Part 3
Dorthin begaben wir uns unmittelbar nach der Hochzeit. Dort, wo ich meine Braut in meinem eignen Reich empfing, war es wie im Märchen. Die alten Männer und Frauen standen die Dorfstraße entlang voller Erwartung an ihren Gartenpforten, und die Pensionäre der beiden Künstlerpensionate mit Bewohnern aus aller Herren Länder gaben ein großes Fest. Essen mit Tanz, Bowlen und Toaste. Spada sang: „=Ah che dolore, ah Mama mia= ...“ und „der Sarg“ (Coffin war sein englischer Name) röchelte: „=John Browns body lays at mouldering in the grave= ...“
Aber in der Nacht klang unter unseren Fenstern das schwedische Quartett: „Welche Blitze aus den Augen Brunhildens ...“ und auf mir ruhten Karins dunkle ernste Kuhaugen ...
* * * * *
Gott gab mir mein liebes Weib Karin. Und sie gab mir die kleine Suzanne. -- Mein Leben war jetzt ebenso licht und freudig wie der Haarschopf der Kleinen.
In einer Ecke des Ateliers stand versteckt das Randstück eines kassierten Bildes, welches ich einst im Verdruß in Stücke geschnitten und unter Freunde und Bekannte verteilt hatte. Aber ein Stück behielt ich selbst. Als bitteres Andenken. Unter anderem war ein Rokokostuhl darauf gemalt. Darauf kleckste ich das Bild des kleinen lachenden Würgels, festgehalten von ihrer Mutter.
So setzte ich diesen lichten Punkt auf einen Hintergrund von Sorge, als Ausdruck jubelnden Glückes!
In Paranthese.
Es ist wieder einmal Schriftstellerwetter. Zum Malen taugt er nicht, dieser Sommer 1902. Das heißt, es geht schon stark dem Spätherbst zu.
Es gießt, und die ganze Natur macht den Eindruck einer nassen Kompresse. Dennoch finden wir es herrlich, über die Wiesen zu wandern, weich auf dem schwankenden Moos, wenn es unter den Füßen schwipp, schwapp sagt. Man geht der Nase nach, den Bach entlang, man schlürft die neblige Luft, welche anscheinend die Lungen vom Staube rein wäscht, in sich hinein. Und, denk einmal an, keine Mücken und Schnaken, man kann sich ganz ungestört seines Lebens freuen.
Und keine Vereine und dergleichen Überflüssigkeiten, erfunden von dem männlichen Teil der Bevölkerung, welcher all’ dieses als Ausrede gebraucht, um sich in Kaffeehäusern und Gasthöfen festkneipen zu können.
Jetzt werde ich die Schuhe wechseln, in die Hütte hineinschlüpfen und von mir und den Meinen schreiben! Wenn ich doch wenigstens, wie ein richtiger Schriftsteller, zusammenlügen dürfte, soviel ich Lust hätte. Aber hier bin ich beauftragt, Euch alle meine kleinen Familieninterieurs auf die Nase zu hängen. Abgesehen von der verdammten Mühe, bedenkt doch meine persönliche Schüchternheit ...
Ulf und Pontus.
In einer Oktobernacht, nachdem ich eine Stunde geschlafen hatte, wurd’ ich um eins geweckt, und Karin sagte mit einem leidenden Lächeln: „Mein armer Junge, ich hätte es Dir so gern gegönnt, etwas zu schlafen, aber Du wirst wohl Madame Chose holen müssen“.
In jener Zeit arbeitete ich am eifrigsten an meinem Triptychon, hatte Modelle für das Gemälde von früh 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr, und für die Skulpturen von 8 bis 12 Uhr abends, so daß ich wirklich abgearbeitet war.
Aber dieses war doch ein Beweis dafür, was für eine tapfere Seele meine Frau ist, und das wollte ich hier nicht unerwähnt lassen. Eine Stunde später fand sich der Junge ein.
Als ich in dieser freien Republik und im sozialistischen 22. Revier der Stadt Paris den Bengel Björn nennen wollte, wurde mir das mit der Bemerkung, daß dieses kein Name sei, ganz einfach verweigert. (Daß er Pontus heißen sollte, wurde mir erst einige Tage später klar!) Sie verwiesen mich auf sechs starke Bände, die Namen der gesamten Christenheit und aller Heiligen enthaltend, worin ich nach der Meinung dieser Beamtenseelen „=tout ce que fairait votre bonheur=“ finden würde. Idioten!
