(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg

Part 22

Chapter 223,088 wordsPublic domain

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„Genossen! Kampfscharen!

„Seht, das ist das Leben, das ihr uns erkämpftet! Auf sonnenstarken Bergen: geflügelt überspringen wir Gipfel an Gipfel; wie auf einer Fläche gleiten wir hin auf dem Wind ...

„Greift unsere Körper! Nicht nach der Zahl von Jahren mehr leben wir: wandelnde Fackeln des Lebens sind wir, genährt an dem ewigen unauslöschbaren allebendigen Lebensbrand ...

„Herrschaftslos herrschen wir!

„Begeisterungs-glühend, ein Menschen-Stern, zieht jeder Einzelne dahin über die Erdenbahn.

„Was ists für Wärme, die in einer leuchtenden Woge, länderauf, länderab, meerauf, meerab bis hinüber über den Süd- und über den Nordpol wallt!? Nicht Golfstrom ists und nicht Samum: es ist unser neuer Sommer, es ist Wärme des Menschenherzens.

„Was ists für ein schweigendes Gewittern im Raum, Takt an Takt; es wölbt sich, ein kristallisches Kuppelgefüge, strömt an, strömt an in Klangwellen, und wieder strahlt es sich auseinander in vielfarbigen Schwingungen!? Es ist die unermüdbare Schlagkraft des Menschenherzens.

„Wie Wein schäumt über den Rand: so überquillt vor Fruchtbarkeit die Erde an den Horizonten. Das ist Menschen-Unsterblichkeit. Das ist Menschen-Kraft. –

„Genossen! Kampfscharen!

„Im fernsten Dunkel ruhen ungesprochen euere Sprachen. O ihr Brücken, geflochten aus Menschenleibern, hineingebaut in die Reiche des unerschöpfbaren Lebenslichts! ... Kameraden! Der Helden der Vorzeit gedenkt! Der von Menschen einst der Menschheit geschlagenen Wunden gedenkt!

„Jauchzend gedenkt!“

8. Kapitel.

Sowjet-Europa entgegen!

Prinzipielle Vorbemerkung zum letzten Kapitel. – Kolonialwirren. – Die Kriegsgaswolke am Horizont. – Arbeiter bewaffnen sich. – Was bedeutet (CHCl=CH)3As? – Die Farbstoff-Fabriken rebellieren. – Das chemische Kampfstoffarsenal der USA: Edgewood. – Der Sturm bricht los! – Der Kern der Sache. – Abgefangene Radios aus Amerika. – Nachrichten aus aller Welt. – Japans werktätige Massen brechen ihr Sklavenjoch. – Sowjet-Rußland marschiert. – Unsterbliche Opfer. – Sowjet-Europa entgegen!

„Ein preußischer Monarch hat am Ende des 18. Jahrhunderts einen klugen Satz geprägt: „Würden unsere Soldaten verstehen, weswegen wir Krieg führen, so hätte man keinen _einzigen Krieg_ führen können.“ Der alte Preußenkönig war kein dummer Kerl. _Wir aber_ können jetzt sagen, wenn wir unsere Lage mit derjenigen des preußischen Herrschers vergleichen: „Wir können kämpfen deshalb, weil die Massen _wissen_, weswegen sie kämpfen und kämpfen wollen, ungeachtet der unerhörten Opfer, weil sie wissen, daß sie verzweifelte, unsagbar schwere Opfer bringen, _um ihre sozialistische Sache zu verteidigen_ im Kampfe Schulter an Schulter mit jenen Arbeitern in den anderen Ländern, die unsere Lage zu begreifen angefangen haben.“

Lenin

I

Noch einmal ein letzter Appell vor dem Sturm, ein Manifest an alle, die menschenwürdig leben wollen, vor dem Generalangriff!

