Part 28
Gelangt ein Siamese zu Reichtum, so läßt er sich die +Erbauung eines Klosters+, eines Tempels oder einer Pagode angelegen sein und hofft dadurch einen wesentlichen Vorteil zugunsten seines Seelenheils zu erlangen. Um ein verfallenes kirchliches Gebäude wieder herzustellen, gibt er aber kein Geld aus, weil er fürchten muß, daß er, wenn er dieses für das Werk eines anderen verwendete, er nur zu dessen Heil beitragen würde. Überhaupt muß der Buddhist, wenn er zukünftiges Glück erlangen will, sich bereits in diesem Leben verdient machen. Die beliebteste Art und Weise, dies zu ermöglichen, wenn er nicht gerade in ein Kloster gehen will, besteht eben darin, den Mönchen Geschenke zu machen, die diese in jeder dargebotenen Form annehmen, sei es, daß es sich um ein wenig gekochten Reis oder um ein prachtvolles Kloster mit allem Zubehör handelt. Man hat auch bestimmte Tage und bestimmte Jahreszeiten, an denen man diese besondere Form, Gutes zu tun, zum Ausdruck bringt, dabei verbindet man aber auch mit diesen Pflichten allerhand +Vergnügungen+ (Abb. 396). Vier Tage im Monat sind heilige Tage, an denen die Leute ihre besten Kleider anlegen und zum Tempel wandeln, um hier kleine Opfer darzubringen. Am Anfang und Ende der buddhistischen Fastenzeit bietet sich zu ähnlichen Gebräuchen Gelegenheit. Im April wird die Geburt des Buddha und sein Tod durch einen dreitägigen Gottesdienst im Tempel gefeiert, und am Abend finden Feuerwerk, festliche Beleuchtung und Theater statt. Im Oktober sind alle Menschen eifrig dabei, den Mönchen Kleider zu schenken; es ist dies das bedeutendste Fest der buddhistischen Religion, das Tot Krathin oder das „Niederlegen des heiligen Tuches“. Dieses Fest dauert ungefähr einen Monat und verschlingt eine Unmasse Geld, das für das gelbe Tuch der Mönche ausgegeben wird. Jeder von ihnen bekommt viel mehr davon als er irgend nur gebrauchen kann. Die Hauptsache aber dabei ist, daß das ganze Volk vom König abwärts sich dadurch sehr verdient macht und trefflich unterhält. Zum Prabahtfest, das in den Monat Oktober fällt, unternimmt das Volk Pilgerfahrten in die Berge bei Bangkok, um dort in einem Tempel zu beten, der auf den angeblichen Fußspuren Buddhas, allerdings auf solchen von mehr als einem Meter Länge, erbaut ist. Kurz vor Vollmond bringen Sonderzüge die Pilger zum geweihten Ort; während der nächsten Tage drängen sie sich auf den Stufen des Tempels, um Geschenke niederzulegen, Spielsachen, Bilder, Uhren und andere seltsame Gegenstände, die in Bangkok gekauft wurden, oder um Goldschaum auf jede nur erreichbare Stelle der Tempelmauer zu kleben. Die Nächte bringen sie mit Lesen der heiligen Schriften oder mit Unterhaltungen und Flirt bei hellem Mondschein zu.
