Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1

Part 12

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Neben diesen Typen bleibt das «Fluitschip» bestehen. Es erfährt indessen einige Abänderungen, die sich aus seiner Zweckbestimmung ergeben, und so entwickelt sich der «Noordvaerder» oder «Walvischvaerder» (Walfischfänger) und der «Oostvaerder» (Ostseeschiff).

Die kleinen «Spiegelschiffe», die übrigens eine weniger umfangreiche Takelung haben, erscheinen im 18. Jahrhundert unter dem Namen «Snauschepen».

Ferner werden zwei Type von Fischereifahrzeugen gebaut, mit grossen Abmessungen für die offene See; das sind die «Hoeker» (Huker) und die «Buys» (Büsen), die wir im Kapitel «Fischereifahrzeuge» wiederfinden.

Das Ausland gibt uns noch als Handelsschiff: die «Fregate» (Fregatte), während die «Kromstevens» oder «Boeiers» (Bujer) schon der französischen Marine nachgebildet sind.

Diese Schiffe erscheinen im 17. Jahrhundert infolge des Handelsverkehrs mit Rouen (~Witsen~, Seite 164, 2. Spalte).

Aus Verbindungen dieser Type unter sich und mit kleinen Typen entstehen neue Arten, die andere Namen tragen wie das «Boot» das nichts anderes ist, als eine kleine Fluit mit Hinterteil als «Draai-over-boord»; das «Hekboot» eine Verbindung der Pinasse und der Galiot; das «Katschip» gebaut nach dem «Bujer» und der «Fluit», und schliesslich der «Stokker», der ein Vorderteil wie ein Spiegelschiff und ein Hinterteil wie ein Huker hat.

Es ist natürlich schwer, eine genaue Trennung zwischen der grossen und kleinen Schiffahrt herzustellen, weil es viele Beispiele sogar von kleinen «Koffen» gibt, die nach Indien verfrachtet werden.

Indem wir die Grenze zwischen der grossen und kleinen Schiffahrt zogen, haben wir besonders die ursprüngliche Bestimmung der Schiffe im Auge gehabt.

B) _Für die kleine Schiffahrt._

Die grossen Type dieser Schiffe sind vertreten durch die «Galiot» und die «Galeasse» dann kommen das «Kuff» und die «Smak» (Schmack); zu der Familie der Schmacken gehören die «Damloopers» und die «Smalschepen» und die «Wijdschepen» sowie die «Friesche Turfschepen» (Torffahrzeuge von Friesland).

Sie stammen alle von demselben allgemeinen Typ ab und unterscheiden sich nur durch Einzelheiten, die eine Folge dieser oder jener örtlichen Notwendigkeit sind.

Die Familie der «Smakken» (Schmacken) hat die «Tjalken» entstehen lassen.

Die «Tjalken» findet man besonders in Friesland und Groningen. In der Provinz Holland nennt man sie infolge einiger kleiner Umänderungen «Schuiten» (Schuten). In Seeland, wo sie ein schmaleres Deck haben, nennt man sie «Poonen». In Nord-Holland führen sie den Namen «Jacht» (Yacht). Bei diesen ist entgegen den «Poonen» der Boden weniger breit als bei der «Tjalk».

Auf der belgischen Schelde sind sie etwas länger und heissen «Pleiten» während die kleineren dort «Otters» heissen. Ostfriesland zeigt uns dieselbe Familie: hier sind es die «Motten», die etwas an die «Kuffen» erinnern. Wir finden dort auch noch einen sehr alten Typ eines Handelsschiffs, das von den alten Fischerbarken abstammt; es heisst «Ever» und «Bremerkahn».

Daneben und unabhängig von der oben genannten Familie der «Tjalken» finden wir seit den ältesten Zeiten in Overyssel einen ganz allein stehenden Typ. Wenn man diese Schiffe im 17. Jahrhundert zur Zeit Witsens noch «Potten» und «Pujen» nennt, so findet man sie später und noch jetzt nach einigen kleinen Abänderungen unter dem Namen «Snijboon» (wörtlich Bohnen); daraus ist der «Praam» entstanden. Dieselbe Form, aber kleiner findet sich in dem «Somp» und der «Pegge».

