Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band

Part 1

Chapter 12,770 wordsPublic domain

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1864 erschienenen Buchausgabe möglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert. Aufgrund der Vielfalt der persönlichern Schreibstile der verschiedenen Autoren wurden ungewöhnliche und inkonsistente Schreibweisen aber beibehalten, jedoch wurden offensichtliche Druckfehler korrigiert:

S. XVI,: ‚Hagen, Friedrich Heinrich van der‘ → ‚Hagen, Friedrich Heinrich von der‘ S. 24,: ‚quittter‘ → ‚quitter‘ S. 33,: ‚von der‘ → ‚von dem‘ S. 52,: doppeltes ‚sich‘; eines entfernt S. 98,: ‚Sie als äußerst‘ → ‚sie als äußerst‘ S. 142,: ‚Friedrichs des Streibaren‘ → ‚Friedrich des Streitbaren‘ S. 159,: ‚zu ersten Male‘ → ‚zum ersten Male‘ S. 161,: ‚lettre d’intorduction‘ → ‘lettre d’introduction‘ S. 174: Briefnummer ‚VI‘ → ‚IV‘ S. 200,: ‚zu zuzurufen‘ → ‚zuzurufen‘ S. 203,: ‚Liebeshoffnungenn‘ → ‚Liebeshoffnungen‘ S. 216,: ‚Bedenkliches dabe‘ → ‚Bedenkliches dabei‘ S. 229,: doppeltes ‚zu‘; eines entfernt S. 251,: ‚würden Sie‘ → ‚würden sie‘ S. 270,: doppeltes ‚er‘; eines entfernt S. 289,: ‚bei denen, dei‘ → ‚bei denen, die‘ S. 293,: ‚kannte sie weniger‘ → ‚konnte sie weniger‘ S. 304: ‚Dich und Sie‘ → ‚Dich und sie‘ S. 329,: ‚Vergeben sie‘ → ‚Vergeben Sie‘ S. 367: ‚Im empfehle‘ → ‚Ich empfehle‘ S. 369,3: doppeltes ‚und‘; eines entfernt S. 375,: ‚Or i shall live yours epitaph to make‘ → ‚Or I shall live your epitaph to make‘

Die Nummerierung der Briefe auf S. 127/128 von K. G. Carus (Nr. V bzw. VI) ist im Original vertauscht wiedergegeben; die korrekte Zahlenreihenfolge wurde wiederhergestellt.

Der Text in der Originalausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt; dies wird hier durch normale Schrift dargestellt; _Unterstriche_ stehen für gesperrten Text, ~Tilden~ für Antiquaschrift. Fettgedruckte Passagen werden durch =Gleichheitszeichen= hervorgehoben.

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Briefe an Ludwig Tieck.

Erster Band.

Verlag von Eduard Trewendt in Breslau.

=Armand, Bis in die Wildniß.= Reise-Roman. 2. Aufl. 4 Bände. 8. 4 Thlr.

=Bach, Dr. Theodor, Theodor Gottlieb von Hippel=, der Verfasser des Aufrufs: „An mein Volk.“ Ein Gedenkblatt &c. 8. 1½ Thlr.

=Eberth, Dr. Felix, Walter Scott.= Ein Lebensbild. 2 Bände. 8. 3 Thlr.

=Frenzel, Karl, Die drei Grazien.= Roman. 3 Bände. 8. 4½ Thlr.

=Giseke, H. L. Robert, Käthchen.= Roman. 4 Bände. 8. 4 Thlr.

=Godin, A., Eine Catastrophe und ihre Folgen.= Roman. 8. 1½ Thlr.

=Gottschall, Rud., Reisebilder aus Italien.= 8. 1½ Thlr.

=Habicht, Ludw., Kriminal-Novellen.= 8. 1½ Thlr.

=Holtei, Karl von, Kleine Erzählungen.= Volks-Ausgabe. 5 Bde. 16. 1½ Thlr.

=-- -- Die Eselsfresser.= Roman. Volks-Ausg. 3 Bde. 16. 1 Thlr.

=-- -- Vierzig Jahre.= Volks-Ausgabe. 6 Bände. 16. 4 Thlr.

=-- -- Der letzte Komödiant.= Roman. 3 Bde. 8. 5 Thlr.

=-- -- Kriminalgeschichten.= Volks-Ausgabe. 6 Bde. 16. 2 Thlr.

