Part 6
Bei den Aschanti wurden früher aus Anlaß des Begräbnisses eines Königs Menschenopfer dargebracht. Es bestand bei diesem Volke nämlich die Sitte, daß, sobald ein König auf den goldenen Thron gehoben war, man zu seiner beständigen Bedienung eine Anzahl Jünglinge und Jungfrauen auswählte. Die Mädchen hatten die Pflicht, jedes Gericht, das auf die königliche Tafel kam, zu kosten, bevor es dem Herrscher vorgesetzt wurde, und die Männer bildeten seine Leibwache. Diese „Seelen des Königs“, wie sie hießen, genossen besondere Vorrechte, solange der König am Leben war; bei seinem Tode aber wurden sie getötet und mit ihm begraben, einmal, um in der anderen Welt ihn weiter zu bedienen, und zum anderen, um zu zeigen, daß der Verstorbene in der Tat ein mächtiger Fürst gewesen sei. Sie waren im übrigen mit diesem ihrem Schicksal auch ganz einverstanden und machten gar nicht einmal den Versuch, ihm zu entgehen, denn sie hielten es für selbstverständlich, daß sie im Jenseits eine ähnliche Stellung einnehmen würden wie hier auf dieser Welt. Immer, wenn der Todestag des Königs wiederkehrte, wurden neue Diener abgeschickt, das heißt abgeschlachtet, um dem Verstorbenen zu zeigen, daß er noch nicht vergessen sei, und auch, um den jenseitigen Bewohnern einen weiteren Beweis seiner Größe zu liefern.
Wenn eine Frau im Innern des Krulandes stirbt, beanspruchen ihre Eltern, falls sie aus einem anderen Dorfe stammte, von dem Gatten oder dem Häuptling eine Entschädigung; wird diese verweigert, dann töten sie alle Haustiere des Dorfes, zeitweilig war es ihnen sogar gestattet, dieses auszuplündern und selbst niederzubrennen. Die Familie eines jeden Verstorbenen jammert, sofern dieser ein Freier war, vierzehn Tage lang ohne Unterbrechung, die übrigen Ortsbewohner nur zwei Tage. Ein Sklave wird ohne weitere Förmlichkeit einfach in den Busch geworfen und verwest dort oder dient den wilden Tieren zum Fraße; ein verstorbener Freier aber wird für einige Tage zur Schau gestellt, bis er soweit in Verwesung geraten ist, daß man es nicht mehr in seiner Nähe aushalten kann. Darauf erst wird die Leiche in eine Matte genäht und begraben. Auf dem Grabe werden allerhand Stoffe (je nach der Wohlhabenheit des Verstorbenen), im besonderen auch seine Gebrauchsgegenstände, wie seine Pfeife, außerdem noch mancherlei Handelsartikel niedergelegt; auch werden Trankopfer (Palmwein oder Rum) am Grabe dargebracht. Für gewöhnlich stellt man auch noch eine leere Schüssel auf das Grab, die man dann und wann mit alkoholischem Getränk und mit Reis füllt. Die Wei errichten schließlich noch eine Fahne über ihm. Dieser Volkstamm legt seine Gräber in Gruppen in der Nähe des Dorfeinganges an; Häuptlinge begraben sie auch vorübergehend in ihrer eigenen Behausung.
Das +Abzeichen der Trauer+ besteht in vielen Gegenden Liberias in Ringen aus getrocknetem Gras oder Palmrinde, die an den Fingern, um den Arm und auf dem Kopfe getragen werden, sowie in einer Blau- oder Grünfärbung des Körpers, auch im Bestreichen mit Asche. Ein Witwer muß seine Kinder durch ein Geschenk, das er der Familie seiner verstorbenen Frau sendet, gleichsam zurückkaufen; dadurch erwirbt er sich zugleich einen Anspruch auf die Schwester der Toten.
