Die Erfolgreichen

Part 7

Chapter 73,651 wordsPublic domain

»Nein,« sagte Charlie, »wir wollen es wieder in den Boden stecken. Der Boden ist die beste Bank.«

Sie steckten es in den Boden. Sie verschwendeten es gleichsam an den Boden. Die Nachbarfarmer hielten sie für verrückt.

»Bringt dir dein Geschäft einen Schilling -- tue ihn wieder in das Geschäft, um mehr zu verdienen!«

Das ist einer der Grundsätze, den Charlie Seabrook aus seinen Büchern gelernt hatte.

Wie wenige Farmer erkannte er den Wert des Kunstdüngers. Er fand, daß der Boden erst geschaffen werden müsse, daß ihn die Natur erst zur Hälfte geschaffen hat.

Gewöhnlicher Boden ist ebensowenig Boden wie vier Räder und ein Zahnrad ein Motorwagen sind. Er ist nur ein Anfang -- ein Ort, auf dem die Ernten stehen sollen.

Der junge Seabrook begann also, Boden zu machen. Er tat hundert Tonnen Düngemittel pro Morgen in Neuland und vierzig Tonnen in altes. Dann verteilte er pro Morgen zwei oder drei Tonnen Knochenmehl zu 12 Pfund Sterling die Tonne über die hundert Tonnen.

Hundert Tonnen pro Morgen; zu zehn Schilling die Tonne: 74 Pfund Sterling pro Morgen ausschließlich für Düngung! Kein Wunder, daß die übrigen Farmer sich über Seabrook und seine Buchgelehrsamkeit lustig machten.

Dazu kamen noch die Kosten der Berieselung, 60 Pfund Sterling pro Morgen. Die Kosten des Landerwerbes betrugen nicht weniger als 30 Pfund Sterling pro Morgen, so daß die Gesamtkosten pro Morgen waren:

Landerwerb 30 Pfd. Sterl. Berieselung 60 „ „ Düngung 74 „ „ ----------------------------- Summe: 164 Pfd. Sterl.

Die Seabrook-Farm war bis zum nächsten Jahre ein Gegenstand der Belustigung, bis der Dorfkaufmann die erstaunliche Geschichte erzählte, daß Charlie Seabrook auf einem einzigen Morgen eine Ernte im Werte von mehr als 400 Pfund Sterling erzielt hatte. Von da ab hörten die übrigen Farmer auf, Witze zu machen. Sie verstanden nicht, was geschehen war, aber sie hätten es gerne verstanden.

Nur um zu zeigen, was Seabrook wirklich tat, führe ich hier eine Seite aus seinem Farmwirtschaftsbuch an, die erzählt, was auf einem einzelnen Morgen geschehen ist:

»Spinat, angepflanzt am 25. Februar, Spinat verkauft am 15. April für 30 Pfund Sterling. Kartoffeln, angepflanzt am 10. Mai, verkauft 10. August für 90 Pfund Sterling. Salat angepflanzt 11. August, untermischt mit Erdbeeren. Salat verkauft Oktober um 100 Pfund Sterling.

Gesamtverkauf 220 Pfund Sterling.«

»Zweites Jahr: Eine halbe Ernte Erdbeeren verkauft für 120 Pfund Sterling.«

»Drittes Jahr: Eine volle Erdbeerenernte 260 Pfund Sterling, eine Ernte Kopfsalat 200 Pfund Sterling, eine Ernte Spinat 30 Pfund Sterling. Gesamtverkauf 490 Pfund Sterling.«

Das macht im Durchschnitt 277 Pfund Sterling pro Morgen. Der Bruttonutzen war daher gegen 130 Pfund Sterling pro Morgen.

Seabrook erzielt drei Ernten im Jahr -- manchmal vier.

Zum Beispiel hatte er in einem Jahr auf demselben Land Ernten von Spinat, Kartoffeln, Kopfsalat und wieder Spinat.

In einer Ernte auf einem Morgen erhielt er 604 Scheffel Kartoffeln. Von einem einzigen Land erntete er 8500 Liter Erdbeeren.

