Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band
Part 28
Mein Ziel war es, im Sophokles und Aeschylos den antiken Trimeter, durch angemessene Umgestaltung desselben, in unserer Sprache einzubürgern und einen neuen Styl für das deutsche Drama vorzubereiten, einen höheren, reicheren und mannichfaltigeren. Sehen Sie zu, ob mir dieß gelungen ist, mein verehrter Meister! Schwer und voll klingt mein dramatischer Vers: das ist sicher; so leicht und locker wie der Donner’sche tritt er nicht auf, aber ich behaupte demungeachtet, _deutscher_ und die Poesie erschöpfender. Vergebens werden unsere Hinkjambenschreiber mich im deutschen Gepräge zu übertreffen suchen: sie kommen nicht einmal über Christian von Stolberg im Sophokles hinaus. Auf den ersten Blick mag zwar meine Darstellung etwas fremdartiger erscheinen, aber hat nicht jeder originelle Autor anfangs etwas Fremdartiges für uns, und muß man sich nicht erst in die Neuheit (wenn ich so sagen darf) hineinlesen? Hat die Bibel nicht auch die Fremdartigkeit beibehalten, die von den Autoren selbst herrührt und die um dieser Autoren willen nicht übertuscht werden darf: und erachtet die Bibel Jemand für undeutsch? Ein Mode-Deutsch hat sie freilich nicht. Lies’t man ein Werk von Ihnen, verehrter Freund, oder eins von Goethe, Schiller, Jean Paul: versteht man da Alles gleich auf den ersten Blick und muß man nicht lesen und wiederlesen und nicht nachdenken, um den Geist, der plötzlich vor uns tritt, aufzufassen und sich mit ihm zu befreunden?
So waren meine Betrachtungen, als ich über Sophokles und Aeschylos arbeitete; Werke, die mich sieben volle Jugendjahre, nach einem genauen Überschlage der Zeit, in welcher ich geradezu Tag und Nacht brütete, gekostet haben. Glauben Sie aber nicht, daß Ihre Wahl der Antigone von Donner mir ärgerlich ist. Ich besitze keinen Ehrgeiz, nur Liebe zur Sache; und wenn man die Verse von Donner lobt, rechne ich im Stillen mit um so größerer Zuversicht darauf, daß man die meinigen dermaleinst in ihrer Vollendung erst recht erkennen wird. Sie, verehrter Herr Hofrath, wirken auf praktischem Wege für den Fortschritt und die Hebung unsers Theaters, indem Sie jene unvergänglichen Meisterskizzen der Attiker vor das Auge öffentlich hinstellen: ich meinerseits betheilige mich an Ihren Bestrebungen dadurch, daß ich für dieses Ziel einen neuen Styl schaffen helfe.
Leben Sie wohl und bleiben meiner in Liebe eingedenk! Noch fällt mir bei, Ihnen zu sagen, daß unser beiderseitiger Freund, der Freiherr Friedrich von Rumohr, denselben Schritt für mich thun wollte, von welchem ich im Eingange meines Briefs zu Ihnen gesprochen. Im Mai vorigen Jahres versprach er es mir freiwillig, aber schon im August raffte ihn zu Dresden der Tod dahin.
Der Ihrige.
~Dr.~ _Johannes Minckwitz_.
Während eines kürzeren Aufenthaltes in Berlin geschrieben.
Mnioch, Johann Jacob.
Geb. zu Elbing den 13. Oktober 1765; gestorben in Warschau am 22. Febr. 1804, als Direktionsrath der preuß. Lotterie-Verwaltung.
Lyriker, vorzüglich in launigen Dichtungen und geselligen Liedern.
Sämmtliche auserlesene Werke, 3 Bde. (1798) -- Analekten, 2 Bde. (1804).
Sein Schwiegersohn war _Wilhelm Neumann_, der innige Freund Hitzig’s, Chamisso’s, Varnhagen’s, mit welchem letzteren er in jüngeren Jahren den parodischen Roman: Karls Versuche und Hindernisse schrieb.
_Warschau_, d. 10. Febr. 1801.