Alle diese Schiffe unterscheiden sich von den «Schmacken» in baulicher Hinsicht dadurch, dass der Vorder- und Hintersteven spitz sind, während die «Schmacken» abgerundete Steven haben.

Auch hier fehlen die Kombinationen nicht. So gibt es «Koftjalken», «Praamaken» und «Aaktjalken».

Ferner sind zu erwähnen die «Boeiers» (Bujer), die indessen keine Aehnlichkeit mit den alten «Kromstevens» haben.

Endlich wollen wir noch die «Kraken» erwähnen, die jedoch nichts gemeinsames mit den spanischen «Karaken» haben. Es sind ganz einfach sehr feste «Tjalken», die etwas gradere Linien haben, d. h. die weniger Krümmung besitzen.

III.

DIE FÄHREN (BACS)

Als eigentliche Fähren sind nur anzuführen die «Pontons»; sie umfassen den «Gierpont» (fliegende Fähre, Gierbrücke); den «Kabelveerpont» (Kabelfähre); den «Jaagpont» (Pferdefähre); den «Halve Pont» (Segelponton); den «Pijper» (kleinen Ponton) und den «Overhaalpontje» (Nachen).

Es ist klar, dass man als Fähren jede Art Schiffe verwendet, z. B. den «Feerhengst», der zur Familie der «Hoogaarsen» (s. Fischereifahrzeuge) gehört, sowie die «Tjalken», die «Schuiten» und die «Poonen», alles Type, die wir schon kennen gelernt haben.

IV.

FAHRZEUGE FÜR VERSCHIEDENE ZWECKE, DIE KEINER DER VORGENANNTEN GRUPPEN ANGEHÖREN.

Es braucht nicht gesagt zu werden, dass unter den Gruppen I, II, III sich noch eine Menge kleiner Schiffe finden, die für örtliche Zwecke bestimmt sind und mehr oder weniger von derselben Grundgruppe abstammen, aber nach ihrer Bestimmung von einander abweichen.

Unter den wichtigsten nennen wir die «Bocken», die man sowohl in Holland wie in Friesland trifft. Zur selben Familie gehören die «Groningeraardappelpramen» (Prähme zur Beförderung von Kartoffeln nach Groningen).

Der «Snik», friesisches Fahrzeug mit einem etwas geneigteren Vordersteven; es gleicht darin ziemlich dem «Haarlemermeerplompertje» (kleines Schiff für das Haarlemermeer). Wenn der Hintersteven geneigter ist, so erhält man die «Westlanders».

Wenn diese letzteren einen Bordteil weniger haben wie die Baggerschiffe aus dem Haag, so werden sie zu «Bocken», die man aber nicht mit den vorher genannten verwechseln darf.

Im Norden von Overyssel, findet man noch bei Vollenhove ein kleines, sehr bekanntes Schiff, den «Punter», der wahrscheinlich aus der «Haringschuitje» (Barke zur Heringsfischerei) vom Zuiderzee stammt. Die «Groenteschuitje» von Hoorn die zur Gemüsebeförderung dient, ist ganz gleich gebaut. Sie ist schmal mit stark geneigtem Vorder- und Hintersteven.

Der gleiche Ursprung zeigt sich noch bei dem «Praam» von Utrecht und der _Krommen Rijnaak_. Diese sind indessen länger, wenn man ihre Breite berücksichtigt.

Ausser den vorgenannten Typen finden wir noch den «Snik» oder die _Gondel_ aus Nord-Holland, die sehr den «Oude Kinderdijksche Hoogaarsen» und auch der ganz alten «Vischschuit van Aalsmeer» (Fischerbarke von Aalsmeer) gleichen.

Ausser einer ganz ausserordentlichen Zahl von kleinen _Schauwen_, die nichts anderes sind als offene und flache Fähren, wie man sie schon auf den ältesten Stichen findet, begegnet man in Holland noch den «Schiedamschen Schauwen» oder den «Melken Spoelingschuiten» (Barken zur Beförderung von Milch und Trebern). Es sind dies lange und flache Barken mit einem glatten Vorder- und Hinterteil.

