Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde

Part 12

Chapter 123,249 wordsPublic domain

Die nachstehend geschilderten typischen Begräbnisszenen aus den verschiedenen Teilen Melanesiens sind heutigentags vielfach im Verschwinden begriffen, da die Missionare die Eingeborenen mehr und mehr veranlassen, ihre Toten nach den Gebräuchen der christlichen Kirche zu bestatten. Nach dem Tode eines Koita auf Neuguinea malt man auf sein Gesicht rote Farbstriche und sein Körper wird reich geschmückt. Die Dorfbewohner treten nun an den Toten heran, berühren sein Gesicht mit ihrer Nase, was etwa unserem Abschiedskuß gleichkommen dürfte, und wachen und jammern bei der Leiche die ganze Nacht hindurch, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Sodann wird der Tote auf einen Totenstuhl (Abb. 164), das heißt ein rohes Holzgestell, dessen Sitzbrett für drei Personen Raum bietet, gesetzt, neben ihm nehmen zwei Lebende, etwa seine Frau und sein ältester Sohn, Platz. Eine Stunde lang ertönen Trommelschlag und Totenlieder, dann werden des Verstorbenen Besitzgegenstände zerschlagen und an der Seite des Stuhles ausgelegt. Hierauf nimmt man dem Toten fast seinen ganzen Schmuck wieder ab, „küßt“ ihn noch einmal, rollt ihn in eine Matte und trägt ihn auf einer Stange zu Grabe. In den nächsten Tagen folgt nun ein Leichenschmaus dem anderen. Hierauf muß die Witwe, die von Kopf bis zu Fuß schwarz bemalt und am Haupthaar geschoren wird, einen bestimmten Trauerschmuck tragen. Die Trauer um ihren Gatten dauert sechs Monate, und während dieser Zeit ist sie verschiedenen Tabu unterworfen. Nach Ablauf dieser Frist wird wieder ein Fest gefeiert, an dem die Witwe endlich ihre Trauer ablegt; die schwarze Farbe wird mit dem Saft unreifer Kokosnüsse von ihrem Körper abgewaschen. Bei den Roro wird der Tote, nachdem man ihn ins Grab versenkt hat, zweimal mit einem Baumzweige von Kopf bis zu Fuß gestreichelt, um seinen Geist zu vertreiben. Ein oder zwei Monate lang nach dem Begräbnis brennt nachtsüber ein Feuer auf seinem Grabe, um „den Toten zu wärmen“. Im Mekeogebiet legen, wenn ein Mann gestorben ist, alle Verwandten Trauer an; sie enthalten sich außerdem des Tanzens, Singens und der lauten Lustbarkeiten. Beim Bemalen ihres Körpers verwenden sie keine rote Farbe; die männlichen Verwandten dürfen überhaupt nichts Bemaltes tragen und die Frauen vertauschen ihren mit Grasfransen besetzten Rock, der sich eng um ihren ganzen Körper schmiegt, gegen einen viel kleineren und kürzeren, der nur vorn und hinten wie eine Schürze herunterhängt und die Seiten unbedeckt läßt. Der Tote wird im Gemeindehaus oder auf einem besonders dazu erbauten Gerüste aufgestellt und unter Weinen und Wehklagen, in eine Palmenblattmatte gehüllt, in die Erde versenkt. Sobald der Tote von einer dünnen Erdschicht bedeckt ist, wirft sich der nächste Angehörige in das Grab hinein und verharrt hier weinend so lange, bis das Grab vollgeschaufelt ist. Nachdem das Begräbnis vorüber ist, läßt sich dieser nächste Verwandte vor den anderen nicht wieder sehen; nur mit einer rohen Rindenhülle bekleidet (Abb. 177), muß er die Tage im verborgenen und die Nächte weinend auf dem Grabe zubringen. Zur Nachtzeit wandert er auch wohl an den Orten umher, die der Verstorbene besucht hat, und ruft ihn. Dies dauert so lange, bis die formelle Anlegung des Trauerschmuckes vor sich geht. Ganz im Gegensatz zu diesem Brauch tiefster Trauer geben die Männer, die den Begräbnisritus ausgeführt haben, sich einem heiteren Feste hin, das mit einem Spiel endigt, bei dem sie nach einem hängenden Eber- oder Känguruhschenkel schnappen.

Erst nach Wochen oder Monaten beginnt man in aller Form den Trauerschmuck anzulegen. Die Verwandten versammeln sich im Gemeindehaus der Sippe, ihr Körper ist mehr oder weniger schwarz angemalt und ihr Haar abrasiert; bei den Frauen wird das ganze Kopfhaar weggenommen, bei den Männern bleiben kleine Haarbüschel über den Ohren stehen. Gleichzeitig gibt es einen gemeinsamen Schmaus. Der Trauerschmuck besteht für gewöhnlich in Halskragen, Armbändern oder Hüftengürtel aus geflochtenen Binsen oder Gras. Diese formelle Trauer dauert eine Zeitlang, gewöhnlich mehrere Monate. Währenddessen dürfen die Leidtragenden nicht baden und unterliegen besonderen Nahrungseinschränkungen. Der Abschluß der Trauerzeit wird wiederum festlich begangen; der Trauerschmuck wird den Trägern in aller Form abgenommen, wodurch sie auch von den Speiseverboten befreit werden. Natürlich bilden den Schluß wieder Schweineschlachten, Schmaus und Tanz (Abb. 165 und 166).

Eigenartig sind die Totengebräuche bei den Mafulu. Beim Herannahen des Todes wird dem Sterbenden ein Weib, das diese Tätigkeit als Beruf betreibt, zur Bewachung beigegeben. Sobald sie sich überzeugt hat, daß der Tod eingetreten ist, verabreicht sie dem Toten mit der Faust einen Schlag auf den Kopf und erklärt ihn für tot; falls er es bis dahin noch nicht gewesen sein sollte, ist er es jetzt in der Tat. Bei einem Häuptlinge kommt noch ein umständlicheres Verfahren in Betracht. Ein Zauberer geht mit einem Stücke des Dammgurtes des Sterbenden sowie mit einem Rest der Speise, die er eben erst gegessen hat, in den Busch, steckt den Speiserest in den Gürtel und umwickelt diesen wieder mit einem Blatt, so daß eine Kugel daraus entsteht. Diese steckt er unter ein brennendes Holzscheit, sich selbst legt er daneben mit geschlossenen Augen, verharrt aber so nur wenige Minuten, springt dann wieder auf und untersucht die Kugel. Ist die Speise verbrannt oder angesengt, so ist dies ein Anzeichen dafür, daß der Häuptling sterben muß; er erhält dann den bewußten Schlag auf den Kopf. Manchmal behaupten die Mafulu, daß ein Zauberer aus einem feindlich gesinnten Dorfe den Tod eines Häuptlings durch solch ein Verfahren absichtlich herbeigeführt habe; dann ist ein Kampf zwischen den beiden Sippen die natürliche Folge. -- Auf die Todesverkündigung hin erfolgt lautes Geschrei von den Männern des Dorfes, das den Zweck haben soll, den Geist einzuschüchtern. Die Frauen, die schon eine Zeitlang gejammert haben, stimmen nun ein richtiges Begräbnislied an, das sie bis zur Beisetzung mit Unterbrechung absingen, und die Verwandten des Heimgegangenen bestreichen sich den Körper mit Lehm. Inzwischen erscheinen Männer und Frauen aus anderen Dörfern; die Frauen sind ebenfalls mit Lehm beschmiert. Jetzt erhebt sich wiederum lautes Wehklagen und Singen. Das Begräbnis selbst findet etwa vierundzwanzig Stunden nach dem Tode statt. Der Körper wird, die Knie bis ans Kinn angezogen, in Blätter und Rinde eingewickelt, und unter Gesang der Frauen, die ihre Begräbnislieder fortsetzen, zu Grabe getragen. Daraufhin schreien die Männer wieder ganz laut, um den Geist noch mehr einzuschüchtern und ihn schließlich gänzlich zu vertreiben. Die Angehörigen legen nun Trauer an, die hauptsächlich in dem Anschwärzen des Gesichtes, oft auch des ganzen Körpers, besteht. Die Witwe beziehungsweise der Witwer oder auch der nächste Anverwandte trägt eine kleine Trauerhalskette aus Bindfaden. Sind zwei oder drei Tage verstrichen, so findet der Leichenschmaus statt, zu dem Leute aus anderen Dörfern geladen werden. Zuerst betreten zwei weibliche Gäste mit Speeren in den Händen das Dorf und laufen zweimal unter Schwingen der Speere darin umher. Bei ihrer zweiten Tour folgt ihnen eine Schar männlicher Gäste, die die Dorfumzäunung mit gleichfalls geschwungenen Speeren herunter und wieder zurück tanzen, bis sie das Grab erreicht haben (Abb. 167). Dann betritt ein weiterer Gast, gewöhnlich der Häuptling oder sein Sohn, das Dorf in vollem Tanzschmuck (Abb. 168); er schlägt seine Trommel und tanzt im Zickzack die Umfriedigung entlang, bis auch er zu dem Grab kommt. Daraufhin entfernt der Häuptling des Dorfclans seinen Kopftanzputz, ein schweres Holzgestell mit Federaufputz, der manchmal meterhoch über seinen Kopf hinausragt, und der Tanz ist zu Ende. Schließlich wird ein Schwein nach dem anderen aufs Grab gelegt, getötet und zerteilt; hierdurch soll die Seele des Abgeschiedenen endgültig versöhnt werden. Die Gäste werden alle mit Gemüse und Schweinefleisch bewirtet. War der Tote ein Häuptling oder eine gewichtige Persönlichkeit, so darf sein Körper nicht der Erde anvertraut werden, sondern bleibt frei an der Luft liegen. Um den widrigen Ausströmungen der faulenden Leiche zu entgehen, verlassen die Bewohner für diese Zeit das Dorf, es bleiben aber zwei Frauen auf Wache bei dem Leichnam zurück; diese sollen indessen nicht seine irdischen Überreste, sondern das Schweineblut bewachen.

Merkwürdig ist die Zeremonie, die man mit der Trauerablegung hier sowohl wie bei den Mekeo verbindet. Nach Verlauf von etwa ein bis zwei Wochen, aber auch bis zu sechs Monaten, wird ein Schwein unter dem Gerüst eines Häuptlingsgrabes getötet; darauf wird dem Hauptleidtragenden sein Trauerbindfaden vom Halse abgeschnitten, in das Schweineblut eingetaucht und fortgeworfen; sein Gesicht bekommt zwei Farbstriche, gewöhnlich in Rot, auf jede Backe; es folgen nun Gelage und Tanz.

Die Kiwai an der Mündung des Flyrivers (Britisch-Neuguinea) legten früher den Toten zusammen mit seinen Waffen, Werkzeugen und Schmucksachen auf eine Plattform (Abb. 170) und brachten ihm von Zeit zu Zeit Geschenke, die in Nahrungsmitteln bestanden. Die Verwandten aber begossen täglich die Leiche mit Wasser, um den Auflösungsprozeß dadurch zu beschleunigen. Sobald nur noch die Knochen übrig waren, wuschen und begruben sie diese im Garten. Den Schädel aber behielten sie oft eine Zeitlang zurück; der eine oder andere Leidtragende band ihn sich um den Hals, bisweilen auch Schädelreste von mehreren Verwandten der Reihe nach. Der Trauernde konnte sich angeblich mittels des Schädels mit dem Toten verständigen, das heißt mit seiner Hilfe weissagen. Jetzt setzt das Kiwaivolk seine Toten in der Erde bei; der Kopf ist nach Westen, das heißt nach der Richtung der untergehenden Sonne und dem Monde zu, wo das Land der Toten liegt, gerichtet. Man baut schließlich ein kleines Haus über dem Grabe (Abb. 171), dessen Form eine ganz verschiedene ist. Die Habseligkeiten des Toten werden an einem Stock, der in der Erde steckt, oder an den Ecken des kleinen Hauses aufgehängt. Wochenlang brennt für den Toten ein Feuer unter oder neben diesem Häuschen am Fuße des Grabes. Ein Korb, der denjenigen ähnelt, in welchen die Mütter in diesen Gegenden ihre Kinder zu tragen pflegen, zeigt an, daß hier ein Kind bestattet liegt (Abb. 173). Sogleich nach dem Tode ertönt das Klagen und Singen der Dorfbewohner.

