Drei Gaugöttinnen

Chapter 7

Chapter 72,808 wordsPublic domain

Vom 1. Mai an werden in oberdeutschen Landgemeinden die Grenzbesichtigungen des Bannkreises unter den verschiednen Benennungen der Bereisung, Landleite, Bannbeschreitung, des Flur- und Fohrumganges vorgenommen. Die ganze maennliche Bevoelkerung des Ortes, Jung und Alt, ist verpflichtet daran Theil zu nehmen und wird den Tag ueber auf Gemeindekosten verpflegt. Die dabei vorkommende symbolische Gedaechtnisschaerfung, die an der mitziehenden Jugend bei jedem neuen Marksteine mit Ohrenzupfen, Ohrfeigen und Einstutzen (auf den Stein stossen) vorgenommen wird, ist hinlaenglich bekannt; eben so wenig bedarf es einer Beschreibung, wie viel Pulver dabei aus den Knabenpistolen verknallt und welches Weinquantum vom Maennerdurst weggetrunken wird, um dann nach lustigem Tagwerke dem Kuechleinbackwerk entgegen zu ziehen, dessen wuerziger Duft vom Vaterorte her entgegen dampft. Die staedtischen Buergerschaften pfluegten ebenso unter grossem militaerischen Aufwande ihr Gebiet zu umgehen, haben jedoch seit dem Schlusse des vorigen Jahrhunderts der Kosten wegen es in Vergessenheit gerathen lassen. Dagegen haben sich katholischer Seits zu Stadt und Land die Oeschprozessionen reichlich noch behauptet. So nennt man den auf 1. Mai fallenden kirchlichen Flurumgang, bei welchem an vier in den verschiednen Zelgen der Dorfflur errichteten Altaeren die vier Evangelien abgelesen werden; der Priester besprengt die Flur mit geweihtem Wasser und besegnet sie mit dem Wetter- oder Schauerkreuz. Unter den bei diesem Bittgange durch Bischof Wessenberg seit 1805 vorgeschriebnen Versikeln und Liedern schliesst ein von der ganzen Gemeinde gesungenes:

Deine milde Hand giebt Segen, Giebt uns Sonnenschein und Regen.

So wird der Umgang im aargauer Frickthal und im jenseitigen Schwarzwalde abgehalten. Anderwaerts geschieht dies schon am Markustage, 25. Apr. In Tirol glaubt man, diese Prozession sei aelter als das Christenthum selbst, denn schon der Heiland habe derselben beigewohnt. Zingerle, Tirol. Sitt. no. 720; und allerdings findet sie sich unter dem Namen Rogationes schon unter den Karolingern kirchlich eingefuehrt (Rettberg, Kirchgesch. 2, 791) und war eine Fortsetzung der alten Robigalien; zur Abwehr des Rostes im Getreide veranstaltet. Diese Bittgaenge waren unter dem Namen der Hagelfeier-Predigten selbst bei der protestantischen Bevoelkerung an der Elbe ueblich und durch ein besonderes Volksgeluebde daselbst gestiftet gewesen. Die dortigen Lutheraner ruhten jaehrlich drei halbe Werktage von aller Arbeit und begaben sich zur Anhoerung einer Predigt, durch die man zugleich dem Hagelschlag wehrte. Eine solche Rede findet sich in Zerrenners Ackerpredigten, Magdeburg 1783, 282.