Eben hatte ich einen Brief an Fichte geschlossen, worin ich mich mit ihm über Sie und für Sie (ich hab’ ihn ersucht, Ihnen den Brief mitzutheilen) unterhalte, als mir Ihr liebes und werthes Schreiben (vom 1. Febr.) gebracht wird. Sie sind meinen Wünschen und meiner stillen Absicht bey Schreibung jenes Briefes auf die erfreulichste Art zuvorgekommen. Wir lieben und verehren Sie lange in Ihren Werken, und freuen uns über das herrliche Aufleben der Poesie sowohl in ihrer unbefangenen Kindlichkeit als im heroischen Ankämpfen gegen die Befangenheit. Auch in mir ist ein alter Funke, den die Kritik einer anmaßlich-geschlossnen Grammatik mit Asche bestreut hatte, wieder geweckt worden. Er wird nun zwar bald verglimmen, aber er verglimmt dann doch im Freyen, und erstickt nicht. -- Ihre Gedanken über den Reim gehn aus Ihrem Reim hervor. Ehe man über das Leben im Lebendigen sprechen kann, muß ein Lebendiges daseyn und man muß es inne werden. Meine verstorbne Gattin hat in Gesprächen, die ich erst jetzt besser verstehe, Manches geahnet, auch wohl traummäßig gebildet, was jetzt im Wachen erkannt und _unaussprechlich-ausgesprochen wird, d. h. poetisch_. Unsre Reimspiele gehn nicht tief. Das zweite Stück von den eingesandten ist nehmlich von meiner verst. Frau, und war schon vor 5 Jahren geschrieben. Das größere und letzte ist von mir; und schwerlich würd’ ich das erste zum Druck angeboten, noch das zweite im vorigen Frühjahr selbst versucht haben, wenn ich nicht vorher Ihren Zerbino gelesen hätte, dieses harmonische Chaos, worüber ich noch manches zu schreiben gedenke und bereits geschrieben habe. Dieser Zerbino hat in Bezug, nicht auf mein _Innewerden_ der Poesie, sondern auf mein _verständliches Denken_ und _Sprechen_ darüber, ein wahres Pfingst-Wunder an mir verübt, an _mir_, sag ich, d. i. eben an keinem Apostel, sondern vielleicht an einem von denen, die im 2. Kapitel der Apost. Gesch. vom 9. bis 11. Vers ~inclus.~ genannt werden, vielleicht einem _Kretenser_. (Den ganzen Epistolischen Kirchen-Text dieses Kapitels vom 1. bis 13. Vers ~inc.~ sollte man ausführen als Geschichte des jetzigen Erwachens der Poesie; auch der Schlußvers ist deutungsreich, wenn vorher nehmlich die Volksnamen in Schulen-Namen verwandelt wären, und darunter auch _Nikolaiten_ vorkämen.) -- Nochmahls (denn ich bin vom Wege abgekommen) unsre Reimspiele gehen nicht tief, woher auch größtentheils Reim auf Reim folgt, ohne künstliche Verschlingung und große Partieen im Korrespondiren und Zusammenstimmen der Verse. Die italiänische Stanze ist mir das Bild eines schönes Hausstandes. Ein Paar Wörtlein darüber stehn im Briefe an Fichte. Nur mit den Schlußterzetts der Sonette kann ich mich nicht immer vertragen. In den beiden Anfangs-Quartetts ist ein so erfreuliches Grüßen und Küssen der Reime, ein so inniges Umarmen der Verse, daraus kömmt mir der Abschied so kalt, frostig und höflich vor. Ich will einmahl Sonettförmig ausdrücken, was ich meyne.
Ein Sonett über das Sonett.
Willkommen, ruf’ ich, immer noch: willkommen, Ob ich Dich schon mit meinem Arm umschlinge, Mit meinem Herzen an das Deine dringe: Bey jedem Blick bist Du mir erst gekommen!
Ich habe Dich noch nicht in Arm genommen; Verlange nicht, daß ich mich bald bezwinge, Und frage nicht nach einem fremden Dinge! Willkommen, ruf’ ich, immer noch: willkommen!
„Erlauben Sie, ich bin im Reise-Kleide, Das Sopha leidet und die blanke Diele, Der Weg hieher hat einen feuchten Sand!“
„Verzeihen Sie, auch mir fehlt Festgeschmeide. Nachläß’ger Anzug läßigt Fein-Gefühle; Doch vor der Hand -- zum Kuß hier meine Hand!“ --
Ich weiß es, wehe mir, wenn Sie nach Lesung dieses wunderlichen Stücks, im fortgestzten Prinzen Zerbino meiner gedenken. Aber ich rede hier nicht mit dem Verfasser des Zerbino, sondern mit dem freundlichen Mann, der mich über meine Meynung im Vertraun gefragt hat. Wenn die Schlußreime _so_ stehn, wie oben; so _sieht_ mir ein Sonett _aus_, wie ein schön gewirktes Band, das aber am Ende locker geworden, und die Fäden auseinander gegeben hat; -- oder so _klingt_ mir ein Sonett wie ein schönes Glockengeläute mit dem Apendix einzelner Nachschläge, wenn der Klöpel nicht gleich angehalten wird. Freylich, soll eben eine Empfindung ausgedrückt werden, deren Gedankentext auf eine ähnliche Art verdämmert, oder soll auch das laute Gefühl allmählig in ein Verstummen des stillen und innigern Beschauns übergehn; so hab’ ich nichts gegen das Lyrische dieser Form. Sonst aber scheint sie mir besser zu einem komischen Kontraste zu dienen. Sollt’ es nicht eine verständige Umkehrung dieser Form geben, die einen sehr großen und bedeutenden lyrischen Karakter hätte? -- Sie hören, ich spreche kein vollständiges Wort. Ich zweifle, ich frage. Fragende Zweifel bitten um belehrende Antwort.