Ist der Verstorbene ein Mann, so wird seine Frau in einem Mattenverschlag in dem langen Frauenhaus des Dorfes abgeschlossen; sie darf sich nicht an dem Begräbnis beteiligen. Zum Zeichen ihrer Trauer bestreicht sie ihren Körper mit Lehm, jammert unaufhörlich und geht nur im Dunkeln aus. Wenn sie schließlich den Verschlag verläßt, trägt sie ein Trauergewand aus Gras, das ihren ganzen Körper bedeckt und mit dem sie auch ihr Gesicht verhüllen kann (Abbild. 172). Nach ein paar Wochen tritt an Stelle dieser den Körper verhüllenden Trauergewänder eine Kappe und ein Kopfputz aus Gras, der über Rücken und Brust herabhängt (Abbildung 169), und um die Hüften ein Rock, den sie mehrere Wochen trägt, um dann ein Stück nach dem anderen abzulegen. Trauert ein Kiwaimann, so bestreicht er sich zum Zeichen dafür ganz und gar mit Lehm und trägt ein Grasgewand um seinen Hals, das hinten fast bis auf die Erde reicht und vorn bis über die Brust geht (Abb. 176); auch dieses wird allmählich mit dem Nachlassen der Trauer verkürzt. In einer anderen Gegend des östlichen Flyriverufers tragen die Eingeborenen zum Zeichen der Trauer ein kapuzenartiges Netz, das über Kopf und Gesicht gestreift wird und dieses wie ein Schleier bedeckt (Abb. 175). In dem Grade, wie die Trauer geringer wird, lüftet sein Träger die Kapuze und gibt das Gesicht frei. Überhaupt ist der Trauerschmuck über ganz Neuguinea verbreitet. Allgemein gilt als Ausdruck des Schmerzes ein Bemalen der Brust und des Gesichtes mit schwarzer Farbe; auch Trauernetze sind vielfach in Gebrauch. Die Basilakiweiber tragen Muschelschmuck als Trauerabzeichen (Abb. 181). Bei den Papua von Holländisch-Neuguinea (Abb. 177) wird nach dem Hinscheiden einer Person von den Klageweibern ein Totengesang angestimmt, der öfters eines poetischen Reizes nicht entbehrt; unter anderem werden darin die treue Vorsorge des Verstorbenen für seine Familie, sowie seine Tugenden, vor allem seine Kriegs- und Heldentaten verherrlicht. Die Klageweiber waschen auch die Leiche, hüllen sie in Matten und umschnüren sie mit festem Bast, worauf die Bestattung in der Erde erfolgt. Bei den Mambri stellt man das Ahnenbild des Verstorbenen neben sein Grab und schilt es tüchtig dafür aus, daß es einen so tapferen Mann hat sterben lassen. Daneben gibt es aber noch ganz seltsame Bestattungsgebräuche. In einer Gegend werden die Toten in ausgestreckter, horizontaler Lage in Käfige aus geflochtenen Zweigen gelegt, die auf Pfählen am Strande hinter dem Dorfe ruhen. In einer anderen Gegend werden dem Leichnam die Knie stark hochgezogen und der Kopf tief auf die Brust herabgedrückt; in dieser Stellung wird der ganze Körper in einen Palmblätterkorb gesteckt, der ihn ganz fest umschließt, verschnürt und in der Wohnung an der Wand aufgehängt. Bei einem anderen Stamme legt man den Toten in ein flaches Grab, deckt ihn mit schweren Steinen zu und umzäunt die Stätte mit starken Ästen (Abb. 179), über die man quer Sagoblätter sowie den oder die Spaten legt, die zum Schaufeln des Grabes benutzt wurden. Diese Ruhestätten tragen öfters auch ein niederes Giebeldach aus Blättern (Abb. 178). In einer anderen Gegend wird die Umzäunung dicht um das Grab herumgelegt und das Ganze mit einem Palmblätterdach bedeckt, so daß ein kleiner hausähnlicher Bau entsteht, den man oft hübsch ausputzt. Schließlich verdient noch eine Grabform Erwähnung. Sie besteht aus einem kleinen, aus vier Holzplatten gezimmerten, ebenfalls hausähnlichen Bau, der auf einem Pfosten ruht und von einem geschnitzten und verzierten Dach gekrönt wird. Dieses Behältnis ist so klein, daß nur die Knochen darin aufbewahrt werden können, es bildet also eine Art Totenschrein (Abb. 188).