Andere Feste religiöser Natur, die die Siamesen feiern, sind entweder aus dem Brahmakultus übernommen oder beruhen auf deutlicher Geisteranbetung. Im April findet das Songkranfest statt, nach einem brahmanischen Gott so benannt, der auf die Erde kommt, um das neue Jahr einzuweihen. Einige Tage vorher verkünden die Brahmanenpriester des Hofes die Anwesenheit dieses Gottes auf der Erde. Daraufhin macht sich das ganze Volk daran, die Erde mit Trankopfern zu begießen und damit auch Personen zu bedenken, denen ihre Ehrfurcht gilt. Mit besonderem Ernst wird diese Zeremonie im Königspalast vorgenommen, indem man die Erde und das Staatsoberhaupt feierlichst mit Weihwasser besprengt. Andernorts nimmt diese Zeremonie aber mehr die Form einer Belustigung an, bei der die weibliche Jugend die Führung hat und die sie so lange betätigt, bis sie und alle, die sich ihr nähern, ganz und gar durchnäßt sind. Die Verkündigung der Rückkehr des Gottes in den Himmel macht dem Spiel ein Ende. -- Im Oktober wird die Versöhnung des Flußgeistes mit großartiger Feierlichkeit begangen; man nennt diese Zeremonie Loi Kratung oder das „Schwimmen der Körbe“, weil man auf dem Flusse Dankopfer in Körben aussetzt und diese hinabtreiben läßt. In Bangkok, wo man diese Festlichkeit in der Nacht vornimmt, wird ein jeder Korb noch beleuchtet, so daß der ganze Strom einem funkelnden Lichtmeer gleicht, und diese Wirkung wird noch durch Feuerwerk erhöht. -- Das alljährlich stattfindende Schaukelfest, das eine althergebrachte Einrichtung ist, soll den Dank für die letzte Ernte und gleichzeitig die Fürbitte um einen reichlichen Ertrag im nächsten Jahre bedeuten (Abb. 397). Der Gott Indra, in Gestalt eines vornehmen Siamesen, überwacht die Feier und marschiert im Zuge, der sich von einem entfernt gelegenen Tempel bis zu dem Platze begibt, wo die große Schaukel steht, mit. Vier Männer, deren Tracht auf einen Zusammenhang mit Regengöttern hinweist, werden auf die Schaukel gehoben -- diese selbst ist gegen dreißig Meter hoch und das Schaukelbrett befindet sich etwa fünf Meter über der Erde --, ergreifen die herabhängenden Seile und setzen sie in Bewegung. Sobald sie genügend in Schwung geraten ist, sucht einer einen kleinen Beutel zu erfassen, der an einer langen Bambusstange in der Nähe der Schaukel hängt und Münzen enthält (Abb. 398). Glückt es ihm, ihn zu erfassen, dann ruft die zahlreich versammelte Menge vor Freuden Beifall, verfehlt er ihn aber, dann erhebt sich Bedauern. Daß das Volk so lebhaften Anteil an dem Gelingen dieses Versuches nimmt, hängt mit dem Aberglauben zusammen, daß dadurch eine zwischen Indra und den Regengöttern abgeschlossene Wette ausgetragen werden soll. Wenn die Münzen ergriffen werden, so haben letztere gewonnen.
Zum Schluß sei noch das Rek Na-Fest oder das „erste Pflügen“ erwähnt, eine Zeremonie, um die Götter des Ackerbaues günstig zu stimmen und zu erfahren, wie voraussichtlich die nächste Ernte ausfallen wird. Mit ihm wird die Feldarbeit eröffnet. Ehemals führte der König selbst diese Zeremonie aus, jetzt vertritt ihn dabei ein hoher Beamter, meistens der Ackerbauminister (Abb. 399). Dieser lenkt einen vergoldeten Pflug, der von bunt angeschirrten Ochsen gezogen wird (Abbild. 400), dreimal um ein geweihtes Feld, auf das nachher Reis gestreut und sofort vom Volke wieder aufgelesen wird, in dem Glauben, daß, wenn man diese Körner unter die eigene Saat mischt, sie gute Ernte zeitigen werden. Außerdem werden zwei jungen Ochsen verschiedene Getreidesorten vorgelegt und aufgepaßt, von welcher sie am meisten fressen. Diese wird aber nicht angebaut, weil dann die Ernte schlecht ausfallen würde. Zum Schluß der Zeremonie werden die Ernteaussichten der bevorstehenden Jahreszeit verkündet.
