Part 16
Den bösen Einfluß des Duppy nachdrücklich zu bekämpfen, ist Aufgabe des Obeahmann, dem man den Besitz besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten zutraut. Bei der Ausübung seiner Kunst verfährt der +Obeahmann+ nach althergebrachten kabbalistischen Zeichen und geheimnisvollen Zauberformeln; auch gibt er sich damit ab, die Duppys „in Flaschen einzufangen“ und sie einem Feinde auf die Spur zu hetzen, sowie Zaubermittel, seltsame Zusammenstellungen von Federn, Haaren und Pflanzen, unter seine Kunden zu verteilen. Ein Obeahmann könnte gelegentlich auch einmal gefährlich und widerspenstig werden, aber die Regierung weiß dem vorzubeugen. Sollte sie ihre scharfe Überwachung unterbleiben lassen, dann würde die Entwicklung in ihrem Laufe nicht mehr aufgehalten werden können und der Vuduismus bald zu jener schlimmen Form ausarten, wie sie uns auf Haiti entgegentritt.
Zwischen der milden und der strengen Form des +Vuduismus+ (Abb. 211) gibt es viele Übergänge und Abweichungen, die von der auf der betreffenden Insel herrschenden örtlichen Verwaltung abhängig sind (dänische, holländische, französische und amerikanische Regierung). In den alten spanischen Kolonien zum Beispiel hat die römisch-katholische Kirche es verstanden, den Fetischkultus in vernünftigen Grenzen zu halten, und ist nur dann scharf gegen ihn vorgegangen, wenn etwa ein zu kühner Obeahmann sich für einen neuen Gott ausgab und den Versuch machte, sich Anhänger zu gewinnen. Der Vuduismus ist hier die öffentliche Anbetung der grünen Schlange. Diese muß, wie wir es von den Göttern der Heiden schon vielfach erfahren haben, versöhnt werden, damit sie die bösen Geister fernhalte. Aus diesem Grunde werden Opfergaben zu einer Notwendigkeit. Hühner, Ziegen und „Ziegen ohne Hörner“, womit junge Menschenkinder gemeint sind, werden dargebracht. Zur Priesterschaft dieses Kultus in der Form, wie sie auf Haiti herrscht, gehören die Loupgarous oder religiösen Kinderräuber. Das „rollende Kalb“ in der Folklore von Jamaika, vor dem die Mütter ihre Kinder warnen, ist zweifellos eine Erinnerung an das frühere Opfern von Kindern. Man stellt es sich als den körperlosen Kopf eines Kalbes mit großen, rollenden Augen vor, der die Kinder beleckt, wovon sie entweder sterben müssen oder sonst verschwinden. Auf Haiti wird das Blut des Opfertieres den Adepten auf die Gesichter gestrichen und von dem amtierenden Priester getrunken. Bei einem Huhn beißen sie den Kopf ab und saugen das Blut aus dem Halse aus; bei einer Ziege reißen sie das Herz aus. Die Feier spielt sich nachts in den dunklen Tiefen des haitischen Waldes ab, dumpfer Tamtamschlag ertönt, Freudenfeuer brennen düster vor einer Kiste, in der die grüne Schlange, der man bei den Festen huldigt, liegt oder liegen soll. Die Szene wird immer wilder und schauerlicher; die Zuschauer beginnen mit dem Loiloichi oder Bauchtanz, der schließlich in eine regelrechte Orgie schlimmster Art ausartet und bis Tagesgrauen anhält, oder doch wenigstens so lange, bis Männlein und Weiblein trunken vor sinnlicher Erregtheit und Ermattung zu tiefem Schlaf auf die Erde sinken. Das größte dieser nächtlichen Feste soll zu Ostern stattfinden und mehrere Tage dauern. Auch die Fastenzeit gibt zu einem ausgelassenen Karneval Anlaß, der in den großen Städten, wie Port-au-Prince, am hellen Tage gefeiert wird.
