbar über der Gesteinsmasse dünne Krusten bildet, die radialfaserige, polyedrisch begrenzte Chloritaggregate umschliessen. Magnetitkörnchen, häufig zu kreuzförmigen, skelettartigen Gebilden aneinander gereiht, sind sehr reichlich in dem Diabasmandelstein Nr. 2 vorhanden und liegen hier meist in einer trüben, schmutzig-braunen, gekörnelten Masse, die ganz den Eindruck einer veränderten Glasbasis macht; in dem Gestein von Uschingo dagegen ist Magneteisen spärlicher, um so häufiger dafür Titaneisen in den charakteristischen rhomboedrischen Blättchen und, wie zerhackt aussehenden, unregelmässigen Gestalten.

=Gabbro's=, also Plagioklasgesteine, in denen der gewöhnliche Augit durch Diallag vertreten wird, wurden gesammelt in

1. »=Meatu=, Bach 10^h 44 a. m., 19. Juni 1892«,

2. am »=Abfall zur Wemberesteppe=, 12. Dezember 1892«,

3. »=Kakono-Bach=, =Ussui=, 25. August 1892, 10^h 25 a. m.« und

4. »=Ussure=, 15. Dezember 1892«.

Als ein typisches Glied dieser Familie stellt sich durch den metallischen Glanz seines Diallags das granitisch-mittelkörnige Gestein von Meatu unverkennbar schon im Handstücke dar, obwohl es den relativ höchsten Grad der Verwitterung von allen Vorkommen aufweist. Seine Feldspathe sind mattweiss, getrübt durch die Ausscheidung von Kaolinschüppchen und Epidotkörnchen, so dass die polysynthetische Zwillingsstreifung nur selten noch hindurchschimmert und eine Bestimmung der Auslöschungsschiefer und somit auch der chemischen Natur auf optischem Wege nicht thunlich erscheint. Die Diallage sind grossentheils in bläulich-grüne schilfige Hornblende mit starkem Pleochroismus oder auch in feinschuppige, chloritische Massen verwandelt; wo sie sich erhielten, zeigen sie eine schwach bräunlich-rothe Farbe und im Querschnitt neben der gewöhnlichen, sehr vollkommenen Spaltbarkeit nach dem Prisma auch jene charakteristische feine Liniirung parallel den Pinakoiden, insbesondere dem Orthopinakoid, durch welche sich die nach diesen Flächen orientirte Schaligkeit im Bau kundgiebt. Die formale Ausbildung ist verhältnissmässig eine gute; die automorphen Diallagindividuen sind meistens ringsum von Feldspathsubstanz umgeben, wodurch das quantitative Zurücktreten des Diallags gegenüber dem Plagioklas zum Ausdruck kommt. Mit scharfkantigen Apatitprismen, auf deren zahlreichen Querrissen ebenfalls secundäre Hornblende und Chlorit eingewandert erscheinen, treten accessorisch grössere Titaneisentafeln auf, die infolge der schon früher erwähnten partiellen Umwandlung im Titanit ein ganz zerfressenes Aussehen besitzen; auch Eisenkies ist in geringer Menge eingesprengt vorhanden.

Durch bedeutend feineres Korn und durch reichlicheren Gehalt an Diallag unterscheiden sich die Gabbros vom Abfall zur Wemberesteppe und vom Kakonobach von dem eben geschilderten Gestein, auch ist die Verwitterung bei ihnen eine weit geringere; sie beschränkt sich bei den schwach gefärbten Diallagindividuen gewöhnlich auf eine durch Faserung erzeugte Trübung und ist selten bis zur deutlichen Ausbildung von grünlichen Hornblende- und Chloritaggregaten vorgeschritten; die Feldspathe sind in dem ersteren Gestein sogar meist noch frisch und klar, was bei ihrer basischen Natur -- Auslöschungsschiefe und Aetzbarkeit deuten auf Labrador -- etwas auffällig erscheinen mag. In dem Gabbro vom Kakonobach hingegen erweisen sich die aus Feldspath bestehenden Gesteinspartien allerdings mehr alterirt und die vielfach zu beobachtende, mikropegmatetische Verwachsung kleiner, aber wasserklarer Feldspathe mit Quarz erregt den Eindruck, als ob nach der Zersetzung von grösseren Plagioklasindividuen eine mit Ausscheidung von Quarz verbundene Regeneration des Feldspaths stattgefunden hätte. Infolge des Gehaltes an Biotit, der in ziemlich zahlreichen lichtbraunen Blättchen in der Gesteinsmasse vertheilt erscheint, zeigt dieser Gabbro eine bemerkenswerthe Aehnlichkeit mit mehreren Vorkommen aus dem Radauthale im Harz; von Erzen enthält er nur vereinzelte Titaneisentäfelchen, während jener vom Westrand der Wemberesteppe wiederum lediglich Magnetit und Pyrit als Accessorien birgt.

