Deutsche Humoristen, 7. Band (von 8)
Part 1
Anmerkungen zur Transkription
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Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung.
Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, »hervorragenden Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen« und durch Verbreitung guter Bücher der schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt sie alljährl. an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher. Bis Ende 1912 wurden 534.020 Bücher im Werte von Mk. 608.837,83 an Volksbibliotheken verteilt.
Die Auflage unserer »Hausbücherei« und »Volksbücher« betrug bis Ende 1912:
=über 1¾ Millionen Exemplare.=
Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. +Für Beiträge von 2 Mk.+ an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes ihrer »Hausbücherei« oder »Volksbücher« Gegenleistung. Ausführliche Drucksachen stehen kostenlos zur Verfügung.
Gute billige Bücher
(zum Teil künstlerisch illustriert, für die Jugend besonders geeignete Bücher sind mit * versehen). Bisher sind erschienen:
Hausbücherei
(gebunden, jeder Band in sich abgeschlossen 1 Mark, Vorzugspreis für 11 Bände -- beliebig gemischt -- nur 10 Mark)
*Bd. 1. +Heinrich von Kleist+: =Michael Kohlhaas=. Mit Bild Kleists und 7 Vollbildern. _11.--20. Taus._
*Bd. 2. +Goethe+: =Götz von Berlichingen=. Mit Bild Goethes.
*Bd. 3. =Deutsche Humoristen Band 1=: P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. _56.--70. Taus._
Bd. 4. =Deutsche Humoristen Band 2=: Cl. Brentano, E. Th. A. Hoffmann, H. Zschokke. _26.--35. Taus._
*Bd. 5. =Deutsche Humoristen Band 3=: Hans Hoffmann, Otto Ernst, Max Eyth, Helene Böhlau. _36.--45. T._
Bd. 6/7. =Balladenbuch Band 1=: Neuere Dichter. _21.--30. T._
Bd. 8. +Herm. Kurz+: =Der Weihnachtsfund=. Eine Volkserzählung. Mit Bild Kurz'. _11.--15. Taus._
Bd. 9. =Novellenbuch Band 1=: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. _26.--35. Taus._
Bd. 10. =Dorfgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 2): E. Wichert, H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. _16.--25. T._
Bd. 11. Schiller: =Philosophische Gedichte=. Ausgew. u. eingel. v. Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. _6.--10. T._
Bd. 12/13. Schiller: =Briefe=. Ausgew. und eingel. von Prof. E. Kühnemann. _6.--10. Taus._
Bd. 14. =Geschichten aus deutscher Vorzeit= (+Novellenbuch+ Band 3): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff.
*Bd. 15. =Seegeschichten= (+Novellenbuch+ Bd. 4): J. Nettelbeck, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs. Wilda u. a. _21.--30. T._
Bd. 16. =Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes=. Mit Bild u. Silhouette Mörikes. _11.--20. Taus._
Bd. 17. =Heine-Buch=. Eine Auswahl von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines. _6.--10. Taus._
Bd. 18/19. =Goethes ausgewählte Briefe=. Herausgeg. v. ~Dr.~ Wilh. Bode-Weimar. _11.--15. Taus._
*Bd. 20/21. =Deutsches Weihnachtsbuch=. Eine Sammlung der schönsten und beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. _21.--30. Taus._
Bd. 22. =Frauennovellen= (+Novellenbuch+ Band 5): Cl. Viebig, L. v. Strauß u. Torney u. a. m. _21.--30. Taus._
Bd. 23. =Kindheitsgeschichten=: H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, Eh. Niese, Th. Mann u. a.
*Bd. 24. =Kriegsgeschichten=: H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane u. a.
*Bd. 25/26. =Balladenbuch Band 2=: ältere Dichter. _6.--10. T._
*Bd. 27. +Karl Immermann+: =Preußische Jugend zur Zeit Napoleons=. Eingeleitet von ~Dr.~ Wilh. Bode. Illustr.
Bd. 28. =Martin Luther als deutscher Klassiker=.
Bd. 29/30. =Deutsche Humoristen Band 4/5=. (Humoristische Gedichte.) _11.--20. Taus._
Bd. 31. =Deutsche Humoristen Band 6=: (Humor. Erzählungen.)