Die +Musikfreudigkeit+ der Negerrasse kommt auch bei der Bevölkerung der westindischen Inseln zum Ausdruck. Kein Fest wird gefeiert, ohne daß die Gitarre, ein wahres Nationalmusikwerkzeug, in ihr Recht tritt. Sie wird von den Negern ganz geschickt gespielt. Geradezu als Musiker ersten Ranges aber erweisen sich die Kreolen Kubas und Puerto Ricos. Die Musik auf diesen Inseln ist voll tiefer Empfindung, bevorzugt die Molltonarten und zeichnet sich durch einen ganz eigentümlichen Rhythmus aus, durch den sie sich leicht von der Musik anderer Länder unterscheidet. Sie ist auch in Spanien sehr volkstümlich geworden, wo das Volk diese Weisen aufnahm und sie mit seinen eigenen Volksliedern verschmolz. Die Tanzmusik der „Inseln“ hat sich fast über die ganze Welt verbreitet, und der Tango mit seinen eigenartigen Hüft- und Bauchbewegungen stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von Kuba oder Puerto Rico; über Argentinien, wo er nach der Eigenart der Bewohner abgeändert wurde, hat er dann seinen Weg auch nach Europa genommen und hier seine bekannten Auswüchse erfahren.
Südamerika.
Die Eingeborenen Südamerikas zählen gleichfalls zu den Indianern, obwohl sie äußerlich in mancher Hinsicht von dem nordamerikanischen Typus abweichen. Ohne Zweifel sind nordamerikanische Indianer bereits in weit zurückliegenden Zeiten über die Landenge von Panama nach dem Süden vorgedrungen und haben sich dort ausgebreitet; später fand dann wieder eine Rückwanderung statt, die zur Zeit der Entdeckung Amerikas ihren Abschluß noch nicht gefunden zu haben scheint. Wir lernten als solche Rückwanderer bereits die Karaiben und Aruaken kennen.
Der südamerikanische Indianer nimmt in +anthropologischer Hinsicht+ eine Mittelstellung zwischen der mongolischen, der kaukasischen und der polynesischen Rasse ein. Wir erwähnten bereits an anderer Stelle, daß die ursprüngliche Bevölkerung Amerikas teils aus Einwanderern aus Asien, teils aus solchen aus Europa hervorgegangen sein dürfte; wir haben ferner Anzeichen für die Annahme, daß auch von Polynesien aus auf vermutlich in früheren Zeiten bestehenden Inselbrücken malaiische Elemente nach Südamerika hinübergewandert sind und zu der Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung beigetragen haben mögen. Der +Typus der südamerikanischen Indianer+ weist eine ziemliche Mannigfaltigkeit auf. Dies zeigt sich schon an der +Körpergröße+. Wir begegnen recht großen Stämmen, wie den Tehueltschen oder Patagoniern und den Bororo, unter denen Gestalten von einhunderteinundneunzig bis einhundertzweiundneunzig Zentimetern durchaus keine Seltenheit sind; mit einem Mittel von einhundertfünfundsiebzig bis einhundertachtzig zählen beide Stämme zu den größten Menschen der Erde. Andererseits aber gibt es in Südamerika auch Indianerstämme, die von auffälliger Kleinheit sind, wie die Feuerländer mit nur einhundertachtundfünfzig Zentimetern, die merkwürdigerweise dicht neben den größten Menschen wohnen, ferner die Trumai, Puru, Karaiben von Guyana und andere. -- Die +Hautfarbe+ der südamerikanischen Eingeborenen zeigt im allgemeinen einen etwas helleren Ton, der etwa gelbgrauem Lehm gleicht; natürlich kommen hier und da auch dunklere Tönungen vor. Das +Kopfhaar+ ist für gewöhnlich von grober, straffer Beschaffenheit und leuchtend-braunschwarzer Farbe; daneben gibt es unter manchen Stämmen auch verhältnismäßig häufig feines, leicht gewelltes Haar, ja selbst geringeltes und sogar gelocktes; fremde Blutmischung dürfte als Ursache hierfür nicht in Betracht kommen.
