Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 8
Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden, des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er, gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich, daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war; aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen. Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre. – Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht; und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w. aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen, was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang, der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun; – aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr 4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich; ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens; auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere, aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem _Esse_ ist, doch sich nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses _Seculi_, und bei dem Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w.
So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige Freund. –
Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch noch einige Erklärungen des Herrn _Dr._ Jung hinzufügen.
»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte er, da auch seine Absicht recht und gut war, nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die =Rebenbüschel= auseinander riß und also wahrscheinlich =die Dunsthülle des Geistes= mit seinen Händen durchwühlte; dies hätte =bösartige= und =gefährliche Geschwüre verursachen können=, die ihm das Leben gekostet hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist kein bösartiges, sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges, schwer leidendes Wesen zu sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben kann; =folglich= ist auch seine =Dunsthülle= nicht =entzündet= und =giftig=. Es kann aber auch sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein grauer Schatten in den Reißern sich verlor, seine =Hülle verließ und in sein Element zurückkehrte=.«
Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr _Dr._ =Jung= frischweg die obige Erzählung und Geistererscheinungen glaubt; allein eine =solche= Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte nicht erwartet.
Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig, daß sich der Geist zwei Mal in seiner Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht hoffe er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können, =nahm daher sein gewöhnliches Kostüm= an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch so gern gesehen und mit ihm gesprochen hätte? – Antwort: Weil er sich für diesen muthigen frommen Menschen =fürchtete=; – vielleicht hatte dieser auch die =Eigenschaft= nicht, daß er ohne Gefahr auf ihn wirken und sein Ahnungsorgan entwickeln konnte.«
Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt über den jetzigen Unglauben an Geistererscheinungen. Heißt dies nicht die vorige Dunkelheit wieder hervorrufen?
Die ganze obige lange Erzählung ist ein Märchen, wie so viele andere, wo Geister in gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen die Absicht des Betrügers selten finden. Ein furchtsamer Mensch bleibt in keinem Hause, wo es spuken soll, und verkauft es lieber unterm Preis. Alle sogenannten Spukereien entstanden, wenn man =genau= untersuchte, entweder aus natürlichen Ursachen, oder waren =Betrug=. – _Dr._ Jung sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem Gesellen, weil er so muthig gewesen, =gefürchtet=. Dieser, als er noch nichts von dem Geiste erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen, Ratten und Mäuse; aber wie er von dem Sackträger hörte, gab ihm seine Einbildungskraft eine andere Richtung und er hörte mehr.
Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen zu zergliedern, das jeder Vernünftige erkennt und in die Spinnstuben und Herbergen gehört.
=Das Glockengeläute.=
_Baxter_ in seinem historischen _Discours_ von Erscheinungen und Hexen erzählt unter andern Albernheiten auch folgende:
Bei Herrn =Harlakenden= in Essex, in der Priorie, welches Haus vormals dem Grafen von Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes Begräbniß, über welchem eine Kammer war. In dieser schliefen zwei seiner Diener, der Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher. Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr der Klang eines =Glockengeläutes= hören. Da sie nun dieses bekräftigten, legte sich am Abend der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine Neugierde zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche Klang einer großen Glocke=, die geläutet wurde, vernehmen, welches ihn so in Furcht und Schweiß setzte, daß er seine Diener stieß, welche erwachend sagten: Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! – Dieses brachte ihn wieder zu sich selbst, da er sie reden hörte. – Bei einer besondern Gelegenheit brachte Herr Thomas Shepherd nebst einigen andern Kirchendienern und frommen Leuten eine Nacht im Gebet daselbst zu, indem er einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente, um den Teufel zu vertreiben. Und von dieser Zeit an wurde niemals wiederum dergleichen Getöse in der Kammer gehört. – Der Herr Urian muß großen Respekt vor Herrn Shepherd gehabt haben, sogleich abzuziehen. Seltsam ist es, daß nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer das Geläute hörten.
Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte!
Zwei Gespenster-Geschichten.
I.
Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern, die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen, rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin. Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann. – »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen. Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!« versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl.
II.
Der oben erwähnte _Dr._ =Jung= erzählt folgende Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen:
Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes:
=Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem Tode gemißbraucht werde.=
Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin _N. N._) nach meiner Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme, und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am 2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur, gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei? Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben.
=Ich=: Wie heißest Du? =Antwort=: Nenne mich Immanuel! – Von nun an erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7, Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche Bewegungen.
Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der *** zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl. Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum =ich= ihn nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu bestimmt, so etwas zu sehen.
Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren, die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes, den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann; allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den Kirchhof =illuminirt=.
So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu:
1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte. Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.
2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und =Stubendecke= hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr.
3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich ausdrücken können, weiß ich nicht.
Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:
Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet, einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß die Klinke weit wegflog.
Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst Niemand. So weit die Frau Pastorin.
Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze wegen übergehe u. s. w.
******* Pfarrer zu ***** den 21ten August 1807.
Herr _Dr._ =Jung= glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern: Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse über das Geisterreich giebt; daß es keine leere =Vision= sei, was die Frau Pfarrerin sieht, =sondern daß sie wirklich Wesen aus dem Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt=. Auch das Wegspringen der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl, sind =Beweise= für das =wirkliche Dasein= des unglücklichen Geistes eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt. Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen Punkt kommt vieles an: =denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe, so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre Richtigkeit=. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste ihres Erlösers und Seligmachers im =Hades=. –
Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert etwas Tolleres schreiben!
Wenn kein =Betrug= dabei Statt gefunden haben mag, da so viele Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes:
Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte.
Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder plötzlich, und man weiß nicht warum?
Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch gestoßen haben.
Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht!
In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!
So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der freilich liegen bleibt.
Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern =heilige Feste feiern=, und =Illumination anstellen=, welches Herr _Dr._ Jung glaubt, weil die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem =Auferstehungskeim= überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht über alle menschlichen Begriffe!
So ist das ganze Buch voll, und Herr _Dr._ =Jung= sagt noch: Es ist fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen, daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben, sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank geworden sind.
=Geistige Geschwüre= erhält auch der Leser, wenn er durch den =schwarzen Geist seines Buches= geht!!!
=Die Necromantisten.=
Herr L. =Fischer= erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig 1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte: