Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Part 10

Chapter 103,631 wordsPublic domain

Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und befohlen, keinen Laut von sich zu geben, so stellten sie sich Rücken an Rücken und erwarteten die eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen zu schlagen, als die Kohlen von selbst zu glühen anfingen. Nun machten sie sich ans Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen, da kam ein altes Weib auf sie zu, welches mit hölzernen Kochlöffeln umhangen war, einen großen Lärm damit machte, und sie fragte, ob sie nichts von ihrer Waare gebrauchen könnten? – Sie aber fuhren stillschweigend fort zu gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich hörten sie das Rollen einiger Wagen, welche auch gerade auf sie zufuhren, und dann am Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem dieses Phantom vorüber, erschien ein Trupp Reiter, welcher ebenfalls über ihnen seinen Weg durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde Heer, mit Hörner-Klang, großem Geschrei und gehetztem Wilde, nebst Jägern und Hunden, welches abermals den Weg über ihnen wegnahm. Zuletzt kam einer auf einem schwarzen Pferde langsam vor den Kreis geritten, und fragte sie, was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in seiner Gegend vorgenommen hätten? – Da sie nun gleich mit dem Gießen fertig waren, so gab der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem Namen 63 Kugeln gegossen, von welchen drei Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns geben! – Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm die Gieß-Kelle nebst den gegossenen Kugeln geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir haben sie in Deinem Namen gegossen, und weil die Zeit noch nicht um ist, so bleiben sie unser. – Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas darauf, welches einen solchen penetranten Geruch von sich gab, daß Beide ohnmächtig zu Boden sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen. Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen, wo sich der Jäger, der solches schon gewohnt war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf die Kugeln zusammen, und eilte in das nahe gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete, daß ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst aber nahm die Flucht durch das Salzburgsche Gebirge. –

Als der halbtodte Schreiber in die Stadt gebracht worden war, kam er in gerichtliche Haft, wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß eingeleitet. Das Urtheil brachte ihm das Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe davon.

Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen Oper von Weber: »Der Freischütz;« – dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei, die mit einem jungen, unerfahrenen Menschen leicht vorgenommen werden kann. Da die =Nebenumstände= der Geschichte fehlen, so können wir auch den =Betrug= nicht näher beleuchten.

=Die Wünschelruthe.=

Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem wohlhabenden Bauernburschen bekannt, und versicherte ihm, daß er durch sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie gingen hierauf an einen gewissen Ort, wo der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in der nächsten Nacht um 12 Uhr der Schatz gehoben werden könnte, wenn sie nur so viel Geld hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei. – Ich bin arm, sagte der Bergmann, und diese meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich geworden bin. Die unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler in der Tasche habe. Merken sie aber, daß ich weniger oder wohl gar nichts bei mir führe, so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn schon in Händen zu haben.

Nun empfing er das verlangte Geld, welches der Bauer sich erspart hatte, es aber jetzt gern hergab, weil er dadurch mit einem Male reich zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder an den bestimmten Ort und fingen um zwölf Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie er vorgab, sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Bauer zu erkennen, daß kein Ungeweihter zugegen sein dürfte, wenn der Schatz gehoben würde. Dieser gehorchte zitternd dem Schatzgräber. – Allein der listige Bergmann schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam nicht wieder; während der Bauer in ein hitziges Fieber fiel und starb.

=Die Wahrsagerin.=

Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines Städtchens, und die Weiber weissagten den Leuten daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen zogen sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes Weib verspätete sich. Sie fragte daher auf dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor von ihr hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht wisse, welchen Weg die Zigeuner genommen hätten.

Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder giebst, die ich Dir gestern gegeben habe, so will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd. Du weißt das nicht einmal, wo die Zigeuner so eben hingegangen sind, und Du unterstandest Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen zu wollen!

