Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band
Part 13
Dieß ist dasjenige, was ich Ihnen, verehrtester Freund, über meine Ansichten und Zwecke bey Dichtung dieser Schauspiele sagen zu sollen glaubte, theils um mich zu rechtfertigen, theils um guten Rath von Ihnen zu empfangen. Ich bin übrigens der Meynung, daß, obgleich die Zeit dazu Veranlassung zu geben scheint, man dennoch bis jetzt noch gar keinen Sinn für das historische Schauspiel habe, und daß ich daher wenigstens für jetzt, wenn ich von dem eingeschlagenen Wege nicht abgehe, nicht zum Volksdichter berufen seyn könne. Weil übrigens das Theater von meinen Schauspielen keine Notiz nimmt; indem ich dort nicht als Bittsteller mit meinen Manuscripten erscheinen und den Schauspielern den Hof machen mag, so nimmt auch das nächste Publikum, die Wiener Lesewelt, von mir als Schauspieldichter keine Notiz, und die Herren und Damen von Hof z. B. mit welchen ich in meinen jetzigen Verhältnißen oft zusammen treffe, wissen nicht einmal, daß ich etwas dergleichen geschrieben, welches ich auch weder wünsche noch verlange. Glücklicher Weise bin ich in einer so unabhängigen Lage, daß ich meinen Ideen, ohne durch dergleichen gehemmt zu werden, folgen kann. Daß ich aber nicht etwa aus einem kleinlichen Verdruße über die Unaufmerksamkeit auf meine Schauspiele die Meynung gewonnen habe, daß man keinen Geschmack an historischen Werken finde, werden Sie leicht glauben. Wo gefallen die eigentlichen historischen Schauspiele Shakespeares? Schillers Stücke haben nicht wegen ihres sich hin und wieder dem Historischen nähernden Charakters Beyfall gefunden. Man verlangt in Trauerspielen meistens nur Ueberschwung der Leidenschaft, Partheyanregung für diesen oder jenen Helden, und kann die im historischen Dichter, auch bey der dargestellten höchsten Erschütterung dramatischer Personen, vorwaltende Ruhe des Gemüthes weder vertragen noch auch begreifen. Ich glaube aber darum keineswegs, daß es um das Theater so schlimm stehe, als manche behaupten wollen; denn es findet sich für vieles Schöne viel Sinn, wenigstens im Wiener Publikum, und unter andern wäre jetzt der wahre Zeitpunkt das spanische Theater auf der Bühne geltend zu machen. Im Auffassen des Komischen feinerer Art zeigt sich ein zartes Gefühl, und ein sehr richtiger Tact: Trauerspiele, wenn deren bewegendes Prinzip aufgeregte Leidenschaft ist, oder wenn ihr Werth in einer gewissen stillern Ueberschauung des Lebens und seiner Verhältniße beruht, sind jederzeit sicher, begriffen und mit Liebe aufgefaßt zu werden. Es hat sich jetzt hier ein junger Dichter, Herr Grillparzer, hervorgethan, dessen zweytes Werk, ein Trauerspiel: Sappho, mit einem Beyfalle, wie ihn nur immer der größte Dichter erwarten könnte, aufgenommen wurde. Die Erfindung ist schwach, die Ausführung aber sowohl in Sprache als Charakterzeichnung ein vollgültiger Beweis seines Dichterberufes; und obwohl man viel zu übertriebnen Lärm dieses Stücks wegen erhoben hat, glaube ich doch daß es weit besser sey, als wenn man, herkömmlicher Weise, ein rühmlich in die Bahn tretendes Talent verunglimpft, und nur von dessen Blößen gesprochen hätte. Ich höre überdieß, daß er sehr bescheiden ist, und sich keineswegs auf dieß Werk, welches er nur als einen Versuch gelten lassen will, etwas zu gute thut. Er hat einen Jahrgehalt von 1000 F. sammt Zulagen, so daß er jährlich auf 2000 F. oder mehr kommen wird, erhalten, um sich mit Musse der Dichtkunst widmen zu können.