*Bd. 32. +Max Eyth+: =Geld und Erfahrung= (humoristische Erzählung). Illustriert. _21.--30. Taus._
*Bd. 33. +Ludwig Uhland+: =Ausgewählte Balladen und Romanzen=. Mit Illustrationen. _6.--10. Taus._
Bd. 34. +J. J. David+: =Mährische Dorfgeschichten=. Ruzena Capek. Cyrill Wallenta. _6.--10. Taus._
*Bd. 35. +Ludwig Finckh+: =Rapunzel=. _21.--30. Taus._
Bd. 36. +Grethe Auer+: =Marraksch=. (6 Jahre in Marokko.) Mit Bild Gr. Auers u. Einl. v. ~Dr.~ H. Bloesch. _11.--15. T._
Bd. 37. +Ernst Wichert+: =Die Schwestern=. Illustriert.
Bd. 38. =Musikergeschichten=: K. Söhle, R. H. Bartsch, W. Schmidtbonn, E. v. Wolzogen.
Bd. 39. +Emil Ertl+: =Der Salto mortale und andere Geschichten=. Illustriert.
Bd. 40. +Jürgen Jürgensen+: =Kongo-Geschichten=. (7 Jahre in Afrika.) Illustriert. _11.--20. Taus._
Bd. 41. +Christian Reuter+: =Schelmuffskys kuriöse Reisebeschreibung= (humoristisch). Illustriert.
*Bd. 42. =Die deutschen Lande in der Dichtung Band 1:= Deutschland. Mit 16 Zeichn. v. Walter Strich-Chapell u. 7 Bild.
Bd. 43. +Ernst Zahn+: =Der Schatten.= Illustr. _11.--20. Taus._
*Bd. 44. +Adolf Schmitthenner+: =Treuherzige Geschichten.=
Bd. 45. +Hans Hoffmann+: =Die Teufelsmauer und andere Erzählungen.= Illustriert.
*Bd. 46. +Andreas Streicher+: =Schillers Flucht von Stuttgart.= Illustriert.
Bd. 47. +Friedrich Hebbel+: =Die Nibelungen 1=: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Illustriert.
Bd. 48. +Friedrich Hebbel+: =Die Nibelungen 2=: Kriemhilds Rache. Illustriert.
Bd. 49. =Deutsche Humoristen Band 7=: Enking, Greinz, Thoma u. a. Illustriert.
Bd. 50. +Alfred Huggenberger+: =Bauernland.= Illustriert.
Bd. 51/52. +Ad. Müller-Guttenbrunn+: =Deutscher Kampf.= Illustriert.
Vorzugsausgaben
+in prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind zum Preise von je =4 Mark= hergestellt von:
Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) Bd. 29/30 (rot, Ganzleder) Bd. 38 (rot, Ganzleder) M. 3.-- Bd. 39 (lila Lein. m. Gold) M. 2.-- Bd. 51/52 (rot, Ganzleder)
Volksbücher (zum Teil illustriert)
*Heft 1. 50 Ged. v. +Goethe+. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.--20. T._
*Heft 2. +Schiller+: Tell. _21.--30. T._ Geh. 30, geb. 60 Pf.
*Heft 3. +Schiller+: Balladen. _36.--40. T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
*Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Geh. 30, geb. 60 Pf. _11.--20. T._
*Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. Geh. 30, geb. 60 Pf.
_Heft 4 u. 5 in einen Band gebunden 1 Mark. 11.--20. T._
Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen Annerl. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.--20. T._
Heft 7. +E. Th. A. Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. Illustr. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.--20. T._
*Heft 9. +Fritz Reuter+: Woans ick tau 'ne Fru kamm. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.--20. T._
Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. Illustr. Geh. 20, geb. 50 Pf. _31.--40. T._
Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren v. Gemperlein. Ill. _21.--30. T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. 25, geb. 55 Pf.
*Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. Illustr. Geh. 25, geb. 55 Pf. _11.--20. T._
Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. a. Geschichten. _11.--20. Taus._ Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. _11.--20. T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 17. +Ilse Frapan+: Die Last. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 18. +H. v. Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in Chili. Der Zweikampf. _11.--20. Taus._ Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. Geh. 30, geb. 60 Pf. _21.--30. T._
Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. Geh. 20, geb. 50 Pf.