_Kameraden!_

Die Transmissionsriemen knattern, die Schleifräder spritzen Funken, 10000-PS-Motoren knurren ... Und das ist ein Maschinenraum: an Millionen Hebeln zucken Millionen Händepaare herum, wie abgeschlagen vom Körper sind sie, aber an den Händen pulst noch ein Herz, eine Lunge atmet noch, ein Gehirn will denken: noch ist der Mensch nicht ganz tot, zwar ists schon nicht mehr viel, was hier noch um das gütigst gewährte Existenzminimum ringt ... Und die elektrischen Bogenlampen flimmern, die Expreßluxuszüge knüpfen Weltende an Weltende, Riesendampfer schrauben sich wohlig und sicher herauf durch den Ozean: der eine Teil der Menschheit verlängert tausendkilometerlang seine Glieder, dem anderen Teil der Menschheit schrumpfen sie, sterben sie ab ... Phantastisch von kristallischen Lüstern erhellt überblüht die Luxuskabine das armselige Schattendasein der vier Wände des Lohnarbeiters, aber – sind nicht aus seinem Herzblut, aus Schweiß und Herzblut des Lohnarbeiters die Paläste gegossen? Maschinen, Licht, Lebensluft, Wärme: ist es nicht sein Werk!? Und haben demnach diese anonymen Schöpfer jeder Lebenskraft nicht das Recht, nein, nicht die heilige Verpflichtung, sich im Fall, daß sie gewaltsam im Interesse einiger weniger, die schon im Urteil der Geschichte als Gesellschaftsverbrecher gebrandmarkt sind, aus dem Lebensprozeß ausgeschaltet werden, hat diese Menschenmehrheit demnach nicht die Pflicht, die ihr zur Verfügung stehenden Notwehrmaßnahmen zu ergreifen, um der Verelendung, der sicheren Katastrophe, dem Lebensuntergang zu entgehen!

Das Natürlichste vom Natürlichen wäre es. Das Menschen-Selbstverständlichste ...

Und die Trusts, die Kartelle, die Syndikate bewegen sich, bewegen sich gegeneinander und jede ihrer Bewegungen schafft Kollisionen, zeugt Krisen, schaufelt das Grab für Hunderttausende. Und hört Ihr den Chor der Menschheitsvampire, zunächst noch als ein konspiratives Flüstern:

„O heilige pazifistische Aera! Der ganze Weltraum trieft ja von Friedensgeläuten! Halleluja donnern hinweg über den Ozean Die Kanonenschlünde der Dreadnoughts: „Friede auf Erden!“ Ach, nur in den stillen Kämmerlein Unserer Staatslaboratorien Fabrizieren wir gutes Giftgas. Seht: den Staat haben wir uns geschaffen Als unsere beste Waffe – Und wenn es wieder mal losgeht: Diesmal wird der Konkurrenzkampf geführt Als chemischer Krieg ... (Sachbeschädigung ausgeschlossen.) Phosphorbomben. Flugtorpedos. Elektrische Wellen – Fünf Minuten – Und (jede Pore exakt durchgiftet) Liegt leblos so ein Riese Wie z. B. Chikago da ... Und wer bezahlt dann die Zeche!? Zuviel Menschen sind ja so wie so auf der Welt. Darüber sind wir uns einig ... Tastet inzwischen die Erde ab: Wo riechts nach Petroleum?! Schade nur, Daß der Mars noch nicht zu kolonisieren ist!“

Eine gespenstische Polonaise wandert indeß hindurch durch den Weltraum die Millionen-Kolonne der körperlich und geistig Verhungerten, Mann an Mann, Weib an Weib, Kind an Kind ... Warum!? ... Genügt euch wirklich als Antwort darauf nur ein Achselzucken!? Ist das Grundgesetz der Gesellschaft für euch immer noch eine geheimnisvolle mystische Chiffre, ohne Schlüssel!? Rutscht ihr immer noch die Kniee euch wund vor dem erbärmlichsten gesellschaftlichen Aberglauben: „Es ist immer so gewesen, es wird immer so sein ...“

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Ein Fünfsekunden-Querschnitt durch Zeitungskioske, Theater, Verlage: es ist zum ... Es gleicht wohl einem Sprung durch eine Papierhölle. Alles was einmal groß, echt, gewaltig, lebendig war: verkauft, verwässert, entwertet, verraten ... Alles ursprünglich Edle, Wahre, Heroische und Schöne in eine schleimige Korruptionstunke eingetaucht, jeder lautere Ton überkeift von einem zotigen Gemecker ...