=-- -- Christian Lammfell.= Roman. Volks-Ausg. 5 Bde. 16. 1½ Thlr.

=-- -- Noblesse oblige.= Roman. Volks-Ausg. 3 Bde. 16. 1 Thlr.

=-- -- Ein Schneider.= Roman. Volks-Ausgabe. 3 Bde. 16. 1 Thlr.

=-- -- Die Vagabunden.= Roman. Volks-Ausgabe. 3 Bde. 16. 1 Thlr.

_Illustrierte Ausgabe._ 3 Theile in einem Bande. 8. 1½ Thlr.

=-- -- Noch ein Jahr in Schlesien.= Anhang zu „Vierzig Jahre.“ 2 Bde. 20 Sgr.

=Mügge, Theodor, Nordisches Bilderbuch.= Reisebilder. 3. Aufl. 8. 24 Sgr.

=-- -- Romane.= Dritte (letzte) Folge. 6 Bände. 8. 9 Thlr.

=-- -- Der Chevalier.= Roman. 2. Auflage. 3 Bde. 8. 1½ Thlr.

=-- -- Toussaint.= Roman. 2. Auflage. 5 Bde. 8. 2½ Thlr.

=-- -- Erich Randal.= Roman. 2. Aufl. 4 Bde. 8. 2 Thlr.

=-- -- Afraja.= Roman. 2. Aufl. 3 Bde. 8. 1½ Thlr.

=-- -- Tänzerin und Gräfin.= Roman. 2. Aufl. 3 Bde. 8. 1½ Thlr.

=-- -- Die Vendéerin.= Roman. 2. Aufl. 2 Bde. 8. 1 Thlr.

=-- -- Weihnachtsabend.= Roman. 2. Aufl. 8. 15 Sgr.

=Rosen, Ludwig, Vier Freunde.= Roman. 3 Bände. 8 5 Thlr.

=-- -- Damals.= Novellen aus den Befreiungskriegen. 8. Eleg. brosch. 1½ Thlr.

=Salma, Bernhard von, Graf Mocenigo= Social-polit. Rom. 3 Bde. 8. 4½ Thlr.

=See, Gustav vom, Erzählungen eines alten Herrn.= 8. 1½ Thlr.

=-- -- Erzählungen eines alten Herrn.= Neue Folge. 8. 1½ Thlr.

=-- -- Zwei gnädige Frauen.= Roman. 3 Bände. 8. 3½ Thlr.

=-- -- Herz und Welt.= Roman. 3 Bände. 8. 4½ Thlr.

=-- -- Wogen des Lebens.= Roman. 3 Bände. 8. 4 Thlr.

=Wehl, Feodor, Allerweltsgeschichten.= Ein Novellenbuch. 8. 1½ Thlr.

Briefe

an

Ludwig Tieck.

Ausgewählt und herausgegeben

von

Karl von Holtei.

Erster Band.

Breslau, Verlag von Eduard Trewendt.

1864

Der

durchlauchtigen Frau Wilhelmine

Fürstin Auersperg

geb. Fürstin Colloredo-Mannsfeldt

widmet voll Verehrung für Geist, Seele, Anmuth und Schönheit diese Bücher

der

Herausgeber.

Vorwort.

~Dr~. Rudolph Köpke sagt im Vorworte zu seinem Buche: =Ludwig Tieck. Erinnerungen aus dem Leben des Dichters etc. etc. = (Leipzig, F. A. Brockhaus 1855.):

„Lange beschäftigte ihn der Gedanke, eine Auswahl des reichhaltigen Briefwechsels herauszugeben, in dem er während eines langen litterarischen Lebens mit den verschiedensten Männern gestanden hatte. Diese Sammlung, so weit sie ihn persönlich betrifft, beginnt mit dem Jahre 1792 und enthält der großen Mehrzahl nach Briefe die an ihn gerichtet sind. In chronologischer Reihenfolge theilte er mir die einzelnen Bände mit zur Durchsicht und vorläufigen Bezeichnung des etwa Auszuwählenden. An jeden wichtigen Brief knüpften sich Erläuterungen und häufig neue Erzählungen &c. &c. &c. So ist es zu verstehen, wenn ich dieses Buch „„Erinnerungen a. d. L. d. Dichters nach dessen mündlichen und _schriftlichen_ Mittheilungen““ genannt habe.“

Daß unsere jetzt gedruckte Briefsammlung eigentlich als Anhang, Nachtrag zu Köpke’s vortrefflicher Lebensbeschreibung betrachtet werden will, unterliegt keiner Frage.