Ich ersuche Sie sehr, mich nicht so lange auf eine Antwort warten zu lassen, als ich unseligerweise mir zu Schulden kommen ließ; denn ein Brief von Ihnen ist mir über alles werth. Wollten Sie mich nicht benachrichtigen, was im 4ten B. des Phantasus erscheinen wird? Den Fortunat bewundre ich insbesondre wegen der sinnreichen Auflösung der Schwierigkeit, aus all diesen verschiedenen Elementen ein Ganzes zu formen, welches Sie durch die eingeflochtenen, auf den verschiedenen Punkten der Reise wieder zum Vorschein kommenden Personen der Heimath, bewirkt haben. Ich glaube aber jetzt, daß das Ganze nicht in zwey, sondern in 3 Schauspiele hätte gesondert werden sollen, wo dann freylich im 2ten eine, vom Buche (mehr als der Charakter Ihrer Dichtung verstatten mag) unabhängige Erfindung hätte eintreten müßen. Wenn das Donauweibchen vollendet würde, wäre es eine schöne Sache. Ich habe im 2ten B. der Jahrbücher bey Gelegenheit der Sängerfahrt, einiges darüber gesagt, mich aber nicht so herauslassen können, als ich wünschte, weil weniger gedruckt ist, als ich aus Ihrem Munde in Wien vernommen habe. Ich bitte der Jahrbücher, und mehr noch meiner eingedenk zu seyn.
Mit Hochachtung und Freundschaft _Collin_.
Ich ersuche mir die Briefe, meines unstetten Aufenthalts wegen, an die Gerold’sche Buchhandlung in Wien zu schicken, wie Sie mit dem ersten thaten.
III.
_Wien_, den 18ten November 1818.
_Theuerster Freund!_
Die Beantwortung Ihres gefälligen Schreibens vom 22t. Oktober, welches ich den 31t. erhielt, verschob ich bis heute, weil ich die Vollendung des 3t. B. der Jahrbücher erst abwarten wollte. Ich lege diesem 3t. B. ein Exemplar der Werke meines Bruders bey, welches ich Sie als ein Andenken, das Sie sowohl an meinen verstorbenen Bruder als mich erinnere, zu empfangen bitte. Ich hätte manches, was sich in diesen Werken befindet, nicht drucken lassen sollen; allein ich ging damals von andern Ansichten aus, als gegenwärtig. Die Biographie befindet sich am Schluße des Ganzen. Ich sende dießmal das Packet durch die Diligence, damit nicht wieder Verspätungen eintreten: gegenwärtig hoffe ich indeß, werden Sie den 2t. B. der Jahrbücher erhalten haben. Wie sehr bedaure ich, daß Sie von dieser bösen Krankheit so arg heimgesucht sind; ich meine nicht von den Jahrbüchern, sondern von der Gicht! Fragen Sie doch einmal ~Dr.~ Rust, ob er nicht glaube, daß Ihnen die Schwefelräucherungen, wie man sie jetzt in Wien an vielen Gichtkranken mit Glück in Anwendung bringt, nutzen dürften. Diese Räucherungen sind, wie ich in den Zeitungen las, in Berlin durch die gewissenlose Ungeschicklichkeit der Experimentirenden sehr in Mißkredit gekommen, ~Dr.~ Rust aber, der kürzlich erst in Wien war, wird sich vielleicht von den hiesigen heilbringenden Versuchen überzeugt haben. Sehr erfreute mich Ihre und Herrn Solgers Billigung der Jahrbücher; der 3t. Band ist etwas trocknener Natur, mit dem 4t. aber hoffe ich sollen Sie beyde sehr zufrieden seyn. Wenn Herr Solger Theil an dem Unternehmen haben wollte, würde es mir eine sehr grosse Freude seyn; denn seit lange verehre ich seine Kenntniße wie die Gründlichkeit seines Urtheils, und wenn ich ihn nicht sogleich einlud, geschah es nur deßhalb, weil ich nicht hoffen konnte, daß er der Einladung eines ihm ganz unbekannten Mannes zu einem vor der Erscheinung selbst noch zweifelhaften Unternehmen Folge leisten würde. Jetzt darf ich dieß wohl hoffen, insbesondere wenn Sie, verehrter Freund, mich vertreten wollten, und ich schließe daher beyliegendes offenes Einladungsschreiben bey, welches ich Sie aufs beste zu unterstützen bitte. Den Gedanken, selbst Jahrbücher herauszugeben, sollten Sie fahren lassen; denn dieses Herausgeben ist wirklich eine Gattung spiritueller Gicht, und hinterläßt mir wenigstens ununterbrochne Lähmungen, die mir nicht gestatten, eigene Werke zu Tage zu fördern. Ich bin daher eigentlich an diesen Jahrbüchern krank, und zu meinem großen Schaden; denn ich sehe mich in allem gehemmt. Uebrigens will ich gern zugeben, daß Ihnen die Sache nicht so viel Arbeit als mir machen würde.
