Durch Massailand zur Nilquelle
Part 30
Auch mir war es vergönnt, bei der Erschliessung eines Theiles von Ostafrika mitzuarbeiten. =Usambára=, welches ich in den Jahren 1888 und 1890 als förmliche terra incognita durchstreift, es steht heute im Brennpunkt der deutschen kolonialen Interessen. Durch die Urwälder von Handeï schallt die Axt des Pflanzers, auf den Höhen der Bergdörfer hat der Missionar sein Kreuz aufgerichtet und am Fuss der Berge ertönt der Pfiff der Lokomotive, der bestimmt ist, das Land aus tausendjährigem Schlummer zu erwecken.
Mögen auch jene fernen Gebiete, in welchen die Massai-Expedition zuerst die deutsche Flagge entfaltet, mögen auch die Hochplateaus des Massailandes und die Quellländer des heiligen Nil, mögen auch sie dereinst der Kultur erschlossen sein!
ANHANG.
Die Kartenaufnahmen von Dr. O. Baumann werden unter dem Titel »Die kartographischen Ergebnisse der Massai-Expedition des Deutschen Antisklaverei-Komite« als Ergänzungsheft No. 110 zu Petermanns Mittheilungen veröffentlicht.
I. Ueber Gesteine aus Deutsch-Ostafrika.
Von •Dr. Hans Lenk•.
Das von Herrn Dr. Oscar Baumann im Verlauf seiner letzten, in den Jahren 1892 und 1893 ausgeführten Reise in Deutsch-Ostafrika gesammelte und dem Mineralogischen Museum der Universität Leipzig zur Untersuchung und Bestimmung übergebene petrographische Material umfasst hauptsächlich Gesteinsproben aus dem südlich vom Victoria-Nyansa sich ausbreitenden, archäischen Hochlande von Unyamwesi und den sich zwischen jenem und dem Tanganyika-See ausdehnenden Gebirgen von Ussui und Urundi, die gleichfalls wesentlich aus altkrystallinischen Gesteinen bestehen. Ihnen schliesst sich eine Anzahl von Belegstücken jüngerer vulkanischer Gesteine an, welche zum Theil aus der, am Ostrande der afrikanischen Hochlandmasse hinziehenden und unter dem Namen des Ostafrikanischen Grabens bekannten Vulkanspalte selbst, zum Theil von ihren östlichen und westlichen Randgebirgen herrühren.
Nach der makroskopischen und mikroskopischen Sichtung lassen sich die vorliegenden Gesteine in folgende Gruppen vereinigen:
1. =Alte krystallinische Gesteine=:
a) Granit.
b) Gneiss, Granulit, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, Phyllit, Quarzit u. s. w.
2. =Aeltere Eruptivgesteine=:
Porphyr, Diabas, Gabbro u. s. w.
3. =Jüngere Eruptivgesteine=:
Trachyt, Basalt.
4. =Sedimentgesteine=:
a) Kalksteine unbestimmten Alters; lacustre Ablagerungen, Sinterbildungen und Efflorescenzen der Gegenwart,
b) Grauwacken und Sandsteine unbestimmten Alters,
c) Vulkanische Tuffe.
Dem Wunsche des Herrn Auftraggebers entsprechend folgt in den nachstehenden Zeilen eine kurze Schilderung der überwiesenen Gesteinssuite, zu welcher die Vorbemerkung gestattet sein möge, dass weder die zur Verfügung stehende Zeit, noch die durchschnittliche Beschaffenheit des Materials eingehendere petrographische Untersuchungen ermöglichte. Dem Charakter dieser Mittheilungen gemäss ist auch von Citaten aus der wissenschaftlichen Literatur -- den Publikationen von =Mügge=, =Thomson=, =Bonney=, =Tenne= und =Rosiwal=, welche sich zum Theil auf das nämliche, zum Theil auf benachbarte Gebiete beziehen -- abgesehen worden.
