Part 30
Ein Aufstöhnen des Winterwinds. Er hielt die Pelzärmel schützend vor Mund und Nase. Ihm wurde beinahe übel. Das war wieder der belgische Geruch...
„Unteroffizier ... liegen hier irgendwo Leichen?“
„Überall, Euer Hochwohlgeboren!“
„Warum bergt Ihr sie nicht?“
„Man findet sie nicht im Wald und Schnee, Euer Hochwohlgeboren...“
In der Ferne, über den deutschen Stellungen, stieg eine Rakete auf. Eine märchenhafte, zauberweiße Lichtkugel stand am Himmel, erhellte mild die ganze Gegend...
„Unteroffizier ... halt ... halt...“
„Was denn, Euer Hochwohlgeboren?“
„Der Hochwald da neben uns ist ja voll Menschen ... da ... sie sitzen um das Loch im Schnee ... ein Hauptmann vorne...“
„Die Unsern, Euer Hochwohlgeboren!“
„Erfrieren die denn nicht?“
„Wie sollten sie frieren? Sie sind doch alle tot. Die Granate... Man wird sie morgen holen...“
Ah... ~c’est ma guerre~... Schjelting dachte sich: Dein Leben war dieser Nachtwanderung durch den Schnee geweiht. Durch ganz Europa bist Du gefahren, in allen Zungen hast Du gesprochen, an Menschen aller Art hast Du Rubel verteilt, Du kauftest die Seelen, die Druckerschwärze und die Telegrafendrähte ... prägtest, was da kommen sollte, in Formeln und Methoden. Gut... Aber wer findet sie jetzt wieder, die große Rechenmaschine -- wer bedient sie in dieser furchtbaren, bleiernen Nacht über Europa?
Er blieb stehen. Durch das Dunkel kam ein Laut, der ihm die Haare sträuben machte. Nicht von Menschenstimmen...
„Unteroffizier... Was ist das?... Nie vernahm ich es...“
„Der Schrei eines sterbenden Pferds, Euer Hochwohlgeboren!“
Der Riese im Pelz vor ihm ging weiter, bückte sich plötzlich an einer dunkleren Stelle des Bodens, bekreuzigte sich, las etwas auf und legte es vorsichtig zur Seite. Es war ein abgerissener Menschenarm...
„Unteroffizier...“
„Vorwärts, Euer Hochwohlgeboren! Es wird schon hell!“
„Unteroffizier ... ich will lieber umkehren...“
„Nein, Euer Hochwohlgeboren...“
„Wie denn...“
„Man befahl mir, Euer Hochwohlgeboren nach vorn zu bringen...“
„Doch nicht mit Gewalt...“
„Man befahl mir, Euer Hochwohlgeboren!“
Im ersten Morgengrauen stand der bärtige, finstere Riese vor ihm wie das heilige Rußland selber. An Stelle der Axt, die er sonst als Waldarbeiter im weißen, heimischen Birkensumpf über dem roten Hemd getragen, hatte er jetzt das vollgeladene Magazingewehr über den Pelz gehängt. Er sah düster und drohend aus. Schjelting dachte sich: Wenn ich umdrehe, ist er im Stande und schickt mir, dem Zivilisten, den er vor den General führen soll, aus mißverstandenem Diensteifer eine Kugel nach. Auf einmal begriff er, daß er in Lebensgefahr war -- nach hinten sowohl, wo der Tag aufstieg, wie nach vorne, wo der Deutsche war. Er spürte kalten Schweiß unter dem Rand seiner Pelzmütze. Er merkte, daß seine Nerven ihn verließen. Er hatte keinen Willen mehr. Er tat, was dieser Bauer in Feldbraun von ihm wollte. Er ging weiter und sagte sich: Die Welt verkehrt sich. Ich dachte, den Muschik gegen den Feind zu schicken. Statt dessen führt der Muschik jetzt mich an die Front...
Man sah nun schon weithin die verschneite, leichtgewellte Ebene. Sie lag völlig tot und leer. Eine ausgestorbene Öde wie die Tundren Sibiriens. Ein paar Krähen das Einzige, was sich regte. Ihr Krächzen der einzige Laut. Schjelting dachte sich: dabei hausen da, soweit das Auge reicht, tausende und zehntausende menschliche Maulwürfe in ihren unterirdischen Gängen, huschen geschäftig hin und her, graben, wühlen, scharren sich immer tiefer gegeneinander ein ... leben in Löchern ... das leise Rauchgekräusel aus den gemauerten Kaminen ihrer Unterstände allein verrät das Dasein der Höhlenbewohner...
