Part 27
In +kultureller Hinsicht+ stehen die Thaivölker den Chinesen und Tibetern näher, in gesellschaftlicher aber schließen sie sich mehr an die Malaien an. Im allgemeinen sind die Kulturverhältnisse Hinterindiens recht verschiedene. Die in die Berge zurückgedrängten Stämme haben zumeist ihren ursprünglichen Zustand noch bewahrt, hingegen die genannten herrschenden Stämme der fruchtbaren Ebenen sich eine gewisse Halbkultur angeeignet, die teils indischem, teils chinesischem Einflusse ihre Entstehung verdankt. Überreste der ersteren sind die großartigen zahlreichen, von Birma bis nach Kotschinchina hin vorkommenden Tempelruinen, die mit ihren reichen Skulpturen und Sanskritinschriften von der ehemaligen Herrschaft des Brahmanentums Zeugnis ablegen; es sei unter anderem nur an die prächtigen Tempelreste von Angkor-Wat (erbaut 825 vor Christi) und Nakhon-Thom erinnert. Beschäftigen wir uns nunmehr mit den Sitten und Gebräuchen in den einzelnen Ländern Hinterindiens.
Siam.
Über die Abstammung der +Siamesen+ haben wir uns im vorstehenden bereits ausgelassen. Ihr +Äußeres+ wird gekennzeichnet durch eine mittelgroße Gestalt, olivbraune Hautfarbe, schwarzes glattes Haar, auffallend kurzen Kopf, rautenförmiges Gesicht, vorstehende Backenknochen, große Augen, flache, kurze Nase, aufgeworfene Lippen und kurzes Kinn. Dieser im allgemeinen unangenehme Eindruck wird beim männlichen Geschlecht noch durch die unschöne Haartracht (kurz abgeschnittene, bürstenartig hochstehende Haare) und die schwarz gefärbten Zähne verstärkt. Die Frauen dagegen tragen das Kopfhaar lang und halten sich ihre Zähne mehr oder weniger weiß. Wie alle Malaien wohnen die Siamesen meistens auch in Pfahlbauten. Auf den großen Flüssen bringen sie ihr Leben vielfach direkt auf Booten zu, so daß sozusagen schwimmende Dörfer hier entstehen (Abb. 389).
Die +Nationaltracht+ der Männer ist der Panung, ein etwa ein Meter breites und zweieinhalb Meter langes Stück Tuch, das mit seiner Mitte um den Körper gelegt und vorn so befestigt wird, daß die beiden Enden herunterhängen, die dann wie ein Strick gedreht, zwischen den Beinen durchgeführt, hinten hochgehoben und in der Taille mitten auf dem Rücken zusammengerafft werden. Sieht man einen so bekleideten Mann von vorn, so hat man den Eindruck, als ob er in Kniehosen einherginge. Früher pflegten die Frauen ebenfalls mit einem Panung sich zu bekleiden, der als Rock eingerichtet war, und trugen dazu noch eine von der Schulter herabhängende kleine, die Brust bedeckende Schärpe (Abb. 387). Heutzutage wird dagegen noch eine Jacke und eine reich bestickte europäische Bluse getragen; Damen der besseren Gesellschaft gehen indessen vollständig nach der neuesten abendländischen Mode angezogen. Auch die Männer in den Städten tragen meistens unter dem Panung weiße Drillichhosen nach europäischem Schnitt, baumwollene Strümpfe, und Schuhe, die Beamten sämtlich Uniform. Kleine Kinder dagegen gehen für gewöhnlich nackt einher, wenn man nicht gerade eine herzförmige Scheibe aus Gold oder Silber, die die kleinen Mädchen umgehängt erhalten, als Kleidungsstück ansehen will. Auf dem Lande aber herrscht noch die alte Mode vor. Die Laosfrauen tragen noch heute einen Rock, die Männer einen Gürtel über dem Panung. Eine alte Bestimmung schreibt eine gewisse Farbe für die einzelnen Wochentage vor, für Sonntag rosa, für Montag silbergrau, Dienstag rot, Mittwoch grün, Donnerstag verschieden, Freitag hellblau, Sonnabend dunkelblau. -- Die Karenfrauen pflegen ihre Gewänder mit hübschen Stickereien zu verzieren (Abb. 391).