Desto drohender tritt die andere Frage hervor: Wie ist die Auswahl gerathen? in wie fern erfüllt ihre Zusammenstellung des Verstorbenen Absicht? in wie fern wird sie den Anforderungen genügen, welche unterrichtete Leser daran machen wollen?

Darauf muss ich erwiedern: _Nur_ Herr Professor Köpke, und gerade Er wäre im Stande gewesen, diese Aufgabe, des Gegenstandes würdig, im Sinne Tiecks zu lösen, wie ja schon aus der hier zum Eingange abgedruckten Stelle seines Vorwortes sich zeigt. Deshalb habe ich, bevor ich mich anschickte, dem _mir_ gegönnten Vertrauen durch die That zu entsprechen, _ihn_ dringend schriftlich ersucht: sämmtliche Papiere ihm zusenden, und die schwierige Redaktion ihm überlassen zu dürfen? Er hat darauf bestimmt und wiederholentlich erklärt: „_seine Zeit sey jetzt durch andere Arbeiten zu sehr in Anspruch genommen, und er könne zu dieser Verpflichtung gegenwärtig nicht mehr zurückkehren_!“ -- Erst darauf habe ich mich entschlossen, wirklich zu beginnen; doch hab’ ich mir’s keinen Augenblick während eines halben Jahres verhehlt, daß es mir an gar vielem dazu gebricht; daß mein langjähriges Verhältniß zu Tieck, mag es immer ein vertrauliches, mag ich in seinem Hause heimisch gewesen sein, doch kaum Ersatz gewährt für mancherlei sonstige mir fehlende Kenntnisse wie Eigenschaften; daß ich’s, mit einem Worte, beim besten Willen vielleicht Wenigen zu Danke machen werde; hab’ aber dennoch die Arbeit auf mich geladen, weil schwerlich ein Anderer da war, der sie williger übernommen, der sie besser gemacht hätte; weil ich es für Schuldigkeit halte, einer guten Sache ohne Eitelkeit zu dienen.

Welche Massen von Papieren müßten sich im Laufe so langen Lebens, und bei Tiecks Stellung in der Welt aufgesammelt haben, wäre nicht doch Vieles verloren gegangen! Ordnung zu halten wurde ihm schwer. Dessen selbst bewußt, hat er, was früher glücklich gerettet war, späterhin vor künftiger Verzettelung sichern wollen; hat es in dicke Quartanten zusammen _binden_ lassen, -- für’s Gefühl des Handschriftensammlers ein unseeliger Gedanke! Wie es damit bestellt gewesen, das kann nur wissen, wer sich genöthiget sah, wiederum zu trennen und auseinander zu fasern, was des Buchbinders Kleister, ohne Achtung für morsches Papier und halbverwitterte Schrift dick verklebt hatte. Da ist manch’ ein Riß in’s Lebendige geschehen; da war beim „Beschneiden“ (!) des Convolutes manche Nach- manche Namensunter-Schrift glatt weggesäbelt worden; da hatten sich Bogen, deren Format nicht willig paßte, unerbittlicher Gewalt fügen, und biegen oder brechen müssen, daß sie in Fetzen hingen. Und da sind Lücken entstanden, welche weder des Kopisten[1] Umsicht, noch des Redakteurs Konjekturen auszufüllen vermochten.

Bald zeigte sich, daß eine chronologische Eintheilung mißlich, -- nach meinem Dafürhalten unmöglich sey. Ich gerathe dadurch in Widerspruch mit dem von mir so hochverehrten Biographen, der (siehe Oben) von einer solchen Reihenfolge spricht. Wahrscheinlich, daß Tieck in der _Anlage_ so etwas beabsichtigt hat. Durchgeführt ward es keinesweges. Ich fand (mit Ausnahme der Schlegel’schen und Wackenroder’schen Briefe, welche zwei selbstständige Bände bildeten) die meisten übrigen in _alphabetischer_ Folge -- außer wo der Buchbinder Konfusion gemacht hatte. Diese Folge habe ich denn auch beibehalten, wo sie mangelhaft war, gründlich hergestellt, so daß sich bald gesammter Vorrath nominell übersehen ließ; wobei jedoch immer noch Noth und Sorge blieben, wegen der Zeitfolge in den Briefen der einzelnen Korrespondenten, denen häufig die Daten fehlten, und bisweilen nicht aus dem Inhalt errathen werden konnten. Eben so blieben Abbreviaturen, Citate, Eigen- und Orts-Namen u. dergl. bei fast unlesbarer Handschrift nicht selten räthselhaft.

