Durch Massailand zur Nilquelle

Part 16

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Die Träger begannen ungeduldig zu werden. Bei der Auszahlung, als sie ihrem »Bwana kivunja« die Hand drückten, war wohl manchem dieser leichtlebigen jungen Burschen etwas weich zu Muthe geworden, nun forderte die Gegenwart ihr Recht, es galt die sauer verdienten Silberlinge rasch wieder anzubringen.

Ernster standen ihnen gegenüber die Askaris. Für diese wäre nun der Augenblick gekommen gewesen, mir nach dem Muster der Stanley'schen Getreuen zu Füssen zu fallen und mich dann im Triumph zu tragen. Doch nichts dergleichen geschah, sie standen nur stramm, wie es braven Soldaten geziemt. Aber ich hatte gelernt in den Augen meiner Leute zu lesen und sah recht wohl, dass im Innern dieser harten Buschläufer mehr vorging als das unbewegliche Aeussere verrathen mochte.

Mit einem »Lebt wohl!« entliess ich meine Mannschaft. Kwaheri bwana! scholl es aus hundert Kehlen zurück. Rasch verliessen die Träger, langsamer die Askaris den Hofraum, doch dauerte es keine Minute und der Letzte war um die Ecke gebogen.

Die Massai-Expedition war zu Ende.

II. THEIL.

VII. KAPITEL.

Zur physischen Erdkunde der erforschten Gebiete.

Allgemeine Uebersicht. -- Das abflusslose Gebiet. -- Der Kilimanjaro-Graben. -- Die Massai-Steppe. -- Der grosse ostafrikanische Graben. -- Der Wembere-Graben. -- Das Granitplateau von Unyamwesi. -- Der Victoria-Nyansa. -- Die Quelle des Nil und das Mondgebirge. -- Das centralafrikanische Schiefergebirge und der centrale Graben.

Das Forschungsgebiet der Massai-Expedition, von welchem nachfolgend die Rede sein soll, dehnt sich von der nördlichen Küstenlinie Deutsch-Ostafrika's, der sogenannten Tangaküste, bis zur Westgrenze der Interessensphäre, die durch den Verlauf des Tanganyika-See gekennzeichnet ist. Dieses ungeheure Gebiet lässt sich in verschiedene, ziemlich scharf von einander getrennte Abschnitte theilen.

An die schmale =Küstenzone=, für welche das Auftreten jurassischer Kalke und Thonschiefer bezeichnend ist, schliesst sich eine Kette krystallinischer Gebirgsinseln, die unter dem Namen =Ostafrikanisches Schiefergebirge= zusammengefasst werden.

An diese Gebiete reiht sich westlich eine Zone, die durch grossartige geologische Störungen bemerkenswerth ist. Dieselbe ist vor Allem durch den Verlauf des =grossen ostafrikanischen Grabens= bezeichnet, jener ungeheuren meridionalen Bruchlinie, welche, wie =Suess= so meisterhaft nachgewiesen, vom Todten Meer bis Ugogo durch fast 40 Breitengrade zu verfolgen ist. Als Nebenbruch lässt sich im Osten jener Graben auffassen, dem der Meru und Kilimanjaro, vielleicht auch der Kenia entstiegen und dessen südlichen Verlauf das Panganithal undeutlich kennzeichnet, im Westen die Wembere-Spalte, die als Sackgasse in das Massai-Plateau eingerissen ist. Das ganze ausgedehnte Gebiet entsendet keinen Wasserlauf zum Meere und lässt sich daher als =abflussloses Gebiet= bezeichnen.

Im Westen von dieser theils krystallinischen, theils jungeruptiven Zone dehnt sich eine weite einförmige Hochebene aus, das =Granit-Plateau von Unyamwesi=, in welches nördlich das Becken des Victoria-Nyansa eingelagert ist. Theils dem Nil, theils dem Tanganyika-Gebiete angehörend, ist es durch den fast vollständigen Mangel ständig fliessender Gewässer ausgezeichnet.