Eine besondere Familie wird durch die «Barges» (Barken) und «Trekschuiten» gebildet (getreidelte Barken); diese sind in den ganzen Niederlanden verbreitet. Sie gleichen sich fast alle, da sie, aus Holland stammend, sich nur in dem übrigen Teil des Landes verbreitet haben, in dem Masse, wie Kanäle gebaut wurden.

Besonders in der Provinz Drenthe ist die «Trekschuit» noch sehr gebräuchlich. Der Bau der Eisenbahnen und Strassenbahnen wird sie indessen allmählich verschwinden lassen. Einen wichtigen Platz nehmen bei uns die _Baggeraken_ ein (Baggerschiffe).

Uebrigens erfordert die besondere Beschaffenheit unserer Flüsse und Meeresarme fortwährende Baggerungen, um die Häfen und Schiffahrtsstrassen auf der richtigen Tiefe zu halten. Wir dürfen hierbei nicht an unsere modernen Bagger denken, sondern an die «Hand- oder Hijschbeugel» (Handbagger), das älteste bekannte Werkzeug zur Beseitigung des Baggergutes.

Die hierzu verwendeten Fahrzeuge heissen im allgemeinen «Baggeraken» obgleich sie sich oft sehr von einander unterscheiden. Der bekannteste Typ ist die _Vlet-_ oder _Baggeraak_, auch _Sliedrechtsche Aak_ genannt.

Man verwendet hierzu noch viel die «Boeieraken» (Bujeraken). Sie gehören alle zur Klasse der abgerundeten Schiffe. Einen besonderen Typ findet man in Dordrecht, nämlich den _Vreeswijkschen Zandlichter_ (Sandleichter) und die Dortsche _Zantschuit_ (Sandschute) (Barken zum Sandbaggern), die unter sich viel Ähnlichkeit haben.

Die letzteren dienten fast ausschliesslich zum Baggern von Ballast für die Seeschiffe. Sie sind jetzt bis auf einige Exemplare verschwunden. Im Westen und in der Rheingegend verwendet man zum Baggern und zur Beseitigung des Dünensandes fast ausschliesslich die _Bokken_, die in der Form den «Westlanders» gleichen. Sie haben einen Bordteil weniger. In der Provinz Utrecht gebraucht man hierzu die _Slijkpramen_ (Schlickprähme), entsprechend der «Krommen Rijnaak», (Krummen Rheinaak) dem allgemeinen Typ von Utrecht; in Groningen erfolgt dagegen die Beförderung von Schlick durch den «Groninger Slijkpraam» oder «Vlotpraam», ein schmales, aber bauchiges Fahrzeug, das nichts gemeinsam hat mit dem «Overysselschen Praam», der ihm übrigens in keiner Weise gleicht. Der Vorläufer unserer Bagger ist der alte _Moddermolen_ oder das «Moddermolenschip» (wörtlich Schlammühlenschiff), das seit 1575 vor Amsterdam verwendet wurde. Noch sind als sehr alt zu nennen die _Zolderschuiten_ und die _Schauwen_, die wir heute «Bakken» nennen würden. Im Jahre 1829 versieht man sie mit Bodenklappen, woraus sich die _Klepschauwen_ oder _Onderlossers_ ergeben (wörtlich: Schiffe, die sich vom Boden aus entleeren).

Schliesslich haben wir noch die Vergnügungsfahrzeuge oder Segelyachten, für welche man als holländischen Typ die _Boeierjacht_ (Bujeryacht) (Südholland) und den «Tjotter» (Friesland) verwendet.

Es ist zu bemerken, dass man sie, wenn man von Vergnügungsfahrzeugen spricht, meistens «Yacht» nennt, obwohl das Schiff gewöhnlich nicht einer Yacht gleicht. Der Name bezeichnet nicht immer den Typ.

V.

SCHIFFE, DIE DEN OBERLAUF DER FLÜSSE BEFAHREN. BOVENLANDERS (OBERLÄNDER).

Alle Schiffe, die die Oberläufe der Ströme besuchen, führen den gemeinsamen Namen «Bovenlanders» (Oberländerschiffe) ohne Rücksicht auf die Form des Schiffes. Diese Schiffe haben im allgemeinen selten Interesse erregt; auch ~Witsen~ sagt hierüber nur einige Worte und nennt sie einfach «Aaken und Samoreuzen» (Seite 170, 2. Spalte); ~Van Yk~ führt diese letzteren ebenfalls an. (Seite 318.)