=Der Kobold.=

In dem Hause eines Predigers spielte eine Magd den Kobold eine Zeit lang. Es kam ihr zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig war und der Prediger nicht weit sehen konnte. Einst besuchte ein anderer Prediger diesen. Die Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ, wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie Kobolde zu thun pflegen, mit Steinen. Der fremde Prediger merkte sich die Gegend in der Stube, woher die Steinchen kamen, und gab Acht auf die Magd, doch so, daß sie es nicht merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus der Tasche holte und damit warf. Er bemerkte die geschwinde Handbewegung und den Wurf des Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und redete sie hart an. Sie kam bald außer Fassung, gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand ohne Gespensterbanner.

=Schatzgräberei.=

In der »Monatlichen Unterredung von dem Reiche der Geister« im VI. Stück, S. 733 ff., wird Folgendes erzählt:

Zu Prag befand sich neben der alten St. Michaeliskirche in der Altstadt ein altes Kloster, welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt wurde. Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr des Abends ein alter Bauer an die Klosterpforte und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke. Als man ihm geöffnet und um sein Begehr gefragt, verlangte er den Vorsteher des Klosters zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer der Zeit war, und brachte ihn zu dem Vorsteher. Diesem machte er bekannt, daß er mit ihm in den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier vertraute Personen mit sich nehmen und, nebst andern nöthigen Werkzeugen zum Graben, auch einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher, auf einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute und ging mit dem Bauer in den Keller. Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen der Vorsteher nicht gedacht hatte, und klopfte an die Mauer, daß ein Stück nach dem andern nach und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen gebaute Thür zeigte. Sogleich legten Alle Hand an und eröffneten die Thür ohne große Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten, in welchem sie aber nichts fanden. Der Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben, wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf verlor er sich aus dem Gesichte.

Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen nun an zu graben, stießen auf etwas Hartes, das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten sie der Wahrheit des verschwundenen Bauers oder Geistes. Da sie aber den harten Körper nicht allein aus der Erde bringen konnten, so wurden noch einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe diese ankamen, sah man eine =große Schlange= aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen ihnen in der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne jemand Schaden zuzufügen. Da die Gehilfen ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten sie einen =großen zinnernen Kasten=, in Gestalt eines =Sarges=, aus der Erde, welchen sie sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf gingen sie wieder hinab, um weiter nachzusuchen, und fanden eine =eiserne Truhe= mit drei großen Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu dem Sarge brachten und sich vergnügt zur Ruhe legten.

Am andern Morgen wurden nun durch einen Schlosser die beiden Kasten geöffnet. In der Truhe fanden sie =schwarze Kohlen=, im Sarge ein Todtengerippe, und in der Asche eine güldene Kette und einen güldenen Ring mit einem Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde in die Moldau geworfen.

Die Kohlen waren von den unterirdischen Geistern verwandelt worden, hieß es.

Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei?

Entdeckung der Geisterbeschwörer.

Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und besonders in den Jahren 1819 bis 1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter Kreise, im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen vor, wodurch die Betrogenen an den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber anstellte. Unter funfzehn Beispielen, von welchen die Criminalakten des Großherzoglich Weimarischen Criminal-Gerichts zu Weida sprechen und deren Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor _Dr._ =Bischoff= 1824 in einem Werkchen »Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert u. s. w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur einige, und zwar die kürzesten, zur Warnung ebenfalls mittheilen.

Die Handelsfrau =Juliana Sophia= D..., geb. B..mann, in Schleiz war in ihrer frühern Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei S... geäfft worden. Man hatte nämlich drei Mal nach ihr geworfen; aufgebracht hierüber, schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte ihr sodann zugerufen: sie werde noch in ihrem 64sten Jahre hier glücklich sein. – Dieser Vorfall war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand des Nachdenkens.

Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause ihres Nachbars W... ein Schatz liege, und daß auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen Kriege viel Geld vergraben worden sei. Durch diese Sage fühlte sie sich in die Ueberzeugung versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei.

Der Nachbar W... hatte in der Person des sogenannten Steudel-Müllers einen Mann gefunden, der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern hatte; sie sprach mit ihm über den Vorfall auf dem Schweinsberge, und erhielt das Versprechen, daß ihr zwei Männer zugeführt werden sollten, die schon große Thaten verrichtet hätten.

Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er brachte =zwei katholische Geistliche= in die Wohnung der D... Man beschloß, den =Stammgeist= zu fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem Schweinsberge läge, und ob er der D... bestimmt sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe Stelle, wo man nach der D... geworfen hatte.

Einer der Geistlichen zog ein Licht aus der Tasche, zündete es an und steckte es in die Erde. Dann ging er einige Mal um dieses Licht herum und sprach unverständliche Worte. Kaum hatte er geendet, als eine =glänzende Gestalt= sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr vernehmlichen Sprache erzählte: es liege hier an mehreren Orten Geld, es könne gehoben werden, man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches 200 Rthlr. koste. Sei der Schatz glücklich gehoben, so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige katholische Kapelle bezahlt werden.

Darauf betete der Geist einen Psalm und verschwand. Dann vernahm man im Holze ein solches Heulen und Wehklagen, daß die D... nicht wußte, was sie in der Angst ihres Herzens beginnen sollte.

Man trat den Rückweg an, und da erfuhr dann die D... von den Geistlichen, daß die Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien, welche sich grämten und ärgerten, daß die Schätze verrathen worden wären.

Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur Beischaffung des siebenten Buch Mosis, und der Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden 100 Rthlr. dazu zu legen. – Leider haben aber die Geistlichen das Buch nicht gebracht, und die D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben!

Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren sechs Personen, nämlich:

1) der Steudel-Müller, 2) ein Sattler, } 3) ein Schlosser, } aus Auma, 4) ein Scribent, } 5) ein Weib, } 6) ein Landstreicher, Namens Klopfer.

Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen vor. Bei der Beschwörung richteten indeß die im Gebüsch versteckten, der Sattler und der Scribent, die Geistermaschine[30] vor, welche das Weib regierte und die Fragen beantwortete, alsdann mit den Beiden das Wehklagen erhob und sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler theilten natürlich die Betrüger unter sich, und unterließen weitere Versuche, weil die D... wenig Vermögen hatte.

[30] Sie ist eine Art Sack aus grober Leinwand, welche schwarz gefärbt ist. Vorn darauf ist eine magische Figur gemalt; der Sack hat oben und unten Reife, und inwendig brennen einige Lichter, welche die Figur erleuchten, und ein magisches Licht über den Kreis verbreiten. Werden die Lichter ausgelöscht, so ist die Figur verschwunden.

=Ein zweites Beispiel.=

Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen arbeitete gegen Johannis 1802 auf seinen Feldern, als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und ihm einen Brief überreichte. H... erbrach das Siegel, las und staunte. Es wurde ihm von den Obern eines genannten Klosters gemeldet: »Daß in einem seiner Holzgrundstücke ein großer Schatz liege; daß ein Mönch abgesendet worden sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem H..., die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.«

Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so erklärte der Ueberbringer: Der Mönch sei schon unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen und ihm sein Holzgrundstück zeigen.

Die nahe Aussicht auf ein unerwartetes Glück machte einen so tiefen Eindruck auf H..., daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen Acker verließ und schnellen Schrittes auf dem Wege forteilte, den, nach der Angabe des Alten, der Mönch eingeschlagen hatte.

Er traf den Wundermann, führte ihn in das bezeichnete Holzgrundstück, wo auch der keuchende Alte eintrat.

Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo der Schatz vergraben lag, und forderte den H... auf, ein =Nösel Schnaps= zu holen, womit die Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine Wohnung, brachte das geistige Erweichungsmittel und mußte sich nun abermals entfernen.

Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung, und es dauerte nicht lange, als auch der Mönch dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte, betraten der Mönch, der alte Mann und H... den Weg nach dem Holzgrundstücke.

Dort angelangt, zog der Mönch den magischen Kreis und sprach unverständliche Worte. Es entstand ein =Geräusch=, veranlaßt durch böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und nun erschien eine =weiße Gestalt= am Kreise, die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem Beschwörer zu sprechen.