*Heft 21. +E. J. Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustrationen. Geh. 15, geb. 40 Pf. _21.--30. Taus._
*Heft 22. +A. Schmitthenner+: Die Frühglocke. Illustr. Geh. 20, geb. 50 Pf. _21.--30. T._
*Heft 23. +G. Freytag+: Karl d. Große. Minnesang und Minnedienst. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans und Grete. Mit Illustr. _11.--20.T._ Geh. 40, geb. 75 Pf.
Heft 25. +St. v. Kotze+: Geschichten a. Australien. _11.--20. T._ Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 26. +Paul Heyse+: Andrea Delfin. Geh. 30, geb. 60 Pf.
*Heft 27. +H. Villinger+: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill. _11.--20. T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
*Heft 28. +Otto Ludwig+: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. _11.--20. T._ Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 29. +Richard Huldschiner+: Fegefeuer. 70 Pf., geb. 1 M.
Heft 30. +Franz Grillparzer+: Weh dem, der lügt! Geh. 25, geb. 55 Pf. _11.--20. T._
*Heft 31. +Paula Dehmel+: Märchenbüchlein. Mit 2 bunten Voll- u. 4 Halb-Bildern. Geh. 30, geb. 70 Pf.
Heft 32. +Auguste Supper+: Die Hexe von Steinbronn. Ill. Geh. 10, geb. 40 Pf.
Heft 33. +Adolf Wilbrandt+: Der Mitschuldige. Ill. Geh. 30, geb. 70 Pf.
Heft 34. +Gottfried Keller+: Kleider machen Leute. Illustr. Geh. 30, geb. 70 Pf.
Heft 35. +W. v. Uxkull+: Das Kriegsgericht. Illustr. Geh. 25, geb. 60 Pf.
Heft 36. +Paul Schreckenbach+: Volksbuch vaterländischer Dichtung. Geh. 50, geb. 80 Pf., Lederband m. Goldschnitt 2 M.
*+Schillerbuch+, enth. Einleitung über Schillers Leben, die Glocke, Balladen, Tell. Mit Bild. 346 S. _21.--30. T._ Geb. 1 M.
Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
Hausbücherei
der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stiftung
49. Band
Hamburg-Großborstel Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung 1913
1.--10. Tausend
Deutsche Humoristen
7. Band
Ottomar Enking ▣ Anna Croissant-Rust Rudolf Greinz ▣ Wilhelm Schussen Ludwig Thoma ▣ Sophus Bonde Wilhelm Fischer-Graz
Hamburg-Großborstel Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung 1913
1.--10. Tausend
Inhaltsverzeichnis zu den übrigen Bänden der »Deutschen Humoristen«
Band 1: +Friedr. Theodor Vischer+: Humorist. Gedicht. +Peter Rosegger+: Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß. Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten. +Wilhelm Raabe+: Der Marsch nach Hause. +Fritz Reuter+: Woans ick tau 'ne Fru kamm. +Albert Roderich+: Nemesis. 46.--55. Tausend.
Band 2: +Clemens Brentano+: Die mehreren Wehmüller oder ungarische Nationalgesichter. +E. Th. A. Hoffmann+: Die Königsbraut. +Heinrich Zschokke+: Die Nacht in Brczwezmcisl. 26.--35. Tausend.
Band 3: +Hans Hoffmann+: Eistrug. +Otto Ernst+: Die Gemeinschaft der Brüder vom geruhigen Leben. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. +Helene Böhlau+: Die Ratsmädel gehen einem Spuk zu Leibe. 36.--45. Tausend.
Band 4/5 (Doppelband): +Humoristische Gedichte+. Eine hervorragende Sammlung der schönsten heiteren Gedichte bis auf die neueste Zeit. 352 Seiten. 11.--20. Tausend.
Band 6: +E. Th. A. Hoffmann+: Aus »Klein Zaches genannt Zinnober«. +Bettina von Arnim+: Die Reise nach Darmstadt. +Fr. Th. Vischer+: Die Tücke des Objekts. +Ad. Bayersdorfer+: Die militärpflichtige Tante. +Henry F. Urban+: Der Eishund. +Ludwig Thoma+: Besserung. 11.--20. Tausend.
Preis jeder dauerhaft gebundene Band 1 Mark.
