(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg

Part 13

Chapter 133,294 wordsPublic domain

„Ja, ganz richtig, was die Kriegsschuldfrage anbetrifft: mir fehlt in meinen Untersuchungen nur noch eine Minute im damaligen Leben des leider verewigten Zaren ... Dann ist der Kreis lückenlos geschlossen ... Jeden Staatsmann habe ich wissenschaftlich gewissenhaft unter die Lupe genommen ... Ich kann aber heute schon Ihnen vertraulich versichern, die Unschuld der Entente wird einwandfrei bewiesen ...“

„Und korrespondieren Sie noch mit ... na, ich meine den Verfasser von diesem Buch „Untergang des Abendlandes“ oder so ähnlich ...“

„Gewiß. Gewiß. Eine renaissancehafte Cäsarennatur, gemästet an den von ihm selbst gezeugten Kadavern ... Hat übrigens die Absicht über das „Große Wasser“ zu kommen ... Würde sich lohnen ... Jemand, der es finanziell arrangieren würde, würde bestimmt, bei der großen Aussicht auf Erfolg, zu finden sein.“

„Das so wie so. Ist ja ganz nach dem Geschmack unseres Publikums ...“

„Man muß dem Volk die Wege zu Kraft und Schönheit weisen. Sport. Sport: das ist das in unserem Zeitalter gegebene Mittel dazu ...“ unterbrach jetzt die Beiden ein dritter.

* * * * *

„Vom Leben nach dem Tode“ wurde jetzt gesprochen.

„Ein aktuelles Thema sozusagen“, schnauzte jemand.

Einige lächelten zwar skeptisch, sie erklärten sich für Agnostiker und Relativisten, aber die Jenseitsgläubigen gewannen unschwer die Oberhand.

„Religiös zu sein ist modern. Außerdem liebe ich prinzipiell nur religiöse Menschen. Haben Sie neulich nicht das Bild des Kardinals im Journal gesehen! Ein feiner Kopf! Totschick.“

Die Filmdiva erinnerte sich daran genau.

„Ueberwundener Standpunkt!“ höhnte der Kunstmaler, der fest an einen persönlichen Gott glaubte, zu einem der Ungläubigen hinüber und entwickelte eine exakte Topographie des Jenseits. Er ging zur Beschreibung der Hölle über, und kicherte satanisch, als er jedem Ungläubigen dort bereitwilligst sein Plätzchen zuwies.

Der Kunstmaler bekannte gleich darauf dem interessiert aufhorchenden Zuhörerkreis nicht unbescheiden, er selbst befinde sich im Zustand der Gnade, das regelmäßig gepflogene Gebet erwirke in ihm eine magische Kraft, Gottes Stimme sei auch heute noch ganz reell zu hören ... Verlor sich aber gleich darauf in einem langwierig ausgesponnenen Traktat über das Wesen des Sündenreizes und über Luthers „Fortiter peccare“ und schloß damit, daß dem Gläubigen alles erlaubt sei. Auf die Reue lediglich komme es an.

Ein neukatholischer Universitätsprofessor wiederholte dabei monoton:

„Man muß sein Leben opfern ... Für mich persönlich allerdings, das muß ich gestehen, wäre der Heldentod keine besondere Sache. Wer, wie ich, in der Entspannung lebt, wem, wie mir, das Leben leicht ist ... Das Problem der Opferung umfaßt bei mir nicht solche materielle Bezirke ...“

Wieder war ein Wortstreit ausgebrochen.

Ein Theosoph schlug sich mit einem Mystiker, ein Protestant mit einem Neukatholiken, ein Monist griff taktlos ein, und alles hielt sich plötzlich die Ohren zu und kreischte:

„Ausgerechnet Darwin!“

Und die Gesellschaft schlug unter Anleitung eines bekannten Schauspielers jetzt einige prächtig gelungene Saltomortales in Geistreichigkeiten ... Die Witze hüpften ...

