Die Eroberung von Peru

Part 16

Chapter 163,516 wordsPublic domain

Einen so sonderbaren Gegensatz bildete die Verwaltung Pizarros und Luques mit derjenigen Almagros und Las-Casas. Bei der einen war Alles Milde, Ueberzeugung und Tugend; bei der andern Tod, Gewaltherrschaft und Schwelgerei. Und es waren Alle Christen! So sehr wechseln, je nach der Faser eines jeden Gläubigen, die religiösen Sekten ab! Die christliche Religion in der neuen Welt war den Peruanern ein unerklärliches Räthsel; abscheulich im Munde Luques, und verehrt im Munde Las-Casas; die Herrschaft der Spanier bildete unter dem Reiche Almagros das Glück Perus, unter dem Reiche Pizarros war sie seine Zerstörung und sein Untergang; ohne Despotismus hätte die Metropole jene unermeßlichen Kolonieen Jahrhunderte lang behalten, aber mit ihrer traurigen Politik konnte sie, das Blut von vierzig Tausend Spaniern verlierend, während der Dauer ihrer kurzen Herrschaft kaum die Schätze zurückzahlen, die sie ihr kosteten.

Das war die Thätigkeit für die Kriegsvorbereitungen in den Anden, und das die Hoffnungen, die sich in den Provinzen verbreiteten, die trotz dem Vertrauen, in welchem der Statthalter schlief, nichts desto weniger seine Aufmerksamkeit nach den Bergen hinlenkte. Alsbald setzte er voraus, daß Almagro an der Spitze jenes Aufstandes sein mußte, aber niemals glaubte er, daß er auf so gewaltige Hülfsquellen rechnete. Pizarro war nicht Staatsmann genug, um die Macht eines Helden zu berechnen, der bei einem geknechteten Volke die Fahne der Freiheit erhebt! Mit dreihundert Mann zog der Kapitän Soto aus, die Aufständischen anzugreifen, und der Statthalter in Cuzco gab sich inzwischen den verstellten Liebkosungen Ocollos hin, und überließ sogar die Zügel der Regierung Luque und der Geistlichkeit.

Die Lage Ocollos war mit jedem Augenblicke mißlicher; die feurigen Begierden ihres Unterdrückers jedes Mal um so lebhafter, und die Unglückliche fand keine Hülfsquellen mehr, den Empfang der Taufe länger aufzuschieben. Wohl könnte sie, die Brust des Mörders Atahulpas durchbohrend, in einer Nacht ihre Rache vervollständigen, aber ihre Flucht war schwierig und ihr Blutgerüst sicher. Die Eindringlinge wären ob des Mordes ihres Anführers entrüstet, und würden mit noch größerem Entsetzen das Verderben verbreiten, und Ocollo könnte, auf dem Schaffot ihr Leben aushauchend, der Freiheit nicht die unschätzbaren Dienste leisten, die sie an sie verschwendete. In Verbindung mit Huascar und Almagro, gab sie ihnen die sichersten und wichtigsten Nachrichten, und an der Seite des Statthalters versüßte sie sein Herz ein wenig, und befreite viele Unglückliche vom Tode. Augenblicklich theilte sie Almagro den Ausgang des Kapitän Sotos in die Anden mit, und Almagro hatte Zeit, einen glücklichen Hinterhalt zu legen. Soto ging ohne Vorsicht, die Macht des Feindes verachtend, und sicher, daß er wie immer zum Siege zog, als plötzlich tausend, von Almagro befehligte und mit europäischen blanken Waffen versehene Indianer über ihn herfielen. Die spanische Abtheilung stob, nicht an jene überraschenden Angriffe, noch daran gewohnt, mörderischen Waffen zu widerstehen, vor Schrecken auseinander, und die Peruaner richteten, da sie sich zum ersten Male als Sieger auf ihrem Boden sahen, unter den bestürzten und zerstreuten Spaniern ein gräßliches Blutbad an. Soto that Wunder der Tapferkeit, aber Alles war umsonst; dank seines Panzers rettete er sich vor dem Tode, und zog bestürzt aus dem Gebirge heraus, wo er die wenigen Reste seiner Mannschaft versammelte, die dem Kampfe entrinnen konnten, und theilte dem Statthalter umständlich einen Theil der Niederlage mit.

Das Christenthum inzwischen machte Fortschritte, und die Klause Las-Casas war für die neuen Gläubigen bereits ein kleiner Raum. Die reinsten Tugenden herrschten unter den Neubekehrten, und einige der Ausgezeichnetsten erlangten die Ehre, zum Priesteramt befördert zu werden; eine in den Gesetzen Pizarros verbotene Ehre. Dieser staatskluge Schritt, dem Volke Priester aus dessen Schooß zu geben, gewann dem Evangelium Tausende von Anhängern, und selbst Huascar trat, als er die Mehrzahl seiner Unterthanen entschieden sah, und sah, daß der Gott seines Freundes und Beschützers dessen Waffen den Sieg verlieh, mit der ganzen Ueberzeugung seiner Vernunft in den Schooß der Kirche ein. Von jenem Augenblick an blieb der Sonnentempel bei seinen pompösen Ceremonieen leer: Die Kreuzesfahne flatterte siegreich auf dem Gebirge, und die reinsten Sitten erhöhten die Bewohner der Anden, und bereiteten sie zum Kriege und zum Siege vor.

Pizarro empfing den Bericht der Niederlage Sotos, und die Wuth erglänzte in seinen funkelnden Augen. Schnell vereinigte er bis zu zwölfhundert Mann, und an deren Spitze gestellt, zog er, die Wuth und das Verderben ausrufend, nach den Anden. Die unglückliche Ocollo athmete in ihrer Bedrückung in dem Augenblick auf, da sie nicht mehr wußte, welchen Entschluß zu fassen in ihrem Widerstreite, und verblieb unter der Beobachtung Luques in Cuzco. Schnell benachrichtigte sie sowohl Huascar als Almagro von dem Ausgang des Statthalters, und ihre Seele erweiterte sich beim Betrachten der Dienste, die sie der Freiheit ihrer Unterthanen lieh.

In wenigen Tagen hatte Pizarro an den Abhängen der Anden Stellung genommen, und Almagro bereitete sich freudig zu einem Kriege vor, in welchem er vielleicht, Körper an Körper, die Waffen mit seinem Gegner messen konnte. Jeden Tag nahmen die Streitkräfte Huascars immer mehr zu, und noch einige Spanier, bald Anhänger Almagros, bald ob der Strenge der Mannszucht oder der Gewaltherrschaft des Statthalters und des Fanatismus des Verwesers erbittert, vergrößerten seine Reihen und richteten die Indianer, die ebenfalls in den Anden die wichtigsten Dienste leisteten, mit dem tapfern Benalcazar ab. Von heftiger Gemüthsart, unerschrockenen Muthes, sättigte sich Pizarro nicht damit, irgend welche geringfügigen Streitkräfte, die sich ihm in den Engpässen darboten, mit fortzuwälzen, er bereitete sich vor, eine allgemeine Hetzjagd im Gebirge zu geben und die Spitze zu erstürmen, worauf der Sonnentempel und die christliche Klause erbaut worden war, der Punkt, der den Hof Huascars und den Heerd der Empörung bildete. Almagro sorgte, daß die kleinen Detachements, welche die Kriegsmacht des Statthalters im Gebirge unterhielten, keinerlei Gewehre noch Feuerwaffen gebrauchten, und obschon man mehr Regelmäßigkeit in den Heeresmassen und verschiedene Mannszucht in den Kämpfen gewahrte, zogen sich die Peruaner, den erhaltenen Befehlen gemäß, immer mit geringem Widerstand zurück, und Pizarro stürzte sich mit Riesenschritten in den Hinterhalt. In wenigen Tagen stellte er seine Truppe auf, um den Gipfel zu erstürmen, und als er mit mehr Vertrauen die steilen Unebenheiten erkletterte, den Sieg anzustimmen, griff Almagro, die Artillerie und das Gewehrfeuer dabei gebrauchend, welche unter so vielen Anstrengungen in den Anden zu gießen ihm gelungen war, mit der ganzen Kriegsmacht an; und vor Schrecken überrascht, fielen die Spanier zu Hunderten, vom Feuer der Kanone verbrannt oder auf ihrer Flucht zwischen den Felsen abgestürzt. Almagro setzte ihnen auf der Flucht tapfer nach; umsonst versuchte der Statthalter, den Soldaten Muth einzuflößen, er war ein Opfer der Ueberraschung, und kaum zweihundert Mann retteten sich vor dem Tode und versammelten sich auf der Flur; aber besiegt, in die Flucht geschlagen, von außergewöhnlichen, nach europäischer Art geschulten und von dem tapfern und erfahrenen Almagro befehligten Streitkräften, mit gleich mörderischen Waffen angegriffen, zeigte der Statthalter nie mehr Anstrengung und Herzhaftigkeit, als indem er einen Rückzug bis vor die Mauern von Cuzco aushielt.

An diesem berühmten Tage geschah, wenn wir den Ueberlieferungen glauben sollen, die sich noch im Lande erhalten, ein seltsames Wunder. Der unerschrockene Statthalter wurde weder von der Tapferkeit Almagros noch von der Tollkühnheit und der neuen Mannszucht der Peruaner besiegt; der erhabene Schatten Columbus, durch die Krümmungen der Anden streifend, gab den Ruf zur Freiheit, und band die Rechte Pizarros. Von seinem Drange getrieben, entdeckte Columbus die neue Welt, und führte die Europäer nach jenen köstlichen Gegenden, um die alte und neue Welt mit brüderlichen Banden zu vereinen; aber nimmermehr, damit die unschuldigen Bewohner der neuen Gestade herabgewürdigte Sklaven der traurigen Europäer des sechszehnten Jahrhunderts wären. Menschenfreundlich und gefühlvoll war Columbus, so lange er an der Spitze der Expedition stand, der Trost der Indianer aller Umgegenden, aber ergriffen und angekettet, schimpflich nach Europa zurückgekehrt, fiel, wie wir bereits gesehen haben, von jenem Augenblicke an eine eiserne und vertilgende Hand über die neuen Festländer. Von Gewissensbissen verzehrt, die Europäer nach jenen entlegenen und unbekannten Himmelsstrichen geführt zu haben, seufzte der Schatten Columbus in seinem Grabe, und es geht das Gerücht, daß er ebenfalls nach den Anden schwebte, die Freiheit Perus zu verkünden, und daß er Almagro begeisterte, und die Rechte aller Peruaner stärkte. Bei der Niederlage Pizarros, versichern die Aeltesten des Landes, daß eine Feuersäule daherflog, welche den Statthalter und seine Abtheilung umnachtete, und die Peruaner erleuchtete. Jene Feuerwolke war der Schatten Columbus, der, um seine Gewissensbisse, jene köstlichen Gestade entdeckt zu haben, damit sein Geschlecht sie mit Blut röthete, zu beschwichtigen, ebenfalls für die Freiheit der neuen Welt kämpfte.

Kapitel 24.

Rache.