„Heute sind sie ganz still ... die Deutschen ...,“ sagte der Unteroffizier in seinem rauhen Brummbaß durch das Todesschweigen.
„Werden sie nicht noch schießen?“
„Warum schießen? Es ist Winter. Sie schlafen. Wie wir...“
Sie gingen durch den Schlammpfuhl des russischen Labyrinths von Schützengräben, immer weiter im Zickzack, ganz nach vorn. Der Tag wollte nicht recht kommen. Nebelschwaden strichen wieder über die unterirdische Stadt hin und hüllten sie in zähes Grau.
„Wo ist der General?“
„Bald, Euer Hochwohlgeboren!“
Schjelting biß die Zähne zusammen. Er dachte sich: Was ist das Alles? Wohin geh’ ich?... Hier hat nun doch die Welt ein Ende... Da, wo der Sanitätssoldat mit dem Genfer Kreuz am Pelzärmel im Schutz des äußersten Grabens steht... Was hast Du mich an der Schulter zu fassen?... Packe Dich, Kerl...
Er sah zwei fanatische blaue Augen auf sich gerichtet und erkannte im Nebel den Professor Korsakoff. Der zog ihn zwei Schritte zur Seite.
„Sie suchen Schiraj, Nicolai Wassiljewitsch?“
„Ja. Ihn.“
„Sie wollen auch ihn für Eure Wilnaer Pläne gewinnen?“
„Jeden, der noch in letzter Stunde auf mich hört!“
„Kehren Sie um, Nicolai Wassiljewitsch...“
„Wie?“
„Man wird Sie geleiten!... Gehen Sie auf Ihre Güter! Warten Sie dort innen in Rußland den Gang der Dinge ab!“
Über Schjelting kam der Zorn. Er richtete sich in seinem früheren Hochmut auf.
„Habt Ihr ein Recht, mich zu verschicken -- he?“
„Man warnt Sie!... Sie sind uns hier im Wege...“
„Euch frage ich nicht! Wo ist der General?“
„Sie wollen trotzdem zu ihm?“
„Ja!“
„Nun denn, mit Gott! Ich begleite Sie!“ sagte Korsakoff ruhig. „Kommen Sie! Wir steigen hier herauf...!“
„Wie das? Vor den Schützengraben...?“
„Man sieht ja nicht zehn Fuß weit im Nebel! Wie sollte der Feind uns bemerken! Vorwärts...“
„Belieben Euer Hochwohlgeboren gut Acht zu geben. Der Weg durch den Drahtverhau ist eng...“
Der riesenhafte Unteroffizier stapfte voraus. Es ging quer wie durch einen schmalen, tief verschneiten Weinberg, dessen Pfähle kahl aus dem Schnee ragten. Schnee hing auch an den Drähten, die sie kreuz und quer verbanden. Dies seltsame, verstrickte Band verlor sich zu beiden Seiten ins Wesenlose des Nebels. Unwillkürlich dachte sich Schjelting: Es reicht vom Njemen bis zu den Karpathen. Es spannt sich von der Schweiz bis zur Nordsee. Nie sah die Welt etwas Ähnliches... Und dann ein Schrecken in ihm: Was tue ich außerhalb von ihm ... da draußen ... im unbetretenen Land ... im schweigenden Reich des Todes zwischen Freund und Feind...?
Und ist da der Platz für einen General...?
Sie waren einen Abhang hinabgestiegen. Hinter ihnen, auf der Höhe des Kammes, zeichnete sich noch unbestimmt der Rand des Schützengrabens ab. Ein paar Pelzzipfel von hohen Mützen bewegten sich unruhig dahinter, als lauerten da Wölfe. Vor ihnen endete die Böschung jäh, in einem senkrecht an der Rückwand einer verlassenen Kiesgrube zehn Fuß tief abstürzenden toten Winkel. Schjelting stand allein mit dem Panslawisten und dem bewaffneten, finsteren Muschik hart an dem Abgrund in dem dicken, totenstillen Nebel. Es schien ihm, als seien die drei die letzten Menschen auf der vom Krieg in Nichts verwandelten Welt. Seine Stimme war plötzlich heiser vor Schrecken.
„Wo ist Schiraj?“
„Geduld! Blicken Sie nach vorn, Euer Hochwohlgeboren!...“
„Er kann doch nicht vom Feind her kommen...“
„Er ist überall...“
Schjelting hob das verzerrte Gesicht.
