Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens
Part 1
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=Bilder=
der
Wunderkunst und des Aberglaubens.
Mit Berücksichtigung der sogenannten Zauberbücher von _Albertus M., Dr. Faust, Paracelsus, Trittheim, Agrippa u. a. m._
=Herausgegeben= von _Dr._ =Karl Gräbner=.
_Somnia, terrores magicos, miracula, sagas, Nocturnos lemures, portentaque Thessala rides!_ ~_HORAT. lib. II. Epist. II._~
Mit 20 bunten und schwarzen bildlichen Darstellungen.
Weimar 1834. Druck und Verlag von Karl Gräbner.
=Inhalt.=
=Erste Abtheilung.= =Wunderkunst.=
Seite Einleitung 1 Von den Gespenstern 11 Der Astral-Geist 12 Die Necromantie 16 Von der sogenannten Hexerei 18 Der Hexen-Sabbath 21 Von Elben, Holder und Hulderchen 29 Vom Wind- und Wettermachen 31 Hexen-Salbe 31 Von Entzauberung und Amuletten 32 Von den Siegeln der Planeten 35 Das Siegel des Saturns 35 " " " Jupiters 37 " " " Mars 38 " " " Sonne 38 " " " Venus 39 " " " Merkur 40 " " " Mondes 41 Der Heckethaler 42 Vom Wehrwolf 43 Vom Bannen und Festmachen 45 Einen stehend zu machen 45 Wider die Feuersbrunst 47 Der Feuersegen 47 Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann 48 Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger 48 Vom Bannen des Wildes 49 Die Frei-Schützenkunst 50 Das Noth-Hemd 51 Von der Waffensalbe 51 Von der Wünschelruthe 53 Die Springwurzel 55 Die Alraunwurzel 55 Das Sieblaufen, (_Oscinomantia_) 57 _Speculum Salomonis_, oder der Spiegel Salomons 58 Vom Unsichtbarmachen 61 Von der Chiromantie 64 Von der Geomantie 71 Von der Onomantie oder Weissagung aus den Namen 71 Von den Geistern 76 Die Berggeister 77 Der Kobold 78 Wassergeister 79 Das wüthende Heer 80 Vom Bannen der Geister 81 Der Zauberkreis 83 Beschwörungen 86 Die Mantelfahrt 95 Schatzgräberei 97
=Zweite Abtheilung.= =Vom Aberglauben.=
Seite Acker, wer darauf säen will 116 Ahnung beim Scharfrichter 121 Alpdrücken 128 Basilisk, der 122 Bibel befragen 127 Blei gießen in der Christnacht 114 Christnacht, helle und finstere 114 Dreifuß, keinen leeren auf dem Feuer stehen lassen 107 Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren 120 Exorcismus 125 Finger, mit diesem soll man nicht nach dem Himmel zeigen 106 Fistel-Heilung 129 Gevattern, wenn sie über ein Wasser kommen 109 Guckuk, im Frühjahre schreien hören 105 Haase, wenn er über den Weg läuft 113 Haselstock thut Wunder 128 Jäger-Kunststückchen 112 Jüdel, das 119 Johanniskraut, dessen Kraft 113 Kehrig, über dasselbe gehen 106 Kinder leicht reden zu lehren 117 Kinderspiele auf den Straßen 110 Kleeblatt, vierblätteriges 110 Kopf, ohne, in der Christnacht 112 Köpfe, drei, an den Menschen zu machen 111 Korn, dessen jährlichen Preis zu erfahren 117 Kröpfe zu heilen 108 Lichter, wenn sie auf dem Altar auslöschen 112 Mann, ob die Mädchen in diesem Jahre einen erhalten 110 Mutisheer, das 126 Nasenbluten zu stillen 128 Osterwasser holen 120 Schuhwerfen, das 108 Spiegel, in diesen soll man des Nachts nicht sehen 111 Stube, in derselben soll man sich niedersetzen 117 Sympathie zwischen Todten und Lebendigen 116 Todte, welche schmatzen 124 Todtenuhr, die 123 Umkehren, das, ist nicht gut 114 Vampyr, der 125 Vieh beschreien 126 Weib, ein altes, wenn es einem begegnet 114 Worte, gefrorne und eingeschlossene 121 Zahl 13, die ominöse 125
=Dritte Abtheilung.=
=Erzählungen von Geister- und Gespenster- Erscheinungen, mit hie und da eingestreuten natürlichen Erklärungen.=
Seite Anzeigen des Todes 134 Behexte, die 197 Bezauberung des Viehes 200 Doppelsehen, das 144 Entdeckung der Geisterbeschwörer im 19. Jahrhundert 218 Freischütz, der 206 Frei-Schützenkunst 205 Gespenster-Geschichten 172 Gespenst, das, im Hause 133 Glockengeläute, das 170 Hexe, die 190 Hexenprozeß 193 Hexenmeister, der 195 Hexe, die gerettete 196 Hexenwaage, die 197 Hexenfahrt, die 203 Kobold, der 214 Necromantisten, die 183 Prediger, der gläubige 204 Poltergeist, der 147 Schatzgräberei 215 Sehen seiner selbst 141 Schwedenborg’s Betrügerei 188 Wahrsagerin, die 213 Wind machen 201 Wünschelruthe, die 211