»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe aus 80,000 Rthlr., aus einer großen silbernen Monstranz und aus den zwölf Aposteln, massiv von Silber und in Lebensgröße. Er könne sehr leicht gehoben werden, wenn der Beschwörer den Zwang der Erde herbeigeschafft haben werde.«

Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu bekommen sei? und erhielt die Antwort: »Morgen Mittag kommt eine Person in das Rathhaus zu O...feld, welche das Buch besitzt.«

Der Geist wurde nun wieder abgedankt und der Rückweg in H...s Wohnung angetreten. Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn das Kloster nicht mit Geld versehen habe, obgleich es hätte wissen können, daß ohne Instrument kein Schatz zu heben sei.

H... meinte jedoch, das habe gar nichts zu bedeuten, er sei schon im Stande, Geld zu schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen, welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition überlassen wolle. Der Mönch dankte für das gefällige Anerbieten und forderte den H... auf, morgen selbst mit nach O...feld zu gehen und auf jeden Fall die 200 Laubthaler mitzunehmen.

Das geschah. Man traf im Rathhause zu O...feld den beschriebenen Mann. Der Mönch ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte ihn aber zur Herausgabe des Buches nicht bewegen.

Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche und ging; worüber H... ganz trostlos war, und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen.

Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt, nochmals bearbeitet und endlich auch, nachdem H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu Herausgabe des Buches vermocht, welches H... in Empfang nahm.

Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde, der ältliche Mann wurde durch Kopfweh genöthigt, nach O...feld zurück zu gehen, um sich in dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und nur der Mönch allein begleitete den H... nach Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu verrichten, aber H... hat weder ihn, noch seinen Kameraden jemals wieder gesehen. –

An dieser Betrügerei hatten vier Personen Theil genommen. Sie hatten nämlich erfahren, daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten sich daher, ihm einen Betrug zu spielen. Der Eine brachte den Brief, der Andere gab sich für einen Jesuiten aus, und =trank= den Branntwein, den er zur Erweichung der Erde bestimmte; ein Dritter spielte den Geist, und der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das er in einer Auktion für einen Groschen erhalten hatte, für 200 Laubthaler, welche die Betrüger unter sich verteilten.

=Fragmente=

über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.

Ueber Sekten überhaupt.

Das Wort =Sekten= bezeichnet den Inbegriff von Personen, welche einer und derselben Lehre und gleichen Grundsätzen zugethan sind. Es giebt politische, philosophische und religiöse Sekten, aber auch politisch-religiöse.

Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen und Ecstasen gegründet, und beschäftigen sich mit Uebungen, denen oft die Ueberspannung der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne eine bald mehr, bald weniger merkliche Richtung zu der Ungebundenheit giebt. Mehrere dieser Sekten wurden sogar von =Weibern= gestiftet.

Heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime Ordenskünste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht und durch Vorspiegelung verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei, Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime Schrift und Wissenschaft der indischen und ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen – der große Bund der Pythagoräer, der aber schon in dem Sinne früher bestanden hatte – Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten gegen die willkührliche Alleinherrschaft und die Herrschaft des Volkes entgegen zu setzen gesucht.

Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen Orden und Wissenschaften mehrere; die Namen der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc. sind bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus spukt noch allenthalben.

=Jesuiten.=

Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus, Aufklärung, Philosophie und Irreligion, Wissenschaften und böotische Dummheit finden wir in der Hand des =Jesuitismus=, der durch alle Länder und Völker hindurch läuft, im Finstern schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem ausführt, das nur der menschliche Geist erfinden kann.

Und dieser Orden existirt?

Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder restaurirt.

Ist er nicht auszurotten?

Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines Stammbaumes sind nicht zu finden. Nur ein Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre ein immerwährender Kampf gegen ihn!

