Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band
Part 2
~Un de mes plus vifs desirs, en quittant l’allemagne, était de faire profiter mon pays de mon voyage, en contribuant à lui faire connaître les productions des Vôtres. L’attrait particulier qu’ont en vos ouvrages pour mon imagination, depuis le premier moment ou je les ai connus, m’inspirait surtout l’envie d’en voir passer quelque chose~ dans notre langue. -- À essayer de le faire moi même était un espoir dont je me berçais, c’était un plaisir que je me reservais après des travaux longs et pénibles dans les quels je suis plongé maintenant, mais je n’ai plus besoin de l’attendre le plaisir; et heureusement pour mon impatience et pour Vos ouvrages, Monsieur, j’ai été devancé par un de mes amis, qu’une plume élégante et déjà exercée rend moins indigne de Vous traduire. Comme notre public a beaucoup à faire encore, malgré sa bonne volonté et nos efforts pour saisir tout l’agrément de la poésie etrangère et pour goûter un genre de composition aussi original et aussi nouveau pour lui que le sont les Votres, nous commencerons par un choix, qui nous Vous soumettons. Notre pensée était de débuter par le _chat botté_ et quelques nouvelles; mon ami M. E. Fresnel (?), frère d’un de nos plus illustres academiciens enlevé récemment aux (illigible), a déjà traduit le _chat botté_ et „Liebeszauber;“ il va commencer le _blond Egbert_, il Vous envoye quelques questions aux quelles il (?) Vous prie de répondre, dans l’intérêt de la traduction. En effet il faut bien mettre notre public au courant et nous ne pouvons nous mêmes y être mis que par Vous.~
~Si ce n’était pas trop abuser de Votre complaisance qui m’est connue, je Vous demanderais de nous envoyer une liste de tout ce que Vous avez publié -- si Vous trouviez un moyen de nous faire parvenir quelqu’une de ces nouvelles de Vous qui se trouvent dans des almanachs poétiques et qui sont difficiles à trouver, ce serait pour nous un bonne fortune, entre autres, le Pietro Aponi que je Vous ai entendu lire, avec tant de plaisir.~
~Veuillez me pardonner, Monsieur, cette importunité, et s’il se peut, accorder à mon ami sa demande, nous vous en remercierons pour nous et pour les lecteurs.~
~M. Eckermann de Weimar m’a donné de Vos nouvelles. Il a eu le plaisir de Vous voir chez Goethe, il était bien heureux de diner entre Vous deux.~
~J’ai eu aussi des nouvelles de Mlle. Kraukeln (?) et de M. Weihrauch (?) soyez assez bon pour leurs présenter tous mes souvenirs.~
~Enfin veuillez bien Monsieur transmettre mes hommages à Madame et à Mademoiselle Tieck et agréer l’assurance de ma profonde admiration et de mon sincere attachement,~
~Votre devoué Serviteur _J. J. Ampère._ rue de (?) St. Victor No. 19.~
II.
~(Ohne Datum.)~
~_Monsieur_~.
~Je ne sais si Vous Vous souvenez de moi, mais moi je n’ai pu oublier les jours que j’ai passé à Dresde il y a quelques années et Dresde pour moi c’est votre maison, je crois m’aquiter un peu envers Vous en Vous addressant M. le comte de Montalembert, l’un des hommes les plus distingués de notre jeune generation; grand et digne admirateur de Vous Monsieur et de Vos illustres amis F. Schlegel et Novalis. La poésie de l’allemagne du Moyen age est un des principaux objets du plan d’étude qu’il se propose d’entreprendre en allemagne. Cette poésie des „Minne-Singer“ vit en Vous, Monsieur! Permettez à un etranger de rendre ce temoignage à son dernier representant. J’envie beaucoup à Monsieur de Montalembert d’aller la puiser près de Vous. Je ne puix me consoler de son voyage que par l’esperance de l’imiter.~
~Daignez, Monsieur, faire agreer à tout ce qui Vous entoure, l’hommage des sentiments respectueux que je Vous ai voués avec la plus vive admiration.~
~_J. J. Ampère._~
Andersen, Hanns Christian.