Die Leidenschaft der Siamesen für +Schmuck+ ist groß. Mag eine Person sonst noch so arm sein, stets wird sie mit dem einen oder anderen Schmuckstück aus Edelmetall sich zieren. Selbst kleine Kinder behängt man bereits mit Ringen um Finger, Arme und Beine aus Gold oder Silber. Die Erwachsenen schmücken sich außerdem noch mit wertvollen Halsketten, Ohrringen, Gürteln und so weiter (Abb. 388). Ganz eigenartig ist das Tragen langer Fingernägel, das ebenso wie in China als ein Zeichen von Vornehmheit gilt, sowie das schon erwähnte Schwärzen der Zähne (bei den Männern).
Ihrem Charakter nach kann man die Siamesen als große Kinder bezeichnen. Sie sind liebenswürdige, friedfertige, sorglose, nüchterne, besonders im Darreichen von Almosen freigebige, sehr zum Müßiggang neigende, leidenschaftslose Menschen, die an den althergebrachten Einrichtungen zähe festhalten und streng auf Etikette achten. Auch geben sie sich gern dem +Vergnügen+ hin, besonders haben sie eine ausgesprochene Vorliebe für das +Theater+. Das „Lakon“, wie die Siamesen das Theater nennen, findet während der Zeit des Vollmonds statt, so daß die Teilnehmer nach der Vorstellung am späten Abend noch gut nach Hause finden können. Sie besuchen diese mit der ganzen Familie und nehmen sich auch Eßwaren dorthin mit. Die Bühne ist meistens oval, die Zuhörer sitzen rings herum, außer an dem einen Ende, an dem sich zwei Zugänge befinden. Kleine umherziehende Gesellschaften, deren es viele im Lande gibt, sind gewohnt, auch ohne Hintergrund fertig zu werden und ziehen sich nötigenfalls auch in Gegenwart der Zuhörer um. Im Gegensatz zu allen anderen orientalischen Völkern übernehmen die Frauen alle ernsten Männerrollen. Das Drama, das sich vor den Zuschauern abspielt, verrät keine Gedanken und zusammenhängenden Handlungen, sondern gibt einzelne Ereignisse aus der Mythologie der Brahmanen wieder, die durch die Tradition geheiligt sind. Die Trachten, die dabei getragen werden, sind ganz phantastische, mit bunten Steinen und flimmerndem Flitter besetzte Gewänder, welche die Überlieferung den Gottheiten und königlichen Personen von früher zuschreibt (Abb. 390). Durch Auftragen einer dicken weißen Paste auf das Gesicht als Schönheitsmittel wird den Darstellern die Möglichkeit genommen, Leidenschaften zum Ausdruck zu bringen; alle sind vielmehr von tiefem Ernst durchdrungen. Eine Ausnahme hiervon machen die Clowns, die ungeschminkt, einfach wie moderne Bauern gekleidet, die heiligsten und heldenhaftesten Stellen mit komischen Gesprächen unterbrechen, die auf Tagesereignisse anspielen. -- Auch das Vorführen von +Tänzen+ ist in Siam sehr beliebt. Alten Traditionen gemäß werden sie hier, wie überhaupt in Hinterindien, in ganz eigenartiger Weise ausgeführt. Sie bestehen nämlich in Posen mit gebeugten Knien, wobei die sich windenden Arme vorgestreckt werden und die Tänzerinnen sich langsam mit dem flachen Fuß vorwärtsschieben. Dazu kommen aber auch heftigere Kundgebungen, die sich in mächtigen Sprüngen, Aufschlagen der Absätze und Posieren in ausgebreiteter Adlerflügelstellung äußern. Auf den Fußspitzen zu tanzen oder zu pirouettieren, wie unsere Tänzerinnen es tun, ist in Siam ganz unbekannt. Die Beweglichkeit der siamesischen Tänzerinnen ist eine außerordentlich große; man könnte fast behaupten, daß diese ihre Geschmeidigkeit von doppelten Gelenken herrühre. Sie befähigt sie bei den Bühnenspielen mehr zum Ausdruck zu bringen als die Sprache.
Der Siamese huldigt auch sehr dem +Glücksspiel+; daher sind die Spielhäuser, besonders in der Hauptstadt Bangkok, Tag und Nacht über gefüllt. Die Spielregeln sind ganz einfache. Die Spieler sitzen um eine in vier Felder eingeteilte Matte herum und setzen auf dieser. Der Spielleiter wirft eine beliebige Anzahl Muscheln auf ihre Mitte und zählt von dieser Summe immer vier ab. Der Spieler, dessen Feld der Zahl der übrig gebliebenen Anzahl Muscheln entspricht, erhält das Doppelte seines Einsatzes, das übrige streicht der Croupier mit einer kleinen Harke ein. Auch wettet man noch, ob die Anzahl der übrig bleibenden Muscheln eine gerade oder ungerade sein wird. Die Leidenschaft der Siamesen für dieses Spiel ist eine so große, daß sich um die Spielhöllen herum gleichzeitig Pfandhäuser aufgetan haben, in denen ein blühendes Geschäft betrieben wird. Täglich kommen Landleute an, die infolge eines Traumes oder irgend einer anderen Vorbedeutung die Bank zu sprengen gedenken, aber recht bald nicht nur ihre gesamten Ersparnisse verloren gehen sehen, sondern auch die ihrer Freunde, unter Umständen die Ernteerträge eines ganzen Dorfes.