Ich ersuche Sie recht dringend, bald an eine Arbeit für die Jahrbücher zu gehen. Es ist mir schon ein übles Vorzeichen, daß Sie mir wieder Ostern als den Zeitpunkt anmerken, wo ich etwas zu erwarten habe, denn diese unglücklichen Ostern haben mir auch in diesem laufenden Jahre Früchte, die Sie mir versprachen, bringen sollen, ich bin aber leer ausgegangen. Die Hauptsache ist, wie mich dünkt, daß Sie sich vorerst auf ein einzelnes Werk zur Anzeige beschränken, um Ihre Gedanken nicht zu sehr zu zerstreuen. Welche Beurtheilung Sie mir immer liefern werden, sie wird für die Jahrbücher ein Gewinn seyn. Fr. Schlegel, welcher hier angekommen, zeigt endlich Ernst, etwas beyzutragen, wobey ihn der Himmel unterstützen wolle. Daß Sie meine Ansicht des historischen Schauspiels als die Ihre erkennen, macht mir ungemeine Freude; denn Sie werden sich wohl erinnern, daß Sie mit mir über diesen Gegenstand nicht sprachen, und nur einige Aeusserungen, die Sie damals bey Gelegenheit des Bela fallen ließen, erregten in mir schon damals die Vermuthung, daß meine Ansicht der Ihrigen verwandt seyn müßte. Aber wann wird dieser schon durch so viele Jahre zurückgehaltene Shakespeare erscheinen? Ich würde, wenn ich wie Sie wäre, zugleich eine englische Uebersetzung für die Heimath des Dichters besorgen, wo das Werk für jeden Fall große Aufmerksamkeit erregen wird. Sogleich nach Erscheinung des 4t. Theils des Phantasus werde ich eine Anzeige desselben für die Jahrbücher verfassen, und dieselbe zum Anhaltspunkte wählen, um überhaupt über das Charakteristische und den Geist Ihrer Dichtungen nach meiner Ein- oder Ansicht zu sprechen, nur ersuche ich Sie dann den Willen für die That gelten zu lassen; denn ich weiß sehr wohl, welch ein schwieriges ja gefährliches Unternehmen dieß seyn wird, da es sich dabey nicht darum handeln darf, Lobsprüche zu ertheilen, und sich mit der ausgesprochenen Versicherung des bey den Lesungen empfundenen Vergnügens zu begnügen.
Wenn A. W. Schlegel endlich seinen Shakespear vollenden wollte, wäre es eine schöne Sache. Ich sehe nicht ein, wie ihm beym Anblicke des Voßischen nicht die Pflicht klar wird, was er begonnen, auch hindurch zu führen. Es kann ihm auch keineswegs schwer fallen.
Bey genauerer Ueberlegung wird es doch besser seyn, Ihnen meines Bruders Werke, sechs Bände, des Umfangs wegen durch eine Buchhändlergelegenheit zu übermachen, und hier nur allein den 3t. B. der Jahrbücher zu überschicken. Ich ersuche Sie um die Fortdauer Ihrer Freundschaft, und wiederhole meine Bitte um baldige Einsendung eines Beytrags.
Ihr wahrester Freund _Collin_.
IV.
_Wien_, den 14t. März 1820.