Diese Schiffe sind indessen sehr interessant.

A) _Rheinschiffe_ (Schiffe vom unteren Rhein).

Die Rheinschiffe sind nicht von einheitlichem Typ. Diejenigen, die den Unterlauf des Flusses befahren (unterhalb Bonn) unterscheiden sich von denjenigen, die auf dem Oberrhein und seinen Nebenflüssen verkehren; eine Ausnahme bildet ein kleines Schiff, das man auf dem Neckar findet und das der Gruppe entspricht, die den Unterlauf befährt. Der Grundtyp der Unterlaufabteilung wird dargestellt durch die _Dorstensche Aak_. Die Dorstensche Aak hat das _Stevenschip_ entstehen lassen.

Diese Type, die aus dem mittleren Westdeutschland, mit Dorsten etwa als Mittelpunkt stammen, sind in unser Land übergegangen und finden sich dort seit langer Zeit. So spricht man im 17. Jahrhundert von den «Gelderschen Samoreuzen». Man sieht sie noch gut oder schlecht auf alten Stichen abgebildet. Wir finden sie auf dem unteren Rhein und dem Waal unter der Bezeichnung _Hollandsche Aken_ und _Stevenschepen_ (Stevenschiffe), während man sie noch heute im Westen von Nordbrabant baut, wo sie auch zu allen Zeiten vorhanden waren.

Diese Schiffstype sind also aus dem Westen Deutschlands (Westfalen) zu uns gekommen, durch den Unterrhein und den Waal und vom Nordwesten von Nordbrabant. Man sieht sie nicht auf der Maas und dem unteren Waal ungefähr unterhalb von Tiel. Man baute diese Aken im kleinen längs der Merwede und hier und da in Holland, wo man den Typ in dem alten «Turfeiker» (Torfkahn) wiederfindet, dessen Rumpf mit Überlappung gebaut ist und der wahrscheinlich jetzt ganz verschwunden ist. Der Rumpf aller dieser Fahrzeuge war anfangs mit Überlappung gebaut; wir finden hier also die alte Bauart der Ostsee wieder. Sie sind alle wie die «Bovenlanders» lang und schmal mit flachem Boden.

B) _Maasschiffe._

Die Maas-Schiffe, ebenfalls lang und schmal, stellen auch einen ganz anderen Typ dar, der sich völlig von den obengenannten Rheintypen unterscheidet.

Als Grundtyp nennen wir den _Whalemajol_; dann kommen _Whalepont_ und _Maaspont_, dann kleiner der _Spitsbek_ und endlich die _Herna_. Alle diese Type sieht man auf der ganzen belgischen Maas bis Ruremonde. Auf der unteren Maas findet man in den Niederlanden Schiffe von kleineren Abmessungen, genannt _Bovenmaasche Aak_ oder _Hedelsche Aak_, die auch noch viel als Baggerprahme verwendet werden. Sie weichen in der Form von den obengenannten Maasschiffen ab; sie stammen jedoch von ihnen her. Das Steuerruder entspricht aber mehr dem System der Rheinschiffe, die oberhalb Bonns verkehren.

C) _Oberrheinschiffe._

Schiffe von oberhalb Bonn, einschliesslich der Gegend westlich vom Rhein und östlich der _Maas_. Hier sind als Grundtyp anzuführen der _Keen_, neben ihm die _Keenaak_ und ein Schiff neueren Datums, der _Slof_.

Einer dieser Type wurde im 19. Jahrhundert in ’s Gravenmoor eingeführt, weil er sehr geeignet schien, zur Ausnutzung der Weiden des Biesbosches; aber er hat dabei schon verschiedene Abänderungen erfahren, infolge des Wechsels des Hinterteils und des Steuers.

Keiner dieser Type stammt aus den Niederlanden.

Der «Hagenaak» wie der «Turfeiker» entsprechen der «Dortenschen Aak».

Endlich findet man auf diesem Teil des Rheines wie auf der Maas ein Schiff, das erst aus dem 19. Jahrhundert stammt und das _Bunder_ genannt wird.