Nun aber ganz ernsthaft über Ihren Scherz und Ernst. Wozu Sie mich mit Gewalt machen wollen, das bin ich lange, der verehrende Freund Ihres Geistes und Herzens. Und wenn Sie mir, falls ich zu einem wörtlichen Bunde nicht geneigt wäre, mit einem zweiten Zerbino drohen, so sind das Strafgesetze auf die Unterlassung eines Dinges, das man gern thut. Aber daß Sie gleich nach dieser Androhung alles Vorhergesagte dadurch zum Scherz machen, daß Sie fortfahren: „Aber ernsthaft, u. s. w.“ das thut mir leid, denn nun besorg’ ich, nicht bloß Ihre Drohung, sondern auch Ihre Forderung, auf die ich einen so hohen Werth setze, solle als Scherz genommen werden. -- --??
Ihr Antrag wegen des Hymnus ehrt mich, und die gütige Offenheit Ihres Urtheils über die Einleitungen und den Schluß erfreuet mich: Mein voriger Zweifel ist gelöst, denn Ihrem Freundschafts-Antrage ist dadurch zugleich eine erste Freundschafts-Probe angeschlossen. Sie haben ganz recht, beide Anhänge (denn sowohl Anfang als Ende sind angehängt worden) gehören nicht zum Gesang der Vermählung. Aus dem Brief an Fichte werden Sie indeß erfahren haben, daß leider jener Hymnus sowohl, als eine damit verbundne Romanze der Entbindung, nebst einigen Erläuterungen über Idee und Organisation, zum Druck gesandt sind. Den Abdruck der Gedichte, der bereits vollendet seyn muß, erwart’ ich mit jedem Posttage. Die Erläuterungen werden später folgen, obwohl sie auch schon unter der Presse seyn müssen. Die erste Einleitung ist jedoch beynahe ganz gestrichen. -- Sobald ich ein vollständiges Exemplar habe, werd’ ich so frey seyn es Ihnen vorzulegen, und erst wenn Sie die Güte gehabt haben, mir über die weitere Ausführung meiner Absicht Ihre Meinung mitzutheilen, werd’ ich fortfahren. Der jetzt gemachte besondre Abdruck der ersten beiden Stücke wird vielleicht in Jahr und Tag abgesetzt, wenn auch größern Theils an die Lüsternheit, die sich betrogen finden wird. Bey der Vollendung des Ganzen, was ich im Sinne habe, kann ich also Ihr offnes Urtheil noch benutzen. Meines herzlichsten Danks seyn Sie gewiß! -- Eine Anzeige dieser Blättchen wünscht’ ich wohl im Athenäum. Vielleicht haben Sie Gelegenheit dies zu bewirken.
Mit welchem Sinn wir Ihre heilige Genoveva feyern, werden Sie theils im Briefe an Fichte, theils in dem an Schütz angedeutet finden. Nur ein Paar Köpfe wollen die Varietät der äußern Formen darin unnatürlich finden. Ich habe diesen aber zu bedenken gegeben, daß die Wahrheit und Natur in dieser Mannigfaltigkeit nach dem, was dem Ausdruck zum Grunde liegt und was er will, nicht nach dem Ausdruck an sich beurtheilt werden muß. Die Poesie will den Menschen lebendig aussprechen, sie will den Gesang unsers Innern als Gesang hören lassen, ihn nicht bloß in Noten zum philosophischen Lesen aufschreiben. Wo es nun Reime, Sonette, Stanzen u. s. w. in unserm Innern giebt, da kehrt sie sich an keine so genannte Gleichheit des Styls, sondern giebt selbst Reime, Sonette, Stanzen. Noch immer bleiben wir auch bey dieser Freiheit im Ausdruck befangen; aber wer mehr befangen bleiben will, als nothwendig ist, der hat keine Ahnung von dem, was Poesie ist, und wornach sie trachtet. Mit einem Wort: die Wahrheit und Natur aller Poesie ist nicht, daß der Mensch im Leben sich so ausspricht, aber wohl, daß er sich so aussprechen _möchte_, daß er innerlich darnach ringt, seine Seele also darzustellen. -- Die Kraft und Regung des innern geistigen Lebens macht dem Menschen die Brust beklommen, es will hinausdringen und sich im Materiällen verkünden. Da stellen sich nun die Künste um ihn, und bieten ihm freundlich, Ton und Wort und Farbe und Masse, als Instrumente des Verkündens dar. So, verehrter Freund, seh’ ich die höhern Künste an.
