Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 11
oder eigentlich _Giuseppe Balsamo_, in Palermo 1743 geboren, war anfangs in dem Orden der barmherzigen Brüder und widmete sich der Arzneiwissenschaft, wurde aber wegen Ausschweifungen aus dem Orden wieder gestoßen. Um sich zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit =Zauberkünsten= und =Schatzgräberei= zu täuschen. Bald darauf fand er in Calabrien ein schönes Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand bieten mußte, und er trat nun öffentlich als =Graf Cagliostro= auf. So durchflog er Spanien, Portugal, Frankreich, England, und erwarb sich durch seine Betrügereien und durch seine verschmitzte Frau ansehnliche Summen. Er verkaufte =Schönheitswasser= für alte und häßliche Frauen, und =Lebenstinkturen=, und seine Frau ihre – Tugend. Als aber dieser Handel zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer neuen Sekte werden, wurde deshalb in London Freimaurer, und erschien als =Wunderthäter=, =Magier=, und =kurirte Kranke unentgeltlich=. Auf diese Weise durchzog er wieder verschiedene Länder, war in Curland, dann in Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen Halsbandgeschichte in die Bastille kam. Daraus wieder entlassen, floh er nach London, von da in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789 wegen Freimaurerei und Ketzerei in die Engelsburg gesetzt und zuletzt zu einer lebenslänglichen Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse starb.
Die Seherin von Prevorst,
eigentlich =Friederike Hauffe= [geboren 1801 im Dorfe Prevorst bei Löwenstein im Würtembergischen], hat großes Aufsehen erregt und bedeutende Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit soll sich bei ihr das Ahnungsvermögen entwickelt und durch Träume kund gethan haben; die =Haselruthe= schlug ihr auf Wasser und Metalle an. [Hier muß der vernünftige Mann schon stutzen und die kommende Erzählung mitleidig-lächelnd erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff sie oft ein Wehegefühl und Frieren, und dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo Gräber waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich an gewissen Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen! Den ersten Geist sah sie in der Mitternacht im eignen großväterlichen Hause. [Da haben wir also die Geisterseherin schon als Kind; mit ihm werden wohl auch die Geister in dem zerrütteten Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre verheiratete sie sich, versank aber bald in eine unerklärliche Schwermuth, weinte Tage lang unter dem Dache des älterlichen Hauses und schlief, fünf Wochen lang, nie mehr. [_sic!_] Am Tage ihrer Verheiratung war das Leichenbegängnis des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld. Auf seinem Grabe wurde es ihr auf Einmal ganz leicht und hell, und in ihrem Innern ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar 1822 träumte ihr in der Nacht, als sollte sie sich zu Bette legen; aber da lag schon in demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach laut, weshalb ihr Mann sie weckte. Am andern Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn Tage lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald darauf brachen heftige Brustkrämpfe aus, welche später abwechselnd mit Blutflüssen und Kindbettfieber sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war nun so gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen hin Alles fühlte und hörte. [Das passirt Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um diese Zeit fühlte sie, daß sie =sieben= Tage lang jeden Abend um =sieben= Uhr ein =nur von ihr= gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie ihre Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen Leser!] Durch dieses geistige Magnetisiren in noch tieferen Schlaf gefallen, gab sie an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten sei. So wurde sie im Juni 1824 einer geregelten magnetischen Behandlung unterworfen. Ahnungsvolle Träume, Divinationen, Voraussehen in Glas- und Krystallspiegeln sprachen von ihrem aufgeregten Leben, so daß sie z. B. in einem Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand, Personen, die erst nach einer halben Stunde das Zimmer betraten, schon im Voraus sah. [Also auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte Behandlung so wohlthätig auf sie, daß sie ihre weiblichen Geschäfte wieder verrichten konnte und zuletzt blos alle =sieben= Wochen magnetisirt wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo sie künstlich entbunden werden mußte, verfiel sie wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen aller Art, und es stellte sich ein verstärkter magnetischer Zustand aufs Neue ein. Der Schlaf blieb aus, sie weinte die Nächte durch, hatte Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer abgezehrter und elender. Wenn in dieser Periode ein Freund, der oft um sie war, sie mit dem Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen berührte, sagte sie dem _Dr._ =Kerner= jedesmal einen Spruch, der auf ihn und seinen Seelenzustand Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken, diese Krankheit sei durch =dämonische Einflüsse= erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem als =Teufelsbanner= in Ruf stehenden Manne. [Dies ist also wirklich in unserm neunzehnten Jahrhunderte geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze herumgedreht wurde, dann in Schlaf verfiel, in welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf Einmal eine, Allen fremde Sprache redete, die sie ihre innere nannte. [Warum hat man nicht eine =Grammatik=, oder wenigstens einen =Wegweiser= herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache erlernen!] Ein Amulet, das jener Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben, sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken vor mehreren Anwesenden über ihre Brust und Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir glauben, daß über das laufende Amulet die Kinder lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder giebt.] Endlich zog man den _Dr._ =Kerner= zu Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben hat: »Die Seherin von Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.« 2 Thle. Stuttgart 1832.
Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde ein wahres Marterbild, für welches der Tod eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten brachten sie endlich, fast gegen den Willen des Arztes, nach Weinsberg, wo sie den 25. Novbr. 1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam. Der Arzt erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht mehr auf das, was sie im Schlafe spreche, Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches Verfahren homöopathischer Art fort; allein es war zu spät, und er mußte wieder zum Magnetismus seine Zuflucht nehmen. –
Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser kranken Frau anführen; wer noch mehr davon wissen will, lese das oben angeführte Werk.
Sie hatte beinahe keine organische Kraft mehr und lebte, wie sie selbst sagte, nur von dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so war der Geist der Metalle, der Pflanzen, der Menschen und der Thiere ihr fühlbar und wirkte auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr stets Kopfschmerz. Bei einem Gewitter =fühlte sie die Blitze immer früher, als Andere sie sahen, und zwar im Unterleibe=. [Sollte das nicht vielleicht statt =Blitze= – =Gewitter= heißen?] Aus der Luft, sagte sie, komme ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte ein Fenster bei Tage und bei Nacht, selbst in der strengsten Winterkälte, geöffnet bleiben; auch behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen sich die Geister bedienen, um sich hörbar und sichtbar zu machen [Nun wissen also die Leser, daß man Geister =sehen= kann]; sie hüllen sich in einen =Stoff=, der sich in der Luft befindet, ein. [Dieses ist sehr fein gegeben, aber der Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen vorbereitet.] Je höher man sie brachte, desto magnetischer wurde sie. So oft sie in das =rechte= Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in demselben hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde immer noch ein Bild, das aber weder dem Andern, noch ihrem eignen Bilde vollkommen glich; sie hielt es für das Bild des innern Menschen dessen, den sie ansah; bei Manchem erschien es ihr ernster, oder auch schöner, verklärter, als das äußere. In dem rechten Auge der Thiere sah sie ein blaues Flämmchen. Sie sah durch die Herzgrube, erkannte die innern Theile, besonders die leidenden Organe ihres Körpers, und sprach von einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie behauptete auch, die Bewohner der linken Seite des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen Dank, Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß, daß der Mond Bewohner und auch Zimmerleute, Maurer u. s. w., wie auf unserer Erde, habe. Aber wie sahen sie denn aus? Warum haben Sie keine Zeichnung oder wenigstens eine genaue Beschreibung geliefert?] Für die Krankheiten Anderer hatte sie ein so außerordentliches Gefühl, daß sie bei Annäherung eines Kranken, besonders nach dessen Berührung, alsbald die gleichen Empfindungen in denselben Teilen des Körpers erhielt, und zum größten Erstaunen des Kranken ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen konnte. [Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der den Patienten =gar nicht anrührte=, und doch sogleich die Leiden desselben wußte, denn seine Frau hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.] So heilte diese kranke Frau auch eine Gräfin von M.