Eine sehr beliebte Unterhaltung ist auch das +Ballspiel+, wobei ein geflochtener leichter Ball mit dem Kopf oder irgend einem Körperteil, ausgenommen die Arme und Hände, aufgefangen wird, aber vorher die Erde nicht berühren darf. Ferner ist das +Drachensteigenlassen+ ein viel betriebener Sport bei heißer Witterung; hierbei werden gleichsam Duelle ausgetragen, die Besitzer der Drachen suchen sich gegenseitig die Schnur zu zerreißen oder zu verwirren. Die Drachen haben die Form eines Sterns, besitzen aber keinen Schwanz. Auch +Hahnenkämpfe+ in der schon beschriebenen Form und sogar +Fischkämpfe+ sind ein beliebter Zeitvertreib. Bei letzteren werden in einem Bassin zwei kleine zornige rote Fische aufeinander losgelassen, und mit Interesse beobachtet man, wie sie sich gegenseitig zerfleischen.
Die +Elefantenjagd+ ist ein königlicher Sport. Die wilden Elefanten, die die Steppe durchstreifen, werden zu diesem Zweck zu bestimmten Zeiten in einem großen Kraal zu Ayuthia, der alten Landeshauptstadt, zusammengetrieben. Viel Volks strömt bei dieser Gelegenheit zusammen, um sich die Vorgänge, die sich abspielen, mit anzusehen; auch der König und sein Hof beobachten sie von einer Loge aus. Von den eingetriebenen Elephanten werden dann diejenigen, die gezähmt werden sollen, ausgesucht. Leute, die auf zahmen Elefanten inmitten der Herde sitzen, legen den auserwählten Tieren sehr geschickt die Endschlinge eines langen Seils um ein hinteres Bein und befestigen es an einem Pfosten (Abb. 392). Die wilden Anstrengungen des so eingefangenen Tieres bereiten den Zuschauern eine große Freude, ebenfalls reizt es sie, wenn die wieder in Freiheit gelassenen übrigen Elefanten von der Menge geneckt werden und dabei ein etwas zu waghalsiger Mensch den Tieren zu nahe kommt, ergriffen und getötet wird.
In Siam gilt die +Person des Königs+ für ein übernatürliches Wesen und ist daher Gegenstand besonderer Heiligkeit und Verehrung. Der Volksmund behauptet, daß im Königspalaste zu Bangkok ein Dämon, Phra Deng oder der „Rote Herr“ genannt, der einst ein Halbgott war und zu Beginn der gegenwärtigen siamesischen Ära vom Himmel herabflog, mit Ketten gefangen gehalten würde und, solange er nicht entwische, dem Königshause und dem Volke Glück bringe. Bei allem, was mit dem Hofe zusammenhängt, wird eine strenge Etikette bewahrt. Die Zeremonien, die mit dem Thron in Verbindung stehen, zum Beispiel die Krönung, sind sämtlich religiöser Natur und stark mit brahmanischem Einfluß durchsetzt, allerdings hat der König Chulalongkorn bereits manchen der Riten, mit denen seine Vorgänger bedacht wurden, abgeschafft. Zu den althergebrachten Sinnbildern, wie dem Dreizack, dem Schirm und so weiter, gehört seit undenklichen Zeiten auch der weiße Elefant, ohne den, wie auch früher in Indochina, nach der Annahme des Volkes kein König echt sein könne. Es ist dies eigentlich kein direkt weißes Tier, sondern ein solches, dessen Hautfarbe pathologischen Ursprunges ist, ein Albino, denn es besitzt schmutzig graues Haar, weiße Nägel auf den Zehen und eine gelbe oder rosafarbene Regenbogenhaut. -- Zweimal im Jahre schwören die Prinzenschaft, der Adel und der Beamtenstand im ganzen Lande dem König den Eid der Treue. Diese Zeremonie, die den Namen Teu Nam oder das „Wasserhalten“ führt, kann auf ein sehr hohes Alter zurückblicken, denn schon am Hofe der Könige von Brahmanisch-Indien wurde sie vor mehr als zweitausendfünfhundert Jahren abgehalten. In Bangkok findet sie in Gegenwart des Königs statt. In einem Tempel ganz dicht beim Palaste versammeln sich die Prinzen und führenden Staatsbeamten, während draußen auf den weiten Rasenflächen der äußeren Palastumgrenzung Soldaten aller Truppengattungen in blinkenden Uniformen und weiße Elefanten in glänzender Ausstaffierung Aufstellung nehmen. Unter Trommelschlag und Fanfarenklang wird der König auf einem goldenen Thron aus dem Innern des Palastes herausgetragen, Tausende von Bajonetten blitzen zum Gruße auf, Kanonen donnern und zahlreiche Militärkapellen verkünden die Nationalhymne, während Seine Majestät vor den Truppen entlang passiert und sich sodann niederläßt, um zu beobachten, wie der Hof und die Staatsbeamten zu zweien in den Palast hineingehen, vom Tische einen kleinen Becher Wasser nehmen, das besonders für diesen Zweck unter machtvollen brahmanischen Formeln geweiht wurde, ihn mit den Lippen berühren und sich durch eine Außentür wieder zurückziehen. In den Provinzen wird die gleiche Zeremonie vor den amtlichen Vertretern des Königs vollzogen.