Aber schon ließ sich ein Sekretär des Auswärtigen Amtes hören:

„Soll ich Ihnen, meine sehr verehrten Herrschaften, vielleicht einmal schildern, wie das Volk in Wirklichkeit fühlt und denkt!? Ja!? Vielleicht jage ich damit auch den letzten Restspuk ihrer pazifistischen Illusiönchen zum Teufel!

„Es handelt sich um die Lynchjustiz an Negern im Staate Ohio.

„Stellen Sie sich bitte vor: eine Menge von 10000 Personen. Geballte Fäuste, blutunterlaufene Augen, Fluchen und Schimpfen. Mit Stöcken, Pechfackeln, Revolvern, Besen, Stricken, Messern, Scheren, Schirmen, Vitriol bewaffnet. Inmitten dieser entfesselten und immer wachsenden Truppe ein schwarzer Klumpen, einmal nach links, einmal nach rechts gestoßen, geschlagen, niedergetreten, zerrissen, blutbedeckt, beinahe tot ... Die lynchende Menge schleppt ihr Opfer, den Neger, mit sich. In einen Wald oder auf einen öffentlichen Platz. Dort wird er an einen Baum gebunden, mit Petroleum oder sonstigem Brennstoff begossen. Bevor das Feuer angezündet wird und seinen Körper erfaßt, wird ihm ein Zahn nach dem andern ausgeschlagen, werden ihm die Augen ausgerissen, wird ihm das Haar in Büscheln vom Kopf gerissen, wobei ganze Hautfetzen mitgehen und ein blutiger Schädel zurückgelassen wird. Der Körper wird derart geschlagen, daß kleine Fleischstücke herumfliegen ... Der Neger atmet noch; aber er schreit nicht mehr. Denn man hat ihm seine Zunge mit glühendem Eisen verbrannt. Der ganze Körper krampft sich zusammen wie eine Schlange, die halb zertreten wird, wenn man ihn von zwei oder drei Seiten zugleich mit glühendem Eisen versengt. Mit einem Messer wird ihm sein Ohr abgeschnitten ... „Oh, wie schwarz er ist! Wie häßlich er ist!“ kreischen die Damen, die ihm das Gesicht zerfleischen. „Man soll ihn anzünden!“ schreit einer. „Nur langsam“, fügt ein anderer hinzu, „nur hübsch langsam braten lassen, damit er nicht zu rasch stirbt, sonst hat die Sache keinen Witz.“ Der Schwarze wird geröstet, gebraten, bis der Körper schließlich fast verkohlt ist. Aber _ein_ Tod ist zu wenig. Darum hängt man den Körper noch auf, genauer gesagt, man hängt das auf, was von seinem Leichnam übrig ist, und alle Zuschauer klatschen Beifall und rufen „Hurra“! Wenn die Menge sich an dem Schauspiel genügend satt gesehen hat, läßt man den Leichnam zur Erde fallen. Man schneidet die Stricke, mit denen er angebunden und gehenkt worden ist, in kleine Stücke, von denen jedes um drei oder fünf Dollar verkauft wird. Das sind Andenken, die Glück bringen, und um die sich die Frauen reißen ...“

Man schwieg auf diese Erzählung hin nicht lange.

„Schauderhaft ... Furchtbar ...“

„Das Urböse im Menschen, die Bestie, der Satan ...“

„Ob es nun wahr ist, was Sie uns erzählt haben oder nicht ... es war spannend erzählt, es prägte sich einem deutlich ein ...“

„Nun, wir sind keine Nervenbündel ... und wenn die Frauen sich ängstigen: _mulier taceat in ecclesia_! Uebrigens: auch Weiber werden zu Hyänen, und wie der Krieg gezeigt hat, oft zu sehr brauchbaren ...

„Ja, du meine süße Hyäne ...“

Man scherzte schon wieder.

Der Neger war rasch vergessen.

VIII

Professor Snowden nahm indeß das Schlußwort:

Eine Generalstabskarte war aufgespannt, auf der der Vortragende die einzelnen Positionen mit dem Stab aufzeigte.