Als einziger =olivinführender Gabbro= stellt sich das Gestein von Ussure dar, welches gleichfalls aus dem Gebiet der Wemberesteppe, aber von deren Ostrande stammt. Der Olivin erscheint in den Dünnschliffen desselben in Form von rundlichen, farblosen Körnern, welche die für dieses Mineral charakteristische rauhe Oberfläche und starke Lichtbrechung, hohe Polarisationsfarben und -- wo sich Krystallformen erkennen lassen -- gerade Auslöschung besitzen und deren Ränder durch körnige Magnetitausscheidungen meist bis zur Undurchsichtigkeit dunkel gefärbt sind, so dass die kleineren Individuen auf den ersten Blick hin leicht mit Anhäufungen von Magneteisen zu verwechseln sind. Im Uebrigen ist dieser Gabbro etwas grobkörniger als die beiden zuletzt geschilderten, jedoch quarzfrei und etwas stärker zersetzt, so dass die Diallage wieder eine intensivere Umbildung in grünliche Hornblende aufweisen.

* * * * *

Von den sogenannten

•Jüngeren Eruptivgesteinen•

finden sich in Dr. Baumann's Sammlung Glieder sowohl der sauren, als der basischen Reihe. Doch wiegen die =Basalte= vor den =Trachyten= etwas vor, während echte Andesite überhaupt fehlen.

Von den Trachyten erregt zunächst durch sein rhyolithartiges Aussehen die Aufmerksamkeit ein =Sodalith-Trachyt= von der