Geboren den 2. April 1805 zu Odense auf Fünen. Ein anerkannter, nicht blos in seinem Vaterlande vielgelesener Autor. Seine Selbstanklage, daß er „nicht Deutsch schreiben könne“ widerlegen die im späteren Fortschritte schriftstellerischer Wirksamkeit von ihm gelieferten deutschen Ausgaben, worin er, was Klarheit des Ausdrucks betrifft, hinter Oehlenschläger nicht zurücksteht. Er ist sehr fruchtbar gewesen vom Jahre 1830 bis auf die neueste Zeit. Die _Gesammt_ausgabe seiner Werke (Leipzig 1847-48) enthält in fünfunddreißig Bänden viele in unsere National-Literatur gleichsam übergegangene Schriften, als z. B. Phantasieen und Skizzen -- Der Improvisator -- Nur ein Geiger -- Bilderbuch ohne Bilder -- Eines Dichters Bazar -- Märchen u. a. m.
I.
_Copenhagen_, 8. April 1835.
_Lieber Herr Hoffrath!_
Ob Sie noch meiner gedenken? Ob Sie noch eines jungen dänischen Dichters gedenken, der vor einigen Sommern mit einem Brief von Ingemann bei Ihnen war, und ein kleines Heftchen seiner eigenen Gedichte: „Phantasien und Skizzen,“ überbrachte. Ich hörte Sie zwei Stücke vom Shakespeare vorlesen, Sie erzeigten mir eine Freundlichkeit und Güte, die mein Herz an Sie band. Dies war meine erste Ausflucht in die Welt; nachher habe ich eine größere Reise gemacht. Unser König gab mir anfangs 1833 ein Stipendium um Deutschland, Frankreich, Schweiz und Italien zu bereisen; diese Reise ist jetzt vollbracht, und ich bin wieder in Dänemark. Als ich vorigen Sommer über Dresden zurückreiste, war mein erster Besuch bei Ihnen, allein Sie waren im Bade. Ich sprach Ihre jüngste Tochter, und bat Ihnen meinen Gruß zu überbringen. Ich sollte das Ausland besuchen, um mein poetisches Talent weiter zu entwicklen; ob das Ziel erreicht ist, wird die Zeit lehren; für mich war die Reise jedenfalls besonders anziehend. In Paris wohnte ich dem Julifeste bei und sah die Napoleons-Statue entschleiern. In der Schweiz war ich bei der Weinlese, ich bereiste die schöne Küste von Genua nach Livorno, erreichte Rom eben als Raphael zum zweiten Mal begraben wurde, sah das Carneval und Girandola und endlich einen glänzenden Ausbruch des Vesuvs; ich kann wohl sagen, das bunte Leben in Italien, die großartigen Schönheiten der Natur ergriffen meine Seele, und den Eindruck davon habe ich in einem Roman; „_Improvisatoren_“ veranschaulicht; der bekannte Novellendichter Cruse, hat ihn schon deutsch übersetzt, und ich schick Ihnen ein Exemplar seiner Uebersetzung. Möchte es mir einen vortheilhaftigen Begriff von meiner poetischen Natur in Ihnen erwecken. Ein liebvoller Händedruck Ihrerseits wird meine größte Aufmunterung sein.
Ich wohne in Copenhagen Nyharn. Nr. 280.
Dem Dichter _Ludwig Tieck_ in Dresden. Ihr herzlich ergebner _H. C. Andersen._
II.
_Copenhagen_, 8. April 1842.
Der Buchhändler _Longmann_ aus London, geht zum ersten Mahl nach Deutschland, und da es sein sehnlichster Wunsch ist, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, so erlaube ich mir Ihnen diesen sehr wackeren Mann vorzustellen; indem ich dabei auch die Gelegenheit ergreife mich selbst vor Ihr Gedächtniß wieder einzuführen.