Die +Kleidung+ entspricht dem jeweiligen Kulturstande; bei vielen Stämmen fehlt sie gänzlich, bei anderen ist sie sehr knapp bemessen. (Hierzu die Kunstbeilage.) Sie wird, wie Karl v. den Steinen nachgewiesen hat, in ihren ersten Anfängen hier nicht vom Schamgefühl gefordert, sondern entspricht dem Verlangen nach Schutz gegen Gefährdungen durch die Tierwelt, im besonderen von seiten einer Zeckenart und kleiner Fische, die mit Vorliebe beim Baden in die äußeren Geschlechtsöffnungen eindringen. Auf der ursprünglichen Stufe besteht die Kleidung des männlichen Geschlechts dementsprechend in einer Hüftschnur (Abbild. 212), oder es wird auch nur die Vorhaut zusammengebunden bzw. das Glied mit einem Überzug versehen; bei den Frauen tritt an dessen Stelle ein kleines, dreieckiges Stück Bast (Uluri), das über den Scheideneingang gebunden wird und diesen dicht verschließt. In weiterer Ausbildung kommt es zu Schambinden oder größeren Schürzen aus Rinde oder Bast. Ein eigenartiges Bekleidungstück sind breite, +steife Gürtel+ (Abb. 213) aus Borke, Bast oder Perlschnüren, die um den Rumpf prall angelegt werden und diesen in dem Maße einschnüren, daß das Fleisch an den Rändern hervorquillt. Dieser „Schnürleib“ wird so selten wie möglich abgelegt und so lange getragen, bis es nicht länger angängig ist und der Gürtel gewechselt werden muß. In ähnlicher Weise werden die Gliedmaßen, Oberarme und Unterschenkel, eingeschnürt, damit die Muskeln gekräftigt werden; bei den Karaiben ist diese Verunstaltung eine kennzeichnende Stammeseigentümlichkeit, durch die sie schon den ersten Besuchern Amerikas aufgefallen waren. -- Die in den kälteren Gegenden lebenden Indianer hüllen sich in Tierfelle (Abb. 214) oder Decken (Abb. 215; siehe auch die Kunstbeilage).
+Durchbohrungen im Gesicht+, am meisten an den Ohren, der Nase und der Unterlippe, werden von den meisten Stämmen Südamerikas vorgenommen. In die dadurch entstandenen Löcher steckt man allerlei Zierat, so in die Ohrläppchen Pflöcke, Stäbchen, zusammengerollte Blätter oder bunte Federn, oft bis zu einer solchen Größe beziehungsweise Schwere, daß das Ohrläppchen bis auf die Schulter herabhängt (zum Beispiel bei den Botokuden); in der Nasenscheidewand (Abb. 216), den Mundwinkeln und der Unterlippe bringt man ähnliche Sachen an, wohl auch Muschelschalen, dünne Holzspäne und dergleichen. Eine sehr beliebte Körperverzierung ist auch das +Anmalen+, das gelegentlich eine solche Ausdehnung annimmt, daß die Leute, wie Koch-Grünberg sagt, beim ersten Anblick aussehen, als ob sie einen bunten, gestrickten Anzug trügen. Die Bemalung wird aus feierlichen Anlässen, bei Festen (Abb. 220) und Tänzen, beim Empfang von Gästen und sonstigen besonderen Gelegenheiten vorgenommen. Junge Leute betreiben dies gleichsam als eine Art Sport; sie lassen es sich angelegen sein, immer neue Muster auszuklügeln, und verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, sich in dieser Weise auszuputzen; sie entsprechen insofern unseren Stutzern.
+Tatauierung+ (Abb. 217 bis 219) kommt viel seltener vor; sie pflegt dann auch wohl immer ein Stammesabzeichen zu sein. Durch zierliche, arabeskenartige Muster zeichnen sich die Frauen der Kadiué aus.
Der +Pflege der Haare+ wird im allgemeinen weniger Beachtung geschenkt, doch versieht man sie gern mit schönem Federaufputz. +Federschmuck+ (Abb. 221, 223 und 224) ist gerade für Südamerika recht bezeichnend. Es werden daraus schöne Mäntel, Oberarmbehänge, ja sogar ganze Anzüge in mühseliger Arbeit hergestellt, die ihrer Kostbarkeit wegen allerdings nur bei ganz besonders festlichen Anlässen getragen werden; in der Zwischenzeit bewahrt man sie sorgfältig in geflochtenen Schachteln auf. Den Stoff geben die farbenprächtigen Vögel der Tropenwelt ab: Papageien, Araras, Ibis, Reiher und andere.
Der sonstige +Schmuck+ ist äußerst mannigfaltig; alle drei Reiche der Natur müssen dazu beitragen. Bald sind es Zähne der großen Säugetiere (Affe, Wildschwein, Jaguar und so weiter), Kieferstücke von Fischen, Klauen vom Gürteltier, schillernde Flügeldecken von Prachtkäfern oder Hörner des Hirschkäfers, Muschelschnecken, bald allerlei Fruchtkerne oder Fruchtkapseln, bald auch glänzende oder bunte durchbohrte Gesteine oder Perlen (Abb. 222), die man als Ketten oder Bänder um den Körper hängt.