Höflichkeit und Achtung erfordern, daß bei einer Unterhaltung mit Personen königlichen Geblütes bestimmte Redensarten, gleichsam nur gewählte Ausdrücke angewendet werden, ein Brauch, der vielleicht mit dem allgemeinen Empfinden zusammenhängt, man könne, wenn man einen gewöhnlichen Gegenstand umschreibt oder ein Fremdwort für ihn sagt, seine Niedrigkeit gleichsam mildern. Diese sogenannte Palastsprache ist so fein durchgearbeitet, daß man nicht nur Hunde, Krähen und andere gewöhnliche und unreine Tiere mit besonderen Worten benennt, sondern auch die Tätigkeit der hohen Herrschaften, wie essen, schlafen, gehen, sprechen, baden und so weiter mit gewählteren Ausdrücken bezeichnet, als wenn man sie auf einfache Leute anwendet. Im übrigen ist der Siamese bestrebt, jedweder im Range höher stehenden Person die erforderliche Achtung zu zollen. So wagt zum Beispiel niemand, seinen Kopf so hoch wie sein Vorgesetzter zu tragen, niemand über eine Brücke zu gehen, wenn ein anderer von höherem Range sie in demselben Augenblicke überschreiten will und anderes mehr.
Die Siamesen sind +Anhänger der Lehre Buddhas+, indessen ist diese in vieler Hinsicht noch mit dem alten +Geisterglauben+ durchsetzt. Sie halten das ganze Weltall von allen möglichen Geistern gleichsam überflutet: von den mächtigen Königen der Himmel und der Höllen, den Gottheiten der Lehre Brahmas, die sich in dieser Auffassung des Volkes noch widerspiegelt, an bis zu den kleinsten Elfen, die in der Dachrinne hausen, und den Kobolden, die in der Nacht die Kinder an den Fußsohlen kitzeln, herab. Jeder Fluß, jeder See, jeder Berg, jede Klippe, jeder Baum, jedes Feld, jeder Garten, jede Behausung wird als Sitz von Geistern, Waldnymphen und Gespenstern gedacht. Auf der Veranda oder auf dem Hofe eines jeden Hauses steht ein winziges Puppenhäuschen, in dem ein Spukgeist wohnt, der, falls man ihm fleißig Opfer darbringt, als Dank das Haus vor Unheil und anderen bösen Geistern beschirmt, wenn er aber vernachlässigt oder nicht beachtet wird, aus Rache es mit allem möglichen Bösen heimsucht. Alle Geister sind ihrer Veranlagung nach bösartig, die meisten von ihnen besitzen aber irgend eine Schwäche und lassen sich durch Gaben, die ihrem Geschmack zusagen, umstimmen. Manche wiederum sind schwer zu versöhnen oder leicht zu kränken; ihrem Zorn schreibt man beinahe alles Unglück zu, das den Menschen trifft, so die Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen und andere folgenschwere Naturereignisse, die Unfälle und Krankheiten. Es gibt aber auch wachsame Geister, die sich angelegen sein lassen, Städte und Paläste zu schützen, die aus ihren Verstecken hervorkommen und den Kampf gegen die Einfälle böser Geister aufnehmen, sofern sie gut behandelt werden. Diese läßt der Aberglaube von gesunden, kräftigen Menschen herstammen, die vorzeiten man einfach köpfte und an den betreffenden Stellen unter der Mauer, an den Eingängen und so weiter begrub. So leicht öffentliche Gebäude auf diese Weise sich vor den bösen Geistern Schutz verschaffen können, so schwer wird dies dem einzelnen gemacht; er ist auf die Hilfe eines Vermittlers angewiesen, eines Zauberers, Wahrsagers oder ähnlichen Geschäftsmannes, der dann meistens eine Teufelaustreibung vornimmt. Auch die medizinische Wissenschaft der Siamesen greift auf solchen Hokuspokus zurück, wenngleich ihr auch