Ich nannte ihn vor Ärger auf der Stelle Robert, weil ich am selben Morgen von jemanden diesen Namen mit der Bemerkung, daß er häßlich sei, hatte nennen hören.
Jetzt aber steht er jedenfalls in dem schwedischen Kirchenbuch als Pontus Robert eingetragen, während er in einigen Jahren aus den französischen Geburtslisten aufgerufen werden wird als der „=Citoyen Robert=“ geboren von ausländischen Eltern.
~Ulfs~ Name ~träumte~ ich. Obgleich damals statt seiner, seine Schwester Suzanne ankam: ~Selbst~ kam er erst zwei Jahre später.
Ob diese Jungens irgendwelche militärische Veranlagung besitzen, wird sich zeigen, wenn „jemand unseren Felsen zu nahe kommen sollte“. Ich für meine Person hoffe, daß sie tapfer in und durch das Leben wandern werden, um einmal, wenn der Zeitpunkt da ist, dem Tode mit Ruhe ins Auge schauen zu können. Ich erinnere sie an die Worte unserer heidnischen Vorfahren:
~Es gibt nur ein Unglück, und das ist die Schande.~
Kersti ist das liebenswürdigste kleine Kind, welches es gibt. Wenigstens kann man sich kein braveres denken. Sie ist immer vergnügt und langweilt sich nie, ganz gleich, ob sie mit Kameraden oder Geschwistern spielt oder ob sie allein ist. Vor einigen Jahren war sie zart und durchsichtig. Wenn sie uns damals weggerafft wäre, hätten wir das ganze natürlich gefunden und wir wären davon überzeugt gewesen, daß sie bei der Jungfrau Maria als Hofdame einherginge. Denn ein solch’ kleines Juwel zu entbehren hätte selbst das Himmelreich sich nicht leisten können. Alles, was sie in die Hände bekommt, wird ein Spielzeug. Und oft redet sie in Reimen und Versen.
Brita und ich.
So, jetzt wurde ich der Kleinen habhaft und zufällig gerieten wir vor den Spiegel. Welch’ ein Motiv! Ohne Brita erst los zu lassen, ordnete ich eine Staffelei, langte mir ein Papier und ergriff eine Feder.
Und, ha, ha, ha, wie fand es Brita lustig -- die ersten fünf Minuten. --
Die übrige Zeit der Sitzung, welche acht Tage dauerte (das heißt, nachts schliefen wir und da ließ ich das Gör los), schrie sie aus Leibeskräften.
Denkt Euch, mit dieser kleinen Wildkatze, heulend, an den Haaren ziehend, (ja!) und Fußtritte austeilend, und bei alledem mit Hand und Auge sicher die Linien mit Feder und Tusche ziehen zu sollen. Ja, ja, Ihr!
Und dann noch mein linker Arm, der geradezu wie gelähmt wurde! Dieses war ein Rekord in seiner Art.
Wenigstens meiner eigenen, bescheidenen Meinung nach.
Ferienaufgaben.
Das Bild hat wohl bald eine ~historische~ Bedeutung, denn ich bin gewiß, daß unser jetziger Kultusminister, der frühere Rektor meiner Jungens, diese Unsitte abschaffen wird.
Sieh diesen armen Jungen, Pontus, an, der hier sitzt und sich zu den Vögeln hinauslehnt und dem der Fliederduft in die Nase zieht, ihm zurufend: Komm hier heraus!
Als ich mich soeben Pontus gegenüber groß tat, daß ich in diesem Buche so in verschmitzter Art für die Abschaffung der Ferienaufgaben einträte, antwortete er trocken: „Einen Menschen einen halben Sommer hindurch mit Modellsitzungen zu quälen, müßte auch gesetzlich verboten werden!“
Jetzt ist er schon weit draußen auf dem Hof.
Es ist nicht der Mühe wert, mit solchen Schlingeln Mitleid zu fühlen!
Apfelblüte.
Wenn man doch jetzt Dichter wäre. Dann könnte man sich der Sache schnell entledigen. Sicher ist, daß ich in Prosa nicht mehr daraus zu machen vermag, als was Ihr mit eigenen Augen auf dem Bilde seht.
Aber mein allerfeinster Instinkt läßt es mich ahnen, wie die Versfüße im Takt mit Lisbeths kleinen Beinen und allen andern um den kleinen Apfelbaum herumtanzen würden. Und wenn wir so eine Weile getanzt hätten, würde sich die ganze Welt um uns im Kreise drehen! Heißa! Sie könnte es nicht lassen!