„Ich werde jetzt versuchen, eine ökonomische Analyse des kommenden Krieges zu geben ... Es handelt sich dabei vor allem um die nichtkapitalistischen Absatzmärkte in China und Indien. England ist im Jahre 1925 so gut wie aus China vertrieben, so daß jetzt der Kampf zwischen den beiden siegreichen Mächten Japan und Amerika beginnt. China mit seinen 400 Millionen Einwohnern, von denen der größte Teil Kleinbürger sind, 320 Millionen in der Landwirtschaft, die sie kleinbürgerlich betreiben, ein großer Teil von Kleinbürgern in den Städten, und Indien mit seinen 320 Millionen, darunter 217 Millionen in der Landwirtschaft: sind die beiden großen Hauptbecken, wo wir noch Mehrwert realisieren können, namentlich nachdem sich der nichtkapitalistische Markt in Amerika und Kanada immer mehr verengt hat. In Amerika sind allein in den letzten 10 Jahren etwa 7 Millionen Farmer als Proletarier in die Städte gewandert.

„Schon früh haben wir die große Bedeutung Chinas erkannt.

„Das Vordringen unserer Standard-Oil-Compagnie in China, das Eindringen unserer amerikanischen Maschinen in China ist ein deutliches Zeichen dafür. Wir mußten unsere Zivilisationsbestrebungen aber auch militärisch fundieren. Die erste Periode war im Jahre 1899 der amerikanisch-spanische Krieg, in dem wir die Philippinen, direkt vor China, annektierten. In der zweiten Periode wird die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und den Philippinen hergestellt, werden im ganzen Stillen Ozean feste Kriegsstützpunkte zu seiner Beherrschung, zur Vorbereitung des weiteren Vordringens nach China, nach Ostasien gemacht. Durch den Abkauf der dänischen Inselgruppe St. Thome, durch den Ausbau von Hawaii, insbesondere durch den Ausbau des dortigen Kriegshafens Perl Harbor, durch Ausbau von Dutch-Harbor auf Alaska, nach dem Krieg durch die Besetzung und den Ausbau von Tutuila in der ozeanischen Inselgruppe und schließlich durch die Besetzung und den Ausbau von Guam haben wir ein weites, großes Viereck geschaffen, das zur Vorbereitung von Angriffen bezw. Abwehr vorzüglich geeignet ist. Dieses große Viereck im Stillen Ozean erhält seine Rückenstützpunkte durch Kalifornien auf der einen Seite, durch den Panamakanal, und damit die Verbindung zum Atlantischen Ozean auf der anderen Seite.

„Nun, und auf der anderen Seite steht Japan, das gleichfalls Anspruch auf China und Indien erhebt, und das immer stärker gleichfalls vordringen will.

„Die Probleme des japanischen Imperialismus lassen sich auf zwei Hauptfragen zurückführen. Das eine ist selbstverständlicherweise die Frage des Absatzes seiner Ware, das andere ist das spezifisch japanische Problem der Uebervölkerung, und damit die Notwendigkeit der Ansiedlung und des Ausbaues seines Imperiums. Bereits 1919 hat Graf Komura erklärt, daß Japan verloren sei, wenn es ihm nicht gelinge, in einem Menschenalter Raum für 100 Millionen Menschen zu sichern und obendrein seine Auswanderungsräume unter der Flagge zusammenzuhalten.

„In Japan drängen sich auf einer Fläche, die etwa so groß ist wie die Deutschlands, dabei aber vielfach unbewohnbar ist durch steile Vulkanberge, 78 Millionen zusammen, sein Geburtenüberschuß betrug in dem einen Jahre 1921 724600 Geburten, während der Ueberschuß in den über 250 Jahren der japanischen Abgeschlossenheit von 1600 bis 1886 nur 900000 betrug. Die plötzlich so starke Ausdehnung vor allem zwingt Japan, fremde Gebiete zu erobern, dorthin die Mengen von proletarisierten Bauern und Proletariern zu übertragen. So hat Japan Korea besetzt und völlig zur japanischen Kolonie ausgebildet, so dringt es in China ein, in Indien, in Südafrika, so hat es sich vor allem schon in Kalifornien, in unserer direktesten Nähe, festgesetzt. Vor dem Erlaß unseres Einwanderungsverbots und auch jetzt noch steht Kalifornien vor der Gefahr eine japanische Kolonie zu werden. Bereits 1922 gab es 110000 Japaner in Kalifornien, denen mehr als zwei Drittel des hochwertigen Weizenlandes gehören.

