Part 2
Es ist ja gewiß recht dumm, aber man muß darüber lachen. Und so sind sie immer. In der Schule fragte der Lehrer, was man unter „Schmarotzer“ verstehe -- nach meiner Ansicht nichts, was man den Kindern beizubringen braucht! -- Keiner in der Klasse konnte diese Frage beantworten, außer Pontus, der einen Finger hochhielt (das Schäfchen) und sich dann äußerte: „Ja, das sind solche, die immer im Sommer zum Besuch kommen, wenn man auf dem Lande wohnt“ ... Als mir dies erzählt wurde, lachte ich wahrlich nicht.
Ein anderes Mal gab Lisbeth folgendes zum besten: „Ich hatte gestern Namenstag und ~Pontus~ heute, wir sind beinahe Zwillinge.“
Also -- um auf meine Hütte zurückzukommen, können wir ja auch so tun, als wäre draußen ein Platzregen und wir müßten in der „guten Stube“ Kaffee trinken.
Diese Stube ist der Tempel der Faulheit.
Hier auf dem Sofa hat vorhin ein Mann seine vor Faulheit gebrochenen Glieder ausgestreckt und sowohl seinen Körper als seinen Geist in wonnigem Nichtstun gedehnt; und dieser Mann schämt sich jetzt, hier einem -- nehmen wir an -- ~großen~ Publikum solches zu beichten.
Es ist mir wahrlich, wenn die Gewissensbisse zuweilen sehr schlimm sind, ein großer Trost, zu wissen, daß mein Hund ~noch~ fauler ist als sein Herr.
Außer der Faulheit und der Treue teilt er mit mir noch eine Eigenschaft, nämlich seine Vorliebe für Hühner. Er kann kein Huhn sehen, ohne sofort hinter ihm herzulaufen, und trotz meiner energischen Kommandorufe, welche meine ganze Willenskraft und meinen vollen Zorn in sich vereinen, ist das Huhn mit einem Biß ins Jenseits befördert. So, als hätte es nie existiert.
Ich versuche jedesmal, ihm die Untugend durch eine gehörige Tracht Prügel auszutreiben. Aber es hilft nichts. Da sagte mir so ein Weiser, wie sie uns mitunter auf unserm Lebenspfade begegnen, daß es nichts leichteres gäbe, als dem abzuhelfen.
„Binde dem Hund das totgebissene Huhn um den Hals, und wenn es da gehangen hat, bis es anfängt, übel zu riechen, da, glaube ich, hat der Hund für alle Zeiten den Geschmack an Hühnern verloren.“
Kaum war der Rat erteilt und von mir angenommen, als ich die wilde Jagd in Hauptmann Linderdahls Hühnerhof hörte. Es war ein außerordentlich fettes, gesprenkeltes Huhn, welches sein Leben hatte hergeben müssen. Ich befolgte den Rat des Weisen, und führte das arme Hundevieh so ausgestattet an einer Kette durch das ganze Dorf. Hin und wieder gab ich ihm einen kleinen Hieb, um ihm meine Absicht begreiflicher zu machen.
Etwas so Jämmerliches sah die Welt noch nie. Die ganze Bevölkerung war Zeuge dieser schandbaren Prozession. Das Huhn zwischen den Vorderbeinen, mit eingezogenem Schwanz und düsterem Blick, so wurde der Hund vorwärts getrieben. Das Jungenspack jubelte. Mein Herz krümmte sich. Endlich, zu Hause angelangt, wurde er an die Kette gelegt.
Als ich nach einer Weile herauskam, um mich voller Grausamkeit in aller Stille an seiner Schmach zu weiden ... war das Huhn bis auf den letzten Rest verzehrt, und Kapo kam auf mich zu voller Dankbarkeit, mit dem Schwanze wedelnd, um mir verständlich zu machen, wie ~ausgezeichnet~ ihm das Huhn geschmeckt habe.
Du reizender Kapo! Du verwöhnter Liebling der Familie!