Nachdem denn endlich der _Vorrath_ gut oder übel in’s Reine gebracht vor Augen lag, begann erst die strengere _Auswahl_.

Ausgeschlossen mussten werden

Erstens -- sollte nicht der Umfang des Buches über alle Berechnung sich ausdehnen, und es ungebührlich vertheuern -- diejenigen Briefe, die _nicht an Tieck_ gerichtet, durch dritte Hand in seinen Besitz gelangt sind.

Zweitens _sämmtliche_ Familienbriefe, aus denen ~Dr~. Köpke unschätzbare Aufschlüsse für seine psychologische Entwickelung des reichen Dichterlebens schöpfen, die ich aber, ausdrücklich ertheilter Anweisung gemäß, nicht abdrucken lassen durfte.

Drittens wurde, meinen Ansichten getreu, im Ganzen unterdrückt, oder wo möglich theilweise herausgestrichen, was Anstoß erregen -- was noch Lebende persönlich verletzen -- was sie um ihrer lieben Todten willen kränken -- was endlich den Schreibern Verdrießlichkeiten, und sind sie begraben, üble Nachrede zuziehen könnte. Ich gestehe aufrichtig, daß mir diese Censur einigemale recht schwer wurde; daß ich bei pikanten Stellen die Feder oft in der Schwebe hielt, noch zögernd, ob ich streichen sollte? Doch unser Verleger war mit mir und mit der Erbin dieses Nachlasses einverstanden: ein auf litterarischen Skandal berechneter Effekt sei unstatthaft, und Ludwig Tiecks Angedenken dürfe durch Spekulationskniffe nicht entweiht werden.

Zählen wir noch dazu den Ausfall vertraulicher Zuschriften von Freunden und Gönnerinnen, welche vor oder nach Seinem Tode zurückverlangt, oder welche, wie Friedr. von Raumer’s und Solger’s, bereits anderweitig veröffentlicht sind, so wurde eine befriedigende _Vollständigkeit_ der Sammlung unerreichbar. Wir mußten uns begnügen an dem Gedanken festzuhalten und ihn lebendig zu machen:

All’ diese, mitunter völlig vereinzelten, auch die an sich scheinbar unbedeutenden Blätter, bilden trotzdem _ein Ganzes_, stehen in innerem Zusammenhange, weil sie, jedes auf seine Weise, der _Nachwelt_ darthun, in welchem Lichte Ludwig Tieck, seit Beginn eines poetischen Jugendlebens bis zum Abschluß hohen Alters, als Dichter -- als Gelehrter -- als Kritiker -- als Vorleser -- als Dramaturg -- als Mensch, Freund, Rather, Förderer, Wohlthäter.... nicht minder als saumseeliger Briefschreiber, bei _drei_ sich folgenden Generationen seiner _Mitwelt_ gestanden hat.

Wir leugnen’s nicht: es sind hier und da recht schwache Vertreter besagter Mitwelt zugelassen worden.

Nicht ohne reifliche Ueberlegung.

Zu einem umfangreichen historischen Bilde gehören außer den Hauptpersonen viele, vielerlei Nebenfiguren. Auch die geringsten sind zulässig, wofern ihre charakteristische Eigenthümlichkeit in die Hauptidee der Konception gehört. Wie die Sammlung mit einem Franzosen beginnt; wie sie, durch Engländer, Amerikaner, Schweden, Dänen, Deutsche fortgesetzt, dem Leser Weise, Thoren, Staatsmänner, Dichter, Krieger, Naturforscher, Aerzte, Politiker, Frauen, Mädchen und verlorene Söhne vorführt; wie sie mit einem Schauspieler schließt, der des historischen Feldherrn Urenkelneffe war.... so umfaßt sie Tieck’s Dasein.

_Er ist es selbst_ in unwillkürlichen Zeugnissen von zweihundert Menschen, die untereinander getrennt in ihm einen Vereinigungspunkt gewinnen.