Als ich im vorigen Sommer aus dem Orient zurückkam, suchte ich Sie vergebens in Dresden. Als eine Frucht meiner Reise erscheint jetzt im Dänischen -- und bald nachher im Deutschen -- eine neue Arbeit von mir: „_Der Bazar eines Dichters,“_ in sechs Bogengängen: „Deutschland, Italien, Griechenland, der Orient, die Donau und nach Norden!“ Den Bazar „Deutschland“ habe _Ihnen_ und dem Mendelsohn-Bartholdy gewidmet, den Orient, Oehlenschläger und dem österreich. Internuntius Stürmer in Constantinopel.
Die deutsche Ausgabe wird Ihnen in diesem Sommer geschicht werden. Ich kann -- wie Sie sehen, -- gar nicht Deutsch schreiben!
N. S. Grüsen Sie Frau von Serre und Dahl (?).
~An den Dichter Deutschlands Ludwig Tieck!~ Ihr sehr ergebener _H. C. Andersen._
Armansperg, Joseph Ludwig, Graf.
Ehemaliger Präsident der Regentschaft in Griechenland. Lebte später auf seiner Herrschaft Egg bei Deggendorf, an der bayr. öster. Grenze. Die jetzige Inhaberin dieses Besitzes ist seine, des edlen Vaters würdige Tochter, die hochgeachtete, von allen weiblichen Tugenden geschmückte Fürstin Cantacuzeno.
_München_, den 25. Oktober 1826.
Wohlgeborner Verehrtester _Herr Hofrath!_
Euer Wohlgeboren sind bereits durch den Vorstand des Obersten Kirchen- und Schulrathes auf vertraulichem Wege in Kenntniß gesetzt worden, daß Se. Majestät der König mein allergnädigster Herr in dem hohen Bestreben, den Glanz der unter Allerhöchst Ihren Auspizien dahier neu aufblühenden Hochschule zu erhöhen, Ihren großen Talenten und anerkannten Verdiensten eine vorzügliche Aufmerksamkeit widmen, und den Wunsch, Sie für Ihre Ludwig Maximilians Universität zu gewinnen, auszudrücken geruht haben.
Allerhöchstdieselben sind ein zu großer Verehrer Ihrer Verdienste, und wünschen zu lebhaft, der deutschen Litteratur, deren Zierde Sie sind, Ihre fernere freie Wirksamkeit zu erhalten, als daß es in Allerhöchst Ihren Absichten liegen könnte, Euer Wohlgeboren bei diesem Rufe dem Zwange eines bestimmten Lehrfaches zu unterwerfen.
Euer Wohlgeboren werden daher den ausgedrückten allerhöchsten Absichten gemäß, bei uns nicht nur durchaus freie Lehrvorträge halten, sondern auch jene ergiebige Geschäftsruhe finden, ohne welche die glücklichen Empfängniße genialer Geister nicht zur Reife und Vollkommenheit gebracht werden können.
Wenn ich hiebei Euer Wohlgeboren Vorlesungen über schöne Litteratur überhaupt, über Geschichte der Poesie, insbesondere über Shakespeare, Dante, Calderon als Aufgabe Ihres hierortigen Wirkens andeute, so geschieht dieses nur beyspielweise, und ohne Beschränkung auf irgend einen Stoff im weiten Gebiete der Kunst und Poesie, in dem Sie, wie in Ihrem Eigenthum, zu walten pflegen.
Die Bedingungen, unter welchen Euer Wohlgeboren in die Dienste Sr. Majestät treten werden, sind ein Gehalt von 2500-2800 f., nebst einigen Getraidbezügen, welche in Geld reluirt werden, eine angemessene Aversal-Summe für Herbeibringung Ihrer zahlreichen Büchersammlung und alle Vortheile, welche die konstitutionelle Dienstespragmatik den bayerischen Staatsdienern gewährt.
