Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1

Part 19

Chapter 191,330 wordsPublic domain

Ein einziger Blick schon zeigt, dass die Grenzen der Frachten sich in sehr starkem Masse geändert haben; hinsichtlich der Verteilung der Sprachen und der Art der Wohnungen macht sich eine auffallende Ähnlichkeit bemerkbar. Die friesischen und sächsischen Einflüsse fallen auf allen Karten zusammen, während die Type der oberen Maas sich da finden, wo der Bau der römischen Landhäuser sich erhalten hat. Es ist also nicht wunderbar, dass diese Type der Maas jenen gleichen, die man im Tal des Po und auf dem Adriatischen Meer trifft.

Diese Feststellungen stimmen mit den geschichtlichen Untersuchungen überein, die festgestellt haben, dass die Länder an der Nordsee von den Kelten bewohnt waren, die vom Orient nach Mittel- und Westeuropa mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gekommen waren. Sie vertrieben die mongolische Bevölkerung, die sich dort schon angesiedelt hatte, aber ihrerseits wurden die Kelten aus dem Westen durch die Germanen vertrieben. So erzählten die Römer, dass nördlich vom Rhein die Kelten schon überall von den Germanen verjagt wären. Der Rhein bildete damals die allgemeine Scheidewand zwischen den beiden Völkern. Im Süden dieses Flusses gab es nur einige germanische Vorposten, wie die Eburonen in Maastricht und in Roermond; die Kondrusen in der Umgegend von Lüttich. Längs der Maas verschmelzen die Germanen und die Kelten miteinander. In Nordbrabant waren die Kelten schon stark germanisiert, während die Menapier, die Moriner und die Nervier aus Flandern und Seeland ebenfalls stark unter dem Einfluss der Germanen standen. Alle diese germanisierten Kelten wurden von den Römern Gallier genannt. Zu wiederholten Malen drangen die Germanen in Gallien ein und kamen dort sogar bis in das Land der Menapier im Scheldetal; aber im Jahre 55 vor Christi Geburt warf sie Cäsar zurück. Nach den Eroberungen dieses letzteren römischen Feldherrn bildete der Rhein die Grenze der römischen Herrschaft und blieb es bis etwa ins 4. Jahrhundert. Die Gallier latinisierten sich schnell. Nördlich vom Rhein machte sich der römische Einfluss auf die Bataver, die Kaninefaten und Friesen fühlbar. Dieser Einfluss war jedoch wenig deutlich, besonders bei den letzteren. In dem Augenblick, wo die Macht Roms geringer wurde, erschienen die Germanen wieder, und besonders traten die Franken hervor. Diese Franken, die die Gegend der Lippe, der Ruhr und der Ems bewohnten, wurden wahrscheinlich zu jener Zeit schon von den Sachsen zurückgetrieben. Unter dem Kaiser Probus wurden die Franken noch einmal im Jahre 280 über den Rhein zurückgeworfen, aber nach dem Tode Konstantins des Grossen (337) rückten sie von neuem nach Süden vor. Cöln fiel in ihre Hände, und sie erschienen vor Trier. Julian verhinderte sie indessen in Taxandrien, das heutige Nordbrabant, einzudringen.

Die Salier, die mächtigsten der Franken, blieben im Lande der Bataver, während die Chamaven, ein anderer Volksstamm, sich im Norden des Rheins festsetzten. Die Salier und die Bataver verschmolzen bald zu einem einzigen Stamm; als sich im Jahre 402, während der Regierung des Kaisers Honorius, die Römer zurückzogen, nahmen die Franken ihren Marsch nach dem Süden wieder auf und fielen in Nordbrabant ein. Die Sachsen, die, wie schon gesagt, wahrscheinlich die Franken in Bewegung gesetzt haben, bewohnten das Land zwischen der Ems und der Elbe, d. h. also Norddeutschland. Sie setzten sich im Osten unseres Landes fest und dehnten ihren Einfluss später nördlich aus.

Die Friesen, die man im allgemeinen neben den Sachsen nennt, haben es verstanden, sich zu halten und wohnten von der Weser bis zum Zwin (seeländisches Flandern). Ihr König Radbod erweiterte ihre Herrschaft nach dem Süden des Rheins und drang sogar bis Cöln vor, wo ihm indessen Karl Martell eine Niederlage beibrachte.

Wenn Holland im Mittelalter Friesland nur bis zur Mündung der Maas heisst, so sagt man andererseits, dass der heilige Amand das Evangelium bei den Friesen von Seeland predigte.

Diese Ueberlieferung wird von Professor Fockema Andrae bestätigt, der nachgewiesen hat, dass das Friesische Gesetz von 800 von der Weser bis zum Zwin, und das fränkische Gesetz bis zum Eem angewendet wurde, d. h. dass die Chamaven die Veluwe im Osten des Flusses bewohnt haben; somit gehört Utrecht zu Friesland.