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In der Gruppe
•Granit•
sind im Folgenden alle körnigen, Quarz, Feldspath und ein farbiges Bisilicat enthaltenden Gesteine aufgeführt, welche eine richtungslose Struktur besitzen. Bei der Kleinheit vieler der zu Gebote stehenden Gesteinsstücke ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass auch ein granitisch struirter Gneiss hier seine Stelle gefunden hat, während auch andererseits der ein oder andere schiefrig ausgebildete Granit unter die Gneisse gerathen ist.
Die vorliegenden granitischen Gesteine zerfallen in =Biotitgranite=, =zweiglimmerige Granite=, =Mikroklin-Granite= und =Hornblendegranite=.
Der Typus der =Biotitgranite= liegt vor in einem ziemlich feinkörnigen Gestein von
»=Nyambijerwa=, =Ikiju=, 11. April 1892«,
welches ein gleichmässiges, krystallinisches Gemenge von Feldspath, Quarz und Biotitblättchen darstellt, deren Dimensionen gewöhnlich nur 1 mm Durchmesser erreichen. Im Dünnschliff zeigt sich, dass die Constituenten, wie das schon aus dem makroskopischen Aussehen des Gesteins sich schliessen lässt, im Ganzen noch sehr frisch und wenig von Zersetzungsvorgängen berührt sind. Die Feldspathe, ungefähr je zur Hälfte dem Orthoklas und der Plagioklasreihe angehörig, sind meist gut automorph gegenüber dem Quarz. Die Orthoklase zeigen nur spärlich und dann in ihren innersten Theilen den Beginn einer durch Zersetzung erzeugten Trübung; in ganz einzelnen Fällen lassen sich übrigens schon federartige Lamellen von Kaliglimmer erkennen, die aus einem Haufwerk von matten, nicht polarisirenden Kaolinsubstanzen herauswachsen. Etwas weiter ist gewöhnlich die Trübung der Plagioklase vorgeschritten, die sich ohnehin durch ihre Zwillingsstreifung bereits im Handstück von den orthotomen Feldspathen unterscheiden lassen und die nach den ausgeführten Bestimmungen der Auslöschungsschiefe (+ 2 bis 4° auf P) und dem Grade ihrer Aetzungsfähigkeit mehr zu den sauren Gliedern der Albit-Oligoklas-Familie zu gehören scheinen. Gänzlich xenomorph treten zwischen den Feldspathen und Quarzen hin und wieder kleine Partien von schön gegittertem Mikroklin auf. Da dieser gegen die benachbarten Feldspathe meist scharf abgegrenzt erscheint und augenfällig die Rolle einer Ausfüllungsmasse spielt, möchte man ihn, wenn nicht als ein rein chemisches Secundärproduct, doch eher als eines der letzten Glieder im Verfestigungsprozesse, wie ein durch dynamische Wirkungen erzeugtes Product aus anderen Feldspathen betrachten. Ohnehin sind Erscheinungen, welche darauf schliessen lassen, dass das Gestein den Pressungen des Gebirgsdrucks in bemerkenswerthem Grade ausgesetzt gewesen wäre, nicht zu beobachten. Die schwarzen Biotitblättchen werden im Dünnschliff bronzeschimmernd mit bräunlichgelber Farbe durchsichtig; nicht selten sind sie mit Magnetitkryställchen verwachsen und hin und wieder zeigt sich auf den Spaltflächen die Neubildung von grünlicher Chloritsubstanz. Vom Magneteisen abgesehen sind Accessorien selten; nur kleine Apatitsäulchen finden sich spärlich als Einschlüsse im Quarz und Feldspath.