Vom Granitplateau gelangt man landeinwärts abermals in ein krystallinisches Gebirge, das, dem ostafrikanischen Schiefergebirge fast gleichlaufend, als =centralafrikanisches Schiefergebirge= bezeichnet werden kann. Hier nimmt besonders die Hydrographie unser Interesse in Anspruch; schneidet doch hier die Wasserscheide zwischen Tanganyika-Kongo und Nyansa-Nil durch, liegt doch hier die Quelle der Hauptader des Victoria-See, die =Quelle des Nil=. Das Schiefergebirge stürzt in steilen Wänden zu einer anderen ungeheuren Spalte ab, dem centralafrikanischen Graben, dessen Sohle der Tanganyika-See einnimmt.

Das Vorland und die Komplexe des ostafrikanischen Schiefergebirges wurden schon an anderer Stelle[3] eingehend beschrieben, wir beginnen daher in der Beschreibung der einzelnen Abschnitte mit dem =abflusslosen Gebiet=.

[3] Usambára und seine Nachbargebiete. Berlin 1891.

Im Westen des Panganiflusses bei Aruscha erhebt sich das =Litema-Gebirge=, in seinen höchsten Punkten bis über 1700 m ansteigend und gegen Süden in niedrigen Kuppen verlaufend. Es bildet den Westrand des =Kilimanjaro-Grabens=, jenes Seitenzweiges der grossen Spalte, dem die vulkanischen Bergriesen des Kilimanjaro und Meru entstiegen. Das Litema-Gebirge ist der Hauptmasse nach krystallinisch mit stellenweiser Ueberlagerung archaischer, graphithaltiger Kalke und vorherrschend nordwestlichem Streichen mit nordöstlichem Fallen unter etwa 45°. Doch sind die Schichten vielfach stark verworfen und es haben grosse Störungen stattgefunden, wie auch das Vorhandensein jungeruptiver Durchbrüche anzeigt.

Das Litema-Gebirge fällt gegen das Pangani-Thal ziemlich steil, weit sanfter gegen die bedeutend höhere =Massai-Steppe= ab. Dieselbe bildet ein Plateau, welches allmählich bis zu 1500 m ansteigt, um dann eben so sanft gegen die Sohle des grossen Grabens zu fallen. Es ist durch das gänzliche Fehlen ständig fliessender Gewässer, überhaupt durch Wasserarmuth, bezeichnet. Aus der weiten, leicht gewellten Ebene erheben sich insular einzelne Bergkuppen, die bis zu 17-1800 m ansteigen und nicht nur weithin sichtbare Landmarken in dieser Wildniss bilden, sondern in ihren Klüften meist auch Quellen und Wassertümpel bergen. Im Norden sind es die Gruppen des Benne- und Sogonoi-Berges, des Mella, Lukutu und des ansehnlichen Donyo Kissale, welche im Distrikt Sogonoi und Balanga aufragen. Weiter im Süden erheben sich der Sambo, Neibor múrt, Kinyarók und die einzelnen spitzen Felsberge der Massai-Landschaft Kiwaya, welche einerseits bis zu den bewohnten Höhen von Unguu, andererseits bis zu den Vorbergen des Irangi-Gebirges in der Ebene verstreut sind.

Ueberall in der Steppe und in den Bergkuppen herrscht Gneiss und krystallinischer Schiefer vor, mit leicht geneigten meist landauswärts fallenden Schichten und verschiedenen, aber fast immer den meridionalen genäherten Streichungsrichtungen. Nur im Süden, gegen Unguu zu, treten Spuren jüngerer Kalke auf, die das frühere Vorhandensein von Süsswasserseen anzudeuten scheinen, deren einer, der Kinyaróksee, heute noch besteht und die vielleicht den südlichen Verlauf der Kilimanjaro-Spalte bezeichnen.

