Das Buch der Novellen. Erster Band
Part 27
Einmal bewegte sich die Jungfrau ein wenig und hauchte träumend ein süßes Wort.
Rodam sah zum Boden nieder, auf dem sein helles Reich sich still und sachte der mitternächtigen Himmelsgegend zu bewegte.
Es war eine schwüle Nacht; Rodam mußte am Kinne seine Schleife lockern und sein schwarzes Wamms mit den hellrothen Schlitzen über der Brust. Die reichen Locken seines Hauptes waren ein wenig feucht; einzelne Härchen regten sich und zitterten wie im Hauche eines südlichen Lüftchens. Wer es gesehen hätte: aus den Spitzen dieser Lockenhaare haben blaue, glanzlose Flämmchen gezuckt zur selbigen Stunde.
Rodam dürstete nach einem Schluck Wassers, allein von seiner Stelle aus konnte er den Krug nicht erreichen. Die Spitzen seiner Finger waren kalt, er legte sie an die Stirne, an die glühenden Wangen, an die lechzenden Lippen.
So verging Stunde um Stunde in heißer Glut und in stiller Ruh’. Und als die Mitternacht und ein halb’ Stündchen noch verflossen war, da ereignete es sich, daß Jungfrau Gudwella plötzlich vom Schlummer emporfuhr und einen schweren Schreckhauch that.
Die Augen schlug sie auf, da sah sie über sich das helle silberperlende Rad -- und die Tafel des Mondes lag auf ihrem Schreine....
In demselben Augenblicke aber schob sich ein Wolkenstreifen, der lange schon am nächtlichen Himmel stand, vor den Planeten; tiefer Schatten stand im Kämmerlein allerwärts. -- Der Jüngling hatte keinen eigenen Boden mehr unter seinen Füßen. Das lichte Bereich war verloren. -- -- --
Am Morgen, als Rodam wieder davon war, flatterte ein buntes Flämmchen im Kämmerlein umher. Der Schmetterling hatte sich entpuppt.
Und als die Sonne aufging und das Glöcklein schallte oben in der Kapelle des Klosters, da kamen der Schwestern sieben, um die standhafte Büßerin aus ihrem düsteren Gewahrsam zu befreien.
Gudwella schritt mit blassem Antlitz und gelöstem Haar aus der Zelle, und ihr Auge senkte sich demuthsvoll zur Erde.
Da war es zur Stunde, daß der alte Thorwart und Todtengräber einen heiseren Ruf der Ueberraschung ausstieß.
Auf einem hohen, wildschnaubenden Hengste kam herangeritten, genau nach Mannesart im Sattel sitzend, die Schwester im grauen Habit, welche die drei Nächte hintereinander gekommen war, um der Büßerin, dem jungen Blut, die nächtlichen Stunden zu mildern.
Und in einem kühnen Satze sprang diese Nonne jetzt vom Roß, weithin flatterte der Habit auf den Sand und ein schmucker Ritter stand da, dem Alten drei schwere Goldstücke in den Hut werfend -- als Schlüsselgeld.
Dann, als die sieben ehrwürdigen Frauen mit der jungen Büßerin herankamen, stellte sich der Rittersmann trotzig ihnen in den Weg, begehrte in kühner Sprache, daß man anhalte und ihn höre, und warb dann schön und minniglich um die junge Maid Gudwella.
Und die junge Maid schlug entzückt ihr Auge auf und sah im strahlenden Tageslichte die Anmuth und Herrlichkeit ihres vielgetreuen Hüters. Mit züchtigem Schritt abwendete sie sich von den sieben würdigen Schwestern und legte ihre Hand in die des Ritters.
Im Niedergange stand die blasse Scheibe des Mondes; im Aufgange aber loderte das Flammenrad der Sonne, voll ewiger Majestät verkündend: „~Das Leben siegt!~“
Verlag von L. Staackmann in Leipzig.
Peter Rosegger.
Ein Beitrag zur Kenntnis seines Lebens u. Schaffens.
~Von Hermine und Hugo Möbius.~ Ca. 9 Bogen in Lexikon 8^o, reich illustriert mit verschiedenen Beilagen; elegant kartoniert. Preis M. 3.50.