Das Frühstück der Siebenschläferin.
Aber wie sieht sie verweint und häßlich aus, meine kleine süße Kersti! Ist es vielleicht, weil Esbjörn auf ihrem Hut Rad gefahren ist?
Oder aus demselben Grunde, wie die Katze, oder um ihre eigenen Worte zu gebrauchen: „Pamphilos hat, seitdem Suzanne fortfuhr, so traurig ausgesehen, sie ist gar nicht mehr vergnügt!“
Nein, mein Lieber, das ist nur deshalb, weil sie, wie die Überschrift andeutet, in die für ihr empfindsames Ehrgefühl peinliche Lage geraten ist, aus den auf dem Frühstückstisch befindlichen Resten sich ihre Mahlzeit suchen und diese dann ganz allein verzehren zu müssen.
Und das genügt, um die Lebensfreude eines solchen kleinen Menschen zu zerstören.
Und dann Du, Erwachsener! Warum glaubst Du wohl, daß Du mit saurer Physiognomie umherläufst!
Gratulation.
„Du wirst es Dir denken können, daß Karintag heut’ ist, Wir haben deshalb draußen die blau-gelbe Fahne gehißt“
und dann folgt ein langes, unbeschreiblich schönes, zärtliches Namenstagsgedicht, dessen Schluß lautet:
„Du wirst aus unseren so dargebrachten Gefühlen wohl hören, Wie hoch wir Dich als Gattin, Mutter und Herrin verehren.“
Sehr schön!
Der Dichter liegt übrigens lauschend im Nebenzimmer und hört glückstrahlend zu, wie die Mädels deklamieren.
Achtzehn Jahre.
Kürzlich ist Suzanne aus London, wo sie bei ihrer, mit einem Engländer verheirateten Tante weilte, zurückgekehrt; und nun lebt sie mit vier Geschwistern, welchen sie die Wirtschaft besorgt, in Falun.
Gerade jetzt kamen sie nach Hause -- es ist Sonnabend. Stolz auf die uralte Mähre „Lisa“ geklettert, ritt ich ihnen entgegen. Ulf kam per Rad und die andern von Braune gefahren. Denkt Euch, diese ganze Kavalkade über Sundborns Brücke!
Suzanne legte sehr ordentlich ihr Wirtschaftsbuch vor. Die Buchführung stimmte.
Ich glaube, sie haben sich meistens von Blaubeerensuppe und Eierkuchen ernährt.
Genesung.
Ja, es gibt Ereignisse, bei denen unsere ganze Philosophie nicht ausreicht.
Ich philosophierte so, wie Dickens seinen Mark Tapley philosophieren ließ: geradezu seine ganze Ehre daran zu setzen, froh und vergnügt zu sein, mitten in niedrigster Selbstsucht allem Betrug und menschlicher Jämmerlichkeit.
Ja, froh zu sein, ja! Das kann in recht verschiedener Weise geschehen. Der, welcher gedankenlos grinsend durch das Leben geht, der ist es nicht, den ich meine.
Nein, der, welcher es in klarer Winternacht unternimmt, in das Weltall hinauszusteigen und dort einen Spaziergang macht -- einen ganz kleinen -- um Gottes willen nicht zu weit, nicht weiter, als daß er sich wieder zurückfindet! -- und hier und da auf der Milchstraße einen Abstecher macht, und denen auf den Sternbildern freundlich zunickt und nicht vom Entsetzen gepackt wird vor des Raumes und der Zeit ewigem und unendlichem Fortgang, sondern der, welcher im starken Vertrauen auf das Rechte und Gute, und auf eine sichere Allmacht es riskiert, lächelnd, fest und ruhig, sich in allen versteckten Winkeln der Natur umzuschauen, von dem meine ich, daß er der rechte sei. Mein froher Mensch.
Ich selbst? Ach, ich bin ein armes, suchendes, zagendes Menschenkind, aber ich besitze wenigstens so viel ~Verstand~, froh ~auszusehen~, auch wenn mir das Herz in der Kehle steckt. Und schon das rechne ich mir zur Ehre an.
Aber ....
Dann kommt das Totengerippe klappernd Deine Treppe hinauf. Du schlägst die Tür ins Schloß und hältst zu. Näher und näher kommt es. Es faßt an die Klinke und zieht, stärker und stärker; Du vermagst nicht länger .... Die Spalte wird größer und größer, jetzt kannst Du ihm in seine unergründlichen Augen schauen, die Dir alles und nichts sagen.