Während in der trockenen Zeit die Massai-Steppe durch Wassermangel vielfach ganz unpassirbar ist, sammelt sich in der Regenzeit das Wasser in den flachen Mulden und verwandelt diese in Sümpfe. Solche Senkungen sind meist vollkommen offen, grasig, in der trockenen Zeit oft fast vegetationslos und von tiefen Rissen im schwarzen Boden durchfurcht, während höher gelegene Striche mit Steppenvegetation, Dorngestrüpp und Schirmakazien bedeckt sind, aus welchen vereinzelt Baobabs aufragen. Eine reichere Vegetation, darunter stellenweise sogar Laubwald, tritt am Fusse und an den Hängen der Bergkuppen auf.

Von Menschen fast ganz verlassen, ist die Massai-Steppe der Tummelplatz grosser Wildmengen. Die Büffel zwar und die anderen wilden Rinderarten haben durch die Viehseuche 1891 schwer gelitten und sind fast ganz verschwunden. Aber Zebras und Antilopen, Giraffen und Strausse treiben sich noch in Heerden umher und besonders massenhaft tritt das Nashorn auf, meist in Gruppen von 2 bis 3 die Wildniss durchstreifend. Selbst Elephanten kommen noch vor und auch Löwen und Leoparden sind ziemlich häufig. Raubvögel folgen in Schwärmen jeder Karawane.

Die Regenzeit scheint in der Massai-Steppe früher als an der Küste, gewöhnlich Mitte Februar einzusetzen. Sie wird durch heftige Ostwinde eröffnet, die überhaupt das ganze Jahr hindurch vorherrschen. Die Temperaturschwankungen sind sehr bedeutend, an glühenden Sonnenbrand unter Tage schliessen sich eisig kalte Nächte. In der Trockenzeit eine wasserlose Wüste, in der Regenzeit ein Sumpf, stets eine pfadlose, schwer zugängliche Wildniss, bildet die Massai-Steppe kein sehr vielversprechendes Gebiet.

Der grosse =ostafrikanische Graben= ist besonders scharf durch seinen Westrand, den Steilabfall des Massai-Plateaus, charakterisirt. Derselbe wurde im Norden von Dr. Fischer bis zur Breite des Natron-Sees erforscht, im Süden vermuthete man seine Fortsetzung in den Muhalala-Bergen in Ugogo, doch das Zwischenglied war noch unbekannt. Am Natron-See ist der Graben einerseits durch das Massai-Gebirge, den sogenannten Mau-Abfall, dem der thätige Vulkan des Donyo ngai entsteigt, andererseits durch den Tafelberg des Geleï bezeichnet.

Südwärts schreitend, gelangt man in die schon von Dr. Fischer erkundete flache Senkung, die sich zwischen dem Natron-See und dem Manyara-See ausdehnt. Sie hat fast dieselbe Höhe wie der Manyara-See und weist Spuren von Kalksinter und Gerölle auf, welche auf eine frühere grössere Ausdehnung des Manyara und möglichen Zusammenhang mit dem Natron-See hinweisen. Im Osten erhebt sich die wahrscheinlich krystallinische Masse des Simangori-Berges. Im Westen ragt der hier fast 700 m hohe, ungemein schroffe Abfall des Plateaus auf. Dieses ist von unregelmässigen Höhenzügen bedeckt, zwischen welchen verschiedene Gewässer dem Manyara-See zufliessen. An dieser Stelle ist also die von Suess angenommene Aufwulstung der Grabenränder nicht wahrzunehmen, während sie weiter südlich, wo der Mto ya Matete unweit des Plateaurandes entspringt und westlich abfliessen soll, möglicherweise auftritt. Am Abfall sowohl wie am Plateau stehen ausschliesslich junge Eruptivgesteine, vorherrschend Basalte an, die auf den Höhen vielfach mit rother Lateritmasse überlagert sind. Als Eruptionscentrum kann hier der oblonge Kessel am Ngorongoro betrachtet werden, der, von steilen Tuffwänden eingesäumt, eine flache Sohle besitzt, deren westlicher Theil von dem kleinen Ngorongoro-See eingenommen wird, dem mehrere Bäche zuströmen. Am Ufer des Sees stehen jüngere Kalke an.