Inhaltsverzeichnis
▣ zum 7. Bande der ▣ »Deutschen Humoristen«
+Enking, Ottomar+: Das Kriegerfest in Wettorp 7--32
+Croissant-Rust, Anna+: Der Herr Buchhalter 33--48
+Schussen, Wilhelm+: Pilgrime 49--71
+Greinz, Rudolf+: Das Hennendiandl 73--85
+Bonde, Sophus+: Jochen Appelbaums Galion 87--102
+Thoma, Ludwig+: Unser guater, alter Herzog Karl is a Rindviech 103--111
+Fischer-Graz, Wilhelm+: Die Rebenbäckerin 113--159
Vorbemerkungen zum siebenten Bande
Die Erzählung »Das Kriegerfest in Wettorp« von Ottomar Enking ist mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt aus dem Roman »Ikariden« (Dresden: Verlag von Carl Reißner).
»Der Herr Buchhalter« von Anna Croissant-Rust ist mit gütiger Erlaubnis der Verfasserin und des Verlegers abgedruckt aus Anna Croissant-Rusts Buch »Aus unseres Herrgotts Tiergarten« (Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt).
Für den Abdruck der »Pilgrime« schulden wir Herrn Wilhelm Schussen Dank.
»Das Hennendiandl« von Rudolf Greinz ist mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt aus Rudolf Greinz' Buch »Bergbauern« (Leipzig: Verlag von L. Staackmann).
Für die Abdruckserlaubnis von »Unser guater, alter Herzog Karl is a Rindviech« von Ludwig Thoma schulden wir dem Verfasser und dem Verlage Albert Langen in München Dank.
»Jochen Appelbaums Galion« von Sophus Bonde ist mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt aus Sophus Bondes Buch »Schimannsgarn« (Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt).
»Die Rebenbäckerin« von Wilhelm Fischer-Graz ist mit gütiger Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt aus Wilhelm Fischers Buch »Unter altem Himmel« (München: Verlag von Georg Müller).
Ottomar Enking:
Das Kriegerfest in Wettorp
Wenn Thomas Mann der Dichter des niederdeutschen Patriziertums ist, so ist +Ottomar Enking+ der berufene Schilderer des niederdeutschen +Kleinbürgertumes+. Beide Gesellschaftsschichten umspinnt die leise Tragik: stehen geblieben zu sein, überholt zu sein von einer Zeit der lärmenden Maschinen, der konzentrierten Kräfte und des gesteigerten und gehetzten Lebenstempos. Herrisch verfolgt diese Zeit ihr Ziel und schreitet unerbittlich über die kleinen gedrückten oder verzweifelt aufbegehrenden Existenzen hinweg: über verstörte Patriarchen, die »die Welt nicht mehr verstehen«, und über sehnsüchtige Mädchenseelen, die am Zwiespalt zwischen der beengenden Überlieferung und der lockenden Freiheit zerbrechen. In die behagliche Selbstgenügsamkeit und behäbige Selbstzufriedenheit, mit der sich die Gestalten der Reuterzeit bewegten, kommt nun ein weher Ton wie von einer Glocke, die zersprang. Denn das Gefühl des Überholtseins gibt Bitterkeit oder, vom Betrachter aus, Ironie. Das Genrebild geht durch die Schule der naturalistischen Impression, die Beobachtung wird exakter, schärfer, unbeirrter, erreicht eine verblüffende Fertigkeit, Dinge, Geräusche und Bewegungen sinnfällig zu machen, und stellt die Alltagstypen der deutschen Kleinstadt greifbar nahe und unauslöschlich vor uns hin: mit einem wehmütigen +Humor+, der zugleich mitfühlende Liebe und ironische Überlegenheit ist und der ihren Untergang ohne jede Sentimentalität verklärt. +Enking+, der früher Schauspieler, dann Redakteur war und jetzt als freier Schriftsteller in Dresden lebt, ist seiner Geburtsstadt nach Kieler (er wurde dort am 28. September 1867 geboren). Einzelne seiner Werke, so der Roman »Johann Rolfs«, spielen sich auch auf Kieler Boden ab; für seine Hauptwerke ist jedoch Wismar das, was Lübeck für Manns »Buddenbrooks« ist: es ist das »Koggenstedt« jener Romanfolge, als deren Meisterstück mit Fug und Recht die »+Familie P. C. Behm+« gilt.