Die +wirtschaftliche Kultur+ der südamerikanischen Indianer ist sehr verschiedenartig; sie hängt mit dem Grade ihrer Zivilisation und mit der Umgebung, in der sie leben, zusammen. Ein Teil führt noch ein umherschweifendes Leben als Sammler oder Jäger; diese haben meistens keine festen Wohnungen, sondern leben unter einfachen Laubhütten oder in Erdlöchern. Die mehr seßhaften Stämme kennen richtige Grashütten (Abb. 226), die sich meistens zu Weilern, seltener zu eigentlichen Dörfern zusammenschließen. Auch Pfahlbauten sind bekannt; der Name Venezuela, das ist Klein-Venedig, rührt von der Ähnlichkeit her, die die von den ersten Ankömmlingen an der Lagune von Maracaibo angetroffenen Niederlassungen mit dem Bilde der italienischen Lagunenstadt zeigten. Sehr verbreitet, besonders unter den Karaiben und Aruaken, ist der Gebrauch von Hängematten; das englische Wort hammock stammt von dem aruakischen hamaca, mit dem man diese Schlafgelegenheit bezeichnete. Die Uaupés haben Sippenhäuser, in denen mehr als hundert Personen Unterkunft finden können. Die +Beschäftigung+ dieser mehr seßhaften Indianer bildet der Hackbau oder der Fischfang (mit Bogen und Pfeilen, Harpunen, Reusen oder durch Vergiftung des Wassers); auch Viehzucht wird betrieben (Gran Chaco, Goajiro). Einige Stämme (Gran Chaco, südliches Argentinien) sind nach Einführung des Pferdes durch die Europäer vorzügliche Reiter geworden.
Die +Hauptnahrungsquelle+ (Abb. 225 und 228) sind im allgemeinen Jagd und Fischfang. Fleisch und Fische pflegt man durch Rösten auf Bratständern oder an Spießen, häufig auch in Erdgruben genießbar zu machen; das eigentliche Kochen ist meistens unbekannt, weil vielfach Töpfe überhaupt fehlen. Die Karaiben und Aruaken stellen aus der sehr giftigen Wurzel der Manihotpflanze auf umständliche Weise ein Mehl her, das ihre Hauptnahrung ausmacht. Einzelne Stämme huldigen auch noch der Menschenfresserei (Abb. 227). Unter den +Genußmitteln+ steht der Tabak oben an. Er wird geraucht und geschnupft. Geraucht wird der Tabak entweder in Form von großen, mit Maisblatt umhüllten Zigaretten, die häufig mit einer Gabel als Stützvorrichtung (Abb. 230) gehandhabt werden, oder in Pfeifen aus Holz oder Ton. Ganz merkwürdig verfährt man beim Schnupfen; man bläst sich selbst oder gegenseitig das Schnupfpulver mit Hilfe von Röhren in die Nase.