eine ganze Reihe von Kräuterheilmitteln, die einen wirklichen Heilwert besitzen, zur Verfügung stehen. Aber die Ärzte schätzen sie nicht immer deswegen hoch, weil ihnen eine Heilkraft innewohnt, sondern weil sie glauben, daß diese gegen die Geister, Hexen und so weiter wirksam sind. Musik, Tanz, häufiges Baden sind allgemeine Rezepte für die meisten Krankheiten. Der behandelnde Arzt versucht auch oft, das Übel durch Pusten, Ausspeien, Pfeifen und Schwenken grüner Zweige auszutreiben. Der Verkauf von Zaubermitteln ist für den Apotheker eine gute Einnahmequelle, jedoch wird ihm viel Konkurrenz durch die Tätigkeit der Buddhamönche gemacht, die als Teufelaustreiber auftreten, obwohl ihnen diese Tätigkeit untersagt ist. Denn nach der Lehre Buddhas besteht die Macht der Geister nur in der Einbildung. Aber der Siamese läßt sich von seinem alten Aberglauben einmal nicht abbringen. -- Die Abbildung 394 zeigt die Überführung einer Buddhastatue in einer festlich geschmückten Barke nach einem neuen Tempel, begleitet von dem König und seiner Familie. Die vergoldete königliche Barke (Abb. 393) wird jetzt nur noch bei besonderen Staatsangelegenheiten benutzt.
Diese +Buddhistenmönche+ sind Menschen, die sich vor der Welt zurückgezogen haben, um die Sünde zu meiden und dadurch göttliche Belohnung zu erringen. Ihre Mission besteht etwa nicht darin, daß sie den Menschen dienen; wenn sie es tun, dann geschieht dies nur aus dem Grunde, um für sich dadurch einen Vorteil zu erreichen. Die sündigen Laien, die nicht genug Kraft in sich verspüren, der Welt zu entsagen, können aber doch für ihr eigenes Seelenheil Vorteil herausschlagen, wenn sie jene unterstützen. Ursprünglich waren die Buddhistenmönche Bettler, die in Lumpen gehüllt im Lande umherzogen und von den erbettelten Almosen lebten; jetzt aber kleiden sie sich in bessere Stoffe und leben in behaglichen Klöstern; dabei verschmähen sie oft genug die Brocken und die grobe Kost, die sie sich den Satzungen ihres Ordens gemäß eigentlich erbetteln müßten. Die Klöster stehen unter geregelter Aufsicht; in ihnen werden strenge Lebensregeln befolgt, die den Insassen ein Faulenzen nicht gestatten. Die Mönche sind bestrebt, ihren Sinn von weltlichen Dingen durch Nachdenken abzulenken; während der einsamen Stunden, die sie in ihren Zellen zubringen, werden ihnen verschiedene Themata zur Betrachtung zugewiesen, in die sie sich vertiefen müssen. Durch andauerndes Studium können sie sich verschiedene Grade von Gelehrsamkeit erwerben, die sie zu höheren Stellen in der Kirche befähigen. In der trockenen Jahreszeit aber wird das Klosterleben aufgehoben und an Stelle der Betrachtungen nehmen die Mönche das alte Bettlerleben wieder auf. Sie wandern von Ort zu Ort, legen dabei oft genug große Strecken zurück, ehe die einsetzende Regenzeit sie in ihre Klöster sich wieder zu flüchten zwingt. Sie führen auf ihren Reisen wenig mit sich außer einem großen weißen Schirm, der sie am Tage gegen die brennende Sonne schützt und ihnen in der Nacht als Zelt dient. Für alles, was sie sonst benötigen, rechnen sie auf die Almosen der Frommen. Sind die Mönche an einem Orte, dann halten sie zweimal täglich einen kurzen Gottesdienst in den Tempeln ab, die zum Kloster gehören; an Feiertagen predigt der höchste der Mönche oder der Abt von einem Platze zu Füßen des Buddhabildes aus (Abb. 395).