Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 2
Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung, die sich von selbst und mit wenigen Worten widerlegt! Kann die Seele auf den Körper nicht wirken, so kann sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge in der Natur sind entweder einfach oder zusammengesetzt, ein Drittes giebt es nicht, also woher ein Mittelding zwischen Seele und Leib!
Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele, namentlich _Paracelsus_, das =Spuken= der Verstorbenen und das =Erscheinen nach dem Tode= erklären. Aber gewiß! weder sie noch wir haben den Geist eines Verstorbenen gesehen.
Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem Verstorbenen, auch von einem Lebenden trennen und einem andern erscheinen – denn ist diese einmal vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm zurück[3] – Daher das =Sehen seiner selbst=, die =vielfältige Gegenwart= einer Person an verschiedenen und entfernten Orten, und das =Doppelsehen= gehört zu den Täuschungen, Fabeln und Betrügereien[4].
[3] S. dritte Abtheilung. Das Gespenst im Hause. Anzeige des Todes.
[4] S. dritte Abtheilung. Sehen seiner selbst. Das Doppelsehen.
=Betrüger=[5], =Diebe=[6] und =Verliebte= haben stets die Rolle eines Gespenstes gespielt. So sagt noch ein altes französisches Sprichtwort von den Verliebten:
[5] S. dritte Abtheilung. Der Poltergeist. Glockengeläute.
[6] S. dritte Abtheilung. Gespenstergeschichte.
_Où sont filettes et bon vin C’est là où hante le Lutin._
(Bei Mädchen und bei gutem Wein Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.)
=Die Necromantie.=
Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten aus ihren Gräbern, wenn man von ihnen geheime und künftige Dinge erfahren will. _C. Agrippa_ nennt zwei Arten dieser Zauberei: _Necyomantie_, wodurch man die verstorbenen Körper sogar wieder lebendig dargestellt, und _Sciomantie_, wenn blos ein Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie ist sehr alt, denn die Betrügerin zu Endor ließ ja den Schatten (Können denn Schatten auch sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen ist diese Kunst eine große Betrügerei[7]. Die Kunststücke mit dem sogenannten =Zauberspiegel=, wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren, so auch mit der =Zauberlaterne=, wodurch man Gestalten in freier Luft präsentiren kann – finden wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser verweise.
[7] S. dritte Abtheilung. Die Necromantisten.
Alle Necromantisten sind feine Betrüger. Schwedenborg, Schrepfer und Cagliostro waren solche Subjekte, und die größten Geisterbanner, die sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte täuschten (S. Abth. III. Schwedenborg).
Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei, wie jenen, als ein gewisser Engländer, _Sawney_, ein berüchtigter Seher und Wahrsager, große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen Statüen u. s. w. erblickte, welche aber alle von – =Eis= und =Schnee= waren, und als die Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die Neugierigen nichts sahen!
Von der sogenannten Hexerei.
In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen, findet man den Glauben an höhere, gute und böse Geister, und bei uns brachte man in der unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten bis 17ten Jahrhundert – die Wunder des Teufels in ein System, behandelte sie wie andere natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche mit dem Uebernatürlichen durcheinander mischte. Von dieser Zeit an untersuchte man die Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen Diebstahl u. s. w., daher also die verwirrten Ideen in diesem Zeitalter bei allen Gelehrten und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III. die Hexe, der Hexenprozeß, der Hexenmeister.)
Ueberhaupt hat die =Inquisition=, da sie der Unglücklichen Güter einzog, erst die Hexerei bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich durch die Bulle des Papstes _Innocens_ VIII., den 4. December 1484. Diese Bulle brachte die Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht begründet und verbreitet wurden, und zwar durch Erklärungen über die Wirklichkeit von Teufelskünsten und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um der Sache noch mehr Gewicht zu geben, erschien sogar zur =Erläuterung= das furchtbare Buch, der =Hexenhammer=, 1489.
In Teutschland brennten die Flammen, welche Unschuldige hinrichteten, und solche Tage, wo eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage des gemeinen Mannes. (S. Abth. III. die gerettete Hexe.)
Aber Teutsche waren es auch, die besonders und mit Gründen den allgemeinen Glauben an Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. – Cornelius Loos, noch besonders ein =Priester= zu Mainz, war einer der ersten, welcher die Ungerechtigkeiten der Hexenprozesse zu zeigen sich erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen, wenn er nicht auch verbrannt seyn wollte. Er starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner (gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen die Hexenprozesse. – Endlich trat zu Anfang des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf: Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft zu Halle, und kann als der eigentliche Zerstörer des Hexenprozesses betrachtet werden.
In der Folge wurde aller Zauberglauben durch die =Naturwissenschaft= vernichtet, doch ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger Zeit publizirt man noch Berichte von =Wunderkuren= durch Zeitungen, wie der Hang zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder besteht. –
Im Allgemeinen wird die =Hexerei= oder =Zauberei= folgendermaßen beschrieben:
Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch mit dem Teufel, welcher in einer menschlichen, thierischen oder andern Gestalt erscheint, einen Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet, und dasselbe mit seinem Blute unterschreibt, vermöge aber dessen Gott und die Religion verleugnet, und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet, auch nach Verfließung einer bestimmten Zeit sich demselben mit Leib und Seele zu eigen übergiebt; wogegen der Teufel verspricht, einem solchen Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und mancherlei Ergötzlichkeiten zu schaffen, ihm beizustehen, daß er große und wunderbare Dinge ausrichten, und andern Menschen nach Belieben Schaden zufügen könne, ihn auch zu gewisser Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen, wo der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen die Versammlung hält, wo sie sich mit Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w. recht lustig machen.
Im weitläufigen Sinn versteht man aber von Hexerei, wenn ein Mensch verschiedene ungewöhnliche und abergläubische Mittel und Ceremonien vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder Schaden zu thun, ob er gleich nicht ausdrücklich mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man muß aber die =Magie= der Alten von der heutigen Zauberei unterscheiden, welche letztere von der erstern entstanden ist.
Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts, halten jährlich dreimal den sogenannten =Hexensabbath=. Der Ort der Versammlung heißt bei uns in Teutschland der =Blocksberg=, in Italien _Noce di Benevento_, in Schweden _Blocula_; in andern Ländern wird man vielleicht auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen, auf Kirchhöfen, oder lieber bei einem See oder Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch Ungewitter erregen kann. An dem Ort, wo der Sabbath gehalten wird, soll nichts wachsen.
Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden sich die Zauberer und bestreichen sich mit einem Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie zum Schornstein hinaus, an dessen Ende sie einen großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen, der sie ergreift und nach dem Versammlungsort hin und zurück bringt. Sie bedienen sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als schwarze Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen und Hunde, oder auch Ofengabeln, Spinnrocken und Besen, worauf sie durch die Luft fahren.
In der Versammlung erscheint nun der Teufel, als Vorsteher in mancherlei Gestalt, bisweilen wie ein Mensch, aber öfter als ein – Bock. So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer Krone von schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten und eins an der Stirn, mit welchem er der Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden Haaren, mit blassem und verstörtem Gesicht, großen, runden, aufgesperrten, feurigen und häßlichen Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch, halb Bock, mit Händen und Füßen, fast wie ein Mensch, außer daß die Finger alle gerade und spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände sind krumm, wie die Krallen der Raubvögel, die Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche Stimme, und ein melancholisch verdrüßliches Gesicht.
Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer ein unter seinem Schwanze befindliches schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der Tanz an, und die Hexen singen:
_Alegremonos Alegremos Que gente nue va tenemos._
Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her, und machen tausenderlei krumme Sprünge. Nach dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die aufgetragenen Gerichte sind ekelhaft, doch – der neugierige Leser muß alles wissen: – Sie bestehen aus Kröten, Aas, Leichnamen und ungetauften Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod von schwarzer Hirse.
Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel an einen Tisch und nimmt die Huldigung der Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern, ablegen, indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln in Händen haben, die sie nach geendigter Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen, wieder zustellen, der sie bis zur künftigen Versammlung aufhebt. Wenn dieses zu Ende, fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift, den Menschen zu schaden, sie nöthig hätten? u. s. w. – und ertheilt ihnen Rath und Hilfe.
Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath mit, als Farrenkraut, Mistel, Wegerich, Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder, welches der Teufel in Stücken hackt, alles kochen läßt und von dem Fette die =Salbe= macht.
Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft, von der uns _de Lancre Tableau de l’Inconstance des mauvais Anges et Demons_ erzählt hat.
Da wir aber einmal bei dem Teufel sind, so müssen wir doch noch etwas von seiner Person und seinen Umtrieben reden.
_Agrippa_ in seiner _occulta philosophia_ giebt von den =bösen Dämonen= neun Ordnungen an:
1) Diejenigen, welche man die =falschen Götter= nennt, die den Namen der Gottheit gleichsam usurpirt haben und als Götter verehrt seyn wollen. So wie jener, welcher Christus alle Schätze der Welt zeigte, und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm niederfallen und ihn anbeten würde. Der Oberste dieser Dämonen wird _Beelzebub_ genannt.
2) Die =Lügner=. Ein solcher war bei dem Propheten _Achab_, bei der Hexe von Endor und bei den Orakeln. Der Oberste dieser Teufel hieß _Python_.
3) Die =Gefäße der Ungerechtigkeit= und des Zornes Gottes. Sie sind die Erfinder allerlei Uebel. Der Oberste wird _Belial_ genannt.
4) Die =Rächer der Laster=. Der Oberste heißt _Asmodeus_.
5) =Weissager=, =Betrüger=, =Verblender=, welche Mirakel nachahmen und Böses thun, wie die Schlange der Eva. Der Oberste heißt _Satan_.
6) =Wettermacher.= Es sind ihrer vier, nach den vier Hauptwinden, und der Oberste heißt _Merizim_.
7) =Furien=, Stifter der Zwietracht und des Kriegs. Der Oberste heißt _Abaddon_.
8) =Verläumder=. Die Griechen nennen sie _Diabolos_, unsere =Teufel=. Der Oberste ist _Astaroth_.
9) =Versucher=, böse Geister. Der Oberste heißt _Mammon_ (Begierde nach Reichtum).
Man hat sehr verschiedene Auslegungen des Namens Teufel. Einige sagen, das Wort Teufel bedeute einen =Zerstörer=; andere – einen =Verführer=; die Griechen nennen ihn =Verläumder=; daher kann auch das Wort nicht allein eine =Person=, sondern mehr =Handlungen= und =Gewohnheiten= bedeuten.
Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund gestürzt und gebunden ist, so bleibt er doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar noch manchen Gegenständen seinen Namen geliehen.
So giebt es unter vielen andern die =Teufels-Inseln= (die Bermuden), von den Spaniern zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen Felsen _los Diabolos_ nannten.
Der =Blocksberg= auf dem Harz, berüchtigt durch die Hexenversammlung.
Die =Teufelshochzeit= ist ein Berg in Ungarn, unweit dem Bergstädtchen Boza, und wird wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen Gewitter so genannt.
Der =Teufelsgrund= ist ein tiefes Thal im Riesengebirge unweit Greifenberg.
Die =Teufelsgrube= wird eine Höhle in dem bei Goslar gelegenen Rummelsberge genannt, wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben soll.
Das =Teufels-Mör= ist eine Gegend bei Bremen, unweit der Weser, wo zwischen Moor eine Viehweide liegt.
Der =Teufelsweg= auf den Gebirgen, welche Savoyen von Piemont scheiden, ist unter mehreren Pässen einer, welcher _le Pas de Diable_ heißt, wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe zu stürzen.
Die =Teufelskirche=. In dem fürchterlichen Thale bei Altdorf, zwischen Weihofen und Grunsberg, ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße eines waldbewachsenen Berges, welche so genannt wird.
Die =Teufelsleiter= ist ein steiler Berg bei dem Flecken Lorch, wo ein steiler Weg hinauf geht.
Die =Teufelsmauer=. Sie ist ein Werk der Römer, welche einen Wall oder Pfahlhecke zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten. Noch kann man ihre Ruine sehen, welche bei Pföring an der Donau anfängt und bis an den Neckar läuft.
Auch wird ein Berg einige Stunden von Quedlinburg die =Teufelsmauer= genannt, weil er wie von über einander liegenden Steinen zusammengetragen erscheint.
