Part 1
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1915 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen sowie Schreibvarianten bleiben gegenüber dem Original unverändert, sofern der Sinn des Texts dadurch nicht beeinträchtigt wird.
Besondere Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~
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Die Sitten der Völker
Liebe · Ehe · Heirat · Geburt · Religion · Aberglaube · Lebensgewohnheiten · Kultureigentümlichkeiten · Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde
Bearbeitet auf Grund der Beiträge hervorragender Fachgelehrter
von
Dr· Georg Buschan·
Zweiter Band
Mit 522 Abbildungen im Text, 13 farbigen Kunstbeilagen und 12 Kunstblättern in Doppeltondruck
Stuttgart, Berlin, Leipzig * Union Deutsche Verlagsgesellschaft
Nachdruck verboten
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsübersicht
Seite
Asien (Fortsetzung) 1
Korea 1
Japan 8
Formosa 54
Ceylon 61
Vorderindien 86
Nordindien 140
Die Wildstämme im Norden und Osten Vorderindiens 177
Assam 207
Zentralasien 217
Nordasien 246
Iran 265
Vorderasien 301
Afrika 331
Südafrika 332
Madagaskar 357
Ostafrika 378
Nordostafrika 415
Ägypten 435
Nordafrika 450
(Schluß von Afrika folgt in Band III)
Verzeichnis der Kunstbeilagen
Zugehöriger Text Nach Seite Seite
Eine mohammedanische Braut (v. d. Titel) 447
Fächertanz in Nikko 8 12
Strohpuppentanz in Japan 24 12
Das „Gion“-Fest in Kyoto 32 16
Singhalesische Teufelstänzer 72 75
Das Periyapalayamfest (Ceylon) 80 81
Fakire in einem indischen Tempel über ein Brett mit aufrechtstehenden Nägeln schreitend 144 145
Indische Bajadere im Tempel tanzend 152 153
Hochzeitswagen der Hindu 168 164
Gebetmühle in einem buddhistischen Tempel in Tibet 224 225
Samojedenfamilie in Winterkleidung 248 248
Mohurrumfest in Persien 272 269
Der Nationaltanz der Balutschen 288 287
Vor der Klagemauer Jerusalems 312 310
Das jüdische Osterfest der Samaritaner 320 310
Ein Medizinmann der Swasi 352 350
Inneres der Palisadenfeste eines Eingeborenensultans in Ostafrika 376 379
Negerfrauen aus Ostafrika, die in Flaschenkürbissen Bier auf dem Kopfe tragen 384 381
Suaheliweiber aus Sansibar mit ihrem Fetisch 392 381
Der Borana-Bororansi-Tanz der Somal 416 419
Die Prozession des Mahmal 440 440
Kriegsspiel in Marokko (sogenannte Fantasia) 448 451
Marokkanischer Beduinenscheich 452 451
Marokkanische Schönheit 452 452
Arabischer Schleiertanz 456 456
Korea.
Die Halbinsel Korea, die nach wechselvollen Schicksalen 1904 zu einem Vasallenstaate, sechs Jahre später zu einer Provinz Japans gemacht wurde, wird von einer Bevölkerung eingenommen, die zu den Mongolen im weiteren Sinne zählt, aber auch viele fremde Bestandteile in sich aufgenommen hat. So hat sich bei ihr ein ganz +bestimmter Typus+ herausgebildet, der sogenannte mandschu-koreanische, der im großen und ganzen mehr dem des Europäers als des Mongolen nahekommt. Die Koreaner sind stattliche, im Vergleich zu den übrigen Ostasiaten große Leute, mit mehr länglichem, schmalem Gesicht, weniger vorragenden Jochbeinen, sowie feinerer, mehr dünner und etwas gebogener (adlerförmiger) Nase (Abb. 4). Diese relative Feinheit des Gesichtes wird aber beeinträchtigt durch die deutlich geschlitzten Augen mit Mongolenfalte, die vorstehenden Kiefer, im besonderen die langen Schneidezähne, welche die Oberlippe nicht zu decken vermag, und das wenig entwickelte Kinn.
