Die Heiligen der Merowinger

Part 10

Chapter 102,612 wordsPublic domain

Ist der Verfasser eines Heiligenlebens eine uns auch an sich bekannte geschichtliche Persönlichkeit, so bürgen seine Lebensumstände wenigstens für die Möglichkeit quellenmäßiger Mitteilung. Anders, wenn die Schrift anonym blieb und nicht die geringste Kunde über den Verfasser auf uns kam. Dann ist die Art des Berichtes unsere einzige Gewähr für seine Zuverlässigkeit. Eine schwache Handhabe, aber gewiß eine nicht zu verachtende. Der anonyme Schreiber des Fulgentiuslebens sagte in der Vorrede an den Bischof Felicianus, dem er das Werk widmet: »Wie immer dieses mein Werk ausfallen mag, es kann die Verdienste des großen Mannes weder erhöhen noch vermindern, es sei nur ein Beweis meiner Liebe, mit dem ich an ihm hing, an ihm, der mich zum Mönchsstande bekehrte und als Verbannter in seinem kleinen Kloster auf der Insel Sardinien Tag und Nacht mich um sich hatte. Dort wohntest auch Du als Priester. Nun habe ich diese Arbeit unternommen, um alles was er uns mündlich mitteilte, und außerdem auch was wir als Augenzeugen miterlebten, kurz auseinanderzusetzen, ohne Furcht, der Fälschung bezichtigt zu werden; denn nötigen Falls kannst Du meine Zusammenstellung mit Deinem Zeugnis bekräftigen.« Unzweifelhaft haben wir es hier mit einem Schüler des beschriebenen Heiligen zu thun. Auch giebt sich die Schrift ihrer Form nach als reine Memorie, da sie ohne Einleitung gleich auf den Stoff eingeht und auch am Schluß eine Invokation nicht hat, sondern als Erzählung ausläuft. Fulgentius entstammte einer Senatorenfamilie aus Karthago[060-a]. Sein Großvater Gordianus hatte wie die meisten Senatoren unter Preisgabe seiner Güter nach Italien flüchten müssen, als die Vandalen unter Geiserich einbrachen. Nach seinem Tode kehrten zwei von seinen Söhnen, in der Hoffnung, das Erbe wieder zu erlangen, nach Afrika zurück, konnten aber in Karthago nicht verbleiben, weil ihr Haus an die arianischen Priester verschenkt worden war. Ihre Landbesitzungen erhielten sie jedoch durch königlichen Machtspruch zum größeren Teil wieder zurück und zogen in die Provinz Bizacena. Hier in der Stadt Jellapte bekam einer von ihnen, Klaudius, von seiner Gattin Mariana den zum Sohne, der den ihm verliehenen Namen Fulgentius, das heißt ›der Glänzende‹ mit so viel Recht führen sollte. Die Mutter ließ ihn, da der Vater früh starb, zuerst in den griechischen Wissenschaften unterrichten und solange er nicht den ganzen Homer auswendig konnte und auch vieles von Menander durchmachte, erlaubte sie nicht, ihn mit der lateinischen Litteratur bekannt zu machen, weil sie ihm in den Kinderjahren die Kenntnis der fremden Sprache beibringen lassen wollte, damit er einst, unter den Afrikanern lebend, das Griechische los habe. So kam es, daß er später ohne Accent Griechisch sprach. Dann machte er die höhere Stufe der Lateinschule durch, mußte aber zugleich in seinen jungen Jahren bereits die Verwaltung des väterlichen Hauses übernehmen. Bald darauf wurde er städtischer Steuereinnehmer. Ihn selbst beschlich die Sehnsucht, die Welt zu lassen und Mönch zu werden. Da sich dieser sein Lieblingswunsch jedoch nicht erfüllen wollte, richtete er wenigstens sein äußeres Leben so ruhig wie möglich ein, mied die Gesellschaft, saß auf seinem Landhause, verminderte die Zahl großer Gastmähler