Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 9
Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären? Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise: wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein. Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte, daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen, ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür, schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch 18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme: Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb, bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich, wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause. – Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger, daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er 3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal, dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne, die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie verlaufene Barbiergesellen wären.
Schwedenborg’s Betrügerei.
Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772) seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes, als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte Graf F... die Sache.
Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war; denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde.
Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr _Dr._ Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt.
=Die Hexe.=
=Remigius=[29] in seiner =Dämonolatrie= erzählt folgendes Faktum aus Inquisitions-Akten:
[29] Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe.
Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz. Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen =ohne Salz= aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich gereicht wurde.
Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt.
Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.
Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu, und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr, da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt.
Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren, sondern blos ihre =Rache= ausübten.
In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein Inquisitor in Sicilien, _Ludovico a Parama_, bezeuget.
=Hexen-Prozeß.=
=Frommann= in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt:
Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften, oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher doch Eure Meinung.
Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag mit Sicherheit zufahren. –
Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater _pro_ und _contra_ gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft, Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget.
Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung und Stillschweigen entgegen setzen.
=Der Hexenmeister.=
_Dr._ =Hauber= in seiner _Biblioth. magic._ XV. St. S. 215 erzählt:
Ein Mathematikus zu =Aix= in der Provence stellte im Jahr 1664 ein Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin, und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene, die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber wurde von der Kammer _de la Tournelle_ als ein Zauberer angesehen, und mit dem Skelete verbrannt!
=Die gerettete Hexe.=
Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich folgende Anekdote zu:
Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie =weinen= wollten, wenn sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen, den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. – Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein – Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war.
=Die Hexenwage.=
Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu =Oudewater= in Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.«
=Die Behexte.=
In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen, und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare, Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum eine Menge krummer Nadeln =ohne Köpfe= heraus zu nehmen beschäftigt war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an, und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien. Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete sie: =daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen, Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen wollen=!
Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert?
Bezauberung des Viehes.
Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich selbst ausgesogen haben.
Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres 1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte.
Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen, daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden, als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen auspreßt.
=Wind machen.=
I.
_=Olaeus Magnus=_ sagt, daß die alten Finnen und Isländer den Schiffern Wind machen könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich drei Knoten, mit dem Unterrichte, wenn sie den ersten auflösten, würden sie einen gelinden Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren, und wenn sie den dritten löseten, würden sie Sturm haben.
Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so verändert sich der Wind sehr, daß also die Lootsen schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau kennen und lustig rufen: Seid ruhig, wir haben den Wind ins Schnupftuch geknüpft!
II.
_=Dietmarus Blefkenius=_ in der Beschreibung Islands versichert, als er aus Island mit einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte ihm ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei Knoten gebunden, gegeben, mit der Erinnerung, wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches Wetter, solle er einen Knoten nach dem andern öffnen. Als sie nun ungefähr bis zum 20. September gefahren und schon Spanien im Gesichte hatten, wurde plötzlich Windstille, welche drei Tage anhielt. Da dachte er an sein Schnupftuch und löste einen Knoten auf, und bald darauf bekamen sie guten Wind. Da er aber noch etwas schwach ging, löste er den zweiten und dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in Lissabon waren.
Sehr natürlich! denn nach einer Windstille erfolgt jedesmal Wind und Sturm, und ohne die Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein.
=Hexenfahrt.=
Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte schon viele Hexen verbrennen lassen, und fing endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas ausrichten könnten. Er ließ daher einige in eine Stube sperren und blieb selbst bei ihnen. Sie legten sich auf das Lager und schliefen ein. Als man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und sagten: Ei, Herr Amtmann, wie waren wir doch so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s, daß etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte, wie sie nicht aus der Stube gekommen wären, entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das sagen? War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese u. s. w. (Siehe _Paulus Frisius_ im kurzen Bericht, den ganzen Handel von der Zauberei belangend, _Cap._ 3)
Also =Träume= wurden für Wahrheiten ausgegeben. – Diese Tollheit gehört ins Narrenhaus! Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu sagen, wenn sie Schaden gethan haben sollten.
=Der gläubige Prediger.=
Die Magd eines Predigers in Thüringen machte jedesmal, wenn sie Brod säuerte, einige Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses sah, verbot ihr solche abergläubische Dinge. Als die Magd aber, um ihr Recht zu behaupten, das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen hatte, wodurch das Brod unschmackhaft wurde, fragte der Herr sie um die Ursache, da doch sonst das Brod immer gut gewesen sei.
Ich habe das Kreuz über den Teig nicht gemacht, antwortete die Magd. – Sie hatten es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei.
Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’ künftig so viel Kreuze, als Du willst, nur gieb mir schmackhaftes Brod.
Der =Betrug= ließ also den aufgeklärten Geistlichen, wenn auch nicht daran glauben, doch den Aberglauben geschehen.
=Frei-Schützenkunst.=
Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie Kugeln auf sich ohne Verletzung schießen lassen, täuschen mit einem Kunststückchen. Sie verfertigen nämlich Kugeln von dünnem Glas und füllen sie mit Quecksilber, wodurch sie das Ansehen und die Schwere einer Bleikugel erhalten. Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr geladen wird, zerstößt man sie mit dem Ladestocke, wodurch sie ihre Wirkung verliert. Andere haben noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen sie schnell in die Pistole stecken und, wenn sie geladen, wieder herausziehen und den geladenen Lauf in die Tasche praktiziren.
=J. L. Hartmann= in seinem neuen Teufels-Stücklein (Frankfurt 1678.) erzählt unter Andern:
Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge Albrecht zu Sachsen und überreichte ihm einen Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen, welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen sollte.
Da will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen, entgegnete der Herzog, ließ ihn vor das Thor in das Feld führen, den magischen Knopf an den Hals hängen, zog sein Schwert und – durchstach den armen Juden.
=Der Freischütz.=
In den »Unterredungen von dem Reiche der Geister, fünfte Unterredung, Leipzig 1731.« wird Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt.
Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser Schreiber, Namens Georg Schmidt, 18 Jahre alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser hatte eine vertrauliche Bekanntschaft mit einem Bergjäger derselben Herrschaft, welcher nicht allein vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand, sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen wußte. Der Schreiber war ein guter Schütze im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er einst zu dem Jäger, um sich bei demselben Raths zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu sein gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den 30sten Juli, am Abdous-Tage, in der Nacht mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen; alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen 60 treffen würden, wohin er zielen würde, drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären, müßten nothwendig fehlen.
Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu gewinnen, eingenommen, konnte kaum die Zeit erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle, Form und was zu der Arbeit gehört, mit, und begab sich mit einbrechender Nacht auf einen Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen war. So bald man daselbst angekommen, machte der Jäger einen weiten Kreis mit seinem Waidmesser, und setzte gewisse Charaktere rings umher, welche der Schreiber aber nicht lesen konnte. Nachdem hieß der Jäger Letzteren in den Kreis treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen. Darauf befahl er ihm, daß er seine Kohlen und das Gießgeräthe vor sich hinlegen, und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen 11 und 12 Uhr mit seinem Gusse fertig sei; denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine Kugel daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein. Ferner ermahnte er ihn, sich durch nichts stören zu lassen, was ihm auch zu Gesichte käme, damit er sich nicht an der Arbeit hindern lasse.