»2. Stufe am =Plateauabfall nördlich vom Eyassi-See=, 25. März 1892,«

der im Handstücke ein lichtgraues, porphyrisches Gestein darstellt, in dessen glasig-cavernöser Grundmasse mit der Lupe schalig gebaute Sanidine, gelbliche Sodalithe, die man im Hinblick auf ihre hexagonalen Umrisse und ihren Fettglanz auf den muschelig-splittrigen Bruchflächen zuerst für Quarze zu halten geneigt ist, und schwärzlichgrüne Pyroxene zu erkennen sind. Die Betrachtung des Dünnschliffs bestätigt die vorwiegend hyaline Natur der Basis, die, an sich der Hauptsache nach farblos, meistens trübe und undurchsichtig, geradezu bimsteinartig erscheint durch massenhafte, schlauchartig in die Länge gezogene Poren und ferner durch schmutzig gelbliche, eine deutliche Fluidalstruktur bedingende Schlieren, die in Folge ihrer bald mehr globulitischen, bald mehr mikrolithischen Entglasung schwache Doppelbrechung im polarisirten Lichte bewirken; stellenweise bergen sie reichlich kleine Glaseier; wo die krystallinischen Entglasungsprodukte grössere Dimensionen erreichen, erweisen sie sich als zum Theil dem Feldspath, zum Theil dem Pyroxen angehörig. Die Einsprenglinge bestehen der Mehrzahl nach aus Sanidin von meist guter krystallographischer Ausbildung und im Allgemeinen klarer Beschaffenheit. Den ausgezeichnet schaligen Bau, den makroskopisch die ausgewitterten Individuen erkennen lassen, verräth im Präparate der mehrfache Wechsel wasserklarer, einschlussfreier Zonen mit solchen, welche durch massenhafte Glaspartikelchen verunreinigt oder durch Hohlräume zellig erscheinen; auch in den klaren Partien treten übrigens hin und wieder, parallel zu den Flächen der Basis oder des Klinopinakoids, Interpositionen von grünen Augitprismen und namentlich röthlichen Titanitkryställchen auf, letztere gewöhnlich in modellmässig scharfer Ausbildung von der Form (123) (011). Zwillingsbildung nach dem Karlsbader Gesetz ist häufig, solche nach dem Barvenoer Gesetz seltener; dagegen ist eine Gitterung oder polysynthetische Streifung wie auch optische Verhältnisse, welche auf Anorthoklas oder Plagioklas schliessen liessen, nirgends zu beobachten. Nächst dem Feldspath spielt der Augit unter den Einsprenglingen die bedeutendste Rolle. In krystallographischer Beziehung fast noch besser als jener, und zwar in den gewöhnlichen Formen (100) (110) (010) (111), die zuweilen Zwillingsbildung nach dem Orthopinakoid aufweisen, ausgebildet, zeigt er bei einer durchschnittlich sattgrünen Grundfarbe einen sehr beträchtlichen Pleochroismus. Der krystallographischen Verticalaxe zunächst liegt die Axe der grössten Elasticität •a•, für welche die Farbe gelbgrün ist; für •b• ergab die Beobachtung ein tiefes Grün während •c• grünlich braun befunden wurde. Die Auslöschungsschiefe (•a• : •c•) liess sich auf den wenigen, hierzu geeigneten klinopinakoidalen Schnitten auf 16-20° bestimmen, woraus im Zusammenhalt mit den übrigen Eigenschaften zu folgern ist, dass hier ein dem Aegirin nahestehender, eisenreicher Augit vorliegt, eine Annahme, welche durch die, an den meisten Individuen zu beobachtende, randliche Ausscheidung von Eisenoxyden eine weitere Begründung erhält. Auch der Sodalith tritt in relativ reichlicher Menge auf und zeigt gleich den übrigen Einsprenglingen scharfe krystallographische Umrisse, dem Rhombendodekaeder entsprechend; auf Zwillingsbildung deuten die an einigen Individuen vorhandenen einspringenden Winkel. Abgesehen von der Isotropie ist die Spaltbarkeit bald mehr, bald weniger gut, aber doch immer in einem Grade zu beobachten, der die Verwechslung der im Ganzen recht klaren sechsseitigen Durchschnitte mit solchen von Quarz ausschliesst; parallel zu den Conturen gelagert sind, namentlich in den äusseren Zonen, stäbchenförmige oder cubische Interpositionen von farblosem Glas häufig, seltener die grünen Augitprismen, wie sie auch in den Sanidinen auftreten; trübe gelbliche Massen, die zuweilen eine feine Faserung und geringe Doppelbrechung zu erkennen geben, durchziehen, den Spaltrissen entlang, die Sodalithsubstanz und sind wohl als zeolithische Umwandlungsproducte derselben anzusehen. Als accessorischer Bestandtheil der Grundmasse ist nur Titanit zu erwähnen; die zahlreichen Hohlräume derselben, welche das poröse Aussehen des Gesteins erzeugen, sind häufig mit dünnen Hyalithkrusten ausgekleidet, in denen schwach doppelbrechende Tridymitblättchen in unbedeutender Menge eingewachsen sind.