=Fragmente= =über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.=
Seite Ueber Sekten überhaupt 229 Jesuiten 231 Illuminaten 232 Rosenkreuzer 235 Schröpfer 236 Cagliostro 237 Die Seherin von Prevorst 239 Der Wunderdoktor 257 Prinz von Hohenlohe 258
=Erste Abtheilung.=
=Die Wunderkunst.=
=Einleitung.=
Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der Natur, wodurch man die verborgenen Geheimnisse derselben untersucht, zu ergründen strebt, um dadurch einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört in die Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der =natürlichen Wunderkunst=, oder =Magie= – Eine sogenannte =Zauberkunst=, wobei Geisterbeschwörungen, Charaktere und andere übernatürliche Dinge vorkommen, giebt es nicht!
Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von =Sympathie= und =Antipathie=, deren Unerklärliches, auf einer gewissen Stufe der Cultur, erzeugte den =Aberglauben=. So auch die Begierde, =in die Zukunft zu schauen=, um sich solche nach Willkühr anzueignen, und endlich das Bestreben, =höhere Wesen= (wenn der Mensch sie ahnet) in seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen, um durch diese zu erlangen, was man durch eigne Kraft nicht möglich machen kann – Das sind wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und der nächste Ursprung des =Zauber-Aberglaubens= alter und neuer Zeiten gewesen.
Bei allen Völkern gab es sogenannte _Magi_ oder Weise: die Griechen und Römer nannten sie =Philosophen=, die Indier =Braminen=, die Celten und Gallier =Druiden=, =Barden=; bei den Aegyptiern waren es die =Priester=, bei den Juden die =Cabbalisten= und =Propheten=. Noch finden wir Verehrer der Magie: den _Angekok_ in Grönland, den _Schaman_ in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer, den _Wogulitze_, und den _Abipone_ in Paraguay; in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf den Caraiben die _Playen_, in Afrika bei den Kafern und Hottentoten die _Gangas_ oder _Fetischirer_, die _Singhilis_ der _Gager_, die _Mirabus_ in Madagaskar u. s. w. Aber Allen liegt nur eine =Hauptidee= zum Grund, welche Alle leitet und beherrscht. –
Der berühmte, auch marktschreiersche _Theoph. Paracelsus_ sagt von der Magie überhaupt: »Sie ist eine behende, reine Kunst ohne Ceremonie, Beschwörungen, Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider, Kerzen, Licht, Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk, Charakter, Stiften, Bücher, ohne die _Pentacula_, die _Sigilla Salomonis_, ohne Krone, Scepter, Gürtel, Ring u. s. w. Nur die _Necromantie_ hat mit diesen Dingen zu thun. Die Magie gebraucht allein den =Glauben=, der Berge versetzt. Aber wenn sie gemißbraucht wird, mag auch Zauberei daraus geboren werden.« – Gleich darauf theilt er aber seine Magie in 6 Species ein:
1) _Magica artis_, Auslegung übernatürlicher Dinge.
2) _M. Transfigurativa_, Transformirung von einem Leib in den andern, wie es zu Mosis Zeiten geschehen ist.
3) _M. Characteralis_ lehrt Wörter machen, welche so viel wirken als des Arztes Arzenei.
4) _Gamaheos_, welches thut, was natürliche Instrumente thun, z. B. ein Schlüssel öffnet ein Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar macht.
5) _Altera in Altera_, Bilder zu machen, welche andern Menschen gleichen. Durch diese Bilder kann man demjenigen, den es vorstellt, alles anthun, ohne ihn zu berühren.
6) _Ars Cabalistica._ Z. B. es kann Einer im Occident mit einem Andern im Orient reden; denn was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das kann diese Kunst 100 Meilen.
Ist unser _Paracelsus_ hier nicht über die Grenze der Natur geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß nichts helfen wird! – In seiner _Necromantie_ lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne Versuche gemacht habe.