In Dahome gibt es ein eigentümliches Verfahren, um festzustellen, ob die Forderung eines Gläubigers an einen Verstorbenen zu Recht bestehe oder nicht. Das Wasser, mit dem die Leiche gewaschen wurde, füllt man in eine Flasche und bietet davon dem Gläubiger, wenn er seine Forderung eintreiben will, zum Trinken an. Verweigert er den Trunk, dann geht daraus hervor, daß der Verstorbene ihm nichts schuldete; nimmt er ihn dagegen an, dann bedeutet dies, daß jener bei ihm in Schuld war, und die Familie kommt dafür auf.
Die Bassari Togos sind selten davon überzeugt, daß ein Mensch eines natürlichen Todes gestorben sei, sondern schreiben seinen Tod meistens einem bösen Geiste oder dem Zauber einer ihm feindlich gesinnten Person zu. Daher pflegen sie sich stets an den Fetischpriester zu wenden, damit dieser entscheide, ob der Betreffende eines natürlichen Todes gestorben oder einem Zauber beziehungsweise einem Morde zum Opfer gefallen sei. Spricht sich der Priester für die zweite Annahme aus, dann lenkt er gleichzeitig den Verdacht auf eine bestimmte Person; sein Urteil gilt für heilig und darf niemals angezweifelt werden. Der Verdächtigte muß sich einem Gottesurteil unterziehen, meistens den Giftbecher leeren. -- Die Leiche wird bei den Bassari gewaschen, häufig auch mit Rotholz eingerieben, in ein Fell oder Tuch gehüllt, auf einer Bambusbahre durchs Dorf getragen und schließlich bei Sonnenuntergang unter feierlichen Gesängen begraben, und zwar die eines Oberhäuptlings in seinem Gehöfte, die von anderen Männern, Frauen und Kindern im Busche. Hieran schließt sich, wie üblich, eine festliche Bewirtung der Gäste durch die Verwandten des Toten, außerdem wird drei bis vier Tage lang geschossen, um die bösen Geister zu vertreiben. Die Witwe muß vierzehn Tage lang unbekleidet in der Hütte bleiben und verläßt diese erst dann, wenn sie ein Bad genommen hat. Als Trauerzeichen legt sie sich ein dunkelblaues Tuch um. Der Körper des Verstorbenen gehört gewissermaßen der Familie des Vaters, die ihn auch zu beerdigen hat, an, dagegen die Haare, die man ihm abschneidet, der Familie der Mutter, die sie ihrerseits ebenfalls begräbt. Sobald sich die Kunde von einem Morde oder Totschlag verbreitet hat, werden die Haare des Toten den Familienmitgliedern mütterlicherseits übersandt und diesen dadurch gleichsam der Wunsch übermittelt, daß sie die Todesursache unparteiisch prüfen möchten. Werden die Haare von ihnen angenommen, so gilt dies für ein Zeichen, daß sie einen natürlichen Tod des Verstorbenen anerkennen. -- Die Leichname von Schuldnern dürfen nur mit Einverständnis sämtlicher Gläubiger begraben werden. Andernfalls werden sie an einem öffentlichen Wege an einem Baum ausgesetzt und an ihrer Seite ihre wenigen Habseligkeiten aufgestellt. Da es aber als große Schande für eine Familie gilt, wenn man ihren Angehörigen kein würdiges Begräbnis zuteil werden läßt, so kommt es selten soweit mit der Leiche eines Verschuldeten.
Die Banjang am Croß River Nordkameruns begraben ihre Toten in der sogenannten Hockerstellung, die wir bereits bei anderen Völkern kennen gelernt haben. Die Leiche wird, bevor sie erstarrt ist, derartig gebogen, daß die Knie das Kinn und die Hände das Gesicht berühren, und dann fest verschnürt. Sie führen zu Ehren ihrer Verstorbenen auch Totentänze nach dem Takte der Trommeln und mit Gesängen auf; selbst die nächsten Angehörigen beteiligen sich daran. So sah Conrau die Tochter eines Häuptlings, mit dem Haumesser, der Jagdtasche und der Pulverflasche ihres verstorbenen Vaters behängt, beständig tanzen und dabei fortwährend gellende Klagen ausstoßen.