* * * * *
Welch’ eine Welt! Deine Kräfte sind zu Ende. Du warst eben im Begriff, Deinen Griff loszulassen, weil Deine Finger erstarren ...
Da geht er. So ganz ohne weiteres!
Sie ist gerettet! -- „Alle Gefahr vorüber!“ sagt der Arzt, und ich finde ihn herrlich und mächtig, ich würde seine Knie umfassen, dürfte ich meinen Gefühlen nachgeben. Aber das, was ich küsse, sind ihre, meines geliebten, armen, kleinen, abgemagerten Weibes schmale Fingerspitzen, die Ärmelspitzen und der von der Pflegerin geflochtene Zopf, der sich so schwarz abhebt von dem weißen Bett.
Mit welcher bezaubernden Pracht schimmert einem das Leben wieder!
Und Du gehst auf den Zehenspitzen, und Du flüsterst, aber Du fühlst, daß Du vor Glückseligkeit strahlst, und Du ziehst Dich in die Einsamkeit zurück, setzt Dich hin und läßt es unbehindert heruntertropfen in das Gesangbuch, an der Stelle, wo Du gestern lasest:
„Siehe, das Grab wird geöffnet und in dessen Tiefe verschwindet Dein Freund. Er kehret nicht zu Dir zurück, aber bald wirft Du ihm nachfolgen. Bald ruhen unsere erstarrten Glieder, und weder Sommerwind noch Sonnenschein wird ihnen wieder Leben spenden.“
Das Weihnachtsmahl.
Gute Gewissen und gute Mägen sind für den Weihnachtsabend so sehr notwendig, um pro primo, alles gut schmecken zu lassen, und pro secundo, damit der Magen alles vertragen kann.
All’ diese Herrlichkeit wird zunächst von den alten Männern und den Gören in Augenschein genommen. Dann erscheinen Johann, Johanna und Sanna, alle drei kerzengrade und mit feierlichem Ausdruck. Aber Johann trägt seine Geige unter dem Arm, und Johanna hat einen ganz, ganz kleinen Schelmenblick im Auge.
Wenn alles in der Küche fertig ist, kommen die drei Dienstmädchen, Anna, Tilda und Martina herein, Nürnberger Puppen gleichend, so adrett und aufgeputzt, frisch gestärkt und gebügelt, die gesunden, fröhlichen, tüchtigen, ehrlichen Mädels! ... Na, und da, sieh mal an, da kommt der kleine Bäckström mit seiner Alten. Sie strahlen wie ein paar Kerzen bei der Weihnachtsmesse. Ja, die besitzen Liebe und Zufriedenheit! Zuletzt kommt Tekla, eigensinnig am Schürzenzipfel kauend und schüchtern lächelnd.
Jetzt sagt Karin: -- Bitte seid so gut! und Suzanne und Lisbeth reichen das Brot herum. Bald darauf klirren Messer und Gabeln, die Männer räuspern sich, aus irgend einer angenehmen Veranlassung, und Johanna bringt die Mädchen zum Erröten und Lachen.
Nach einer Stunde ruht ein Schimmer von Zufriedenheit auf allen Zügen, man hat das Bewußtsein, daß man seine Sache gut gemacht hat, ohne Unordnung und Betrug. Und dann kommt der Kaffee mit Bretzeln und Schürzkuchen. Und dann wird geknixt und treu drückt man sich die Hände.
Johann aber stimmt die Geige: Der Reigen geht durch die ganze Hütte, in jeden Winkel hinein, hinauf und hinunter über alle Treppen, zuletzt im Kreis um die alten Greise herum.
Die lächeln zufrieden und geehrt.
Frosinchen geht einst mit zur Stadt Die sie noch kaum gesehen hat. Ein =A-B-C=-Buch kauft sie dort: Drin prangt ein Huhn, das immerfort Nur süßes Zuckerzeug tut legen. Frosinchen, stolz auf solchen Segen, Verläßt voll Wissensdurst den Laden! O weh! wie kam sie bald zu Schaden!
Zu Hause sagt das Mütterlein: „Nun wollen wir mal fleißig sein“.
„Zuerst da lernen wir geschwind Die fünf Vokale, liebes Kind!“
„Sodann, so merk’ Dir, dies ist „=b=“, Nach links gedreht wird es ein „=d=“.