Ein sehr alter und imponirender Zweig dieser Feste war der Mairitt; schon die Reimchronik von der Soester Fehde (bei Emminghaus, Memorabil. Susat. 1749, 660) nennt ihn einen Brauch aus alter Zeit: Up Walpurgis, als men in den meien plach tho riden na alter zede und gewonte. Die Ankenschnittenprozession zu luzernisch Beromuenster wird bereits in der Urkunde von 1223 erwaehnt bei Neugart, cod. diplom. no. 190. Sie wird am Himmelfahrtstage von den Stiftsherrn, den Rathsgliedern des Ortes, der Dragonermannschaft und den sich anschliessenden Wallfahrern zu Pferde abgehalten, Kreuz, Fahnen und Monstranz folgen zu Rosse mit, vom Rosse herab wird gepredigt. Der Ritt geht vom Staedtlein weg auf aargauisches Gebiet nach Maihausen, wo der Hofbauer nach alter, auf dem Gute haftender Verpflichtung jedem beritten Mitkommenden eine frische Ankenschnitte bereit halten muss, die dieser seinem Reitpferde ins Maul stoesst. Diese und aehnliche berittene Prozessionen sind bereits ausfuehrlich beschrieben in den _Naturmythen_ (Leipzig 1862) S. 17; nur das mittlerweile neu gefundene Material wird hier nachgetragen. Der Blutritt in Schwaebisch-Weingarten wird am sg. Wetterfreitag, am Tage nach Himmelfahrt abgehalten. Mit Ausschluss der Wallfahrer zu Fusse hat man dabei schon ueber siebentausend Reiter gezaehlt. Franz Sauter, Kloster Weingarten 1857, 35. In den oberschwaebischen Doerfern findet der Maithauritt am 1. Mai Morgens um 1 Uhr statt und kehrt mit Sonnenaufgang wieder heim. Man lagert in einem Walde, ist guter Dinge und laesst am Rueckwege die bequem gelegnen Wirthshaeuser nicht unbesucht. Birlinger, Schwaeb. Sag. 2, no. 123. Bei den Vlamingen heissen die am 1. Mai veranstalteten kirchlichen Umritte Marienprozessionen, doch faellt derjenige zu Anderlecht bei Bruessel auf Pfingsten, der in Haeckendover bei Tirlemont auf Ostern. Bei letzterem wird unter zahlreichen Pistolenschuessen dreimal die Kirche umritten, dann gehts mit verhaengtem Zuegel quer ueber die Felder, indem man annimmt, dadurch werde die Ernte eine gesegnetere. Ein Bauer, der sich diesem Herumtraben auf seinem Felde widersetzte, fand nachher alle Aehren leer. Wolf, Ndl. Saga no. 345. In Anderlecht ward ehemals derjenige, welcher nach dreimaligem Wettjagen der erste am Kirchenportal anlangte, zu Ross und mit dem Baenderhut auf dem Haupte von dem ganzen Kapitel in die Kirche gefuehrt, da mit einem Rosenkranz geschmueckt und feierlich wieder hinaus geleitet. Reinsberg, Festl. Jahr. 140. Beim sg. Koenigsreiten in oesterreich. Schlesien, wobei Dorfrichter, Geschworene und alle Pferdebesitzer der Gemeinde, geistliche Lieder singend, die Ackerzelgen umreiten, wird der beste Wettrenner Koenig. In Sachsen gilt um Pfingsten das Kranzreiten nach einem geschmueckten Baum, ist aber in Nietleben bereits zum "Betteln reiten" herabgesunken. Sommer, Thuering. Saga S. 154. Unsre rechtglaeubigen Bauern, bemerkt ueber die fraenkische Bevoelkerung in der Ansbacher Gegend Reynitzsch (Truhtensteine 143), reiten ihre Pferde am Ostertage ins Osterbad, gleichwie wir an demselben Tage uns neue Kleider anschaffen und die Zimmer ausweissen lassen. Johannes Boem, genannt Aubanus, von seiner Geburtsstadt Aub in Unterfranken, schrieb 1530 De moribus, legibus et ritibus gentium, woraus Ign. Gropp (Collectio Scriptor. Wirceburg.) den Abschnitt mittheilt, welcher das Frankenland betrifft; hier ist der wuerzburgische Pfingstritt also beschrieben: Pentecostes tempore ubique fere hoc agitur. Conveniunt quicunque equos habent aut mutuare possunt, et cum Dominico corpore, quod sacerdotum unus, etiam equo insidens, collo in bursa suspensum defert, totius agri sui limites obequitant, cantantes supplicantesque, ut segetes Deus ab omni injuria et calamitate conservare velit. Alljaehrlich zweimal, am 10. Mai und am zweiten Pfingsttage, begeht das suedfranzoesische Dorf Villemont das Kirchenfest seiner Ortsheiligen Solangia und traegt deren Reliquien in Prozession hinaus auf die Almende, welche Solangiafeld heisst und den von der Heiligen gegangenen Pfad noch aufweist, auf welchem das Gras stets schoener und dichter steht als auf dem angrenzenden Weideland. Da dieser Pfad die Zahl der Andaechtigen, die oft bis auf Fuenftausend anwaechst, nicht zu fassen vermag und folglich da und dorten in die Saat hinausgeschritten wird, die um Pfingsten schon ziemlich hoch steht, so nimmt diese dabei gleichwohl keinen Schaden, sondern richtet sich schon zwei Tage nachher wieder selbst auf; ein Wunder, von welchem sich Prinz Heinrich von Bourbon im J. 1637 mit eignen Augen ueberzeugt haben soll. Das Gegentheil aber erfolgte an dem Flachsacker eines Geizigen, als der Eigenthuemer hier der Prozession den Durchgang verweigerte; es fiel Mehlthau, der Sonnenstrahl schlug zu und die Anpflanzung wurde brandig. Godefr. Henschenius in Actis SS. tom. II, ad diem 10. Maii.