„Nun die Frage der Rohstoffversorgungsmöglichkeiten Japans!

„Während Japan selbst nicht reich an Kohle, arm an Eisen und Oel ist, ist China und Korea außerordentlich mit Kohle und Eisenerz versehen. Während man den japanischen Kohlenvorrat insgesamt auf etwa 1600 Millionen Tonnen schätzt, wird der chinesische auf 15 Milliarden Tonnen geschätzt. Ebenso belaufen sich die chinesischen Eisenerzvorräte auf zirka 45000 Millionen Tonnen, während die Japans nur etwa 4000 Millionen Tonnen betragen. Das Vordringen Japans in China, das bereits durch große Bindungen, durch große Beteiligung der Japaner an Eisen- und Stahlwerken vollzogen ist, droht für unseren Handel jetzt zur direkten Gefahr zu werden! Für England ist Japan bereits zur Gefahr geworden! Der englisch-japanische Vertrag ist auch aus diesen Gründen nicht mehr erneuert worden. Und die Errichtung der Singapore-Basis seitens England kann nur Japan gelten. Wir können daher wirklich von einer gelben Gefahr sprechen und die Gefahr eines kommenden Krieges ist damit ebenfalls in große Nähe gerückt.“

– – –

Da platzte die Nachricht herein:

„Dempsey Knockout-Sieger nach zwei heftigsten an Ueberraschungen reichen Runden über Firpo ...“

Der Lärm der Straße schwoll.

Ein Menschenkatarakt ...

Frank und Thomas trieben steuerlos dahin durch die Nacht wie durch ein Traumland ...

„Mir ist es oft“, sagte Frank zuerst, „als sei das Proletariat aller Länder, dieser Riesenmenschenmassenleib, mit magnetischen Strömen geladen und mitten hinein in ein Stahlgewitter gestellt, dazu ausgesucht, die Blitze, die sich aus der labyrinthischen Wirrnis dieser Gesellschaftsform entladen, auf sich abzuziehen ... Ein wandelnder Blitzableiter ...“

„Nun heißt es aber für uns: mit zehnfacher Kraft heran an die Arbeit! Wir müssen gleich morgen zu einem wirklichen Resultat kommen! ...“

IX

„Ich schlage vor“, nahm die Genossin Green das Wort, „nachdem wir jetzt die ausführlichen Berichte der Genossen Morrow und Butler gehört haben, eine Resolution zu fassen und sie allen revolutionären Arbeiterorganisationen der Welt vorzulegen und dringend zur Annahme und zur Durchführung zu empfehlen. Auch der Genosse Bolleff von der bulgarischen Sektion hat einige Bemerkungen gemacht, die wir berücksichtigen müssen. Wir Sozialisten Amerikas, als des Landes, das am weitesten fortgeschritten ist in der imperialistischen Kriegstechnik, haben demnach die Pflicht, auch in der Bekämpfung des imperialistischen Krieges führend zu sein und unsere Beobachtungen allen Sektionen mitzuteilen. Unsere Kommission zur Beobachtung der imperialistischen Kriegsrüstungen hat gut gearbeitet, sie steht nach wie vor mit unseren illegalen Organisationen in engster Verbindung und wird sich weiter intensivst ihrer Aufgabe widmen. Die Resolution, die wir aufgesetzt haben, lautet:

Einige wichtige Ergänzungspunkte zum Kampf gegen den imperialistischen Krieg

„Zu dem Kampf gegen den imperialistischen Krieg gehört unmittelbar auch die möglichst genaue Kenntnis der Waffen, die in diesem Krieg aller Voraussicht nach zur Anwendung kommen werden. Wir müssen in unserer Aufklärungsarbeit unbedingt regelmäßig über den Stand der modernen Kriegstechnik konkret berichten können und auch von dieser Richtung her die Massen damit bekannt machen, was für sie ein kommender Krieg bedeutet.