Hartnäckig von den Peruanern verfolgt, langte Pizarro in Cuzco an; auf seinem Rückzuge that er Wunder der Tapferkeit, die ihm andere Male zum Siege verholfen hätten, aber die Unterthanen der Inkas schlugen sich wie europäische Soldaten, und ihre Anzahl sicherte ihnen den Triumph. Almagro gab den bewaffneten Massen, die durcheinander irrend in den Tod rannten, Regelmäßigkeit, und die Morgenröthe der Freiheit Perus schien bereits im Osten zu tagen. Die Hauptstadt gerieth in Bestürzung, als sie den Statthalter in unordentlicher Flucht daher kommen sah; der Starke, der sich niemals besiegt gesehen, sah sich von einem furchtbaren Feinde gedemüthigt und bedroht. Da fing man an, die unüberlegte Staatsklugheit einzusehen, mit Almagro und andern Gefährten, die vor Pizarro und Luque fliehend, zum feindlichen Lager gehen mußten, gebrochen zu haben. Die Mannszucht bei den Kämpfen, der undurchdringliche Verband der Massen, Alles sah man als Wirkung der Unterweisung der Spanier an, und das Blut der Peruaner sollte nicht mehr ungestraft auf den Schlachtfeldern fließen. Tapfere, voll Liebe zu ihrem Vaterlande, ließen sich angesichts der Gräber nimmermehr einschüchtern; ihre Bogen aber und ihre Pfeile, ihre schwachen Lanzen könnten sich niemals mit den europäischen Degen kreuzen; aber als man sah, daß sie Waffen ergriffen, als sie, weit entfernt, vor dem Knalle der Kanone entsetzt zu fliehen, ebenfalls mit ihrer Artillerie den Tod verbreiteten, mußten die Eroberer ohnmächtig werden. Ein Volk, das Waffen und Tugenden hat, beugt niemals seinen Nacken vor dem Joche der Tyrannen.

Pizarro zog mit zweihundert Soldaten in die Stadt ein, gar bald aber stellten sich auf der Flur viele peruanische Bataillone auf, welche ihm auf seinem Rückzuge folgten, und die Eroberer schienen bereits nur auf die Defensive angewiesen zu sein. Almagro, um die Hauptstadt einzunehmen, wollte nicht, daß der Schrecken der ersten Niederlage vorüberginge. Tapfer, bis zur Tollkühnheit verwegen, sprühte Pizarro Feuer aus seinen Augen; tausend Mal würde er den Tod der Schmach, besiegt zu werden, vorziehen, und er entschloß sich, die Belagerer mit Wuth anzugreifen. Trotzdem Luque weltklug genug war, um zu erkennen, wie sehr die Umstände des Reiches verändert waren, war er zu fanatisch, um vernünftig denken zu können. »Nie sah man das Kreuz von Heiden mit Füßen getreten,« sagte er zu dem Statthalter, und schickte sich Almagro, Las-Casas und so viele Spanier, welche den Fahnen Huascars folgten, feierlich mit dem Kirchenbann belegend, zum Feldzug an. Wohl wußte er, daß alle das Christenthum predigten, daß Huascar und der größere Theil des peruanischen Heeres das erlösende Wasser bereits empfangen hatten, er wußte aber auch, daß der Sonnentempel offen stand, und daß man das Teufelsgepränge duldete, und er hielt jene Christen für Sklaven des Teufels. Nach Rache schnaubend, in die Erinnerung, besiegt worden zu sein, versunken, vergaß der Statthalter darüber die Liebe zu Ocollo, und seine Seele nährte sich nur von Blutgier. Ocollo indessen lebte in der verzweifeltsten Besorgniß: In das Lager Huascars zu entwischen, war nicht möglich, eben so wenig war ihre Rache vollbracht, und der Statthalter konnte zur Verzweiflung kommen.

Pizarro brachte binnen Kurzem fünfhundert Mann zusammen, und trotz sechsfacher feindlicher Uebermacht zweifelte er nicht, sich in den Kampf zu wagen; sein Rachedurst stürzte ihn in’s Verderben.... Obschon Luque nicht die ganze Gefahr kannte, welche sie bedrohte, sah er mit ruhigerem Sinne als dem Pizarros sechstausend von Almagro befehligte Streiter nach europäischer Art mit andern unendlichen nicht geschulten Streitkräften, und er hielt es für angemessen, das Kreuz im Kampfe aufzupflanzen, weil er wußte, daß ihm die Mitwirkung des Himmels höchst nothwendig war. Es sollte um die Freiheit eines großen Volkes gestritten werden, und zwei, von persönlichen Empfindungen beherrschte Helden jenes Jahrhunderts befehligten die streitenden Kräfte; der Zusammenstoß konnte nicht umhin, entsetzlich zu sein, und das Schlachtfeld mußte sich in einen mit Blut bedeckten Friedhof verwandeln. Pizarro rechnete auf geringere Streitkräfte, aber seine Soldaten waren taktischer und erprobter, und er zählte tapfere Offiziere. Obschon mit zahlreicher Kriegsmacht, mußte Almagro die Belagerung abwarten; schwerlich würde er alle seine Bataillone beim Kampfe verwenden können, und so sehr auch die Peruaner in der europäischen Kriegskunst fortgeschritten waren, waren sie doch Neuangeworbene, und der Anführer konnte nicht auf vertraute Untergebene rechnen. Das war der Zustand der feindlichen Heere, als Almagro Cuzco belagerte, und Pizarro, seinen Schimpf rächend, sich vorbereitete, ihn zurückzuschlagen.