Der einzige vorliegende =Quarztrachyt= (Rhyolith) stammt von

»=Ngorongoro=, östlicher Kesselrand, 18. März 1892.«

Er ist ein hellgraues, porphyrisches Gestein, in dem sich spärlich Einsprenglinge von Quarz, Feldspath und einem schwarzen Bisilicat als primäre, ockrige Krusten von Eisenoxyden mit eingewachsenen Tridymitblättchen als secundäre Bestandtheile wahrnehmen lassen. Die Betrachtung des Dünnschliffs zwischen gekreuzten Nicols lehrt weiterhin, dass die äusserst feinkörnige Grundmasse ebenfalls hauptsächlich aus Quarz und Sanidin besteht, die in inniger gegenseitiger Verwachsung mit gewöhnlich sehr verschwommenen Umrissen aus einem farblosen Glasschleier hervorschimmern, der selbst wieder durch massenhafte blättrige, stengelige oder körnige Entglasungsproducte von nicht näher bestimmbarer Natur zu einer weisslich grauen trüben Masse devitrificirt ist. Dazu gesellen sich zum Theil prismatische, zum Theil blättrige Fetzen einer blaugrünen, sehr stark pleochroitischen Hornblende, die, nur selten Einsprenglingsgrösse erreichend, vielfach zu Krystallaggregaten verwachsen bis zu den kleinsten Dimensionen noch erkennbarer Grundmassenbestandtheile herab in der Grundmasse reichlich vertheilt sind. In Folge der, wie es scheint, vorwaltend nach dem Klinopinakoid tafelförmigen Ausbildung sind deutliche Querschnitte, die zur Bestimmung der Axenfarbe parallel zur Orthodiagonale brauchbar wären, leider nicht zu beobachten. Die Absorption ist am stärksten im Sinne der Verticalaxe und die Farbe für die in dieser Richtung schwingenden Strahlen tief grünlich-blau; ob diese Elasticitätsaxe indessen mit der Verticalaxe _c_ zusammenfällt oder einen Winkel mit derselben bildet, lässt sich bei der tiefen Eigenfarbe und den winzigen Dimensionen der kleineren Individuen einerseits, der subparallelen, und darum eine exacte Beobachtung hindernden Verwachsung der grösseren Krystallaggregate mit Sicherheit nicht bestimmen; jedenfalls ist die Auslöschungsschiefe nur eine sehr geringe und übersteigt nicht den Werth von 5°. Für die senkrecht zur Verticalaxe schwingenden Strahlen ergab die Beobachtung schmutzig grüne bis gelbliche Töne. In der Voraussetzung, dass, wie bei der normalen Hornblende, •c• (tief blau) ungefähr = _c_ ist, während die gelbliche Farbe der Elasticitätsaxe •a• entspricht, haben wir es also hier mit dem nämlichen arfvedsonitartigen Amphibolmineral zu thun, welches Mügge ebenfalls in Lipariten aus dem Massailande (aus der Umgebung des Naiwascha-Sees) gefunden und von dem er im IV. Beilage-Band des »N. Jahrb. f. Mineralogie« pag. 585 und 586 eine Beschreibung gegeben hat, der hier nichts Wesentliches hinzugefügt werden kann. Die übrigen, an Zahl und Grösse nicht sehr ansehnlichen, wasserklaren Einsprenglinge gehören Sanidin und Quarz an und lassen sich lediglich durch die dem ersteren eigene Spaltbarkeit von einander unterscheiden, da sie beide sowohl guter Krystallumrisse entbehren als auch durch den bemerkenswerthen Mangel an fremden Interpositionen -- nur sehr vereinzelte Hornblendesäulchen und rundliche, mit Gasporen versehene Glaskörnchen finden sich eingeschlossen -- in ihrem Aussehen sehr mit einander übereinstimmen.

Die gleiche blaue Hornblende wie in dem soeben geschilderten Rhyolithe, jedoch in noch viel weniger zur optischen Untersuchung geeigneten Partikelchen und wie zerfressen aussehenden Lamellen erscheint auch in reichlicher Menge in den ebenfalls aus dem vulkanischen Kessel von Ngorongoro stammenden =quarzfreien Trachyten= mit den Etiketten:

1. »=Ngorongoro=, Fuss des Abfalls beim See, 22. März 1892« und

2. »=Ngorongoro=, Westhang, gegen Neirobi, 22. März 1892.«

Die sehr fein krystallisirte Grundmasse dieser beiden sich äusserlich sehr ähnlichen Gesteine besteht, wie die mikroskopische Untersuchung zeigt, zu ⅞ etwa aus klaren im Allgemeinen parallel zu einander gelagerten Sanidinleistchen, zwischen denen eine geringe Menge von globulitischer und stark mit Eisenoxyden pigmentirter Glasbasis eingeklemmt ist. Die spärlichen Einsprenglinge bestehen aus Sanidin; als Uebergemengtheil macht sich hier das in den übrigen Trachyten fehlende Magneteisen bemerkbar.

