Das Bildnis bei den altdeutschen Meistern bis auf Dürer
Part 23
60 Zeitschrift für bildende Kunst. IX. Jahrg. Daselbst auch eine Abbildung.
61 Die Bleistift(!)-Zeichnung in der Albertina ist wohl nicht von Dürer, sondern von einer anderen Hand nach dem Münchner Bilde angefertigt. Karl Voll in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 20. November 1897. No. 263.
62 Vischer, Studien. S. 399. — Klass. Bilderschatz 933.
63 Die seltsame Inschrift darunter sei hier erwähnt: Anna solet dici tres concepisse Marias Quas genuere viri Joachim, Cleophas, Salomoque, Has duxere viri Joseph, Alpheus, Zebedäus. Prima parit Christum, Jacobum secunda minorem Et Joseph justum peperit cum Symone Iudam. Tertia majorem Jacobum volucremque (oder fratremque?) Johannem.
64 Das Bild ist in sittengeschichtlicher Beziehung bemerkenswert wegen des Vorkommens einer Lichtschere, mit der ein Apostel die brennende Talgkerze putzt. Vielleicht das frühste Beispiel der Benutzung eines solchen Instrumentes. (Schultz.)
65 Nach dem »Wegweiser« des Museums von 1896 das einzig bezeichnete Gemälde Wolgemuts. Ich habe keine Bezeichnung gefunden. Vielleicht unter dem Rahmen?
66 Abbildungen der beiden letzteren: kunsthistorische Gesellschaft für photogr. Publikationen. 1895. Felicitas dort, wohl irrtümlicher Weise, Ursula genannt. — Uebrigens mache ich darauf aufmerksam, dass die Bezeichnung »42jährig« auf dem Porträt des Hans Tucher nicht mit der jugendlichen Erscheinung des Dargestellten stimmt. Auch soll Hans, nach dem Weimarer Katalog, 1471 geboren sein, müsste also 1499 28jährig gewesen sein. Sollte, was ich jetzt nicht prüfen kann, die Inschrift vielleicht nachträglich hinzugefügt und bei dieser Gelegenheit Hans mit Anton Tucher verwechselt worden sein, der damals thätsächlich 42 Jahr alt gewesen ist?
67 Vischer, S. 383, macht sich bei dieser Gelegenheit über Thausing lustig, der das W. W., welches sowohl Elisabeth als auch Felicitas Tucher auf dem Saume ihres Hemdes eingestickt tragen, auf Wolgemut deutet: »Dieser alte Schwerenöter hat also sein Doppelmonogramm zweimal meuchlings in das Hemd der Frau eines anderen hineinpraktiziert? — Das wäre ja eine ganz novellistische Entdeckung!«
68 Ich habe das Bild, welches jetzt die Bekrönung eines Altares bildet, s. Z. nur aus einer gewissen Entfernung betrachten können. Eine von Hans Stegmann mir gütigst überlassene Photographie scheint für die Ansicht des geschätzten Gelehrten zu sprechen, dass wir es hier mit einer freien Nachbildung des folgenden Porträts zu thun haben, welches von mir als Kopie bezeichnet worden ist.
69 So u. a. auf einer Kreuzigung in Schleissheim, No. 60, »Oberdeutsch um 1460«, wo nicht der Gekreuzigte, sondern die zu seinen Füssen kniende Magdalena die Hauptperson zu sein scheint, eine stattliche Dame in den Vierzigen, um welche die übrigen Anwesenden sich gruppieren. Meine Vermutung, dass hier ein Porträt gegeben ist, wird noch dadurch verstärkt, dass rechts am Rande ~zwei~ Stifter knien, mit ~drei~ Wappen, — es liegt nahe, das dritte mit der Magdalena in Beziehung zu bringen.
70 Vasari berichtet im Leben des Pontormo, Ausgabe Milanesi, S. 272, dass Lodovico Capponi seine Tochter, che era bellissima giovane, als Magdalena habe malen lassen. — Es sei hier auch ein Wort Savonarolas, des fanatischen Dominikanermönches von San Marco, verzeichnet: die Bilder eurer Dirnen von der Strasse lasst ihr malen als Heilige in den Kirchen!
71 Jedoch erwähnt Didron in seinen Anmerkungen zum Malerbuch vom Berge Athos eine unrühmliche Ausnahme: auf einem Marmorrelief in St. Denis aus dem 15. Jahrhundert steige die Gottesmutter in Venusgestalt, nur von einem dünnen Schleier bekleidet, gen Himmel. Ich habe dieses Relief seiner Zeit in St. Denis nicht finden können.
72 Abgebildet in den Bau- und Kunstdenkmälern in den hohenzollernschen Landen. Stuttgart 1896. S. 66.
73
Un punto vidi che raggiava lume Acuto sì, che il viso, ch’egli affoca, Chiuder conviensi, per lo forte acume.
Dante. Paradiso. Canto 28. 16–18.
74 Obgleich jener unbekannten geheimnisvollen Grösse, als welche wir das Publikum des 15. Jahrhunderts betrachten müssen, der Stifter ohne Zweifel wichtiger war als der Maler, was auch aus der Benennung der Tafeln hervorgeht, wie der Peringsdörffer-, der Löffelholz-Altar u. a., so wird man doch nur in den seltensten Fällen wissen, wer den Auftrag zu dem betreffenden Gemälde gegeben hat, ob derjenige, unter welchem wir den Stifter vermuten, ob dessen Söhne oder vielleicht erst deren Nachkommenschaft. Aus diesem Grunde ist ein Schluss aus der etwa bekannten Lebenszeit des vermeintlichen Stifters auf den Maler und das Anfertigungsjahr des Bildes eine recht missliche Sache. Auch würde in dem gegebenen Falle stets zu prüfen sein, ob Bild und Donator zu gleicher Zeit und von gleicher Hand gemalt sind: auf den Altarflügeln No. 194 und 195 des Kölner Museums sind Landschaft und Heilige von Scorell oder Merten van Hemskerk, jedenfalls niederländisch, während die Stifterporträts auf die Hand eines mittelmässigen Meisters der Bruyn-Schule hinweisen.
75 Ich spreche im folgenden nur von den Altargemälden und den künstlerisch ausgeführten Votivbildern. Auf den sogenannten Bildstöcken und Marterln haben sich die kleinen Figuren bekanntlich bis ins 19. Jahrhundert erhalten.
76 Jedoch mag diese Vermutung nur für die reiferen und an bedeutenderen Kunstorten geschaffenen Werke zutreffend sein, nicht für die archaischen und ausserhalb der Schule entstandenen kindlich-naiven Handwerkertafeln. Bei diesen liegt die Annahme vielleicht näher, es haben die Maler entweder von dem Gebrauch, die Stiftergestalt zu verkleinern, nichts gewusst oder die Bedeutung dieser Formel nicht verstanden.
77 Für die Ansicht Alfred Peltzers — Deutsche Mystik und deutsche Kunst, Strassburg 1899, S. 171 —, dass man in den unter dem Mantel sich bergenden Gestalten personifizierte Seelen zu erkennen habe, finde ich nicht den geringsten Anhalt.
78 Nach Gaetano Milanesis Kommentar zu Vasari, Florenz 1878, I, S. 555.
79 Jetzt zerstört; Abbildung im Atlas zu den Kunstdenkmälern des Königreichs Baiern, Tafel 112.
80 Kopien an den Wänden des Stuttgarter Altertumsmuseum.
81 Vergl. hierzu den Aufsatz von Schnütgen in der Zeitschrift für christliche Kunst 1890; dort auch eine Abbildung.
82 Lichtwark, das Bildnis in Hamburg 1898 und Meister Francke, Hamburg 1899. In dem letztgenannten Werk werden die beiden Bilder für den Meister Francke in Anspruch genommen.
83 Vergl. hierzu Voigt, Geschichte Marienburgs, Königsberg 1824, S. 245, und Steinbrecht, Untersuchungs- und Wiederherstellungs-Arbeiten am Hochschloss der Marienburg. Berlin 1885. § 3.
84 Das jüngste Gericht ist öfters an einer Wand der Ratsstube zu finden. Seine Beziehung zur Rechtsprechung, welcher diese Räume neben anderen Handlungen des Ratskollegiums dienten, ist leicht erkenntlich: »Ir menschen feldt urtel uf erden, als ir dordt weldt geurtelt werden«. (Nürnberg.)