Vieles möcht’ ich noch schreiben, besonders darüber, daß, nach Ihnen, der Karakter romantischer Poesie im großen modernen Reim liege; aber dies bleibe einer helleren Stunde vorbehalten.
Lassen Sie uns Freunde seyn! Geben Sie meiner dargebotenen Hand die ihrige; ich glaube inne zu werden, was Sie inne werden, und darum lassen Sie es hingehn, wenn auch mein Ausdruck dem ihren nicht immer zusagen sollte. Ein Paar Zeilen, daß Sie diesen Brief erhalten haben, werden mich erfreun.
Ganz der Ihrige.
_Mnioch_.
N. S. Unter meinen Freunden empfiehlt sich namentlich ein Leut. v. Loewenstern. Mit einer kräftigern und jüngern Sehnsucht als Moses, als er vom Berge in die Thäler des gelobten Landes sah, schaut dieser feurige _Jüngling_ von 29 Jahren in das gelobte Land der Poesie und Mahlerey, wie Sie es uns darstellen. Er zeichnet mit kräftiger Hand, hat aber nicht Lust zum Ausmahlen, dafür mahlt er desto mehr in seinen poetischen Versuchen. In wenig Jahren hat er eine Kompagnie und er ist blutarm; dennoch will er Urlaub nehmen, und Ein Jahr auf der Akademie studiren. Wie glücklich-unglücklich Ihre Schriften diesen Mann gemacht haben, kann ich nicht beschreiben. _Göthe_ und _Sie_ betet er an. -- Nächstens werden Sie etwas von ihm lesen. Wär’ ich doch noch so jung und kräftig wie dieser! -- Aber 36 Jahre sind gerade 7 mehr, als 29. --
Mörike, Eduard.
Geb. den 8. Sept. 1804 zu Ludwigsburg, seit 1834 Pfarrer in Clever-Sulzbach bei Weinsberg.
Maler Nolten, Roman (1838). -- Iris, Novellen und Märchen (1839). -- Idylle vom Bodensee (1846). -- Das Stuttgarter Hutzelmännlein, Märchen (1853). -- Mozart auf der Reise nach Prag, Novelle (1856). -- Die sanfte, liebewarme Empfindung dieses Dichters klingt mild und innig aus den wenigen Zeilen, welche sich von ihm in Tieck’s Nachlasse vorfanden.
_Ochsenrang_ bei _Kirchheim_ unter Teck im Königr. Wirtemberg, d. 20. Febr. 1833.
_Hochverehrter Herr!_
Eine poetische Arbeit direkte und ohne alle äußere Veranlassung Ihnen vorzulegen, habe ich inzwischen billig Anstand genommen; und selbst da nun verlauten will, daß Dieselben aus Gelegenheit eines Gesprächs mit einem meiner wirtembergischen Freunde Sich dieser Lektüre im Voraus nicht ganz abgeneigt erwiesen hätten, gebe ich der Versuchung, mich Ihnen darzustellen, nicht ohne Zaudern nach.
Denke ich aber, mit welcher unbedingten Hingebung und immer neuen Bewunderung ich mich seit so viel Jahren an Ihren Werken erfreut, an Ihrem Genius mich aufgerichtet habe, wie ich mich überall zuerst an die Reisenden drängte, welche zu Dresden und bei Tieck gewesen waren, so finde ich mich nun aufs wunderbarste durch die Vorstellung gerührt, daß Sie, doch wenigstens so lange jene Blätter Sie festhalten können, Sich noch mit meinem Wesen berühren sollen! Schon dieß Bewußtseyn, kann ich wohl sagen, ist an uns für sich selbst hinreichend, mich glücklich zu machen. Dürft ich aber vollends hoffen, daß es für Sie keine unangenehme, ja vielleicht für mich eine fruchtbare Berührung werden könnte, so wäre meine Freude desto größer, je geringer in Wahrheit die Ansprüche waren, womit ich das Buch überhaupt in die Welt hinausgab.