Se. Majestät haben bedauert, daß besondere Verhältniße und Erwägungen nicht erlauben, den Werth Ihres Anerbietens durch die Zugabe einer Freiwohnung zu erhöhen.
Indessen glaube ich, daß manche Begünstigungen und Vortheile, welche der Aufenthalt in südlichen Hauptstädten, in Absicht auf Wohlfeilheit und bequemeren Lebensgenuß darbietet, die Entbehrung dieses Vortheiles weniger fühlbar machen werden.
Da ich annehmen darf, daß die Vorträge Euerer Wohlgeboren zu den besuchtesten auf der Hochschule gehören, da Se. Majestät ernstlich bemüht sind, die in vieler Hinsicht verderbliche Honorarienfreiheit in engere Gränzen zurückzuweisen, so eröffnet sich auch hierin, wenn auch nicht gleich im Anfange, doch gewiß in besserer Zukunft eine nicht unergiebige Quelle erhöhten Einkommens.
Auch darf ich Ihnen dem kunsterfahrenen Manne nicht erst umständlich aufzählen, welche reiche Zuflüsse Ihre Studien aus jenen Quellen sich versprechen dürfen, die sich in trefflichen Kunst und Gemäldesammlungen, in einer überreichen Bibliothek, in dem Verkehr mit ausgezeichneten Gelehrten und Künstlern und selbst in der größeren Nähe des italienischen Himmels dem Kunstsinne öffnen.
Wenn alle diese Erwägungen Euer Wolgeboren bestimmen können, dem Rufe Sr. Majestät des Königs, den ich hiemit in amtlicher Eröffnung zu Ihrer Kenntniß bringe, mit entsprechender Erwiederung zu begegnen, so muß ich den Wunsch ausdrücken, Dieselben wollen mir Ihren Entschluß baldgefälligst mittheilen, und übrigens die Versicherung meiner eben so ausgezeichneten als aufrichtigen Hochachtung als einen Tribut der Verehrung ansehen, welche ich Ihren großen Verdiensten um Litteratur und Kunst gewiedmet habe.
Euer Wohlgeboren
ganz ergebenster
_Gr. Armansperg_, k. b. Staatsminister.
Arnim, Ludwig Achim von.
Geboren den 26. Januar 1781 zu Berlin, gestorben am 21. Januar 1831 auf seinem Gute Wiepersdorf bei Dahme. Indem wir seiner Werke: des Knaben Wunderhorn (1806-8) -- der Novellensammlung „Wintergarten“ (1809) -- der Gräfin Dolores (1810) -- des Studentenspieles und der Pilgerabentheuer „Halle und Jerusalem“ (1811) -- der „Schaubühne,“ worin die „Befreiung von Wesel“ ein immer junges, kräftig-deutsches Drama glänzt (1813) -- der Kronenwächter (1817) gedenken, in Ehren und Liebe, wie diesem hervorragenden Romantiker gebührt, finden wir darin doch nur ein schwaches Bild seiner, über diesen Erzeugnissen stehenden, unbeschreiblichen Persönlichkeit. Selten wohl haben sich in einem Menschen: poetisches Feuer, anmuthige Ruhe, würdevolle Haltung, umgängliche Milde, wohlwollende Strenge, liebevolle Theilnahme für Anderer Streben, inniger verschmolzen, als in Achim Arnim. Es ist sehr zu bedauern, daß von seinen Briefen an Tieck nur die drei nachstehenden aufbewahrt blieben. Wenn die verloren gegangenen diesen glichen, so wären sie geeignet gewesen, uns den ganzen Mann vor’s Auge des Geistes zu zaubern.
I.
_Cassel_, den 3. Dezember 1807.