So anmaßend ein Krieger im sechszehnten Jahrhundert war, zog er niemals auf das Schlachtfeld hinaus, ohne allen geistlichen Trost empfangen zu haben, wenn er etwa dem Tode wiche. Pizarro dachte damals nicht an solche Bräuche; aber Luque ermahnte die Soldaten, um ihnen Muth zu geben; im Namen seiner Heiligkeit gewährte er ihnen allgemeine Freisprechung, und theilte inbrünstig das Abendmahl aus. Eine schwarze Fahne, in der ein rothes Kreuz glänzte, wurde unter den Eroberern aufgepflanzt, und den Statthalter an ihrer Spitze, zogen sie wie ein reißender Strom zur Stadt hinaus. Almagro hielt seine Bataillone beständig unter Waffen, und seine weiße Fahne mit rothem Kreuz ermunterte sie zum Siege.

Die feindlichen Heerlager betrachteten einander nicht lange. Wie ein wüthender Tiger warf sich der Statthalter auf seine Gegner, und sehr bald kam man, da Gewehre und Artillerie unnütz geworden, zu den blanken Waffen, indem ein Jeder unverzagt in Reih und Glied starb. Obschon die streitenden Kräfte nicht mächtig waren, floß dennoch das Blut, und flog die Zerstörung umher; die Rechte stritten sich mit Heftigkeit um die Ehre zuerst zu verwunden, und die Spanier schienen vom Muthe der Götter beseelt. Wiewohl Pizarro und Almagro die Nothwendigkeit erkannten, das Commando der Ihrigen nicht zu verlassen, trieben sie ihre Rachegelüste doch mehr als ein Mal, die Klingen persönlich zu kreuzen, schnell gaben sie aber nach und flogen an den Punkt von größerem Interesse. Die Soldaten des Statthalters waren eben so viele Helden; Pizarro zeigte an jenem berühmten Tage mehr Muth und Geschicklichkeit denn je; Pizarro war das Entsetzen seiner Gefährten und seiner Feinde; aber der unerschrockene, tapfere Almagro, an der Spitze von durch einen Monarchen, den sie verehrten, aufgemunterten Soldaten, die mit weit überlegener Kriegsmacht für ihre Freiheit stritten, war ein unwiderstehlicher Strom. Die Anzahl sollte endlich den Sieg entscheiden; der Statthalter mußte, nachdem er sich tausend Mal in den Tod gestürzt hatte, den Rückzug anordnen, und zum zweiten Male sah sich der Eroberer der neuen Welt besiegt und in die Flucht geschlagen, in seinen prunkhaften Hof einziehen. Das Blut von tausend Peruanern floß, um den Sieg zu besiegeln, aber dreihundert spanische Leichen bedeckten ebenfalls den Kampfplatz.