In Südkamerun pflegt man bedeutende Häuptlinge in Matten eingewickelt in hohlen Bäumen an abgelegener Stätte beizusetzen; auch hier feiert man das Ereignis durch Tänze, die sich viele Nächte lang wiederholen. Die übrigen Menschen werden entweder im Busch oder in ihrer Hütte beerdigt. Über dem Grabe wird ein Hügel aufgehäuft, den man mit Kleiderfetzen, Scherben und ähnlichem zu bedecken pflegt. In der Lichtung, die um das Grab im Walde geschlagen ist, hängt man an den Bäumen oft kleine Stäbchen auf, die anzeigen sollen, wieviele Weiber, Kinder und Sklaven der Verstorbene besaß und wieviele Menschen, Elefanten und Leoparden er tötete. Fand die Beisetzung in der Hütte statt, so wird diese mit Rindenstücken und Stangen verschlossen und bleibt fortan unbewohnt; draußen errichtet man Ruhebänke für die Besucher. Kleine Kinder werden häufig neben der Hütte bestattet; auf diese Weise soll sich die Mutter gegen Unfruchtbarkeit schützen.
Sudan.
Den Teil des Schwarzen Erdteils, der sich südlich von der großen Wüste Sahara ausbreitet und von den Quellen des Nils bis zum Oberlauf des Nigers reicht, bezeichnet die Wissenschaft als Sudan. Aus praktischen Gründen teilt sie dieses weite Gebiet in drei Abschnitte ein: in den Ost-, Zentral- und Westsudan. Die Bevölkerung des Sudans bildeten ursprünglich wohl die nach ihm benannten Neger, aber frühzeitig lagerten sich über diese Urschicht hamitische Elemente, die von Norden und von Osten her mehr und mehr vordrangen und allmählich bis an die Westküste Afrikas gelangten. Zu den Völkerschaften des Sudans zählen, wenn wir im Osten anfangen, die verschiedenen nilotischen Stämme, wie Schuli, Dinka, Schilluk, Djur, Naër, Bari und andere mehr, die durch ihre tiefdunkle Haut auffallen, sowie die bei weitem helleren Mangbattu (Monbuttu) und Niam-Niam (A-Sandeh). Ihnen reihen sich weiter westwärts im Zentralsudan die Bewohner von Darfur, Wadai, Baghirmi, Bornu und Kanem, ferner die Musgu und die Leute der Haussastaaten an. Bei den noch weiter westwärts folgenden Negern des Westsudans treffen wir bereits auf alte Bekannte, wie die Mandingo, Woluffen, Kru, Wei und so weiter. Da wir uns mit ihnen bereits in dem Abschnitte Westafrika beschäftigt haben, so wollen wir an dieser Stelle von ihnen absehen. Auch die Bewohner der Haussaländer haben wir bereits mehrfach berührt, daher können wir uns über sie kürzer fassen.
Bereits in der Vorzeit scheinen hamitische beziehungsweise berberische Stämme in den Sudan vorgedrungen zu sein; in der geschichtlichen Zeit waren es vor allem zwei große Völkerstämme, die von Einfluß waren: die Haussa und die Fulbe. Die ersteren begründeten im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung mächtige Staaten, die letzteren ein Jahrhundert später ebenfalls ein starkes Reich, aber beider Schöpfungen sind längst untergegangen, seitdem die Europäer von diesen Gebieten Besitz ergriffen haben.