Ich lege eben Müllers edles Schreiben über Kotzebue aus den Händen, das Ihrer Vermittelung sein Daseyn für mich dankt, da fällt mir so manches ein, was ich Ihnen danke und wie ich von mannigfaltigem Jammer bezwungen, Ihnen davon so gar nichts in Sandow gesagt habe; ich ging da neben Ihnen und freute mich, daß mir noch etwas Freude am Grünen geblieben, mit dem ich meiner einsamen Natur nach viel vertraulicher bin, als ich mit Ihnen in einem Tage werden konnte. Jetzt wünsche ich die Stunden zurück, erinnere mich, wie Sie Sich so einsam fühlten und mich ausforderten, Ihnen zu schreiben. Ich hätte Ihnen mancherley zu schreiben, wie wir, ich meine darin Bettine und Clemens Brentano, Sie hieher wünschten, das glauben Sie uns ohne weitres; dann wie wir Ihnen einen angemessenen Wirkungskreis wünschen und planeln, den Sie nicht blos beleben, der Sie auch wiederbelebt. Den möchten Sie aber nicht annehmen wollen, denn in der Gewohnheit liegt das Schönste wie das Schlimmste und das Kunststück der Transfiguration gelingt immer nur einmal vollständig, also davon kein Wort: Sie hören Ihre Stunden sicher heller schlagen als ich. Also zu den Nebenwerken, die mir aber Hauptsachen sind. Ich war bey Dieterich in Göttingen, der sich schmerzlich beklagt, daß Sie die Niebelungen ihm nicht früher geschickt haben, der jetzt fürchtet, durch Hagens Arbeit sey aller Absatz vernichtet, ich glaube das nicht, kann auch nicht wissen, wie weit er sich beklagen kann, ich beklage mich selbst, daß Ihr Werk nicht erschienen, denn Hagen gefällt mir nicht in dem baroken Dialekte, in den langweiligen Anmerkungen und wegen der Auslassung aller andern Erzählungen, die Sie so pasrecht verbunden hatten. Ernste Critiker, (hier giebt es einen sehr gelehrten deutschen Sprach und Literaturkenner, Hr. Kriegssekretär Grimm, er hat die vollständigste Sammlung über alle alte Poesie) tadeln noch mehr, und sind so wie ich ganz überzeugt, das Ganze müsse entweder mit neuem Saft durchdrungen sich selbst neue Wurzeln treiben, oder in seiner Alterthümlichkeit ruhig trocken, unzerbrochen zwischen Papier von einem Geschlechte dem andern übergeben werden. Haben Sie in dieser Hinsicht irgend etwas mit Dietrich zu verhandeln, oder wollen Sie die Herausgabe mit dem Heldenbuche bey Zimmer verbinden, so entbiete ich meine Vermittelung, der erste ist mir ganz nahe und den andern denke ich zu Weihnachten zu sprechen.
Die historische Einleitung über die Niebelungen könnte immer späterer Zeit bleiben, es sind die Perspectivlinien, wonach der Maler arbeitet, sie verschwinden, wenn das Gemälde fertig, das allein bewährt, ob sie richtig; es braucht Sie nicht zu stören, daß andre z. B. Grimm, Hagen andre historische Entdeckungen gemacht zu haben glauben, die mit Ihren nicht stimmen. Wer jemals eine historische Begebenheit mit Erhebung angesehen hat, weiß was das heist, jeder muß es aber treiben, wie man Füße braucht um beym Schreibpult zu stehen, ungeachtet sehr wenig Leute mit den Füßen schreiben. Die Kritik ist an den Dichtern eine nothwendige Absonderung, damit der Geist rein wird, unsre verkehrte Zeit hat aber oft das Abgesonderte, wie beym Dalailama, für das Heiligste gehalten, davon alles das Geschwätze über die Dinge, ohne die Dinge selbst zu geben, alle die elende Wirtschaft mit Geschichten der Poesie, der Künste, ohne daß diese dadurch selbst verscheucht werden, während alles was Kunst zugleich Geschichte. Ein solches unnützes Buch hat Görres über Volksbücher geschrieben statt eins herauszugeben, so schreibt Docen zwey Bände Miscellaneen, worin fast gar nichts als literarischer Kram, während das Schöne in Handschriften verrottet; darum werde ich kein Wort zum zweyten Theile des Wunderhorns sagen, der sehr viel enthalten wird, aufmerksam sind die Leute darauf gemacht, wenn sie ihn nicht