Die Koreaner betreiben +Ackerbau+ auf ziemlich niederer Stufe. Ihre +Kleidung+ gleicht in ihren Hauptbestandteilen der chinesischen; beide Geschlechter tragen unten geschlossene Hosen und Jacke, aber nicht vom modernen Schnitt, sondern so wie er zur Zeit der Mingdynastie in China üblich war. Für das Frauengewand sind typisch eine ganz kurze, die Brüste unbedeckt lassende Jacke und ein wie ein Segel aufgebauschter Rock, der an einem breiten Gurte hängt und überall die Erde berührt (Abb. 6). Frauen der wohlhabenden Kreise ziehen noch darüber einen Chang-ot, einen dünnen, grünseidenen Mantel an, der ihnen auf der Straße gleichzeitig zur Verschleierung dient, wenn ihnen eine männliche Person begegnet. Wenn er richtig umgelegt ist, dann bleiben nur ein Auge, eine Andeutung der Wange und ein ganz klein wenig von der Stirn und den Schläfen unbedeckt. Ganz eigenartig ist die +Kopfbedeckung+ der Koreaner. Diese besteht aus einer aus Pferdehaar oder Zwirn angefertigten Binde, die, um das lange, nach oben zu in einen kleinen Knoten auslaufende Haar zusammenzuhalten, um den Kopf gebunden und nur beim Schlafen abgenommen wird. Über diese Binde wird eine aus dem gleichen Material hergestellte Kappe gestülpt, die der Koreaner ebenfalls tagsüber nie ablegt, und wenn er auf die Straße geht, wird über diesem Käppi noch ein schwarzlackierter Zylinderhut aus gespaltenem Bambus getragen, der jedoch, da er bedeutend kleiner als der Kopf ist, unter dem Kinn mittels einer schwarzen Schnur, die bei wohlhabenderen Leuten noch mit Glasperlen besetzt ist, festgehalten wird (Abb. 2). Da jeder Koreaner mit dieser unvermeidlichen Kopfbedeckung einhergeht, so gibt es in den Straßen natürlich zahlreiche Huthändler, die diese Zylinder zu dem billigen Preise von vier bis fünf Pfennigen häufig aufbügeln. -- Die Koreaner wohnen in einfachen Strohhütten (Abb. 5).
Das koreanische Volk ist streng in drei +Stände+ geschieden, was übrigens auch in der Kleidung zum Ausdruck kommt. Nur dem Adel und den Beamten ist es gestattet, farbige Gewänder zu tragen (Abb. 4), die gewöhnlichen Leute dürfen sich nur weiße Kleider anziehen. Die vornehmste Klasse sind die Yang-ban oder Adligen. Für die Frauen dieses Standes ist Vorschrift, daß sie nur verschleiert auf die Straße gehen, wobei der grünseidene Chang-ot über den Kopf gezogen wird; für die der zweiten Klasse ist dieses Gebot nicht so bindend; die Tänzerinnen, Sklavinnen, Nonnen und alle, die zur untersten Klasse gerechnet werden, dürfen den Chang-ot nicht tragen. Im übrigen besteht die Kleidung der Koreanerinnen in weiten Hosen und einem darübergezogenen Rock, der die Umrisse des Körpers, abgesehen von den freibleibenden Brüsten, unkenntlich macht. -- Die vornehmen Koreaner reiten entweder zu Pferde aus, wobei sie ihr Pferd führen und einen Diener mit einem Schirm vorausgehen lassen (Abb. 3), oder sie werden in einem Gefährt getragen, das ein Mittelding zwischen Sänfte und Karre vorstellt. Vorn und hinten wird es an langen Stangen von Dienern halb gezogen, halb geschoben, fährt aber auf einem Rade, das sich unter dem Sitz befindet, dahin (Abb. 7). Das +religiöse Gefühl+ scheint bei den Koreanern weniger als bei den übrigen asiatischen Völkern entwickelt zu sein. Der Buddhismus, der ums Jahr 380 nach Christus eingeführt und später zur Staatsreligion erklärt wurde, vermochte nie recht Wurzel zu fassen; die gebildeten Kreise bekennen sich zur Lehre des Konfuzius, das gewöhnliche Volk ist zumeist religiös indifferent oder glaubt an die Geister der Berge und des Waldes. Die Teufel- und Geisteranbetung scheint von jeher die Grundlage des nationalen Glaubens der Koreaner gebildet zu haben. +Der Berggeist+ ist heute noch die volkstümlichste Gottheit, der ein jedes Dorf Opfer darbringt. Am Wege und in den Bergpässen finden sich Altäre errichtet, auf denen die Vorüberziehenden sich durch Spenden die Berggottheit geneigt machen können. Nach dem Glauben der Koreaner üben die Berge auch eine wohltätige und schützende Wirkung aus; man gibt ihnen auch ganz sonderbare Namen, wie Spitze der andauernden Tugend, Spitze der tausend Buddha, Ewiger Friede, Schwertberg, Wolkenberührer und andere mehr. Jede Stadt hat ihren Schutzberg. -- Ebenso wie die Bergketten werden auch die Bäche, Flüsse, Seen, Teiche und so weiter von Geistern bewohnt gedacht, die entweder verderbenbringend oder wohlwollend sich gegen die Menschen verhalten und durch Opfer und Gebete versöhnt werden.