Ausser dem Bunder haben auch die unter C aufgeführten Type einen Rumpf, der klinkerweise gebaut ist (mit Überlappung). Die unter B genannten müssen ehemals einen klinkerweise gebauten Rumpf gehabt haben, nach den Erklärungen alter Schiffer und nach dem, was aus einem alten Bild von Whalemajol aus der Sammlung des Herrn van Gijn hervorgeht, sowie aus einem Stein vom Ende des 18. Jahrhunderts, der in der Vorderseite eines Hauses der St-Pieterstraat in Maastricht angebracht ist und eine «Herna» darstellt. Es lässt sich nicht feststellen ob die glatten Schiffsrümpfe und die mit überlappender Beplankung gleichzeitig bestanden haben oder ob die ersteren neueren Datums sind. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Schiffsrümpfe mit überlappender Beplankung die älteren sind.

Es ist sonderbar, dass ein der «Herna» sehr ähnlicher Typ sich im Adriatischen Meer findet, nämlich die _Rascona_, die in dem bekannten Werke von ~Paris~ beschrieben und dargestellt ist (Bd. 2, Nr. 86); dies Schiff wird noch mit dem alten «Stuurriem» (Steuerruder) gelenkt.

VI.

FISCHEREIFAHRZEUGE.

A) _Für die grosse Fischerei._ -- Als alter holländischer Schiffstyp zum grossen Fischfang ist zu nennen die _Buys_ (Büse) und der _Hoeker_ (Huker), sowie die _Schollenschute_, die _Bazaanschute_ und der _Zwarte Waalsche Gaffelaar_.

Die beiden ersteren haben die _Hukerbüse_ und den _Kwee_ hervorgebracht.

Von Frankreich ist zu uns gekommen die «Sloep» (Schaluppe) und der «Logger» (Lugger), ferner der «Rotter» (Rutter). Unter den Schiffen für die Grossfischerei sind noch die Walfischfänger zu erwähnen, für die man früher die _Noortsvaerders_ verwendete, die zum Typ der bei den Handelsschiffen schon genannten «Fluitschepen» (Flüten) gehören.

Das älteste zu dieser Gruppe gehörige Schiff ist der _Egmonder Pink_, aus dem der _Bom_ und die _Garnalen-Schuit_ (Krabbenbarke) von kleinsten Abmessungen entstanden sind. Die drei ersten Type sind so gebaut, dass sie auf den Strand gezogen werden können. Nach Fertigstellung des Fischerei-Hafens von Scheveningen ist ein neuer Typ aus dem Logger und dem Bom entstanden, der Loggerbom oder Lelybom heisst.

B) _Für die kleine Fischerei._ -- Die ungeheure Mehrzahl der Fischereifahrzeuge ist für den gewöhnlichen oder kleinen Fischfang bestimmt. Ihre Masse waren früher viel kleiner als die der vorigen Gruppe. (Augenblicklich baut man grössere, abgesehen von den «Garnaalschuitjes».) Ihre Namen sind unzählig und so verschieden, dass sie durchaus keinen Begriff von der Form und der Art der Schiffe geben.

Die Grundtype sind: _a_) die _Schocker_, d. h. die Schiffstype, die nach dem Muster der Schocker gebaut sind, zu denen auch die Wierschuitje und die Steekschuit, der Hengst und der Hoogaars gehören.

Wie wir bei den meisten Schiffstypen «Aken» getroffen haben, z. B. die «Aaktjalk», so finden wir auch «Aken» in der Klasse, die uns beschäftigt; sie heisst die _Tholensche Schouw_ (Schauw).

Dies Schiff zeigt auch viel Ähnlichkeit mit der _Beyerlandschen Schute_ und stellt gewissermassen eine Übergangsform zu der _Fischbujeraak_ dar.

_b_) Die _Botters_ und die _Vollendammer Kwak_, die _Ronse_ und die _Plute_ sowie die _Platje von Maassluis_.