Solcherlei Fruehlingsbraeuche, die jungen Saaten prozessionsweise zu umreiten und zu durchreiten, stuetzen sich auf heidnischen und auf alttestamentlichen Glauben und wollen Abbilder sein eines den Goettern selbst beigelegten gleichen Thuns. Die Psalmenstelle 65, 12--Du kroenest das Jahr mit deinem Gut und deine Fusstapfen triefen von Fett--liess eine Gottheit erblicken, welche das reifende Kornfeld persoenlich beschreitet und mit ihrer Fussspur ertragsfaehig macht, weshalb das Kirchenlied von Nikolaus Hermann "Um gut Gewitter und Regen" Strophe 9 jene Worte nachdruecklich wiederholt:

Umkroen das Jahr mit deiner Hand, Mit deinen Fussstapfen dueng das Land.

Hier ist der hl. Benno durchgegangen, sagen die preussischen Wenden von besonders gesegneten Feldern (Preusker, Vaterl. Vorzeit); von dem auf den Bergwiesen striemenweise fetter und ueppiger wachsenden Grase sagt der Tiroler, hier ist der fromme Graf Leonhard geritten, hier ist der Alpgeist mit schmalzigen Fuessen drueber gegangen (Zingerle, Tirol. Sag. no. 963. Tirol. Sitt. no. 314); hier ist der Kornweg des ausreitenden Rodensteiners, sagt der Hesse von den durch die noch gruene Frucht hinziehenden gelben Streifen vorreifender Kornaehren. Wolf, Hess. Sag. no. 31. 56. Von den ueber die Spitzen des Aehrenfeldes hinschwebenden Hufen des Goetterrosses versprach sich die Landwirthschaft vormals denselben Vortheil, den sie heute von den Merzwinden erwartet, diese haben nemlich dem jungen Halme Widerstandskraft gegen die sommerlichen Strichregen und Windstoesse zu geben, dann wird er sich weniger lagern und die Aehre weniger ins giftige Mutterkorn schiessen. Auf eine ganz nahverwandte landwirthschaftliche Erfahrung stuetzt sich auch der Ritt in den Maienthau. Bekanntlich haengt die Befruchtung der Kornaehren vom Samenstaub ab, den der Wind durch die Bewegung der Bluethen ausschuettelt und verbreitet. Diese Verbreitung geschieht aber bei der Unregelmaessigkeit der Bewegung nur unregelmaessig, daher bleiben viele Huelsen der Aehren taub. Der aargauer Bauer im Freienamte uebt nun seit alter Zeit folgende Methode zur kuenstlichen Unterstuetzung der Befruchtung aus. Von beiden Breitseiten des Kornackers ziehen zwei Maenner ein Seil ueber der Hoehe des bluehenden Getreides hin und streifen damit gelinde den Morgenthau ab. Dadurch werden nun einige der Aehren zwar "ringrostig", nemlich etwas brandig gemacht, die uebrigen aber gegen das Sichlagern gestaerkt und der ausfallende Samenstaub wird in ihnen gleichfoermig vertheilt. So wird also Brand und Mutterkorn verhuetet, die aus einer und derselben Ursache, aus nicht stattgefundner Befruchtung entstehen. Dieser Naturvorgang ist von den Griechen vergoettert, in Kunstgebilden dargestellt und bis auf die Athene uebertragen worden. Unterhalb der Akropolis zu Athen stand der Thurm der Winde, unter dessen acht Relieffiguren auf einer seiner acht Seiten der Ostwind (Apeliotes), der den gedeihlichen Saatregen mit sich fuehrt, dargestellt war als ein Genius mit heitrer Miene, gefluegelt, mit flatterndem Gewande einherschwebend, in den Falten seines Mantels einen Bienenkorb tragend und neben reifenden Fruechten eine Kornaehre. Droben auf der Akropolis stand die Athenestatue, die den Beinamen Pandrosos (Allesbethauende) fuehrte, als eine andere Demeter verehrt wurde und Aehren in der Hand trug (Welcker, Griech. Goetterl. 1, 313). Diesen ihren Beinamen hatte sie nach demjenigen der drei Toechter des Cekrops, welche Aglauros (Schimmernde), Herse (Thau) und Pandrosos (Allthauig) hiessen und den Erysichthon (Ackermann) zum Bruder hatten, der auch Aithon (Brand und Mehlthau) hiess. Die Thaufeste, Ersephorien, sollten dem Mehlthau steuern und waren der Athene gewidmet.