=Grobkörnige Biotitgranite= liegen vor von
1. »der Hügelkette vor dem =Kiruwassile Berg=, 30. März 1892«,
2. »=Ngurunga vor Ikiju=, 7^h 41 a. m. vom 8. April 1892.«
Milchweisse Feldspathe von etwas mattem Aussehen und wasserhelle, starkglänzende Quarze, zuweilen von undeutlich dihexaedrischer Form bilden die Hauptmasse des ersteren Gesteins; in derselben ziemlich gleichmässig vertheilt erscheinen dunkle Magnesiaglimmer, die sich bei näherer Betrachtung in blättrig-filzige Aggregate verwandelt erweisen; wie der Dünnschliff lehrt, bestehen diese zum Theil aus gelbgrünem Epidot und grünem chloritartigen Glimmer, in dem sagenitartig verwachsene Rutilnädelchen liegen, während die schwer durchsichtigen, körnigen Randpartien vorzugsweise aus Titanit gebildet zu sein scheinen. Die Quarze bergen zahlreiche Flüssigkeitseinschlüsse, winzige (Turmalin?) Nädelchen und opake Erzpartikelchen, welche bald wolkig vergesellschaftet sind, bald auch zu Reihen geordnet, die Quarzindividuen durchschwärmen; daneben finden sich dickere, quergegliederte Prismen von Apatit und modellmässig scharf ausgebildeten Zirkonkryställchen, letztere oft mit deutlich zonarem Bau. Die Feldspathe sind vorwiegend Plagioklase; demnach würde das Gestein eigentlich als Granitit zu bezeichnen sein; sie erscheinen unter dem Mikroskop stark zersetzt und in Haufwerke von Körnchen, Blättchen und kleinen Säulchen umgewandelt; wo die letzteren grössere Dimensionen erreichen, deutet die intensiv blaue Polarisationsfarbe und die gerade Auslöschung auf Zoisit, während die farblose Grundsubstanz, die jene Aggregate einschliesst und, stellenweise ärmer an denselben, zwischen ihnen hindurchschimmert, optisch und chemisch sich als Skapolith erweist. Hingegen sind die seltenen, mit Albitlamellen perthitisch durchwachsenen Orthoklase relativ wenig verändert und enthalten, wie die Quarze, vorzugsweise primäre Einlagerungen.
Das Gestein von Ngurunga gehört zu den biotitärmeren Graniten und zeichnet sich von den besprochenen beiden Vorkommen auch durch die intensiv fleischrothe Färbung seiner Feldspathe aus. Die Quarze sind noch reicher an Flüssigkeitseinschlüssen mit lebhaft beweglichen Libellen; bei der Umwandlung der Feldspathe tritt jedoch die Neuproduktion von Zoisit hinter der einfachen Skapolithisirung zurück, mit der, abgesehen von der nicht unbeträchtlichen Ausscheidung von Quarz, die Ausbreitung von Eisenoxydhydratlamellen auf den Spaltrissen und Grenzflächen der einzelnen Individuen Hand in Hand gegangen zu sein scheint.
In dem mittelkörnigen Biotitgranit vom
»=Semufluss=, =Meatu=, 22. Juni 1892,«
wo der Orthoklas wieder bei Weitem vor dem Plagioklas überwiegt, fällt auch die Anwesenheit eines hellen Glimmers neben dem dunklen Biotit auf. Bei näherer Betrachtung des Präparates scheint es indessen zweifelhaft, ob dieser lichte Glimmer auch nur zum Theil als ein primärer Bestandtheil zu betrachten ist; denn die kleinen Muscovitblättchen, die in den Kalifeldspathen häufig nesterartig vertheilt sind oder aus deren Rändern zu fiederig-schuppigen Massen herauswachsen, stellen sicherlich Secundärproducte dar; aber auch von den grösseren Partien lichten Glimmers, die auf's engste mit den Biotitlamellen verwachsen erscheinen, ist es wahrscheinlich, dass sie erst aus diesem Mineral hervorgegangen sind, um so mehr als dasselbe bereits etwas angegriffen sich erweist. Perthitischer Orthoklas sowohl wie prächtig gegitterter Mikroklin sind reichlich vorhanden; oft greift Quarz lappig in ihre Randzonen ein oder tritt hier in mikropegmatitischer Verwachsung mit Feldspathsubstanz in Form von korallenstockähnlichen Wucherungen auf.