„Der Weltkrieg war eine Revolution für die gesamte Kriegstechnik.

„Es läßt sich nun nicht leugnen, daß unsere gesamte bisherige Antikriegspropaganda viel zu sehr auf den vorhergegangenen Krieg eingestellt war, viel zu „konservativ“ war und daß wir es nicht richtig verstanden haben, die experimentellen Ansätze der im vorhergegangenen Krieg entwickelten Kriegstechniken scharf herauszuanalysieren, ihre Weiterentwicklung in der Nachkriegsperiode in aller Oeffentlichkeit zu verfolgen und damit den entscheidenden Wendepunkt im Charakter der gesamten Kriegsführung überhaupt überzeugend darzutun. Das, was gewesen ist, interessiert uns doch nur im Hinblick auf das, was ist, im Hinblick auf das, was sein wird.

„In den wenn verhältnismäßig auch nur spärlichen Berichten der Bourgeoisie über dieses Thema aber bietet sich uns ein ungeheueres Agitationsmaterial dar, das, im entscheidenden Augenblick richtig eingesetzt, eine durchschlagende Wirkung auf die weitesten Kreise unserer Meinung nach ausüben müßte.

„Es gilt den Fortschritt der Militärtechnik in allen Ländern mit größter Sorgfalt zu verfolgen, um einerseits durch die Schilderung des Konkreten dem Proletariat ein Bild des kommenden Krieges in anschaulichster, lebenswirklichster Weise geben zu können und um andererseits durch die intensive Beschäftigung mit den Rüstungen in dieser Weise, durch ihr näheres Studium auf Grund der dabei gemachten Erfahrungen realere Anhaltspunkte für unseren Kampf gegen den Krieg zu gewinnen.

„Wir amerikanischen Genossen ersuchen euch, Genossen, schon heute auf dieser Basis eine großzügige Aufklärungspropaganda über den chemischen Krieg zum 1. August dieses Jahres vorzubereiten. (Vorträge, Aufklärungsmeetings, Broschüren usw.) Vor allem aber auch mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß die polnische Regierung am 9. März 1925 das erste Mal im Klassenkrieg gegen revolutionäre Arbeiter chemische Kampfstoffe eingesetzt hat. Dies ist unseres Wissens das erste Mal, daß im Bürgerkrieg chemische Kampfstoffe angewendet wurden. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß es nur eine Frage der Schärfe in der Zuspitzung der Klassenverhältnisse ist, ob und wann das Gas auch im Bürgerkrieg allgemein seine Verwendung finden wird. Die Bourgeoisie spart bekanntlich nur deswegen ihr bestes Pulver auf, um ihre Geheimnisse nicht vorzeitig preiszugeben. Es wäre aber äußerst verhängnisvoll für uns, uns darüber Illusionen zu machen und uns, wenn es einmal hart auf hart geht, auf einen solchen Kampf nicht einzustellen.

„Wir fordern euch, Genossen, daher auf, alle das eure zu tun zur Konkretisierung unserer Methoden des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg ...“

„Wünscht einer der Genossen zu dieser Resolution das Wort?“

Der bulgarische Genosse meldete sich.

