Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Part 3

Chapter 33,772 wordsPublic domain

Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6 multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können. Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf dem Haupte eine Sonne, und den Namen _Sol_ und das Zeichen[11]; zu den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut zunimmt.

[11] S. Fig. 4.

=Siegel der Venus.=

Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann. Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem Namen _Venus_ und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und giebt Geschicklichkeit in der Musik.

[12] S. Fig. 5.

=Siegel des Merkur.=

Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8 multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte ein Stern, dann der Name _Mercurius_ und sein Zeichen[13]. Das Siegel wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht.

[13] S. Fig. 6.

=Siegel des Mondes.=

Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat, welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen. Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name _Luna_, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten, ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig.

[14] S. Fig. 7.

=Der Heckethaler.=

Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen; wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will, Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.

Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals.

Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine Katze zu kaufen!

=Vom Wehrwolf.=

Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne. – Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten, bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. _Bodinus_, der Hexenrichter war, erzählt in seiner _Dæmonomanie des forciers_: daß ein gewisser _Aegidius Garnier_, welcher am Michaelistage, in der Gestalt eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern =Dole=, in einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu =Dole= den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde.

Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene _Circe_, die die Menschen in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.

Vom Bannen und Festmachen.

Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der Stelle bewegen kann, heißt =bannen=, z. B. Diebe, welche das Gestohlene nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w. Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben.

=Einen stehend zu machen.=

Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die =Formel=; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten, damit er nicht davon läuft.

Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß, gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden,

So gewiß und vest, So vest, so vest, so vest, Als der Baum hält seine Aest, Und der Ast hält seine Aest, Und der Hirsch hält seine Zungen, Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen. So gewiß und wahr sollt ihr stehen, Als der heilige Johannes stand am Jordan, Da er den lieben Herrn Jesum getaufet, Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen, Bis die liebe göttliche Mutter Einen andern Sohn gebähret. So gewiß sollt ihr sein gebunden Zu dieser Tag und Stunden Im Namen Gottes † † † u. s. w.

=Lossprechung des Gebundenen.=

So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen.

=Wider die Feuersbrunst.=

Schon die Alten legten viel auf die =Kraft der Worte=, und die christliche Magie hat sie beibehalten.

Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: _Arse Vorse_ schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen 11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8. Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes _Aghela_, oder auf einen Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu werfen.

=Der Feuersegen.=

Feuer stehe still, um Gottes Will, Um des Herrn Jesu Christi Willen, Feuer stehe still in deiner Gluth, Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut. Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen, Daß du nicht weiter kannst von dannen, Sondern behältst alle deine Funken und Flammen, Amen! Amen! Amen!

=Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.=

_Sanguis mane in venis, Sicut Christus pro te in poenis: Sanguis mane fixus, Sicut Christus crucifixus._

=Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.=

Gott Vater fährt gen Acker, Er ackert fein wacker, Er ackert drei Würmer heraus, Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth, Hier liegen alle Würmer todt.

So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe, – Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w.

Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem =Bannen des Wildes= verfährt man also:

Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt, – im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen, als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.

Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird!

Das eigentliche =Festmachen=, die =Frei-Schützenkunst=, ist eine Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S. Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die =Passauische Kunst= genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit Charakteren und Wörtern: _Arios_, _Beji_, _Glaji_, _Alpke_, _nalat_, _nasala_, _eri lupie_, bezeichnet, zu verschlucken.

Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!

Andere Abergläubige tragen auch die =Länge Jesu= bei sich, um gegen den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut geheißen und bestätigt haben.

=Das Noth-Hemd.=

Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. – Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede, daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w.

=Von der Waffen-Salbe.=

Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr =viele= und =verschiedene= Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können. Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus:

_Rz._ Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1 Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch _bolus ana_ 1 Unze, untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere noch 1 Unze Terpentin nehmen.

Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein, so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w.

Von der Wünschelruthe.

Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch nach ihrer mannichfaltigen Anwendung =Wendes-, Windes-, Wünschel-, Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks-= und =Erlenruthe= genannt, zuweilen auch die =göttliche Ruthe= – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders, mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, =unterwärts= gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt, so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber – wenn welches verborgen liegt!

Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit _Athanasius Kircher_ in seinem dritten Buche _de Art. Magnet._: Wenn eine Pflanze eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse, an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder Ausdämpfung der Atome per _inspirationem insensibilem_ kommt, durch die Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme, an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen.

Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen von Eisen oder Kupfer.

Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, =Quellen= aufzusuchen.

Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.)

=Die Springwurzel.=

Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen, sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel, welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen.

Wer wohl die Probe gemacht haben mag?

=Die Alraunwurzel.=

Diese Pflanze (_Atropa Mandragora_) soll den Besitzer reich und glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen _Circea_, von der Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen sein sollte.

Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie auch =Galgenmännlein= genannt.

Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden, neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.

Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches hat, wird zu den =betäubenden= gerechnet und in der Medizin nicht gebraucht.

=Das Sieblaufen= (_Oscinomantia_).

Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen, oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister spricht folgende barbarische Worte:

_Dies, mies, Jeschet, benedæfet, dowima, Enitemans._

Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei Nennung eines Namens, den man =besonders= in Verdacht hat, eine Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß sich das Sieb drehen!

Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem Erb-Schlüssel.

_Speculum Salomonis_, oder =der Spiegel Salomons=.

In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde, wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte mit Taubenblut auf Papier: _Teonemanuel Iskiroh_, und den Taufnamen desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan. Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere. Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht, wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des ersten Spiegels spricht man:

Aus Gott kömmt } In Gott ist } alle Weisheit. Bei Gott bestehet } Gott der Vater liebet }

Bei Gießung des andern Spiegels spricht man:

Gott der Sohn erhält } Gott der Sohn erlöset } alle Welt. Gott der Sohn speiset }

Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man:

Der heilige Geist erleuchtet } Der heilige Geist tröstet } alle, die Wahrheit lieben. Der heilige Geist stärket }

Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel polirt.

Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er gemacht worden ist.

Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen steht.

Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben, und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die Nativität stellen.

Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen, Diebstahl, Betrügerei etc.

Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten =Spiegel Salomons= zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht.

=Vom Unsichtbarmachen.=

Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des Kaiser Domitian zu entfliehen.

Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches, wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen rothen Faden binden, um ihn zu finden.

Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht:

Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth? Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth, Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf Wunden mich verbergen thun. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth, Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure Augen stets von mir abwenden müßt. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth! Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut! Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich, Und was ich bet’ und will und greif’, Dem bin ich in Christo gleich, Als der Heilige im Himmelreich. Im Namen Gottes † † †. Amen.

Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar erfunden werden.

Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern =christliche= Magie, welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17. Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.

Von der Chiromantie.