85 Gebser und Hagen, der Dom von Königsberg. Königsberg 1833. Hartungsche Hofbuchdruckerei. S. 101 f.
86 Vasari: Delle opere di Tiziano. Ed. Milanesi, S. 445 und Burckhardt: Porträt, S. 251.
87 Von den mittelaltrigen Bartformen gilt im allgemeinen das folgende: Der Schnurbart kommt nur in den ältesten Zeiten vor (Karl der Grosse, Rudolf I., Johann Parricida). Nebenher geht der Vollbart bis etwa auf Rudolf I., dann, bis zu Karl IV., etwa bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, trug man sich unbärtig. In der Periode der Luxemburger bis zum Tode Sigismunds (1437) werden die Bärte wieder modern. Von Kaiser Friedrich III. bis auf Karl V., also in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, rasierte man sich. Dass aber auch in dieser im allgemeinen bartlosen Zeit dennoch einzelne Gecken sich durch die absonderlichsten Bartformen hervorthaten, ersieht man u. a. aus einer Predigt Geilers von Kaisersberg, die Schultz S. 341 zitiert. Auf die von einzelnen Orden erlassenen Vorschriften über Wachsenlassen oder Scheren des Barthaares hatte die Mode natürlich keinen Einfluss.
88 Eine Musterkarte der wunderlichsten Kopfputzarten der Frauen giebt ein Studienblatt des alten Wolgemut im Münchner Kupferstichkabinet.
89 Auch das italienische Quattrocento kennt das Ohrgehänge als weibliches Schmuckstück nicht. Meines Wissens erscheint es jenseits der Alpen um die Mitte des 16. Jahrhunderts und zwar bezeichnenderweise zuerst in dem prachtliebenden Venedig. — Es lohnte sich wohl der Mühe, einmal dem Werden und Wandern des Ohrringes nachzugehen. Man würde finden, dass der Schmucktrieb die Mehrzahl der Naturvölker zu irgend welcher Verzierung der Ohrmuschel geführt hat. Seine künstlerische Ausbildung als wertvolles Geschmeidestück scheint der Ohrring auf dem alten Kulturboden zwischen Euphrat und Tigris erhalten zu haben. Von dort aus hat er seine Wanderung nach Aegypten und über Klein-Asien nach Griechenland und später nach Italien angetreten. In Deutschland ist er in roher, seine ästhetische Wirkung als Behangschmuck gänzlich verkennender Form zwischen 500 und 400 v. Chr. bekannt, wie Gräberfunde und die im Berliner Völkermuseum befindlichen Bronzeringe der norddeutschen Gesichtsurnen beweisen. Auf Miniaturen habe ich ihn niemal gefunden, es sei denn auf solchen, deren byzantinisches Vorbild unverkennbar ist. In der grossen Malerei tritt er bei den Frauen nicht vor der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf, und dann auch ganz vereinzelt. Cranachs Frauen z. B. tragen ihn noch nicht.
90 Darwin, der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei Menschen und Tieren. Uebersetzt von Carus. Stuttgart 1872.
91 Mit dem überschwenglichen Lobe, welches seiner Zeit der Oeltempera gegenüber der Gummitempera gespendet wurde, ist es schwer zu vereinigen, dass heute in vielen Fällen nur das geübte Auge des Restaurators zu unterscheiden vermag, ob ein altes Bild in dieser oder jener Technik ausgeführt ist.
92 Reber, die bairische Kunstkammer. Sitzungsbericht der bairischen Akademie der Wissenschaften. 1892, 1893.
93 Dr. Fr. Kenner, die Porträtsammlung des Erzherzogs Ferdinand von Tirol. Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des östreichischen Kaiserhauses, Band XIV und XV.
94 Pinset et D’Auriac, histoire du portrait en France. Paris 1884. S. 262.
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»Durch diese Darlegungen, mag auch im Einzelnen mancher Einwand erhoben werden, ist ein entschiedener Schritt vorwärts in der Erkenntniss der geschichtlichen Entwicklung der oberitalienischen Malerei gemacht. Mit dem Dank hierfür mag sich der Dank dafür verbinden, dass der Vf. uns auch durch die künstlerische Form, welche er seinem Unternehmen verliehen hat, zu fesseln weiss.«
_H. Thode_-Heidelberg in der Deutschen Litteraturzeitung 1899 Nr. 7.
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Vor allem gilt es, das Verhältnis der Thätigkeit Pencz und Dürers bei der Ausmalung des Nürnberger Rathhauses festzustellen, was mit Hülfe der Akten, der von Stiassny in Erlangen gefundenen Kreidezeichnung, Dürers Entwurf in der Albertina von 1518 und des Holzschnittes von 1522 gelingt. _Ueber Dürers Arbeitsweise selbst kommt es hierbei zu nicht unwichtigen Aufklärungen._ ... Das Auffinden zweier bisher unbekannter Bilder von Pencz Hand, die sorgfältige Litteraturbenutzung und die Besonnenheit des Urteils lassen hoffen, dass mit dem weiteren Verfolg dieser Arbeit unsere Kenntnis über die Dürerschüler um einen guten Schritt weiter geführt werden wird.
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