Betrachten wir dieselben Anschauungen, wie sie in Sprache und Mythe unsrer deutschen Vorzeit sich ausgedrueckt haben.

Thau, goth. daggvus, ahd. touwi, gehoert nach Kuhns Vermuthung (Weber, Ind. Stud. 1; 327) zu sanskrit. doha Milch, ableitend, von duh, ziehen, ducere, so dass also im Vorgange des Thauens das Geschaeft des Melkens und Milchausdrueckens erblickt wurde. Friesisch thavan, anglisch ton heisst waschen. Hundertfaeltig stimmen nun Mythen und Braeuche in der Annahme ueberein, aus dem rechtzeitigen Abstreifen des am Halme haengenden Morgenthaues lasse sich Milch und Butter gewinnen, als gediegenes Produkt fertig herauspressen, und das in diesen Thau getriebene Milchthier ergebe doppeltes Milchquantum. Die Synode zu Ferrara 1612 verbietet, Tuecher in der Nacht vor Johannis Baptistae unter den Himmel zu breiten in der Absicht, den Thau aufzufangen. Liebrecht, Gervas. Tilb. S. 230; gleichwohl ertheilt Schnurr im Oekonom. Kalender besonderen Unterricht, wie man den Himmelsthau vom schossenden Getreide mit subtilen Tuechern aufzufangen und diese in Gefaesse auszuwinden habe, denn solcher Thau sei unsres Landes Manna. Praetorius, Blockesberg S. 559. Grohmann, Boehm. Abergl. S. 132 berichtet Folgendes von einem nun verstorbenen Simanek aus Kaurim. Er schmueckte in der Walburgisnacht seine Kuh mit gruenen Zweigen und einer Decke, zog sich selbst nackt aus und fuehrte das Thier durch den Thau. Heimgekehrt drueckte er die thaubenetzte Decke in ein Gefaess aus, indem er dabei mit den vier Zipfeln umgieng wie beim Melken, und gab das gewonnene Wasser den Thieren unter die Traenke. Sie waren dann das ganze Jahr milchreich. Es ist eine von Sachsen bis nach Ostfriesland nachgewiesne Sitte, abwechselnd um Mai, Ostern oder Pfingsten, den Fruehthau zu gewinnen, indem man die Heerde hineintreibt oder ihn mit Wettritt und Wettlauf feierlich abstreift. Die am fruehesten ausgetriebene Weidekuh bekommt einen langen Maibusch an den Schwanz gebunden, erhaelt den Preisnamen Daufaejer, Dauschloepper, das wettrennende Ross den Namen Thaustrauch, weil sie den ersten Thau erfolgreich weggefegt haben, und werden mit dem am Rennziel auf der Stange steckenden Blumenmaien oder Brodweck beschenkt. Kuhn, Nordd. Sag. S. 380-88. Westfael. Sag. 2, S. 165. Ebenso gilt in Holland das Daauwtrappen und Daauwslaan. Allein die egoistische Natur des Menschen, die bei jedem Begegnisse den Neid des Andern voraussetzt, verkehrt den heiligen Thau zum Zaubermittel; darum gehen denn auch die Hexen um Weihnachten in die Wintersaat und erhorchen die Zukunft, auf Walburgis in das gruene Korn, auf Pfingsten ins Roggenfeld, um in Thau zu baden, mit den hinter sich her gezogenen Tuechern ihn aufzusammeln, daheim auszupressen und so die Milch jeder fremden Weidekuh fuer sich zu gewinnen. Schoenwerth, Oberpf. 3, 172. Daher heissen die Hexen in Holstein Daustriker. Die ao. 794 zu Frankfurt versammelten Bischoefe erklaerten eine letztjaehrige Hungersnoth daraus, dass der Teufel den Leuten, welche den Zehnten nicht entrichten, damals die Aehren ausgefressen habe: experimento enim didicimus in anno, quo illa valida fames irrepsit, ebullire vacuas annonas a daemonibus devoratas et voces exprobriationis auditas. Schmidt, Gesch. d. Deutsch. 