In sehr hohem Grade lassen die =Mikroklingranite= von
1. »=Ruanda=, 14. September 1892«,
2. »=Duma-Bach=, =Ntussa=, =Usukuma=, 14. Juni 1892«,
3. »=Ngoroïne=, 3. Juni 1892«,
4. »=Ussui=, 28. August 1892, 8^h 11 a. m.«
dynamometamorphische Erscheinungen erkennen. Das mittel- bis grobkörnige Gestein von Ruanda, dessen etwas verwitterten Zustand die trüben Feldspathe und die fleckenweise Ausscheidung von Eisenoxydhydraten verrathen, zeigt im mikroskopischen Bilde eine förmliche Breccienstruktur. Die Feldspathe sind fast sämmtlich zertrümmert, bald im Haufwerke von unregelmässig gelagerten, zackig conturirten Körnern aufgelöst, zwischen denen meist ein körniges Mosaik von Quarz und Feldspathpartikelchen sich hindurchzieht; bald erscheinen sie nur in grösseren Fragmenten auseinandergedrängt, deren ursprüngliche Zusammengehörigkeit zu einem Individuum sich aus dem entsprechenden Verlauf der Conturen oder der Zwillingsstreifung zwischen gekreuzten Nicols kundgiebt. Diese ist bei den Plagioklasen niemals scharf, sondern stets mehr oder weniger verschwommen; die sich kreuzenden Spaltrisse sind zuweilen so zahlreich vorhanden, dass die betreffenden Individuen förmlich ein geschiefertes Aussehen besitzen. Mehrfach ist auch die Umwandlung der meist schon stark getrübten Kalknatronfeldspathe in farblose Skapolithsubstanz zu beobachten. Ungestreifter Kalifeldspath fehlt vollständig; in Anbetracht der aussergewöhnlich grossen Menge von Mikroklin aber und der erwähnten Deformationserscheinungen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Mikroklin, wenn nicht durchaus, so doch zum allergrössten Theile ein durch die, offenbar wirksam gewesenen, dynamischen Einflüsse aus Orthoklas hervorgegangenes Erzeugniss secundärer Art sei. Dieser Eindruck erhält eine wesentliche Begründung durch die Thatsache, dass gerade die am meisten zertrümmerten Feldspathpartien aus Mikroklin bestehen, und ferner durch den Umstand, dass die Gitterung bei den kleinen Fragmenten eine sehr scharfe ist, bei den grösseren dagegen einen Grad von Verschwommenheit zeigt, der im Allgemeinen proportional mit den Dimensionen derselben zunimmt. Auch der Quarz erweist sich durch splitterig-zackige Umrisse und undulöse Polarisation als ziemlich stark beeinflusst; die vorzugsweise in ihm eingeschlossenen dicken Apatitsäulchen zeigen eine vielfache Quergliederung, mit der zuweilen eine Verschiebung der einzelnen Glieder gegen einander verbunden ist. An Stelle des, nicht sehr reichlich vorhanden gewesenen, bräunlichen Biotits sind grösstentheils Aggregate von schmutziggrünem Chlorit getreten, der in der Regel mit braunen Eisenoxydhydraten, hin und wieder auch mit kleinen Partien von Eisenkies verwachsen ist. Farblose oder schmutzigweisse Haufwerke von Muscovit, gewöhnlich durch etwas eisenhaltiges Pigment gelblich gefärbt, sind häufig in grösserer Menge zu beobachten. Im Verein mit dem Quarz-Feldspathmosaik finden sie sich vorzugsweise an den Rändern der Feldspathe wie auf den dieselben durchsetzenden Spaltrissen und kennzeichnen dadurch zweifellos ihre secundäre Bildungsweise.