Weiter südlich senken sich die Berge des Abfalls bedeutend ab, sind am Nordende des Manyara-Sees ca. 200 m hoch und steigen dann wieder zum Plateau von Iraku an. Der Manyara-See (1000 m) erfüllt ein seichtes Becken und besitzt nach der Jahreszeit wechselnden Wasserstand, trocknet jedoch niemals gänzlich aus. Er nimmt im Norden und Westen mehrere wasserreiche Bäche, im Süden den ansehnlichen Kwou-Fluss auf. An seinem Westufer entspringen mehrere heisse Quellen (Temp. ca. 80° C.). Der Manyara ist ein Salzsee, sein Wasser ist nicht trinkbar und dicke Salzschichten bedecken das Ufer.

Wie aus der chemischen Untersuchung[4] ersichtlich, sind die Salze des Manyara vor Allem durch ihren Soda-Gehalt ausgezeichnet, während Salpetersäure und Magnesia-Salze ihnen gänzlich fehlen. Durch den letzteren Mangel unterscheidet das Wasser des Manyara sich wesentlich von dem des todten und kaspischen Meeres, sowie vom Seewasser, wie denn überhaupt die Seen des ostafrikanischen Grabens nicht, wie der Tanganyika und Nyassa als Relictenseen, sondern als Ueberreste eines früheren Flusssystems zu betrachten sind. Darauf deutet auch die niedere Fauna des Manyara, welche trotz seines Salzgehaltes reine Süsswasserformen aufweist und besonders auf die Nilfauna hinweist. Aus ähnlichen Vorkommnissen im Rudolf-See schloss Suess, dass die Entstehung des Grabens in einer Zeit erfolgt sein müsse, wo die gegenwärtige Nilfauna bereits bestand oder doch einen der jetzigen sehr ähnlichen Charakter hatte. Was die Schnecken des Manyara anbelangt, so gehören dieselben allzu weit verbreiteten Arten an, um einen solchen Schluss direkt zu gestatten, auch scheint eine Verschleppung von Schneckeneiern durch Vögel leicht möglich. Doch wird die Suess'sche Annahme durch das massenhafte Auftreten junger Eruptivgesteine im Grabengebiet, deren Entstehung ihrem Charakter nach bis in die geologische Gegenwart fällt, bekräftigt.

[4] Siehe Anhang.

Am Manyara-See besteht der Abfall nicht mehr aus Basalten, sondern der liegende Gneiss mit meist nordöstlichem Streichen und verschiedenen oft sehr steilen Fallrichtungen tritt hier und am Plateau von Iraku zu Tage.

Die südliche Fortsetzung des Manyara-See bildet der flache Boden von Umbugwe, ein Alluvialgebiet, in dem einzelne krystallinische Hügel aufragen und das von dem theilweise versumpften Kwoufluss und seinen Nebenbächen durchzogen wird. Es ist zweifellos alter Seeboden und der Laua ya Sereri, östlich von Kutadu's Land, ein Salzsee, der in dürren Jahren manchmal eintrocknet, stand früher mit dem Manyara in Verbindung. Der Boden Umbugwe's ist salzig und das Wasser der Lachen, die sich nach starkem Regen in grosser Ausdehnung bilden, ist nicht trinkbar. Westlich von Umbugwe erhebt sich der Steilabfall bis zur Höhe von 1900 m und ist gekrönt vom Plateau von Iraku, das durchschnitten von zahlreichen Bächen des Kwousystems weit tiefere Thäler, überhaupt weit gebirgigeres Terrain besitzt als Mutyek. Ueberall steht, wie schon erwähnt, Gneiss und krystallinischer Schiefer an, in einzelnen Kuppen in romantischen Felsbildungen aufragend. Weiter westlich scheint das Land stark abzuflachen und nimmt immer mehr Steppencharakter an.