Aufgeplustert bis zum hysterischen Exzeß, widerlich zerschminkt, bis zum Brechreiz bengalisch illuminiert: so stolzieren die modernen Revuen an, und desto erfolgreicher sind sie, desto inhaltsloser sie sind und desto nichtssagender und leerer ihre bedauernswerten Akteure daherplappern: prächtig maskierte Volksseuchen ...

Magazine, Journale, Sumpfliteratur, Auflageziffern bis 300000 ... Und wer sind sie, die armseligen Opfer dieser typischen Misthaufenerzeugnisse!? Im Café, in den Wartezimmern des Arztes: dort strömen sie ihren pestilenzartigen Geruch aus.

Der Film, in sich bergend ungeahnte Möglichkeiten, was ist aus ihm, eingespannt in den Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft, geworden!? Man braucht, glauben wir, nicht mehr darüber zu sprechen. Film, Radio, Presse, Theater, Literatur: das sind nur die verschiedenen Ressorts jenes gewaltigen, immer mehr sich amerikanisierenden Propagandainstituts zur Weiterzüchtung der menschlichen Dummheit. Hier sind die staatlich konzessionierten Fälscherzentralen und geistigen Bazillenfabriken, sie arbeiten so wundertätig wie unter der Aufsicht des lieben Gottes selbst, sie hebt kein Polizeikommando aus, aber sie produzieren ja auch so verflucht erfolgreich in nächster Nähe des Regierungsviertels und nicht in proletarischen Kellerwohnungen ...

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Aber bei klarer und nüchterner Ueberprüfung der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Natur müßtet auch ihr eines Tages zu der Ueberzeugung kommen – nehmt alle Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hinzu, euere Erlebnisse – zu der Ueberzeugung, daß die heutige bürgerliche Gesellschaft samt ihrer sogenannten Kultur rettungslos dem Untergang in die Zivilisationsbarbarei verfallen ist, und daß sie nicht mehr dazu berufen sein kann, die wirtschaftlichen und geistigen Weltprobleme in einem wirklich schöpferischen Sinne zu lösen, daß sie nicht mehr dazu berufen sein kann, aus sich heraus das einzige Bollwerk gegen die herannahende Phase modernster chemischer Weltkriege zu errichten: die planmäßig organisierte Weltgemeinschaft aller Werktätigen.

Millionenmenschenmassen kreisen indeß lautlos nieder auf den Grund in dem riesigen kapitalistischen Krisen-Wirbel ...

Den Befreiungskampf des Menschen aus seinem gespenstischen Warendasein, den Befreiungskampf der Menschheit aus allen ökonomischen Zwangsformen, den Krieg gegen den Krieg – und damit auch eueren Befreiungskampf, Kopfarbeiter, aus den Fesseln geistiger Lohnsklaverei kämpft heute die Klasse der Unterdrückten: das Proletariat. Seine geschichtliche Mission, als einzige an der Verewigung dieses Gesellschaftszustandes nicht interessierte Klasse, ist es, die Hinfälligkeit und die barbarische Verlogenheit des heute noch herrschenden Systems zu erkennen und ihm den organisierten Widerspruch entgegenzustellen, die einheitlich geschlossene Kampffront aller Ausgebeuteten gegen die Ausbeuterwirtschaft und ihre Helfershelfer: den Massenterror aller Werktätigen, den Klassenkrieg auf Leben und Tod.

Diktatur der Bourgeoisie. Diktatur des Proletariats ...