Allerlei +Gebräuche+ knüpfen sich auch +an die wichtigsten Augenblicke im Leben der Siamesen+. Sobald ein +Kind geboren+ ist, wird es von der weisen Frau sogleich auf Anzeichen hin untersucht, die dem Wahrsager als Unterlage dienen könnten, um ihm die Zukunft zu prophezeien, und dann sich selbst überlassen, während die Mutter, auf einem Plankenbett liegend, der Hitze eines großen Feuers ausgesetzt wird, das angeblich ihre Genesung beschleunigen soll. Ist das Kind einen Monat alt geworden, dann wird ihm feierlichst der Kopf glatt geschoren und vom Familienwahrsager das Horoskop gestellt. Um die Zeit herum, wenn es die ersten Schritte macht, wird der Wahrsager noch einmal herbeigerufen und, nachdem er von neuem das Horoskop und andere üble Vorbedeutungen in Betracht gezogen hat, ein Name für das Kind unter denen ausgewählt, die sich für das Jahr, den Monat, Tag und Augenblick am besten eignen. Um das Horoskop zu stellen, bedient man sich einer Tafel (Abb. 401), die um den Mittelpunkt angeordnet in zwölf Segmenten je eine Figur trägt (Buddhapyramide, Drache, Zauberin, Wahrsager, silberner und goldener Sonnenschirm, Mann ohne Kopf und so weiter). Jeder von ihnen kommt eine besondere glück- oder unglückbringende Bedeutung für die Begebenheiten des täglichen Lebens zu. Bei der Benutzung dieser Wahrsagetafel fängt man bei der Buddhapyramide an zu zählen und geht, wenn es sich um ein männliches Wesen handelt, nach links, wenn um ein weibliches, nach rechts herum. Zunächst zählt man die Wochentage, dann in gleicher Weise die Monattage und schließlich die Jahre, von denen jedes unter einem der zwölf Zeichen steht, von dem gleichen Ausgangspunkt aus ab, bis man zu seinem Datum kommt, und ermittelt auf diese Weise drei Figuren. Wenn alle drei unglückverheißend sind, dann steht zweifelsohne ein Mißerfolg zu erwarten; wenn man nur eine böse Figur unter den dreien erhält, dann ist die Vorhersage gut, sind alle drei aber günstige, dann kann das Unternehmen nur glücklich ausschlagen. -- Das Siamesenbaby tyrannisiert gleichsam seine Hausgenossen. Alle seine Verwandten sind seine Sklaven und erfüllen ihm seine leisesten Wünsche; von allen wird es verwöhnt und verhätschelt. Der +Kopf+ wird ihm bis ungefähr zum vierten Jahre beständig +rasiert+, von da ab beginnt die Mutter sein Kopfhaar zu pflegen; sie dreht es zu einem Büschel oben auf dem Scheitel und steckt eine bunte Nadel hindurch. Bald darauf bekommt das Kind auch Kleider und wird später in die Klosterschule des Dorfes gesandt. Von jetzt an nimmt der Lebenslauf der beiden Geschlechter eine verschiedene Richtung. Die Mädchen nämlich erhalten für gewöhnlich keinen Unterricht in der Schule, sondern werden in die Pflichten ihres späteren Hausfrauenberufes eingeführt. -- Sobald bei den Kindern die Reife sich einzustellen beginnt, also um das zehnte bis dreizehnte Lebensjahr, wird den Knaben und Mädchen das +Haarbüschel unter großer Feierlichkeit abgeschnitten+; es ist dies der wichtigste Augenblick im ganzen Leben des Siamesen. An einem von dem Wahrsager festgesetzten Tage wird im Hause der Eltern ein Altar mit dem Buddhabildnis errichtet, und dieser mit Kerzen und Zieraten, soweit die Mittel es erlauben, geschmückt. Um den Altar herum verteilt man eine große Schere, eine Schale mit geweihtem Wasser, eine Seemuschel und andere Gegenstände, die zu der Zeremonie gehören, und stellt auf einen Ständer in der Nähe kleine Portionen Speise zur Erfrischung für die Familiengötter hin. Ein geweihter Faden wird sodann unter der Dachrinne rings um das Haus herumgeführt und seine beiden Enden werden ins Haus hinein zu den Händen der Mönche geleitet, deren Predigten an der Schnur entlang gleiten sollen, um die bösen Geister zu verhindern, störend in die heilige Handlung einzugreifen. Der Ahnen wird auch nicht vergessen, denn ihre Urnen mit der Asche finden sich auf einem kleineren Altar aufgestellt. Schließlich ist draußen vor dem Hause noch ein Gerüst mit einem Baldachin auf vier Pfosten erbaut, unter dem auf einem spitz zulaufenden Gestelle etwas Speise für den Gott Kedu, den Spender langen Lebens, gestellt wird. -- Am Nachmittage des dem eigentlichen Feste vorausgehenden Tages finden sich zuerst die Familienfreunde, jeder mit einem Geschenk, sodann die Mönche ein, die bei ihrem Erscheinen mit Gongschlägen begrüßt und mit Tee bewirtet werden. Nach einer Pause tritt das Kind auf, vornehm angezogen und mit dem ganzen Familienschmuck behängt (Abb. 402). Die Mönche sprechen Gebete, in die die anwesenden Besucher einfallen; Musik spielt sodann auf; Tee, Zigarren, Speise und Betel werden herumgereicht, und alles widmet sich dem Vergnügen. Der nächste Tag vergeht in ähnlicher Weise und erst am dritten findet die Hauptzeremonie statt. Vorher wird größte Ruhe gewahrt, damit die bösen Geister, die sich vielleicht in der Nähe aufhalten, nicht merken, daß etwas im Gange ist. Kurz vor Sonnenaufgang erscheint das Kind wieder, den Kopf bis auf das Haarbüschel glatt rasiert. Das Haarbüschel wird in drei Strähnen geteilt, der Gast, dem von den Anwesenden die höchste Ehre gebührt, sowie zwei hochbetagte Anverwandte erfassen jeder eine Strähne und schneiden sie genau bei Sonnenaufgang ab. Ohrenbetäubender Trommelschlag und Musik setzen in diesem Augenblick ein. Die Speise für den Ketu wird von der Plattform draußen genommen und das Kind unter dem Baldachin an ihre Stelle gesetzt. Darauf treten die Verwandten und Freunde einer nach dem anderen heran und gießen Wasser aus einer Muschel auf den kahlen Kopf des Kindes, das bis auf die Haut durchnäßt wird (Abb. 404). Von neuem bekleidet, und diesesmal mit seinem schönsten Gewand, übernimmt das Kind die zeremonielle Speisung der Mönche; dieser Abschnitt der Feier vollzieht sich unter Musikbegleitung sowie unter Hersagen und Absingen heiliger Worte und endigt mit einer Predigt. -- Der Prunk, mit dem die Zeremonie des Haarabschneidens vollzogen wird, richtet sich natürlich nach dem Reichtum und dem Stand der betreffenden Familie. Wird einem königlichen Prinzen das Haarbüschel abgeschnitten, dann gestaltet sich diese Zeremonie zu einem wahren Volksfest, bei dem es allenthalben hoch hergeht.
Nachdem ihnen das Haarbüschel abgeschnitten ist, nehmen die Mädchen ihre häusliche Beschäftigung wieder auf, ebenso bilden sich die Knaben weiter aus, bis sie das zwanzigste Lebensjahr erreicht haben. Dann werden sie sozusagen konfirmiert und in den heiligen Orden der Mönche aufgenommen. Die Lehre Buddhas schreibt nämlich vor, daß jeder, der sich ernstlich zu ihr bekennt, dies dadurch betätigen muß, daß er vor der Welt flüchtet und in den Orden sich aufnehmen läßt, allerdings kann er dieses Gelübde jederzeit widerrufen. Daher legt jeder siamesische Jüngling, auch wenn er sich nicht den geistlichen Beruf erwählt hat, das Ordensgelübde ab, um dem Buchstaben des Gesetzes zu genügen (Abb. 403). Wer nicht die Absicht hat, ein Glied des Ordens zu bleiben, bittet nach einiger Zeit, für gewöhnlich nach drei Monaten, ihn von seinem Gelübde wieder zu entbinden, was anstandslos gewährt wird. Dann darf er aus der Abgeschlossenheit wieder in die Welt zurücktreten. Die Aufnahme in den Orden gestaltet sich für die Angehörigen zu einem großen Freudenfest. In kostbare Gewänder gekleidet, begibt sich der Kandidat mit seinen Verwandten, Freunden und allen Mädchen seiner Bekanntschaft in den Tempel, wirft sich dreimal vor den Mönchen demütig auf die Erde und wird in aller Form von den Angehörigen vorgestellt, die den Mönchen Geschenke anbieten. Sodann muß er ein Verhör, ob er sich geistig und körperlich auch eigne, über sich ergehen lassen, und wenn seine Antworten zur Zufriedenheit ausgefallen sind, wirft er sich von neuem auf die Erde und bittet flehentlich, aus der schnöden Welt befreit und in den Orden aufgenommen zu werden. Daraufhin wird er seiner vornehmen Gewänder entkleidet und mit dem gelben Gewande des Mönches angetan, bekommt einen Bettelnapf um die Schultern gehängt und einen Fächer in die Hand. So ausgestattet, wirft er sich noch einmal auf die Erde und legt sodann die zehn vorgeschriebenen Gelübde ab, nämlich niemals ein Leben zu vernichten, niemals zu stehlen oder zu lügen, stets ein züchtiges Leben zu führen, keine berauschenden Getränke zu trinken, nur zu der vorgeschriebenen Zeit zu essen, alle weltlichen Freuden zu meiden, keinen persönlichen Schmuck zu tragen, nie mit Geld etwas zu tun zu haben und auf der Erde zu schlafen. Der Abt macht nun öffentlich bekannt, daß der Kandidat in den Orden aufgenommen ist, und erinnert ihn noch einmal an die Pflichten, die er übernommen hat, und an die Sünden, die er meiden muß. Wie schon gesagt, kann der Jüngling jederzeit von seinem Eide auf seinen Wunsch befreit werden und in die Welt zurückkehren, wie es auch meistens geschieht.
Er tut dies, wenn er heiraten will. Etwa um das zwanzigste Lebensjahr herum pflegen die Jünglinge, zwischen vierzehn und siebzehn die jungen Mädchen die +Ehe+ einzugehen. Sie verheiraten sich in Siam fast alle; alte Jungfrauen kommen daher in diesem glücklichen Lande kaum vor. -- In den meisten Fällen ist die Ehe lediglich eine Abmachung zwischen den Familien, die ursprünglich eine ältere, diplomatisch sehr gewandte Frau zustande brachte, jetzt aber mehr und mehr von den Eltern direkt getroffen wird, die diese Dinge frei miteinander erörtern. Auch Neigungsheiraten kommen heutzutage mehr in Aufnahme. Einer +Ehezeremonie+ legt der Siamese wenig Gewicht bei, daher verkürzt er sie vielfach oder läßt sie gänzlich fort; denn um einer Ehe die gesetzliche Gültigkeit zu verschaffen, bedarf es nur des Beisammenwohnens. Da aber manche Eltern natürlich das Verlangen haben, die Hochzeit ihres Kindes zu einem Ereignis zu machen, so spielt sie sich in sehr vielen Fällen wenigstens zum Teil mit Feierlichkeiten verknüpft ab. Wenn man die Zeremonie in ihrem vollen Umfange betrachtet, findet die Hochzeit im Hause der Braut statt und dauert zwei Tage. Freunde und eine bezahlte Musikbande geben dem Bräutigam das Geleite dorthin, wo die Freunde sich versammelt haben und sich in den Empfangsräumen an Essen, Trinken und Betelkauen gütlich tun, während die Eltern das von beiden Teilen beigesteuerte Kapital für das junge Paar nachzählen und prüfen. Sobald das Brautpaar erscheint, wird es mit einer geweihten Schnur zusammengebunden, kniet nieder, wird mit Reis beschüttet und von den Gästen aus einer Seemuschel mit Weihwasser begossen. Darauf werden beide getrennt; der Bräutigam bringt seiner Geliebten mit Hilfe einer Kapelle die Nacht über ein Ständchen. Am nächsten Morgen werden die amtierenden Mönche festlich bewirtet, und den ganzen Tag über herrscht eine ausgelassene Lustbarkeit. Am Abend endlich wird die Braut in aller Form zum Hochzeitsgemach geleitet. Das junge Paar lebt lange mit der Familie der Frau zusammen, oft bis zur Geburt des ersten Kindes.
Da die +Vielweiberei+ von Buddha nicht ausdrücklich verboten ist, so gilt sie für erlaubt, und ein Mann kann daher so viele eheliche Verbindungen eingehen, als er sich Frauen zu leisten vermag. Die erste Frau behält aber immer das Vorrecht und bleibt das anerkannte Oberhaupt aller auf sie noch folgenden. Altert eine Frau, dann hält sie es für ratsam, ihrem Manne Nebenfrauen zu verschaffen, einmal weil sie dadurch das Heim für diesen noch weiter anziehend zu gestalten hofft und zum anderen, weil sie sich dann als Oberhaupt einer großen Häuslichkeit aufspielen kann. -- +Scheidung+ erfolgt mit beiderseitiger Zustimmung und hat die Teilung des Besitztums zur Folge, ausgenommen, wenn es sich um Nebenfrauen handelt, die auf Wunsch des Mannes einfach beiseite geschoben werden können ohne jedwede Vergütung. Alle Kinder sind erbberechtigt, aber die von der ersten Frau erhalten den größten Anteil.
Die Eigenart der buddhistischen Lehre nimmt dem Siamesen, wenn es mit ihm zum +Sterben+ geht, viel von der Todesfurcht; er beschäftigt sich in diesen Augenblicken mehr mit seiner Wiedergeburt als mit dem Schrecken der bevorstehenden Auflösung und verspürt bei seinem nahen Ende den Trost einer gütigen Philosophie, die vielfach dazu beigetragen hat, bereits sein Leben zu einem ruhigen zu gestalten. +Nach dem Tode+ wird der Körper gewaschen, in ein sauberes weißes Tuch gehüllt und mit einer Münze im Munde, um damit den Zoll zum Paradiese zu zahlen, in den Sarg gelegt. Um diesen, der mit schwarzem Tuch bedeckt und mit Zierat aus Silberpapier geschmückt zusammen mit Kerzen und anderen Dingen, die dem Verstorbenen wert waren, im Prunkzimmer des Hauses steht (Abb. 406), halten Freunde ein bis zwei Tage und Nächte Wache. Dazu lesen eingeladene Mönche am Abend Totenmessen. Währenddessen empfangen die Angehörigen die Beileidsbesuche ihrer Bekannten, denen sie eine kleine Erfrischung vorsetzen. Außerdem wird sogleich nach dem Tode eine Musikkapelle geholt, die ihre Weisen ertönen lassen muß, einmal um die Trauernden aufzuheitern, zum andern aber auch, um die bösen Geister fernzuhalten. Manchmal müssen auch Klageweiber ein möglichst lautes Geheul anstimmen. Ist die Totenwache vorüber, dann wird der Sarg in den Tempel gebracht, bisweilen jedoch, vor allem am Hofe und in wohlhabenden Familien, behält man ihn noch längere Zeit, selbst Monate hindurch, im Hause aufgebahrt (Abb. 405). Wird der Sarg herausgetragen, dann tut man dies durch ein Loch in der Wand und führt ihn mehrere Male um das Haus herum, bevor man ihn in den Tempel bringt (Abb. 386), wo er auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird (Abb. 407 und 408). Vorher trägt man ihn auch hier noch dreimal um diesen herum. Man will dadurch den Geist im unklaren über die eingeschlagene Richtung lassen, damit er den Weg nach Hause nicht wiederfindet. -- In Bangkok gibt es eine regelrechte Saison für +Verbrennungen+ derer, die im vergangenen Jahre starben (Abb. 409). Es wird dann eine große Pracht entfaltet, das Feuer des Scheiterhaufens wird von wohlriechenden Kerzen unterhalten, Musik, Tanz und Schmaus begleiten die Feier und der Armen wird durch reichliche Spenden gedacht. Es ist gleichsam Ehrensache, so viel Geld wie möglich dafür auszugeben, und es kommt oft vor, daß die ganze Hinterlassenschaft eines Menschen von den Erben vergeudet wird, um ihm einen geziemenden Abschied aus diesem Leben zu bereiten.
Die Verbrennung von Königen und Prinzen ist ein höchst wichtiges Ereignis und gestaltet sich fast zu einem Volksfest, das sich nicht selten auf die Dauer eines Monats erstreckt; während dieser Zeit werden Tausende von Menschen täglich auf königliche Kosten gespeist und bewirtet. Die Leichen des Königshauses kommen nicht in Särge, sondern zusammengekauert in kupferne, stark vergoldete Urnen. Jedes Stadium einer königlichen Verbrennung, der Leichenzug, die Übergabe auf den Scheiterhaufen, das Anzünden des Feuers und das Einsammeln der Aschenreste, jede dieser Handlungen ist eine Feier für sich, die manchmal einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Jedesmal ist der Hof vollzählig zugegen, die Damen ganz in Weiß gekleidet und das Haar geschoren. Die Asche wird in kleinen goldenen Urnen im Palast aufbewahrt und ist von Zeit zu Zeit Gegenstand ehrfürchtiger Zeremonien. Von den Gebeinen der Könige werden Teile unter die Mitglieder der königlichen Familie und an Günstlinge aus dem Adel verteilt. -- Die Angehörigen einfacher Leute bewahren ebenfalls die Asche ihrer Verstorbenen in kleinen Urnen auf, die in ihren Häusern Platz finden.