Seine Spezialität ist Salat, weil er herausgefunden hat, daß er am einträglichsten ist. In einem Jahr hat er zum Beispiel folgende Verkäufe erzielt:

Salat 22.410 Pfd. Sterl. Kohl 7.859 „ „ Radieschen 7.360 „ „ Spinat 6.394 „ „ Zwiebeln 4.954 „ „ Kartoffeln 4.952 „ „ Erdbeeren 3.781 „ „ Gurken 3.509 „ „

Charlie Seabrook besitzt jetzt 1200 Morgen. Aber beinahe sein ganzer Ertrag kommt von 200 Morgen. Er hat seine Farm zu einer Aktiengesellschaft organisiert. Er hat ein voll eingezahltes Kapital von 100000 Pfund Sterling. Und er zahlt 20 Prozent Dividende.

Auf seiner Farm hat er 300 Arbeiter, zur Zeit der Erdbeerernte oft zweimal so viel.

Seine Arbeiter wohnen in netten Betonhäusern auf der Farm. Sie arbeiten das ganze Jahr zehn Stunden täglich und werden wöchentlich bezahlt.

Wenn Sie fragen: »Wie aber beschäftigt man sie im Winter?«, so ist die Antwort: »Auf der Seabrook-Farm gibt es keinen Winter.«

Es sind da sechs enorme Glashäuser im Ausmaß von 60 : 300 Fuß. Jedes von ihnen hat 200 Pfund Sterling gekostet -- zuerst wurden sie der »Seabrook-Wahnsinn« genannt.

Diese Glashäuser verlängern für Seabrook das Jahr. Sie schaffen den Winter ab. Sie ermöglichen es ihm, Gemüse außerhalb der Saison zu ziehen und zu Höchstpreisen zu verkaufen. Er beabsichtigt, noch mehr Glashäuser zu bauen.

Außerdem gehen im Winter seine Arbeiter in eine auf der Farm errichtete Kistenfabrik und machen hunderttausend Kisten -- für den eigenen Bedarf.

Die Farm hat auch einen Kühlspeicher im Ausmaß von 60 : 325 Fuß, eine Garage für vier Traktoren und acht Lastkraftwagen, einen Stall für fünfzig Pferde, eine Maschinenwerkstatt für Reparaturen, ein Eisenbahnstockgeleise und ein großes, modern organisiertes Bureaugebäude.

»Es ist keine Farm«, sagt Seabrook. »Es ist eine Nahrungsmittelfabrik.«

George F. Johnson.

Ich sollte dieses Kapitel eigentlich mit den Worten: »Es war einmal« beginnen, aber die Wahrheit ist, daß ich im Begriffe stehe, die größte und einträglichste Schuhfabrik der Welt zu beschreiben. Es ist also kein Märchen. Es ist die Geschichte wirksamen Betriebes in der weitestgehenden Bedeutung.

Etwa hundert Meilen von Neuyork entfernt liegt ein schönes Tal in den Vereinigten Staaten.

Die Leute, die dort leben, nennen es:

Das Tal des »Fairplay«.

In diesem Tale liegen dicht nebeneinander zwei Städte, die eine heißt Johnson, die andere Endicott.

Gegen 50000 Einwohner leben in diesem Tale, und 15000 davon arbeiten in den beiden großen Schuhfabriken, die der Endicott-Johnson-Gesellschaft gehören.

Sie fabrizieren täglich 81000 Paar Schuhe.

Der Wert dieser Erzeugung übersteigt jährlich 28000000 Pfund Sterling.

Diese erstaunlichen Ziffern lassen Sie erkennen, daß die Leute in diesem Tal zu arbeiten verstehen. In diesem Tale des »Fairplay« wird mit der Arbeit nicht gespielt.

Wären Ihnen aber diese Zahlen nicht vor Augen, so könnten Sie glauben, daß die Leute in diesem Tal nichts anderes als Spaß im Sinn haben.

Es gibt in diesem Tal keine Wohnhöhlen. Es gibt wenige Mietshäuser. Die meisten Familien besitzen ihr eigenes Haus. Die Häuser sind aus Holz erbaut und in lebhaften Farben bemalt.

Zwischen den beiden Städten liegt ein weiter Landstrich, der »Idealpark« genannt ist. In ihm ist eine große Schwimmanstalt, frei für alle, daneben ein kleines Schwimmbassin für die Kinder. Ebenso ein Karussell, frei für alle.