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Da Suzanne gerade im Salon ist bei ihren geliebten Blumen, nehme ich die Gelegenheit wahr, eine oft an mich gerichtete Frage zu beantworten, nämlich die, ob meine Kinder „Talente besitzen“. Gar keine! Sie sind, Gott sei Dank, so wie die Leute im allgemeinen. Anfangs glaubte man, daß Suzanne eine Künstlerin werden würde. Diese Meinung kam auf, nachdem sie dieses und ähnliche Bilder vollbracht hatte:
Seitdem haben alle die andern Kinder auch Figuren gezeichnet, und immer sollten sie Papa und Mama vorstellen.
Als ich klein war, zeichnete ich nur Offiziere und Birnen, das war wohl das, was mir am besten gefiel. Und mit diesem Fünkchen Talent habe ich es allmählich soweit gebracht, daß ich richtige Bilder male, die mir meine Freunde abkaufen.
* * * * *
Bitte, sei so gut und tritt näher in mein Atelier! Wenn ich jemand da hineinkomplimentiere, so geschieht das nur aus purer Höflichkeit und mit dem geheimen Wunsch, daß Betreffender irgend einen Grund finden möge, dieser Einladung ~nicht~ Folge zu leisten.
Denn es ist für beide Teile angenehmer, wenn ich bei der Atelierbesichtigung nicht zugegen bin, damit die Leute ungestört und nach Herzenslust darin kritisieren können. Sie dürfen meinetwegen herzlich gern „finden“, so viel und was sie wollen.
Es ist unmöglich, allen zu gefallen. Wer ~den~ Versuch macht, der gefällt keinem, schrieb mir mal der selige Professor Scholander. Also, Du wirst mir eben so lieb sein, auch wenn Dir meine Kunst kein Vergnügen bereitet, aber sei um alles in der Welt nicht ~bös~, weil ich nicht ganz nach Deinem Geschmack malen kann; -- so etwas war auch schon da. -- Denn dann finde ich, daß Du ein wenig dumm und sehr ungerecht bist.
Zurzeit ist es kein Risiko, einen Blick hineinzuwerfen. Es steht weiter nichts drin als eine alte Studie von Lisbeth und eine Skizze zu einem der Wandgemälde für die Mädchenschule in Gotenburg. Es ist die alte Anna, die dort als Modell für eine Hausfrau aus dem fünfzehnten Jahrhundert sitzt.
Die Anna gehört nicht zu meinen Verehrerinnen, sie findet, daß ich sie so alt „abmale“: und sie ist doch ~nur~ neunundsechzig Jahre alt (wie sie sagt).
Ihr verdanke ich die Entdeckung, daß die Hütte ihr Gespenst hat. Eigentlich muß man Kapo die Ehre dieser Entdeckung lassen. „Denn die Tiere sehen, was unseren Blicken verborgen ist,“ so sagt wenigstens Anna. Während der langen Wintermonate, die wir in Stockholm verbringen, wird die Hütte von Anna und Kapo versorgt und bewacht. Eines Nachts fuhr Kapo aus dem Schlaf, zitternd, bellend und winselnd, und das, was die Alte da über den Fußboden schreiten sah --, ja, das war das Gespenst der Hütte! Jetzt kennt und weiß es die ganze Gemeinde; und hat seitdem um die Weihnachtszeit, während der wir stets in Sundborn sind, irgend einer der Dorfbewohner etwas bei uns zu suchen, so benutzt er sicherlich die kurze Zeit am Tage, wo es noch hell ist, um die Hütte nicht nach Eintritt der Dunkelheit betreten zu müssen.
Ja, auch ich habe das Gespenst wohl bestimmt ~gehört~. Aber ~gesehen~ hab’ ich es nie.
