Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Part 4

Chapter 43,158 wordsPublic domain

Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand, ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern, von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie wird eingetheilt in die =physische= und =astrologische=. Die erste hat allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander. Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken u. s. w.

Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet – also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet?

Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun, wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten, auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet, wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen, die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von zukünftigen Dingen.

Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w. gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben, frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren. (S. Abth. III. die Wahrsagerin.)

Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9. und lese weiter.

Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen (_Pulex_), der Zeigefinger (_Index seu demonstrativus_), der Mittelfinger (_Medius_), der Goldfinger (_Annularis_) und der Ohrfinger (_Auricularis_).

Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man _Mons Veneris_ (♀), den Berg am Zeigefinger _Mons Jovis_ (♃), den am Mittelfinger _Mons Saturni_ (♄), am Goldfinger _Mons Solis_ (☉) und am Ohrfinger _Mons Mercurii_ (☿).

Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt _Restricta_; man hat bisweilen 4 Restrikten.

Die =Lebenslinie= (_Linea Vitae_) fängt bei der Mittellinie an, zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und läuft bis an das Ende der flachen Hand.

Die =Hauptlinie= (_Linea Capitis, Media naturalis_) fängt bei der Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende.

Die =Tischlinie= (_Linea Mensalis_) fängt am Berge des Ohrfingers an und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.

Die =Glückslinie= (_Linea Saturni_) geht von der _Restricta_ aus und bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet, gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten.

Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den =Tisch der Hand= (_Quadrangulus_ oder _Mensa manus_), welcher zum Ohrfinger gehört; daneben sieht man den =Triangel=, und unter demselben den =Mondberg= (_Mons Lunae_), links vom Triangel liegt der =Marsberg= (_Mons Martis_).

Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn in Verbindung steht.

Ist nun die =Lebenslinie= lang und ganz, nicht zerschnitten, so bedeutet sie ein gesundes langes Leben.

Wenn die =Linie des Hauptes= krumm und zertheilt ist, bedeutet es Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen Handlungen geneigt.

Wenn die =Glückslinie= lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches Leben; ist sie zertheilt, Krankheit.

Der =Triangel=, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet einen frommen friedsamen Menschen.

Wenn der =Tisch= lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet, so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt Blutfluß.

Wenn die =Tischlinie= die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.

Der =Tisch der Hand=, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen.

Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, – denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band füllen könnten.

Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren Eigenschaften vornehmen:

Eine =lange Hand= mit =langen Fingern= bedeutet einen langsam trägen Menschen, einen Phlegmatikus.

Wenn die =Mitte der Hand lang= und =hart= ist, dabei die =Finger lang= sind, bedeutet es einen diebischen Menschen.

Ist die Mitte der Hand =hart=, doch =wohl proportionirt=, so bedeutet es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber =nicht gut= proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.

Sind die Hände =dünn= und =lang=, doch nach dem Körper proportionirt, so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar.

Ist die Hand =kürzer=, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und empfindlich.

Ist die Hand =kurz= und =stark=, so bedeutet es einen sündhaften Menschen, und je mehr die =Finger hart= sind, desto boshafter.

Wenn eine Hand =lang= und =groß= ist, doch proportionirt, so bedeutet es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten!

Wer =lange Hände= und =lange kleine Finger= hat, ist ein harter Mensch. Die Natur gab auch den =Tyrannen= lange Hände!

=Von der Geomantie.=

Dies ist die sogenannte =Punktirkunst=. – Ehemals zeichnete man die Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine Figur gemacht. Doch solche =Punktirbücher=, die für sechs Pfennige verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben.

=Von der Onomantie= oder =Weissagung aus dem Namen.=

Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß _Sors Pythagorica_. In der Folge brachten es die Christen in eine rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.

Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als:

_A B C D E F G H I K L M_ 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 2

_N O P Q R S T V X Z_ 12 22 4 10 24 7 16 4 20 1

Statt des _W_ nimmt man zwei Mal _V_, und statt des _Y_ das _I_.

Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen, welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen beurtheilen:

=Rest:= 1. 2. ist Beherrscher des Widders (♈). 3. 4. " des Stiers (♉). 5. 6. 7. " der Zwillinge (♊). 8. 9. " des Krebses (♋). 10. 11. 12. " des Löwen (♌). 13. 14. " der Jungfrau (♍). 15. 16. " der Wage (♎). 17. 18. 19. " des Scorpions (♏). 20. 21. " des Schützen (♐). 22. 23. " des Steinbocks (♑). 24. 25. 26. " des Wassermanns (♒). 27. 28. " der Fische (♓).

Der Widder, Löwe und Schütze sind =feurig=;

Die Zwillinge, Wage und der Wassermann =luftig=;

Der Krebs, Skorpion und die Fische sind =wäßrig=;

Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock =irdisch=.

Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist es gut und bedeutet =Zufriedenheit=, und sind es Eheleute, so überlebt eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede.

Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so bedeutet es =Zank= und =Unglück=. Der das feurige Zeichen hat, lebt länger, als der andere.

Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so ist die Bedeutung =mittelmäßig=. Der im luftigen Zeichen behält die Oberhand.

Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es eine =ganz unglückliche= Vorbedeutung, und der luftige behält die Oberhand.

Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so bedeutet es =Glück=, und der im wäßrigen spielt den Meister.

Ein feuriges und luftiges Zeichen =vertragen sich mit einander=, jedoch überlebt das luftige das feurige.

Feuer und Erde =vertragen sich nicht=; das feurige überlebt das irdische.

Die luftigen und irdischen Zeichen sind =böse=; das luftige hat die Oberhand.

Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß =Otto=; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt, bleibt 20 und fällt in das Zeichen des =Schützen=, der =feurig= ist. Der zweite Name hieß =Amalia=, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt, 6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der =Zwillinge= fällt und =luftig= ist. – Also werden =Beide sich mit einander vertragen; das luftige aber überlebt das feurige=.

Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man dieselbe.

Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen ebenfalls auf Spielerei hinaus.

=Von den Geistern.=

Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:

1) =Feuergeister=, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner.

2) =Luftgeister=, welche man auch =Poltergeister=, =Sylvane=, =Windleute= genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun.

3) =Erdgeister=, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-, Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden.

4) =Unterirdische Geister=, welche in Höhlen und Bergen, besonders in Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch Erdbeben und Winde erregen.

5) =Wassergeister.= Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen, Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um.

6) =Lichtscheue Geister.= Sie lassen sich niemals bei Tage sehen, sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und fallen auch die Menschen an.

Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange, lange Zeit leben. –

Ein Mehreres hiervon lese man: =Vom Bannen der Geister.=

=Die Berggeister.=

Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten, Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein Hinterleder tragen.

Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den Dünsten verschiedene Abbildungen geben.

Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern.

=Der Kobold.=

Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte _Kobalos_, Betrüger, Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein =Bergmännchen= nennt. Sonst wird unter =Kobold= ein Hausgeist verstanden, der sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt werden, nicht leicht Schaden zufügen.

Unter vielen Erzählungen ist der =Hildesheimische Kobold=, Hödekin oder =Hütgen=, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute.

Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß, wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.)

=Wassergeister.=

Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele nennen sie =Wassernixen=, welche die Menschen zu sich in das Wasser ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden und Nereiden nannte.

=Das wüthende Heer.=

Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage allgemein gewesen.

Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben, Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau zu untersuchen, entflieht der Furchtsame.

Vom Bannen der Geister.

Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach, weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf Erden und der künftigen Erreichung derselben! –

Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor. Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister beschwören wollen.

Gewöhnlich werden die =Geister der Planeten= beschworen, welche gewisse Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt werden. So heißt der Geist der Sonne =Michael= – Der Geist des Mondes =Gabriel= – Der Geist des Mars =Samael= – Der Geist des Merkur =Raphael= – Der Geist des Jupiters =Sachiel= – Der Geist der Venus =Anael= und der Geist des Saturn =Cassiel=.

Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll.

Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert, daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein. Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben, vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen.

Der =Zauberkreis=[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet, in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat.

[15] S. Fig. 10.

Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die =Stunde=, welche alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll, geschrieben[16]; 2) der =Name= und 3) das =Siegel= oder =Zeichen= des Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage, wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit, wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes, nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11) im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach Osten kommt das _Alpha_, nach Abend das _Omega_ mit einem durch den mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den vier Dreiecken vier _Pentagoni_ geschrieben. – So ist der Zauberkreis für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete _Pentaculum Salomonis_[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß; zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen:

[16] z. B. die =erste Stunde= am Sonntag im =Frühjahr= heißt _Yayn_.

[17] Der =Name= des Geistes der Sonne ist =Michael=. Das =Zeichen= s. Fig. 11, wo die Siegel der sieben Geister stehen:

_a_) Siegel des Geistes =Michael=. _b_) " " " =Gabriel=. _c_) " " " =Samael=. _d_) " " " =Raphael=. _e_) " " " =Sachiel=. _f_) " " " =Anael=. _g_) " " " =Cassiel=.

[18] =Michael=, =Dardiel=, =Huratapel=.

[19] =Talui= (Frühling).

[20] Die Geister des Frühlings: =Caracassa=, =Core=, =Amatiel=, =Commissoros=.

[21] Das Hauptzeichen des Frühlings ist: _Spugliguel_.

[22] _Amadai_.

[23] _Abraym_, _Agusita_.

[24] _Varcan rex_, _Tus_, _Andas_ und _Cynabal_.

[25] _Adonai_, _Eloy_, _Agla_, _Tetragrammaton_.

[26] Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für =Michael= Sandelholz.

[27] S. Fig. 12.