Ein eigenartiger Kultus wird mit dem Schädel von den Eingeborenen der Geelvinkbai betrieben. Hier wird der Kopf vom übrigen Körper losgelöst, geräuchert und schön präpariert, das heißt mit künstlichen Ohren und Nase, die aus Holz geschnitten wurden, und mit Augen aus Fruchtkernen oder Glasperlen versehen, sodann in einen sogenannten Korwar (Abb. 180), einem aus Holz schön geschnitzten Ahnenbild, aufbewahrt. Außerdem wird er wie eine lebende Person behandelt; er bekommt seine Mahlzeiten, empfängt Besuche der Anverwandten und Bekannten und wird von ersteren um Rat angegangen. -- Die Bergstämme landeinwärts der genannten Bai trocknen die Leiche auf einem Gerüst, in seltenen Fällen tun sie dies auch direkt in der Hütte, wo sie den toten Körper an die Wand hängen. Früher bestand dabei die schreckliche Sitte, das bei der Fäulnis abfließende Leichenwasser in einem darunterstehenden Gefäße aufzufangen und der Witwe zum Trinken zu reichen, mit der Begründung, daß sie sterben müsse, falls sie davon nichts genieße.

Auf den Inseln am östlichen Ende Neuguineas bewahrt man nicht nur den Schädel, sondern auch andere Knochen des Toten auf, wie die Wirbel, Finger- und Fußknochen, desgleichen den Unterkiefer, die aufgereiht von den Verwandten als Armbänder oder Halsschmuck getragen werden (Abb. 174). Die langen Röhrenknochen werden zu den kleinen Spateln umgearbeitet, mit denen man bei feierlichen Gelegenheiten die Kalkmasse aus dem Kürbisbehälter für das Betelkauen herausholt.

Was den Bismarckarchipel anbetrifft, so sei zunächst die Schilderung der Vorgänge, die sich beim Tode eines großen Häuptlings auf der Gazellehalbinsel abspielten, hervorgehoben. Als sein Ende geahnt wurde, ertönte die große Trommel und rief die Verwandten zum Sterbelager. Die nächsten Angehörigen setzten sich dicht neben den Sterbenden, befühlten ihn von oben bis unten und murmelten ihm Trostworte zu; andere saßen umher und kauten Betel, währenddessen die Weiber draußen ein lautes Geschrei anstimmten. Die Trommel verkündete schließlich den Tod des Häuptlings. Darauf begann das Wehklagen der Männer und Frauen, sowie das Dröhnen der Trommel von neuem; dies währte die ganze Nacht hindurch. Inzwischen wurde eine niedere Plattform errichtet, auf der am frühen Morgen die Leiche in sitzender Stellung aufgebahrt und geschmückt wurde (Abbild. 184). In der Zwischenzeit wurden die Plantagen des Verstorbenen zerstört und all seine Schätze zusammengesucht, die man um ihn herum aufbaute. Jetzt traten maskierte Gestalten aus dem Walde hervor und führten eine Reihe Tänze um den Toten auf, die von Trommelschlag begleitet und durch Wehklagen unterbrochen wurden. Ein Verwandter des Häuptlings legte einheimisches Geld zu seinen Füßen, das unter die Tänzer verteilt wurde; diese zogen sich darauf zurück. Weiter brachte man ein Kanu herbei, legte den Toten hinein, gab ihm ein Ruder in die Hand, schmückte ihn von neuem, hüllte ihn in Matten und trug ihn endlich zu Grabe. Das Wehklagen wurde nun stärker, und die Verwandten ließen sich nur mit Mühe davon abhalten, nicht in das Grab zu springen. Doch schließlich wurde dieses zugeschaufelt. Und wieder ertönte Trommelschlag bis zum Morgen. Dadurch wollte man die Seele des Verstorbenen weit weg nach dem Osten begleiten, an den Ort, wohin sie vermutlich wandert und wohin die Reise vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang dauert. Als daher am nächsten Tage sich die Sonne zeigte, spähte man nach dem östlichen Himmel aus, um zu sehen, ob eine Wolke die dort untergehenden Sterne verhülle; war dies der Fall, dann erblickte man darin ein Anzeichen, daß der Geist seinen Einzug gehalten hatte. Ungefähr ein Jahr später wurde der Schädel des Häuptlings wieder ausgegraben, rot und weiß angemalt, mit einem Federbusch geschmückt und auf eine besondere Plattform gebracht.