Schmerz und Trauer verbreitete sich in Cuzco unter den Eindringlingen, als sie den Statthalter, von Neuem in die Flucht geschlagen, einziehen sahen; zitternd seufzten Alle, nur Pizarro nicht, der allein groß war in Gefahren und darin mehr Ruhe zeigte als beim Wohlergehen. Luque sah mit Entsetzen zu, daß der Gott der Schlachten den Sieg den Ketzern überlassen haben würde; er muthmaßte dort in seinem Gewissen, daß es eine Strafe für die Sünden der Christen wäre; in den Tempeln aber und auf den Straßen verkündete er die hohen Rathschlüsse des Herrn, seine unaussprechliche Mildthätigkeit, die Prophezeihung der im Evangelium geschriebenen Ausbreitung des Christenthums durch die ganze Erde, und hielt so die Begeisterung aufrecht, und bereitete die Besiegten zum Tode vor. Inzwischen dachte der tapfere Pizarro nur an den Krieg, und entfaltete eine außerordentliche Thätigkeit und Geschicklichkeit. Er durfte nicht an einen neuen Ausfall gegen den Feind denken, aber er bereitete sich vor, irgend welchem Angriffe oder Kampf, wozu sie ihn herausforderten, zu widerstehen, um Verstärkungen von der Metropole zu empfangen; von Ocollo, von sich selbst vergessen, sehnte er sich nur nach Rache und nach dem Sieg, und niemals standen der Statthalter und der Verweser in engeren Beziehungen, noch handelten sie einmüthiger.

Almagro seinerseits hielt mit unermüdlicher Thätigkeit den Muth und die Disziplin in seinen Bataillonen aufrecht: Kaltblütig berechnete er die Wahrscheinlichkeiten, welche ihm zum Siege und zur Eroberung Perus verhalfen, und bereitete sich vor, die Hauptstadt des Reiches zu stürmen. Der stets tapfere und großmüthige, von Almagro geschulte Huascar war bereits ein herzhafter europäischer Feldherr, der sich, obwohl er sich seinen Soldaten in Herrlichkeit zeigte, der Pracht und der Gebräuche der Inkas entkleidend, sich nicht mehr mit dem Gedanken als erhabene Gottheit und Nachfolger der Sonne trug. Tapfer, aber ohne Stolz, geschickt, aber ohne Anmaßung, erkannte er die Ueberlegenheit Almagros, und machte ihm das Commando niemals streitig, noch widersprach er dem geringsten seiner Befehle. Vor Liebe zu ihrem herzhaften Ritter berauscht, fand Coya ihre Lust nicht mehr an dem Hochmuth der Waffen, dem Willen Almagros nachgebend, setzte sie, obschon sie die Pfeile und den Bogen handhabte und die Begeisterung der Peruaner beseelte, ihr kostbares Leben nicht in der Hitze der Kämpfe aus. Las-Casas, der täglich das Opfer der Messe feierte, die reinste Moral predigte, die allerheiligsten Tugenden ausübte, breitete das Christenthum im ganzen Heere aus, und die Sonnenanbeter fielen vor dem hölzernen Kreuze nieder.

Mit der Schnelligkeit eines Lauffeuers theilte sich das Gerücht von den beiden durch Almagro erlangten Siegen, und von der Bekehrung Huascars und des ganzen Heeres, den Provinzen mit; sowie der Sittenreinheit und der Menschlichkeit des christlichen Priesters, des ehrwürdigen Las-Casas. Trotz des harten Joches der Eroberer, und des Blutbades und der Niederlage, womit sie das geringste Anzeichen der Empörung bestraften, gährte es in den Provinzen, gleichwie das Feuer in den Höhlen der Erde, und schon donnerte der Tag des entsetzlichen Ausbruches.