_Theuerster Freund!_
Sie werden aus beyliegendem 8t. Bande der Jahrbücher ersehen, daß selbst Friedrich Schlegel fleißig geworden, und eine vortreffliche Abhandlung geliefert hat. Aus einem Briefe des H. v. Schütz, den ich vorgestern erhielt, ersehe ich, daß Sie einen Ausflug nach Dresden gemacht. Möchte doch Ihre Gesundheit endlich wieder zurückkehren! Schreiben Sie doch wenigstens, wie Sie sich befinden, wenn ich auch keine Arbeit erhalte. Ueber letzteren Punkt bitte ich Sie aber mir aufrichtig zu sagen, ob ich in einem halben Jahre die Recension des Voßischen Shakespeare erhalte oder nicht? weil ich im letztern Falle doch trachten müßte, einen andern Recensenten zu finden. Möchten Sie doch alles thun, wovon Sie sich eine solide dauernde Besserung Ihrer Gesundheit versprechen können. Leben Sie wohl!
Ihr
Freund und Diener _Collin_.
~Herrn Ludwig Tieck.~
V.
_Wien_, 12t. Febr. 1823.
_Verehrter Freund!_
Ich bin so frey, Ihnen in der Anlage einen Abdruck meiner Recension über die neuere dramatische Literatur zuzusenden, und bitte Sie diese Zusendung als ein Zeichen meiner Hochachtung zu betrachten. Wenn ich mich in Hinsicht des Werthes neuerer dramatischer Dichtung mit Ihnen in Opposition befinde, so ist dieß in Folge einer, von den Aussagen der Vorrede zu Kleist, verschiedenen Ansicht, die ich Sie mir zu gute zu halten bitte. Diese Sache wollte öffentlich ausgesprochen seyn; daß ich übrigens gegen Sie und Ihre Dichtungen die schuldige Achtung hege, wird Ihnen diese Recension selbst am besten bewähren. Hochachtungsvoll
Ihr
Freund und Diener _Collin_.
=Creuzer, Georg Friedrich.=
Geboren zu Marburg i. H. den 10. März 1771, seit 1804 Prof. der Philologie in Heidelberg, wo er sein Lehramt 1848 niederlegte. Unsterblich durch das große Werk: Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen, 4 B. (1810-12.) Die „Deutschen Schriften“ (1837-47) enthalten in 9 B. die vorzüglichsten seiner vielen archäologischen Arbeiten.
Wie liebenswürdig und erquickend athmet des gelehrten ernsten Forschers lebensfrische Vielseitigkeit aus diesen wenigen Zeilen. Und wie theuer muß auch ihm und seinen Heidelberger Freunden Tiecks Persönlichkeit gewesen seyn!
_Heidelberg_, d. 6ten Sept. 1825.
Ich hoffe, mein hochzuverehrender Herr und Freund, Sie sind von Ihrer Sommerreise glücklich zurück, und haben sich nun der wohlthätigen Wirkungen zu erfreuen, die diese Bewegungen in freier Luft mit dem Wechsel der Gegenstände hervorzubringen pflegen. Möchten Sie nun wieder recht lange frisch und gesund bleiben.
Erst jetzt kann ich mein Versprechen erfüllen, weil ich die Vollendung der Görresschen Anzeige abwarten mußte. Ich habe also die Ehre Ihnen hiebei die sämmtlichen, nach ziemlich langen Zwischenräumen erschienenen Anzeigeblätter von Görres zu übersenden. Ich wäre begierig zu erfahren, was Sie zu dem Ganzen sagen. Der geniale Freund Görres, es ist nicht zu leugnen, ist mitunter etwas metaphysisch geworden. -- Das kann er nun nicht lassen. -- Aber die lange Anzeige wird wohl auch wegen des ganzen Tons und Inhalts bei wenigen Leuten in dem galanten Sachsen Glück machen.
Hiebei auch die Recension von Thibaut mit einem achtungsvollen Gruß des Recensenten an Sie, aber auch zugleich mit einer Bitte, welche Thibaut auf beiliegendes Blättchen niedergeschrieben.