Südlich von Umbugwe steigt die Sohle des Grabens sanft um etwa 100 m und das Auftreten von Basalt und Tuff zeigt eruptive Durchbrüche an. Auf der Höhe der derart erreichten Stufe liegt die Landschaft Ufiomi mit dem kleinen Maitsimba-See (1440 m), dem einzigen in der langen Reihe der Grabenseen, der Süsswasser enthält. Er verdankt dies dem Vorhandensein eines Abflusses, der allerdings nur nach starkem Regen oberirdisch Wasser führt, stets jedoch an unterirdischem Sickerwasser reich ist, das in den Kwou mündet. Oestlich vom Maitsimba erhebt sich der vulkanische Ufiomiberg bis ca. 2500 m; er ist der nördliche Ausläufer des Plateau von Uassi, welches hier den sehr scharfen Ostrand des Grabens bildet. Es steigt bis zu 1700 m an, besitzt sowohl gegen den Graben als gegen die Massaisteppe sehr schroffe Abfälle, hat leicht gewelltes Terrain, meist periodische Wasserläufe und besteht aus Gneiss und krystallinischen Schiefern mit vorherrschend meridionaler Streichungsrichtung und steilem Fall gegen Westen.

Im Westen des Maitsimba-See sind mehrere Höhenzüge dem Steilabfalle vorgelagert, der sich schroff und felsig zum Plateau von Meri bis über 2000 m hoch erhebt. Ihm entströmen die Nebenbäche des Bubu, der erst mit papyrusreichem Ufer östlich von der Landschaft Mangati verläuft, als breites, sandiges Bett bei Irangi vorbeifliesst und schliesslich in Ugogo in altem Seeboden verläuft. Bei Mangati macht der Steilabfall, der auch hier aus krystallinischen Schiefern in sehr stark gestörten Schichtenlagen besteht, plötzlich einen Bogen nach Westen, um nach einigen Kilometern als bedeutend niedrigere Stufe nach Südwest zu streichen. Aus der dadurch gebildeten Bucht erhebt sich vollkommen isolirt der vulkanische Kegel des =Gurui=[5] bis zu 3200 m, der 1885 von Dr. Fischer in Irangi zuerst gesehen worden war. Sein Obertheil besteht fast ganz aus steilen, schwarzen Basaltwänden, die Hänge sind theils grasig, theils bewaldet. Zwischen Gurui und dem schroffen Abfall dehnt sich die leicht gewellte Landschaft Mangati aus, in deren Westecke der kleine Salzsee Balangda (1600 m) liegt. Derselbe trocknet in dürren Jahren oft fast ganz ein, dann bilden sich starke Salzablagerungen an den Ufern, die von den Eingeborenen gewonnen und als Kochsalz benutzt werden, als welches sie vorzügliche Eigenschaften besitzen.[6]

[5] So und nicht »=Igruivi=« heisst dieser Berg.

[6] Die chemische Untersuchung siehe im Anhang.

Südlich vom Gurui senkt sich die Sohle des Grabens wieder bis zu 1360 m, welche Höhe sie in der Landschaft Uyanganyi erreicht. Den Westrand bildet hier der Abfall des Plateaus von Turu, welches bis zu 1820 m ansteigt und einen sehr deutlich ausgeprägten Randwall gegen den Graben zu besitzt. Sowohl an der Sohle des Grabens wie am Plateau von Turu steht Granit an, welches Gestein hier aus Unyamwesi in das Grabengebiet übergreift.

Das Plateau von Turu besitzt sandigen, salzhaltigen Boden, nähert sich mit den zahlreich verstreuten Granitkuppen dem Landschaftscharakter Unyamwesi's und ist von trockenen Wasserrissen durchzogen, deren einige in den kleinen Singisa-Salzsee münden, der ebenfalls von den Eingeborenen ausgebeutet wird.[6] An seinen Ufern streift eine recente Kalkscholle an.

Weiter nördlich entdeckte Lieutenant Werther einen anderen kleinen Salzsee, von welchem ich auch durch Eingeborene erfuhr. Derselbe liegt in einem ähnlichen Kessel wie der See von Ngorongoro, also wahrscheinlich in vulkanischem Gebiet.