L. Adelt.
Gauting, im September 1913.
Das Kriegerfest in Wettorp.
Viele, viele Nachtsitzungen hatte das »Geschäftsführende und Hauptkomitee für das zwanzigjährige Stiftungsfest des Kriegervereins von Wettorp und Umgegend sowie die Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm den Großen« im Landhause abgehalten, viele Vornotizen und Hinweise hatten in den »Wettorper Nachrichten« gestanden, und viele eifrige Straßenunterhaltungen über das Fest und das Denkmal waren von den patriotischen Bürgern Wettorps gepflogen worden. Ja, viel, viel war geschehen, bis endlich der ersehnte Augusttag erschien, der Wettorp in einen noch nie dagewesenen Rausch und Jubel versetzte. Schon am Abend vorher, am Freitage, kamen die fremden Gäste, denn die ganze Umgegend war eingeladen. Die Straßen waren schön geschmückt, Girlanden hingen quer von Haus zu Haus, und unter ihrer Mitte schwankten bemalte Tafeln mit sinnigen Kernsprüchen.
Am Sonnabend, morgens um 6 Uhr, zog der Ortsmusikus mit seinen Trommlern, Bläsern und Klarinettisten durch die Straßen des Ortes; das war der »Weckruf«, wie es im Programm hieß. Die braven Kriegervereinsmitglieder ärgerten sich zwar über das frühe Getute, aber ohne Reveille läßt sich ja nun einmal kein Kriegerfest feiern, und deshalb beruhigten sie sich und schliefen wieder ein.
Um 9 Uhr gab es eine große Sehenswürdigkeit: der Neustädter Militärverein hielt nämlich seinen Einzug. Er hatte seine eigene Kapelle mitgebracht, die der Ortsmusikus allerdings als eine Gesellschaft Bremer Stadtmusikanten bezeichnete; aber es war doch etwas besonderes, was sich die Neustädter leisteten, und die Militärvereinsmitglieder blickten stolz um sich herum, während sie im strammen Takte vorwärts marschierten. Sie hatten wahrhaftig auch alles Recht, stolz zu sein, denn außer der Musik trabten vor ihrem Zuge noch drei feurige Rappen, auf denen Herolde saßen. Diese drei Männer hatten sich großartig bunt kostümiert und wilde Bärte ins Gesicht geklebt, die freilich immer herabfielen, weil sich der Gummi vom Schwitzen auflöste. Aber wenn auch die Bärte so oft auf ihren Sattel niedersanken, daß sie sie schließlich beiseite unter das Volk warfen: Herolde waren sie deshalb doch mit ihren Heroldsstäben in der Hand, den grauen Schlapphüten auf dem Kopfe, den Wappenwämsern um die Brust und den hohen Stiefeln an den Beinen. Sie fühlten ihre Würde und stützten ihre Stäbe in die Seiten, wie sie es wohl im illustrierten Sonntagsblatte bei Bildern von Königen gesehen hatten.
Ihre Pferde waren nicht minder frohgemut, daß sie heute, anstatt den Roggen einzufahren, als edle Araber durch Wettorps Straßen hindurch angestaunt wurden. So achtunggebietend zog der Neustädter Militärverein in den Festort ein.
Im Laufe des Sonnabendmorgens versammelten sich also wohl an die vierhundert Krieger in Wettorp, alte und junge, und die alten trugen ihre Zylinder vom Jahre 1848. -- Um 11 Uhr begann der »offizielle Frühschoppen mit Musik« im Landhause. Der Ortsmusikus ließ blasen, was die Trompeten halten konnten; er hatte ein außergewöhnlich patriotisches Programm zusammengestellt, das denn auch von den Kriegern vollauf gewürdigt wurde.