„Genosse Bolleff!“

Der bulgarische Genosse bemängelt vor allem, daß die Resolution selbst nicht genügend konkret sei, die Konkretheit fordere, ohne selbst dieser Anforderung zu entsprechen. So hätte man auf den Abrüstungsschwindel genau eingehen müssen, nachweisen müssen, daß Rüstungsindustrie identisch ist mit Farbstoffindustrie und daß die ungeheure Entwicklung der chemischen Industrie gleichbedeutend ist mit der ungeheuren Aufrüstung, wie sie fieberhaft in allen Ländern betrieben wird. „Wir hätten am besten Amerika als Beispiel anführen können, das vor dem Krieg sieben chemische Fabriken besaß, nach dem Kriege bereits 118! Dann hätte man sagen müssen: daß alle schweren Giftstoffe Abkömmlinge der Farbindustrie bezw. der Heilmittelindustrie sind. So weiß im Zeitalter des Giftgaskrieges der Arbeiter in der Fabrik nicht mehr, ob er ein harmloses Heilmittel, irgendeine Farbe oder aber ein äußerst gefährliches Giftgas herstellt. Hier enthüllt sich mit voller Schärfe die konterrevolutionäre Forderung der 2. Internationale, daß man bei Kriegsausbruch einfach den Krieg unmöglich macht dadurch, daß man keine Munition herstellt. Hier zeigt sich klar, daß diese Forderung nur dazu dient, das Proletariat von der Erkenntnis der unerbittlichen Notwendigkeit des Kampfes gegen die Bourgeoisie, des Krieges gegen den Krieg, abzuhalten. Wir müssen dabei in Rechnung stellen, daß man versuchen wird, die Belegschaften dieser Fabriken mit „zuverlässigen“ Elementen auszufüllen. Die Resolution hätte noch besonders hinweisen müssen auf die Wichtigkeit unserer Betriebszellenarbeit in diesen Fabriken, auf unsere Zellenzeitungen in diesen Betrieben ...“

Als zweiter meldete sich ein amerikanischer Genosse.

In der Resolution sei die Tatsache nicht in Betracht gezogen, daß die amerikanische Polizei bereits gegen sogenannte Verbrecher ausreichend von Gashandgranaten Gebrauch mache, daß man Gas in Gefängnissen gegen Meuterer verwende, ja daß man bereits Experimente angestellt habe, den elektrischen Hinrichtungsstuhl durch Gas zu ersetzen ... Abgesehen aber davon, hätte man auch formulieren müssen, daß der Kampf gegen den imperialistischen Krieg eben gleichbedeutend ist mit dem Kampf um den Besitz der Produktionsmittel. Daß der Kern der Sache der Besitz der Produktionsmittel ist. Und daß das Entweder-Oder, Sozialismus oder Untergang in die Barbarei, in diesem Zusammenhang zur höchsten Aktualität gesteigert, plötzlich eine ganz neue schlagartige Beleuchtung erhält.

„Zweierlei scheint mir noch zu fehlen“, fügte jetzt Genosse Morrow hinzu: „erstens daß alle Kampfmittel und Kampfstoffe eben dadurch, daß sie uns bekannt sind, beweisen, daß sie von den einschlägigen Kreisen bereits längst aufgegeben sind, und daß wir im Ernstfall bei weitem schärfere und ausgiebigere Kampfstoffe zu erwarten haben ... Und dann: daß man mit allen Mitteln dem Unfug entgegentreten muß, den zukünftigen Krieg utopisch durch allerlei phantastischen Schnickschnack wie Todesstrahlen und mechanische Polizeimänner zu verzerren, dadurch wird nur erreicht, daß auch das bereits wirklich Vorhandene angezweifelt wird, und unsere ganze Kampagne sich leerläuft. Die Bourgeoisie allerdings hat das größte Interesse daran, diesen Dingen gegenüber die Methode der Camouflage anzuwenden, d. h. Dinge, die sie nicht mehr verschweigen kann, durch Kombination mit blödsinnigem Ulk als harmlos und als unwirklich darzustellen. Das hätte meiner Meinung nach berücksichtigt werden müssen ...“

* * * * *

Damit war die Debatte über die Resolution beendet.

Es wurde vorgeschlagen, als Kommentar zur Resolution zwei ausführliche Artikel anzufügen, der eine mit dem Titel: „Der zukünftige Krieg und die chemische Industrie der Welt“, der andere „Die chemische Waffe im kommenden Krieg!“ Diese Arbeiten sollten möglichst knapp gehalten, mit überzeugendem Tatsachenmaterial versehen sein und so präzis wie nur möglich formuliert werden. Mit der Ausarbeitung wurden die Genossen Frank Morrow und Thomas Butler beauftragt.