Eine fast noch weiter gehende Zertrümmerung ihrer Bestandtheile weisen die biotitarmen Mikroklingranite von Ngoroïne und namentlich jener vom Duma-Bach auf, der sich von den anderen hierher gehörigen Gesteinen durch die röthliche Farbe seiner Feldspathe und die häufigeren Zirkoneinschlüsse in denselben unterscheidet. In dem bedeutend glimmerreicheren Gestein von Ussui erscheint auch der Biotit unter Umwandlung in Chlorit durchgehends in Haufwerke von Schüppchen aufgelöst, die häufig Quarz- und Feldspathkörner kranzartig umgeben oder stromartig zwischen denselben sich hindurchdrängen, so dass eine gneissähnliche Struktur entsteht. In dem Mikroklingranit von den
»=Ikiju-Bergen=, 9. April 1892«
hingegen scheint der, auch meist in grösseren Krystallen vorhandene Mikroklin ein primärer Bestandtheil zu sein. Das im Ganzen noch recht frische Gestein lässt im Dünnschliff wenig mechanische Deformationen erkennen, Quarze und Feldspathe heben sich wohl conturirt von einander ab; der schalige Aufbau der Plagioklase ist gewöhnlich völlig ungestört, nur die bereits erwähnten, korallenstockähnlich in den Randzonen der Feldspathe eingewachsenen Mikropegmatitpartien sind auffallend häufig zu beobachten. Zugleich mit der Ausscheidung von kleinen farblosen Glimmerblättchen scheint bei den Feldspathen auch hier die Tendenz zur Skapolithbildung vorhanden zu sein; der sehr reichlich an der Gesteinszusammensetzung betheiligte bronzefarbige Magnesiaglimmer wandelt sich in grüne Chloritblättchen um, zwischen denen hin und wieder, wohl auch als Neubildungsproducte, gelber Epidot und schwach gefärbte Titanitkörnchen eingewachsen sind.
Sehr nahe verwandt erweist sich der Granit von
»=Nyika= zwischen =Meatu= und =Nyarasa-See=, 25. Juni 1892, 6^h 31 a. m.«,
der etwas weniger Glimmer führt, jedoch etwas gröberes Korn und bei der grösseren Ausbildung einzelner Feldspathe eine ausgesprochen porphyrische Struktur besitzt.
Die Familie der =Hornblendegranite= ist repräsentirt durch Gesteine vom
1. »Dorf =Uaschi=, 27. Mai 1892«
und von
2. »=Mugango=, 21. Mai 1892«.
Das erstere ist ein porphyrartiger Granit, in dem die grösseren Feldspathkrystalle -- fast durchweg Orthoklas -- oft über 1 cm Durchmesser erreichen; in der aus Quarz, Feldspath und schwarzem Biotit bestehenden feinkörnigeren Gesteinsmasse lassen sich mit der Lupe bereits vereinzelte Individuen von Hornblende erkennen, deren Antheil im Dünnschliff sich sogar als ein ziemlich beträchtlicher erweist. In den Feldspathen, deren Inneres häufig in ein trübes Gemenge von Kaolinsubstanzen und farblosen Glimmerschüppchen übergegangen ist, sind häufig Einlagerungen von regelmässig begrenzten, nelkenbraunen Biotitblättchen, seltener von Apatit- und Zirkonkryställchen zu beobachten; skapolithisirter Plagioklas tritt im Ganzen sehr zurück gegen den gewöhnlichen Kalifeldspath, der stellenweise auch durch Mikroklin vertreten ist. Der grünlichbraun durchscheinende Magnesiaglimmer ist zum Theil chloritisirt, zum Theil epidotisirt, während die dunkelgrüne Hornblende frisch und intact erscheint. Gewöhnlich sind Hornblende und Biotit zu Aggregaten verwachsen, an denen sich ausserdem Apatit und Titanit, sowie Magneteisen betheiligen.