Der Inhalt zerfällt in: I. =Roseggers Leben= (Jugendzeit in Alpl, Handwerkerzeit in der Waldheimat, Studienzeit in Graz; sein Leben in Graz und Krieglach, Rosegger als Vorleser, seine religiösen Anschauungen, die Heilandskirche und das Waldschulhaus, Roseggers 60. Geburtstag). II. =Roseggers Werke=: Charakteristik des Dichters, Einführung in seine Werke (Besprechung der Hauptwerke, der kleineren Erzählungen und Schilderungen, der Schriften in steirischer Mundart). III. =Aufzählung der Werke= und =vollständiges Inhaltsverzeichnis= derselben (alphabetische Reihenfolge der mehr als 1300 verschiedenen Erzählungen etc.) -- =Eine Fülle von interessanten Illustrationen=, die zum Teil noch nie veröffentlicht wurden, werden dem Werk zur besonderen Zierde gereichen; der Preis ist ein außergewöhnlich niedriger.
=Leipz. N. N.= sagen u. a.: Ein zuverlässiger Führer ist das vorliegende Buch in jedem Falle. Und es liest sich gut. Auch zu Geschenkzwecken dürfte es sich seiner geschmackvollen Ausstattung wegen gut eignen.
=Pädagog. Brosamen=: Das ist ein wunderhübsches Buch nach Inhalt und Ausstattung, ein höchst empfehlenswertes Geschenk! Wie sehr mir das Buch gefallen hat, erhellt wohl daraus, daß ich das Buch ohne abzusetzen, durchgelesen habe.
=Neues Wiener Tageblatt=: Reich an Schilderungen und Charakteristik ist dieses Rosegger-Buch und wert, von jedem gelesen zu werden, der den Dichter liebt, so wie er es verdient, geliebt zu werden.
Peter Rosegger und die steirische Volksseele
von ~Ernest Seillière~. Autorisierte Übersetzung von ~J. B. Semmig~.
In eleganter Ausstattung M. 2.50.
Diese kritische Studie, die zuerst in der angesehensten Monatsschrift Frankreichs, der _Revue des deux Mondes_, erschien, hat in literarischen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt. Sie beschäftigt sich mit der Person und den Werken des Dichters in so eingehender und liebevoller Weise, wie dies bisher überhaupt noch nie geschehen, und zwar nicht blos vom poetischen und moralischen, sondern ganz besonders vom religiösen Standpunkte aus. =In Deutschland wird diese Schrift um so mehr interessiren, weil es gerade ein Franzose ist, der Rosegger mit solcher Hingebung studiert hat.= Noch mehr, Seillière ist überzeugter Katholik, und trotzdem liebt er den Dichter, von dem er selbst zu seinem Leidwesen bekennen muß, daß er in vieler Hinsicht auf einem ganz anderen Standpunkt steht als er. Das Eintreten des bedeutenden französischen Literarhistorikers für den steirischen Poeten wird diesem sicher zu weiterer Anerkennung verhelfen und ihm die =Bahn für seinen Eintritt in die Weltliteratur ebnen=.
Verlag von L. Staackmann in Leipzig.
Schriften von Otto Ernst
Letzte Erscheinung:
Vom geruhigen Leben
Humoristische Plaudereien
über große und kleine Kinder. Buchschmuck von ~Max Dasio~.
~=Dreizehntes Tausend=~
175 Seiten auf imitt. Büttenpapier
Preis brosch. M. 2.50 In Originalband M. 5.50
Preßstimmen-Auszüge:
=Victor Blüthgen in der „Deutschen Monatsschrift“=:.... Eine behaglich idyllische Stimmung liegt drüber, und man verfolgt eine sichere, vornehm formende Poetenhand, die gutlaunig-breit mit Hausweisheit und Kindern spielt... vor allem das mittelste gehört zu dem drolligsten und anmutigsten, was je aus dem Kinderleben in die Literatur übergegangen ist....
„=Leipziger Lehrerzeitung=“:.... Und nun kommen die Plaudereien, wie sie bis jetzt nur Ernst geschrieben hat, herzerquickende Plaudereien über einfache Vorgänge und Beobachtungen in der Familie.... Das Werk ist reich an eigenen Gedanken; Herzblut pulsiert in den Worten und ein wahrer Humor gibt überall die rechte Würze....