Dann gibt es einen Tanzpavillon, der an drei Abenden der Woche geöffnet ist. Die Tänzer zahlen 25 Cent Eintritt.

Dann gibt es einen Ballspielplatz, groß genug, um zwei Partien gleichzeitig Platz zu bieten, und da die Fabriken 4 Uhr 30 Minuten geschlossen werden, gibt es jeden Nachmittag zwei Baseballspiele.

Auch eine Rennbahn ist da -- eine halbe Meile lang, mit Ställen und Tribünen. Jeden Sonnabend Nachmittag finden Rennen statt, und zeitweilig ist die Rennbahn von hunderttausend Leuten eingesäumt.

Inmitten einer weiten Rasenfläche steht ein Klubhaus. Der Rasen ist mit Blumenbeeten wie gespickt. Das Haus ist das Zentrum der Geselligkeit, wo jeder jeden trifft. Es enthält eine freie Bibliothek, besondere Zimmer für Pfadfinderjungen, Spielzimmer und Speisesäle. Jeden Abend findet man sich hier fröhlich zusammen.

Scherz! Geselligkeit! Erziehung! Sport! Musik! Das scheinen die allein wesentlichen Dinge im Tale von »Fairplay« zu sein und dennoch erzeugen diese lustigen Schuhmacher täglich 81000 Paar Schuhe.

Ihre tägliche Durchschnittserzeugung ist elf fertige Schuhe pro Mann.

In diesem Tale glaubt man daran, daß das Spiel der Sonnenschein des Lebens ist und daß jeder es so sehr braucht wie Nahrung.

Man glaubt dort an Lachen, Liebe und Lebensfreude gerade so sehr wie an Maschinen, Kohle, Organisation.

Sie werden erraten, daß in diesem Tale ein Mann lebt, der diese Erfolge begründet hat. Sein Name ist George F. Johnson, aber jedermann nennt ihn »George F.«.

Er lebt in einem netten Hause in der Nähe des Parks. Er ist immer sichtbar. Er lebt, bewegt sich und hat sein Dasein inmitten seiner Leute.

Jeder Arbeiter kann ihn in seinem Bureau sprechen. Ist er nicht in seinem Bureau, so kann man ihn auf der Rennbahn, im Tanzpavillon oder bei einem Ballspiel antreffen.

Für gewöhnlich ist er umgeben von einer Schar von Kindern oder von einer Arbeitermenge. Ununterbrochen fragen die Leute ihn um Rat in allen erdenklichen Angelegenheiten. »Er ist der Papa unserer Familie,« sagen sie.

Jedes Kind auf der Straße nennt ihn »George F.«. Denkt daran und erschauert, ihr steifgeborenen Direktoren mit den versteinerten Gesichtern! Hier ist ein Mann, der 28000000 Pfund Sterling im Jahr umsetzt, und der Zeit hat, Drachen steigen zu lassen und Puppen zu flicken.

Am letzten Maitage hatten die Arbeiter seines Tales eine große Parade von 20000 Mann, und wer glauben Sie, führte sie? George F. Er ging an der Spitze seiner Leute, wie jedermann es von ihm erwartete.

»Sie wissen, ich liebe alle diese Leute«, sagte er zu einem Freund, als sie zusammen auf der Tribüne saßen und auf das nächste Pferderennen warteten. »Und ich hoffe,« fügte er hinzu, »daß einige von ihnen auch mich lieben.«

Er ist kein Philantrop, dieser George F., weder ist er ein Genie noch ein Übermensch. Er ist nichts weiter als

ein großer, einsichtsvoller, gutherziger Mann,

der es liebt, inmitten geschäftiger, frohsinniger Menschen zu leben.

In diesem Tal gibt es keine Verdächtigung und keinen Snobismus. Es gibt dort kein »Klassenbewußtsein«, weil es keine Klassen gibt. Jeder Arbeiter hat die Möglichkeit, Teilhaber zu sein, und jeder Kapitalist arbeitet.

Die sämtlichen 15000 Arbeiter von George F. abwärts bis zu dem kleinsten Jungen in der Gerberei gehören alle den »E.-J. Workers«, der dortigen Gewerkschaft an.