Bei den Sulka, einem Stamme des mittleren Neupommern, sind die Begräbnisfeierlichkeiten auch für einen gewöhnlichen Mann ziemlich umständliche. Sobald der Tod eingetreten ist, wird seine Hütte geschmückt und sein gleichfalls schön ausgeputzter Leichnam in sie hineingelegt, worauf wieder ein großes Wehklagen anhebt. Die Plantagen des Verstorbenen werden auch hier verwüstet, seine Schweine getötet und verteilt, seine Waffen zerschlagen; früher wurden auch, falls es sich um einen reichen Mann handelte, seine Weiber getötet. Der Leichnam wird nun am nächsten Tage in sitzender Stellung, den Kopf über der Erde, im Hause selbst beigesetzt und mit einem Haufen Bananenblätter bedeckt; dann werden Steine darumgelegt und wird ein Feuer angezündet. Längere Zeit hindurch schlafen die Verwandten neben ihm, die Männer auf der einen, die Weiber auf der anderen Seite. Sehr wichtig ist nun die Vertreibung der Seele des Verstorbenen. Damit sie keinen Widerstand leiste, wird der Zeitpunkt hierfür geheim gehalten und die Vorbereitungen über Nacht getroffen. Sehr früh am nächsten Morgen fahren plötzlich die Männer mit einem Schrei in die Höhe, schlagen gegen die Wände des Hauses und laufen mit brennenden Fackeln aus Kokosnußblättern umher; durch diesen Lärm entweicht darauf der erschreckte Geist. Wenn das Fleisch des Leichnams ganz zersetzt ist, werden die Knochen wieder ausgegraben, in einen Sack aus Blättern gehüllt und im Hause aufgehängt. Nach Ablauf einer gewissen Zeit gibt es einen Gedenkschmaus.

In Nord-Neumecklenburg und auf Neuhannover wird der Körper eines Toten auf Speeren aufgebahrt, von den Angehörigen von Haus zu Haus getragen und am nächsten Tage auf eine Plattform vor seinem Hause gelegt, unter der man einen Holzstoß errichtet. Je angesehener die Stellung war, die der Verstorbene bekleidete, um so höher fällt die Plattform aus. Nachdem sodann der Holzstoß in Brand gesteckt ist, besteigt ein männlicher Verwandter die Plattform und berührt den Kopf des Toten von Zeit zu Zeit unter Gesang mit einem Speer, so lange, bis die Flammen ihn zum Herabsteigen zwingen. Endlich fängt auch die Plattform Feuer, bricht zusammen, und mit ihr fällt der Leichnam in die Glut. Er wird sodann herausgenommen, ein Stück von ihm losgelöst und unter die Jünglinge des Dorfes verteilt, der übrige Körper aber noch einmal ins Feuer gelegt und zu Asche verbrannt. Alle diese Vorgänge begleiten lautes Wehklagen und Geschrei. Schließlich folgt ein Gelage. Über der Asche des Feuers und des Toten wird ein Dach errichtet. Nach einigen Wochen vermischt man die Aschenreste mit Kokosnußmilch; mit diesem Brei schmieren sich die Leidtragenden den ganzen Körper ein. Die Trauer hält eine bestimmte Zeit lang an und findet ihren Abschluß in einem Schmaus. -- Auf Neumecklenburg treffen wir auch noch andere Bestattungsgebräuche an. In manchen Teilen der Insel wird der Tote in einer Hütte eingebaut, oder in einem Kanu aufgestellt, auch mit Ocker eingerieben, oder die Daumen werden ihm zusammengebunden, so daß seine Hände wie zum Gebet erhoben erscheinen, und der ganze Körper wird verbrannt. Anderwärts fertigt man eine Figur des Verstorbenen in Lebensgröße an, bringt sie morgens auf eine Plattform und verbrennt sie abends. In den Rosselbergen legt man den Toten, in sitzender Stellung ganz und gar mit gepulvertem Kalk bestrichen und in Blätter eingehüllt, auf einem Querbalken unter das Dach seines Hauses, wo er jahrelang aufbewahrt bleibt.