und ging nicht mehr ins Bad. Dafür fastete, las und betete er im Laienstande wie ein Mönch, bis ihn eine Predigt des heiligen Augustin über den 36. Psalm bewog, mit seinem Entschluß nicht länger hintanzuhalten. Er vollzog seinen Eintritt ins mönchische Leben bei Faustus, der von Hunerich seines Bistums entsetzt nicht weit davon einem Kloster vorstand. Die Aufregung in der Familie war groß. Fulgentius blieb standhaft; er überthat sich in Kasteiungen, enthielt sich des Weines, aß ohne Fett und so wenig und schlecht, daß seine Haut Sprünge bekam, eiterte und bald ein Ausschlag seinen Leib entstellte. Sein ganzes Vermögen vermachte er seiner Mutter, die es dann seinem jüngeren Bruder Klaudius verschreiben solle, falls er sich gut halte. Die höchst unruhigen Zeiten ließen ihn nicht ruhig seinem Ideale leben[061-a]. Die beständigen Verfolgungen der Arianer vertrieben ihn und er suchte Zuflucht bei einem Abte Felix, der ihn bald zum Mitabt erhob. Ein Maureneinfall vertrieb sie aufs neue; sie suchen in der Gegend von Sicca sich festzusetzen. Dort aber hetzte ein fanatischer arianischer Priester, Felix von Gabardilla, ein roher, aber reicher Mensch; es kam zu Thätlichkeiten. Der Abt Felix wird ausgepeitscht und Fulgentius ebenfalls gestäupt. Nun will Fulgentius nach Aegypten reisen, ändert aber seinen Entschluß; die mit andern Pilgern bei Bischof Eulalius von Syrakus genossene Gastfreundschaft und die Nachricht, daß die Thebais gegenwärtig von einer Irrlehre beherrscht sei, halten ihn im Abendlande fest. Er besucht einen in Sizilien als Einsiedler lebenden verbannten afrikanischen Bischof Rufinianus, reist nach Rom und wohnt dort dem Einzug König Theodorichs bei. Auf dem Platz, der ›die goldene Palme‹ hieß, hörte er den König eine Rede halten, sieht den Adel prächtig in all den Abstufungen seiner Stände und vernimmt das Freudengeschrei des freien Volkes, aber mit keuschen Ohren; er kannte den eiteln Pomp dieser Welt und sagte lächelnd zu einem Mitgeistlichen: »Wie schön muß erst das himmlische Jerusalem sein, wenn schon das irdische Rom also glänzt«. Er kehrte nach Afrika zurück und richtete auf dem Grundstück, das ein hochgestellter Mann und guter Christ namens Sylvester zur Verfügung stellte, in Bizacena ein eigenes Kloster ein: guter, fetter Boden, um vom Ertrag der eigenen Gärten leben zu können und abgelegen, fern vom Kriegsgetümmel. Aber die Anlage und Leitung des Klosters nahm ihn zu sehr in Anspruch; er sehnte sich nach dem Zustande eines einfachen Ordensbruders. Bei der ersten Gelegenheit giebt er denn auch seine Abtswürde ab und tritt in ein anderes Kloster auf einer Strandinsel an der kleinen Syrte, wo der schmale Streifen des winzig kleinen Felsens nicht erlaubt, Gärten anzulegen, wo weder Holz noch Trinkwasser sich vorfindet und wo daher das Notwendigste von diesen beiden Dingen auf sehr kleinen Kähnen hinübergeschafft wird. In diesem Kloster, dem ebenfalls zwei Aebte vorstanden und das durch seine strenge Zucht bekannt war, lebte er als einfacher Bruder. In seiner Mußezeit trieb er Handarbeiten; er schrieb geschickt und verfertigte Fächer aus Palmblättern. Aber dieser ihm erwünschte Wechsel vom Oberen zum Untergebenen dauert nicht lange: sein Kloster reklamiert ihn; es kommt vor den Bischof; die Inselmönche müssen nachgeben. Nicht nur muß er wieder Abt sein; er erhält