Als ich meinen Kindern einmal erzählte, daß es aussehe wie eine alte magere Frau, in einer Mütze mit langen Bändern unter dem Kinn -- uhh -- mit, man weiß nicht was -- uuhh -- in ihrer gestreiften Schürze, da schrieen sie mir alle, wie aus einem Munde entgegen: „Nein, so sieht es ganz und ~gar nicht~ aus. ~Es ist ein schwarzer Mann mit glühenden Augen!~“ Ich muß wirklich gestehen, daß ich mich furchtbar schämte darüber, daß ich so wenig über das Aussehen meines eigenen Gespenstes orientiert war! Meinetwegen darf es ja freilich aussehen wie es will; ich sage nur, „Gott segne es, weil es so viel dazu beigetragen hat, die Poesie der Hütte zu erhöhen“.
Aber, wir wollten uns ja im Atelier umsehen: Du siehst einen alten gestützten Tisch, der einige Jahrhunderte hindurch wohl noch ausreichen wird. Auf dem kolossalen, alten Lehnstuhl dort, der sicherlich wenigstens zwei Jahrhunderte hinter sich hat, habe ich gesessen und alle die Bilder gezeichnet für „Sehlstedts Lieder“ und Victor Rydbergs „Singoalla“. Er leistet einem ordentlich Gesellschaft, denn er spricht und räsonniert während der ganzen Zeit, die man dasitzt, vor sich hin. Er hat die gleichen Eigenheiten und Manieren, wie die meisten Alten.
„Du warst ein Windhund und Durchgänger, Carl Larsson,“ sagt er, „glaube nur, ich weiß schon Bescheid über Deine Vergangenheit. Du bist ein ganz verwöhnter Schlingel, der immer gelobt wurde, statt etwas auf die Finger zu bekommen. Und wie unverschämt Du ältere Leute wie mich behandelst! Es geschieht Dir ganz recht, wenn Du jetzt getadelt wirst, gerade, wenn Du ~versuchst~, etwas Ehrbares aus Dir zu machen. Und jammerst Du auch etwas, so verringert das doch keineswegs Deine große Schuld. Sei dankbar für die Schläge, Tunichtgut!“ ...
Ho, ho, ist das ein alter Nörgler. Mitunter wird er so unangenehm, daß ich fortgehen muß. Dann wird er ganz still und verlegen. Im Grunde genommen mag er mich wohl doch ganz gern leiden. Das habe ich gemerkt, wenn ich zuweilen in einem Augenblicke tiefsten Mißmuts meinen Kopf an seine eine Seitenlehne legte, denn da fühlte ich es so weich und sanft. Und deutlich hörte ich ihn dann murmeln: „Weine Dich ruhig aus, mein Junge, aber nimm Dich in acht, daß es niemand merkt!“
Vielleicht ist es unfein von mir, das Verhältnis zwischen dem alten Lehnstuhl und mir der Öffentlichkeit preiszugeben. Aber nein, wieso!
Am Paneel läuft ein Wandfries entlang, der das Leben des Erlösers darstellt. Es ist ein im vorigen Jahrhundert gemaltes Bauerngemälde aus der Provinz Halland. Alle Personen außer Christus selbst, in der damaligen Tracht jenes Landes. Es besitzt dieselbe ursprüngliche Naivität und Grazie wie Giottos Fresken, aber für mich hat es ein weit höheres Interesse.
Diese schwedischen Bauernmaler aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts sind es, die mir, ich gestehe es offen ein, als Vorbild dienen. Denke zum Beispiel an die alten Gemälde, die man in den Bauernhöfen hier in Dalarna oder in Norrland findet. So ein tiefes, ernstes Gefühl, gepaart mit einem so drastischen, gesunden Humor. Und welch’ nationales Stilgefühl! Sie sind für mich ein weit kostbarerer Schatz, als es die Erzgrube von Gellivara jemals für jemanden werden kann.
So, jetzt machen wir kehrt. Du wunderst Dich über die hohe Säule an dem Sofa. Das ist mein Farbenschrank, richtig schlau eingerichtet, mit Fächern und Namen der Farben versehen; obendrauf sitzt ein Mann, nach meiner Zeichnung von Tischlermeister Bergström ausgesägt. Auf die Schiebetür habe ich mein Teuerstes (~meine~ Karin) gemalt.
Seit einiger Zeit bin ich damit beschäftigt, mir einen richtigen, großen Kasten von Atelier zu bauen, mit Nordlicht und viel Platz, damit man sich ordentlich darin bewegen kann. Seitdem nun dieses seiner ursprünglichen Bestimmung entzogen ist, nennt man das neue nur noch ~das~ Atelier. Das, in dem wir uns jetzt befinden, hat nach und nach einen ganz anderen Charakter angenommen und ist der Arbeitssaal der Kinder geworden. Die Jungens hobeln und hämmern, und Suzanne webt darin.
Hier pflegen wir den Weihnachtsheiligabend zu feiern. Und dann ist hier echte Weihnachtsstimmung, mit den beiden Alten und all den Kindern und den netten Dienerinnen und dem braven Johann. Und hier sitze ich wie ein Patriarch und verteile alle „Julklapps“. Von allen für alle. Im Kamin knistert und knastert das lange Klafterholz, und mitten im Saal steht die schönste der Tannen, die wir am Morgen aus dem Walde geholt haben.
Du herrliches Weihnachtsfest hier oben im hohen Norden. Wie rein und heilig du bist!
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Übrigens bei dieser kleinen Vignette will ich Dich einen Augenblick mit hinausnehmen auf den Hof. Da war, als wir hierher kamen, nicht viel Grünes zu sehen. Aber ich schaffte die Schlacken hier und da beiseite, kaufte gute Muttererde, womit ich die Gräben ausfüllte, und setzte Pflänzlinge von Birken, Linden, Kastanien, Weiden, Weißdorn, Berberitzen und anderen „dummen Ziersträuchern“, Erlen, Holunder, Faulbaum, Espen, ja sogar Eichen, Apfelbäume, Jasmin, Rosen, Stachel- und Johannisbeersträucher, eine kleine Fichte und eine kleine Kiefer. Diese kleine Zeichnung stellt die zuletzt genannte dar, wie sie im Winter aussieht, geschützt durch einige lange Klafterhölzer. Alle sind gut gediehen, nur diese eine nicht. Sie steht jetzt im achten Jahr und lebt ihr kleines, elendes Leben, aber sie ist mein liebstes Kind. Jeden Morgen besuche ich sie zuerst, um zu sehen, ob sie nicht über Nacht etwas gewachsen ist.
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Anna und die Köchin sind zwei Potentaten, denen es schwer wird, sich unter einer Decke wohlzufühlen. Unter der Küchendecke nämlich.
Die Alte will im Winter dort in der Wärme wohnen, und wenn ihr Bett herausgeschleppt wird und Emma hineinzieht, wird es ihr jedesmal von neuem schwer. Darüber sind sie sich aber einig, daß die Küche der einzige, noch „vernünftige Raum“ im Hause ist. Diese Küche ist nämlich außerordentlich stillos, aber sauber und für ihre Zwecke einigermaßen gemütlich geordnet. Eines Winters sollte während unserer Abwesenheit etwas renoviert werden, da nahmen sie die Gelegenheit wahr, den alten, aus gewaltigen Steinblöcken gemauerten Herd beiseite zu schaffen, um statt dessen diesen lächerlich-jämmerlichen Eisenkasten hinzustellen, geschmückt mit Ornamenten, schaurigen, gefühllosen Schnörkeln, und (-- schöner Gedanke, woher bekamst du ihn, du Bosinders Mechanische Werkstatt?) -- Thorwaldsens „Nacht!“
Diese Eisenblechbepanzerung statt des alten, gemauerten Herdmantels! -- Zuerst, als ich diesen Vandalismus entdeckte, war ich alles andere, als gut gelaunt. Um die heiligen Steine des Herdes zu retten, baute ich aus ihnen zwischen zwei Kirschsträuchern im Garten eine Bank und einen Tisch, wo wir im Sommer unsern Nachmittagskaffee zu trinken pflegen.