Alles geschieht offen. Jedermann kann seine Meinung äußern. Es gibt keine Maßregelungen. Alle Arbeiter scheinen zu fühlen, daß die ganze Anlage ihnen gehört.

George F. Johnson ist jetzt über 70 Jahre alt. Er ist der erfolgreichste unter allen Schuhfabrikanten, aber vor 35 Jahren war er noch nichts als ein Vorarbeiter in einer kleinen Schuhfabrik, die zusammengebrochen war. Damals erzielt er weniger als 20 Dollar wöchentlichen Lohn.

Der Hauptgläubiger dieser kleinen bankrotten Fabrik war ein Finanzmann namens Endicott, der in Boston lebte. Er kam nachzusehen, was man tun könne. Er lernte dort F. Johnson kennen, und Johnsons Vernunft und Ernst machten ihm einen tiefen Eindruck.

»Ich habe kein Geld,« sagte Johnson, »aber ich kann aus dieser Fabrik einen Erfolg machen. Mir liegt nichts an einem Gehalt, aber wenn Sie mir den halben Anteil an der Fabrik für 150000 Dollar verkaufen wollen, will ich Ihnen meinen Wechsel dafür geben.«

Das war ein erstaunlicher Vorschlag. Er war absurd und riskant, aber Endicott war ein weiser Mann, und er stimmte zu. Er wettete 150000 Dollar auf Johnson.

Die kleine Fabrik machte ihre Fortschritte in Riesensprüngen. Sie wuchs, bis Johnson sich als Vater einer Familie von 15000 fand.

Die Arbeiter seiner Fabrik leben jetzt in zwei Städten, die gänzlich ihnen gehören und die sie »Endicott« und »Johnson« genannt haben.

Sie sind nicht Angestellte im gewöhnlichen Sinne. Sie sind Teilhaber.

Gerade so wie Endicott Johnson zu seinem Teilhaber machte, ohne von ihm Bezahlung für seine Aktien zu verlangen, so hat Johnson aus seinen Arbeitern Teilhaber gemacht.

Vier Fünftel von ihnen arbeiten im Akkord und alle nehmen an dem Nutzen teil, sobald sie ein Jahr lang in der Fabrik tätig gewesen sind.

Alljährlich werden auf die Vorzugsaktien sieben Prozent und auf die Stammaktien zehn Prozent Dividende gezahlt; der gesamte dann noch verbleibende Nutzen wird zu gleichen Teilen zwischen den Arbeitern und den Inhabern der Stammaktien geteilt.

Die Gesellschaft beschließt jedes Jahr, ob der Nutzen in Geld oder in Stammaktien auszuzahlen ist. Für gewöhnlich beträgt der Nutzanteil der Arbeiter 50 Prozent ihres gesamten Lohnes.

Der Hauptunterschied zwischen dieser Endicott-Johnson-Gesellschaft und anderen guten Firmen scheint zu sein, daß die Arbeiter auch ihrerseits volle Leistung geben. Sie geben ebenso wie sie bekommen.

So hat zum Beispiel vor kurzem George F. Johnson die beiden Städte mit einem prachtvollen Denkmal beschenkt, das der Bildhauer Moretti zur Erinnerung an die 1692 Angestellten des Werkes ausgeführt hat, die in dem großen Kriege gekämpft hatten.

Dann wiederum beschenkten die Arbeiter ihrerseits Johnson mit einem schönen Marmorportal. Die gesamten Kosten dieses Bauwerkes trugen die Arbeiter.

Oft hält George F., der Vater dieser beiden Städte, Ansprachen an seine Leute -- klare, einfache Ansprachen von eindringlicher Wirkung. So sagte er unter anderem:

»Wenn Sie Besseres leisten, gehört der Nutzen in dieser Gesellschaft Ihnen. Niemand steht da und wartet darauf, ihn Ihnen wegzunehmen.«

»Jeder von uns auf dieser Welt braucht jemand, der uns veranlaßt, unser Bestes zu tun.«

»Wir können unsere Erzeugungskosten herabsetzen, ohne unsere Löhne zu vermindern,

wenn wir alle zusammenwirken wollen, um die Nichtproduzierenden auszuscheiden, die Bremser und die Schmarotzer.«

»Ich bitte euch nicht, irgend etwas für mich zu tun. Ich bitte euch nur, euer Bestes für euch zu tun. Und das Beste, das ihr heute tun könnt, ist noch nicht das Beste, das ihr morgen tun könnt.«

»In diesem demokratischen Geschäft müssen wir uns alle selbst fragen: Wieviel Arbeiter haben wir angestellt, die wir entbehren könnten? Wie viele sind nur eine Belastung und eine Ausgabe für uns?«

»Seid keine Bürde! Schafft keine Hindernisse! Faßt euer Ruder und zieht fest an. Seid der Mühe wert! Tut euer Bestes! Gebt dem alten Geschäft seine Chancen!«

Thomas A. Edison.