nun auch die Priesterweihe. Bald ist er der allgemein anerkannte Kandidat für den nächsten ledigen Bischofssitz. Allerdings war es damals vom König Thrasamund verboten, Bischöfe zu weihen und den verwaisten Kirchen Hirten zu geben. Da es daher weder erlaubt war, eine solche Ehrenstelle auszuteilen noch sie anzunehmen, hielt es Fulgentius für unnötig, sich seinerseits vor dem bevorstehenden Los zu wappnen. Aber die noch übrigen Bischöfe thaten dessenungeachtet alles, um die erledigten Stühle zu besetzen. Nun hatte sich indessen Fulgentius in der That durch Flucht der Wahl entzogen, die mehrmals auf ihn, sei es als ersten, sei es als einzigen entfiel. Zugleich wurde der Primas der Provinz Bischof Viktor verhaftet und nach Karthago geschleppt. Die Lage der katholischen Geistlichkeit war aufs neue verzweifelt. Da nahm denn Fulgentius die Wahl zum Bischof von Ruspe an, obwohl ein Diakon namens Felix, der Bruder eines einflußreichen Beamten, ihm den Platz streitig machte. Da der Weihbischof in Haft saß, wurde Fulgentius von den benachbarten Bischöfen konsekriert. Es kostet ihn einen wahren Kampf, zumal er böse Augen hatte. Aber man reißt ihn förmlich aus der Zelle, zwingt ihn Bischof zu sein. Kaum im Amte[062-a], weihte Fulgentius seinen Gegner, den Diakon Felix zum Priester. Er kehrte in seinem Auftreten den Mönch heraus, trug nie die Stola, sondern immer nur Kukulle und Ledergürtel, ja zelebrierte so die Messe: »Beim heiligen Meßopfer«, pflegte er zu sagen, »müssen die Herzen geändert werden, nicht die Kleider.« Unter der Kukulle trug er einen dunkeln oder einen weißen Mantel. Wenn es die Witterung erlaubte, hatte er innerhalb des Klosters nur den Mantel an. Aber mit entblößten Schultern ward er nie gesehen, ja er begab sich zur Ruhe, ohne auch nur den Ledergürtel abgelegt zu haben. Nie aß er Fleisch, nur Gemüse, Graupen und Eier, so lang er jung war, ohne Oel; in seinem Alter aber mischte er Oel bei, in der Meinung, das Oel verhindere seine zunehmende Augenschwäche, die ihm das Lesen unmöglich mache. Wenn er unwohl war und Wein trinken mußte, goß er in die vollen Wasserbecher etwas Wein, denn er wollte den angenehmen Geschmack und Geruch durchaus vermeiden. Bevor noch das Zeichen zur Mette gegeben wurde, war er längst wach und betete entweder, oder er las oder diktierte. Da er nicht ohne Mönche sein konnte, traf er in Ruspe Anstalten zur Einrichtung eines Klosters. Zu seiner Freude bot ihm ein Bürger ein mit hohen Föhren bewachsenes Grundstück an; das Bauholz war hier also gleich dabei. Die Bruderschaft seines ehemaligen Klosters zog nun zum größeren Teil mit ihrem Abte Felix dahin um; an die Spitze der Zurückgebliebenen trat einer aus den Brüdern, namens Vitalis. Da erfolgte die Verbannung aller Bischöfe, auch des Fulgentius nach Sardinien. Er, der jüngste unter ihnen, deren etwa sechzig waren, verfertigte die gemeinsamen Erlasse und besorgte auch manche Privatkorrespondenz. Auch richtete er sich mit einigen zusammen ein, sie hatten gemeinsamen Tisch, gemeinsamen Keller und beteten und studierten gemeinsam. Ihr Haus galt für das Orakel der Stadt Kalaris. Dann wird Fulgentius abgeordnet, um die Verhandlungen mit König Thrasamund einzuleiten. Er verficht die katholische Sache mit größter Entschlossenheit gegen König Thrasamund und den diesen vertretenden Bischof Pinta. Die meisten