„Ich höre seine Stimme ganz deutlich da hinten ... im Schützengraben...“
„Sie täuschen sich, Nicolai Wassiljewitsch...“
„Und Morskois Baß!... Wie kommt er hierher?“
„Er ist es nicht...“
„Er muß im Automobil an mir vorbeigefahren sein ... laßt mich zurück...“
„Still... Erbarmen Sie sich ... der Feind hört uns ja...“
„Zurück...“
„Beruhigen sich Euer Hochwohlgeboren...“
„Warum machst Du Dich schußfertig ... um Gotteswillen ...?“
„Um den General zu schützen!... Da kommt er ja auf uns zu...“
„Wo denn ... wo?“
„Da vor uns ... vom Feinde her... Er ist ein Falke... Ihm tun die Kugeln nichts...“
„Ich kann ihn nicht sehen...“
„Der Nebel ist zu dicht... Beugen sich Euer Hochwohlgeboren nur noch etwas mehr vor...“
„Da ist kein General... Ihr lügt...“
Nicolai von Schjelting wollte sich umwenden. Vor sich sah er Korsakoffs entschlossenes und beinahe leidendes Fanatikergesicht. Ein jäher, schlenkernder Handwink des Panslawisten zu dem Unteroffizier hin, so, als scheuche er eine Fliege:
„Nun, Bruder: Mit Gott!“
In den Schützengräben hinten drehten sich einen Augenblick horchend bärtige Köpfe. Das kurze, scharfe ‚Peng‘ vor dem Drahtverhau war der erste Schuß dieses Morgens. Die Posten auf dem Auftritt spähten durch den Spalt der Schutzschilder:
„Wer schießt denn da vorn?“
„Kommen die Deutschen?“
„Nein. Es ist nichts!“
„Es ist ja alles dick voll Nebel, Brüder...“
„Noch ist Nebel. Aber er löst sich. Bald haben wir hellen Tag.“
Das Licht kam. Ein grauer Winterhimmel wölbte sich über der Welt. Nicolai von Schjelting schaute noch einmal zu ihm auf, allein lang hingestreckt am Fuß des Kieshangs, wo ihn Niemand sah, einsam im leeren Todesland zwischen den beiden Linien, und das war seine letzte Erkenntnis: Der Krieg ... mein Krieg ... ich habe ihn gerufen ... da ist er ... geht über mich hinweg ... und all das hinter mir...
Im russischen Schützengraben, vierzig, fünfzig Schritte entfernt, raunte es: Er glaubte, den Baß Schirajs zu unterscheiden, die Stimmen der Anderen, während seine Augen sich in dem fahlen Nichts über ihm erlöschend verloren. Durch diese Leere senkte sich ein pfeilschnelles Heulen wie ein Raubvogel auf die Russenschanze dahinten, krallte sich ein, schleuderte mit einem Donnerschlag Schnee, Erde, Gasqualm, Bretter, Draht und Menschen kirchturmhoch in die Luft, spielte da oben mit dem Kopf des Generals Schiraj, mit dem Rumpf des Hofmeisters, den Gliedern des Unteroffiziers, den Fetzen des Panslawisten und hüllte vergrollend den Greuel in schmutzigen Rauch. Aber schon raste der nächste der stählernen Stoßvögel heran. Schwärme von ihnen schwirrten unsichtbar aus unbekannter deutscher Ferne. Es waren die Donner des jüngsten Gerichts, unter denen an diesem Februarmorgen Nicolai von Schjelting beim Beginn der Winterschlacht von Masuren in das Nichts hinüberging. Ungeheure Leiterwagen rasselten am Himmel, Walfische durchzischten das Luftmeer, Riesen gurgelten sich und wieherten in den Wolken, Schiffssirenen heulten, Gassenjungen pfiffen schrill durch die Finger, Teufel johlten, Zyklopen hämmerten in wildem Takt auf dröhnendem Ambos und drüben, in den Russenlinien, verwandelte sich jäh das Toben des unsichtbaren wütenden Heers in aufspritzenden weißen Schnee und auffliegenden schwarzen Qualm und aufschießende rote Feuerzungen und stille feldbraune Hügel von Menschen, in einstürzende Erdhöhlen, klaffende Krater, betrunken umkippende Mammuth-Kanonen, sich langsam verneigende Kirchtürme, in der Luft tanzende Bäume, rasch, wie beim Untergang von Pompeji, zu Steinbrüchen sich wandelnde Städtchen.