Edison ist jetzt bald 80 Jahre alt. Er wurde in Ohio von englisch-holländischen Eltern geboren. Sein Vater war ein Landwirt und Getreidehändler ohne besondere Erfolge.

Mit acht Jahren wurde Edison zur Schule geschickt. Drei Monate später schickte ihn der Lehrer mit der Bemerkung nach Hause, daß er zu dumm sei, um unterrichtet zu werden. (Was für ein Narr war dieser Lehrer.)

Edison hatte niemals mehr Schulunterricht. Seine Mutter, eine kluge und gute Frau, unterrichtete ihn selbst.

Er war immer ein eigentümlicher Junge. Mit sechs Jahren fand man ihn einmal auf Gänseeiern sitzen, die er auszubrüten versuchte.

Bei einem anderen Anlaß machte er ein großes Experiment in der Scheune und steckte sie in Brand, wofür er eine gute Tracht Prügel erhielt.

Von Anfang an hatte er eine Neigung für Chemie. In seinem räumlichen Hause richtete er sich ein Laboratorium mit 200 Flaschen ein. Er versah jede einzelne davon mit der Aufschrift »Gift«, damit niemand sie berühren sollte.

Mit 14 Jahren wurde er Zeitungsjunge und verkaufte Magazine und Zeitungen auf Eisenbahnzügen.

Er hatte auf dem Zuge ein kleines Laboratorium. Schließlich steckte er damit den Zug in Brand, und der Schaffner warf ihn hinaus und ließ seine Flaschen folgen. Auch gab er dem Jungen eine so mächtige Ohrfeige, daß er seit damals taub wurde.

Mit 16 Jahren wurde er in Kanada Telegraphenbote. Er verlor aber seine Anstellung, weil er eine arbeitsparende Erfindung machte -- sein Vorgesetzter sagte, er wäre faul. Aus ähnlichen Gründen verlor er später noch drei weitere Anstellungen.

Mit 23 Jahren wanderte er nach Neuyork. Dort kam er ohne einen Heller an. Er erhielt eine Stellung in dem Bureau einer Börsentelegraphenfirma mit 300 Dollar monatlich. Das war seine erste Chance. Er erhielt dieses hohe Gehalt, weil er es zustandegebracht hatte, eine wertvolle Maschine zu reparieren, die in Unordnung geraten war.

Im nächsten Jahre erfand er einen Telegraphenapparat, den er der Western Union Telegraphen-Gesellschaft für 40000 Dollar verkaufte. Er hätte auch ganz gerne 400000 Dollar dafür genommen, da er von dem Wert seiner Erfindung zu jener Zeit keine Ahnung hatte.

Er benutzte diese 40000 Dollar, um eine Maschinenwerkstatt zu eröffnen. Im Jahre 1873 kam er das erstemal nach England und verkaufte einige seiner Erfindungen.

Eine englische Firma machte ihm ein Angebot von »dreißigtausend« für eines seiner Patente. Edison dachte, es bedeutete 30000 Dollar -- er sagte: »Ja.« Zu seiner Überraschung erhielt er 30000 Pfund -- fünfmal so viel. Seit jener Zeit hat Edison ein warmes Gefühl für England.

Edison ist der fruchtbarste Erfinder der Welt. Er hat über 1000 Patente erworben. 45 Jahre lang ist er ein berufsmäßiger Erfinder. Er ist der ausdauerndste aller Experimentierer. Er arbeitete schwerer und schläft weniger als irgendein anderer Mensch. Es liegt ihm nichts am Geld. Er raucht und kaut Tabak.