„Na, sieh mal an, Du dummer Daus! Bei Dir das „=t=“ wie „=f=“ sieht aus!“
„Nein, nein, wie bist Du schrecklich dumm, Mir dreht das Herz im Leib sich um!“
„Ganz spielend lernt sonst eine Jede! Doch Du, mein Kind, bist mir ~zu~ blöde“!
Der Mutter Schelten kränkt Papa, ~Er~ übernimmt das Lehramt da. Indes Mama erzürnt entweichet, Frolinchens Backe sanft er streichet.
Und Kind und Vater still beglückt Man hier auf diesem Bild erblickt.
Doch balde folgt dem Glücke Pein, Denn die Gelehrsamkeit bleibt klein.
Verzweifelt fliegt das Buch zur Wand, Indes der Vater fortgerannt. -- -- -- --
Doch andern Morgens liegt im Buch Von süßem Zuckerzeug genug. Und Vater, Mutter sowie Kind Nun wieder froh und einig sind.
Die Muster-Erziehung.
Eufrosinchen, klein und putzig Die ist heute schrecklich schmutzig.
Doch als Mutter waschen will, Schreit sie sehr und hält nicht still.
Vatern macht das Schreien wild: Was er tut -- zeigt dieses Bild. Kaum sieht das der Galgenstrick, Lacht er laut und voller Glück.
Mutter wundert sich indessen, Daß der Schmerz so rasch vergessen.
Derweil Mädi mit Bedacht -- -- -- ~Tut, was Vater vorgemacht~.
Dies gefällt der Mutter nicht: Furchtbar ist das Strafgericht.
„Wenn Du’s wagst -- --“
oder
„Der Respekt geht über alles.“
„Du! mein Bild -- das ist noch naß! Lisbeth Göre, läßt Du das!“
Lisbeth läßt es gleich dabei -- kehrt den Rücken der Stafflei.
„-- Lisbeth, wage Dich nur dran, gleich holt Dich der Kuckuck dann!“
Lisbeth ihr Vorhaben läßt, aber -- die Idee sitzt fest.
„Lisbeth, rührst mein Bild Du an, Haue kriegst gewiß Du dann!“
Lisbeth, die vor Neugier bebt -- ~Dennoch~ ihren Finger hebt.
Niemand ernst noch bleiben kann, Lisbeth tippt zuletzt doch dran.
Hieraus lebt: Zu jeder Frist ~Lisbeth ein Charakter ist~.
Eine Scherzfrage lautet: „Welche Ähnlichkeit besteht zwischen Kronos und Carl Larsson?“ Und wenn der Dumme, der so gefragt wird, dann zunächst nur den Mund aufsperrt, dann bekommt er zur Antwort: „Daß beide von ihren Kindern leben!“
Allerdings. Doch laßt mich jetzt, bevor ich diese Zeilen schließe, auch noch ein paar ernste Worte hinzufügen. Daß diese Bilder mit Motiven aus meinem Heim in die Welt verstreut werden, macht wenigstens mich selbst froh. Es liegt darin etwas von dem „Hinausgehen und allen Völkern predigen“. Worüber? Über das Glück des Fünfzigjährigen? Glück? Ganzes Glück gibt es nicht! Der Schuh drückt stets irgendwo, und das ebenso gut bei denen, die viele Schuhe besitzen als bei denen, welche gar keine haben. Aber die Kinder -- und von ihnen handelt eigentlich dieses Buch -- sind die Träger unserer Hoffnungen und unserer Sehnsucht. Diese sind ebenso wie Du und ich tot geboren. Und doch: ihre rosigen Wangen und dicken krummen Beinchen, ihr fröhliches Geplapper, ihre bitteren Puppen- und Schularbeitssorgen, ihre verdrehte Ausdrucksweise, ihr Appetit, all’, all’ dieses erregt unser Entzücken, wir lachen, bis uns die Tränen an den von des Lebens Sorge durchfurchten Wangen herunterrollen, und wir drücken sie fast tot, diese Kleinen und danken Gott, daß er sie uns gab, denn wenn wir einst fort sind, dann -- zum Kuckuck! -- sind diese noch da! Schließet sie, diese ~meine~ Kleinen, in ~Eure~ Arme, Ihr seid es mir schuldig, denn Eure Kleinen sind mir fast ebenso lieb, wie meine eigenen. ~Ihnen gehört das Himmelreich! Sowohl Deinen wie meinen Kindern!~
C. L.