Dürften wir nicht hoffen, daß Sie einmal Ihre Gedanken über Thibauts Ideen und Bestrebungen über und in der Musik dem Publikum mitzutheilen Sich entschließen? Der H. Kocher ist ein sehr heller klarer Mann und dazu noch in voller Jugendkraft. Er war neulich hier bei uns.
Auch der Cantor H. Rink in Darmstadt ist auf demselben Wege. Er kann nur nicht wie er will, weil vielleicht in keinem deutschen Lande dem Götzendienst der laulichsten Flachheit so sehr gehuldigt wird als dorten; wo auch _Kirchen-_ und _Schulzeitungen_ wie Pilze aus der Erde wachsen -- sonnen- und würzlose Vegetabilien -- während Kirchen und Schulen gänzlich zerfallen. Rink war wieder in seiner Lebensluft, als er neulich mit mir im Thibautschen Singverein die alten Choräle von Palestrina und andern Altmeistern hörte.
-- Unsern Freund Sulpiz Boisseree hoffe ich alle Tage auf seiner Rückreise nach Stuttgart hier zu sehen. Er schrieb mir neulich von Wiesbaden, wo er etwas angegriffen aus dem Pariser Getöse angekommen war. -- Das Domwerk wird, trotz der bisherigen schlechten Rentirung, doch eifrigst fortgesetzt werden.
-- Mit Hrn. Hofrath Schelver steht es wieder ziemlich gut.
Hr. Prof. Loos war über Ihren Gruß hocherfreut.
Aus dem Kayserschen Hause soll ich Ihnen die ehrfurchtsvollsten Grüße melden, womit die Meinigen die ihren verbinden. Werden wir Sie denn nicht wieder einmal auf längere Zeit hier verehren können? -- Das war doch neulich eine gar zu flüchtige Erscheinung.
-- Haben Sie doch die Güte, beiliegenden Bogen an Hrn. ~Dr.~ und Prof. Sillig an der Kreuzschule abgeben zu lassen.
Leben Sie wohl, und erhalten Sie mir Ihr Wohlwollen. Ich beharre mit Verehrung der
Ihre
_Friedr. Creuzer_.
=David, Pierre Jean.=
Genannt: David d’Angers, weil er zu Angers geboren ward -- am 12. Mai 1793. Er gilt für einen großen Bildhauer. Um seinen Ruhm auch außerhalb Frankreich zu verbreiten, unternahm er Kunstreisen nach Deutschland, wo er (1828) in Weimar mit Goethe’s kolossaler Büste begann. Seine Anwesenheit fiel in die Zeit, da der Faust zum ersten Male in W. auf der Bühne erschien. Er zeigte sich begeistert für Goethe. Jedesmal wenn er eine Sitzung beendet hatte, rief er aus: Welche Stirn! Welch’ ein Kopf! Ein Halbgott! -- Einige Jahre später kam er wieder nach Deutschland, modellirte die ebenfalls grandiosen Brustbilder seiner Kunstgenossen: Dannecker in Stuttgart, Rauch in Berlin, und auch Schelling’s in München, so wie L. Tieck’s in Dresden.
Als eines seiner bedeutendsten Werke wird das Haut-Relief im Giebelfelde des Pariser Pantheon’s gepriesen.
I.
~_Paris_, 21. mai 1837.~
~_Monsieur et illustre ami!_~
~Je n’ai pas voulu laisser partir Mr. de Cubière sans le charger de quelques lignes pour vous. Je voulais vous écrire lorsque nous avons reçu la triste nouvelle de la perte cruelle que vous avez éprouvé; mais j’etais a ce moment très malade. Nous serions bien heureux de vous revoir ainsi que Mesdemoiselles Thieck, car nous comptons parmi les moments les plus heureux de notre séjour en Allemagne ceux que nous avons passés dans votre agréable société. Nous conservons avec une véritable joie l’espoir de vous voir l’année prochaine vers cette époque ci lorsque nous passerons par l’Allemagne pour nous rendre en Italie où nous ferons un assez long séjour.~
~Je serais bien heureux si parmi vos occupations plus utiles et si précieuses pour la postérité, vous pouviez quelque fois trouver l’instant de m’honorer d’un mot de vous, pour nous donner de vos chères nouvelles. Si vous saviez a quel point la lettre pleine d’amitié et de bienveillante indulgence que vous avez bien voulu m’écrire, m’a causé de joie vous ne regretteriez pas de perdre un peu de tems pour l’un de vos plus sincères admirateurs.~
~Agréez je vous prie, Monsieur et illustre ami l’assurance de ma haute considération et de mon bien sincère attachement.~
~_David_~.