Tagelang und tageweit, von Lasdehnen bis hinter Lyck, donnerte die Winterschlacht. Schjelting hörte es nicht mehr. Er hörte nicht mehr das Hurrah, mit dem sie Alle durch den Schnee herankamen, die er in Nord und Süd in Deutschland geschaut, grau, unermeßlich, unaufhaltsam anschwellend wie das graue Meer zur Stunde der Flut, und über ihn und den Schanzenbrei dahinter wegwogten, gen Osten, den Russen nach.
Dann, viel später, sagte eine Stimme:
„Die Kiesgrube da kommt uns gerade zu paß! Da liegt ohnedies schon Einer drin!“
Es waren deutsche Landsturm-Männer. Sie hatten ihre Gewehre in Pyramiden gestellt und die Pfeifen im Bart. Sie trugen die steifgefrorenen toten Russen aus den Schützengräben und senkten sie auf den Grund des Abhangs, auf dem Schjelting lag. Die Muschiks kamen zu ihm herab und leisteten ihm, der sie in den Krieg geführt, im Tode Gesellschaft. Einer nach dem andern legte sich auf ihn. Sie bedeckten ihn, türmten sich über ihn mit ihren feierlichen und starren, groben Gesichtern. Die menschgewordene und wieder erstorbene breite russische Erde wurde sein Grab. Die Unzähligen machten auch ihn zur Zahl. Die Namenlosen löschten seinen Namen, schieden ihn aus der Erinnerung aus, als einen Verschollenen, von dem Niemand wußte, wo und wie er sein Ende gefunden.
„...’Morgen, Leute!“
„Guten Morgen, Exzellenz!“
Der weißhaarige, blitzäugige Preußengeneral, der, die Zigarre im Mund, die Autobrille über dem Mützenrand, die Hände in den Manteltaschen, von der Chaussee her mit seinem Stab über das Feld kam, war sehr guter Dinge. In seinem Abschnitt hatte die Geschichte geklappt. Überall. Fern, gegen Süden hin, tönten noch in langen Abständen die letzten Donnerschläge des verhallenden Wintergewitters.
„Ach, hören Sie ’mal, lieber Isebrink...“
„Exzellenz...“
Der Generalstabs-Major Isebrink trat, die Rechte an dem Helm, an den Kommandierenden heran.
„Haben Sie die Tagebücher bei sich, die man da oben in dem Mörsertrichter bei dem russischen General ohne Kopf gefunden hat?“
„Jawohl, Exzellenz!“
„Das Zeug scheint mir doch sehr wichtig. Namentlich auch in politischer Hinsicht. Am besten ist es, Sie fahren ’mal selbst rasch zurück und bringen es dem A. O. K. In ein paar Stunden sind Sie ja wieder da!“
„Zu Befehl, Exzellenz!“
Der Major Isebrink jagte in offenem, feldgrauen Rennwagen gegen Westen. Leichtverwundete Offiziere fuhren, soviel Platz war, dichtgedrängt mit verbundenen Köpfen und Armen mit. Der Chauffeur vorn in seinem langen Mantel von chinesischem Ziegenhaar blies auf dem Horn unaufhörlich das Oberkommando-Signal: Straße frei. Nur so kam man, rechts den nicht endenden Kolonnen entgegen, links an dem ebenso endlosen Strom der Gefangenen vorbei. Stund’ um Stunde, über Hügel und Täler floß die fahlbraune, pelzmützige Flut. Sie wanderte auf allen Wegen, soweit nur rechts und links das Auge reichte. Fern am Horizont noch spann sich, in unwahrscheinlicher Länge, der entwaffnete, russische Heerwurm. Die Wälder lebten und entsandten aus ihrem Dickicht tausendköpfige, hohläugige, von fern schon die Hände hochhaltende Herden brauner Hungerleider. Armeestäbe stiegen unvermutet aus den Sümpfen und kamen, die Säbel in der Hand, heran, die Einen düster den Blick am Boden, die Andern froh lachend und schwatzend. Batterienweise standen mit zerschmetterten Schutzschilden und verbeulten Lafetten die genommenen Geschütze am Weg. Nahe der Stadt wurde das Gewimmel der Gefangenen zu einem braunen Meer. Die Offiziere fuhren fast als die einzigen Deutschen durch diese Tausende von struppigen Köpfen und Kerlen, von denen Keiner an Widerstand dachte. Nur ein stilles Gewinsel:
„Bissele Brot ... bissele Brot...“
„Maul halten! Pratzen weg...“
Am Weg stand eine von den Russen in die Luft gesprengte Kirche. Aufgebrochene Särge davor, deren sterblichen Inhalt sie in den Teich des sinnlos eingeäscherten Dorfs geworfen hatten. Ostpreußischer Landsturm zog vorbei, sah die Greuel der Kosacken. Frisch und grimmig klang sein Gesang:
„Oh Hindenburg, oh Hindenburg, wie schön sind Deine Hiebe...“
und ferne noch, in der Eile des Marsches hinter dem Sieg her:
„Dein Lorbeer grünt zu jeder Zeit, im Winter auch, wenn’s friert und schneit...“
In der Stadt hingen zwischen zerschossenen Häusern und verkohltem Gebälk die schwarz-weiß-roten und die schwarz-weißen Siegesfahnen. Von allen Türmen läuteten die Glocken die letzte Befreiung Ostpreußens ein. Der Quartiermeister mußte lauter als gewöhnlich sprechen, während er die russischen Schriftstücke in Empfang nahm.