Die +Frauen+ der Koreaner werden sorgfältig von der Außenwelt abgeschlossen, besonders die der obersten Klasse, denen es nur gestattet ist, bei Nacht sich im Freien Bewegung zu machen. Es gewährt dann einen gespensterhaften Anblick, diese weißen Nachtgestalten bei Laternenschein über die Straße huschen zu sehen. Ohne Erlaubnis ihres Mannes darf die Frau nicht einmal auf die Straße hinabsehen. Wenn ein Mann ein Dach zu decken hat, benachrichtigt er zuvor die Nachbarsleute des Hauses davon, damit sie die Fenster der Frauengemächer schließen. -- Bis zum Alter von zwölf Jahren sind die Mädchen der vornehmen Stände nur für die Angehörigen des Hauses und ihre nächsten Verwandten sichtbar. Von ihrer Verheiratung an, die sie sehr jung eingehen, beschränkt sich ihr Verkehr mit Männern auf solche, die mit ihnen bis zum fünften Vetterngrade verwandt sind. Die Frauen dürfen zwar Freundinnen besuchen, aber dabei nur mit verschleiertem Gesicht an die Öffentlichkeit gehen; zumeist werden sie in einer verhangenen Sänfte getragen (Abb. 9).
Für den Koreaner ist die Frau eigentlich nur das Arbeitstier und das Werkzeug des Vergnügens; ihre Hauptaufgabe erblickt sie daher in der Mutterschaft. Wenn ein Mädchen mit zwanzig Jahren noch nicht verheiratet ist, dann kommt es ins Gerede der Leute. Bezeichnend für die +niedere Stellung der Frau+ ist es, daß sie als Gattin keinen Namen führt; in der Kindheit erhält sie wohl innerhalb der Familie einen Rufnamen, aber nach ihrer Verheiratung geht sie seiner verlustig. Trotz der großen Verachtung, mit der die koreanische Frau behandelt wird, macht sie doch einen wirtschaftlichen Faktor in der Familie und im Leben der Nation aus. Der Zwang der Verhältnisse hat sie zum Lasttier gemacht. Sie arbeitet, damit ihr Herr und Gebieter in Faulheit, in gewissem Luxus und in Frieden leben kann. Die Frau zeigt sich außerordentlich tätig, ist fleißig, charakterfest, weiß sich in jedweder Notlage sofort zu helfen, besitzt Ausdauer, Mut und Anhänglichkeit. Ihre Tätigkeit besteht bei den mittleren und unteren Schichten im Schneidern und Waschen, in der Hausarbeit, sowie in der Bestellung des Ackers.
Auch der Jüngling ist bestrebt, möglichst früh eine Gattin heimzuführen, denn nur der Verheiratete gilt etwas in der Gesellschaft und hat Anrecht auf Ämter und Ehren. Die +Hochzeit+ (Abb. 1) wird von den Vätern vereinbart. Am Vorabend bindet eine Freundin der Braut ihr jungfräuliches Haar zu einem Knoten, dem Abzeichen der Verheirateten. Am Hochzeitstage setzt ein Zauberer eine „Krone des Glücks“ auf ihr Haupt (Abb. 8), sie selbst muß beständig im Schweigen verharren, selbst allen Fragen und Glückwünschen gegenüber. Die Brautleute (Abb. 10) nicken sich vor Zeugen mit einem Gruße zu; damit ist die Ehe geschlossen. -- +Polygamie+ ist nicht gestattet, jedoch sind Nebenweiber eine anerkannte Einrichtung und sowohl in den niedrigsten wie in den höchsten Kreisen anzutreffen, und dies in so großer Zahl, als der Geldbeutel des einzelnen es erlaubt. Nach koreanischem Gesetz kann eine Frau eine +Scheidung+ von ihrem Mann nicht erzielen, dieses Vorrecht besitzt nur er selbst; in den oberen Kreisen aber ist Scheidung ungewöhnlich. Die Frau darf jedoch ihren Mann verlassen und den Schutz eines Verwandten annehmen, es sei denn, daß ihr Gatte das Gegenteil ihrer Anklagen beweisen kann. Gelingt es der Frau nicht, den Beweis der Wahrheit für ihre Beschwerden anzutreten, dann erstatten ihre Verwandten die Hochzeitskosten, meistens eine große Summe, zurück. Ein Mann kann sich gesetzlich von seiner Gattin scheiden lassen wegen Trägheit, Versäumen der vorgeschriebenen Opfer, Diebstahl und Widerspenstigkeit; er behält stets die Pflege der Kinder. Eine Frau der oberen Klassen darf gegen die Beschuldigungen ihres Gatten auch keine Berufung einlegen, da häusliche Störungen durchweg für tadelnswert angesehen werden.