Südlich von Unyanganyi ist die Grabensohle durch den Verlauf trockner Bäche bezeichnet, während der Abfall niedriger, aber stets deutlich ausgeprägt verläuft und in die Stufe von Muhalala-Ugogo übergeht. Oestlich vom Graben steigt allmählich das Plateau von Ussandaui, mit aufgesetzten höheren Kuppen wie den Tuyui an, welches durchweg aus Granit besteht und erst an seinem Ostrand gegen den Bubu zu, durch höhere krystallinische Gebirge mit vorherrschend meridionalen Streichungsrichtungen eingesäumt wird. Dasselbe Gestein tritt auch in den niedrigen Bergen von Irangi auf, die bereits dem System der Massai-Steppe angehören.

Ohne direkten Zusammenhang mit dem grossen Graben, aber doch nur als Seitenbruch desselben, verläuft der Wembere-Graben in vorherrschend nordöstlicher Richtung. Er bildet, wie erwähnt, eine Sackgasse und ist in seinem nördlichen Theil vom Eyassi-Salzsee (1050 m) eingenommen, der einen dem Manyara ähnlichen Charakter, aber sandigere und völlig vegetationslose Ufer besitzt. Er enthält ebenfalls scharfes untrinkbares Wasser,[7] muss aber dennoch gleich dem Manyara ein Thierleben beherbergen, da zahlreiche Wasservögel seine Fläche beleben. In trockenen Jahren mag der jedenfalls seichte Eyassi einschrumpfen, trocknet jedoch niemals völlig oder auch nur erheblich aus und überschwemmt zur Regenzeit weite Gebiete.

[7] Die chemische Untersuchung siehe im Anhang.

Im Norden des Sees erhebt sich das Plateau von Sirwa bis über 2000 m. Es besitzt ähnlichen Charakter wie Mutyek und hat hohe vulkanische Berge aufgesetzt, die 3000 m jedenfalls übersteigen. Nur am Fusse des Abfalles tritt das liegende Gestein als Gneiss auf, darüber lagern verwitterte Tuffe, Basalte und andere Eruptivgesteine. Von der Plateauhöhe strömen dem Eyassi-See mehrere wasserreiche, von Phönixpalmen begleitete Bäche zu. Die Berge seines Westufers sind im Norden anfangs noch hoch und stürzen in steilen Hängen ab, am Ostufer streichen parallele, immer höher ansteigende Bergketten. Weiter südlich sind die Grabenränder weniger hoch und erheben sich bei Mbusi am Westrand kaum 100 m über der Sohle, während der Ostrand bei Issansu etwas höher sein dürfte. Hier tritt überall Granit auf, der in der Sohle des Grabens von grauen Lehmmassen überdeckt ist. Diese Nyarasa-Steppe bildet die südliche Fortsetzung des Eyassibodens und ist stellenweise von dicken Salzefflorescencen bedeckt, welche ein vorzügliches Kochsalz[7] liefern.

Ueber die Ebene weht fast fortwährend ein heftiger staubgeschwängerter Nordostwind, welcher an Löss erinnernde Lehmterassen anhäuft. In diesen finden sich Sumpfschnecken, die oft ganz calcinirt aussehen und doch das lebende Thier enthalten, das offenbar in der feuchten Jahreszeit erwacht. Während dieser ist die Nyarasa-Steppe grösstentheils überschwemmt. Sie wird von dem ca. 30 m breiten, brackigen Simbitifluss durchzogen, der zwischen Lehmmauern dem Eyassi zuströmt. Er bildet den Unterlauf des Wembere und der zahlreichen meist periodischen Wasserläufe des östlichen Unyamwesi. Bei besonders starken Winden macht sich eine Gegenströmung aus dem Eyassi im Simbiti bemerkbar und sein Wasser ist dann völlig ungeniessbar. Noch ein anderer ansehnlicher Fluss, den die Elephantenjäger Mto ya matete (Fluss der Phönixpalmen) nennen, soll von Osten her in den Eyassi münden.