=Illuminaten.=

Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste durch eine Bulle aufgehoben worden waren, und derjenige, welcher sie wieder herstellen würde, darin =verflucht= wurde, trat plötzlich eine Sekte auf, welcher man schreckliche Grundsätze schuld gab und die sich gegen die verborgenen Jesuiten verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten sich =Illuminaten=, oder =Erleuchtete=. Unter andern sollen sie gelehrt haben: der Selbstmord sei eine himmlische Wollust; des Ordens Wachsthum sei aus Gott, Vaterland und Gewissen; der Zweck heilige die Mittel; das Beste des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung, Todtschlag, Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion, kurz alles, was die Jesuiten gelehrt haben sollten. Man spürte diesen Orden schon in mehreren Landen, wußte aber seinen Hauptsitz nicht. In Baiern schien man mehr Spuren von ihm zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied zu entdecken und zu erkennen, bis die Jesuiten ihn verriethen und der Baierschen Regierung im Jahr 1785 anzeigten.

Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind der Jesuiten und hegte neotorische Grundsätze, daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er nannte seine Zuhörer zuerst =Erleuchtete=, =Illuminaten=. Bald darauf sandte er einen Anhänger Namens =Zwakh= nach Augsburg, um das Geheimniß der Freimaurer zu erhalten, welches auch geschah; allein er erfuhr auch, daß die Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten. Hierauf ließ er durch den Marquis =de Constarza= den Freiherrn =von Knigge= zum Beistand einladen, der auch erschien und die Illuminaten zu Freimaurer rektifizirte. Er ging aber bald wieder ab.

Der =erste= Grad dieses Ordens waren die =Minervaten=; sie bildeten das Noviziat, kannten Niemand und studirten fort.

Im =zweiten= Grade hießen die Mitglieder =Freimaurer=, wo man auch nicht viel erfuhr, als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde. Die =Unbrauchbaren= blieben hier stehen!

Im =dritten= Grade erschienen die =kleinen Illuminaten=; hierzu wurden die Tauglichen genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades und einen einzigen Obern.

Im =vierten= Grade waren die =großen Illuminaten=. Sie hatten einige des ersten, zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht.

Im =fünften= Grade waren die =dirigirenden Illuminaten= oder =Regenten=.

Alle Mitglieder kannten die Obern nicht; letztere hießen daher auch die =Verschwundenen=. Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber nicht kannte, schrieb man: _quibus licet_, wenn man wollte, daß die Provinzenräthe ihn erhalten sollten; an die Provinzialen schrieb man: _Soli_, an den General _Primo_. Den Brief übergab jedes Ordensglied, er mochte _quibus licet_, _Soli_ oder _Primo_ gehören, seinem ihm bekannten Mitgliede, dieser dem nächsten, und so gingen alle Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise hinauf, und die Antworten und Befehle wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte, aus welcher Hand dieses alles kam.

=Die Rosenkreuzer=

wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bekannt. Ihr angeblicher Stifter hieß =Christian Rosenkreuz=; er hatte lange Zeit in den Pyramiden von Aegypten und im Orient gelebt, und dort göttliche Weisheit und Kunst erlernt, und dies sei schon im vierzehnten Jahrhundert geschehen. Der Zweck dieses geheimen Bundes war angeblich eine allgemeine Verbesserung der Kirche, so wie Gründung einer dauernden Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen. Allein man wollte den =Stein der Weisen= suchen, und ihre =Charlatane= und =Adepten= spukten lange in der Welt herum, bis sie in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit Cagliostro und Schröpfer verloschen.

=Schröpfer,=

welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leipzig lebte und großes Aufsehen durch seine Charlatanerie machte, war nichts als ein Betrüger. Er wollte den soliden Freimaurer-Orden reformiren, wurde aber dafür auf die Finger geklopft. Allein als =Geister-Beschwörer= errang er ein Ansehen bei Hohen und Niedern, und erwarb sich durch seine =optischen Zauberspiegel= und =Zauberlaternen=, durch narkotisches Räucherwerk und berauschende Getränke den Glauben seiner Jünger und Gönner und ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im Jahr 1774 aus Verzweiflung, da wahrscheinlich ein Plan einer geheimen Parthei nicht ausgeführt werden konnte.

=Cagliostro=