Ein Drittes, wie ihr es vielleicht gerne wahrhaben möchtet, gibt es nicht.

Kameraden! Welcher Front schließt ihr euch an? Entscheidet euch!

Verfallt dabei nicht in den dünkelhaften Fehler euerer Berufsschicht, dessen Quelle auf Grund des besonderen Arbeitsplatzes, den die meisten von euch auch heute noch im Produktionsprozeß einnehmen, leicht auszuspüren ist, in den Fehler, daß ihr euch selbst vormacht, selbständig, unabhängig zu sein, euer eigener Herr zu sein, niemandem verpflichtet, keinem Rechenschaft oder Tribut schuldig ... Ja, zu handeln wähnt ihr, aber um so besser werdet ihr, von der Illusion euerer Freiheit gut eingedeckt, gehandelt und verhandelt ... Euere geistigen Positionen sind mehr, als ihr euch gewöhnlich zugeben wollt, recht kräftig materiell unterzementiert: drum, Augen auf, seht zu, wie alles, was ihr tut, sich heute notgezwungenermaßen objektiv, das heißt, von der Perspektive der Geschichte aus gesehen, auswirken muß! Macht euch gefeit gegen idealistischen Aberglauben, Jenseitstaumel und gegen jede Art von noch so interessanten Mystifikationsversuchen, gegen Nervenzauber und Seelenschmierereien, die gerade auf Grund der Tatsache heutzutage Kurswert erhalten können, als die Grundgesetze des Gesellschaftssystems und damit auch die Lehre von dessen Ueberwindung, die revolutionäre Theorie, nur verstandesmäßig zu erfassen sind. „Blickverschleierung tut not“ aber orakeln, und sie wissen nur zu gut warum, die Menschheitshyänen ... Habt acht auf die offizielle, mit allen Kräften geförderte Fabrikation von Gehirnvergasungsapparaten und auf die weit verbreitete Produktion von mystischen Gehirnnebeln!

Helft mit! Entlarvt das pazifistische Gesabber von angeblich zukünftig humaneren Methoden im Austrag der Völkerkonflikte, das beinahe blutrünstige Gekeife von der „pazifistischen Aera“ als das, was es ist: als ein verruchtes Ablenkungsmanöver, als den bewußten Betrugsversuch, „Atempause“ und „Schonzeit“ ideologisch als eine ewige Kategorie zu stabilisieren ... Erkennt den Unterschied zwischen der Phraseologie einer Sache und dem Inhalt einer Sache! Acht gehabt nicht auf das, was der Mund spricht, sondern auf die Bewegung der Fäuste! Statt daß ihr Worte, Papierform, Verfassungsparagraphen ernst nehmt, stürzt euch, wenn ihr mit euerem Entschluß fertig werden wollt, auf das spezifische Gewicht einer Handlung, auf Berechnungen, auf Tatsachen!

So laßt aus den Arsenalen der jährlichen Statistiken die Millionenarmeen der Selbstmörder, der Verhungerten, der Tuberkulösen, der Skrophulösen, jenen Millionenhaufen der in diesem Gesellschaftszustand der Wirklichkeit nach völlig Entrechteten vor euch aufmarschieren, die Kriegsopfer der Kolonialkriege und die Tausende von Jahren zählenden Zuchthausstrafen der politischen Gefangenen, und ihr werdet einwandfrei feststellen können, was es auf sich hat, wenn die Regierer aller Länder zynisch von den Parlamentstribünen meckern: „Friede auf Erden!“

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Seht die Kommunistische Partei, die weit mehr als Partei ist, die die Vorhut einer neuen kommenden Weltordnung, die das gestaltgewordene neue Welt-Bewußtsein, die der Stoßtrupp der Zukunft ist! Deren Mitglieder von den nur allzu getreuen Hütern der Menschheitsverwesung in allen Reichen der Erde über alle Maßen grausam verfolgt und verleumdet sind, zu Tausenden und Abertausenden ermordet oder lebenslänglich in Zuchthäusern eingesperrt, aber in deren Reihen, trotz alledem, noch immer wach erhalten ist und wach erhalten bleiben wird: Opfermut, Solidaritätsgefühl, wahre Lebendigkeit, Disziplin, Kampfgeist! ...