Mit größter Verehrung verharrend
Euer Wohlgeboren
gehorsamster
_Eduard Mörike_,
Pfarr-Vikar.
~Druck von Robert Rischkowsky in Breslau.~
Fußnoten:
[Fußnote 1: In Bezug auf diese Bitte erwähnen wir eine Stelle im _Kosmos_, Bd. II. erste Aufl., ~pag. 62~: „Als sich die Comödie der Spanier bis zu einer hohen Vollendung ausgearbeitet hatte“ -- sagt der tiefste Forscher aller dramatischen Litteratur, mein edler Freund Ludwig Tieck -- „finden wir oft beim Calderon und bei seinen Zeitgenossen, in romanzen- und canzonen-artigen Sylbenmaßen, blendend schöne Schilderungen vom Meere, von Gebirgen, Gärten und waldigen Thälern: doch fast immer mit allegorischen Beziehungen, und mit einem künstlichen Glanz übergossen, der uns nicht sowohl die freie Luft der Natur, die Wahrheit des Gebirges, die Schatten der Thäler fühlen läßt, als daß in harmonischen, wohlklingenden Versen eine geistvolle Beschreibung gegeben wird, die mit kleinen Nüancen immer wiederkehrt.“ -- --
In dem Schauspiel: das Leben ein Traum (~la vida es sueño~) läßt Calderon den Prinzen Sigismund (Act. I., Sc. II.) das Unglück seiner Gefangenschaft in anmuthigen Gegensätzen mit der Freiheit der ganzen organischen Natur beklagen. Es werden geschildert die Sitten der Vögel, „die im weiten Himmelsraume sich in raschen Flügen regen,“ die Fische, „welche kaum aus Laich und Schlamm entsprossen, schon das weite Meer suchen, dessen Unendlichkeit ihnen bei ihren kecken Zügen nicht zu genügen scheint.“ Selbst dem Bache, „der im Ringelgange zwischen Blüthen hingleitet, gewährt die Flur einen freien Pfad.“ Und ich, ruft Sigismund verzweiflungsvoll aus, der mehr Leben hat, soll bei freierem Geiste mich in mindre Freiheit fügen!]
[Fußnote 2: Der Titel des von H. hier citirten Romans ist aus seiner Handschrift um so weniger zu entziffern, als es ein Familienname zu sein scheint. Es _kann_ Bambibre heißen sollen?
Über Enrique Gil verdanken wir der Gefälligkeit des Herrn ~Dr~. Max Karow, Cust. an der k. Univ.-Bibliothek in Breslau, nachstehende Notiz:
„„E. Gil ist Verfasser der Dichtungen „~La gota de rocio~“ -- „~La niebla~“ -- „~A Polonia~“ -- und war Hauptmitarbeiter des Journals „~El labirinto~,“ in welchem er höchst anmuthig seine Reise durch die ~Sierra de Leon~ beschrieb.““]
[Fußnote 3: Diese „Gradheit“ ist es, die statt guter Früchte Zwietrachts-Äpfel getragen. Gehässige Insinuationen sogenannter Freunde haben das ihrige dazu gethan. Auch Tieck’s begeistert’ster Verehrer muß Iffland’s Urtheil über die Undarstellbarkeit jenes Operntextes billigen.]
[Fußnote 4: Dieser Passus ist unverständlich, da wir zwölf oder elf Jahre früher Zeugen gewesen sind von der herzlichen und zuvorkommenden Aufnahme, welche der ganz jugendliche Immermann bei Tieck in Dresden gefunden.]
[Fußnote 5: Mit Freude läßt sich aus dieser klugen und befriedigenden Vertheidigung entnehmen, daß Tieck, bei all’ seiner Werthschätzung Immermanns, und gerechtfertigten Vorliebe für den jüngeren Freund, die Anhänglichkeit für den älteren treu bewahrt, und dessen Parthei redlich ergriffen hat.]
[Fußnote 6: Dorothea’s Tod.]
[Fußnote 7: Beauregard Pandin (?).]
[Fußnote 8: Siehe den unter ~N.~ befindlichen Brief nebst Beilage.]
[Fußnote 9: Tieck las, nach Dresden zurückgekommen, am 2. März 1842 die Elektra wenigstens, aus dem noch nicht abgedruckten Manuskripte, in seinem Abendzirkel vor. In früheren Jahren hatte er die Antigone (1835) und des Euripides Iphigenia auf Tauris (1837) von Minckwitz vorgetragen.]
End of Project Gutenberg's Briefe an Ludwig Tieck (2/4), by Karl von Holtei