Diese verschiedenen Einwanderungen fremder Elemente in die von den Sudannegern ursprünglich bewohnten Gebiete haben der Bevölkerung ihren Stempel natürlich auch in +anthropologischer Hinsicht+ aufgedrückt; durchweg ist ein hamitischer Einschlag nicht wegzuleugnen, bei dem einen Volke tritt er mehr, bei dem anderen weniger in die Erscheinung. Am meisten verraten das hamitische Blut die Neger des Ostsudans. Im besonderen zeichnen sich diese Stämme vor den Schwarzen des Zentralsudans durch ihre große, schlanke Gestalt, hageren, aber dabei doch muskulösen Körperbau, sehr dunkle, tiefbraune, bis ins Schwärzliche gehende Haut, mehr gekräuseltes als wolliges Kopfhaar aus. Eine ihnen eigentümliche Erscheinung ist ihre seltsame +Körperhaltung+, die als Anpassung an ihre Umgebung zu erklären ist. Diese langbeinigen Gestalten pflegen nämlich stundenlang auf einem Beine zu verharren, wobei das andere im Winkel gegen das Standbein gebogen gehalten wird, so daß die Fußsohle das Knie desselben berührt (Abb. 84). Diese Stellung erinnert an die der Sumpfvögel, weswegen man diese Stämme auch als Sumpfneger bezeichnet hat.
Die +Bekleidung+ der Niloten ist durchweg eine recht bescheidene. Unter den Männern bildet Nacktheit die Regel, die Frauen behängen sich ihre Hüften meistens mit einem gegerbten Fell oder auch mit einem Blätterbüschel. Bei verschiedenen Stämmen sind als Kleidungstück Tierschwänze beliebt, die man vom Hüftband über das Gesäß herabhängen läßt. Auch künstliche Anhängsel bindet man sich um, die an Pferdeschwänze erinnern, aus feinen Bindfäden hergestellt und mit Ocker rot gefärbt sind. Manchmal haben diese Schwänze eine solche Länge, daß sie hinterherschleifen. -- Als +Schmuck+ werden Ringe um die Arme und Beine (Abb. 85) sowie in den Ohren und Lippen getragen, um den Hals Ketten aus Muscheln, Nashornzähnen und anderem mehr. Manchmal sind die Beinringe von einem solchen Gewicht, daß die Leute sich kaum fortbewegen können. Die Armringe laufen bei einigen Stämmen in scharfe Stacheln aus und werben daher gleichzeitig als Waffe (Schlagring) benutzt. Ohrschmuck wird auch getragen, doch werden die Ohrläppchen niemals durch Hineinzwängen größerer Gegenstände verlängert. Dagegen kommen wohl Vergrößerungen der Lippen durch Holzscheiben (Abb. 86) vor. Auch finden wir verschiedentlich Durchbohrungen der Nasenscheidewand und Hineinstecken von kleinen Stäbchen, namentlich Quarzstiften.
Von sonstigen +Körperverunstaltungen+ seien noch das Herausschlagen der Schneidezähne sowie das Anbringen von Narben (Abb. 93 und 103) erwähnt. Diese Tatauierungsmuster sind oft ganz geschmackvoll und in ihrer Anordnung sehr gefällig. Die Narben dienen verschiedentlich zur Bezeichnung der Stammeszugehörigkeit (bei den Dinka im besonderen Gesichtsnarben). Die Schuli bemalen sich das Gesicht mit rötlicher und grauer Farbe. -- Besondere Fürsorge widmen die Nilbewohner des Ostsudans ihrem +Haar+. Man begegnet bei einzelnen Stämmen den drolligsten Frisuren, die sie dadurch zustande bringen, daß sie sich das Kopfhaar mit Ton, Kuhmist und Gummi einreiben, so daß eine zusammenhaltende Masse entsteht, die sich in die verschiedensten Formen gleichsam pressen läßt. Die Dinka (Abb. 87) zum Beispiel lassen ihr Haar in kleinen Büscheln wie Strahlen allseitig vom Kopfe abstehen, scheren sich aber auch wohl den Kopf bis auf eine stehenbleibende Locke über der Stirn. Ganz kunstvoll verfahren mit ihrer Frisur die Latuka. Jeder ihrer Stämme hat seine eigene wechselnde Mode, doch stimmen alle darin überein, daß sie ihr Haar nach Art eines Helmes (Abb. 88) formen. Verschiedene Jahre sind erforderlich, um diese Frisur zur höchsten Vollendung zu bringen. Sie verflechten ihr dichtes wolliges Haar mit feinem Bindfaden, bis es einer dicken Filzmatte ähnelt, die dann zu einem Helm geformt wird. Der Rand wird mit Garn zusammengenäht und bildet einen dicken Reifen. Ein Stück polierten Kupferblechs in Gestalt einer halben Bischofsmütze wird vorn kronenartig aufgesetzt. Ist der Besitzer reich genug, so benäht er das Ganze noch mit blauen und roten Perlen, die er so hübsch verteilt, daß der ganze Helm wie aus Perlen zusammengesetzt erscheint. Die kupferne Krone wird schließlich noch mit Straußenfedern besetzt und der Rand mit einer Reihe Kaurimuscheln bestickt, so daß dieser kunstvolle Aufbau in der Tat einen höchst würdevollen Eindruck hervorruft. Die Frauen der Latuka tragen das Haar merkwürdigerweise kurz.