„Danke sehr! Sonst noch Etwas?“
„Nein, Herr General!“
„Fahren Sie gleich zurück?“
„Zu Befehl!“
Der Major Isebrink sprang wieder in das Auto, sah nach der Uhr:
„Na los, Mann Gottes! Warum nicht über den Marktplatz?“
Aber da sah er selbst: da war kein Durchkommen. Den füllte an den Häusern rechts und links ein brauner, stumpfer, stiller Sumpf von gefangenen Russen, in der Mitte ein grauer, brausender, jubelnder Wildbach von deutschen Kriegern. Sie umstrudelten Etwas, sie hoben die Hände, sie sangen, sie jauchzten... Isebrink sprang im Wagen auf und auch über sein feldgebräuntes Gesicht glitt plötzlich eine wilde, strahlende Freude. Die Autoreihe da vorn wies am Kühler nicht die vier schwarz-weißen rotgerahmten Würfel des Oberkommando-Fähnchens, nicht einmal die Anfangsbuchstaben des Oberbefehlshaber Ost, sonst hier, bei der Wacht an der Weichsel, das Sinnbild höchster Kommandogewalt. Eine Purpurstandarte flatterte über den grauen Helmen, dem tausendstimmigen Hurrah. Kaiser Wilhelm stand inmitten der Seinen, der Kriegsherr inmitten des herrlichsten Heers aller Völker und Zeiten.
Lange schaute der Major Isebrink hinüber. Dann besann er sich, daß es für ihn höchste Zeit war, weiterzukommen. Er fuhr durch eine Nebengasse. Aber auch da standen die Menschen und schwenkten die Hüte und drängten sich, um von ferne den Kaiser zu sehen. Er beugte sich stehend in dem Wagen vor. Und da die Ostpreußen in ihrem Jubel der Befreiung nicht auf ihn achteten, sprach er, ohne es zu wissen, das Geheimnis seiner Zeit und seines Volks und seiner Siege aus:
„Bitte, lassen Sie mich durch: Ich muß in den Dienst!“
+Ende+
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Das Schicksal der armen Mädchen, die schutz- und haltlos im Leben stehen, bis es ihnen gelingt, sich zur Höhe emporzuschwingen und in der Liebe und in der Arbeit ihr volles Glück zu finden, hat hier Rudolph Stratz seinem feinsinnigen Roman zugrunde gelegt. Ein froher und gesunder Optimismus spricht aus dem prächtigen und fesselnden Werke.
Lieb Vaterland
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(31. Tausend, Preis 3 Mark, vergriffen)
Die Erzählung führt in die unruhigen Jahre des Marokkokonfliktes, in die Zeit, die den Gegensatz Deutschlands zu Frankreich zum ersten Male verstärkte. Ein Buch von Deutschlands Kraft und Größe ist dieser Roman mit dem Titel des ehernen Schlachtliedes, ein Buch, das die deutsche Tüchtigkeit verherrlicht.
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Afrikanische Köpfe Von ~Dr.~ Carl Peters
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Verlag Ullstein & Co, Berlin
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Weltpolitik und Weltkatastrophe 1890-1915
Von Professor Paul Herre
Französische Staatsmänner
Von Max Nordau
Die Kolonialreiche der Großmächte
Von Legationsrat ~Dr.~ Zimmermann
Russische Köpfe
Von Professor ~Dr.~ Theodor Schiemann
Deutschlands wirtschaftliche Widerstandskraft
Von Professor Gustaf Cassel
Englische Staatsmänner
Von Sil-Vara
Amerika
Von C. A. Bratter
Jeder Band 1 Mark
Verlag Ullstein & Co, Berlin
Ullstein & Co Berlin SW 68