Er haßt neue Kleider. Seit 30 Jahren ist ihm nicht für einen neuen Anzug Maß genommen worden. Vor 30 Jahren hat ihm irgendein gewisser Schneider Maß genommen und seither geht er immer wieder zu diesem und sagt: »Ich möchte einen anderen Anzug von dem gleichen Stoff.«

Er hat viele Mißerfolge und einige wunderbare Erfolge aufzuweisen. Einmal wendete er zwei Jahre und 2000000 Dollar an eine Erfindung, die sich als ziemlich wertlos herausstellte.

Er macht sich nichts aus Ehren. Eine englische Universität bot ihm ein Ehrendoktorat -- er hat sich niemals die Mühe genommen, hinzukommen, um es in Empfang zu nehmen. Vor einiger Zeit wurde ihm in Neuyork eine Goldene Medaille verliehen. Er verlor sie unterwegs auf dem Fährboot. »Was liegt daran«, sagte er zu seiner Frau. »Ich habe mindestens zwei Liter solcher Medaillen in meinem Zimmer.«

Als er das letztemal in Frankreich war, erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Er nahm das Kreuz an, aber als man ihm auch die Schärpe anlegen wollte, zog er sich zurück und ließ es nicht zu. Nach seiner Denkungsart ist eine Schärpe an einem Mann ungefähr so töricht wie ein Band an einem Frosch.

Seine Erfindungen haben viel zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Welt beigetragen. Tatsächlich war sein ganzes Leben sozialer Dienstleistung gewidmet.

Sein intimster Freund ist vielleicht Henry Ford -- ein anderer Erfinder von gleichem Typus. Diese beiden Männer gehen gemeinsam mit John Burroughs, dem führenden Naturforscher Amerikas, jeden Winter auf eine Pflanzung nach Florida.

Edison hat niemals einen unbeschäftigten Augenblick. Selbst wenn er spielt, erfindet er. Ich habe ihn bei verschiedenen Gelegenheiten in seinem langen schmalen Laboratorium in Neujersey beobachtet, wie er grübelte und grübelte und grübelte, immer in irgendein schweres Problem vertieft.

Edison glaubt selten etwas, bevor er den Beweis dafür hat. Er hat eine Fülle von Zweifeln in Bezug auf die Meinungen und die Praktiken der Menschen auf Lager.

In seiner Bibliothek hat er mehr als zehntausend Bücher, meist wissenschaftliche Gegenstände. Aber Edison glaubt selten irgendeine Feststellung in irgendeinem dieser Bücher, bevor er sie selbst ausprobiert und bewiesen hat.

Bei seiner Arbeit nimmt er ein Buch lediglich als Ausgangspunkt, um anzufangen. Es bedeutet keineswegs einen Abschluß.

Sein ganzes Leben hat er damit zugebracht, jenes Niemands-Land zu erforschen, das außerhalb der Bücher besteht.

Edison ist zuerst und vor allem ein harter Arbeiter. Er verabscheut Faulheit als die schlimmste von allen Krankheiten. Er wird unter Umständen einen dummen Menschen beschäftigen, aber niemals einen faulen.

Edison nimmt nichts als vorausgesetzt an. Er hat eine Abneigung gegen Menschen, die sprunghaft und oberflächlich sind. In jeder Sache gräbt er bis an die Wurzeln. Er hat sein ganzes Leben damit zugebracht, das Warum herauszufinden.

Lord Rhondda.

Dies ist die Geschichte des Mannes, der, ohne ein Redner zu sein, sein Leben lang der »ungekrönte König von Wales« war -- D. A. Thomas, der in den letzten beiden Jahren seines Lebens als Lord Rhondda bekannt war.

»D. A.«, wie seine Freunde ihn nannten, war der größte Geschäftsschöpfer, den Wales jemals hervorgebracht hat.

Er war der Schöpfer der »Cambrian Coal Combine« -- einer Gartenstadt von 12000 gutbezahlten Bergleuten. Er gründete mehr als 30 Gesellschaften, und was immer er anfaßte, wurde ein Erfolg.

Als er im Jahre 1918 starb, betrug sein Vermögen gegen 685000 Pfund -- aber er hätte leicht doppelt so viel haben können. Er war immer mehr darauf bedacht, ein Geschäft aufzubauen, als seinen Anteil an dessen Nutzen hereinzubekommen.