Die nilotischen Stämme leben in walzenförmigen, sich nach oben zu wie ein Kegel verlängernden +Hütten+, die aus Geflecht und Lehm, manchmal nur aus letzterem aufgebaut sind und ein Grasdach (Abb. 89) tragen. Der Eingang zu ihnen ist oft so niedrig, daß man nur auf allen vieren hineingelangen kann. Die Hütten der Latuka ähneln in ihrer Form Glocken oder, richtiger gesagt, großen Kerzenauslöschern. Ihre Mauern sind nur etwa zweieinhalb Fuß hoch, dafür aber erhebt sich über ihnen das Dach bis zu mehr als zwanzig Fuß Höhe. Die Barihütten (Abb. 91) sind sehr sorgfältig gebaut, schön verputzt und stets von einem kleinen Hofe umgeben, dessen Boden mit einem lehmartigen festen Gemenge aus Ameisenhaufen, Kuhmist und Asche belegt wird. Die Acholi bauen Hütten, deren Dach bis auf die Erde reicht. Die Innenwände werden von ihnen mit Zeichnungen in Rot, Weiß und Hellgrau bemalt; diese Zeichnungen stellen entweder geometrische Muster oder herkömmliche Figuren von Menschen und Tieren dar; ganz eigenartig sind ihre Schlafhütten (Abb. 90).
Die meisten Niloten sind in ihrer +Hauptbeschäftigung Hirten+ und verfügen über stattliche Herden; besonders bei den Dinka stellen diese einen großen Reichtum dar. Die Latuka erbauen in der Nähe ihrer Viehkrale hohe Plattformen (Abbild. 92), von denen aus sie eine weite Umschau halten können, damit sie beizeiten den Feind bemerken, der etwa einen räuberischen Überfall auf ihre Herden plant. Vieh gilt allgemein als Münze, und der Wunsch, sich die Herden des Nachbarn anzueignen, gehört gleichsam zur Tagesordnung und ist die Ursache der häufigen +Raubzüge+ der einzelnen Stämme, die ihre Kriegführung ausmachen; die Dinka bekämpfen sich besonders auch untereinander. -- Beim Umherziehen bedienen sich die Frauen der Araberstämme der Sänften (Abb. 95 und 96), die mitunter recht kostbar sind. Die Baggara reisen auch auf Ochsen (Abb. 108).