Japan.
Wenn wir auf der langgestreckten Inselgruppe des japanischen Reiches, das sich von den nördlichen Kurilen bis zur Südspitze Formosas ausdehnt, Umschau halten, so treffen wir nicht nur auf eine große Verschiedenheit des Klimas, der Tier- und Pflanzenwelt, sowie der Lebensbedingungen, sondern auch auf solche der Bewohner; in der Hauptsache sitzen im Norden die Ainu, im Süden Chinesen und Malaien und auf den Inseln des eigentlichen Altjapan die Japaner, die allerdings auch wieder keinen reinen Typus mehr vorstellen, sondern ein Mischvolk sind, hervorgegangen aus den ursprünglich ziemlich über das ganze Reich ansässig gewesenen Ainu (vielleicht auch noch einer älteren Urschicht, den sogenannten Koro-pokguru), den aus Nordasien hinzugewanderten mongolischen (tatarischen) Völkern und den aus Indonesien über die Philippinen hinzugekommenen malaiischen. Trotz dieser grundverschiedenen Mischung treten uns die +Japaner+ als eine +ziemlich homogene+ Masse entgegen, in der sich höchstens zwei +Typen+ unterscheiden lassen, die aber in ihrer extremen Ausprägung doch scharf gekennzeichnet sind: ein feinerer und ein plumperer; der Unterschied kann so auffällig sein, daß man manchmal denkt, es handelt sich um Personen ganz verschiedener Rassen. Der feinere Menschenschlag (Abb. 12), der sich fast ausschließlich auf die höheren Stände beschränkt, gleicht dem von uns bereits geschilderten mandschu-koreanischen Typus; er hat sich gleichsam durch geschlechtliche Zuchtwahl hier befestigt, denn die Vornehmen und Reichen in Japan bevorzugen als Frauen und auch als Nebenfrauen solche von schlankem Bau, mit langem, schmalem Gesicht, Adlernase, langem Hals, schmalen Schultern und Hüften, sowie zierlichen Armen und Füßen. Bälz nennt diesen Typus den Shoshutypus im Gegensatz zu dem Satsuma- oder groben Typus. Letzterer (Abb. 13 u. 15) ist gekennzeichnet durch kleinere Statur, plumpen, robusten Körperbau, rundes, breites Gesicht mit ausladenden Wangenbeinen, volle Backen, stark ausgeprägte Mongolenfalte, breite, gerade oder aufgestülpte Nase mit flachem, niederem Rücken, großlippigen, breiten Mund, vortretende Nasen-Mundpartie und volles Kinn.
Die +Kleidung+ der Japaner besteht in einer Hose und einem Kittel, die beim Landvolke aus mit Indigo gefärbtem Hanf-, bei den Stadtbewohnern aus farbigem Baumwollgewebe (Abb. 17) und bei den Wohlhabenderen aus Seidenstoffen angefertigt sind. Vielfach hat bereits europäische Kleidung Eingang gefunden, die bei der Arbeit praktisch und sparsamer ist. In seinem Heim jedoch bevorzugt jeder Japaner, sei er Offizier, Beamter, Gelehrter oder Geschäftsmann, den bequemeren Kimono, der dem Träger etwas Würdevolles und, besonders bei weiblichen Wesen, recht Malerisches verleiht. Es ist dies ein aus einem Stück hergestelltes, schlafrockähnliches Gewand, das vom Hals bis zu den Füßen reicht, lange viereckige Ärmel besitzt und mit einem Gürtel, dem Obi, zusammengehalten wird. Der Schnitt ist für beide Geschlechter der gleiche. Jede Jahreszeit erfordert ihr besonderes Kleid, ebenso die Etikette bei den verschiedenen Anlässen; es geht in Japan geradeso zeremoniell zu wie in China. Im Winter trägt man wattierte Kimono; vielfach wird ein Kimono über den anderen gelegt, um sich vor Kälte zu schützen, denn da man in Japan in Holzhäusern wohnt, deren Räume nur durch Papierwände abgeschlossen sind, so herrscht in diesen bei kühlerer Witterung eine ziemlich niedrige Temperatur. Der Obi der Männer ist ein schmaler Gurt aus gerippter Seide oder Brokat bei festlichen Gelegenheiten und aus weißem