D. A. Thomas war ein kaufmännischer Abenteurer von der Art, die das britische Weltreich aufgebaut hat. Er war mehr als das -- er war ein unabhängiger Denker.

Er war so unabhängig, daß er noch nicht seinem vollen Werte nach gewürdigt worden ist, wie Sie beim Lesen der folgenden kurzen Skizze seiner Laufbahn sehen werden.

Er wurde vor 70 Jahren in einem kleinen Dorfe in Wales, dessen Namen ich nicht buchstabieren kann, geboren. Sein Vater war ein Krämer, der ein Kohlengeschäft angefangen hatte und dies sehr bedauerte.

Man erzählt, daß sein Vater vor seinem Kohlenlager stand und sich von seinen Verlusten sehr bedrückt fühlte, als ein Nachbar mit der Nachricht zu ihm kam: »Es ist ein Junge.«

»Gut«, sagte der Vater. »Ich weiß zwar nicht, was aus ihm werden soll. Für uns gibt es nur noch das Armenhaus.«

Der junge D. A. war anfangs ein zarter Knabe, aber er trainierte sich zu einem Athleten. Er wurde ein guter Geher, Schwimmer und Radfahrer. Er war auch ein geschickter Boxer, und ungeachtet seiner Kurzsichtigkeit wurde er Mittelgewichts-Champion von Cambridge.

Er war immer mutig. Als junger Bursche gewann er die Medaille der »Royal Humane Society« für eine Lebensrettung. Er sprang in einen eisigen See und zog einen Mann aus dem Wasser.

Als er 21 Jahre alt war, starb sein Vater, und er begann ein selbständiges Geschäft. Mit 26 Jahren heiratete er Sybill Haig, die Tochter eines Kohlenbergwerksbesitzers. Sie hatten ein Kind, die gegenwärtige Viscountesse Rhondda, die jetzt die weitausgedehnten Interessen ihres Vaters verwaltet.

D. A. beschäftigte sich mit Politik nicht weniger als mit dem Geschäft. Aber als Politiker hatte er keinen Erfolg, oder besser gesagt, er war nicht der Mann, sich in den schlüpfrigen Winkelzügen des Parlaments zurecht zu finden.

Er war ein Liberaler, aber er ließ sich durch keine Führung beeinflussen. Er war kein angestelltes Parlamentsmitglied mit dem Namen seines Meisters auf seinem Halsband.

Er war unabhängig. Das ist das Wort, das in diesen Tagen der Maschinenmenschen besonders betont werden muß.

Die kunstreichen Ränkemacher der Politik fürchteten und haßten ihn. Er war zu tüchtig -- zu ehrenhaft -- zu furchtlos, um ein Mitglied der Mitglieder zu werden.

Wie Leverhulme wurde er von den Kabinettsmachern vollkommen vernachlässigt. Es ist eine auffallende Tatsache, daß D. A. Thomas 25 Jahre lang dem Parlament angehört hat und niemals ein wichtiges Amt bekleidet hat.

Im Jahre 1910 gab er die Politik auf. Es wurde ihm klar, daß er vollständig ungeeignet war, das Spiel der Politik mitzumachen. Er war kein guter Redner. Seine Stimme war schwach, und er hatte nie daran gedacht, sie auszubilden. Er hatte eher eine Verachtung für fließendes Reden: in einem Lande, das stets von redegewandten Leuten regiert worden war, entschieden ein Fehler!

Stets zog er das Geschäft der Politik vor. Das Geschäft war sein Leben. Er liebte seine Aufregungen und seine Nützlichkeit. Immerwährend las er Bücher über Geschäft.

Er war kein Zuschauer. Er war voll Energie -- durchaus Tatmensch. Er liebte seinen großen Schreibtisch in seinem großen Bureau in dem Cambrian-Gebäude in Cardiff.

Er hatte einen stahlharten Willen, aber er war weder grob noch laut. Er war ein ruhiger, zäher, schlauer Mann, der alles vorauszusehen schien.

Er hatte auch Streiks, natürlich. Niemand kann die Bergleute von Süd-Wales beschäftigen, ohne Streiks zu haben. Aber selbst die Streikleiter achteten D. A. und sympathisierten mit ihm, wenn die Schlacht einmal vorüber war.