Heraus mit euch aus euerer Knechtseligkeit, aus euerem von mörderischen Ketten umstrickten Todesschlaf, aus euerer Indifferenz, aus euerer stupiden, verantwortungslosen Eigenbrödelei! Heraus mit euch aus euerer abstrakten Atelier- und Studierstubenluft: wir beschwören euch: informiert euch endlich darüber, was konkret in der Welt vor sich geht! Folgt unseren Parolen: „Heran an den Feind! Nieder mit Phantomen und Schemen! Herunter von den Thronen mit den lebendigen gekrönten und ungekrönten Leichnamen! Der Mensch muß endlich zu sich selbst den Mut haben! Erobert euch die Wirklichkeit! ...“

Kämpft gegen den Welt-Unsinn, gegen den Welt-Wahnsinn, gegen den Menschenmarkt, gegen das Menschen-Zuchthaus, gegen das Menschen-Schlachthaus! Kämpft gegen die im Interesse der Profitwirtschaft künstlich gezüchtete Menschendummheit, kämpft für Menschenfreiheit! Kämpft für die Wiedergeburt des Menschen aus der Menschen-Gemeinschaft!

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„Meine Pflicht ist zu reden, ich will nicht mitschuldig werden!“ Dieses stolze Wort Zolas haben unsere intellektuellen Hampelmänner, kautschuk-elastisch, wie sie nun einmal sind, und eingedenk der Tatsache, daß Zivilcourage in diesen bösartigen Zeiten unter Umständen zu einer recht brenzlichen Sache werden kann – dieses kühne Wort des französischen Sozialisten hat also unsere offizielle Intelligenz dahin abgewandelt, daß sie prinzipiell nur, wie nach einem geheimen Abkommen, über _die_ Dinge redet, die nicht der Rede wert sind.

Es gibt aber auch eine Lebensstrategie und damit auch fundamentale Grundsätze dieser Lebensstrategie. Und die Grundlage für jeden Erfolg beruht eben bekanntlich in der Fähigkeit, den Gegner mit überlegenen Kräften am entscheidenden Punkt im richtigen Augenblick zu schlagen. Ueber überlegene Kräfte aber einmal verfügen zu können, das verlangt schon heute: den vollen Lebenseinsatz jedes Einzelnen. Der entscheidende Punkt der gegnerischen Stellung, der springende Punkt, auf den zu alle Kräfte unserer Zeit sich bewegen werden, ist: das Problem der Ausbeutung. („Wer alles verteidigen will, verteidigt nichts.“ Dies für Wesensschauer und reine Seelenmenschen!)

Was aber treiben objektiv unsere Intellektuellen?!

Sie treiben „Tarnung“. (Oder Camouflage, wie es in Amerika heißt, und woraus man bereits eine ganze Wissenschaft gemacht hat ... Popularisiert diesen Begriff!) Was ist Tarnung? Unter Tarnung versteht man die Kunst, den Gegner über die wahren Absichten, die man hegt, im Unklaren zu lassen. Unter Tarnung verstand man z. B. den Grasbüschel am Stahlhelm des MG-Schützen, und da bekanntlich auch der imperialistische Frieden die Fortsetzung der Politik des imperialistischen Krieges mit besonderen Mitteln ist, so versteht man unter Tarnung in der sogenannten pazifistischen Aera: die serienweise Fabrikation von Ideologien und Illusionen (Parlament, Demokratie, Völkerbund, Ableugnung des Klassencharakters des Staates, der Justiz, des Heeres, der Polizeigewalt usw. usw.), die dazu geeignet sind, den Gegner, d. h. den Klassengegner, das Proletariat, über die wahren Absichten der Volksverbrecher und der Massenblutsauger im Unklaren zu lassen. Die Spitzen der Klassenkampfbewegung womöglich schon ideologisch und psychologisch abzubiegen und auf diese Weise sich die Profitrate bzw. die höhere Profitrate zu sichern ...