Als dritte Gruppe haben wir ein kleines kurzes und rundes Schiff, dessen Vorbild _c_) der _Knots von Antwerpen_ ist. Zur selben Gruppe gehören die «Bolle» und die «Lemmerjacht» oder «Lemmeraak»; endlich als vierte Gruppe ein Typ mit stark geneigtem Hintersteven und Vordersteven; das sind _d_) die _Haringschuitjes_ (Heringsschuten), zu denen auch der sehr verbreitete _Punter_ gehört.

Endlich möchten wir einige Type von kleinen Fischereifahrzeugen nennen, die ausschliesslich unsere Binnenflüsse und Kanäle befahren und von denen viele noch mehr oder weniger deutliche Ähnlichkeiten mit den unter den Buchstaben _a_ bis _d_ aufgeführten haben.

Hier nennen wir die _Fischerschute von Alsmeerj_, die _Gondel_, den _kleinen Fischerbujer_, die _Woudrichemsche Fischschute_, die _Prikschute_, die _Steekschute von dem Biesbosch_ und die _Strooperschute_.

Alle Arten von Ruderbooten der verschiedensten Type sowie die alten nicht mehr seetüchtigen Botter und die gewöhnlichen Schocker der Zuidersee finden zum Fischfang auf den schiffbaren Binnenwasserstrassen Verwendung.

[19] Die Schiffe, die Holz vom Norden bringen, laden am meisten, wenn sie sich der rechteckigen Form nähern; diejenigen, welche Getreide und Stückgüter befördern, wenn sie abgerundet und stark gewölbt sind. Die Schiffe des Nordens und von Indien, die schwere Waren bringen, sind im allgemeinen grösser als die, welche Stückgüter, Wein u. s. w. befördern, wie übrigens auch die Schiffe, die Salz befördern.

[20] Berücksichtigt man dagegen, dass wegen der Untiefen und der besseren Beladung alle Schiffe sich mehr und mehr der rechteckigen Form nähern, so sieht man, dass man jetzt nicht mehr so viele Unterschiede zwischen den verschiedenen Schiffsformen findet wie früher. Denn eine moderne, gutgebaute Kag wird an Tragfähigkeit dem Schmalschiff wenig nachgeben, das ihr an Länge, Breite und Tiefgang gleicht. Und die Damschute, die gut gebaut ist, kann auch mit dem «Damlooper» in Wettbewerb treten.

[21] Die Wölbung dieser Schiffe vorn und hinten war dem Schiffer dadurch nützlich, dass er mehr laden konnte, als das Eichmass angab.

[22] «Wenn eine von einer Kugel unter der Wasserlinie gerissene Bresche nicht von innen verstopft werden kann, z. B. weil die Ladung die Arbeiten behindert, so setzt man ausserhalb des Schiffes einen Mann auf eine Planke, an der ein Schiffshaken befestigt ist, mit dem er unter Wasser geholt werden kann, um das Loch zu verstopfen. Man steckt ihm einen ölgetränkten Lappen in den Mund, damit das Wasser nicht in seinen Körper gelangen kann.»

[23] Er (der Luierwagen) dient dazu, die Ruderpinne an ihrem vorderen Teil zu stützen, aber auch der Kraft zu widerstehen, die der Steuermann auf den Helmstock des Steuerruders ausübt.

[24] Draai-over-boord heisst Dreh-über-Bord, d. h. die Pinne konnte sich über Bord drehen, wie bei unseren neuzeitlichen Binnenschiffen.

BESCHREIBUNG DER SCHIFFSTYPE.

[Sidenote: III 3]

[Sidenote: III 6]

Wir haben den Zeichnungen einige Skizzen nach den alten Stichen und Beschreibungen beigegeben. Sie geben uns eine Vorstellung von der Entwickelung des Schiffs von 1200 bis einschliesslich 1600. Wir verweisen bezüglich ihrer Beschreibung auf die vorhergehenden Kapitel. Die Zeichnungen, welche sich auf die nach 1600 liegende Zeit beziehen, sind alle nach Ausführungszeichnungen angefertigt.

Wie wiederholt hervorgehoben ist, muss man die alten Formen in den kleinen Typen suchen. Die Kriegsschiffe werden also nicht in Betracht gezogen werden, während die grossen Handelsschiffe nur nebenbei erwähnt werden.

DIE PINASSE.