verstehen, so sollte es nicht seyn und der Teufel mag sie holen. -- Bei Riepenhausen in Göttingen sah ich zwei zierliche Bilder von seinen Söhnen zu einem Almanach religiöser Musiklieder bestimmt, erscheint der bald? Wird er auch die besten lateinischen Texte enthalten? Haben Sie etwas darüber zu vermitteln? -- Haben Sie Müllers Schriften geordnet? Alles wartet sehnlich auf die Herausgabe, die Ihnen keine Mühe machen kann, da in Müller seiner ganzen Anlage nach, nichts zu ändern sein kann. Soll ich darüber etwas bestellen? Ueber die Herausgabe Ihrer eignen Poesieen, Volksmährchen? -- -- -- Sie werden in alle dem keine Zudringlichkeit finden, sondern meine Art, dankbar zu seyn, indem ich nach mehr verlange! Wer überhaupt etwas geben kann, dem ist das Geben das Liebste, wer anzunehmen versteht, dem ist es wie ein Vorwurf; es gehört zu beydem gleichviel. Außer sich ist man doch nur etwas in sich; der kleinste Kreis kann genügen, aber er ist doch nicht außer der großen Welt und so ward ich Morgens aus dem kleinen Winkel, worin ich mein gutes alltägliches Leben führe mit allen meinen Gedanken fast gewaltsam zu Ihnen gezogen, als wenn es mir eine Pflicht, Ihnen ein großer Vortheil wäre, wenn ich Ihnen meine literarische Anerbiethungen machte. Wofür Sie es nehmen, das ist es und wird es etwas, so wollen wir es ein Schicksal nennen, und wird es nichts, so kann es darum doch etwas gewesen seyn; treibt mich so ein Gedanke, so schreibe ich mich von ihm los, ungefähr das Gegentheil vom Doktor Faust, der sich einem Gedanken verschrieb. Haben Sie mir etwas darüber zu sagen, so schreiben Sie hieher Cassel in Hessen, abzugeben an Hrn. Banquier Carl Jardis; meine Freundschaft für Sie bleibt unverändert, wenn Sie auch schweigen, schweige ich doch meist auch, wo ich reden könnte.
_Ludwig Achim v. Arnim._
II.
_Heidelberg_, den 31. März.
Ich überschicke Ihnen, geehrter Freund, die ersten Bogen meiner Zeitung; auf _Zimmers_ Verantwortung habe ich ein Stück aus dem König Rother genommen, das mir gar wohl gefiel, er hat es auch übernommen den schuldigen Ehrensold dafür zu entrichten: Er wartet sehnlich auf Briefe von Ihnen. -- Geben Sie mir einen Ueberblick Ihrer Untersuchungen über die Nibelungen! -- Von Görres folgen in den nächsten Blättern merkwürdige Resultate über denselben geschichtlichen Kreis, denken Sie wieviel Vorarbeiten Sie den Freunden alter Literatur ersparten, wie die dann lustig auf Ihrem Grunde fortbauen könnten; die schlimmsten Sünden in unsrer Zeit sind die Unterlassungssünden. -- Meinen Wunsch aus der Fortsetzung des Sternbald, aus dem Faust eine recht sonnenbeleuchtete Stelle zu besitzen, habe ich, denk ich, in meinem letzten Briefe ernstlich vorgetragen, ich bitte nicht für mich allein, ich bitte mit für viele Freunde ihrer Werke und sie haben hier sehr viele. Es wird manche fromme Erzählung aus alten Chroniken folgen, ich würde Ihre ernsten musikalischen Gedichte wohl anbringen, daß der Nachbaren Handwerk Sie nicht störte. So leicht meine Zeitung aussieht und beginnt, ich wünsche viel Ernsthaftes damit und fühle mich rein von leerer Sonderbarkeit und parteyischer Begrenztheit, auch Arbeiten Ihrer Freunde von Mad. Bernhardi von Schütz, Schierstädt u. a. werden mir willkommen seyn, was Sie billigen ist mir gerecht: Kritik allein gestatte ich nur als Scherz oder über Zeiten, die vor unseren Augen durch veränderte Sprache und Seltenheit der Ueberbleibsel fast verschlossen. Neuigkeiten erscheinen eben so nur als Scherz und sind mit sympathetischer Tinte geschrieben, die nicht jedem erscheint. -- Brentanos verzweiflungsvoll elende Heiraths und Ehestandsgeschichte macht mir Kummer und religiöse Zweifel über den Ehestand, sie stecken da wie im geläbberten Meere und können nicht zu einander und nicht von einander. -- Der Himmel erhalte Sie.