Man erzählt auch gelegentlich des Kampfes der Friesen gegen die Franken, dass Utrecht auf der Grenze Frieslands liegt.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Niederlande ursprünglich von den Kelten bewohnt wurden, die von den Germanen nach Süden gedrängt sind. Sie haben sich später mit Hilfe der Römer südlich der grossen Flüsse gehalten. Die ersten Germanen unseres Landes waren die Friesen. Sie bewohnten die Küste von der Weser bis zum Zwin und haben sich an einigen Orten unter den Kelten angesiedelt.

So finden wir die friesischen Type von Dänemark bis Flandern; sie dringen bis Utrecht und längs der Flüsse mit Ebbe und Flut vor.

Die Chamaven, die ersten Franken, hielten wahrscheinlich die Veluwe und die Betuwe bis zur Linge und zum Eem besetzt. Die Franken bevölkerten später Nordbrabant und drangen bis nach Seeland, Utrecht und Südholland vor. Tatsächlich haben wir uns schon gewundert, in unserem Lande die Type des Niederrheins nicht nur längs des Rheins und seiner Nebenflüsse, sondern auch im Herzen Südhollands und im Nordwesten von Nordbrabant zu treffen.

Die zuletzt gekommenen Sachsen setzten sich im Osten unserer Heimat fest und dehnten sich allmählich nach Groningen und Friesland aus. Dort finden wir die spitzen Type von Overijsel oder die sächsischen Type.

Die Schiffstype haben, wie die Art der Wohnungen, die Sprachen und die Trachten Beziehungen zu den Ureinwohnern der Gegenden. Dies erklärt, weshalb man an demselben Fluss, in demselben Lande verschiedene Schiffstype findet.

So haben sich die alten Formen und die alten Sitten durch die Zeitalter erhalten, und unser Vaterland besitzt nicht allein eine ruhmreiche Vergangenheit, sondern hat es auch verstanden, einen beneideten Platz auf dem Gebiete der Schiffbaukunst festzuhalten, so dass man auf unsere tüchtigen Schiffbauer anwenden kann, was ~Witsen~ im Jahre 1671 schreibt:

«In ’t overleg van een zuinig meeste bestaat al ’t geheim van goedkoop bouwen.»

(Das ganze Geheimnis eines wirtschaftlichen Schiffbaues besteht in der Überlegung eines sparsamen Baumeisters.)

Übersetzer: ~Hugo MÜLLER~, Dahlem.

(1) Wie sich der Schiffbau vor 1500 bewegt hat.

Evolution de l’architecture navale avant 1500.

Way in which shipbuilding moved before 1500.

(2) Südlicher Mittelpunkt.

Centre méridional.

Southern Centre.

(3) Nördlicher Mittelpunkt.

Centre septentrional.

Northern Centre.

(4) Erste Berührung zwischen dem südlichen und nördlichen Mittelpunkt.

Premier contact entre le centre méridional et le centre septentrional.

First contact between the Southern centre and the Northern centre.

(5) Erster Einfluss des südlichen auf den nördlichen Mittelpunkt.

Première influence du centre méridional sur le centre septentrional.

First influence of the Southern centre on the Northern centre.

(1) Wie sich der Schiffbau nach 1500 bewegt hat.

Évolution de l’architecture navale après 1500.

Way in which shipbuilding moved after 1500.

(2) 1500-1700. Niederlande.

1500-1700. Pays-Bas.

1500-1700. Netherlands.

(3) Städte des Hansabundes.

Villes de la ligue hanséatique.

Cities of the Hanseatic League.

(4) 1700-1800. Frankreich. Der theoretische Schiffbau.

1700-1800. La France. L’architecture navale théorique.

1700-1800. France. Theoretical shipbuilding.

(5) Die französische Bauweise trennt sich von der der Niederlande.

L’architecture navale française se sépare de celle des Pays-Bas.

French shipbuilding withdraws from that of the Netherlands.

(6) Nach 1800. England.

Après 1800. l’Angleterre.

After 1800. England.

I Friesche Friesische Type. Types Frisons. Frisian types. modellen. (Smacken, (Semaque, etc.) (Smack, etc.) (Smak, enz.) u. s. w.)

II Overijselsche Type von Types de Overysel types. modellen. Overysel. l’Overysel. (Somp. pegge, (Somp. Pegge, (Somp. pegge, (Somp. pegge, enz.) u. s. w.) etc.) etc.)

III B}Rijn }der Rhein }Le Rhin B}The Rhine o}(Dorstensche }(Aak B}(l’Aque de o}(Ake from v} aak). O} von Dorsten). o} Dorsten). v} Dorsten). e} b} v} e} IV n}Maas e}die Maas e}La Meuse n}The Meuse d}(Hedelsche r}(Aak von n}(l’Aque de d}(Ake from l} aak). l} Hedel). d} Hedel). l} Hedel). a} ä} l} a} V n}Maas n}die Maas a}La Meuse n}The Meuse d}(Whale majol).d}(Whale majol). n}(le Whale d}(The Whale e} e} d}majol). e} majol). r} r} e} r} VI s}Boven }der Oberrhein r}Le Rhin s}The Upper }Rijn }(der Keen). s}supérieur }Rhine }(Keen). }(der Keen). }(le Keen). }(Keen).