In der Küche seht ihr meine älteste und meine jüngste Tochter mit Buttern beschäftigt. Denke mal an, wie gut für Suzanne, Kerstis sichere und feste Unterstützung zu genießen! Willst Du wissen, wie das kleine Kätzchen heißt? Es heißt Hans.
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Die entzückendsten Szenen aber spielen sich im Schlafzimmer der Kinder ab. Karins Vergleich mit dem Theater war kein Zufall.
Über dieses Zimmer äußerte sich einst Tante Emmy, als ich (um mehr Luft zu bekommen) das feine platte Dach herunter gehauen, ein Seitenfenster zugebaut, kleine Fensterscheiben in der Vorderwand angebracht und die fast neuen Tapeten mit einem weißen Anstrich versehen hatte, daß ~sie~ auf keinen Fall in einem solchen Gefängnisloch schlafen möchte.
Nein, Tantchen, wiederhole das nicht noch einmal!
Ihr seht doch, daß es auf dem Bilde ein Sonntagmorgen ist. Es heißt, es ~wurde~ ein solcher. Mein geliebtes Weib war soeben nach einer schweren und ernsten Krankheit vom Tode errettet. Sie hatte die Kinder wieder zu sich hereinbekommen; und da so alles wieder Glück und Freude war, verbreitete dieser Glücksschein seinen goldenen Schimmer sowohl über die Kinderschar wie über die Wände und die Decke.
Das leuchtet Euch doch gewiß ein.
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Unter der Hütte hausen Ratten und eine Ameisengemeinde. In der Dielenfüllung führen Bienen das Regiment. Ihren Ein- und Ausgang bewerkstelligen sie dadurch, daß sie zwischen zwei Wandbalken hin- und herlaufen.
Gleich nach unserer Übersiedelung nach hier hing ich drei Starenkästen in die Bäume, und sehr bald war der in der großen Birke von einem Starenpaare bevölkert. In zwei von den Kästen nisten zu unserer Freude diese netten Vögel regelmäßig im Frühjahr. Den dritten hat Sperlingspack erobert.
Wo aber die Fledermäuse hausen, die abends um unsere Hütte flattern, weiß ich nicht.
Ich wußte nicht recht, wo ich diese Zeichnung hinbringen sollte, aber mein Lieber, Du gestattest, daß ich sie hier einschiebe. Sie stellt meine Frau dar, wie sie mir die Haare schneidet da draußen auf dem Schlackenhügel, so im Spätherbst, wenn wir nach Stockholm zurückzukehren gedenken und ich so aussehe, daß niemand in meiner Gesellschaft die Eisenbahn benutzen kann.
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Eben als ich dieses schrieb, zogen Donner und Blitz über das Dorf Sundborn hin. Es war ein richtiger Platzregen, und das war ein Segen nach der langen Dürre. Jetzt bestrahlt die Sonne mit ihrem weichen, warmen Glanz das nasse Laub, welches sich so schön abhebt von der noch grollenden schweren Gewitterwolke, die noch immer hinter dem Wättberg steht.
Ich nehme Papier, Tintenfaß und Feder mit, um unter der großen Birke fortzufahren.
Was möchtet Ihr nun wohl noch wissen?
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Alle Gedenktage werden bei uns in der gleichen Weise gefeiert. Frühmorgens, spätestens um fünf Uhr, fängt es mit Pulverdampf und Böllerschüssen an.
Die Jungens aus Bjus und des Müllers Svea spielen auf Gitarre und Geige das Lied vom „Neck“, welches Anna Sundin, die im Dorf die schönste Stimme hat, mit ihrem Gesang begleitet.
Einst wurde auch ich so gefeiert an einem Olofstag. Ich war ganz unvorbereitet, denn wer in aller Welt konnte ahnen, daß jemandem dieser, mein überzähliger Name bekannt sei, und daher hatte ich auch meine Gefühle nicht in eine auf einen solchen Belagerungszustand gerichtete Stimmung versetzt. Ich heulte, und es pochte in mir vor Bewegung, als mir eins der Kinder einen von Mama gedichteten Vers vortrug, worin die Rede davon war, wie edel, wie über alle menschlichen Begriffe erhaben ich sei, o ... wir wollen lieber nicht davon reden.