Als +Waffen+ benutzt man hauptsächlich Speere und Schilde (Abb. 94), die bei den Acholi mit kleinen Messingknäufen in gleichmäßigen Abständen beschlagen sind. Auch die Speere weisen oft genug feinere Arbeit auf, ebenso die Pfeile. Denn auch Bogen und Pfeil gehören bei einzelnen Stämmen zu den Angriffswaffen. Die Dinka und Schilluk besitzen lange Stöcke, die sie wie Keulen schwingen. Die Bari (Abb. 97 und 98) sind vorzügliche Krieger; schon die Knaben üben sich im Gebrauch von Bogen und Pfeil und erreichen auf diese Weise beizeiten große Geschicklichkeit im Kriegshandwerk. Neben der Viehzucht befassen sich die nilotischen Stämme auch mit dem Anbau von Feldfrüchten, vor allem von Durra; bei einzelnen Stämmen macht der +Ackerbau+ sogar die Hauptbeschäftigung aus. Andere geben sich mit Jagd und Fischfang ab. Die Bari liegen mit Vorliebe der Jagd auf Flußpferde ob, denen sie von ihren Flößen aus beizukommen suchen.
Die +Dinka+ sind bei weitem die zahlreichsten der Nilanwohner, und trotzdem haben sie es bisher nicht fertiggebracht, sich zu einer Nation zusammenzuschließen. Die zahlreichen Stämme, die sich Jieng (daher das arabische Dinkawi, das wieder zu Dinka verenglischt worden ist) nennen, haben nie ein höheres Haupt anerkannt, wie dies zum Beispiel die Schilluk getan haben, sind auch niemals zwangsweise von einem militärischen Machthaber vereinigt worden. Jede Gemeinde regiert sich selbst unter der Führerschaft eines Häuptlings, der, in erster Linie geistiger Führer, das Dorf mit Hilfe der Ältesten leitet. Meistens pflegt in jeder Gemeinde der angestammte Regenmacher diese wichtigste Person zu sein; seinen Rat holt man bei jeglicher Gelegenheit ein, sein Wunsch ist für jedermann Befehl. Nach dem Glauben der Dinka birgt jeder Regenmacher den Geist eines großen Regenmacherahnen in sich. Ein solcher Mann besitzt, wie gesagt, große Macht in der Gemeinde; bei allen wichtigen Fragen wird sein Rat eingeholt, denn dadurch, daß er den Geist eines großen Ahnen in sich trägt, ist er weitsehender und klüger als andere Menschen. Zu alt läßt man die Regenmacher nicht werden, denn würden sie an Altersschwäche oder an einer schleichenden Krankheit sterben, so hätte das Volk darunter zu leiden; es würden Hungersnöte sich einstellen, die Herden sich vermindern, die Leute krank werden und sonstiges Unglück sich einstellen. Daher schützen gewisse Dinkastämme ihren Regenmacher auch nicht vor gewaltsamem Tod oder Beteiligung am Kampf. Sollte er bei einer solchen Gelegenheit sein Leben einbüßen, so würde sein Ahnengeist sofort auf einen geeigneten Nachfolger übergehen. Fühlt ein Regenmacher, daß er alt und gebrechlich wird, dann sagt er seinen Leuten, es sei für ihn jetzt an der Zeit zu sterben. Darauf graben sie ihm ein großes Grab, in das er sich legt. In dem Grabe verharrt er viele Stunden lang, ohne Speise und Trank zu sich zu nehmen; seine Angehörigen, Verwandten und Freunde versammeln sich um ihn, und er erzählt ihnen von der vergangenen Geschichte des Stammes und von seinem Wirken und gibt ihnen Ratschläge für die Zukunft. Hat er dann alles, was er auf dem Herzen hatte, vorgebracht, so deckt man ihn mit Erde zu und erstickt ihn dadurch. Von einem Stamme wird berichtet, daß sie ihren Regenmacher in seinem eigenen Hause erwürgt hätten; nachdem hierauf das Grab fertiggestellt war, hätten sie die Leiche gewaschen, einen Ochsen getötet, ihm die Haut abgezogen, das Grab mit ihr ausgelegt und schließlich den Toten beigesetzt. -- Von einigen Stämmen heißt es, daß sie zusammen mit ihrem Regenmacher sogar einen Ochsen begrüben. Allgemein scheint aber üblich zu sein, daß man etwas Milch auf sein Grab sprengt und irgendeinen Gebrauchsgegenstand mit hineinlegt.