Selbstverständlich, so denken instinktsicher die Gewalthyänen, man kann es sich schon was kosten lassen, den verwesungstriefenden kapitalistischen Leichnam mit Girlanden zu umwickeln, wer wird auch seinen eigenen Gestank und seinen Totenschädel offen auf der Straße umhertragen! Ideologische Parfümeriefabriken tun bei dem allgemeinen Verwesungsgestank dringend not: man muß die Verwesung wenigstens wohlriechend machen! Kulissen her! Man kann sich doch nicht so jämmerlich, wie man in Wirklichkeit ist, zeigen! Ja, denn es geht hart auf hart. Alle Kräfte mobilisiert zum Endkampf heißt es da; hungern lassen heißt es da, ausbeuten! Nur die Massen nicht in revolutionären Schwung kommen lassen, nur die Haltung nicht verlieren. Nur jetzt nicht ... Verflucht, bleibt bald für das internationale Weltkapital nur noch China übrig, immer spärlicher werden die Akkumulationsreste ... und wenn man sich nicht mehr um Absatzgebiete hinmorden kann, was dann ... Wie soll man weiterhin den Mehrwert realisieren!? ... Die Welt ist aufgeteilt: nun muß man wohl bald dem Konkurrenten den Produktionsapparat selbst zerschlagen ...

Und Worte sind in solchen Zeiten nicht mehr dazu da, um die Wahrheit zu sagen, sondern: um sie zu verdecken ...

Nun, gut! Wir werden ihnen aber, wie man so sagt, mörderisch in ihr verruchtes Handwerk pfuschen. Wir werden reden, nicht um die Gegensätze zu verdecken, sondern um sie aufzureißen. Damit alle sie sehen können, werden wir die Wirklichkeit, nackt und brutal wie sie ist, in einen Kegel von Blendlicht stellen ...

Ja, euere Pflicht wäre es zu reden, Intellektuelle, um die Klassenkräfte mit in Bewegung zu bringen, euere Pflicht wäre es, den Motor an der Kampfmaschine des Klassenwiderstreites mit anzukurbeln, für den nötigen Brennstoff mit zu sorgen, mit zu sorgen dafür, daß die Zündkerze intakt bleibt. Euere Pflicht wäre es, die proletarischen Klassenenergien mit zu entwickeln. Euere Pflicht wäre es, zu reden, um nicht an der drohenden Versackung ganzer Geschlechter im „absoluten Krieg“, d. h. im „Gassumpf“, mitschuldig zu werden.

Euere Pflicht wäre es, nicht nur zu reden, um nicht an dem stündlichen ungeheueren Menschheitsverbrechen mitschuldig zu werden, sondern – – –

Und wenn es euch auch den Kopf kostete!

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Aber auch im Fall, daß euere Entscheidung für die Revolution ausfällt, auch in diesem Fall gilt es, mit einem festeingewurzelten Aberglauben gründlich aufzuräumen.

Denn Revolution bedeutet nicht nur gefühlsmäßige, begeisterungsflammende Hingabe an das revolutionäre Ideal. Damit ist bei weitem noch nicht alles getan. Revolution ist nicht nur der bewaffnete Aufstand, ist nicht nur das Stadium des Emporflammens der Massen-Empörung, Revolution bedeutet auch kleine zermürbende Parteiarbeit. Revolution ist auch die Klebekolonne. Revolution sind auch leere Versammlungen. Revolution ist Legalität und Illegalität. Die Kampfmaschine der Revolution: sie treibt einen ungeheueren Verschleiß an Menschenzahl und Menschenkraft. Revolution ist gründlichstes, exaktestes Wissen; sie ist das härteste, gewagteste und furchtbarste Lebenstraining dieser Welt; sie fordert deine Disziplin, deine Ausdauer, sie fordert dich hinein bis auf die letzte Nervenfaser; sie fordert dich ganz. Aber, es ist unschwer, wie Lenin sagt, revolutionär zu sein, wenn die Revolution schon ausgebrochen ist und in Flammen steht. „Nicht der ist revolutionär, der beim Eintritt der Revolution revolutionär wird, sondern der, der auch zur Zeit des stärksten Wütens der Reaktion die Grundsätze und die Losungen der Revolution verficht ...“