~Soyez je vous prie assez bon pour présenter mes respectueux hommages a Mesdemoiselles Thieck et à la comtesse Finkenstein.~
II.
~_Monsieur et honorable ami._~
~Mr. Carnot fils du célèbre Ministre de la guerre va revoir l’Allemagne qu’il a habitée pendant de nombreuses années, je lui donne auprès de vous une lettre d’introduction car il désire ardemment faire la connaissance de l’un des plus grands génies de votre beau pays; il est accompagné de sa femme et pourront vous dire tout deux combien nous avons regretté Emilie et moi de ne pouvoir faire le voyage avec eux.~
~Veuillez nous rappeller au bon souvenir de votre famille et recevoir nos complimens bien affectueux.~
~Croyez je vous prie, Monsieur et honorable ami, à mon sincère devouement et à ma profonde admiration pour vous.~
~_David_~.
=Deinhardstein, Johann Ludwig.=
Geboren am 21. Juni 1794 zu Wien, wo er 1827 Professor der Aesthetik wurde. Daneben hat er schon früher Censurgeschäfte verwaltet. Im Jahre 1832 gelang es ihm, wohl nicht auf geraden Wegen, den hochverdienten Schreyvogel (West) zu verdrängen, und dessen Stelle als Hoftheatral-Sekretair, mit jener Mosels vereint, unter dem Titel „Vicedirektor“ zu bekleiden. Er bekam auch den Rang eines wirkl. Regierungsrathes. Deinhardstein -- vorher der größte Frondeur, der durchtriebenste „G’spaßmacher“, der Anstifter aller lustigen und übermüthigen Streiche, der Spießgesell Castelli’s bei tausend Mystificationen, der unerschöpfliche Erfinder oft gefährlicher Neckereien und „Gassenbuben-Dummheiten“, ein Haupturheber „ludlamitischen“ Wahnsinns -- -- -- nun ein Staatsbeamter, voll gemessener Würde, gleich Polonius; von Orden geschmückt; streng-streichender Censor! Aber der eingeborne Schelm guckte immer noch durch. --
Sein erstes Auftreten in der Litteratur geschah durch den „Almanach der Kunstredner,“ (1812?) eine gute Anthologie, mit Theodor Bar. Sydows, des Wiener Declamators ~par excellence~ wohlgetroffenem Portrait, und eignen lyrischen Produktionen. Sodann hat er sich in’s dramatische Fach geworfen. In vielen theatralischen Gattungen hat er Vielerlei geliefert. Den entschiedensten Beifall fand (auch von Goethe ausgezeichnet) sein _Hanns Sachs_. Am längsten auf der Bühne gehalten hat sich hauptsächlich wohl durch Ludwig Löwe’s berühmte Meister-Darstellung: Garrik in Bristol.
Daß er ein sehr eitler Mensch gewesen, davon giebt eine Zeile dieses Briefes Kenntniß. Daß Niemand gleich ihm gestrebt habe, sich äußerliche Auszeichnungen und Ehrenzeichen zu er-- --werben, dürfte Jeder behaupten, der _ihn_ gekannt, den guten Castelli jedoch nicht gekannt hat. Es läßt sich schwer entscheiden, welcher von diesen Zweien gieriger nach Bändchen und Kreuzchen haschte?
Er galt hier und da für perfid und falsch. Andere lobten seine Bonhommie. Wahrscheinlich hatten Beide Recht. Wohlwollend war und blieb er -- so lange _seine_ Interessen es ihm gestatteten!
_Wien_, am 15. September 1844.
