Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 5
Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, _El_, beschwören wir euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen _Adonay_, _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Sadai_: Herr Gott, beschwören wir euch, und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den Namen _Y_ und _V_, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den Namen Gottes _Agla_, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines Bruders Esau; und durch den Namen _Anephexeton_, welchen Aaron gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den Namen _Zebaoth_, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen _Escerchie Oriston_, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten, daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten; und durch den Namen _Elion_, welchen Moses nannte und solchen Hagel hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch den Namen _Adonay_, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land Aegypten kam; und durch den Namen _Alpha & Omega_, welchen Daniel nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen _Emmanuel_, welchen drei Männer, _Sidrach_, _Misach_ und _Abdenago_ im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch _Hagios_ und den Sitz _Adonay_; und durch _ô Theos iscyros athanatos_; und durch die drei geheimnißvollen Namen, _Agla_, _on_, _Tetragrammaton_, beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn, welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird, und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz _Baldachiæ_, und durch den Namen _Primeumaton_, welchen Moses nannte, und die Erde verschlang _Datam_, _Corah_ und _Abiron_; und in der Kraft jenes Namens _Primeumaton_, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude, bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl, wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen _Adonay_, _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt euch _Adonay_, _Saday_, der mächtige und schreckliche König, dessen Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein, wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint; es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges, nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen _Adonay_, _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_, erscheinet, erscheinet! Was zaudert ihr? Eilet! Es befiehlt euch _Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly, Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe, a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va_!
Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen, welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen.
Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat?
Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc. 11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden. – Aber keine =Geister=, davon steht nichts in der Bibel!
Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern Figuren bestehet.
Verschiedene Manuscripte von =Teufels-Beschwörungen=, welche von Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher Auszüge genommen haben:
1) _Arbatel de magia veterum._
2) Des schwarzen Cyprian _Miracul-_ oder Wunderbuch von 1500.
3) _Raziel_, das alte Buch von der heiligen göttlichen =Magie= unserm Vater =Adam=, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln selbst offenbaret.
4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen =Christophori=, approbirt von dem bekannten =Raphael Meyer= aus der Gesellschaft Jesu.
5) _Citationes_ der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche _Mosis Bibliae Magicae_.
6) _Zoroaster_ des _Rabbi_ und Juden _Clavis Artis_. Das Original ist von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben _Anno Mundi_ 1996. Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden. _Anno Christi_ 1236 durch _S. V. R. et A. G._
7) Meines (_Dr. Faust_) _Miracul-_ und Kunst-Buches, genannt der =Dreifache Höllen-Zwang=. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben wir zum Titelkupfer gewählt.
8) _Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon_ 1689.
Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also:
_Aziel_, der Schutzgeist der Erde und des Meeres.
_Ariel_ hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land.
_Marbuel_ hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen geheimen Wissenschaften.
_Mephistophilus_ dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und übergiebt die Pygmäen und _Spiritus familiares_.
_Barbuel_, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser und zu Land.
_Aziabel_, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze.
_Aniquel_, Fürst der Welt.
Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt. Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten _Mephistophilus_, welchen auch _Dr._ Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen.
Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der =Gürtel Salomons=, welcher 4 Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein =Zauberstab= von Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und =magische Kerzen= von wildem Bienenwachs.
Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn:
_O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim † in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca † Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch † & Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi † Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus † Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas, mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla † Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen._
Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt, wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:
_O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam † o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen._
Der Geisterfürst _Marbuel_ erscheint, wenn er gerufen wird, in der Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt.
Der Sage nach wird manchen Lesern _Dr._ Faust’s =Mantelfahrt= bekannt sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher selbst reden:
»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß Du _NB._ ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und tritt _NB._ mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich. Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst, _NB._ so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.
=Citation.=
Ich rufe Dich Geist _Aziel Memomac_, und fahre mit mir nach _N_, und richte mit mir aus, was ich haben will.
_NB._ Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner:
O Du erhöre mich † _Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim_, daß ich fahre, durch den Geist _Aziel_ an Ort und Stelle gebracht werde.
Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin Du willst.«
Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt.
=Von Schatzgräberei.=
Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen, gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne Beihülfe anderer Leute?
Das sogenannte =Schatzlicht= ist besonders am Johannistage zu sehen, und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe. Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen, daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist.
Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III. Schatzgräberei.)
Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel:
Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in Ewigkeit, Amen.
Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden:
_O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex, Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam, Christe benedictam._
Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.
So Du einen Schatz heben willst, sagt _Dr._ Faust, und dazu kommst, so schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes, so kann es nicht verrücken:
_Domini Seussa Kaatu._
Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst, so schreibe diese Worte darauf:
_Saat Saato da Knuss Tetragrammaton Agla Elyla Elylam Mazakat Hane._
Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen, und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen.
So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich:
Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut, daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch begleiten † † †.
Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen, darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St. Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß.
Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein, in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die übrigen zwei Personen beten den Psalm _de profundis_; übrigens sollen auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist, über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man von allem Schrecken befreit.
Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden:
_† Seglane † Sextex Jahix leomanx._
Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –
Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts.
Zweite Abtheilung.
=Vom Aberglauben.=
Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!
Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche die Abergläubischen in =allen Lebensverhältnissen= anwenden: bei Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie, bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein Bekannten und werden schon daran genug haben.
=Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel Jahre ich leben soll?=
So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. – Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5, 10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger.
Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen entstanden sein:
Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte.
=Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.=
Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen Weiber meinen: man habe kein Glück.
=Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.=
Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – _Rungius_, im ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S. 54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan, so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb.
=Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf dem Feuer stehen läßt.=
Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen, wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt:
Nicht der Dreifuß, noch der Rost, Sondern eine =magre Kost=, Vieles Schminken, Cordoisiren, Und mit Salben sich beschmieren, Diese und dergleichen Sachen Sind es, die die Runzeln machen.
=Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.=
Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon. Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der Kropf bleibt am Halse. _Probatum est!_
=Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.=
Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg. Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.
=Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.=
Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.«
=Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann erhalten werde.=
Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann: was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren!
=Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein Zeichen des kommenden Krieges.=
Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder kriegerische Spiele vornehmen.
=Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.=
Der Klee (_Trifolium_) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur (_Lusus naturæ_) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein Anderer muß lange darnach suchen.
=Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt hinein.=
Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w. nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es müßte denn der Hoffarths-Teufel sein.
=Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.=
Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur, und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. _Probatum est! De mirabilibus Albertus M._
=Ein Jägerstückchen.=
Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen.
Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden?
=Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen Kopf hat, der stirbt das Jahr.=
Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten dadurch oft zwei Köpfe.
=Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.=
Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche Ursachen angeben können.
=Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses Krautes mit Nadeln durchsticht.=
Das Johannis-Kraut (_Hypericum perforatum_) hat eiförmige und durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut fand, und es _Daemonum fuga_, =Teufels-Scheu=, nannte.
=Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.=