_Tharsander_, in seiner _Magia Naturalis_, sagt: die Magie soll eine Wissenschaft geheimer Dinge und der verborgenen Kräfte in der Natur sein, wodurch man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten, und solche Wirkungen hervorbringen kann, welche übernatürlich zu sein scheinen. Sie wird eingetheilt in die =Teuflische= und =Natürliche=.
Die =Teuflische=, welche auch _ceremonialis_[1] genannt wird, ist eine geheime Wissenschaft, sich mit den Geistern bekannt zu machen und durch deren Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten. Sie führt sonst den Namen =Zauberei=.
[1] Oder die =schwarze Magie=, davon =Schwarzkunst= und =Schwarzkünstler=. D. H.
Die =natürliche Magie=[2] ist eine Wissenschaft der natürlichen Dinge und ihrer verborgenen, theils wider einander streitenden Kräfte und Eigenschaften, welche nicht jedermann bekannt sind, derer man sich also zu bedienen weiß, daß, indem man sie mit einander absondert, daraus bewundrungswürdige und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch die übereinstimmenden und wider einander streitenden Kräfte und Eigenschaften versteht man die sogenannte =Sympathie= und =Antipathie=.
[2] Auch die =weiße Magie= genannt.
Die =natürliche Magie= wird ferner eingetheilt in eine =schlechterdings natürliche=, wo die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine =künstliche=, da man durch Hilfe der mathematischen Wissenschaften wunderbare Wirkungen hervorbringt, z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche Magie wird auch noch eingetheilt in die =weissagende= und =würkende=. Die erste geht mit Anzeigung verborgener und Vorhersagung zukünftiger Dinge um; in der zweiten aber wird Geschicklichkeit und Kunst mit den geheimen Wissenschaften verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt, z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn das Eisen, womit jemand verwundet worden, mit einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art die Wunde heilt. –
Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung einige gelehrte und weise Männer anführen, die theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch eigene und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei gerathen sind.
Der weise _=Salomo=_ selbst konnte nicht dem Verdacht der Zauberei entgehen. Die große Anzahl magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben werden, beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige davon: 1) _Clavicula Salomonis_; 2) das Buch _Lamene_; 3) das Buch _Pentaculorum_; 4) das Buch _de officiis Spirituum_; 5) das Buch _Razziel_; 6) _Speculum Salomonis_ u. s. w.
Der Bischof _=Albertus Magnus=_ von Regensburg, war ein großer Gelehrter, Philosoph und Theolog, daher der Beiname des Großen. Er fiel in den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen redenden Kopf, verfertigt haben soll. Einige Bücher über Magie, die aber untergeschoben worden sind, machten ihn noch verdächtiger.
_=Dr. Ioh. Faust=_, der allbekannte Zauberer, dessen Leben idealisch aufgefaßt, aber geschichtlich unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender Schüler und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst mit erfand, gewesen sein. Eben so ist auch sein Buch: »_Dr. Faust_ Höllenzwang,« wie sein Leben, erdichtet.
_=Theophrastus Bombastus Paracelsus=_ von Hohenheim (gest. 1541), den wir schon oben kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie, als auch in der Arzneikunst und Religion eine auffallende Rolle gespielt, und wird noch jetzt von Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über Magie hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit seiner Ideen, die Undeutlichkeit seiner Schreibart und die Dunkelheit einer Menge Wörter machten es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er selbst hat sich niemals seiner großen Geheimnisse, die er sich rühmte, bedient.
_=Ioh. Trittheim=_, Abt im Kloster Sponheim, war ein geschickter Mathematiker, Geschichtschreiber, Redner und Theolog, und wurde besonders von seinen Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich gehabt haben, der ihm Alles eröffnete – Das war freilich sein Verstand! – Sein Werk: _de Steganographia_, von verborgenen Schriften, welches aber untergeschoben sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig.
_=Heinr. Cornelius Agrippa=_, ein Schüler des _Trittheim_, war ein sehr gelehrter Mann. Seiner _Philosophia occulta_ wurde ein viertes Buch voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen angehängt, daher dieser vortreffliche Mann auch in den Verdacht der Zauberei kam, obgleich er in seinem Buche _de vanitate scientiarum_ seine Verachtung dagegen gezeigt hat.
So viel von den Berühmtesten, wenn diese als Zauberer nicht gelten, so werden die kleinen, die Betrüger und Taschenspieler von selbst wegfallen.
Die neuern, als _=Schwedenborg=_, _=Schrepfer=_, _=Saint Germain=_, _=Gassner=_, _=Messmer=_, _=Cagliostro=_, die Wunderheilungen des Fürsten _=Hohenlohe=_, des Bauers _=Martin Michel=_ u. a. m. wollen wir jetzt mit Stillschweigen übergehen.