Nun wollen wir auch Etwas von ihrer =Mystik= erzählen.
Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin, wo ich erwache, wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich über die Brust verbreitet und gegen die linke Seite hin wie befestigt ist. Dieser Ring, welcher schwer und schmerzend ist, hat unter sich noch fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er hat zwölf Theile, und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser Zeit begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet wirkliche Sterne. Diese sind Wohnungen seliger Geister niedern Grades. [Wir verstehen die Madame nicht; liegt es an uns? In den =Gedärmen= des Leibes können wir uns solche Bilder nicht denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher, die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja die Bewohner des Mondes auf der linken Seite bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?] Der dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt ist noch heller, als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe, die, je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die =Gnadensonne= nennen. [_Sic!_] Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele andere Geister mit mir, und als bestehe Alles, was da lebt und webt, aus Fünkchen aus dieser Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab, und Ihr ganzer Inhalt wird mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt, in welcher dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von den sieben Jahren enthalten ist. So kann man =nach dem Tode= in Einer Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem Tode in seinem eignen Körper? Ei! ei!] Der =Lebenskreis= ist kleiner, liegt unter ihm und hat 13¼ =Abtheilungen=. Er ist leicht, wie Luft und Geist. Im Mittelpunkte desselben liegt Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und das ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in diesem Lebenszirkel eine ganz andere, höhere; daher die Ahnungen, die in jedem Menschen von einer höhern Welt liegen. Auf diesem innern Ringe sehe ich meine =Gefühle= als Zahl und Zeichen stehen; es sind die Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung geht. Die eine Zahl, der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann. Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige und kann bei jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und die himmlische. Beide Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein Verhältniß zur Außenwelt; in der andern das Wort für jeden Einzelnen und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt. Allein dies ist nicht etwa eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern es bleibt ihm die Wahl zwischen dem Guten und Bösen; ergreift er aber das Böse durch eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben: so verliert er die Grundzahl, und ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim gestellt. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie die Grundzahl des Menschen übersteigen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter. Für jede Sünde, jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl im Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses duldet, notirt dies, und nach dem Erwachen [dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt da steht, liegt dann Alles klar vor Einem, und es ist dann der eigene Geist des Menschen der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze Natur, durch Alles, was lebt und webt. – Beim Tode wird der Geist von der Seele, so wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht. Dann lößt sich auch die Seele; dies ist der Moment des Todeskampfes, wo aber selige Geister der Seele beistehen. [Da haben wir den =Astralgeist=, wie er lebt und webt! Wie kommt denn diese =kranke Person= dazu?] Der Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz richtig!], er verbindet die Seele mit dem Leibe, [also wieder ein Medium zwischen Seele und Körper?] und den Leib mit der Welt. Er geht mit der Seele nach dem Tode über und ist unzerstörbar. [Paracelsus sagt doch, daß sein =Astralgeist= zerstörbar sei; aber die =kranke Frau= will noch mehr haben! Was kann denn auch eine nervenschwache (zuweilen närrisch genannte) Frau kluges sprechen; dies wäre ja eine _contradictio in subjecto_.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische Hülle um den Geist [ob die Kranke schon die ätherische Hülle den Umstehenden genau beschrieben haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft im eigentlichen Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts in Nichts gesehen], und die Geister des Zwischenreichs [wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen besondern Stoffes =Töne= hervorbringen, die =Schwerkraft= in den Körpern aufheben und sich den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam! das haben Sie vielleicht von =Hörensagen=; denn da Sie keine =Geographie= und =Geschichte= der Länder kennen sollen u. s. w., werden Sie wahrscheinlich auch die Geographie und Geschichte der Seele und des Körpers nicht kennen.] In reinen Menschen bleibt dieser Nervengeist in dem Körper zurück, sie können sich daher nicht =hörbar= machen und =spuken= nicht. – [Welcher Unsinn! oder wie es meine =denkenden Leser= nennen wollen!]