=„Die Woche“, Berlin=, schreibt in Nr. 23 vom 6. Juni u. a.: Ein köstliches kleines Wesen (Appelschnut) leibhaftig und wirklich bis in die Fingerspitzen, hat der Dichtervater in dieser Gestalt, getroffen. --
„=Berliner Zeitung=“: Ein neues Buch von Otto Ernst ist mir wie ein froher Festtag. Ich glaube, wir haben heute gar keinen besseren Humoristen und Satiriker als wie Otto Ernst.
=Offenes Visier!= Gesammelte Essays aus Literatur, Pädagogik und öffentlichem Leben.
Brosch. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Buch der Hoffnung.= Neue Folge der gesammelten Essays. 2 Bände.
Bd. 1 brosch. M. 3.--, geb. M. 4.--. Bd. 2 brosch. M. 4.--, geb. M. 5.--.
=Aus verborgenen Tiefen.= Novellen und Skizzen.
Brosch. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Der süße Willy.= Ein humoristisches Erziehungsidyll. In elegantem Umschlag.
M. 1.20.
=Narrenfest.= Satiren und Burlesken.
Brosch. M. 2.--, geb. M. 3.--.
=Kartäusergeschichten.= Novellen und Skizzen. Brosch. M. 2.50, geb. M. 3.50.
=Die Gerechtigkeit.= Komödie des Revolver-Journalismus. 4. bis 6. Tausend. Br. M. 2.--, geb. M. 3.--.
=Flachsmann als Erzieher.= Komödie. 21. Taus. Brosch. M. 2, geb. M. 3.--.
=Jugend von heute.= Komödie. 10. Taus.
Brosch. M. 2.--, geb. M. 3.--.
=Die größte Sünde.= Drama. 7. Taus.
Brosch. M. 2.--, geb. M. 3.--.
=Ein frohes Farbenspiel.= Humoristische Plaudereien. 11. u. 12. Taus.
Brosch. M. 2.50, geb. M. 3.50.
=Gedichte.= Der neuen Gedichte 2., der. Ged. 3. Aufl. Br. M. 2.50, geb. M. 3.50.
=Stimmen des Mittags.= Neue Dichtungen. Brosch. M. 2.50, geb. M. 3.50.
=Otto Ernst.= Eine literarische Studie von ~Johannes Schumann~. M. 1.--.
Verlag von L. Staackmann in Leipzig.
Weihnachts-Novitäten 1905:
=Ernst, Otto, Besiegte Sieger.= Novellen u. Skizzen. 3. vielfach veränderte Auflage der „Verborgenen Tiefen“. Brosch. M. 3.--, Gebund. M. 4.--.
=Ertl, Emil, Die Leute vom blauen Guguckshaus.= Roman. Brosch. M. 4.50, eleg. geb. M. 6.--.
=Geissler, Max, Hütten im Hochland.= Roman. Mit Buchschmuck von Felix Schulze. Brosch. M. 4.--, eleg. geb. M. 5.--.
=Ginskey, Franz Carl, Das heimliche Läuten.= Gedichte. Mit Buchschmuck von Alfred Keller, Wien. Brosch. M. 2.--, eleg. geb. M. 3.--.
=Greinz, Rudolf, Im Herrgottswinkel.= Lustige Tiroler Geschichten. Brosch. M. 3.--, eleg. geb. M. 4.--.
Im Laufe des Jahres erschienen:
=Ernst, Otto, Asmus Sempers Jugendland.= Der Roman einer Kindheit. 16.-20. Tausend. Broschiert M. 3.50, eleg. geb. M. 4.50, in ~Liebhaberhalbfranz~ M. 6.--.
=Ernst, Otto, Der süsse Willy.= Geschichte einer netten Erziehung. 8.-12. Taus. Mit Umschlagzeichnung v. Arpad Schmidhammer. Kartoniert M. 1.--.
=Ertl, Emil, Opfer der Zeit.= Novellen. 2. Auflage. Brosch. M. 3.50, eleg. geb. M. 4.50.
=Geissler, Max, Das Moordorf.= Ein Kulturroman. 3. und 4. Tausend. Mit Federzeichnungen von J. v. Eckardstein. Brosch. M. 5.--, eleg. geb. M. 6.--.
=Greinz, Rudolf, Marterln und Votivtaferln= des Tuifelemalers Kassian Kluibenschädel. Mit vielen launigen Zeichnungen von Arpad Schmidhammer. Eleg. kart. M. 3.--.
=Nora, A. De, Sensitive Novellen.= Umschlag von Ad. Münzer. Brosch. M. 2.50, eleg. geb. M. 3.50.