In den frühesten Zeiten machten schon die Menschen bei geringen Entdeckungen natürlicher Dinge große Geheimnisse daraus, und setzten das unwissende Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten sie einen Wundernamen. In der Folge gaben sie vor, geheime Künste zu besitzen, die aber nichts waren. Die natürliche Magie ist aber nichts anders, als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten Wunderkünste sind natürlich.
Die =Magie= wird also immer demjenigen eine geheime Wissenschaft bleiben, welcher die Kräfte der Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt sie ein Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer noch viele neue Entdeckungen in der Natur geben, aber deswegen ist es und bleibt Alles nichts Uebernatürliches.
Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen Lesern und Leserinnen nach und nach die alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt, aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden haben, zu Tage fördern, nicht um die Dinge nach zu machen, sondern von der Entdeckung die Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur, Leichtgläubigkeit und Betrügerei der Zauberei und Hexerei Nahrung geben.
Denn eine gewisse Classe von Menschen in Städten und Dörfern legt jetzt noch einen großen Werth auf =Zauberbücher=, und kauft sie sehr theuer, wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten hat. Handschriften sind es gemeiniglich, die unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß solche Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen zu finden sind. –
Wir werden daher auch aus mehrern =Handschriften=, die sich in Criminalprocessen von Geisterbannern und Schatzgräbern vorgefunden haben, Auszüge (=durch freundliche Mittheilung=) mit wunderlichen Figuren geben können – Das ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen: die erste handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben, die dritte giebt Erzählungen, welche auf die erste Abtheilung Bezug haben.
Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten Plane, viele Abscheuligkeiten, wobei Gottes Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand, Leichtsinn und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken.
So möge nun die =Zauberei= oder =Hexerei= anfangen, und, nach unserm Plane, recht viel Gutes stiften!
=Von den Gespenstern.=
Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen Alterthum den Glauben an Gespenster, denn die Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange, sagt ein neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet, und eine Eigenschaft der einen Sache zur Eigenschaft der andern macht. Es kann kommen, wenn man eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine sie für die des Freundes, den er erwartet, der Andere für die des Feindes, den er fürchtet, und der Diener die Stimme für die seines Herrn hält.
Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden, behalten die Furcht, und die Nacht, den Kopf mit Gespenstern angefüllt, erzeugt Phantome, die nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische Dünste brachten das =Spuken= und die =Gespenster= hervor. Die Bewohner der Klöster fanden ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen den Gespensterglauben nicht nur zu lassen, sondern auch zu verstärken.
Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll eine geistige Substanz sein, die einen Körper angenommen, und darin sich sehen, hören und fühlen läßt, kurz, der =Geist des Verstorbenen=.
Dieser Geist, welchen Einige den =Astral-Geist= oder =Sternen-Geist= nennen, soll sich nebst der Seele im Menschen befinden. Der Mensch bestände nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen Leib, der unsterblichen Seele, und einem Mittelding zwischen diesen beiden, dem Astralgeist. Diese Lehre der Trialisten hat schon Plato angeführt, dann kam sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die Christen. Herr _Paracelsus_ ist vom Astralgeist eingenommen und sagt: »der Mensch besteht aus drei großen Substanzen, die erste ist die =Seele=, von Gott kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend; die andere der =Geist=, der aus dem Firmamente kommt, und aus Feuer und Luft besteht, auch endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung findet; die dritte Substanz ist der grobe =Leib=, welcher aus Erde und Wasser besteht, und wieder zur Erde werden muß.«
Da die Seele und der Körper des Menschen von ganz verschiedener Natur und verschiedenen Wesen sind, so kann man schwer begreifen, worin das Band und die genaue Vereinigung derselben besteht, daher bei diesen zwei Extremen, die gegen einander sind, nicht anders als durch ein Mittelding, welches in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern näher kommt, verbunden und vereinigt werden können. Dieses Mittelding sei zwar kein Geist, oder ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine sehr reine und subtile Materie, die wegen der Subtilität der Seele näher komme, als der grobe Leib des materiellen Wesens wegen dem Körper näher sei, als die ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines solchen Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit zu Hilfe, der sich oft bei den Menschen zwischen dem Verstand und den sinnlichen Begierden findet. Die Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen Kräfte des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte der Seele sein.
Dieser Astralgeist, sagt _Paracelsus_, erscheint nach dem Tode des Menschen noch eine Zeitlang, da er das Vermögen, die Gedanken, Einbildungen und Begierden, welche er beim Abschied vom Körper empfängt, und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume Zeit zu behalten u. s. w.