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Es ist keine Kleinigkeit, etwas über Wände, Fenster und Decken zu schreiben. Deshalb empfinde ich es als eine Erholung, mit Dir einen Spaziergang durchs Dorf zu machen. Wir hätten ein Stück den Bach herunter rudern können und zusehen, wenn die Kinder baden. Da ist eine gute Badestelle. Der Platz heißt „das Lärmeiland“ und gehört mir jetzt als Eigentum. Seit jener Zeit, in der ich frühmorgens die Jungens direkt aus den Betten dort hinaus mitnahm (wir ruderten hinüber -- zuerst warf ich die Kinder, dann mich selbst in die Tiefe --) ist es die allgemeine Badestelle für die ganze Gegend. Im Sommer krabbelt und wimmelt es da drüben den ganzen Tag von nackten schönen Gestalten. Sie machen sich ein Sprungbrett, und es klatscht und plumpst und spritzt hoch auf; sie klettern hinauf in die Kähne, balancieren dort einen Augenblick, fallen pardautz ins Wasser und kommen pustend, schreiend und lachend wieder heraus.
Und meine beiden Nachen sind während des ganzen Tages verliehen, verliehen nach Reih’ und Ordnung an die Jungens und an die Mädels.
Am 15. August fängt das Krebsfischen an. Dann ist es, als sei neues Leben in uns gekommen. Alle Netze und Angelruten sind bereit, und wenn die Uhr Mitternacht schlägt, rudere ich hinaus, das Wetter mag sein wie es will, und in tiefschwarzer Nacht versenke ich die Netze in das ~noch~ schwärzere Wasser, schlafe dann bis fünf Uhr, um welche Zeit die größeren Kinder geweckt werden; und dann ziehen wir die Netze ein, während die Sonne wie ein ~Eier~kuchen über den Schilfwipfeln aufsteigt.
_~Sundborn~, im Sommer 1902._
Karin.
Streng genommen, wäre ich vor fünfzig Jahren geboren. Aber mein eigentliches Dasein fing im Jahre 1882 an. Denn da trafen wir uns in Frankreich, Grèz-par-Nemours: Karin und ich.
Singdudelidudelidudelidej!
Ein lang aufgeschossener Norweger und ich lebten ein glückliches Kameradschaftsleben, als einzige Skandinavier zwischen den anderen Ausländern, dort in der kleinen Künstlerkolonie, als wir von Madame Laurent hörten, daß eine Schar Malerinnen zu uns herauskommen wollte. „Dann laufen wir weg!“ sagte ich zu Lundh; aber ~er~ wollte sie sich erst ansehen.
Wir gingen nach dem Bahnhof, um ihnen zu begegnen. Es waren zwei „Fuhren“. Wir begrüßten sie, und sagten einige freundliche Worte. Als wir auseinandergingen, sagte ich zu Lundh, daß es schade sei, daß Fräulein Bergöö eine solche Kartoffelnase habe.
Bei mir zu Hause machte ich Versuche, die senkrechte Wand hinaufzulaufen -- und ich ~tat~ es auch.
Da wurde mir klar, daß ich in Karin Bergöö verliebt war.
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Darauf folgte so viel. Der Sommer verging, mit ~wenig~ Malerei, aber viel Esserei, Tanz und ... vielem, vielem noch.
Und dann kamen die Kostüm- und Maskenfeste. Auf einem solchen sollte der lange Lundh der „Letzte der Mohikaner“ sein. Er hatte sich zwei Pferdeschwänze gekauft und dachte, daß diese gemeinsam mit einer Schwimmhose und roter Farbe die Erscheinung, wie man zu sagen pflegt, „illusorisch“ machen würde. Ich sollte den Freundesdienst der Bemalung übernehmen. Es war Pastellmalerei.
Während dieser Arbeit vertraute mir der eingebildete Mensch an, daß die kleine Karin Bergöö ihn angesehen habe, mit Blicken ...