seiner Schriften sind in dieser Angelegenheit entstanden. Oft fuhr er bei ruhiger See zwischen Sardinien und Afrika hin und her. Ja es folgten ihm immer mehr Mönche, so daß er schließlich mit Erlaubnis des Bischofs Brumasius von Kalaris neben der Saturninskirche auf einem ruhigen Platz aus eigenen Mitteln wieder ein Kloster bauen konnte. Auch hier wurde eine strenge Regel beobachtet. Die Brüder mußten sich je nach der Begabung mit wissenschaftlichen Studien oder mit Handarbeit beschäftigen. Mit dem Tode Thrasamunds erreichte die Verfolgung ihr Ende; Hilderich ließ die verbannten Bischöfe zurückkehren. Bei der Landung in der Heimat empfing die Menge die andern Bischöfe schweigend; als aber Fulgentius ausstieg, brach der Jubel los. Man geleitete ihn zur Agileuskirche. Die Kundgebungen steigerten sich auf der Heimreise von Karthago nach Ruspe. Als Bischof schlug er nun aber seine Wohnung im Kloster auf, nachdem er alle Maßregeln getroffen, daß dadurch die Befugnisse des Abtes Felix in keiner Weise geschmälert würden. Vielmehr war dieser in allen Angelegenheiten der Provinz Bizacena des Bischofs erster Ratgeber. Die Geistlichkeit durfte unter Fulgentius kein zu großes Gewicht auf das Aeußere legen oder längere Zeit in bürgerlicher Kleidung gehen. Alle sollten sie nicht weit von der Kirche wohnen, mit eigenen Händen ihren Garten pflegen und alle Sorgfalt darauf verwenden, die Psalmen schön zu singen und vorzutragen. Er bestimmte, daß in jeder Woche alle Geistlichen und Witwen und frommen Laien am Mittwoch und Freitag zu fasten hätten; der Besuch der Vigilien, der Morgen- und Abendgebete war für die ganze Gemeinde obligatorisch. Wo Worte nichts ausrichteten, ließ er die Prügelstrafe in Anwendung bringen. Sonst war er die Demut selbst. Er trat seinen berechtigten Vorrang auf der Synode von sich aus an den Bischof ab, den er deshalb verstimmt zu finden meinte. Etwa ein Jahr vor seinem Tode ergriff ihn gelinde Schwermut. Er ließ alles liegen und zog sich auf die Insel Cercina gegenüber Ruspe zurück, wo er auf der Klippe Chilmi bereits ein Kloster hatte bauen lassen. Aber die Amtspflicht rief ihn doch wieder zurück. Da verfiel er in eine siebzigtägige Krankheit, in der er nur immer das eine wiederholte: »Herr, verleihe mir hier jetzt Geduld, hernach Verzeihung.« Er blieb bis zum letzten Augenblick beim Bewußtsein. Gestorben ist er am ersten Januar nach der Vesper, in seinem fünfundzwanzigsten Amtsjahre, fünfundsechzig Jahre alt. Am Todestage selbst konnte er nicht mehr beerdigt werden, er wurde in das Oratorium des Klosters gebracht, wo jene Nacht die Mönche im Verein mit den Geistlichen beim Gesange von Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern durch wachten. Am andern Morgen wurde er in Gegenwart einer ungeheuern Menge von Priestern nach der Sekundakirche getragen; dort hatte er selbst Apostelreliquien bergen lassen und wurde nun daselbst nach dem allgemeinen Willen als Erster beigesetzt; denn nach alter Gewohnheit war dort nie begraben worden. Auch erhielt er ein Grabmal. So, hoffte man, werde der Heilige den Betenden auch fernerhin örtlich nahe sein. Dies sind die charakteristischen Züge dieses etwa um 530 verfaßten sympathischen Lebensbildes[064-1], wo gewissenhafte Erkundigung und eine unbegrenzte Verehrung gemeinsam ein wertvolles Ganzes hervorzubringen vermochten.

3.