[Sidenote: II 146]

[Sidenote: III 8]

[Sidenote: III 9]

Das Pinasschip (die Pinasse). Dies ist das älteste Schiff, von dem wir eine genaue Beschreibung besitzen. Es stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und verschwindet am Ende dieses Jahrhunderts. Dieses Schiff hatte einen sehr schrägstehenden Vordersteven mit einem sehr entwickelten Galion und einem Hinterteil mit Spiegel. Der Spiegel und das Galion kommen zu uns vom Süden; übrigens stammt dies Schiff von denen des 16. Jahrhunderts her; seine Abmessungen sind indessen grösser; auch trägt es Kanonen.

DAS FLIBÔT

[Sidenote: II 148]

[Sidenote: II 19]

Das Vlieboot (Flibôt) findet man schon im Jahre 1600; es ist stark gewölbt und hat ein schmales Deck. Von diesem Typ stammt nach 1600 die «Fluit» (Flüte), die noch gewölbter ist wegen der Art der Schiffsvermessung in Dänemark.

Eine gewöhnliche Flüte hat 130 Fuss Länge, 26½ Fuss Breite und 13 Fuss 5 Zoll Tiefe. Die Flüte hat vorn kein Galion. Später baut man indessen grössere mit Galion, in Nachahmung der «Spiegelschepen» (Spiegelschiffe).

Man verwendet sie zu verschiedenen Zwecken und sie erfahren aus diesem Grunde einige Umänderungen. So ist die «Fluit von Indien» fester gebaut als die, die den Verkehr mit den Ostseehäfen besorgt. Wir wollen unter anderem bemerken, dass die Drahtseile der Rusten verdoppelt werden, um die Takelage zu verstärken, während hinten ihre Ausladungen grösser sind, um geräumigere Kabinen zu erhalten. Mit Rücksicht auf diese Vergrösserung verstärkt man sie im Innern durch Rippen und Eisenbänder. (~Witsen~, S. 159.)

Am Anfang des 17. Jahrhunderts, bis zum Jahre 1640 werden diese Schiffe und im allgemeinen alle indischen Schiffe vorn offen gebaut ohne Wohnräume. Die Hängematten und Betten der Schiffsmannschaft werden bald hier bald dort an der Bordwand angebracht.

Die «Fluiten» sind als gute Segler bekannt. Infolge ihres schmalen Baues geben sie dem Wind wenig Angriffsfläche. Es sind Dreimaster mit der wohlbekannten Takelung des 17. Jahrhunderts.

Die «Fluiten», welche die Ostsee besuchen, um dort Getreide zu holen, sind etwas kleiner als die vorigen; man nennt sie «Oostvaerder oder Oostervaerder». Ihre Abmessungen sind die folgenden: Länge 125 Fuss; Breite 25 Fuss; Tiefe 12 Fuss oder auch 115,23 ½ und 11,5 Fuss oder auch 100,22 und 11 Fuss; sie können laden 200, 150, 100 Last (eine Last gleich 2 Tonnen). Die Mehrzahl hat ein Galionsdeck. Wir können uns einen Begriff von dem Umfang unseres Verkehrs zur Ostsee machen, wenn wir erwähnen, dass im Jahre 1604 400 «Oostvaerders» sich gleichzeitig vor Amsterdam befanden. Innerhalb zwei Wochen werden sie entladen, beladen und sind wieder bereit, in See zu stechen. (~Witsen~, S. 448.)

Die «Noordvaerders» oder «Noortsvaerders» sind auch Flüten, die zwei Fuss mehr an Tiefe haben als die Oostvaerders, weil sie mehr Fassungskraft haben müssen, um Holz zu laden, das sie aus Norwegen holen. (~Witsen~, S. 160.) Ihre Breite beträgt im allgemeinen ⅕ der Länge. Sie sind ganz wie die Oostvaerders massiv und solid. (~Witsen~, S. 53.) Sie haben kein Galionsdeck. Im allgemeinen haben wegen der häufigen Kriege die Schiffe, die die Ostsee besuchen, weniger starke Mannschaften als die, die den Verkehr mit dem Westen besorgen. (~Witsen~, S. 160.)

DAS KATZENSCHIFF (Katschip).

[Sidenote: II 217]