Als +Waffen+ (Abb. 220 u. 229) dienen den südamerikanischen Indianern Bogen und Pfeile, erstere häufig prächtig verziert, sowie Wurflanzen mit in Gift getauchten Spitzen, die in manchen Gegenden mit einem Wurfbrett geschleudert werden, Stoßlanzen und besonders auch Keulen; hierzu tritt für einzelne Gebiete für die Jagd noch das Blasrohr (Abb. 231) mit gleichfalls vergiftetem Pfeil. Die Reiterstämme der Steppen bedienen sich mit Vorliebe des Lassos und der Bola, einer Wurfkugel. Die Verteidigungswaffen bestehen aus Schilden (Abb. 232) von Holz oder Fell und aus Rüstungen, die man aus Fellen oder Geweben herstellt. Eine Eigentümlichkeit besonders der Jivaros sind ihre +Siegestrophäen+ aus den abgeschnittenen und auf besondere Art zubereiteten Köpfen erschlagener Feinde (Abb. 233 und 234), die sogenannten +Tsantsas+. Die Haut des möglichst tief abgehauenen Kopfes wird durch Längsschnitt am Hinterhaupt gespalten und mit Einschluß der Gesichtshaut auf geschickte Weise von den darunterliegenden Knochen abgeschält, darauf in Wasser, dem gewisse Kräuter, wohl zur Desinfektion, zugesetzt sind, gekocht und schließlich über einen runden, heiß gemachten Stein gezogen, den man nach und nach durch einen immer kleineren bis zur Größe einer Orange ersetzt, während die Weichteile mit einem anderen, ebenfalls heiß gemachten Stein wie mit einem Plätteisen von außen geglättet werden. Der auf diese Weise ausgetrocknete, gleichsam mumifizierte Kopf, in dessen Inneres man, um die Form zu erhalten, wohl noch heißen Sand schüttet, wird als Siegeszeichen an einer Schnur aufgehängt. Die Herbeischaffung eines Tsantsa von seiten eines Kriegers hat eine große Festlichkeit (Tsantsa-Tucui) im Gefolge, zu der er sich würdig vorbereiten muß. Dazu gehört auch eine lange Enthaltsamkeit vom Genusse gewisser Speisen (so jeglichen Wildes, das durch Pfeil erlegt wurde, und zahlreicher anderer Tiere); er darf nur Fische, Yukka, Bananen und einige kleine Vögel, die mit einem Blasrohr erlegt wurden, verzehren. Er muß ferner, wenn er sich ins Freie begibt, seine Lanze zu Haus lassen, was für einen Wilden eine große Entsagung bedeutet, und sich des geschlechtlichen Verkehrs enthalten. Außerdem bemalt er seinen Körper mit schwarzen Linien und zieht einen ebensolchen Streifen quer über das Gesicht von einem Ohr zum anderen. Diesen Enthaltsamkeitsvorschriften muß er mehrere Monate bis zu zwei Jahren nachkommen, man hörte selbst von einer Befolgung derselben auf sechs bis zehn Jahre. Wer dagegen verstößt, lädt großes Unglück auf sich und seine Familie, denn der Geist der Abgeschlachteten läßt ihn nicht in Ruhe. Eine so lange Vorbereitungszeit ist auch darum erforderlich, weil der junge Krieger sich erst die Nahrungsmittel zur Bewirtung der zahlreichen Gäste, die sich zum Fest einfinden, beschaffen muß; er muß Yukka und Bananen säen und sie ernten, um daraus durch Gärung eine ungemeine Menge von Chicha herzustellen; er muß auch große Jagden veranstalten, um das erforderliche Fleisch zu beschaffen, das dann für lange Aufbewahrung besonders zubereitet wird. Der großen Kosten wegen pflegen sich meistens mehrere Jünglinge zusammenzutun. Zum Feste selbst finden sich alle Angehörigen, selbst solche aus den entferntesten Gegenden ein. Ein mit der Leitung der Feier betrauter alter Mann nimmt aus den Händen des Kriegers, der nun wieder mit Lanze erscheint, den Tsantsa entgegen und taucht ihn nacheinander in eine Abkochung von Tabak, in Chicha und schließlich in reines Wasser; nachdem er hierauf den Helden des Tages genötigt hat, sich niederzusetzen, und ihm diese verschiedenen Flüssigkeiten eingeflößt hat, nimmt dieser seine Trophäe wieder in Empfang und hängt sie am Hauptpfosten seines Hauses auf, der mit Blumen, ausgestopften Vögeln und zahlreichen anderen Anhängseln verziert ist. Der Festleiter hält nun noch eine Rede auf den jungen Mann. Hieran schließen sich Tänze der Männer und ein Trinkgelage, meistens sechs Tage lang; dabei wird den verteilten Speisen eifrig zugesprochen. In der letzten Nacht wird noch eine Anzahl fetter Schweine geschlachtet und aus ihrem Fleisch eine Kraftbrühe hergestellt, von der am Morgen des siebenten Tages jeder der Teilnehmer trinkt. Diese kehren dann wieder heim, nachdem jeder von ihnen noch ein großes Stück Fleisch mitbekommen hat. Diese Festlichkeit soll den Zweck haben, den Geist des Getöteten zu versöhnen und geneigt zu stimmen. Fortan wird der Tsantsa zu einer Art Fetisch, der seinem Besitzer und dessen Angehörigen Reichtum, Fruchtbarkeit für die Felder, Glück in der Familie und Sieg über die Feinde sichert.