Unsere kurzen, leider oft sehr unvollständigen[2] Einleitungen hegen nicht etwa die eitle Absicht, urtheilen zu wollen. Sie sollen nur dem weniger mit der Litteratur Vertrauten bescheidene Andeutungen geben.

Und solcher Leser wünschen wir der Sammlung eine recht umfassende Anzahl. Sie sind nicht selten die theilnehmendsten -- vielleicht weil sie die unbefangensten sind.

Allen aber, Laien wie Kennern, legen wir die Bitte an’s Herz, diese Bücher nicht zu durchblättern, bevor sie nicht _Rudolph Köpke’s_ oben genanntes Werk aufmerksam gelesen haben. Es ist kaum eine zweite Lebensbeschreibung vorhanden, in welcher sich, so offenbar wie in dieser, Pietät, begeisterte Verehrung, gänzliche Hingebung an den Gegenstand mit unparteiischer Wahrheitsliebe verbinden. Wer Tieck noch nicht aus seinen Dichtungen kannte, der mag ihn an Köpke’s Führerhand kennen, mag Beide lieben lernen!

Und nun genug!

_Unsere_ Arbeit unterscheidet sich von den meisten Erzeugnissen anstrengenden geistigen Fleißes dadurch, daß diese die Resultate desselben der Lesewelt vorlegen dürfen, während wir die meiste Bemühung auf dasjenige zu verwenden hatten, was _wegbleiben_ sollte. Darum, wie wir keinerlei Anspruch auf irdischen Lohn und Erwerb dabei machten, hoffen wir auch keinesweges auf Dank und Lob; sind jedes Tadels in Demuth gewärtig. Auch der bitterste wäre nicht im Stande, Werth und Bedeutung Büchern zu rauben, aus denen hervorragende Geister zu Geist und Herz reden; er könnte immer nur den Herausgeber treffen; und dieser fühlt sich im Voraus beruhiget durch das Bewußtsein strengerfüllter Pflicht, die er geübt so weit seine Kräfte reichen. Darüber hinaus kann kein Sterblicher.

Noch einen zweiten Trost bietet die Zuversicht, daß es an edlen Menschen nicht fehlt, die sich gern eine Stunde stiller Weihe gönnen, um sich aus dem Lärm und Streit der Gegenwart in entschwundene Zeiten zu versenken; um sich in litterarische Zustände und Verbindungen, wie sie uns heut zu Tage fremd erscheinen, hinüber zu träumen. Diese werden billigen, daß ich nicht unterschlagen habe, was streng genommen wegfallen konnte. Und ihre Befriedigung mag mich trösten über Vorwürfe, welche von entgegengesetzter Seite nicht ausbleiben dürften.

Der Verleger denkt bei diesem seinen Unternehmen nicht an Gewinn.... doch ja! Die Erinnerung an den Dichter des Phantasus ehrenvoll aufzufrischen gilt ihm dafür!

_Breslau_ im Mai 1864.