Die Freiheitsapostel durchzogen, das Feuer schürend, geschäftig die Provinzen: Viele wurden entdeckt und zur Sühne ihres Verbrechens niedergemacht, aber die freien Männer entstehen wieder unter dem Beile des Henkers, und jedes Opfer war durch hundert andere ersetzt, die sich auf das Märtyrerthum vorbereiteten. Die Eindringlinge und die Peruaner arbeiteten, ein Jeder unermüdlich, bald um die Gewaltherrschaft und die Tyrannei aufrecht zu halten, bald um die Freiheit und die Unabhängigkeit zu erlangen. In jenem Jahrhundert besaß man die Kunst zu tyrannisiren noch nicht, wohl aber die Begeisterung, die Unabhängigkeit ausrufend, unerschrocken in den Tod zu gehen. Eine entsetzliche Thätigkeit fuhr in den Mauern und auf den Fluren von Cuzco fort; die Belagerer bereiteten sich zum Sturme vor, und die Belagerten, sie zurückzuschlagen. Die Garnison der Reichshauptstadt zählte, nachdem sie eine zweimalige Ersteigung ausgehalten hatte, sehr geringe Streitkräfte, und die Bataillone Almagros gingen über zwanzigtausend Mann. In einer ruhigen Nacht war es, der Mond brach kaum verschleiert hinter Wolken hervor, und eine Grabesstille herrschte auf den Fluren, als Almagro unter dem Schutze der Schatten eine große Anzahl Strickleitern anlegte und das Zeichen zum Sturme gab. Pizarro schlief nicht, den Liebkosungen Ocollos hingegeben; tapfer fing er auf den Mauern an, Tod und Verderben zu verbreiten, und der Kampf wurde mit dem ganzen Schrecken der Erbitterung geführt. Die Peruaner, nach Freiheit rufend, hauchten unter der Wucht der Waffen der Eindringlinge die Seele aus, aber die Sterblichkeit schwächte die Begeisterung nicht, sodaß sich die Stärke des Ansturms verdoppelte. Von wilder Heftigkeit hingerissen, hielt der Statthalter, der Erste im Kampfe und in Gefahren, den Muth und die Unerschrockenheit der Belagerten aufrecht; aber bald erlahmte die Rechte, müde zu tödten, und die Mauern von Cuzco bedeckten sich mit losgelösten Feinden, welche ihre Feinde ebenfalls niederhieben, als Luque, ein Crucifix in der Hand, den Zorn der Fanatiker entflammte und ihren Muth neu belebte. Eine übermenschliche Kraft trieb Hände und Herzen an; Pizarro beherrschte schon die Seinen, und die Peruaner wurden, als sie den Sieg sicher glaubten, von den Mauern herabgestürzt. Das Feld war mit Leichen bedeckt, und das Blut überfloß auf der Erde, aber die Belagerten erlitten ebenfalls einen furchtbaren Verlust, und ihre geringe Kriegsmacht konnte keinen zweiten Ansturm mehr aushalten.

Gar bald säumte die Sonne mit ihrem Purpur den Osten, und die auf dem Schlachtfelde hingestreckten Krieger schliefen wie in einem lethargischen Schlafe unter den Leichen. Der Statthalter und der Verweser wachten inzwischen, und kaltblütig die Niederlage betrachtend, dachten sie über das Mißliche ihrer Umstände nach; aber ihre anmaßenden Seelen fanden immer noch Zuflucht in der Verzweiflung, und ihr Muth entsank nicht. Tausend verschiedene Pläne bedrückten ihr Gehirn. Sie fanden es schwierig, die Hauptstadt zu behaupten, und eben so schwierig, einen Rückzug, auf dem sie nicht vollständig in die Flucht geschlagen würden, und ungeduldig erwarteten sie, trotz der schwachen Garnisonen, die in ihnen die Ruhe sicherten, kraft der Agenten, welche sie wegen ihres allzugroßen Hochmuthes, obschon verspätet, an alle geschickt hatten, Verstärkungen aus den Provinzen. Die größten Besorgnisse des Statthalters waren, daß in der Nacht der Kampf sich wiederholte, weil er mit sehr wenig Soldaten, und vor Müdigkeit übermannt war.

Ocollo, in Hoffnungen und Befürchtungen versunken, befand sich in einem Zustande unerklärlicher Verwirrung. Ist der Sieg Almagro, so fallen die Tyrannen, sagte ihr ihr Herz, inzwischen aber seufzte sie, eine Gefangene in seinem Palaste, in der Gewalt des Statthalters; sie konnte seine brennenden Begierden nicht für länger unterhalten, und die Verzweiflung riß ihn zur Gewaltthätigkeit hin. Der Palast des Statthalters war ein prächtiges, mit Unglücklichen bevölkertes Gebäude. Etwa fünfhundert Sklaven warteten auf seine Stimme, um ihn zu bedienen, und bildeten seine Größe; fünfhundert Sklaven, welche die Fesseln der Schmach schleppten, und welche unter der härtesten Tyrannei seufzten.