Die =Teufelsbrücke=, am St. Gotthardsberge in der Schweiz.
Die =Regensburger Brücke= soll auch durch Beihülfe des Teufels erbaut worden seyn.
Der =Teufelsthurm=, ein auf einem Felsen stehender Thurm, unfern des Strudels in der Donau.
So giebt es auch =Teufelsmühlen=, z. B. zwischen Corvey und Hameln, wo ein starkes, aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad treibt.
=Teufelssteine= nennt der gemeine Mann große Blöcke, weil er ihren Ursprung nicht kennt.
Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel tragen – der =Seeteufel=.
Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen Teufel, z. B.: Teufels-Abbiß (_Morsus Diaboli_), Teufels-Aepfel (Coloquinten), Teufels-Dreck (_Assa foetida_), Teufels-Ingber (_Arum_), Teufels-Scheu (_Daemonum fuga_, Johanniskraut) u. s. w.
Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören, was er von der =Erkennung einer Hexe= sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders den Samstag und den Freitag, hat besondere Zeichen an sich, als krumme Glieder, besonders eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht u. s. w. Sie hängt auch Zaubereien an sich, kocht selten und wäscht sich nicht, kehrt in der Kirche rücklings um und will gern allein und für sich seyn. (S. Abth. III. die Hexenwage.)
=Elben, Holder und Hulderchen, die bösen und guten Dinger, die reisenden und fahrenden Kinder.=
Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten und vielerlei Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß erhielt jede Hexe ihren =Geist=, oder einen besondern =Leibteufel=. Im funfzehnten Jahrhundert war es nichts Ungewöhnliches, daß eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche Kinder zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich Würmer waren, stifteten sie das Unheil: z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III. die Behexte, Bezauberung des Viehes), Krankmachen, sogar Tödten. Diese Geburten, Elben, Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das Hexenpulver wurde.
Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh krank machen:
1) durch =bloße Worte=, wenn sie z. B. die Kinder =beschrieen=. Man lobte die Kinder ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte es! – Die Hexen aber sagten: Ei, daß dich mein Gott behüte! Dadurch aber sollen sie nicht den wahren Gott, sondern den Satan verstehen.
2) Durch bloßes =Anschauen=, z. B. mit Triefaugen.
3) Durch =zauberische Salben= an die Hausthür und andere Orten geschmiert. Oder
4) durch =Charaktere=.
5) Durch etwas =Vergraben= unter die Thürschwelle.
=Vom Wind- und Wettermachen.=
Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum; sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (_Wierus de Lamiis_ erzählt mehr davon.)
=Wind= haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.)
=Hexen-Salbe.=
Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut, Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe. Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen.
Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine =betäubende= Kraft hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte, sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III. Hexenfahrt.)
=Von Entzauberung und Amuletten.=
In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen.
Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten, Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen.
Ein Anderes:
Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut, Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte.
Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an den Hals, vorzüglich erhielten =Amulette= die Kinder, sie vor Hexerei zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth. III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine, Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte _Abracadabra_, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers _Severus_ und _Caracalla_ von einem Arzt _Sammonicus_ gekommen sein soll. Man schreibt es auf Papier, wie folgt:
A b r a c a d a b r a a b r a c a d a b r a b r a c a d a b a b r a c a d a a b r a c a d a b r a c a a b r a c a b r a a b r a b a
Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an den Hals gehängt.
Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner _Philosophia occulta_: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_, _Adonay_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Saday_.
Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister höchst nützlich und nöthig sein.
* * * * *
Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die =Siegel der Planeten= zu machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und – bei sich trage.
Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen so viel gehalten haben:
=Das Siegel des Saturns.=
Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15 addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln, sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne, welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8]. Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden.
[8] S. Fig. 1.
Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen, und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab.
=Das Siegel des Jupiters.=
Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf dem Haupte einen Stern mit dem Namen _Jupiter_, dabei sein Zeichen oder Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich in allen Handlungen.
[9] S. Fig. 2.
=Siegel des Mars.=
Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern, der Name des _Mars_ und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden. Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht, wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.
[10] S. Fig. 3.
=Siegel der Sonne.=