Das Fulgentiusleben wird indessen in seinen erfreulichen Eigenschaften einer reinen Memorie noch übertroffen durch die Lebensbeschreibung des Metropoliten Cäsarius von Arles. Sie besteht aus zwei Büchern und ist das Werk Mehrerer. Wenige Jahre nach dem Tode des Prälaten regten seine Schwester Cäsaria und alle Nonnen ihres Klosters dieses schriftliche Denkmal an und betrauten mit der Ausführung diejenigen von Cäsarius’ Jüngern, die ihm im Leben am nächsten gestanden hatten. Das erste Buch schrieben seine Schüler, die Bischöfe Cyprian von Toulon, Firminus und Viventius, das zweite der Presbyter Messianus und der Diakon Stephanus, zwei seiner Diener, die von jung auf um ihn gewesen waren und aus dem beständigen Umgang mit ihm ihre Kenntnisse schöpfen konnten. Das erste Buch umfaßt das ganze Leben des Heiligen mit Ausschluß seines Sterbens und erhält seinen Wert überdies in seiner anschaulichen Schilderung der Belagerung von Arles durch die Franken. Das zweite Buch wendet sich mehr den Wunderthaten des Lebenden wie des Toten zu und schließt mit einer Darstellung von Tod und Begräbnis. Abgefaßt ist die Schrift in den Jahren 541–549, während der Regierung des Childebert. Den Hauptanteil am gesamten Unternehmen trägt Cyprian von Toulon. Er war am ehesten befähigt, die kirchenpolitischen Begebenheiten im Rahmen des Lebensbildes mit Verständnis aufzufassen; er nahm auch an der Delegation teil, durch die sich Cäsarius auf dem Konzil von Valence vertreten ließ. Seine beiden bischöflichen Genossen in der Verfasserschaft, der eine Inhaber eines bekannten Sitzes, während das Bistum des andern nicht zu ermitteln ist, hatten zweifelsohne früher ebenfalls dem Klerus von Arles angehört, sprachen also aus eigener Anschauung der geschilderten Verhältnisse, wenn sie auch zur Zeit, da sie schrieben, sich auswärts befanden. Für das intime Detail waren jedoch jene beiden andern, die Verfasser des zweiten Buches, die gegebenen Berichterstatter, da sie in dienender Stellung den Bischof in seinen alltäglichen Beschäftigungen immer umgaben. Messianus versah im Gefolge des Cäsarius die Stelle eines Kanzlisten; er hatte seinen Herrn auch auf seiner Reise nach Italien im Jahre 513 begleitet und im Jahre darauf dem Papste Symmachus zusammen mit dem Abt Egydius das Gesuch um die Vorrechte der Kirche von Arles überreicht. Da er in seiner Stellung als Notarius bei Kirchenvisitationen dem Bischof den Stab voranzutragen hatte, konnte er den wundertätigen Einfluß von Cäsarius Persönlichkeit auf das Volk immer wieder aufs neue ermessen; in den vier Wänden seiner Zelle dagegen beobachtete ihn der Diakon Stephanus, der eben dort den Dienst versah. Für Episoden, die sich fern von einem der Gewährsmänner abgespielt hatten, wußten sie einen zuverläßigen Berichterstatter aufzutreiben: für die Flucht nach Lerinum zum Beispiel den Diener, der ihn damals begleitet hatte. Außerdem haben sie die Predigten des Cäsarius ausgiebig benützt und verwendet, sowie die uns ebenfalls noch erhaltene Nonnenregel des Bischofs. Endlich haben die fünf Verfasser nach dem Vorbild ihres Meisters einfach und natürlich geschrieben, und so haben wir es mit einem Werke zu thun, das als ganzes genommen alle seine gleichnamigen Genossen überholt; denn die Einseitigkeit der andern Heiligenmemorien ist hier zu einem guten Teil ausgeglichen durch die Mehrzahl selbständiger Verfasser, von denen jeder wieder verschiedene Seiten am Gegenstande sah. So konnte ein rundes und allgemeines Lebensbild erzielt werden, wie es sonst bei der Befangenheit jeder zeitgenössischen Darstellung von ~einer~ solchen nicht zu erhoffen war. In so früher Zeit dürfte überhaupt eine Gestalt der Geschichte selten sein, an der sich aus lauter Quellen ersten Ranges ein genügender Einblick in den Verlauf eines bedeutenden Menschenlebens gewinnen läßt; bei Cäsarius von Arles aber ist es entschieden der Fall und soll in der biographischen Lebensskizze in Kürze geschehen[066-1].