Krepp oder Seide im Hause. Der der Frauen (Abb. 14) bildet den kostbarsten Teil des weiblichen Gewandes und wird für besonders feierliche Gelegenheiten aus prachtvollem Goldbrokat hergestellt. Er ist etwa dreißig Zentimeter breit und mißt vier bis viereinhalb Meter. Er wird in der Länge zusammengefaltet, um die Taille gelegt und an den Enden zu einer flachen Schleife auf dem Rücken zusammengebunden; infolge eingelegter Polsterung stehen diese dann vom Körper weit ab. Vorn wird der Gürtel noch durch eine goldene oder mit Edelsteinen verzierte Klammer gehalten. Bei den unverheirateten Mädchen wird der Obi so gebunden, daß die Enden bis an die Schulter in die Höhe stehen (geradeso wie ein „Pfeil“ in einem Köcher, weswegen die Mode auch ihren Namen erhalten hat). Das Kleid der Japanerin mutet recht schön und malerisch an, eignet sich aber nicht zur Arbeit und hindert die körperliche Bewegung. Die Männer ziehen sich stets noch einen Überzieher (Haori) an, der denselben Schnitt wie ein Kimono hat, aber nur bis zu den Knien reicht und mit einer weißseidenen Schnur geschlossen gehalten wird. Die zeremonielle Robe ist mitten auf dem Rücken, auf den Ärmeln und auf jeder Seite der Brust mit der Familienverzierung in Weiß versehen. Arbeiter, Zimmerleute, Jinrikschazieher und so weiter tragen einen baumwollenen Rock (Happi), der mit großen roten oder weißen Zeichen gemustert ist, die die Zunft oder den Stand des Trägers bezeichnen; der private Jinrikschazieher trägt das Familienwappen seines Herrn in Seide gestickt auf dem Rücken (Abb. 16). Die Fußbekleidung ist, sofern der Japaner nicht barfuß geht, eine Leinensocke (Tabi), bei der die große Zehe von den übrigen getrennt ist, um den Sandalenriemen durch die Lücke führen zu können. Die Kopfbedeckung fällt verschieden aus. Die kunstvolle Haarfrisur der Frauen erfordert das Schlafen auf einer Nackenstütze. Gegen den Regen hängt sich das Landvolk Strohmäntel um und trägt Regenschirme aus Ölpapier. Bei den Männern der niederen Klassen (Kuli, Pferdeknechten) ist das +Tatauieren+ (Abb. 20) sehr beliebt; es soll bei ihnen, die wegen ihrer anstrengenden Arbeit leicht in Schweiß geraten und daher nur wenig bekleidet einhergehen, die Kleidung ersetzen. Tatsächlich werden vorzugsweise die Stellen am Körper tatauiert, die man sonst bedeckt trägt. Vögel, Drachen, Blumen und weibliche Schönheiten geben die Motive auf Rücken, Brust, Lenden und Schultern ab. Bei den Frauen ist +Bemalen+ des Gesichtes und Halses mit einer weißen Paste (Abb. 22), +Ausrupfen der Augenbrauen+, +Rotschminken+ der Lippen und +Schwarzfärben+ der Zähne üblich. Die Japaner +wohnen+ in niederen, nur einen bis zwei Stock hohen, aus Holz gebauten Häusern, die weder Keller noch Boden besitzen. Die Stelle von Fenstern vertreten Schiebetüren, deren Füllung aus Papier besteht. Feste Zimmer gibt es in ihnen nicht, die Innenräume werden nach Bedarf durch verschiebbare Wände aus Papier hergestellt. Den Boden bedecken Binsenmatten, zur Heizung dienen messingene Kohlenbecken. -- Die Lagerstätten sind auf dem Boden ruhende Matratzen und eine wollene Zudecke. Die sonstige Ausstattung der Zimmer ist eine bescheidene; außer Schränken finden sich für gewöhnlich nur noch Wandschirme, Ständer für Blumen und einige wenige Rollbilder an der Wand.
Die Japaner +genießen+ mit Vorliebe Reis, sehr wenig Fleischspeisen und als Getränke heißen Reiswein (Sake) und Tee (Abb. 19); Genußmittel ist ihnen der Tabak, den auch die Frauen gern rauchen (Abb. 18). -- Ihre +Ackerwirtschaft+ steht noch auf der Stufe des Gartenbaues.