Ich male mir, sagt diese =kranke Person= ferner, diese Gestalten nicht selbst aus. Ich habe nicht die mindeste Freude an ihnen, ich bin geplagt durch sie; auch denke ich nicht an sie, außer ich sehe sie [_Sic!_], =oder man fragt mich über sie=. Leider ist mein Leben so beschaffen, daß mein Geist in eine =Geisterwelt= schaut [nämlich in die =Intestinen= ihres Körpers!], die gleichsam auf unserer Erde ist, und so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern oft in großer Menge und von verschiedener Art. [Vielleicht von Baskiren- und Kalmucken-Art?] Mit vielen komme ich in gar keine Berührung [dieses mag die einzige Wahrheit sein!], andere wenden sich zu mir, ich rede mit ihnen [natürlich, in der Geistersprache!], und sie bleiben oft Monat lang in meinem Umgange. Ich sehe sie oft zu den verschiedensten Zeiten, bei Tage und bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und in allen Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen. Oft treten sie vor mein Bett und wecken mich, wo dann andere Personen, die bei mir schlafen, von ihnen träumen, ohne daß ich ihnen etwas über ihre Erscheinung gesagt hätte. [_Sic!_] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen Wolke; im Sommer aber und im Mondenscheine sehe ich sie heller, als im Dunkeln. [Dies mag Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen Augen sehe ich sie nicht [wir auch nicht!], aber ich =fühle= ihre =Gegenwart=. [Wie ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist immer so, wie sie =wohl= im Leben war, aber wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt aus der Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!], nur farblos, grau; so auch ihre =Kleidung, wie sie wohl im Leben war= [welche Widersprüche!], aber wie aus einer Wolke; nur die =Bessern sind gleich gekleidet=, sie tragen ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem Gürtel um die Mitte des Leibes. Ihre =Gesichtsfarbe= ist auch ähnlich der der Lebenden, nur auch grau, meistens traurig und düster; die Augen sind hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah ich nie. Die Bessern erscheinen heller, die Bösen dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser, wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau hätten wir es nie gewußt!] Alle weibliche Wesen haben dieselbe Kopftracht, eine über die Stirn herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung. Der Gang der =Bessern= ist schwebend, die =Bösen treten schwerer auf=, so daß man sie zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen, Rauschen, wie mit Papier, durch Schlürfen, wie in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen, als ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit derer auf sich zu richten, die sie nicht sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie eine Trommel um, schlügen einen Marsch u. s. w., so würde man doch weit besser ihre Gegenwart erfahren.] Sie können aber auch schwere Dinge bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen, und je dunkler ein Geist ist, desto mehr spukhafte Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß hat die kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser Gesellschaft gezählt.] Oft saugen Geister, besonders dunklere, die religiösen Worte, welche ich sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch wie heller und leichter werden!! Diejenigen Geister, die meistens zu mir kommen, sind in den untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche. Das sind =Geister, deren Geist= in diesem Leben theils durch Hinziehen nach der Außenwelt niederblieb [meint sie den Astralgeist?], theils solche, die nicht im Glauben an die Erlösung durch Christum starben [haben diese türkische oder chinesische Kleidung?], oder solche, denen noch irgend ein irdischer Gedanke an die Seele im Sterben anklebte, und der sie nun auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht die Besserung einzig aus sich selbst. Sie wollen, ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen und durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß die Bittenden nicht haben warten lassen.] Auch glauben sie [nämlich die Geister], das Aufdecken einer Unthat, die =auf ihrem Geiste= lastet, könnte ihnen Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß die Madame die Theorie der Geisterkunde studirt hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige Geister wenden, aber ihre =Schwere= zieht sie mehr zu den Menschen hin. – =Solche Hilfe= suchte bei ihr einer aus der Familie =Weiler= vom Lichtenberg, in Gestalt eines Ritters [ob er auch ein Schwert an der Seite gehabt hatte? Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben müssen, denn Geister sind keine Kleinigkeiten, man sieht sie nicht alle Tage!], ein Brudermörder, ferner ein Mönch =in einer Kutte=, [war dieser ein Karthäuser oder ein Kapuziner? Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein Mörder, nachher ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die Geschäfte des Kaufmanns F. zu dessen großem Nachtheile geführt hatte und wegen eines =Geheimbuches= [?] beunruhigt wurde, hierauf ein weiblicher Geist, aber nur kurze Zeit, nachher ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder eines Kindes, das sie im Stalle begraben hatten, und mit ihnen ein schwarzer Mann, der ihnen das Gift für das Kind gegeben hatte, dann ein großer Mann in einem =weißen Rocke=, der zwei Waisen um ihre Habe betrogen hatte; er brachte einen schwarzen, =feindlich gesinnten= Mann mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder vom Guten abzulenken suchte. Der Schwarze erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig! wie _Dr._ =Fausts= Mephistophilus], und bald nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach diesen ein alter Mann mit einem langen Barte, einem Hute, ähnlich dem der Tyroler, kurzem Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen Dank! dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur hätten Sie, Madame, auch sagen sollen, was für Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529 gestorben. Bald nach diesem eine noch dunklere Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte. Auf diese folgte eine Lichtgestalt mit einer Glorie, der verstorbene Stiftsprediger T. zu Oberstenfeld, ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser Mann; dann zum Beschluß mehrere unbedeutende Geister. [Kann wohl des Unsinns mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen Sie nicht mehr, geehrte Leser, sondern bedauern Sie das gehirn- und nervenkranke Weib und diejenigen, die solche Dinge glauben!]
Diese kranke Frau starb endlich den 5. August 1829; aber noch in der Todesstunde sah die Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen, =die auch Geister wahrnahm=, eine hohe, lichte Gestalt ins Zimmer treten, und in demselben Momente that die Sterbende einen heftigen Schrei der Freude. [Ob wir wohl die Schwester als zweite Auflage erhalten werden?]
=Der Wunderdoktor.=
Da wir einmal dem Lande Würtemberg so nahe sind, so kann zugleich, neben der Seherin von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor hier ein Plätzchen finden.
Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt:
Die Würtemberger Blätter berichten von einem neuen =Wunderdoktor=. Bei Ravensburg habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen Fall gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert und das Schlüsselbein zersprengt. Alles habe rath- und trostlos um den Unglücklichen gestanden, da habe ein Hufschmied sich erboten, er wolle die Kur übernehmen, und ohne Einrichtung, ohne Verband, und ganz wohlfeil habe er den Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller Krüppel sei, lahm, einhüftig, mit verwirrtem Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt. Das Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart!
Prinz von Hohenlohe,
der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts.
Sein Titel ist: =Alexander Leopold=, Prinz von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er ward geboren den 17. August 1793 zu Kupferzell bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf Ludwig Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, war der Erste, welcher aus dieser Familie 1667 zur römischen Kirche übertrat, nachdem er =vorher von mancherlei Geisterbeschwörungen und Goldmacherkünsten umgeben gewesen war=. Seine Mutter war sehr andächtig und hatte ihn, als den Lieblingssohn, der Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung zum Militairstande und übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer in dem Convicte zu Schillingsfürst. Eilfjährig und bereits ganz dem geistlichen Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora zu studiren, in das Theresianum nach Wien; 1808 ging er nach Bern und 1810 nach Wien zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er daselbst in das erzbischöfliche Seminar für junge Priester, nachher in eine ähnliche Pflanzschule zu Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819 sein Gebetbuch »_Sacerdos catholicum in oratione et contemplatione etc._« widmete. Doch waren seine theologischen Studien durch Reisen und =Welterfahrungen= öfters unterbrochen, bis er 1814 nach Ellwangen zurückgerufen wurde, um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst, auf der neuen Universität, besonders unter Leitung des General-Vicariathsraths und Professor der Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In diesem Jahre wurde er vom Metropolitanstift von Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing er schon an, =Bettler= und =wundersüchtige Frauen= aufzusuchen.