Ich war gerade mit seinem Rücken beschäftigt, so daß er ~meine Blicke~ nicht sehen konnte. Jetzt bemalte ich ihn nicht länger, sondern wechselte die Technik und ~zeichnete~ mit Kreide. Ich wählte die blauen, weil es die härtesten waren, und drückte sie erbarmungslos hinein in seine zarte Haut, aber dieser Teufel ertrug die Martern wie ein echter Indianer. Nun ja, wenn sein armer Leib auch litt, was war seine Pein gegen die Qual meiner Seele!
Immerhin muß dies meinem Wesen etwas, ich weiß nicht was, verliehen haben, wodurch die Sache ihrem Ziele näher gebracht wurde, denn gerade bei diesem Maskenfest bekam ich eine Ahnung davon, ~wer~ der rechte war.
Lundh war es jedenfalls durchaus nicht.
Als Karin mir einige Tage später (auf ihre niedliche Art) einen Antrag machte, gab ich ihr mein Jawort.
Und dann malten wir die „=mère Morot=“ zu gleicher Zeit.
Die Schuppen fielen mir von den Augen! Bis dahin hatte ich keine Form in mein sogenanntes Talent hineinbekommen, aber jetzt schuf ich, wie ich annehme, gleich ein kleines Meisterwerk.
Denn ich erhielt einen Preis für das Bild, ein Kaufangebot vom französischen Staat und durch Vermittelung meiner Freunde Birger und Pauli wurde es telegraphisch an Pontus Fürstenberg verkauft.
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Für das Geld kaufte ich mir eine Uhr, und für das, was übrig blieb, fuhr ich nach Hause und verheiratete mich. -- --
Karin war schon seit vielen Monaten zu Hause, um die Handtücher zu säumen. Und da wurden wir in den Kirchen aufgeboten -- und der Freier kam nicht. Die Frist war fast verstrichen, und es wurde fraglich, ob das Aufgebot nicht wiederholt werden müßte.
Aber endlich kam ich in gewaltigem Staat und herrlicher Pracht, mit goldener Uhr, blauer Weste und ebensolchen Beinkleidern.
Mein Schwiegervater, ein Kaufmann, warf mich heraus, weil er glaubte, ich sei ein Handlungsreisender, und diese Menschensorte war ihm verhaßt; aber ich klammerte mich fest an den Türpfosten und sagte, wer ich sei. Ungern ließ er mich verweilen.
Wenn ich jetzt das Bild dieses jungen einfältigen Mädchens betrachte, ist es mir unbegreiflich, wie ich mich in so eine verlieben konnte.
Aber das kam wohl daher, daß ich damals selbst noch jung und dumm war.
Gewiß hatte sie schon zu jener Zeit ein wenig Lieblichkeit an sich, und im übrigen wählt man seinen Lebenskameraden wohl immer „nach Gefühl“. Aber, wenn ich diese Karin mit jener vergleiche, für die ich jetzt noch, nach fast zwanzigjähriger Ehe schwärmen kann, daß ich fast verrückt werde: Ja dann.
Von Jahr zu Jahr wird es hiermit schlimmer.
Die Altertumsforscher verwundern sich so, wenn sie finden, daß die von den Männern am heißesten geliebten Frauen stets im Alter zwischen vierzig und sechzig Jahren standen.
Ich verstehe das so gut. Karin ist jetzt dreiundvierzig Jahre alt, und wenn sie sechzig wird, ist meine Liebe wahrscheinlich lästig.
Weil dann noch die Eifersucht hinzukommt.
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Es ist mir doch noch in dunkler Erinnerung, daß sie niedlich war. --
Und daß ich mein junges Weib im Brautstaat auf das Fleckchen Erde hinstellte, wo ich mich zum ersten Male im Leben glücklich fühlte, und wo sich die ersten grünen Sprossen an der bis dahin siechen Pflanze meiner Künstlerbegabung zeigten, in Laurents Garten in Grèz-par-Nemours Dep. Seine und Marne, das wird Euch sicher verständlich sein.