_Achim Arnim._
III.
_Heidelberg_, Ende November 1808.
Lieber herzlich verehrter Tieck! Sie erhalten die beyden ersten Hefte meiner Zeitung; es würde mir Freude machen, wenn Sie nicht mißbilligten, was mir nach ruhiger Uebersicht wohlgefällt; wie lange ich die ganze Sache fortsetze hängt von dem Absatze auf dieser Messe ab. Pr. L’Epigue gab mir den Müller, der ritterlich thätige Schluß des Stücks veranlasste mich besonders zur Mittheilung, es perlt darin wie im siedenden Wasser und er vergleicht sich darin so leicht mit der ruhigen Erhebung, in welcher ihr Werk schliest. Brentano, der seit einiger Zeit zu mir gezogen und seine Frau zu einem Prediger aufs Land geschickt hat, wird ins nächste Heft ein gar lustiges Werklein, die Geschichte des Bärenhäuter einrücken, er ist fröhlicher als je und wünscht Sie hieher laden zu können, nur stehen die äusseren Verhältnisse schwankend und wie lange der alte Großherzog lebt und wie früh französische Oekonomie eingeführt wird, dem sehn wir wie der Ratiostatus mit zwey Köpfen entgegen. Ich wohne mit Clemens in einer Bierkneipe am Schloßberge, Kegelbahn und Vogelgesang, Nachts singende Waschweiber und fernes Neckarrauschen um uns, und der schöne Himmel verschlingt uns in Trägheit. Die Zeitungen sagen von einem Romantischen Journale, das Sie herausgeben, ich freue mich dessen, es muß den Bienen der Honig genommen werden, daß sie wieder arbeiten und ich bescheide deswegen meine Bitte um Beyträge von Ihnen noch nicht; Görres Untersuchungen über die Nibelungen finden Sie fast beendigt, von Grimm erwarte ich schöne Resultate; es geht so unendlich viel zugrunde, lassen Sie Ihre Untersuchungen nicht darum schweigen, weil der eine oder andre vielleicht schon einiges davon berührt hat. -- In wenigen Tagen bin ich in Winkel bey Brentanos. -- Meine Ergebenheit Ihren Hausgenossen, hochachtungsvoll
_Achim Arnim._
Eben erhalte ich einen Brief von Hagen, der mir schreibt, daß er zu den Nibelungen Ihre Unterstützung erhalten, es freut mich dies glückliche Verständniß, es scheint jetzt ein allgemeiner Sturm zu werden gegen die tückische Bosheit falscher Kritik. Sind wir nur erst im Graben, ich stehe dafür der Wall, der so entsetzlich aussieht ist nichts als der Unrath der Garnison, den sie so regelmässig aufgestapelt hat.
Arnim, Bettina v. geb. Brentano.
Achims Gemahlin, Enkelin der Sophie La Roche, Clemens Brentano’s Schwester, geb. zu Frankfurt a. M. 1785, gest. zu Berlin 1859.