X

Die Ereignisse überstürzten sich.

Mancher der besten Kommunisten hatte das Tempo falsch eingeschätzt.

Die Kriegsgefahr springt wie eine Springflut die Völker an ...

Die großen amerikanischen Flottenmanöver im Stillen Ozean begannen. Eine gewaltige militärische Demonstration gegen Japan ...

Sieben Monate lang sind die verschiedenen Schiffseinheiten unterwegs.

* * * * *

Pearl Harbor auf Hawaii:

12 Schlachtkreuzer, 6 Kreuzer, 56 Zerstörer, 6 Unterseeboote, 1 Geschwader Flugzeuge, 2 Flugzeugmutterschiffe: sind zum Angriff angesetzt.

Minengürtel, mit Unterseebooten verseuchte Zonen, sperren Hawaii ab. Ein einziger Feuer und Eisen speiender Krater ist Hawaii ...

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Je näher die Kriegsgefahr heranrückt, desto energischer betreiben die einzelnen Regierungen die Kommunistenverfolgungen. Die Revolutionsgefahr wächst. Alle kommunistischen Sektionen sind schon in die Illegalität gedrängt. Kommunistengesetze, Geheimerlasse zur Bekämpfung unruhiger Elemente durchwirbeln die Länder. Die Parlamente heben rücksichtslos die Immunität der kommunistischen Abgeordneten auf. Die Demokraten regieren nur wackelnd noch auf den Krückstöcken rigorosester Ausnahmegesetze ... Ueberall drängen die ausgebeuteten Volksmassen vor. Die Sozialdemokratien aller Länder spalten sich ...

Der Völkerbund beschäftigt sich mit der kommunistischen Gefahr.

Ob ein „heiliger Krieg“ gegen Sowjetrußland noch einmal die durch die verschiedensten Interessengegensätze zersplitterten Kapitalisten aller Länder zusammenzwingt? Man ist willens, die Austragung der Konflikte unter sich bis nach der Niederringung der „Roten Gefahr“ aufzuschieben.

Der Vernichtungskampf gegen die Kommunisten wird im Weltmaßstab organisiert.

Die Regierungen haben die Kommunisten offen außerhalb des Gesetzes gestellt, sind entschlossen, ihre Organisationen wie Ratten auszurotten. Armee, Polizei, Miliz, Gruppen von Reserveoffizieren spüren alle bekannten Kommunisten auf und ermorden sie ...

* * * * *

In Newyork findet der Hochverratsprozeß gegen Mary Green und 25 Genossen statt. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, Giftgase fabriziert zu haben, Cholerabazillen und Giftbakterien mit Hilfe bestochener Chemiker und Aerzte hergestellt zu haben, in solchen Mengen, um über Nacht halb Amerika damit zu vergiften. Drei Giftmorde seien bereits auf Konto dieser Organisation zu setzen, weitere Attentate u. a. auf Morgan, Ford usw. seien geplant gewesen, umfangreiche Waffenlager mit Toluol, Dynamit, Nitroglyzerin usw. habe man entdeckt, sogar ausgedehnte Materiallager zur Herstellung von Bombenflugzeugen. Einzig und allein den mit einer Beamtenkorruptionsaffäre in Zusammenhang stehenden Ankaufsversuch von Unterseebooten zwecks In-die-Luft-Sprengung der amerikanischen Hochseeflotte bezog der Oberstaatsanwalt nicht in seine Anklagerede ein.

Der eigentliche Träger dieser riesigen und nach allen derartigen Prozessen eigentlich reichlich banal erscheinenden Komödie war ein außerordentlich gut funktionierender Spitzelapparat. Die Angeklagten wurden glatt der ihnen zur Last gelegten Verbrechen überführt. Jede Lücke der Beweisführung war restlos geschlossen.

Verteidiger waren gewaltsam aus dem Sitzungssaal entfernt. Den Angeklagten wird das Schlußwort entzogen ...

Die Zeitungen heulen. Stoßen Warnungssignale aus.

Der Tag der Urteilsverkündung naht ...

* * * * *