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Wir möchten es für euch wünschen, Kameraden, wir möchten es herzlichst für euch, in euerem eigenen Interesse wünschen: lernt wieder kennen Heroismus, Aufopferung, Kameradschaftlichkeit. Lernt wieder kennen, was es heißt, daß der Mensch nicht nur eine Ware ist, daß der Mensch nicht nur ein über alle Maßen gedemütigtes Ausbeutungs- und Spekulationsobjekt ist, sondern daß der Mensch vor allen Dingen noch ein Wesen ist, das aus einem Herzen besteht, das schlagen will, aus einem Gehirn, das denken will, aus Fleisch und aus Blutteilen. Lernt wieder kennen, nachdem ein Ideal nach dem andern euch zertrümmert worden ist, lernt wieder kennen das Gefühl, einer Bewegung anzugehören, der die Zukunft gewiß ist und deren Sieg gleichbedeutend ist mit Menschenwürde und Menschenfreiheit. Hier findet ihr hoch hinaus über alle spielerische Formelfexerei und geheimnisgeile Spekulationskrämerei wieder einen kräftigen Lebensinhalt. Unser Leben hat einen wesentlichen, das heißt einen zukunftszeugenden Inhalt: das ist das einfachste und wunderbarste zugleich, was ein Mensch von sich aussagen kann. Ein Lebensinhalt, um den es sich zu leben und zu kämpfen lohnt, und ein Lebensinhalt, um den es sich, wenn es sein muß, auch zu sterben lohnt. Mehr als das, etwas Schöneres, Herrlicheres, Gewaltigeres gibt es nicht, was der Mensch dem Leben abzugewinnen vermag ...

Kämpft mit uns, wenn ihr wirklich ernsthaft gewillt seid, daß endlich Schluß gemacht wird mit jenen uniformierten Folterbestien, kämpft mit uns, wenn ihr wirklich ernsthaft gewillt seid, daß endlich Schluß gemacht wird mit jener Minderheit von Mehrwertshyänen in Menschengestalt, die Glück, Freude, Leben, Gesundheit von Millionen und Abermillionen Menschen täglich, ja stündlich auf dem Gewissen haben! Kämpft mit, Kameraden, wenn ihr die Wiedergeburt des Menschen aus der Menschengemeinschaft wollt, kämpft mit uns, Schulter an Schulter mit dem klassenbewußtesten Teil des Proletariats, Schulter an Schulter mit der Kommunistischen Partei: für die Grundsätze und für die Losungen der Revolution ...“

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Solche und ähnliche Aufrufe erschienen damals in allen Universitäten, Hochschulen ... Und die idealgesinntesten und aktivsten Elemente der bürgerlichen Gesellschaft traten unter die rote Fahne. Es geschah, daß mancher Chemiker, Techniker, Künstler, Gelehrte, Arzt plötzlich wie aus einem Lebensschlaf erwachend, die Augen sich rieb, staunte: „Ja, die Kommunisten sind ja gar nicht so ... Die hab ich mir immer ganz anders vorgestellt!“ Und mit einer ungeheueren Ueberzeugungswucht und einem fanatischen Bekennermut sich die gefährlichsten Kampflagen aussuchte.

Zahl, Kampfstärke der beiden Fronten änderten sich Tag für Tag.

An manchen Stellen war ein großes Ueberlaufen ...