Weniger reich an Hornblende, um so reicher aber an Mikroklin ist der mittelkörnige Granit von Mugango, bei dem schon makroskopisch der Unterschied zwischen dem fleischroth gefärbten Kalifeldspath und dem weisslich trüben, weil der Hauptsache nach skapolithisirten Plagioklas in die Augen fällt.
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Von
•Gneissen•
sind in Dr. Baumann's Sammlung vertreten =Biotitgneiss=, =Muscovitgneiss=, =Zweiglimmergneiss= und ferner je ein Vorkommen von =Hornblendegneiss= und =Epidotgneiss=.
Normale, meist feinkörnige =Biotitgneisse= liegen vor von
1) der »Schlucht bei =Donyo Kissale=, 26. Febr. 1892«,
2) »Plateau-Abfall nördlich vom =Eyassi-See=, I. Stufe Str. NO.-SW, F. SO. 20°. 25. März 1892«,
3) »Abfall des =Iraku-Plateau=, Str. NO, F. ┴. 18. Januar 1893«,
4) »Abfall des w. Grabenrandes bei =Umbugwe=, Str. NO., F. NW. circa 70°. 17. Januar 1893«.
Der körnig-streifige Gneiss aus der Schlucht bei Donyo Kissale weist im Handstück einen lagenweisen Wechsel von glimmerarmen Feldspath- und glimmerreichen Quarzzonen auf; die ersteren zeichnen sich überdies durch eine etwas intensivere Gelbfärbung in Folge des hier reichlicher vorhandenen ockerigen Pigmentes aus. Die tiefschwarzen Biotitblättchen werden auch im Dünnschliff nur schwer an den Kanten durchscheinend, Quarz zeigt hin und wieder gute krystallographische Ausbildung in Form von kurzen Prismen mit terminaler Endigung, während Feldspath nur in irregulären Körnern zu beobachten ist. Von Accessorien finden sich Turmalin, Zirkon und Apatit in den gewöhnlichen, meist rundkantigen Gestalten.
In dem Gneiss vom Plateauabfall am Eyassi-See ist die Scheidung der Gemengtheile in nahezu reine Glimmer- und ebensolche Quarzfeldspathlagen eine noch ausgesprochenere. Im Dünnschliff ist bei den letzteren eine relativ sehr ansehnliche Betheiligung von Plagioklas zu konstatiren; Struktur- und Polarisationsverhältnisse der meisten Quarze und Feldspathe lassen im Uebrigen auf hochgradige Pressionswirkungen schliessen, denen dieser Gneiss ausgesetzt gewesen sein mag. Das Gleiche gilt auch von dem Gestein vom Abfall des Iraku-Plateau; dieses zeigt aber im Allgemeinen eine gleichmässigere Vertheilung seiner Bestandtheile, von denen die Feldspathe zur Neubildung von Muscovit und Skapolith Veranlassung gegeben haben. Bedeutend glimmerärmer ist der bräunlich gefärbte Gneiss von Umbugwe, von dem leider nur eine sehr bröckelige Probe vorliegt. Die sehr corrosive Beschaffenheit seiner Bestandtheile möchte man übrigens nicht auf mechanische Einflüsse, sondern lediglich auf Verwitterung zurückführen; denn die Quarze und Feldspathkörner erscheinen quasi in situ zerfallen, zersprengt, ohne dass, wie es doch sonst in gequetschten Gesteinen immer der Fall ist, eine Verschiebung der einzelnen Partikelchen gegen einander oder auch die Bildung jener charakteristischen Mosaikstruktur eingetreten wäre. Die Polarisationserscheinungen verrathen das Vorhandensein bedeutender Spannungsdifferenzen im Innern der einzelnen, durch einen farblosen Quarzkitt wieder zusammengeheilten Partikel; denn nur höchst selten findet man sie einheitlich polarisirend, fast allgemein lassen sich hingegen die buntesten Interferenzerscheinungen in Gestalt von mehr oder weniger vollkommenen, grellfarbigen Ringsystemen beobachten. In Anbetracht dieser Verhältnisse drängt sich dem Beobachter der Gedanke auf, dass hier im Kleinen die Quarz- und Feldspathindividuen in ganz ähnlicher Weise unter dem Einfluss der tropischen Sonne, bezw. des raschen und bedeutenden Temperaturwechsels zersprungen sind, wie im Grossen die Quarzgerölle der nordafrikanischen und nordamerikanischen Wüsten. Dass gleichzeitig auch die Hydrometeore sehr energisch wirksam gewesen sind, beweist die reichliche Ausscheidung von Eisenoxydhydraten, welche die Glimmertafeln als matte erdige Zonen umgeben oder als schleierhaft dünne, zuweilen dendritische Ueberzüge auf den Grenzflächen der einzelnen Quarz- und Feldspathindividuen sich abgelagert haben und durch ihre Menge dem Gestein im Ganzen die erwähnte gelblichbraune Färbung verleihen.