In dem =biotitführenden Augittrachyt= von den

»=Njogomo-Hügeln=, 27. März 1892«,

haben wir eine ganz ähnliche, sanidinitartige Grundmasse, jedoch unterscheidet sich dieselbe von jener der zuletzt geschilderten Gesteine durch etwas gröberes Korn und namentlich durch die Beimengung eines augitischen Bestandtheils. Dieser Augit tritt in rundlichen, nicht selten mit Magnetit verwachsenen Körnchen von lichtbläulichgrüner Färbung auf, welche beim Mangel irgend welcher krystallographischer Begrenzung und deutlicher Spaltbarkeit leider keinerlei optische Bestimmungen gestatten; der Farbe und dem Habitus der Körnchen nach dürfte jedoch ein gewöhnlicher, vielleicht etwas eisenärmerer Augit, wie er sonst den jüngeren Eruptivgesteinen eigen ist, vorliegen. Mit der bräunlichen Glasbasis und, wie sie in ihren Umrissen ausschliesslich durch die geradlinigen Begrenzungsflächen der Feldspathleistchen bedingt, erscheinen zwischen den letzteren nicht selten braune, stark pleochroitische Blättchen, deren Zugehörigkeit zum Biotit im Hinblick auf die, allerdings erst bei stärkerer Vergrösserung wahrnehmbaren, feinen parallelen Spaltrisse und den, den meisten Magnesiaglimmern im Vertikalschnitt eigenthümlichen bronzeartigen Schiller, nicht zweifelhaft erscheinen kann. Kleine gedrungene Apatitprismen und zahlreiche oktaedrische Magnetitkörnchen bilden die accessorischen Gemengtheile dieser Grundmasse, die eine ausgesprochene Fluidalstruktur besitzt. Wie auch in den übrigen Trachyten bestehen die vereinzelten Einsprenglinge, deren Grösse aber 2 mm nicht überschreitet, zumeist aus Feldspath, hier jedoch einem polysynthetisch verzwillingten Plagioklas, dessen optische Verhältnisse auf Andesin deuten; neben diesen kommen auch wohlausgebildete Augite von etwas dunklerer, mehr ins Röthliche spielenden Färbung vor, als sie den kleinen Augitkörnchen der Grundmasse eigen ist. Sie lassen einen schwachen Pleochroismus wahrnehmen; im Uebrigen besitzen sie keine besonders bemerkenswerthen Eigenschaften und weichen auch in ihrem optischen Verhalten -- die Auslöschungsschiefe auf dem Klinopinakoid beträgt etwa 45-48° -- nicht von dem gemeinen Augit der jüngeren Eruptivgesteine ab. Sehr selten sind endlich kleine Einsprenglinge von braunen Hornblendefragmenten mit breiten opacitischen Rändern; auch die ohne Hornblendekern auftretenden opacitischen Haufwerke dürfen demnach als Resorptionsproducte wohl ohne Weiteres auf ursprünglich vorhandene Amphibole bezogen werden.

Zur Familie der Augittrachyte gehören ferner noch zwei graue, sehr poröse und feinkrystalline Gesteine vom:

1. »=Plateauabfall= nördl. vom =Eyassi-See=, 23. März 1892« und den

2. »=Njogomo-Hügeln=, 27. März 1892«,

welche man mit Rücksicht auf die vereinzelt eingestreuten Olivinkörner und die, durch ein schwärzliches Mineral erzeugte, relativ dunkle Färbung der Grundmasse bei oberflächlicher Betrachtung für Basalte halten könnte. Die nähere Untersuchung ergiebt jedoch, dass die Feldspathe der Grundmasse Sanidine sind und unter den Feldspath-Einsprenglingen gleichfalls die Sanidine vorwalten, sowie ferner, dass jene scheinbar opaken Körper zu einem sehr geringen Bruchtheil dem Magneteisen, zumeist dagegen einem dunkelgefärbten Bisilicat angehören, das nur in sehr dünnen Schnitten mit brauner Farbe durchscheinend wird. Obwohl die formale Ausbildung dieses Minerals eine sehr unvollkommene ist und dasselbe fast durchweg entweder in ganz unregelmässig begrenzten, fetzenartigen Gebilden oder in längsgefaserten, quergegliederten Säulchen, die sehr häufig zu mikrolithischen Dimensionen herabsinken, auftritt, so ist doch bei den letzteren innerhalb der braunen Grundfarbe ein geringer Pleochroismus zwischen röthlichen (parallel zur Vertikalaxe) und gelblichen Tönen (in der Querrichtung) erkennbar; eine Auslöschungsschiefe ist mit Sicherheit jedoch nicht zu beobachten, so dass die Entscheidung, ob hier Hornblende oder ein rhombischer Augit oder gar Akmit vorliegt, ohne weitergehende Untersuchungen nicht möglich erscheint. Verhältnissmässig am nächsten liegt noch, das Mineral als einen durch Verwitterung gefaserten und durch Imprägnation mit Eisenoxydhydraten tief gefärbten Hypersthen zu deuten, auf den auch die erwähnte Mikrostruktur passen würde. Neben diesem mit Sicherheit nicht zu bestimmenden Bisilicat ist noch ein anderes in Form von sehr kleinen, dünnen Blättchen vorhanden, die eine rauchgraue, bald mehr ins Violette, bald mehr ins Bräunliche spielende Farbe besitzen; ihre Umrisse sind zuweilen annähernd hexagonal, gewöhnlich rundlich, in der Regel jedoch vielfach eingebuchtet. Sehr häufig sind sie zu schuppig-blättrigen Aggregaten verwachsen; liegen sie schräg im Schliff, so zeigen sie trotz ihrer Dünne einen deutlich wahrnehmbaren Pleochroismus und eine zarte, die Spaltrisse verrathende Liniirung und bekunden durch diese Eigenschaften ihre Zugehörigkeit zum Glimmer. In geringer Menge ist auch eine farblose Glasbasis zu konstatiren, welche die feinkrystalline Grundmasse wie ein zarter Schleier umhüllt und nur selten in selbstständigen Partien innerhalb derselben auftritt. Die spärlichen Einsprenglinge gehören, was die Feldspathe anbelangt, theilweise dem Sanidin, theilweise natronreichen Plagioklasen an; im Uebrigen erscheinen noch in dieser Form gemeiner bräunlicher Augit, opacitisch umränderte Fragmente von Hornblende und endlich auch Olivin, dessen wohlausgebildete, durch Eisenoxydhydrat goldgelb gefärbte Krystalle, wie erwähnt, schon bei der Betrachtung des Handstücks die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Von Accessorien sind Magneteisen in winzigen Oktaederchen und Apatit in den bekannten gedrungenen Säulchen zu erwähnen, die durch zahlreiche, parallel zur Hauptaxe verlängerte Hohlräume fein gestrichelt erscheinen und deshalb im Querschnitt ein noseanähnliches Aussehen besitzen.

Die Familie der =basaltischen= Gesteine ist durch feldspathreiche, meist olivinarme =Plagioklasbasalte=, durch augit- und olivinreiche =Limburgite= und ferner durch ein Vorkommen von =Melilithbasalt= repräsentirt, welche mit Ausnahme des letzten sämmtlich vom Westrand des Grossen Grabens und dem unmittelbar sich daran schliessenden Mutyekplateau stammen.

Nahezu olivinfreie Varietäten der ersten Gruppe, der Plagioklasbasalte hat Dr. Baumann am

1. »SW. =Rand des Ngorongo-Kessels=, 21. März 1892« und bei

2. »=Neirobi=, unweit des Lagers, 23. März 1892«