Währenddessen war die kleine Mieze Stamm, des Landhauswirts Tochter, die dazu auserkoren war, als Germania bei der Denkmalsenthüllung das Festgedicht zu sprechen, in ihrem Stübchen sehr beschäftigt. Schon um 12 Uhr hüllte sie sich unter dem Beistande der Wirtschafterin in den weißen Germania-Mantel, den sie sich selbst zurechtgeschneidert hatte; sie ließ sich frisieren mit Locken an den Seiten, und die Flut des lichten Haares fiel wellig über ihre Schultern. Dann wurden die bis zum Ellenbogen freien Arme mit goldenen Armbändern aus poliertem Messing geschmückt, und auf das Haupt drückte ihr die Wirtschafterin das Diadem mit dem größten und buntesten Edelsteine, der aus der Maskengarderobe zu entleihen gewesen war. Majestätisch sah die kleine Mieze aus, und sie freute sich auch erst ihres Spiegelbildes; aber dann kam die Angst über sie, und bleich und zitternd ging sie umher und murmelte immer und immer wieder, daß nun der schöne Tag gekommen sei. Essen konnte sie nichts.
Genau um ein Viertel vor drei Uhr fuhr der alte Kutscher Engel mit seiner Kalesche vor, und tief aufseufzend, mit einem Stoßgebet an den lieben, lieben Gott, stieg die Germania in den Karren, der sie zum Richtplatze führen sollte. Sie kam auf dem Markte an, wo es schon ganz voll von Leuten war, und wurde vom Ortsvorsteher sogar dem Herrn Geh. Regierungsrat v. Zabrowski und dem Herrn Regierungsassessor v. Schmidt vorgestellt, die die allergnädigste Miene machten, weil sie doch bei der Denkmalsenthüllung die Vertreter der hohen Regierung und des Kaisers bildeten. Der Regierungsassessor konnte es sich freilich trotz seiner hohen Würde nicht versagen, nach Miezes rundem Arm zu schielen. Der Geh. Regierungsrat indessen war ganz nur Vertreter Seiner Majestät. Die hohen Herren, der Ortsvorsteher, die Gemeinderäte, die Schulbehörde und die Geistlichkeit, die Herren vom Komitee und Mieze Stamm stellten sich unter dem Thronhimmel auf, der dem noch verhüllten Denkmal gegenüber erbaut war. Der Thronhimmel bestand aus vier Stangen, über die oben Leinwand gezogen war, und das ganze hatte Gärtner Meyer mit Laub bewunden.
Der Ortsvorsteher blickte prüfend in die Runde, ob auch alles in Ordnung sei. Rings auf dem Markte, in einiger Entfernung von dem Denkmal, hatten sich die Kriegervereine aufgestellt, die Fahnen wehten über den Zylindern der Kameraden. Links von dem Thronhimmel standen die vereinigten Gesangvereine, und alles war so ruhig und feierlich, daß es dem Ortsvorsteher ordentlich zu Herzen ging. Er hatte seinen Hochzeitsfrack heute nicht umsonst angezogen, das fühlte er deutlich. Er sah also in die Runde, und sein Blick fiel auch auf die zwei Sitzreihen, rechts vom Denkmal, auf denen die Honoratiorenfrauen des Ortes in ihrem besten Staate saßen, und auf den alten Orts- und Polizeidiener Pilgerim, der da stand und die Schnur hielt, mit der die Hülle des Denkmals nach oben zusammengerafft wurde. Alles war in Ordnung. Der Ortsvorsteher nahm seinen Zylinder ab, rieb sich mit dem Taschentuche die Tropfen von der Stirn, trat vor und verbeugte sich nach der Seite, auf der sich die hohen Herren befanden. Der Geh. Regierungsrat nickte, der Ortsvorsteher winkte den Sängern, der Ortsmusikus, der alles einübte, was in Wettorp an Gesang- und Orchesterkunst geleistet wurde, hob den Taktstock, und es ertönte prachtvoll: »Seht den Sieger ...«
Alle waren ergriffen. -- Als der Gesang sein Ende gefunden hatte, verbeugte sich der Ortsvorsteher wieder, wischte sich nochmals die Stirn und begann seine Festrede: daß er die hohe Ehre habe, die Vertreter Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers und einer hohen Regierung untertänigst und ehrfurchtsvollst zu begrüßen, und daß es eine hohe Ehre für den Ort sei, einen solchen Tag feiern zu können. Er wies hin auf die zusammengeströmten Scharen der ehemaligen Krieger, und angesichts dieses Denkmals fordere er sie alle auf, den Treueschwur zu erneuern für Kaiser und Reich. Er schloß damit, daß er die hohen Vertreter einer hohen Regierung bat, Sr. Majestät den Ausdruck der unwandelbarsten Liebe Wettorps zu überbringen.