Granulitähnlich durch die Concentration der in geringen Mengen vorhandenen Biotitblättchen auf dünne, einander im Abstand von 2-3 cm parallel laufende Zonen und ferner durch die Parallelverwachsung von Quarz und Feldspath erscheinen die Biotitgneisse von
1. »=Tarata=, 23. Februar 1892, anscheinend horizontal gel.«
2. »=Massai-Gebirge=, am Manyara-See, 10. März 1892.«
Ihrer Zusammensetzung, Korngrösse und mikroskopischen Struktur nach sind sie einander sehr ähnlich; in beiden ist eine geringfügige Mikrobreccienbildung und eine ziemlich weitgehende Umwandlung des vorwiegenden Kalifeldspaths in kaolinartige Massen zu beobachten; lediglich durch die Betheiligung von, zum Theil, wie es scheint, allerdings neugebildetem, Mikroklin unterscheidet sich das Gestein aus dem Massailand von jenem von Tarata.
Die höchste Stufe mechanischer Deformation weisen von allen bisher geschilderten Gesteinen zwei Gneisse auf, von
»=Utunduwe= am Emin Pascha Golf, 16. August 1892, 8^h 23 a. m.« und von
»=Marago ya Mave=, südl. von =Irangi=, 28. Dezember 1892 2^h 26 p. m. Unkl. gesch., steil fallend.«
Es sind graugrüne, grauwackenähnliche äusserst zähe Gesteine, das erstere mit mehr porphyroidartiger, das letztere mit feinflaseriger Struktur. Bei beiden kann man von förmlichen Grundmassen sprechen, die aus winzigen Quarz- und Feldspath- (namentlich Mikroklin-) Partikelchen, sowie Glimmerblättchen bestehen und namentlich in dem Gestein von Utunduwe häufig grössere Krystallfragmente von Quarz und kaolinisirtem Feldspath umschliessen. Massenhaft durchschwärmen bräunlich grüne Biotitlamellen diese Einsprenglinge auf ihren Spaltrissen; besonders dicht geschaart erscheinen die, offenbar aus der Zertrümmerung grösserer Biotitindividuen herrührenden und zu langen Flatschen ausgestreckten Glimmeraggregate in Verbindung mit Chloritschüppchen und Epidotkörnchen an den Rändern der grösseren Mineralfragmente, wo sie entweder wie gestaut abschneiden oder den Langseiten derselben sich anschmiegen und an den kurzen Enden schwanzartige Fortsätze bilden. Gleichmässiger durch die feinkörnige Gesteinsmasse vertheilt erscheint der Glimmer in dem Gneiss von Utunduwe, der in Folge dessen auch makroskopisch eine bei Weitem geringere Flaserigkeit zur Schau trägt.
Die =Muscovitgneisse= von
1. »der =Ruvuvu-Fähre=, 5. September 1892« und
2. »=Uassi=, 5. Januar 1893, Str. NW., F. SW. c. 40°«