Weiter südlich in der Breite von Iramba wird die Grabensohle schmäler und erhält den Namen Wembere-Steppe, welcher auf grössere Gebiete übertragen wurde, während er thatsächlich nur diesem schmalen Streifen zukommt. In Unyamwesi, in der Breite von Ussure ist die Sohle des Grabens 1120 m hoch, während die Randberge völlig unbedeutend, aber stets deutlich wahrnehmbar verlaufen. Sie sind vielfach von Granitzinnen gekrönt (siehe Abb. pag. 109), während die Sohle selbst stets mit Alluvialmassen bedeckt, zur Trockenzeit eine Wüste, zur Regenzeit ein Morast ist. Bei Ussure und in Iramba erheben sich niedrige Hügelzüge, die allmählich in das Plateau von Turu übergehen. Gegen Süden zu lässt sich der Graben bis in die Gegend von Turu verfolgen.

Bezüglich des =Landschafts-Charakters= sind die Niederungen und Plateaus in den Grabengebieten sehr verschieden. Die Grabensohle trägt im grossen Ganzen den Typus der Steppenvegetation, Akazien, Baobabs herrschen vor, bei Umbugwe treten einzelne Borassuspalmen auf. Wo jedoch die Nähe der Gebirge reichlichere Niederschläge erzeugt und besonders an fliessenden Gewässern grünt üppige Gras- und Krautvegetation und der Ackerbau findet vorzügliche Bedingungen.

Von den Plateaus sind die südlichen, Turu, Ussandaui und das südliche Uassi trocken, sandig und von geringer Fruchtbarkeit; schon im nördlichen Uassi und am Ufiomiberg macht sich reicherer Waldwuchs geltend und die wasserreichen, kühlen Hochplateaus von Iraku und Mutyek gehören zweifellos zu den besten Gebieten Ost-Afrika's. Dieselben sind hauptsächlich von schönem Weideland mit kleinen eingestreuten Laubbäumchen bedeckt, dessen ziegelrother fetter Boden, wie man in Iraku sehen kann, für Ackerbau sehr geeignet ist. Die hohen Parthien bedeckt tropischer Hochwald mit überwuchernder Krautvegetation und Unterholz. Während in den Niederungen die Temperaturunterschiede sehr scharf an einander grenzen, herrscht auf diesen Höhen stets eine angenehme, kühle Luft, selbst Mittags ist die Sonnenwärme nur behaglich und Morgens tritt oft recht empfindliche Kälte ein. Die Unterschiede der Jahreszeiten machen sich auf den Plateaus weniger geltend, indem auch in der trockenen Zeit Niederschläge häufig sind. In der Grabensohle bemerkte ich gegen Abend ziemlich regelmässige Nordwinde, die über die Salzseen hinwegstreichend fast an Seebrisen erinnern, aber nicht gesund und malariahaltig sind, wie denn überhaupt die Niederungen ziemlich fieberreich genannt werden müssen.

Durch die vielen besiedelten Distrikte ist das Thierleben zurückgedrängt, aber immer noch grossartig genug. Die nördlichen Wembere-Gebiete, das Mutyek-Plateau und vor allem Ngorongoro beherbergen ungeheure Wildmassen, unter welchen das Rhinozeros in erstaunlicher Menge auffällt. Dieser Dickhäuter, der das Glück hat, keine kostbaren Zähne zu besitzen, kann sich ungestört vermehren, während gegen die Elephanten ein wahrer Vernichtungskrieg geführt wird, der ihn auch in vielen Gegenden, wie am Gurui, ausgerottet hat. Löwen und Leoparden sind häufig und richten in den Heerden der Eingeborenen Schaden an. Das Flusspferd kommt in allen Gewässern des Grabens und im Eyassi-See, sowie auch im Ngorongoro-See vor, Krokodile jedoch nirgends. Von den Muscheln und Schnecken ist im Anhang ausführlich die Rede. Sie dienen grossen Schwärmen von Wasservögeln, Flamingos, Enten und Marabus als Nahrung. In den Bächen, selbst in Tümpel periodisch fliessender Gewässer leben grosse Welse.