=Holtei.=

Inhalt des ersten Bandes

Seite

Ampère, Jean Jacques Antoine 1

Andersen, Hanns Christian 4

Armansperg, Joseph Ludwig, Graf 7

Arnim, Ludwig Achim von 9

Arnim, Bettina von, geb. Brentano 16

Atterbom, Peter Daniel Amadeus 20

Aubin, St. 22

Auguste. ? 27

Bacherer, ~Dr~. G. 29

Baudissin, Wolf Heinr. Friedr. Karl, Graf 30

Baudissin, Karl, Graf 34

Bauer, Caroline 35

Bauernfeld, Eduard von 37

Beskow, Bernh. von 41

Böttiger, Karl August 68

Boisserée, Sulpice 69

Bothe, Friedrich Heinrich 85

Braniß, Christlieb Julius 89

Brentano, Clemens 94

Brockhaus, Friedrich Arnold 107

Brühl, Karl Friedrich Moriz Paul, Graf 109

Bürger, Elisa 114

Büsching, Johann Gustav Gottlieb 115

C. 119

Carové, Friedr. Wilh. 120

Carus, Karl Gustav 122

Chezy, Wilhelmine Christine von, geb. von Klencke 129

Collier, John Payne 138

Collin, Matthäus von 142

Creuzer, Georg Friedrich 157

David, Pierre Jean 159

Deinhardstein, Johann Ludwig 161

Devrient, Eduard 163

Devrient, Karl 190

Eschenburg, Joh. Joachim 193

Förster, Karl 195

Förster, Luise, geb. Förster 196

Förster, Friedr. 205

Follen, August 207

Freytag, Gustav 214

Genast, Eduard 219

Gerle, W. A. 222

Gerstenbergk, Friedrich von 228

Gmelin, Leopold 231

Görres, Jacob Joseph von 236

Goethe 239

Grabbe, Christian Dietrich 242

Gries, Johann Dietrich 253

Haering, Wilhelm (Willibald Alexis) 262

Hagen, Friedrich Heinrich von der 265

Hagen, Ernst August 282

Hagn, Charlotte von 284

Halling, Karl 287

Hallwachs 300

Hardenberg, Friedrich Freiherr von (Novalis) 304

Hardenberg, Karl 312

Hauch, Johann Carsten von 326

Hauff, Wilhelm 329

Hebbel, Friedrich 332

Hegner, Ulrich 334

Heiberg, Johann Ludwig 339

Hensel, Wilhelm 342

Hermann, F. R. 344

Heumann, Georg 352

Heydrich, Moritz 359

Hirzel, S. 365

Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus 366

Holtei, Karl Eduard von 368

Ampère, Jean Jacques Antoine,

Sohn des berühmten Mathematikers und Naturforschers A. M. Ampère, geboren zu Lyon den 12. August 1800, gestorben am 27. März 1864 zu Pau. Er bereiste Italien, Deutschland, Skandinavien, den Orient. Lehrer am ~collège de France~ in Paris. Unfehlbar gehörte er zu den wenigen, seltne Ausnahmen bildenden Franzosen, die doch einigermaßen, mindestens so weit es französischem Wesen irgend möglich, in den inneren Geist deutscher Poesie eingedrungen sind. Deren tiefere Bedeutung, hauptsächlich im Verhältnisse zu jenen Ansprüchen, welche seine Landsleute an schöne Litteratur machen, unbefangen zu erfassen, scheint allerdings auch diesem ernsten und männlichen Streben nicht gelungen zu sein; sonst könnten er und sein Freund F. unmöglich an die Spitze der (im ersten Briefe erwähnten) projektirten Uebertragung Tieck’scher Dichtungen jenen von schon veralteten, kaum noch _deutscher_ jetzt lebender Generation verständlichen Anspielungen strotzenden, polemisch-parodischen Scherz „der gestiefelte Kater“ zu stellen beabsichtiget haben. Nichts war minder geeignet Tieck’s Muse in Paris einzubürgern. Vielleicht hat Ampère auf seinen allzu umfassenden Wegen durch die _Welt_ den ursprünglich klaren Blick für _deutsche_ Zustände verloren, der ihm eigen war, als er sich (1827) bei Göthe in Weimar aufhielt, und der ihn befähigt hatte, sich sogar an Hebel’s alemanischen Gedichten wahrhaft zu entzücken. Wie weit sein Forscherdrang ihn trieb, zeigen schon folgende Büchertitel an: ~La Grèce, Rome et Dante~ (Paris 1850.) -- ~Litterature et voyages~ (2 ~vol. Paris~ 1834.) -- ~De la litterature française dans ses rapports avec les litteratures étrangères au moyen age (Paris~ 1833.) -- Vieler anderer nicht zu gedenken.

Eines seiner gediegensten Werke dürfte jedenfalls die drei Bände starke Schilderung einer Reise durch Amerika sein, welche reich ist an lehrreichen Wahrnehmungen und Aussprüchen. In diesem Buche sagt er einmal: „Die Regierung der Vereinigten Staaten gleicht einer Lokomotive auf der Schienenbahn. Sie begann ihren Lauf mit weiser Besonnenheit; bald fing man die Maschine zu überheizen an; die Schnelligkeit der Bewegung hat sehr zugenommen; es geht mit vollem Dampfe, und große Strecken werden rasch zurückgelegt. Doch in diesem Lande geschieht es oft, daß der Kessel platzt und die Lokomotive in die Luft fliegt. -- ~Avis aux Américains~!“ --

Ampère’s bedeutender Verdiensten unbeschadet soll nicht verschwiegen bleiben, daß er eine kaum zu entziffernde von Nachlässigskeitsfehlern wimmelnde Handschrift führte, und daß für nachstehende Briefe nichts geschehen konnte, als sie buchstäblich zu kopieren,... so weit dies menschenmöglich war.

I.

~Paris, le decembre 1823.~

~_Monsieur_,~