1, 575. Niedlich lauten die Histoerchen von den Zwergen, die sich des gleichen Vortheils zu bedienen suchen und darueber klaeglich entdeckt werden. Wenn die Zwerge im Harz in die Erbsenfelder giengen, hatten sie ihre unsichtbar machenden Nebelkappen auf. Allein die Leute nahmen einen Pflugstrick oder eine lange Stange und fuhren damit oben ueber das Feld hin. Damit fielen den Zwergen die Nebelkappen vom Kopfe, sie wurden sichtbar und konnten tuechtig durchgepruegelt werden. Proehle, Harzsag. 1, 199. 210. Um sich nun gegen die Nachstellungen der Hexen sicher zu stellen, kommt man ihnen auf folgende Weise zuvor. Man breitet in der Walburgisnacht ein weisses Tischtuch im Hofe aus, auf dem neunerlei Arten Kornes durch einander geschuettelt liegen, laesst sie vom Nachtthau benetzt werden und fuettert damit saemmtliche Hausthiere vom Stier bis zum Huhn hinab. Darstellungen aus dem Gebiet des Abgl., Graetz bei Kienreich 1801, S. 9. Da auf aehnlich magische Weise auch der Butterraub ausgeuebt wird, so ist das Gegenmittel hier wiederum ein gleiches: am 1. Mai alle Speisen recht stark zu schmalzen, Ankenschnitten, in der Schweiz eine dickgestrichene _Ankenbruet_, am Familientische zu essen, allen Hausthieren davon zukommen zu lassen und dem Weidevieh beim ersten Austrieb ein solches Stueck zu geben. Vom hexenhaften Buttergewinn erzaehlt Jac. Sprenger im Hexenhammer, pars 2, quaest. 1, cap. 14 folgende Begebenheit. An einem Maitag empfanden mehrere zusammen ueber Feld Spazierende grosse Lust, frische Maibutter zu geniessen. Sie standen zufaellig an einem Flusse. Ich will euch solche besorgen, sprach einer von ihnen, wartet nur ein wenig. Er gieng in den Fluss, setzte sich mit dem Ruecken gegen den Lauf, ruehrte mit den Haenden rueckwaerts und es dauerte nicht lange, so brachte er eine foermliche Butterballe zum Vorschein, wie sie die Bauern im Mai machen. Die Gesellen fanden sie beim Verkosten ganz trefflich schmeckend.--Ein aargauer Bauernsprichwort sagt rationalisirend: Wer am Maitag Gras haeufelt, der kann an der Auffahrt schon eine Ankenballe in seiner Matte bergen. Der gelehrte Abt Trithemius dagegen versichert in seinem fuer Kaiser Max I. verfassten Liber octo questionum (gedruckt bei Joh. Hasselberger 1515) alles Ernstes in der sechsten Frage: Exploratum habemus, maleficas in fluminibus concitatis hausisse butyrum temporibus. Daher heisst es, in der Walburgisnacht fliege der Drache um und trage seinen Glaeubigen Butter und Schmalz aus fremden Haeusern zu. Was er nicht weiter schleppen kann, speit er auf die Schwindgruben; die gelbweissen Algen in Tellergroesse, die man auf dem Duengerhaufen zuweilen erblickt, heissen daher Drachenschmalz. Schoenwerth, Oberpfalz 1, 394. 396. Mit demselben Morgenthau erwartet man auch den Honigregen; denn, sagt Carrichter, des Kaisers Maximilian II. Leibarzt, in der Teutschen Speisskammer (Strassburg 1614) S. 69: "Da die Bienen im Herbste, obschon dann noch immer Blumen vorhanden sind, keinen Honig mehr eintragen koennen, so ist daraus zu ersehen, dass der Honig nicht aus den Blumen, sondern aus dem Thau bereitet wird, der zur Zeit des Siebengestirns auf die Blumen faellt;" und daher erzaehle Galenus, 3. B. de alimentis, die Bauern haetten am Morgen, wenn sie Honig auf den Baeumen kleben gesehen, ein Freudenlied gesungen: "der grosse Jupiter im Himmel droben regnet uns Honig auf das Feld!" Unsre Bauernregel besagt: Viel Honigthau im Mai giebt starke Bienenschwaerme. Thau und Honigfall wird von einem Engel uns zugebracht, er liefert, nach Hebels Alemann. Gedichten:

Mengmol e Haempfeli Bluememehl, Mengmol e Troepfli Morgethau.

Da beides die ausschliessliche Nahrung der Unsterblichen ist, so ist sie darum auch so suessschmeckend; denn, sagt Hebel:

Doert oben wachst kei Gras, doert wachse numme Rosinli.

Die boehmische Haingoettin Medulina hat ihren Namen vom Honigtranke Meth. Sie ist eine Weisse Frau, die in der einen Hand ein Koerbchen mit Pflanzen, in der andern einen Strauss traegt. Im Fruehlinge traegt das Volk Honig in die Waelder, stellt ihn auf die Baumstoecke und spricht: Medulina, da hast du, du giebst es uebers Jahr wieder! Grohmann, Boehm. Sagb. 1, 134. Im finnischen Epos Kalewala, 15. Gesang, wird erzaehlt, wie der ertrunkene Lemminkaeinen von der Mutter wieder ins Leben gebracht wird. Alle Besegnungen und Heilmittel wollen ihm aber nicht wieder zum Sprachvermoegen verhelfen. Da fleht die Mutter ein Honigbienchen an, es moechte hinauf in den neunten Himmel fliegen, wo Gott aus seinem Honigkeller die zu Schaden gekommenen Kinder salbt. Das Bienchen bringt von dieser Salbe herbei, die Mutter stillt des Sohnes Schmerzen und die Sprache kehrt auf seine Zunge zurueck.

Das grosse Kapitel des Hexenglaubens liegt nun zwar mit der Walburgisnacht hier nahe genug zusammen; gleichwohl soll es nur so weit beruehrt werden, als dadurch der innerliche Grund seiner missgestalteten Meinungen an der Hand der bisher vorgetragnen Angaben zur Verdeutlichung gebracht werden kann.