_Hochverehrter Herr geheimer Hofrath!_
Nach zurückgelegter Reise rufen lebhafte Erinnerungen an die liebevolle Güte und Freundlichkeit, deren Sie in Potsdam mich werth gehalten haben, den innigsten Dank in mir auf. Ihr Anblick und Ihre Benehmungsweise hat mich in unserer Zeit der Zerrißenheit und der Lüge erhoben und gestärkt.
Ihr König, den Sie so treffend mit den Worten geschildert haben, „man würde die Vortrefflichkeit seines Characters auf der Bühne für unwahrscheinlich halten,“ wird nun wohl wieder in seiner großartigen Hauptstadt seyn. Leider wurde mir der eigentliche Zweck meiner Reise, Ihm persönlich meinen Dank für die Dedications-Annahme meiner Gedichte -- die wie Sie werden erfahren haben bedeutendes Glück machen -- zu Füßen zu legen, durch die übergroße Sorgfalt des für mich intercedirten österreichischen Gesandten, vereitelt.
Ueber Tschech ist hier nur eine Stimme -- die der Verachtung laut. Am Besten ist es, so wenig als möglich von ihm und über ihn reden zu laßen. Ich mindestens halte dieß mit allen Zeitungen und Schriften, die von ihm handeln, wenn sie mir zur Censur vorkommen, so, und wünsche, daß es überall so gehalten werde; zeitlebens mit ihm in den Narrenthurm wäre wohl die paßendste, und in Berücksichtigung ähnlicher Gesellen die heilsamste Strafe.
Der Plan, den ich Ihnen verehrtester Herr Hofrath mitgetheilt habe, in den Jahrbüchern der Literatur fortwährend die neuesten wichtigsten Erscheinungen und Bestrebungen im Gebiethe der Wißenschaft und Kunst in Preußen, besprechen und erklären zu laßen geht seiner Reife entgegen. Ich habe die stimmfähigsten Männer dafür gewonnen, darunter Ihren Verwandten Herrn Director von Waagen, der mir mit Mund und Hand seine Theilnahme zusagte. Sie erinnern ihn wohl gelegentlich daran. Gehört es doch mit zu den schönen Eigenheiten Ihres Characters, das Gute energisch fördern zu helfen, wo Sie es vermögen.
Erinnern Sie sich meiner zuweilen und in Güte. Ich habe nur zu wünschen, Gott möge den König dem Lande erhalten, und Sie dem Könige, dann steht es gut um Preußen und um die Kunst.
In tiefer Hochachtung
Euer Hochwohlgeboren gehors. Diener Regierungsr. v. _Deinhardstein_.
=Devrient, Eduard.=
Geboren am 11. August 1801 zu Berlin, wo sein Vater, Ludwig Devrients Bruder, heimisch war. Des Oheims glorreiches Beispiel hat dessen Neffen, die drei Brüder: _Karl_ -- _Emil_ -- _Eduard_ auch auf die Bühne gezogen. Eduard begann als Sänger (Bassist), zeichnete sich schon in der Oper als sinniger Darsteller aus, ging sodann in’s recitirende Drama über, wurde 1844 als Regisseur nach Dresden berufen und übernahm endlich die ihm von S. K. Hoheit dem Großherzoge von Baden anvertraute dramaturgische Leitung des Hoftheaters in Karlsruh.
Eduard Devrient gehört zu den seltenen Schauspielern -- und Theater-Menschen überhaupt, -- die bei ausdauerndem und nie erkaltendem Feuereifer für die Bretterwelt, sich _zu keiner_ Epoche ihres Lebens von Leidenschaften hinreißen ließen, sondern gemessen, ernst, scheinbar kalt, auf dem schmalen Pfade reinster Sittenstrenge und Moral, ohne jegliche Ausschreitung, ihr hohes Ziel verfolgten. Vielleicht trug sich solche Leidenschaftlosigkeit mitunter auf seine Darstellungen über? „Der Mensch gewinnt, was der Poet verliert!“ -- weshalb sollte der Schauspieler an sich, weshalb sollten wir an ihm nicht vermissen, was dem Menschen und seiner Würde zu Gute kam? Darum kann er immer ein ausgezeichneter Künstler seyn!